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am 5. Februar 2012
Es gibt zwei Arten von Büchern: Die einen liest man und am Ende klappt man sie zu. Man denkt noch kurz darüber nach, urteilt ob es gut war oder nicht und stellt es ins Regal. Damit ist der Prozess abgeschlossen.
Dann gibt es Bücher, die erlebt man. Für die Zeit, in der man sie liest lebt man zwischen den Buchdeckeln, man freundet sich mit den Charakteren an ' leidet, liebt und fühlt mit ihnen. Man vergisst die Welt um sich herum, wenn man liest und ist man am Ende angelangt ist man traurig, denn man verabschiedet sich von liebgewonnenen Figuren und bemerkt, dass eine gemeinsame Reise nun zuende geht.
Stephen King's neuestes Buch 'Der Anschlag' ist Zweiteres und ein weiterer Geniestreich in seiner Bibliographie.

Jake Epping ist und lebt nach einer schmerzhaften Trennung vor sich hin, bis sein Freund Al ihn in ein unglaubliches Geheimnis einweiht: Er kennt ein Portal, dass ins Jahr 1958 zurückführt und Al gewinnt ihn für eine wahnwitzige Mission ' Jake soll ihn die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy verhindern. Damals fielen in Dallas, Texas drei Schüsse, durch die der Präsident tödlich getroffen wurde. Dadurch veränderte sich die Welt für immer. Mit der Vorstellung, dieses historische Ereignis ungeschehen machen zu können, beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn unbekannten Zeit. Es ist die Welt von Elvis, JFK und großen amerikanischen Autos. Immer mehr wird Jake ein Teil eben dieser Welt und schließlich lernt er die Bibliothekarin Sadie Dunhill kennen, die zu seiner großen Liebe werden wird. Je näher Jake seinem Ziel jedoch kommt, dass Attentat zu verhindern, desto heftiger wehrt sich die Vergangenheit mit gnadenloser Gewalt gegen sein Eingreifen ' einer Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet'

Mit kraftvoller Sprache und ganz viel Gespür für Atmosphäre entwirft Stephen King einen Gesellschaftsroman, der die 50er und 60er Jahre Amerikas und ihre Merkmale zum Leben zu erwecken. Die Figuren sind unglaublich detailliert charakterisiert und die Art und Weise, wie der Erfolgsautor immer wieder die wichtigen historischen Ereignisse der Zeit in die Handlung einfließen lässt ist meisterhaft.
Die Spannung nimmt von Seite zu Seite zu und ließ mich persönlich bald gar nicht mehr los. Zudem ist die Liebesgeschichte zwischen Jake und Sadie eine der schönsten und berührendsten der letzten Jahre.

Stephen King nutzt alle Möglichkeiten der eh schon vielversprechenden Ausgangslage aus und deckt mit unglaublicher Treffsicherheit die verschiedensten Genres ab: Zeitreisethriller, Gesellschaftsportrait, Liebesgeschichte, Spionageroman und Charakterstudie ' dass all diese Themengebiete hier so harmonisch vereint werden ist ein weiterer Beweis für Kings unglaubliches Talent.

Ich habe dieses Buch ins Herz geschlossen und noch lange Zeit nach dem Lesen darüber nachgedacht. Relativ schnell ist es auf meiner Liste von Lieblingen gelandet.

'Der Anschlag' ist ein wunderbarer Roman geworden, geschrieben von einem vielfältigen Autor mit ganz großem Talent. Unbedingt lesen!
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am 29. Dezember 2012
Da ich mein erstes King-Buch mit 10 oder 11 verschlungen habe, kann ich von mir behaupten von Kindesbeinen Fan zu sein. Bisher habe ich noch kein Buch von meinem Lieblingsautor gelesen, das mich auch nur ansatzweise enttäuscht hat. Ich gehöre auch nicht zu jenen, die der Meinung sind, dass seine älteren Werke deutlich besser sind als die neueren. Sie sind anders, das bestreite ich nicht, aber gut unterhalten haben sie mich alle.

Ich bin also mit entsprechend hohen Erwartungen an "Der Anschlag" herangegangen - und das Buch hat jede Erwartung bei Weitem übertroffen.

Über den Inhalt wurde hier schon viel berichtet, deshalb werde ich mich diesbezüglich zurückhalten. Wer einen Horrorroman erwartet, wird enttäuscht sein. Die fantastischen Elemente (Zeitreise) sind hier nur ein Mittel zum Zweck. Hier beweist King, dass er mehr ist als der "King of Horror". "Der Anschlag spiegelt die amerikanische Gesellschaft in den späten 50er und frühen 60er Jahren wieder, mit allen Vor- und Nachteilen. King schafft es, den Leser in diese Zeit zu entführen, so dass dieser fast meint, den Fabrikmief selbst zu riechen und die Musik zu hören, zu der Richie und Beverly (alte Bekannte aus "ES") tanzen. Wie immer sind die Charaktere gut ausgearbeitet, selbst Nebencharaktere wachsen einem ans Herz und ich habe mich beim Ende des Buches bei dem Gedanken ertappt, dass die Hauptcharaktere mir fehlen werden. Eine weitere Stärke des Buches ist die Darstellung des Kennedy-Attentäters Oswald, die ich doch recht überzeugend fand. Er wirkt menschlich, greifbar, und King greift hier nicht zu der für ihn manchmal doch typischen Schwarz-Weiß-Malerei. Für mich war auch die Beschattung Oswalds über mehrere Jahre interessant und durchaus spannend beschrieben.

