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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was die offizielle Literaturgeschichte verschweigt ...
In gewisser Hinsicht folgt 'Drood' dem Strickmuster von 'Amadeus': Beide stellen in einer Mischung aus historischen Fakten und extravaganter Fiktion dem Genie (Mozart/Dickens) einen hoch talentierten, aber deutlich unterlegenen Künstler gegenüber (Salieri/Collins).

Thematische kreist 'Drood' dementsprechend um Künstlertum und Kreativität;...
Veröffentlicht am 15. Oktober 2009 von baroquemaniac

versus
25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drug statt "Drood"
Mit Spannung hatte ich Simmons neuen Roman erwartet. "Song of Kali", "Sommer der Nacht" und "Im Auge des Winters" habe ich verschlungen und war teilweise von der Bösartigkeit dieser Werke und ihrer tiefen Spannung mehr als gefesselt. Bei "Terror" hatte ich bereits gemischte Gefühle, wobei die ersten achthundert Seiten dieses Expeditionsromans wirklich richtig...
Veröffentlicht am 18. Oktober 2009 von Peter Wacker


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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was die offizielle Literaturgeschichte verschweigt ..., 15. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
In gewisser Hinsicht folgt 'Drood' dem Strickmuster von 'Amadeus': Beide stellen in einer Mischung aus historischen Fakten und extravaganter Fiktion dem Genie (Mozart/Dickens) einen hoch talentierten, aber deutlich unterlegenen Künstler gegenüber (Salieri/Collins).

Thematische kreist 'Drood' dementsprechend um Künstlertum und Kreativität; und obwohl ein beachtliches Arsenal an Versatzstücken des Schauerromans aufgeboten wird (mysteriöse Wesen mit spitz zulaufenden Zähnen, finstere Kulte, unterirdische Labyrinthe), treten diese Elemente über weite Strecken in den Hintergrund, während derer es dann um das literarische Schaffen der Hauptfiguren geht und die teilweise recht bizarre Art, wie sie ihr Privat- und Intimleben arrangiert haben.

