wintersale15_finalsale Hier klicken Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV

Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen15
4,2 von 5 Sternen
Format: TaschenbuchÄndern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 12. November 2010
Miljenko Jergovi' erzählt die Geschichte einer Frau (und ihren weiteren Familenangehörigen) aus Dubrovnik, deren Leben praktisch das ganze 20. Jahrhundert erfasst. Und er erzählt diese Geschichte rückwärts! Im "ersten" Kapitel (das die Nummer XV trägt) erfährt der Leser von den Ereignissen nach dem Tod der Protagonistin, danach liest man das Kapitel Nummer XIV wo von ihrem Tod die Rede ist, und so weiter, jedes Kapitel ist gleichsam die Vorgeschichte des bereits gelesen. Und das Konzept geht auf, die Lektüre bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend.
Der Autor nimmt uns mit auf einer Reise durch die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts, erzählt aus den höchst individuellen Blickwinkeln seiner Figuren, einfacher Menschen, durchwegs Kindern ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft. Viele Details meiner (lückenhaften) Geschichtskenntnisse wurde mir erst bei der Lektüre dieses Buches klar, denn hier geht es nicht um das Erzählen "großer" Geschichte, sondern um die Wirkung die historische Veränderungen auf ganz normale Menschen haben, wie diese damit Umgehen und darüber denken.
"Freelander" vom selben Autor ist noch viel mehr eine Mentalitätsstudie des "homo croaticus" und seiner Verwandten als dieses Buch. "Das Walnusshaus" ist einfühlsamer geschrieben. Eines der besten Bücher die ich in diesem Jahr gelesen habe.
(Diese Rezension bezieht sich auf die kroatische Originalausgabe)
0Kommentar10 von 10 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Mit der verrückten Manda, die den Briefträger beißt, beginnt alles und damit, dass sie im Krankenhaus von einem Arzt mit einer Überdosis eingeschläfert wird. 97 ist die Alte und hat ein ganzes Jahrhundert in Dubrovnik erlebt. Stück für Stück rollt der Autor ihr Leben auf, geht zurück und nach und nach erleben wir die Geschichte der Frau wie ihrer Heimatstadt Dubrovnik. Kroatisch ist sie, als Manda stirbt; davor belagerten serbische Tschetniks sie; jahrzehntelang gehörte sie zu Titos Jugoslawien und alle weinten, als der große Vater starb; im zweiten Weltkrieg kämpften faschistische Ustascha Truppen, serbischen Tschetniks und kommunistischen Partisanen um sie; zwischen den Kriegen herrschte das jugoslawische Königreich und als die Heldin geboren wurde, regierte der österreichische Kaiser Franz Joseph. Rückwärts erzählt der Roman die Geschichte, beginnt beim Tod und endet in der Kindheit.

Friedlich ist sie auch nicht. Die Brüder der verrückten Manda scheitern bis auf den, der sich aller Politik entzieht und als reicher Käsehändler in Italien endet. Sie selbst verliebt sich in einen Doppelgänger Rudolph Valentinos, der sie bald verlässt, heiratet einen Seemann, der, wie sich herausstellt, eine Geliebte in den USA hat und monatelang durch das umkämpfte Jugoslawien des zweiten Weltkriegs irrt. Überhaupt hat jede Figur des Romans ihre eigene Geschichte, begegnet anderen Personen, die wiederum eigene Geschichten haben, ist konfrontiert mit dem blutigen und wechselhaften Hin und Her des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen Adria und Balkan, zwischen dem alten Dubrovnik, das über Jahrhunderte unabhängig war und Bosnien, das bis 1878 zum osmanischen Reich gehörte. Nur wenige Kilometer trennen beide, aber sie könnten verschiedener nicht sein.

Die Vielzahl der Figuren und Geschichten faszinieren und manchmal ermüden sie auch. Wie Gabriel Garcia Marquez fabuliert Jergovic und wie dieser verliert er sich manchmal in seinen Geschichten. So liest sich vieles atemberaubend, bei anderem fragt man sich dann aber doch, warum es eigentlich erzählt wird. Straffen hätte dem opulenten Werk durchaus gut getan.