Zu all dem kommt eine authentische und herzerwärmende Liebesgeschichte, die aber nicht übertrieben in den Vordergrund rückt, sondern sich nahtlos in die Geschichte einfügt. Mit ihren leisen Tönen und allen Widrigkeiten hat die Geschichte von Jake und Sadie mich mehr berührt als so mancher Liebesroman.

Auch Actionfans kommen nicht zu kurz. Zwar liegt der Schwerpunkt dieses Buches ganz klar woanders, aber es gibt auch einige spannende und dann auch teilweise ziemlich heftige Szenen.

Zuletzt sei - völlig ohne Spoiler - zum Ende eines gesagt: King hat hier in meinen Augen alles richtig gemacht, was man richtig machen kann. Die Ausführungen zu der Zeitreise und der Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern sowie die Folgen, die daraus entstehen, sind (im Gegensatz zu der Auflösung von "Die Arena") für den Leser äußerst befriedigend. Und das, was danach kommt, zählt zu dem Schönsten, was ich je gelesen habe.

King schafft es hier, über 1000 Seiten durchgehend ein hohes Niveau (sowohl sprachlich als auch storytechnisch) zu halten und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Von allen Büchern, die er geschrieben hat - und das sind bekanntlich nicht wenige - ist dieses definitiv sein bestes. "Der Anschlag" ist tiefgründig, spannend, melancholisch, stellenweise sogar tieftraurig und hat doch eine positive Grundstimmung. Für mich lässt dieser Roman nichts zu wünschen übrig. Definitiv mein Lesehighlight 2012.
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TOP 500 REZENSENTam 20. Januar 2012
Was würde man tun, wenn man plötzlich die Gelegenheit hätte, in die Vergangenheit zu reisen? Diese Frage stellt sich für den Lehrer Jake Epping, als sein todkranker Freund Al Templeton ihm zeigt, dass sich im Lagerraum seines Restaurants ein Tor zur Vergangenheit befindet.
Genauer gesagt landet man im Jahr 1958. Und wenn man durch dieses Tor wieder zurück in die Gegenwart kommt, dann sind nur 2 Minuten vergangen. Jede neue Zeitreise löscht die Ereignisse der letzten Reise aus.
Templeton hatte sich während seiner zahlreichen Ausflüge in die Vergangenheit in die Idee verbissen, dass Attentat auf John F. Kennedy am 22.11.1963 in Dallas zu verhindern. Wegen seiner Krankheit kann er jedoch die 5 Jahre von 1958 bis 1963 in der Vergangenheit nicht durchhalten, weswegen er seinen Freund Jake bittet, diese Mission auszuführen.

Das Attentat auf JFK ist sicher für viele US-Amerikaner das bestimmendste Ereignis der Nachkriegszeit. Wenn überhaupt haben vielleicht nur die Terroranschläge von 9/11 eine ähnliche Bedeutung. Der Originaltitel des King-Buches "11.22.63" spielt nicht ohne Grund mit dieser Assoziation.
Für viele US-Bürger endete mit dem Tod Kennedys eine große Periode ihrer Geschichte und ein Abwärtstrend trat ein, der durch den Vietnamkrieg, Rassenkonflikt, den Watergate-Skandal und eine allgemeine gesellschaftliche Zerrissenheit gekennzeichnet war.
Stephen King greift also ein uramerikanisches Trauma auf, wenn er seinen Helden auf die Zeitreise schickt, um dieses Attentat zu verhindern. Dabei interessieren ihn nicht die zahllosen Verschwörungstheorien (an die King nach eigener Aussage nicht glaubt), sondern er schildert die vermeintlich heile Gesellschaft, die durch diese Tat zersört wurde.

In Kings Roman ist Jake Epping nach einigem Überlegen und einigen Testläufen bereit, dauerhaft in die Vergangenheit zu reisen. Er heftet sich an die Fersen des Kennedyattentäters Lee Harvey Oswald und versucht herauszufinden, ob dieser Alleintäter oder Teil einer Verschwörung war. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Wetten auf Sportereignisse (deren Ausgang ihm dank guter Vorbereitung in der Zukunft bekannt ist). Die Wartezeit überbrückt er, indem er wieder als Lehrer arbeitet. Dabei lernt er die Liebe seines Lebens kennen und gerät immer mehr in den Zweispalt zwischen einem glücklichen Leben in der Vergangenheit und der Erfüllung seiner Mission.
Und über all dem steht natürlich immer die Frage: Wenn es ihm gelingt, den Anschlag auf Kennedy zu verhindern, wird dann die Welt sich tatsächlich zum Besseren verändern ?