Wer sich also einen flott erzählten Thriller erwartet, der von einer Sensation zur nächsten hastet, und wer sich noch nie im Geringsten für Leben und Werk von Charles Dickens und Wilkien Collins interessiert hat, der wird das Buch wohl bald enttäuscht zur Seite legen. Aber auch wer gerne bereit ist, sich für längere Zeit in die literarischen Zirkel im London des 19. Jahrhunderts zurückversetzen zu lassen, wird sich nach der Lektüre vielleicht fragen, ob eine etwas straffere Struktur dem Buch nicht gut getan hätte.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drug statt "Drood", 18. Oktober 2009
Von 
Peter Wacker "Piwi" (Schriesheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit Spannung hatte ich Simmons neuen Roman erwartet. "Song of Kali", "Sommer der Nacht" und "Im Auge des Winters" habe ich verschlungen und war teilweise von der Bösartigkeit dieser Werke und ihrer tiefen Spannung mehr als gefesselt. Bei "Terror" hatte ich bereits gemischte Gefühle, wobei die ersten achthundert Seiten dieses Expeditionsromans wirklich richtig gut sind. Bei der Lektüre von "Drood" allerdings ertappte ich mich mehr als einmal bei den Fragen: "Was soll das denn hier alles? Wo ist denn hier die Handlung?" - Es ist sicherlich gewagt einen Roman zu schreiben, dessen Protagonisten Charles Dickens und Wilkie Collins sind. Diese Konstellation lädt nicht gerade zum Gruseln, sondern eher zum Gähnen ein und dennoch ist diese Idee von Simmons ganz gut umgesetzt. Dickens wird äußerst egomanisch, egoistisch und teilweise gigantisch unsympathisch geschildert. Wilkie Collins, den Simmons als Ich-Erzähler auftreten lässt, wird mehr und mehr zum paranoiden Drogenwrack, das sich mit Opium vollpumpen muss. Dazwischen taucht dann immer wieder die geheimnisvolle Gestalt des Mr. Drood auf. Ja, und das war bereits grob gesagt die ganze Handlung und das auf mehr als 900 Seiten. Würde man hier die Bestandsaufnahme schließen, dann würde für dieses Werk vielleicht ein Punkt herausspringen. Aber nein! Drood ist auf seine Art ein gutes Buch, allerdings vielleicht das schlechteste, das Simmons bis jetzt geschrieben hat. Das Buch lebt streckenweise von seiner düsteren Atmosphäre. Die Beschreibungen des dunklen, stinkenden Londons sind sehr plastisch. Die Schilderung der labyrinthischen Kanalisation, die als Unterstadt bezeichnet wird, und in der Horden von opiumsüchtigem Gesindel haust, ist einfach klasse. Collins Laudanumexzesse sind großartig beschrieben und unterhalten den Leser. Man kann "Drood" daher einen viktorianischen Drogentripp nennen. Wer also Grusel und beklemmende Spannung, wie in Simmons früheren Werken sucht, der wird kaum auf seine Kosten kommen. Wer jedoch ein etwas abgedrehtes, teilweise langatmiges Sittengemälde der Londoner 1860er Jahre sucht, in welchen die Opiumpfeifen in dunklen Kaschemmen glühen und viel über Literatur und Dickens zusammengesponnen wird, der ist bei "Drood" genau richtig. Jeder, der Dickens jedoch nicht kennt oder nicht mag und noch nie etwas von ihm gelesen hat, sollte eine weiten Bogen um "Drood" machen und vielleicht zu Simmons bisherigen Büchern zurückkehren.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen faszinierend und genial entworfen, lohnt sich sehr für geduldige Leser, 2. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Jahr 1865 ereignete sich tatsächlich ein katastrophales Zugunglück im englischen Staplehurst, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen und mindestens vierzig verletzt wurden. Einer der Überlebenden war Charles Dickens, Autor von so berühmten Werken wie "Great Expectations", "A Christmas Carol", "The Pickwickiers" oder "Bleak House". Das Unglück beeindruckte den Schriftsteller tief und hatte zahlreiche Auswirkungen auf sein Leben; unter anderem war es ihm kaum noch möglich, ohne Beschwerden und Angstanfälle mit dem Zug oder mit schnellen Kutschen zu reisen. Dan Simmons neuester Roman "Drood" beschreibt die letzten fünf Jahre in Charles Dickens Leben, also das, was sich zwischen dem Zugunglück und dem Tod des Autors im Jahr 1870 zutrug - oder vielmehr: was sich zugetragen haben könnte, denn der Roman trägt deutlich phantastische Züge. Simmons lässt diese Ereignisse aus der Sicht von Dickens Freund und Schriftstellerkollegen Wilkie Collins berichten (auch Collins hat natürlich wirklich gelebt und zahlreiche Bücher veröffentlicht, mehrere auch zusammen mit Charles Dickens; zu seinen bekanntesten Werken dürften "The Woman in White" und "The Moonstone" zählen).