Das Niveau des Vorgängers "Buick Rivera" erreicht dieses Buch nicht. Eher ist es eine Familiensaga, die vom Leser einiges an Durchhaltevermögen abverlangt, ihn allerdings auch immer wieder mit grandiosen Stellen belohnt. Nicht vergessen sollte man den Stil, Jergovic ist ein Meister der Sprache, ohne sich in Manierismen zu verlieren.

Eines allerdings hätte dem Buch gut getan: Ein Anhang mit Fakten der Geschichte. Für Kroaten mag es bekannt sein, warum Ende der Vierziger Stalin erst geliebt, dann gehasst werden musste, für deutsche Leser ist die Kenntnis des Bruchs zwischen Stalin und Tito 1948 und manches andere nicht selbstverständlich. Vor allem jüngere Leser dürften an manchen Stellen ratlos davor stehen.

So ist das Buch eine opulente Familiensaga, stilistisch blendend formuliert, manchmal mitreißend erzählt, manchmal aber auch etwas langatmig.

(C) Hans Peter Roentgen
0Kommentar11 von 12 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. August 2014
Miljenko Jergovic, Das Wallnußhaus

Anhand der Familiengeschichte der Sikirics skizziert Jergovic die Geschichte Jugoslawiens, die Geschichte Bosnien und Herzegowina von ca. 1880 bis heute. Von der Darlegung der vieler Herrscher über Bosnien und Herzegowina und bei der Erklärung welche Nationalität wann wo verfolgt, bekriegt und ermordet wurde, wird es dem Leser manchmal ganz schwindelig. Man muss sich nämlich die Geschichtstränge während des Lesens selbst zusammensuchen, denn Jergovic schreibt die Geschichte nicht chronologisch.
Aber es geht hier nicht alleine um die Geschichte, es geht vor allem um die Menschen.
Der Roman besitzt eine tolle Sprache, hat eine starke Ausdruckskraft und schafft es somit, die Menschen darin so unglaublich lebendig werden zu lassen, dass man diese gerne selbst kennen lernen würde.
Viele Sätze liest man mit Freude zweimal. Viele Ausdrücke lässt man sich auf der Zunge zergehen. Manchmal muss man schmunzeln, weil die Charaktere so treffend beschrieben werden, dann ist man wieder sprachlos ob so viel Gewalt die im Leben statt finden kann. Neben der tollen Sprache ist auch Jergovics Sicht auf das Leben interessant. Hier würde ich mir sogar erlauben, Jergovic einen Philosophen zu nennen. Ich habe das Gefühl, er vermittelt uns den Gedanken, das Leben ist das, was wir heute tun, was uns heute passiert. Morgen kann es vorbei sein. Mit dem Tod ist das Leben des Gestorbenen hier zu Ende, es ändert sich durchaus das Leben der zurückgebliebenen Familienmitglieder. Die Umgebung berührt es jedoch nicht weiter. Die Welt dreht sich weiter auch ohne mich und ohne dich. Viele der Protagonisten in diesem Roman ereilt der Tod von jetzt auf dann, mal ist der Krieg schuld, mal der böse, gewalttätige Nachbar, mal passiert es durch Unfall und auch das Ableben nach einer langen Krankheit, oder durch das hohe Alter vergisst Jergovic nicht zu beschreiben. Die Figuren leben ihr Leben, sei es das Leben in Armut, in Unwissenheit, in Rückständigkeit, manche auch im Erfolg egal, sie leben es so, wie sie es am besten wissen, wie sie es am besten können und am besten schaffen. Und jeder hält in seinem Schoß das, was er für sein ganz persönliches Glück hält und sei das noch so klein. Jeder Mensch ist für sich einzigartig, hat seine Träume, Wünsche, Ziele, die nicht immer, oder bei Jergovic fast nie erfüllt oder erreicht werden. Alle Tragik, die den Gestalten im Roman auferlegt ist, nimmt der Leser während der Lektüre als etwas ganz normales, als etwas zum Leben gehörendes hin. Es wird einem klar vor Augen geführt, wie schnell es passieren kann, dass der Freund morgen dein Feind sein kann, dass der Nachbar, der dir heute hilft, durch politische Veränderung durchaus bereit ist, dich morgen zu erschießen. Jergovic schafft es allerdings so zu schreiben, dass man über die Tragik nicht verzweifelt.
0Kommentar2 von 2 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 15. August 2014
Miljenko Jergovic erzählt die Geschichte einer Frau (und ihren weiteren Familienangehörigen) aus Dubrovnik, deren Leben praktisch das ganze 20. Jahrhundert erfasst. Und er erzählt diese Geschichte rückwärts! Im "ersten" Kapitel (das die Nummer XV trägt) erfährt der Leser von den Ereignissen nach dem Tod der Protagonistin, danach liest man das Kapitel Nummer XIV wo von ihrem Tod die Rede ist, und so weiter, jedes Kapitel ist gleichsam die Vorgeschichte des bereits gelesen. Und das Konzept geht auf, die Lektüre bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend.
