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71 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch und wohl auch eines der besten von Herrn Roth
In diesem Buch möchte Jürgen Roth schonunglos aufzuklären über die neue EU-Diktatur, die wenigen superreichen und sehr mächtigen Personen, die dahinter stehen und mit welchen Mitteln und privaten Bündnissen ganze Staaten ausgehölt, soziale Reformen, an denen ganze Generationen und Revolutionen hart gearbeitet und gekämpft haben, mit...
Vor 8 Monaten von COMbin veröffentlicht

versus
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Lektüre, aber ein Paar Punkte...
...fallen mir doch etwas negativ auf.
So wird für meinen Geschmack ein paar Mal zu oft "...,so sagt es Herr/Frau XY" als oftmals einziger Beleg einer gemachten Aussage herangezogen. Die Aussage einzelner Leute ist etwas dünn als Beleg, zumal die Fakten oftmals wirklich schwerwiegend sind (will ich auch gar nicht bezweifeln, sonst hätte ich`s ja...
Vor 6 Monaten von pseud-O-nym veröffentlicht


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71 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch und wohl auch eines der besten von Herrn Roth, 26. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch möchte Jürgen Roth schonunglos aufzuklären über die neue EU-Diktatur, die wenigen superreichen und sehr mächtigen Personen, die dahinter stehen und mit welchen Mitteln und privaten Bündnissen ganze Staaten ausgehölt, soziale Reformen, an denen ganze Generationen und Revolutionen hart gearbeitet und gekämpft haben, mit wenigen Federstrichen abgeschafft werden sollen.
Die humanistische Katastrophe in den südlichen EU - Staaten war und ist nur ein Probelauf für die Dinge die auch für Deutschland, Frankreich und den Rest der EU Staaten geplant werden.
Das Motto der europäischen Machtelite ist immer das Gleiche: Privatisierung, Liberalisierung von allen gesellschaftlichen, wirtschafltichen und politischen Ebenen, den Sozialstaat um jeden Preis vernichten und die moderne Zivilgesellschaft zurück in ein technokratisches Mittelalter der Feudalherrschaft putschen.
Nur würden die damaligen Feudalfürsten große Augen kriegen über den im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Reichtum dieser Elite und die modernen Methoden der Massenmanipulation und totalen Überwachung.

Sehr gut wird auch die Korruption der mächtigsten europäischen Institutionen beschrieben (EU - Kommissariate, EZB und die ganzen "runden Tische") und wie sie dabei voll bewusst, oder auch als williger Mitläufer Südeuropa zu einem billigen Produktions- und Absatzmarkt degradieren und dabei die Bevölkerung in ihrer Arbeitsleistung, Besoldung und Bildung zurück auf ein dritte Welt Niveau befördern. Mit voller Absicht, sodass die wenigen superreichen Neomafiafamilien als nationale Abteilungsleiter und Machtmenschen der New European Order und somit später der New World Order ganz im Sinne der Theorien von Zbigniew Brzeziński die einfachen Menschen kontrollieren. Staaten, deren Parlamente, Gesetze und kulturelle Identität werden dabei nur noch zu einem Schein und Trugbild herrabgestuft, um die Bevölkerung von den eigentlichen politischen Themen abzulenken, die deren Leben maßgeblich bestimmen werden.
Wobei dieser Vorgang noch für die gebildete Mittelschicht gedacht ist, denn auch in Zukunft wird man noch Menschen brauchen, um die ganzen Fabriken, Kontrolleinrichtungen, Unternehmen usw. zu warten und zu steuern. Nur werden diese immer weniger.
Für die absolut hilflosen und ungebildeten Massen gibts ein speziell auf sie abgezieltes Lügen-, Verschleierungs- und Entertainmentprogramm, welches von keinem normalen Menschen mehr durchschaut werden kann.
(z.B. Stichwort: Massenmanipulation und Kinder - Alphazustand bei Argumenten durch Autoritätsperson.)

Insgesamt ein sehr hilfsreiches Buch und ein Pflichtkauf für jeden politisch mündigen, deutschen Bürger, der sich bewusst werden möchte was mit ihm geschieht, bzw. geschehen wird, wenn man nichts gegen diese Tendenzen in der Spitzenpolitik unternimmt. Sowie selbstdenkend aufklärt und die Frage in dem Raum stellt warum das alles so passiert.
Leider zeigt und sieht Jürgen Roth wohl noch nicht die Zusammenhänge auf globaler Ebene und warum erstaunlich viele Fäden in den USA zusammenlaufen. Die USA - ein Skelett von einem Staat, der doch immerhin die größte, globale Konzentration von Macht auf allen Ebenen einer Gesellschaft aufweist und wohl auch deshalb die "Keim" - Zelle der elitären Ideologie und Machtterrorbewegung der New World Order ist.