Als Einstieg in die Geschichte dient das genannte Zugunglück; Dreh- und Angelpunkt des Romans ist aber die Tatsache, dass Charles Dickens seinen letzten Roman mit dem Titel "The Mystery of Edwin Drood" niemals beendete; vorher ereilte den gesundheitlich stark angeschlagenen Autor ein Schlaganfall, und niemand erfuhr jemals, wie die Romanfigur Edwin Drood ums Leben gekommen war. Simmons Roman umfasst knapp 1000 Seiten, und mancher Leser mag vielleicht denken, dass der Roman zu lang, zu ereignislos, zu wenig handlungs- und temporeich sei. Dem ist aber nicht so - von bewundernswert langer Hand erzählt Dan Simmons hier eine phantastische, sehr sorgfältig erdachte Geschichte, die vollkommen harmlos beginnt und die sich zunächst wie eine Biografie von Charles Dickens oder eine Hommage an den großen Autor liest. Der mysteriöse Titel gebende Drood ist zunächst nur eine unterschwellige Bedrohung, ein großes Mysterium.
Sehr geschickt hat Simmons es so eingerichtet, dass der Leser nie richtig weiß, was er von diesem Drood halten soll, denn alle, die ihn gesehen haben, sind recht merkwürdig und verfolgen undurchsichtige Ziele - etwa ein ehemaliger Polizeiinspektor, der das Phantom Drood seit etlichen Jahren durch die Londoner Unterwelt jagt und der überzeugt ist, dass Drood mehrere hundert Menschen grausam ermordet hat. Nicht einmal dem Erzähler dieser Buches, dem Autor Wilkie Collins, kann der Leser vollen Glauben schenken, denn Collins ist schwer opiumabhängig, auch wenn er anderer Meinung ist. Sind seine Begegnungen mit Drood die Wahrheit oder handelt sich lediglich um Halluzinationen, hervorgerufen durch übermäßigen Konsum von Laudanum? Ein faszinierendes, bedächtig entwickeltes Szenario, das sich immer mehr zuspitzt und den Leser, lässt er sich auf dieses Werk ein, am Ende fast sprachlos zurücklässt.

Würde der 1889 verstorbene Autor Wilkie Collins diesen Roman heute lesen, er wäre wahrscheinlich entsetzt. Dan Simmons zeichnet in seinem Buch zwischen den Zeilen ein grandios detailliertes Bild von Collins und von seiner Beziehung zu Dickens, der sein Mentor und Freund ist, gleichzeitig aber auch zeitlebens sein größter Rivale, Ziel von Liebe und Bewunderung, von Eifersucht und Neid, Mordlust und Hass. Auch Charles Dickens kommt hier nicht durchgängig gut weg: Gestützt auf zahlreiche Dickens-Biografien, hat Dan Simmons hier ein ausführliches Bild gezeichnet von einem Mann, der so gar nicht dem Bild des netten Familienvaters entsprach, den man gerne vor Augen hat, wenn man seine weltbekannten Werke liest.
Ausführlich beschreibt Wilkie Collins im Roman Dickens unschöne Trennung von seiner Frau, die ihm geduldig viele Kinder geboren hatte, die Liebschaft zu der geradezu lächerlich jungen Schriftstellerin Ellen Ternan und seinen nicht gerade makellosen Charakter, der nach diesen Schilderungen von Eitelkeit, Ungeduld und Egoismus geprägt war. Man muss jedoch zu jeder Zeit bedenken, dass man das Buch durch die Augen des eifer- und drogensüchtigen Wilkie Collins liest - was also kann man glauben, und sind die Dinge wirklich so, wie sie scheinen? Neben diesen Charakterzeichnungen hat Simmons auch ein sehr stimmiges und atmosphärisches Bild des viktorianischen Londons gezeichnet, das man sich fast so lebhaft vorstellen kann wie das London in den Romanen von Charles Dickens.

Fazit: Ein faszinierendes, hintergründiges Mammutwerk, das seine Geheimnisse nur langsam preisgibt und eine unterhaltsame Mischung aus Historie, Biografie und Phantastik darstellt. Wer sich darauf einlässt und bis zum Ende durchhält, wird sich an der letztendlich genialen Konstruktion, die sich über fast 1000 Seiten erstreckt, wirklich erfreuen können. Düster und atmosphärisch dicht, rätselhaft und unterhaltsam, vor allem für Fans von Charles Dickens und Wilkie Collins, denn man erfährt vieles aus dem Leben dieser beiden Autoren. Wer schnelle Unterhaltung, pausenlose Hochspannung und Grusel erwartet, dürfte sich allerdings rasch langweilen.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Labyrinth der Seele, 27. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
An alle interessierten Leserinnen und Leser: Bitte vom Titel und der Beschreibung des Buches nicht täuschen lassen! Hier handelt es sich nicht um eine Geschichte über eine Sagenfigur Drood, noch um einen Horrorroman. Vielmehr ist dies die Geschichte einer schwierigen Beziehung zweier Freunde und Rivalen im London des 19. Jahrhunderts. Und gleich als nächste Aussage: Bitte nicht abschrecken lassen! Die Geschichte ist eines der besten Werke, die Simmons je veröffentlicht hat.