Mehr zum Inhalt will ich gar nicht verraten. Wie in vielen Romanen Kings gibt es neben der Haupthandlung viele Nebengeschichten, die fast schon selber kleine Romane sind. Fans wird es freuen, dass Jake Eppings Weg nach Dallas auch über Derry führt, wo er Figuren aus Kings Buch "Es" trifft.

In Kings Roman steckt viel Nostalgie. Er zeichnet ein sehr positives Bild der USA in den 60er Jahren und die Welt scheint besser zu sein als heute. Doch wenn man genau hinguckt, hat das Bild viele Risse und viele Konflikte der Gegenwart sind schon im Keim vorhanden. Für den nichtamerikanischen Leser ist die Zeitreise in die US-Gesellschaft der 60er Jahre unter Umtänden etwas langwierig, vor allem weil die eigentliche Story mit dem Kennedy-Attentat oft in den Hintergrund gerät. Aber King ist ein zu guter Schriftsteller, um auf Dauer Langeweile aufkommmen zu lassen. Seine Figuren sind lebendig und man verfolgt gebannt die Irrungen und Wirrungen auf Jake Eppings Mission.
Allerdings muss man sich auf diesen dicken Wälzer als Leser einlassen und darin versinken. Das Buch ist definitiv kein Thriller. Eher würde ich es großen Roman über die heutige US-Gesellschaft und ihre Wurzeln beschreiben.

King hat die Grundidee zu 11.22.63 bereits 1972 konzipiert. In vielerlei Dingen merkt man als King-Fan auch die Spuren des "frühen Kings". Das Buch hat mich vom Stil sehr an "Es" erinnert und es ist wohl kein Zufall, dass der Roman Verbindungen zu diesem Werk herstellt. Aber andererseits merkt man auch die schriftstellerische Erfahrung des "späten Kings", der nicht nur Thrill erzeugen will, sondern auch eine Geschichte über Menschen und die Gesellschaft erzählen möchte.

Ich bin mir sicher, dass das Buch leidenschaftliche Fans haben wird und andere es allein wegen seiner epischen Erzählweise langweilig finden werden. Ich persönlich war begeistert: King ist hier der ganz große Wurf gelungen, der ihn vom Spannungsautor zum großen Schriftsteller seiner Generation befördert.
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am 10. März 2012
Ich habe fast alle Romane von SK gelesen. Auch so "andere" Werke wie "The Stand" oder die Reihe um Roland und den dunklen Turm. Das waren schon Romane, die zum einen schwer in ein Genre einzuordnen waren, zum anderen aber auch eben keine typischen SK-Romane waren.

Nun hat er hier ein Werk vorgelegt, das in meinen Augen eine Art Ritterschlag für SK bedeutet. Kaum ein Buch von ihm hat mich zu Tränen gerührt. Bei "Der Anschlag" geschah das gleich mehrmals.

Diese Buch hat nichts mit dem Stephen King zu tun, den man kennt und vielleicht erwartet. Dennoch ist "Der Anschlag" für mich eines der besten Bücher, das King bislang geschrieben hat. Gerade weil es kein typischer King ist. In gewisser Weise ist es eine Liebeserklärung an das Amerika der sechziger Jahre, verpackt in eine Zeitreisegeschichte, garniert mit einer Liebesgeschichte und so weiter und so weiter.

Die Sprache ist gewaltig - weil sie so einfühlsam ist. Man fühlt sich wirklich in der Zeit zurückversetzt und man vergisst beim Lesen irgendwann, dass der Held ja eigentlich aus dem Jahr 2011 kommt. Fast möchte man ihm folgen in den Kaninchenbau, der ihn in das Jahr 1958 versetzt, weil da alles so schön ist. Sogar das Essen schmeckt besser...

Stephen King hat in einem erstaunlich offenen Interview "gestanden", die meisten seiner früheren Werke im Vollrausch geschrieben zu haben. Mal war es Alkohol, mal war es Koks. Darüber hinaus gab er zu, dass es ihn kränkt, als Trivialautor abgestempelt zu sein. Da sei es vollkommen egal, ob man schon über 400 Millionen Bücher verkauft hat. Es kränkt trotzdem.

Mit diesem Buch hat er diesen "Makel" abgelegt. (wenn es denn einer ist)

Bitte verzeiht, wenn ich hier nicht näher auf den Inhalt eingehe. Zum einen haben das schon viele vor mir getan und zum anderen ist dieses Buch mehr als eine Geschichte über Zeitreisen, über das Verhindern eines Anschlages, über das Amerika der sechziger Jahre, mehr als eine Liebesgeschichte oder einfach ein Thriller.