Erzählt wird nicht weniger als eine Familiensaga, die sich um die 1905 geborene, 2002 gestorbene Regina Delavata dreht, die aber bis ins Jahr 1878 zurückreicht. Von Linearität aber gibt es in dem Roman keine Spur. Mit seinen vielen Zwischen- und Unterkapiteln, in vielen Ortswechseln vom eigentlichen Schauplatz Dubrovnik in die Hauptstädte Westeuropas, aber auch in balkanisches Bergland entfaltet Jergovic ein Epos aus Nebengeschichten, die freilich stets in pointiertem Bezug zur "großen Geschichte" stehen.
Es gibt keine historischen oder biographischen Zwangsläufigkeiten, sondern nur Ereignisse, die sich zu Folgen verbinden, die auch völlig anders hätten sein können. Jergovic scheint sich mehr für die Menschen zu interessieren, denn für die Zeitläufte, in denen sie stehen und vermittelt gerade so auch vieles über eben diese Zeitläufte.
Frieden ist etwas sehr fragiles und Miljenko Jergovic hat ein Buch für den Frieden geschrieben.
Sein Stil ist überaus wandlungsreich, aber immer einfühlsam. Mühelos trifft er komische, vulgäre und auch tragische Töne in unterschiedlichster Nuancierung. Hier kannst du einen begnadeten Erzähler, einen herausragender Stilist und einen bissigen Essayisten entdecken.
Minutiös inszenierte und detailfokussierte Szenen erfreuen den Leser. Raffiniert und vieldeutig sind sie von Abrechnungen mit nationalen Mythen gespickt sind. Popverweise und politische Pamphlete reihen sich in inneren Monologen aneinander und gehen perfide in auktoriale Rede über.
Der Kunstgriff des Rückwärtserzählens bietet reizvolle technische Möglichkeiten und weist dem Leser, der sich ständig neu orientieren muss, eine aktivere Rolle als gewöhnlich zu.
Das Buch ist nichts für Leser, die schnelle, einfache Unterhaltung suchen. Jede Facette des Buches verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit. Ein schwerer Stoff, federleicht erzählt, aber weder belehrend noch einschläfernd
0Kommentar1 von 1 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. September 2010
600 Seiten prallvoll mit Geschichte und Geschichten. Bunt, vielfältig und nebenbei auch noch lehrreich. Ein Buch, dass man vorwärts und rückwärts lesen kann (es fängt mit Kapitel XV an und hört mit Kapitel I auf), das so ganz nebenbei erahnen lässt, dass es keine historischen oder biographischen Zwangsläufigkeiten gibt, sondern nur Ereignisse, die sich zu Folgen verbinden, die auch völlig anders hätten sein können. Jergovi' scheint sich mehr für die Menschen zu interessierne, denn für die Zeitläufte, in denen sie stehen und vermittelt gerade so auch vieles über eben diese Zeitläufte.
Die Übersetzung von Brigitte Döbert liest sich leicht und flüssig und lässt den Leser unbeschwert in die ganz eigene Atmosphäre des Romans abtauchen.
Vermisst habe ich ein Glossar in dieser Ausgabe, denn ich zumindest wusste nicht auf Anhieb, was die 'aršija, was Boza oder Noghul ist, oder wer die Domobran waren. Auch wäre eine kleine Ausprachehilfe nett gewesen.
Insgesamt ein tolles Buch, das man auf Grund seiner Struktur auch gut in Etappen lesen könnte -- wenn man den wollte. Die Ausgabe ist allerdings verbesserungswürdig. Daher nur vier Sterne.
0Kommentar5 von 6 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. März 2009
Ein wirklich sprachlich herausragender Roman, der -raffiniert erzählt, nämlich in gewisser Weise rückwärts- die Geschichte des Balkans in tausend kleinen Geschichten verwickelt. Mitreissend von Anfang an, dabei immer wieder starke Sätze, die mitten ins Herz treffen, ebenso komisch wie tragisch und lebensprall. 'Je weniger Liebe du im Leben bekommst, desto eher brauchst du solche Geschichten.', heißt es einmal. Und der Roman erzählt genau solche Geschichten! Beglückend!!
0Kommentar4 von 5 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. November 2011
Ratko Mladic ist dieser Tage in aller Munde und mit ihm erinnern wir uns wieder der Greueltaten, die nicht weit von uns vor knapp 20 Jahren in ehemaligen Yogoslawien stattfanden. Wer mehr über die Hintergründe des Bürgerkrieges (1992-1995) erfahren will, sollte "Das Wallnusshaus" lesen.