Dan Simmons hat sich als Autor in den letzten Jahren weiterentwickelt. Bekannt geworden durch seine fantastischen, tiefgehenden und detaillierten Geschichten im Science Fiction Genre, war bereits in seinem letzten Roman 'The Terror' nicht mehr das fantastische Element im Mittelpunkt, sondern die Geschichte wäre auch ohne diese Facette durch das allgemeine historische Setting spannend und durchdacht gewesen. Während in 'The Terror' die Charaktere um ihr Überleben in den Weiten der Arktis kämpfen, kämpft in dieser Geschichte der Autor Wilkie Collins um Anerkennung, Freundschaft und Identität.

Freundschaften sind oft schwierig, voller Konflikte, Täuschungen und Verletzungen. Wilkie Collins Freunschaft mit dem weit begabteren Autor Charles Dickens ist voll von diesen Aspekten. Wir erleben wie Collins das Leben des alternden Dickens bis zu seinem Tod schildert. Ein Leben in dem eine mysteriöse Schreckensfigur und ein legendärer Verbrecher des Untergrunds namens Drood eine immer größere Rolle zu spielen scheint und die beiden Freunde in den Abgrund zieht. Oder ist das alles nur eine Einbildung, die Collins in seinem von Drogen, Neid und Kreativität vollen Geist erschafft?

Als Vorwarnung: Dieses Buch zeichnet sich nicht durch eine flüssige, spannende und stringente Geschichte bis zum Ende aus. Wer einen Pageturner sucht wird enttäuscht sein. Die Stärken des Buches liegen vielmehr in den sehr detailreichen Schilderungen des Lebens im 19. Jahrhundert (mit kleinen Fehlern) und vor allem der halbbiographischen Schilderung des Lebens einer der größten Autoren, die England je hervorgebracht hat: Charles Dickens. Simmons vermeidet hierbei eine zu klischeehafte positive Darstellung, sondern zeichnet auch die eher dunkleren Seiten des Autors sehr gut nach. Eine weitere Stärke liegt in der Darstellung des außergewöhnlich guten unzuverlässigen Erzähler. Wir können uns als Leser nie sicher sein, was Realität und was Darstellung/Selbstrechtfertigung des Erzählers darstellt. Das Buch hat dadurch einen sehr eigenwilligen Reiz. Als Leser fühlte ich mich wie in einem Labyrinth und suchte mir vorbei an allen Täuschungen und Hinweisen meinen eigenen Weg zur 'Wahrheit' des Geschehens. Einige Passagen können durch den Erzählstil allerdings auch langatmig wirken, wenn Collins zur wiederholten Selbstreflexion über Kleinigkeiten ansetzt. Dennoch möchte ich betonen, dass ich die Lektüre des Buch großenteils sehr genossen habe. Simmons ist aus meiner Sicht einer der unterschätzten großen Schreiber der vergangenen Jahrzehnte.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend, 12. Januar 2010
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
Unbegreiflich. Es mag wenig stilvoll sein, das Ende eines Romans gleich am Anfang einer Rezension zu erwähnen, aber dieses Schlusswort schwebt so faszinierend nach Abschluss der Lektüre im Raum, dass die Versuchung wohl zu groß war. Un-be-greif-lich. Allein dieses Wort schmilzt wie Butter auf der Zunge und beschreibt mit einer gewissen Lässigkeit die Kernaussage von "Drood". Es ist ein geheimnisvolles, schauriges Werk, aber auch ein beachtenswerter Versuch, die Freundschaft von zwei herausragenden Persönlichkeiten und Literaten des 19. Jahrhunderts einem modernen Lesepublikum vorstellbar zu machen. Hierzu spricht Wilkie Collins quasi selbst zu dem ihm fernen Leser der Zukunft. Auftakt des Berichts ist das furchtbare Eisenbahnunglück am 09. Juni 1865 in Staplehurst, welches Collins alter Freund und Schriftstellerkollege, der unnachahmliche Charles Dickens, wenn auch äußerlich nur leicht verletzt, nicht unbeschadet übersteht. Nur fünf Jahre danach soll das Lebenslicht des großen Autors für immer erlöschen. Welche Rolle spielt hierbei die geheimnisvolle Person DROOD, die Dickens auf seiner Bahnreise begegnet sein soll und der auch die Phantasie von Wilkie Collins opiumgeschwächten Gehirn in unheilvoller Weise anregt?

London, Mitte des 19. Jahrhunderts: Das Theaterstück "The Frozen Deep" erfreut sich beim Publikum allergrößter Beliebtheit. Obwohl der junge Wilkie Collins als Autor des Stückes genannt wird, ist es Charles Dickens der durch seine Mitarbeit und besonders durch die Ausgestaltung des tragischen Helden, Richard Wardour, den er selbst spielt, seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Auf Dickens gewaltigen Spaziergängen, die von all seinen Freunden gefürchtet werden, gibt er dröhnend den Monolog seiner Figur zum Besten. Wilkie Collins, der durch rheumatische Gicht schwer geplagt wird, werden diese Märsche oft zur Qual. Außerdem ist er schwer eifersüchtig auf das Genie des Unnachahmlichen, wie er seinen gewaltigen Freund im Stillen nennt. Trotzdem ist er Dickens sehr verbunden, mit dem er durch die Heirat seines Bruders mit der zweitältesten Tochter Dickens auch entfernt verwandt ist. Als Dickens ihn daher ins Vertrauen zieht und Näheres von den Umständen des Bahnunglücks berichtet, ist es für ihn eine Ehrensache, seinem Freund bei seiner Suche nach einem Phantom zu helfen, welches dem Schriftsteller an diesem schrecklichen Tag zum ersten Mal begegnete. Das Wesen Drood mit dem schwarzen Opernumhang bekleidet und durch das fratzenhafte Gesicht entstellt, soll sich in der Londoner Unterwelt aufhalten. In Begleitung eines ehemaligen Polizisten und jetzigen Privatermittlers suchen der souveräne Dickens und der zitternde Collins den Ort der tausend Schrecknisse auf. Allerdings besteht Dickens darauf, den letzten Weg allein zu gehen. Diese Tatsache bringt Collins ein wenig in Verlegenheit, als der Detektiv Fields ihn um Auskünfte ersucht, um den Schwerverbrecher Drood nach jahrelanger Verfolgung doch noch zur Strecke zu bringen. Collins hatte Drood aber bisher eher für eine unwirkliche Figur aus Dickens Albträumen gesehen, die durch die mesmerischen Aktivitäten des Schriftstellers zur Wirklichkeit wurde. Gibt es Drood aber tatsächlich? Wer verwirrt hier kollektiv die Hirne genialer Köpfe? Wilkie Collins, der immer mehr der Drogensucht verfällt, wird zunehmend von dem Phantom geplagt. Auch seine Eifersucht und Wut auf Dickens, der auch das neue Werk von Collins "Der Monddiamant" mit einer vernichtenden Kritik lächerlich macht, steigert sich tödlich. Während für Dickens die Schatten Droods zu verblassen scheinen, folgt Wilkie Collins einem mörderischen Pfad. Dabei nähern sich beide dem Jahrestag des unheilvollen 09. Juni...

Außer der in sich harmonischen und spannend-schaurigen Geschichte, ist es für den Leser auch faszinierend den vielen Figuren zu begegnen, die Dickens Geschichten und Collins Romane bevölkern. Ein zweiter Inspektor Buket aus "Bleak House" begegnet uns und die Eigenart eines genialen Anwalts aus "Die Frau in Weiß" lässt Wilkie Collins ins Schwitzen kommen. Dan Simmons scheut sich auch nicht davor, seinen Erzähler die verschie-denen Werke seiner Hauptfiguren zu interpretieren oder einfach zu kommentieren. Während Charles Dickens bis zuletzt etwas unnahbar bleibt, kreisen die Gedanken und Gefühle des Wilkie Collins wie ein wirbelnder Drogenrausch um den Leser herum. Einfühlsam nähert er sich der verletzlichen Kreatur, die stets im Schatten größerer Meister zu stehen scheint. Und doch: wenn man sich dem Romanwerk des Wilkie Collins widmet, erkennt man, wie oft hier der erfundene Geist des Autors in Bezug auf seine Person tief stapelt.
Die einzelnen Werke werden im Roman selbst mit dem englischen Originaltitel genannt, man kann aber im Anhang die deutschen Titel, soweit vorhanden, nachschlagen. Außerdem findet man im Anhang ein Personenverzeichnis und Quellenmaterial zu Charles Dickens und Wilkie Collins. Zu Wilkie Collins gibt es auch eine sehr interessante Internetseite, die dort genannt wird. Unter [...] kann man unter anderem auch eine Übersetzung zu dem faszinierenden Theaterstück "The frozen Deep" nachlesen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drood, 27. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer die Produktbeschreibung gelesen hat, weiß ungefähr, worum es in Dan Simmons Roman geht.
Für mich dreht sich die Handlung aber nicht um Dickens letzten (unvollendeten) Roman, sondern zentral um die Beziehung von Charles Dickens und Wilkie Collins, beschrieben von letzterem aus der Ich-Perspektive. Man bekommt ausserdem interessante Einblicke in Collins Leben und die gesellschaftlichen Kreise, in denen er und Dickens verkehren, den Beruf des Schriftstellers im 19. Jahrhundert und die "Zustände" in der englischen Gesellschaft zu dieser Zeit.
Durchzogen werden diese Themenfelder durch das Geheimnis um Drood: die anfängliche Jagd nach dem Gespenst von Staplehurst, Dickens Verbindung zu Drood, das merkwürdige Spiel zwischen Drood, Dickens und Inspector Field, in dessen Sog Wilkie gerät, und der Leser fragt sich: was ist noch real?
Wilkies Verwirrung nimmt stetig zu und es ist interessant zu sehen, wie das "Gespenst Drood" sein Leben beeinflusst und zu immer krasseren Handlungen veranlasst.
Der Roman wirft mit vielen Personen um sich, die man aber nicht alle auswendig kennen muss, um der Geschichte zu folgen. Die wichtigeren kommen oft genug vor, dass man sie wiedererkennt. Ebenso häufig springt die Handlung in vergangene Zeiten, und wieder zurück, was durchaus verwirren kann, aber in einem schriftlichen Bericht (als der das Buch aufgebaut ist) durchaus vorkommen kann.
Insgesamt ist Drood ein guter Dan Simmons, der nicht ganz so aufregend und spannend ist wie Terror, was durchaus am Setting liegen kann. Dennoch kommt vor allem bei den Ausflügen in die Londoner Unterwelt und Droods Auftritten Gruselstimmung auf, wobei letzteres zum Ende des Romans immer öfters vorkommt.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viktorianischer Schauerroman, 1. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Dan Simmons eine Schwäche für englische Dichter und Autoren des 18.Jhds hat, zeigen viele seiner meist überragenden Romane.

Was liegt also näher, als sich den Literaturpapst dieser Zeit, Charles Dickens, vorzunehmen, einen seiner zunächst besten Freunde, ebenfalls einem Schriftsteller, das Erzählen zu überlassen und das Ganze auch in dezent modernisiertem viktorianischen Stil - ausufernd, abschweifend, detailfreudig - zu präsentieren.

Der vom Simmons-Fan erwartete Horror schleicht sich zunächst als leiser Grusel an um dann im letzten Drittel zum echten Horror zu werden. Doch wie im Moonstone-Buch des Erzählers Wilkie gibt es keine Sicherheit für den Leser, denn es bleibt unklar, ob die schrecklichen Ereignisse tatsächlich passiert sind oder es sich um die Drogenfantasien von Wilkie handelt.

Ich halte den Roman für gelungen und sehr spannend, die ausschweifenden Schilderungen Wilkies sind auch historisch sehr interessant (Simmons ist nun mal, wie man auch bei "Terror" merkte ein absoluter Recherchefreak).

Simmons-Erstleser sollten aber mit "Hyperion-Gesänge" (ScienceFiction), "Göttin des Todes" (Gruselhorror in Kalkutta), "Sommer der Nacht" (vergleichbar mit, für mich besser als, Kings "Es"), oder eben "Terror" als historische Abenteuer-Horror-Sage anfangen.

THEMA OKKULTER SCHRECKEN IM VIKTORIANISCHEN ENGLAND
weiterlesen:
- Tim Powers "Die Tore zu Anubis Reich"
- Mark Frost "Sieben"
- Dahlquist "Die Glasbücher der Traumfresser"
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend, verblüffend und desillusionierend ..., 7. Januar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Taschenbuch)
Von Dan Simmons habe ich bisher 'Terror' gelesen. Die Story und seine Art zu Schreiben hätte mir womöglich ohne Horror-Elemente noch besser gefallen. Auf alle Fälle hat es mich auf den Autor aufmerksam gemacht und so habe ich mir als zweites Buch von ihm 'Drood' vorgenommen, wieder ein ziemliches Mammutwerk mit fast 1000 Seiten. Ich bin jetzt etwas zwiegespalten und weiß nicht recht, ob ich das Buch als meisterlich oder als enttäuschend betrachten soll.
Die Enttäuschung bezieht sich auf die Darstellung der Person von Wilkie Collins, von dem ich mir innerlich eine ganz andere Vorstellung gemacht hatte, als in 'Drood' dargestellt.

Bekanntlich handelt es sich hier um eine Art Biografie der beiden Autoren Wilkie Collins und Charles Dickens, wobei Wilkie Collins als Erzähler fungiert. Als absoluter Fan von Wilkie Collins, dessen 'Frau in Weiß' eines meiner Lieblingskrimis ist, hat mich diese Biografie in Bezug auf seine Person schockiert.

Ungläubig habe ich jetzt zuerst seine tiefe Freundschaft zu Charles Dickens, verbunden mit aufrichtiger Bewunderung miterlebt, die im Laufe des Buches immer mehr in Neid und Eifersucht umschlägt. Der 'Unnachahmliche' Charles Dickens, wie er sich gern selbst nennt, verwandelt Wilkie Collins in einen Menschen, der tief gespalten und von dem Wunsch besessen ist, ebenfalls diese Anerkennung der Massen in England und Amerika zu erreichen. Seine Stücke haben durchaus Erfolg, seine Bücher sind bekannt, aber diese Liebe des Publikums hat er nie erreichen können.

Wer ist dieser geheimnisvolle 'Drood' von dem Charles Dickens erzählt und den er in seinem letzten unvollendeten Roman auferstehen lässt? Collins ist hin- und hergerissen zwischen der Fantasie des Charles Dickens und der Realität. Nachdem Dickens ihn wieder einmal in den 'Backofen Londons' geführt hat, wie er die Unterwelt bezeichnet, sucht Collins auf eigene Faust das Geheimnis Mr. Droods zu ergründen. Er treibt sich in den finstersten Ecken Londons herum, schleicht durch die Kanalisation zu unterirdischen Katakomben, Opiumhöhlen und mystischen Tempeln. Zunehmend verwirrt durch seine Drogensucht verliert Wilkie Collins sich in Wahnvorstellungen und 'erlebt' Drood und seine Spießgesellen ebenso wie die unsichtbare kreischende Agnes auf der Dienstbotentreppe seines Hauses und seinen eigenen imaginären Doppelgänger 'Wilkie'.

Dan Simmons fallen genügend schreckliche Elemente ein, um dieser Biografie den Touch eines Gruselromans zu geben. Allein die literarischen Details der bekannten Bücher der beiden Autoren, die er immer wieder einfließen lässt, machen Lust darauf, dass eine oder andere Buch aus der Versenkung hervorzuholen. Verblüfft las ich über die Eigenheiten beider Autoren, wobei ich davon ausgehe, dass Simmons hier historisch genau recherchiert hat.
So interessant ich das Buch literarisch fand, muss ich doch zugeben, dass sich jetzt meine Sympathie für die beiden Autoren Charles Dickens und Wilkie Collins in Grenzen hält ;-)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vieeeele Längen, 25. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Taschenbuch)
Ich bin ein tapferer Leser und lege so schnell kein Buch weg. Hier war ich allerdings ein paar Mal kurz davor.
Doch immer wenn die Schmerzgrenze fast erreicht ist, kommt wieder ein echter Schub, der den Leser kräftig erschüttert (oder zumindest bewegt). Dan Simmons kann durchaus gut schreiben.

Die Geschichte ist jedoch nur mäßig spannend, aber sehr realistisch und in sich stimmig - auch wenn es am Ende ein wenig enttäuschend ist. Wer Dickens Fan ist, kommt sicherlich auf seine Kosten. Wer nicht, dem wünsche ich einen langen Atem.

Kleine Einordnung: Kein Vergleich zum unerreichten "Hyperion", etwas schlechter als "Terror" und weit besser als das mißglückte Experiment der griechischen Mythologie.

Maximal drei Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Übler Opiumtrip, 9. Februar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Drood: Roman (Taschenbuch)
Eine schlechte Zutat kann leider ein ganzes Menü unverdaulich machen. Simmons ist zweifellos ein hervorragender Erzähler und hat das Spannungsverhältnis zwischen dem nur begabten Wilkie Collins und dem Genie Charles Dickens auf eine unkonventionelle Art und Weise herausgearbeitet. Auch die Schilderungen des Londons um 1850 sind faszinierend. Diese hervorragenden Ingredienzen werden leider durch die abstruse Geschichte über Mesmerismus, Drogenmissbrauch und Drogenwahn, die Wilkie Collins als unzuverlässiger Erzähler dem ganzen als Grundlage hinzufügt zunehmend ungenießbar. So habe ich mich nach dem fesselnden Anfang zunehmend über das Buch geärgert. Die Protagonisten werden zunehmend unsympathisch. Es ist nicht nachvollziehbar wie der zunehmend drogenabhängige und wahnsinnige Collins in seinem Zustand noch ein nach außen normales Leben führen kann. Die Auflösung der mystischen Geschichte deutet sich bald an und so wird der Roman nach dem vielversprechenden Beginn quasi von Seite zu Seite schlechter. Bereits seinem letzten Roman "Terror" hat Simmons durch das zunehmende Abrutschen in Eskimo - Mystik geschadet. In Drood vermurkst er das gesamte Werk, da es zumindest mich nicht interessiert, wie ein paranoider Junkie einen historischen Roman schreiben würde.
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Drood: Roman
Drood: Roman von Dan Simmons (Gebundene Ausgabe - 12. Oktober 2009)
EUR 24,95
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