Lasst euch darauf ein und genießt es!
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am 31. Januar 2012
Meine Meinung:

Dass Stephen King nur noch 'lang' kann, dem widersprechen ja eigentlich seine Kurzgeschichten- und Novellensammlungen. Nichtsdestotrotz ist 'Der Anschlag' Kings zweiter Roman in Folge, der im vierstelligen Seitenbereich liegt (zumindest was die deutschsprachige Übersetzung betrifft), und seine Romane davor waren auch nicht viel kürzer. Aber lang ist bei King nicht gleich langatmig. Mit 'Der Anschlag' zeigt Stephen King einmal mehr, dass er ein großartiger Erzähler ist, mit einer bildgewaltigen Sprache, die seinesgleichen sucht. Da braucht man eben ein paar Seiten mehr.

Jake Epping, ein bis dato einfacher Englischlehrer, wird von einem Bekannten auf eine lange Reise geschickt. Durch ein Zeitportal kann Epping ins Jahr 1958 reisen und soll sich dort darauf vorbereiten, im Jahr 1963 das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Die Geschichte soll nach Meinung der beiden zum Positiven beeinflusst bzw. umgeschrieben werden. Nach ein paar Testläufen, bei denen er sehen will, ob sich die Geschichte überhaupt verändern lässt (der Dauerleser wird hier übrigens wieder auf das eine oder andere Schmankerl stoßen), baut er sich in der texanischen Kleinstadt Jodie ein neues Leben auf und bereitet sich auf seinen eigentlichen Auftrag vor. Er fängt an, sich an die Fersen des Attentäters Lee Harvey Oswald zu heften und lernt ganz nebenbei die Liebe seines Lebens kennen. Aber so einfach ist das Ganze dann doch nicht. Je näher er seinem Ziel kommt, umso mehr muss Epping feststellen, dass die Vergangenheit etwas dagegen hat, verändert zu werden. Sie wehrt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, wie Epping schnell erkennen muss.

'Der Anschlag' ist eine Zeitreisegeschichte, ein Krimi, eine Politthriller und eine Liebesgeschichte. Aber zu allererst ist er wohl Kings Hommage an das Amerika der späten 50er und frühen 60er Jahre. Eine Zeit, in der King selbst groß geworden ist und die er bereits in seinem Roman 'Atlantis' und der Novelle 'Die Leiche' wunderbar beschrieben hat. Eine Zeit, in der laut King die Menschen noch mehr aufeinander zugingen, aber auch eine Zeit der Rassentrennung und Vorurteile. Hier läuft King zu Höchstform auf. Kaum ein Schriftsteller beherrscht es, seine Charaktere so eindringlich darzustellen, dass man sich mitten im Geschehen fühlt.

King vermag es, hier dem Leser nicht nur etwas über die Geschichte dieser Zeit sondern auch über die Gefühle der Menschen in Bezug auf Kennedy und Kubakrise und die Emotionen, die diese bei den Menschen dieser Zeit hervorriefen, glaubhaft zu vermitteln.

Für die Amerikaner ist das Kennedy-Attentat bis heute ein nationales Trauma. Als Europäer tut man sich sicher etwas schwerer mit diesem Stoff. Wenn man jedoch ein wenig politisches Interesse mitbringt, bekommt man eine interessante und kostenlose Geschichtsstunde geliefert. Obwohl Grundkenntnisse vorhanden sind, konnte ich selbst nicht widerstehen, während der Lektüre im Internet nach Fotos, Videos und Artikeln über Lee und Marina Oswald sowie über das Kennedy-Attentat zu suchen.

Stephen King hat in seiner Karriere so manchen Stilwechsel durchlaufen. Er ist schon lange kein einfacher Horrorschreiber mehr. Er ist ein aufmerksamer Beobachter und dadurch zu einem der ganz großen Erzähler unserer Zeit geworden. Ein Reifeprozess, der mit der 'Der Anschlag' sicher einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Rezension © 2012 by Gerald Schnellbach für BookOla.de

Zusatz zur Hörbuchversion:
Und der hervorragende Sprecher David Nathan gibt dem Hörbuch den letzten Schliff. Ich kann mir fast keinen perfekteren dafür vorstellen.
So macht hören Spaß!
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am 3. Februar 2012
Es stimmt, dass das Buch wie dreiteilig ist, am Anfang finde ich es eher schwach....spannend, aber eher "naja" da man an diese übernatürliche Sache glauben kann oder nicht, fazit=die kommt von Anfang an und ziemlich schnell, so dass es etwas billig wirkt, wie so ein Jugendlichen Film " Junge findet ein Loch, da ist die Vergangenheit, los rein...."....also an sich auch nichts neues.