Miljenko Jergovi' gewährt in seiner wunderbaren Erzählung tiefe Einblicke zumindest in die kroatische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit der Familie Sikiri' durchschreitet der Leser Höhen und Tiefen Dubrovniks zwischen 1905 und dem Balkankrieg. Gleichzeitig ist das Werk ein ausgezeichneter Familien- und Liebesroman.

Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH 2008
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. April 2011
Ich habe zwar derzeit erst knapp die Hälfte des Buches gelesen, bin aber bereits begeistert! In wunderbar narrativer Weise spannt der Autor in Rückblenden rund um die schlußendlich verrückt gestorbene Regina aus vielen kleinen Geschichten eine große Geschichte. Diese gibt einen wunderbaren Einblick in das Kroatien und den Balkan des letzten Jahrhunderts und macht dabei Lust, sich mit der wechselhaften Geschichte dieses "turbulenten" Landstrichs weiter zu beschäftigen.
Am Anfang war ich skeptisch, weil ich nicht dachte, dass dies ein Buch für mich ist, nun bin ich begeistert!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Oktober 2011
Anfangs habe ich gestöhnt weil es so ein dickes Buch ist und man sich an den Schreibstil gewöhnen muss aber das Durchhalten" am Anfang hat sich gelohnt.
Es wird die Geschichte einer kroatischen Familie in Dalmatien erzählt. Dazu gehört die Herzlichkeit, Wärme und Emotionalität der Familie aber zum anderen hat diese Nähe auch eine Kehrseite. Die Kehrseite ist die undiplomatische und oftmals brutale Art wie mit den Familienmitgliedern umgegangen wird. Dies zeigt sich in der Geschichte dieser Familie. Es wird die Geschichte von mehreren Generationen erzählt. En passant bekommt man auch die letzten 50 Jahre der jugoslawischen Geschichte mit (Achtung: keine zu hohen Erwartungen an die geschichtlichen Aspekte stellen!).
Die Geschichte fesselt bis zum Schluss und ich würde das Buch auf alle Fälle wieder lesen! Also Daumen hoch auch für alle dicken-Buch-Muffel-Leser" weil das Buch wirklich gut erzählt ist.
0Kommentar2 von 3 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. April 2011
Ich habe zwar derzeit erst knapp die Hälfte des Buches gelesen, bin aber bereits begeistert! In wunderbar narrativer Weise spannt der Autor in Rückblenden rund um die schlußendlich verrückt gestorbene Regina aus vielen kleinen Geschichten eine große Geschichte. Diese gibt einen wunderbaren Einblick in das Kroatien und den Balkan des letzten Jahrhunderts und macht dabei Lust, sich mit der wechselhaften Geschichte dieses "turbulenten" Landstrichs weiter zu beschäftigen.
Am Anfang war ich skeptisch, weil ich nicht dachte, dass dies ein Buch für mich ist, nun bin ich begeistert!
0Kommentar2 von 3 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden