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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berlin-Atmosphäre satt in den 30ern: Wie Kino im Kopf!
1930: "Alles war im Smoking oder Abendkleid: die große Gesellschaft wie der Pöbel, Ehefrauen, Mätressen, Huren, Transvestiten, Spieler, Zuhälter und der Polizeipräsident persönlich".
1943: Daniel Saporta versteckt sich vor den Nazis und schreibt seine Erinnerungen - als achtzehnjähriger Sproß einer jüdischen...
Veröffentlicht am 15. August 2008 von N. Bursch

versus
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 1001 Nächte im Naziberlin
Mit überbordend-orientalischer Fabulierlaune bebildert der Ich-Erzähler, ein in Damaskus aufgewachsener vielsprachiger Jude, seine Karriere erst als Commis eines jüdischen Gewürzhändlers in Berlin, als Frauenheld, als getarnter Franco-Spanier, als Besitzer des Nachtklubs "Kaukasus", in dem erst Roaring-Twenties-Promis, später...
Veröffentlicht am 15. Juni 2009 von Lothar Müller-Güldemeister


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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berlin-Atmosphäre satt in den 30ern: Wie Kino im Kopf!, 15. August 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Café Berlin (Taschenbuch)
1930: "Alles war im Smoking oder Abendkleid: die große Gesellschaft wie der Pöbel, Ehefrauen, Mätressen, Huren, Transvestiten, Spieler, Zuhälter und der Polizeipräsident persönlich".
1943: Daniel Saporta versteckt sich vor den Nazis und schreibt seine Erinnerungen - als achtzehnjähriger Sproß einer jüdischen Händlerdynastie wird er aus Damaskus nach Berlin geschickt, muß einen Kulturschock verdauen und sattelt mit nonchalanter Anpassungsfähigkeit vom Gewürzhändler zum Nachtclubimpresario um. Statt nach der Machtergreifung der NSDAP in den Orient zu flüchten, verwandelt er sich in den Spanier Salazar, einen scheinbar glühenden Faschisten, dessen Halbweltclub bei den Herrschenden höchst beliebt ist. Daniel spielt ein gefährliches Spiel, er spioniert für die Gegner Deutschlands und riskiert seine große Liebe und sein Leben...

Harold Nebenzal erzählt atmosphäresatt aus einer Zeit, die zwischen existentieller Not und hemmungsloser Lebensgier schwankt. Die Erzählung jongliert mit Kontrasten und Ambivalenzen: Daniels Weg vom alten, blumigen (aber auch grausamen) Orient ins scheinbar zivilisierte Deutschland; stramme Nazis, die sich für Monstrositätenkabinetts und orientalische Huren begeistern; Daniels Tanz auf dem Vulkan zwischen Egotrip, Selbsterhaltung und moralischem Anspruch, sein nagendes Gewissen wegen derer, die um seines Erfolges und Überlebens willen auf der Strecke geblieben sind.

Das Buch liest sich spannend und facettenreich; Handlung und Charaktere sind sehr differenziert - insbesondere bedient der Autor nicht etwa das Klischee "Amerikaner schreibt über Nazideutschland"! Lediglich ein Ausflug des schillernden Impresarios in den Partisanenkampf auf dem Balkan wirkt nicht so recht glaubwürdig.

Nebenzal schreibt so plastisch, daß sich in meinem Kopf schier eine Kinoleinwand auftat. Bin begeistert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Café Massel, 11. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Cafe Berlin (Gebundene Ausgabe)
So verrückt es klingt, so möglich klingt die verrückte Romanhandlung auch. Ein gutaussehender gewitzter 17jähriger sephardischer Jude kommt 1929 aus Damaskus ins Berlin am Vorabend der Weltwirtschaftskrise und macht dort Furore mit einer dollen Neuigkeit, wie man sie noch nicht einmal im Berlin der zwanziger Jahre gekannt hat: einem edlen Etablissement ganz im Stil des Vorderen Orients, an dem kein Pascha etwas auszusetzen gehabt hätte, mit allem Drum und dran, echten orientalischen Bauchtänzerinnen und obendrein Portiers, deren Karriere einstmals am russischen Zarenpalast begonnen hatte. Ein letztes Mal geben sich im "Klub Kaukasus" die letzten Reste der Roaring Twenties die Ehre; hier trifft sich, was auf sich hält -- im Gästebuch finden sich u.a. die Namen von Emil Jannings, Gottfried von Cramm, Max Schmeling, Jan Kiepura und Joseph Goebbels in seltener Eintracht... Das klingt vielversprechend nach Schelmenroman, und das Versprechen wird eingelöst. Aber zurück zum Roman:

1933 kommen die Nazis, und alles wird anders. So absurd es auch klingt, aber dass auch der Kaukasus Klub peu à peu zum Edelbordell für NS-Größen verkommt, das setzt Daniel Sapora mehr zu als alle Politik. Dass man in Deutschland die Geschichte der Juden nicht so richtig kennt, nichts von den Sepharden weiß, dass er unter seinem neuen Namen Daniel Salazar locker als Spanier durchgeht, dank leidlichen Spanisch-Kenntnissen und Franco-Porträt im Büro, das lässt ihn in bester Marranen-Tradition lange in seiner eigenen Wirklichkeit leben. Und dann ist da sein engster Mitarbeiter und Freund, der unerschütterliche Lohmann. Mit allen Wassern gewaschen, bewegt Lohmann sich im Kiez wie der Fisch im Wasser. Mit seiner Hilfe kann Daniel das "Kaukasus" weiterführen, und für exotischen "Nachschub" für die stets nach "frischer Ware" dürstende Kundschaft kann er sogar während des Krieges sorgen. Geschäft ist Geschäft, da lässt der Geschäftsmann die Gefühle draußen warten. Freilich, wer jetzt viel Haut nach Art des rtl-Nachtprogramms erwartet, der sollte nicht weiterlesen, denn darum geht es Harold Nebenzal zum Glück nicht. Ganz im Gegenteil zeichnet er einige Schicksale nach, ihre Jugend im Orient und die Gründe, wie und warum sie zu dem wurden, das sie nun sind. Auch wenn's gelegentlich schablonenhaft wirkt -- platt wird's nie; gelegentlich nimmt Nebenzal sogar die Schablone aufs Korn, die beim Genre nunmal beliebt ist.

Zurück zum Roman: So weit, so gut die Schelmengeschichte mit gelegentlichem Tiefgang. Aber jetzt kommt die "große" Geschichte ins Spiel, und zwar in Person eines gewissen Archäologie-Professors namens Steinbruch, eine Zufallsbekanntschaft von Daniel. Der gehört zum Widerstand und hat den Auftrag, die Verbindungen des NS-Regimes zu seinen arabischen Verbündeten, insbesondere Amin al-Husseini, und bosnischen Muslimen auszuspionieren (dochdoch. Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache: Es gab sogar muslimische bosnische SS-Einheiten. Und die spielen im Roman alle eine Rolle). Und deren Rolle wiederum war im Vorderen Orient im Krieg gegen die britischen Truppen nicht unwichtig, ums Erdöl ging's auch, und so ganz nebenbei gab's auch da Pogrome gegen etliche sephardische jüdische Gemeinden im Vorderen Orient und auf dem Balkan, z.B. in Sarajewo, Saloniki und Bagdad, Damaskus, Aleppo... Inmitten all der realen Geschichte nun die Romanfigur Daniel Sapora/Salazar mit speziellem Auftrag. Um's vorwegzunehmen, ohne die Handlung zu verraten: Der Auftrag selber ist arg konstruiert, aber die Geschichte ist hervorragend erzählt, und durch einen geschickten Kniff wird dem Leser der historische Hintergrund ohne professorales Gehabe vermittelt.

Spannung mit Tiefgang und Lokalkolorit, wie man sich's besser nicht wünschen kann -- und jetzt kommt's noch dicker, und zwar auch noch mit einer unschuldig daherkommenden Frage, mit der ein schlechterer Romancier den Roman gründlich überfrachtet hätte: Kann man sich immer die Hände in Unschuld waschen? Steinbruchs Begründung für seinen Spionage-Auftrag an den gut getarnten Juden Daniel lässt sich nämlich, mit etwas (nicht allzu viel) Bosheit auf den sattsam berüchtigten Slogan "Du bist nichts, dein Volk ist alles" reduzieren. Aber andererseits: Was heißt hier Bosheit -- hier gehört auch die Meldung zu den vielen Façetten, dass die jüdische Gemeinde von Saloniki, in der Daniel Verwandte hat, soeben nach Auschwitz transportiert wurde... Freilich gibt es auch weniger edle Motive. Und es kommt noch dicker: Noch nicht einmal so sehr um Daniels eigenen Kopf und Kragen geht es, sondern dass er das Leben seiner Geliebten dabei ruiniert, das nimmt Daniel bei seinem Heldentum in Kauf. So edel ist er also garnicht, wie man vermuten könnte, und ein Held erstrecht nicht. Klingt nicht gerade nach talmudischer Geschichtsbetrachtung, zumal er nicht allzu gut aussieht, wenn's drum geht, einem gewissen Chayjm Spiegel aus höchster Not zu helfen... Der Spiegelbilder immer noch nicht genug: Auch Lohmann wird in dieser Hinsicht zu einem Gegenstück Daniels. Klingt kompliziert, aber Nebenzal erzählt das alles so locker, als hätte er das schon immer getan.
Auch der Romanaufbau ist gelungen; Nebenzal erzählt nicht ermüdend streng chronologisch. Stattdessen lässt er seinen Helden wider Willen in seinem Versteck den Weg Revue passieren, der ihn ins Dachboden-Versteck geführt hat. Diese Erinnerungen sind eher assoziativ als chronologisch oder thematisch geordnet. Dennoch bleibt der Rote Faden erkennbar; chaotisch wird das Ganze nie, der Leser verliert nie den Überblick, und langweilig wird die Lektüre sowieso nicht.

Freilich, wer hier die Qualitäten eines, sagmermal, Theodor Fontane erwartet, der erwartet zu viel. Aber das wird dem Leser eh klar sein. Dass die schwersten Einwände ans deutsche Korrektorat gehen -- mit "Hejaz" ist der Hedschas gemeint, mit dem "Hajj" ein "Hadschi" u.ä.; ein, zwei komische Schusseleien kommen noch hinzu -- also, das sagt doch alles über die Klasse des Romans.
"Café Berlin" tritt an in der Kategorie "Intelligente tragische Schelmen-Schlemihl-Liebes-Spion-Kolportage vor historischem Hintergrund", irgend sowas halt (für die Schubladenfans), und da schlägt er sich mehr als nur wacker. Skurril, makaber, grotesk, verblüffend, erschütternd, nie moralisierend, nie verniedlichend, auch niederschmetternd.
Kolportage reinsten Wassers mit bitterernstem Hintergrund. Soviel Tief- und Hintergründiges dermaßen locker erzählt -- das bekommt man nicht alle Tage zu lesen.
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4.0 von 5 Sternen Lesenswert!, 15. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cafe Berlin (Taschenbuch)
Auch wenn manches nicht ganz glaubhaft dargestellt ist, auch wenn der Erzähler manche Chance, ein wirklich ergreifendes Buch zu schreiben, ist es doch lesenswert, weil es die Jahre von 1929 bis 1945 aus einer ungewohnten Perspektive beschreibt.
Leider wird zu viel berichtet und zu wenig als Szene gestaltet. Hier hat der Autor ein paar Chancen verpasst.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Café Massel, 11. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Café Berlin (Taschenbuch)
So verrückt es klingt, so möglich klingt die verrückte Romanhandlung auch. Ein gutaussehender gewitzter 17jähriger sephardischer Jude kommt 1929 aus Damaskus ins Berlin am Vorabend der Weltwirtschaftskrise und macht dort Furore mit einer dollen Neuigkeit, wie man sie noch nicht einmal im Berlin der zwanziger Jahre gekannt hat: einem edlen Etablissement ganz im Stil des Vorderen Orients, an dem kein Pascha etwas auszusetzen gehabt hätte, mit allem Drum und dran, echten orientalischen Bauchtänzerinnen und obendrein Portiers, deren Karriere einstmals am russischen Zarenpalast begonnen hatte. Ein letztes Mal geben sich im "Klub Kaukasus" die letzten Reste der Roaring Twenties die Ehre; hier trifft sich, was auf sich hält -- im Gästebuch finden sich u.a. die Namen von Emil Jannings, Gottfried von Cramm, Max Schmeling, Jan Kiepura und Joseph Goebbels in seltener Eintracht... Das klingt vielversprechend nach Schelmenroman, und das Versprechen wird eingelöst. Aber zurück zum Roman:

1933 kommen die Nazis, und alles wird anders. So absurd es auch klingt, aber dass auch der Kaukasus Klub peu à peu zum Edelbordell für NS-Größen verkommt, das setzt Daniel Sapora mehr zu als alle Politik. Dass man in Deutschland die Geschichte der Juden nicht so richtig kennt, nichts von den Sepharden weiß, dass er unter seinem neuen Namen Daniel Salazar locker als Spanier durchgeht, dank leidlichen Spanisch-Kenntnissen und Franco-Porträt im Büro, das lässt ihn in bester Marranen-Tradition lange in seiner eigenen Wirklichkeit leben. Und dann ist da sein engster Mitarbeiter und Freund, der unerschütterliche Lohmann. Mit allen Wassern gewaschen, bewegt Lohmann sich im Kiez wie der Fisch im Wasser. Mit seiner Hilfe kann Daniel das "Kaukasus" weiterführen, und für exotischen "Nachschub" für die stets nach "frischer Ware" dürstende Kundschaft kann er sogar während des Krieges sorgen. Geschäft ist Geschäft, da lässt der Geschäftsmann die Gefühle draußen warten. Freilich, wer jetzt viel Haut nach Art des rtl-Nachtprogramms erwartet, der sollte nicht weiterlesen, denn darum geht es Harold Nebenzal zum Glück nicht. Ganz im Gegenteil zeichnet er einige Schicksale nach, ihre Jugend im Orient und die Gründe, wie und warum sie zu dem wurden, das sie nun sind. Auch wenn's gelegentlich schablonenhaft wirkt -- platt wird's nie; gelegentlich nimmt Nebenzal sogar die Schablone aufs Korn, die beim Genre nunmal beliebt ist.

Zurück zum Roman: So weit, so gut die Schelmengeschichte mit gelegentlichem Tiefgang. Aber jetzt kommt die "große" Geschichte ins Spiel, und zwar in Person eines gewissen Archäologie-Professors namens Steinbruch, eine Zufallsbekanntschaft von Daniel. Der gehört zum Widerstand und hat den Auftrag, die Verbindungen des NS-Regimes zu seinen arabischen Verbündeten, insbesondere Hadschi Amin al Husseini, und bosnischen Muslimen auszuspionieren (dochdoch. Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache: Es gab sogar muslimische bosnische SS-Einheiten. Und die spielen im Roman alle eine Rolle). Und deren Rolle wiederum war im Vorderen Orient im Krieg gegen die britischen Truppen nicht unwichtig, ums Erdöl ging's auch, und so ganz nebenbei gab's auch da Pogrome gegen etliche sephardische jüdische Gemeinden im Vorderen Orient und auf dem Balkan, z.B. in Sarajewo, Saloniki und Bagdad, Damaskus, Aleppo... Inmitten all der realen Geschichte nun die Romanfigur Daniel Sapora/Salazar mit speziellem Auftrag. Um's vorwegzunehmen, ohne die Handlung zu verraten: Der Auftrag selber ist arg konstruiert, aber die Geschichte ist hervorragend erzählt, und durch einen geschickten Kniff wird dem Leser der historische Hintergrund ohne professorales Gehabe vermittelt.

Spannung mit Tiefgang und Lokalkolorit, wie man sich's besser nicht wünschen kann -- und jetzt kommt's noch dicker, und zwar auch noch mit einer unschuldig daherkommenden Frage, mit der ein schlechterer Romancier den Roman gründlich überfrachtet hätte: Kann man sich immer die Hände in Unschuld waschen? Steinbruchs Begründung für seinen Spionage-Auftrag an den gut getarnten Juden Daniel lässt sich nämlich, mit etwas (nicht allzu viel) Bosheit auf den sattsam berüchtigten Slogan "Du bist nichts, dein Volk ist alles" reduzieren. Aber andererseits: Was heißt hier Bosheit -- hier gehört auch die Meldung zu den vielen Façetten, dass die jüdische Gemeinde von Saloniki, in der Daniel Verwandte hat, soeben nach Auschwitz transportiert wurde... Freilich gibt es auch weniger edle Motive. Und es kommt noch dicker: Noch nicht einmal so sehr um Daniels eigenen Kopf und Kragen geht es, sondern dass er das Leben seiner Geliebten dabei ruiniert, das nimmt Daniel bei seinem Heldentum in Kauf. So edel ist er also garnicht, wie man vermuten könnte, und ein Held erstrecht nicht. Klingt nicht gerade nach talmudischer Geschichtsbetrachtung, zumal er nicht allzu gut aussieht, wenn's drum geht, einem gewissen Chayjm Spiegel aus höchster Not zu helfen... Der Spiegelbilder immer noch nicht genug: Auch Lohmann wird in dieser Hinsicht zu einem Gegenstück Daniels. Klingt kompliziert, aber Nebenzal erzählt das alles so locker, als hätte er das schon immer getan.
Auch der Romanaufbau ist gelungen; Nebenzal erzählt nicht ermüdend streng chronologisch. Stattdessen lässt er seinen Helden wider Willen in seinem Versteck den Weg Revue passieren, der ihn ins Dachboden-Versteck geführt hat. Diese Erinnerungen sind eher assoziativ als chronologisch oder thematisch geordnet. Dennoch bleibt der Rote Faden erkennbar; chaotisch wird das Ganze nie, der Leser verliert nie den Überblick, und langweilig wird die Lektüre sowieso nicht.

Freilich, wer hier die Qualitäten eines, sagmermal, Theodor Fontane erwartet, der erwartet zu viel. Aber das wird dem Leser eh klar sein. Dass die schwersten Einwände ans deutsche Korrektorat gehen -- mit "Hejaz" ist der Hedschas gemeint, mit dem "Hajj" ein "Hadschi" u.ä.; ein, zwei komische Schusseleien kommen noch hinzu -- also, das sagt doch alles über die Klasse des Romans.
"Café Berlin" tritt an in der Kategorie "Intelligente tragische Schelmen-Schlemihl-Liebes-Spion-Kolportage vor historischem Hintergrund", irgend sowas halt (für die Schubladenfans), und da schlägt er sich mehr als nur wacker. Skurril, makaber, grotesk, verblüffend, erschütternd, nie moralisierend, nie verniedlichend, auch niederschmetternd.
Kolportage reinsten Wassers mit bitterernstem Hintergrund. Soviel Tief- und Hintergründiges dermaßen locker erzählt -- das bekommt man nicht alle Tage zu lesen.
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Café Berlin by Harold Nebenzal, 19. August 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Café Berlin (Taschenbuch)
Harold Nebenzals »Cafe Berlin« führt mitten hinein in die deutsche Hauptstadt der Dreißiger und Vierziger Jahre - in das pulsierende Berlin der Neonreklamen und Jazzrhythmen, in das verdunkelte Berlin der Nazischergen und der Verfolgten. Eine literarisch außerordentlich attraktive Geschichte, deren Wahrheiten sowohl die deutsche Vergangenheit als auch unsere Gegenwart betreffen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 1001 Nächte im Naziberlin, 15. Juni 2009
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Café Berlin (Taschenbuch)
Mit überbordend-orientalischer Fabulierlaune bebildert der Ich-Erzähler, ein in Damaskus aufgewachsener vielsprachiger Jude, seine Karriere erst als Commis eines jüdischen Gewürzhändlers in Berlin, als Frauenheld, als getarnter Franco-Spanier, als Besitzer des Nachtklubs "Kaukasus", in dem erst Roaring-Twenties-Promis, später SS-Obersturmbannführer verkehren, und schließlich als Verschwörer und Mitglied des Widerstands. Die Geschichte ist arabeskenhaft verwoben, denn der Erzähler schreibt, nach seiner Enttarnung in einer Dachkammer versteckt und nur von seinem Freund und ehemaligen Majordomus Lohmann versorgt, abwechselnd mit Blick auf sein kümmerliches Dasein im Versteck und auf sein märchenhaftes Leben als Verkleidungskünstler, Genussmensch und zugleich in religiösen Skrupeln befangener Angehöriger seiner Glaubensgemeinschaft.

Das funktioniert als Bilderbogen der Zeit, vor allem für ein geschichtsinteressiertes Lesepublikum, ganz gut, bis der Autor auf die Idee kommt, den Protagonisten auf eine Reise à la Eric Ambler zu schicken. Ab hier verliert die Geschichte leider ihren anarchistischen Charme und Reiz und wildert ohne wirklichen Erfolg im Thriller-Genre. Als der Erzähler aus den Schluchten des Balkan nach Berlin zurückkommt, enden die Zweispurigkeit der Story und der Roman selbst etwas abrupt und enttäuschend.

Dennoch, im Großen und Ganzen ein ansprechendes Lesevergnügen, gespickt mit kenntnisreichen Hintergrundinfos aus der Geschichte der Nazizeit. Es gibt weitaus schlechtere Trivialromane...
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5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen umwerfend!, 23. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Cafe Berlin (Taschenbuch)
dieses Buch zieht einen in Bann- man muss es auslesen. Es zeigt auf der einen Seite den Irrsinn der Nazizeit- auf der anderen das bewegte Leben des D. Sapporta, nebenbei stellt man fest das auch in der Nazizeit die Lebenslust der Menschen ohne feinliche Gesinnung weiterging, wenn auch von Repressalien bedroht. Es ist ungewöhnlich spannend für eine Geschichte, die sich im dritten Reich abspielt.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr gutes, leider im Buchhandel vergriffenes Buch, 28. März 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cafe Berlin (Gebundene Ausgabe)
Sehr empfehlenswertes Buch über einen syrischen Juden, der in Berlin auf einem Dachboden versteckt das Naziregime übersteht und dabei seine Geschichte aufschreibt.
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2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht wie alle Bücher über die Nazis!!, 11. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Cafe Berlin (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und dachte erst es wäre wieder eines dieser typischen "2er Weltkrieg - Bücher"! Ich habe es gelesen und muss sagen, das ist das beste Buch was ich je gelesen habe darüber! Es ist keine der typischen geschichtlichen Darstellungen, die immer und immer wieder auf den Markt kommen! Nein es ist einfach ein kleines verrücktes Leben was dort erzählt wird, ein Leben was man sich als Leser anderer Kriegserzählungen nicht erklären kann. Dadurch wirkt sie ein wenig unwahrscheinlich, aber das ist es glaube ich, was sie so gut macht!
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastische Wiedergabe der Ereignisse im zweiten Weltkrieg als Hintergrund, 6. April 2010
Von 
Ulrike Fieglein "german reader" (Leander, TX 78641) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Café Berlin (Taschenbuch)
Cafe Berlin ist ein fesselndes und gut recherchiertes Buch. Die Geschichte des Hauptakteurs ist spannend und grossartig wiedergegeben. Eines der Buecher die man schwer aus der Hand legen kann. Ich wuerde das Buch jederzeit weiterempfehlen. Gut ausgearbeitete Detail die jedoch nicht in Langatmigkeit ausarten. Brilliante schriftstellerische Arbeit!
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Café Berlin
Café Berlin von Harold Nebenzal (Taschenbuch - 6. Januar 2006)
Gebraucht & neu ab: EUR 1,08
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