Was danach aber kommt, also die Verfolgungen, die Beschreibungen, das ist KUNST pur! Man merkt formlich wie King daran Spass am schreiben hatte. Man ist in viele parallele Doppelleben-Geschichten und man kann jeder bis in Detail nachfühlen. Man spürt die DIngen, man schmeckt das trinken und essen, man fährt das Auto.... EInfach GENIAL. Verschiedene VArianten einer Lösung, die passieren, wenn man diese Vergangenheit-Loch mehrmals passiert, werden hier detailsvoll und thriller-liebevoll gezeigt....und die Liebegeschichte wurde so fantastisch bis in Detail beschrieben, ich hatte das Gefühl selber die Frau zu lieben :D , wirklich stillvoll, gefühlsvoll. Die ganze Sache mit Kennedy ist eher schwach und etwas zu unglaubwürdig zum Teil,deswegen ein Stern weniger... aber dafür, wie er den Mörder verfolgt, spioniert, ...ist einfach zu geil beschrieben, und so gewinnt das Buch wieder und verdient 4 Sterne.

Hab das Buch in 2 Tage gelesen, als ich auf eine Fähre war, die nach Griechenland gefahren ist und 24 Stunden Verspätung hatte wegen Sturm, (kurz nch der Costa Concordia Katastrophe -ich war etwas in Panik! 10 meter höher Wellen.....)also es waren keine ruhige TAge und Nächte aber King hat mich gerettet :)
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am 10. Juli 2015
[...]

Cover

Das Cover hat einen roten Hintergrund und die obere Hälfte besteht hauptsächlich aus Stephen Kings Namen, wie es bei allen Büchern aus die Auflage ist. Außerdem ist ein halber US-Dollar von 1963 zu sehen, mit der Prägung von John F. Kennedys Profil. direkt an der Münze ist ein Einschussloch. Dies ist genau genommen auch der Kernpunkt der Geschichte, da alles was der Protagonist in diesem Buch tut, darauf hinaus läuft, Kennedy vor dem tödlichen Schuss zu retten.

Worum geht es?

Tja, wie erzählt man kurz und knapp um was in einem 1048 Seiten Roman geht? :D

Ich beginne einfach mal am Anfang. Jake Epping, der Protagonist, ist Lehrer und hat gerade einer ziemlich schwere Zeit durch gemacht, da seine Frau sich von ihm getrennt hat. Eines Tages ruft Al Templeton ihn an, der ein Diner besitzt und bestellt ihn zu sich. Al hat ein Geheimnis. Das sieht Jake ihm schon an, denn er sieht alt und krank aus und das obwohl ihr letztes Treffen noch gar nicht so lang her ist. Er weiht ihn in sein Geheimnis ein, nämlich das in der Speisekammer seines Diners ein Portal ist, mit dem man ins Jahr 1958 reisen kann, genau genommen zurück zum 9. September 1958 und wenn man zurück kommt, sind in der Gegenwart nur zwei Minuten vergangen. Das klingt natürlich erst einmal unglaublich für Jake, doch Al erklärt ihm alles. Jake soll auf eine Mission zurück ins in die Vergangenheit gehen, um das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern, was, wie Al glaubt, die Zukunft bzw. ihre Gegenwart postiv beeinflussen soll. In der neuen Zeit ist Jake begeistert, alles viel besser, es ist günstiger und überall finden noch tolle Tanzabende statt. Während er darauf hinarbeitet seine Mission zu erfüllen, lernt Jake Sadie Dunhill, eine Bibliothekarin, kennen und lieben. Doch je näher Jake dem Ziel seiner Mission kommt, desto stärker wehrt sich die Vergangenheit selbst dagegen, geändert zu werden.

Kritische Auseinandersetzung

Wie schon bei so vielen Büchern ist Stephen King ein Meisterwerk gelungen. Ich habe bereits einige von ihm gelesen (naja, verschlungen :D) und es war bei “Der Anschlag” nicht anders.

Man ist eigentlich von Anfang an mitten geschehen und Jake Epping ist eine sehr sympathische Hauptfigur. King beschreibt die Vergangenheit sehr lebhaft und man hat das Gefühl, selbst im Jahr 1958 zu sein, obwohl viele, wie ich zum Beispiel, zu der Zeit noch lange nicht in Planung waren.

Es gibt ein paar Passagen, die sich etwas in die Länge ziehen, gerade zum Ende hin, aber das hat mich eigentlich nur noch neugieriger auf das Ende gemacht, ich wollte wissen, ob Jake seine Mission gelingt oder nicht.

Besonders gut haben mir auch die vielen Parallelen, beziehungsweise Andeutungen zu anderen Werken von King gefallen, zum Beispiel hält sich der Protagonist einige Zeit in Derry auf, die Stadt, die auch in “Es” vorkam. Zu “Es” gibt es noch viele weiter Andeutungen, aber ich möchte euch ja nicht alles vorweg nehmen. :D

Alles in allem ist “Der Anschlag” absolut gut durchdacht, was schon der Anfang zeigt, da Jake Epping nicht noch lange auf die Suche nach dem Portal gehen muss, sondern direkt dorthin geleitert wird und somit die eigentliche Geschichte auch direkt losgehen kann.

Fazit

Ich persönlich kann das Buch nur jedem weiterempfehlen, die Seitenzahl schreckt vielleicht erst mal ein wenig ab, aber wenn es dann zu Ende ist, hinterlässt das Buch einen mit einigen Fragen und Gedanken, was ich persönlich an einem Buch aber sehr gern mag. Einordnen in ein Genre finde ich schwierig, es ist ein Roman, es ist aber auch ein Thriller und auch Fantasy. Einfach von allem etwas und somit bestimmt auch für eine Vielzahl an Lesern geeignet Schaut euch dieses Buch auf jeden Fall mal an, scheinbar soll es ja sogar verfilmt werden, was ich wirklich toll finde, auch wenn dieser Film höchstwahrscheinlich nicht an das Buch reichen wird.
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Es gibt keine Warnsignale oder Geigenklänge wenn sich schlagartig nicht nur ein kleines Leben, sondern das aller Menschen auf der ganzen Welt verändert. Wann diese tiefgreifenden Ereignisse geschehen wissen wir nie, das Leben schlägt oft unerwartete Kapriolen und erwischt uns unverhofft auf dem falschen Fuss. Wer kann schon wissen wann das Leben auf der Kippe steht oder weshalb? Im Kleinen kann es ein berührender Aufsatz eines Schülers sein der unser Leben verändert oder im Grossen ein einschneidender Zwischenfall der Zeitgeschichte wie der Fall der Mauer in Deutschland, der Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September oder das Kennedy-Attentat. Es gibt eben diese Tage die das eigene Leben verändern.

Ein entscheidender Augenblick ereignet sich in Jake Eppings Leben als er vom todkranken Al Templeton erfährt, dass sich im Vorratsraum seines American Diners ein Portal befindet das Zeitreisen ermöglicht. Wieso, weshalb und warum es da ist ist nicht entscheidend - es existiert einfach. Einmal das Zeitreisetor durchschritten landet man im Jahr 1958 und zwar jedes Mal und jede neue Zeitreise löscht die Handlungen und die Veränderungen der vorhergehenden aus. Al's grosse Vision ist das Attentat auf John F. Kennedy im Jahr 1963 zu verhindern, aber da er unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist kann er dieses Vorhaben nicht mehr selbst ausführen und er hofft, das Jake diese Aufgabe übernehmen wird. Nach zwei kurzen Zeitreisen zum Testen nimmt Jake Epping die Herausforderung an und wird versuchen fünf Jahre Ende der 50er / Anfang der 60er zu überbrücken und das Attentat auf JFK zu vereiteln. Bald sitz er im Nebel des irrealen der ihn bald verschlingen wird denn die Realität ist nur eine dünne Eisschicht auf einem See mit dunklem Wasser unter einem Himmel aus dem es bald schneien wird.

Dieser Roman beginnt so wie man einen King kennt und erwartet, etwas Übernatürliches geschieht und zieht den Leser in seinen Bann. Und tatsächlich sind die ersten rund 350 Seiten spannend und auch "blutig". Aber dann vollzieht King einen kompletten Genrewechsel. Es folgen ein paar hundert Seiten die ich am ehesten als epochalen amerikanischen Gesellschaftsroman bezeichnen würde. Er porträtiert mit einer enormen Leichtigkeit ein Amerika wie es vor fünfzig Jahren war und wie ein Chronist zeichnet er ein feines und strukturiertes Bild einer Gesellschaft die sich ausser einem Krieg gegen Russland vor nichts fürchtet. Genauso wie die Lebensmittel früher wohlschmeckender, weil frei von künstlichen Geschmacksstoffen, sind die Menschen natürlicher und der Umgang ungezwungener als heute. Diese Heile Welt zeigt aber unter ihrer anscheinend makellosen Oberfläche einige Risse und etliches was nicht sein darf spielt sich im Verborgenen ab.

Dann ist da noch etwas zu erwähnen dass ich von Stephen King ganz und gar nicht erwartet hätte. Er schreibt ganz feinfühlig eine Liebesgeschichte die mich wirklich berührt hat. Sadie Dunhill wird zu Jakes grosser Liebe und weil beide auf ihre Art und durch ihre Vergangenheit verletzlich sind entwickelt sich eine behutsame Annäherung bis die beiden sich finden und einander die ersehnte Nestwärme geben. Jakes unausgesprochenes Geheimnis steht wie eine Barriere zwischen den beiden und sorgt für bange Momente.

Sämtliche Figuren in diesem Roman haben tragische Grundzüge und sind vom Leben entweder körperlich oder geistig auf die eine oder andere Weise gezeichnet. Es gibt keine Person die nicht in ihrer Vergangenheit schlimmes erlebt hat und alle tragen ihren körperlichen oder geistigen Ballast mit sich. Aber die Verrückten dieser Welt, die Lee Harvey Oswalds, dürfen nicht siegreich bleiben. Wenn Gott zu keiner Wiedergutmachung bereit ist, nachdem sie ihre miesen kleinen Siege erzielt haben, müssen gewöhnliche Menschen wie Jake Epping einspringen.

Dieser Roman ist Kings bisher reifstes Buch. Mit zunehmendem Alter scheint er sich vom Thriller/Horror Genre zu lösen und sich dem belletristischen Gesellschaftsroman zuzuwenden. Wer vor allem auf spannenden Nervenkitzel und blutige Splatterszenen aus ist wird von diesem Buch ganz bitter enttäuscht werden und diesen Lesern empfehle ich den Kauf gut zu überlegen. Im Mittelteil sind spürbare Längen vorhanden die mich nicht dramatisch gestört haben aber wegen denen ich in der Gesamtbewertung trotz des attraktiven Schreibstils einen Amazon-Stern abziehe. Stephen King hat mehr als eine Geschichte zum Kennedy Attentat geschrieben. Er verknüpft ein einschneidendes Ereignis der Zeitgeschichte mit persönlichen Dramen die den Leser fesseln und gewiss nicht mehr so schnell loslassen. Über allem thront die Frage ob es Jake Epping alias George Amberson es schafft Lee Harvey Oswald zu stoppen.
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TOP 1000 REZENSENTam 1. Februar 2012
Vorab: Ich las vor einigen Monaten das amerikanische Orginal, kann also zur Qualität der deutschen Übersetzung nichts sagen.
Und das ist meine Rezension zur amerikanischen Ausgabe:

Nachdem auf der Amazon.com Seite von insgesamt bislang 409 Bewertungen 289 Mal fünf Sterne vergeben wurde, wartete ich sehr gespannt auf 11/22/63 - vor allem das Thema "Zeitreise" interessierte mich schon immer sehr.

Der Beginn war auch sehr spannend - man wurde sofort in die Geschichte hineingesogen.
Jake ist ein sympatischer Held und man lebt und leidet mit ihm mit.
Allerdings kommt nach ca. 250 Seiten ein abrupter Wechsel: Von der spannenden, originellen Grundidee, von der akribisch-liebevollen (leicht verklärten) Schilderung der 50ziger Jahre wechselt King in einen absolut langweiligen "Überbrückungsmodus": Es werden äußerst detailliert und langatmig die Jahre von 1958 bis 1963 geschildert. Jake unterrichtet, lernt seine große Liebe kennen und lieben, beschattet Oswald und grübelt über Oswalds Schuld oder Unschuld. Das über 400 Seiten lang! Nichts passiert, absolut nichts. Keine Twists and Turns, kein Thrill, Grusel schon gar nicht, wenig Humor, null Spannung. Arbeiten, essen, trinken, schlafen, beschatten, nachdenken.
Natürlich hat Stephen King einen hervorragenden Schreibstil, aber: Gähnende Langeweile, langatmige Schilderungen öder Tagesabläufe, null Spannung, vor allem auch, da King die Geschichte geradlinig mit Oswald als bösen Attentäter und mit Jake als integren, sympathischen "Weltenretter" durchzieht. Es fehlen schlicht und einfach überraschende Wendungen. Wäre es kein Stephen-King-Roman gewesen, hätte das Buch nach spätestens 400 Seiten entnervt auf die Seite gelegt.

Mit der Zeit habe ich wirklich begonnen, Jake als Langeweiler zu empfinden, wie auch seine Freundin und die anderen eindimensionalen Gutmenschen um ihn herum. Das Leben in den 50zigern wird recht idealisiert dargestellt (trotz der angesprochenen Rassentrennung und des kalten Kriegs): Das Essen war besser, die Leute waren freundlicher und weniger mißtrauisch, man half sich mehr, es ging aufwärts mit allem ...
Ich denke, der Erfolg dieses Zeitreiseromans liegt auch in der jetzigen wirtschaftlichen und sozialen Schieflage der USA begründet: Es herrscht Sehnsucht nach früher, nach der "guten alten Zeit" und nach festen Werten, Idealen.

Erst auf den letzten 150 Seiten nimmt der Roman wieder Fahrt auf und man erfährt endlich (!!), ob Jake das Attentat auf Kennedy verhindern kann und wie sich seine "Geschichtskorrektur" auswirken wird. Leider wird eben der Schluss, auf den ja 800 Seiten hingearbeitet wurde, sehr schnell abgehandelt - endlich wird es auf den letzten Seiten spannend, endlich wird der Roman zum Thriller - und dann ist schon Schluß!

Mein Fazit: 5 Sterne für den Anfang, ganz knappe 2 Sterne für den Mittelteil, 4 Sterne für den Schluss.

Die Geschichte wäre eine hervorragende Novelle geworden (max. 200 Seiten) oder ein sehr gutes Buch (max. 400 Seiten) - aber knappe 900 Seiten (im amerik. Original) sind viel zu viel für den mageren Inhalt. Stephen King ist für mich ein hervorragender Novellenschreiber - aber seine Romane haben leider durch die Bank "Durchhänger" - weniger ist oft mehr, deshalb mein Fazit:
Tolle Geschichte, mittelmäßige Umsetzung - schade, da hätte ein guter Lektor eingreifen müssen.
You can do better, Mr. King!
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am 23. Oktober 2013
"Der Anschlag" von Stephen King - puh, wo soll ich da anfangen? Erstmals gelesen habe ich diesen Roman während meines Sommerurlaubs 2012. 1080 Seiten verschlungen innerhalb von fünf Tagen, was für mich ein enormer Rekordwert ist (ja, ich weiß, die ganzen "Ich habe einen kompletten Zyklus innerhalb einer Nacht ausgelesen"-Menschen können darüber nur lächeln, aber das ist mir egal). Es war mein erster King, da ich absolut kein Horrorfan bin und King'sche Romane bisher ausschließlich in dieser Kategorie abgespeichert hatte. Die Inhaltsbeschreibung von "Der Anschlag" klang aber so gar nicht nach Horror, ganz im Gegenteil, es klang nach der Thematik, die mich stets am meisten fasziniert: Zeitreisen. Da ergriff ich die Gelegenheit, mich persönlich vom viel gelobten und allseits umjubelten Schreibstil dieses Jahrhundert-Autors zu überzeugen. Und was soll ich sagen? Es gelang ihm mühelos mich in seinen Bann zu ziehen.

Ich verstehe jeden, der an diesem Buch bemängelt, es sei zu ausufernd, zu detailliert in seinen Beschreibungen, zu oft auf Irrwegen abseits der eigentlichen Handlung unterwegs. All das stimmt. Allein, es machte mir überhaupt nichts aus. Kings Sprache, die Charaktere, die er erschafft, die Zeit und die Welt, die er beschreibt, sind so lebendig, so fesselnd, dass man einen kompletten Film in seinem Kopf erlebt. Man sagt, gute Autoren sind Geschichtenerzähler, die ihre Leser vergessen lassen, dass sie eine Geschichte lesen. Das tut King voll und ganz. Ich wurde komplett in das Buch hineingezogen. Dass man innerhalb der Geschichte dann auf weitere Geschichten stößt, die sich um Lehrer, Liebe, Theateraufführungen und durchgeknallte Ehemänner drehen, stört ganz und gar nicht, sofern man bereit ist sich auf Jake Eppings Erlebnisse komplett einzulassen, sind sie eine Bereicherung. Zumal das alles immer wieder garniert ist mit der Zeitreisethematik, die über die meiste Strecke weniger im Vordergrund steht, als mehr wie eine Art Zuckerguss alles ebenso unscheinbar wie süß umhüllt.

Ebenfalls großartig sind die "Harmonien", die Kings Figur immer wieder erlebt, manche offensichtlich, manche versteckt. Kleine Details, die den Unterschied, die ein tolles Buch noch ein bisschen toller machen. Feinheiten, die viele Bücher vermissen und die die Faszination am Ende noch länger währen lassen.
Man merkt also, ich war äußerst begeistert von diesem Roman. So sehr, dass er selbst über ein Jahr danach immer noch irgendwo in den hintersten Ecken meines Kopfs präsent war und seine Kreise zog - was ja als solches schon Kompliment genug für ein Buch ist; wieviele Romane verschwinden nach den vier großen ENDE-Lettern im Nirvana der Großhirnrinde? - bis ich mich schließlich dazu entschloss, noch mal in die Welt von 1958-1963 einzutauchen - diesmal in Form des Hörbuchs. Für einen Spottpreis von unter 10 Euro, über den ich im Anblick dieses fast 32 Stunden-Werks positiv überrascht war, begleitete mich David Nathan, Johnny Depps Deutsches Akustik-Ego, fast fünf Wochen lang auf dem Weg zur Arbeit, so dass ich meine Rezension nun auch auf das Hörbuch beziehen kann.
David Nathan war zum Glück die perfekte Wahl als Vorleser dieses Romans. Ich bin sehr kritisch was die Sprecher von Hörbüchern angeht, aber Nathan verkörpert Jake Epping so gut, dass ich schon Johnny Depp in der Rolle des aus der Zeit gefallenen Englischlehrers vor meinem geistigen Auge sah. Er erzählt spannend, kräftig, emotional und bringt auch die übrigen Charaktere durch ein vielfältiges Repertoire an Stimmen sehr gut rüber. Ich würde ja sagen, er erweckt das Buch zum leben, wenn das Buch ansich nicht schon lebendig genug wäre - und meine es als Kompliment für beide. Ab und zu werden die Pausen zwischen zwei Sätzen, die ich eigentlich eher zwischen zwei Kapiteln erwartet hätte, etwas zu lang, aber das reicht bei weitem nicht aus um dafür einen Stern abzuziehen.

Volle fünf Sterne (und zehn, wenn das ginge) für Roman und Hörbuch, für Autor und Sprecher, für Idee und Umsetzung; für eine Geschichte, die die austauschbare, vollkommen geistlose wie uninspirierte Der/Die/Das-Titelübersetzung „Der Anschlag“ absolut nicht verdient hat. Zehn Punkte Abzug dafür dem Lektorat – aber das ist ein gänzlich anderes Thema.
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