Sehr schön auch, dass Herr Roth zeigt, wie sich der Mittelstand und viele einfache Bürger und deren Vereine sich gegen diese stille Machtübernahme wehren und was sie tun können.
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49 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Netz reißt nicht, 20. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Der Bestseller-Autor Jürgen Roth ist immer an den korrupt agierenden Netzwerken der Macht dran. Gerade die Krise auf der Krim machte das deutlich. Über Facebook und mit seinem Blog ist Roth nah am Geschehen dran und nutzt seine persönlichen Kontakte, um mit Fakten und tiefgehender Quellenanalyse das System der Macht für den interessierten Leser transparent zu machen.
Faszinierend und erschreckend zugleich sind die Berichte, immer verwoben mit menschlichen Schicksalen … Aufstieg und Fall politischer und wirtschaftlicher Despoten … Machtgier und Rücksichtslosigkeit auf dem Rücken der Masse, die in diesem Spinnennetz nur am Faden hängen. Ob Familienlastenausgleich, Kindergeld, beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung oder „Fördern und Fordern“ bei Hartz IV – was der Staat als wohlwollende Gaben verpackt, ist nichts als Wortgeklingel, sagt Jürgen Borchert. Der renommierte Sozialexperte zeigt anhand harter Fakten, wie Familien vom Staat übers Ohr gehauen werden, warum Hartz IV infam, das Steuersystem zutiefst ungerecht und das bedingungslose Grundeinkommen unsozial ist. In seinen Schlussanmerkungen zitiert Jürgen Roth aus dem Buch „Sozialstaats-Dämmerung“ von Borchert … also Götterdämmerung für unsere so bewährt erscheinenden Sozialprinzipien und ein Rückfall in vorsozialstaatliche Zeiten.

Deutsche Akzente

Andererseits macht Roth immer wieder deutlich: Es gibt engagierte Bürger, die einen Blick auf die Missstände werfen. Ein Fallbeispiel ist das schwer nachvollziehbare Tauziehen um das Berliner Wasser. Erweisen sich Volksentscheid und der Kampf des Berliner Wassertisches am Ende jedoch als Pyrrhussieg? Roth zitiert den Sprecher des Tisches treffend: „Es ist vollkommen absurd: Das kommunale Stadtwerk soll von Veolia und RWE geführt werden! Das beweist erneut, dass die SPD-CDU-Regierung ihre Konzernlobbyistenpolitik der Neunzigerjahre konsequent fortsetzt, dass die Gefahr einer Re-Privatisierung gegeben ist, dass Konzerne und die Regierungsparteien von SPD und CDU mit dem übereilten und überteuerten Rückkauf versuchen, die Vorgänge um die BWB-Teilprivatisierung von 1999 zu vertuschen, dass die verfassungswidrigen Grundlagen dieses Geschäfts gedeckelt und
stillschweigend beerdigt werden sollen“ … Harter Tobak für Politik und Wirtschaft … typisch Jürgen Roth.

Die runden Tische

Aber es geht nicht immer ehrlich zu, wenn man im Klub der Mächtigen mitspielen will … Es ist lohnenswert, mit dem Autor auf Reise zu den international agierenden Machtzirkel der Welt zu reisen. Mitglieder des in der Schweiz beheimateten „Entrepreneurs’ Roundtable“ treffen sich auf privater Ebene und sind laut Roth alle per Du. Mitglieder der Kategorie
I müssen pro Jahr mindestens 500 Millionen Jahresumsatz machen beziehungsweise Vorstandsvorsitzende sein“, erzählt ein Insider. „Wer nicht so viel bringt, wird nicht mehr eingeladen“, fügt er hinzu. Die Treffen sollen sieben- bis achtmal im Jahr an unterschiedlich exklusiven Orten stattfinden. Anfang 2013 zählte der „Entrepreneurs’ Roundtable“ in der Schweiz nach Recherchen mindestens 100 und in Deutschland mindestens 90 Mitglieder – ausschließlich die Elite insbesondere der Finanzindustrie, aber auch Vorstandsvorsitzende von Pharmaunternehmen und Lebensmittelkonzernen sowie Medienrepräsentanten. Nur ein Streifzug zu dem, was Roth hier seitenweise berichten kann. Quellen der Macht …
Beim Treffen der sogenannten „Bilderberger“ in Hertfordshire bei London im Juni 2013 sei José Manuel Barroso dabeigewesen, inzwischen Präsident der Europäischen Kommission. Natürlich darf auch die politische Elite unserer Bundesrepublik nicht fehlen, wie Roth aufzeigt.
Von hier ausgehend taucht der Autor in die Korruptionszirkel Europas ein.

Schicksale

Giulio De Magistris ist heute Abgeordneter im Europäischen Parlament und seit dem 30. Mai 2011
Bürgermeister von Neapel. Sein Resümee zu italienischen Machtkonstellationen ist bitter: „Wer die Mafia besiegen will, muss diesen Knoten (das Geflecht aus korrupten Politikern, Beamten, Geschäftsleuten und Mafiosi) durchschlagen. Doch das ist kaum möglich.“
Dass das Aufleben neonazistischen Gedankenguts dabei toleriert wird, zeigt ein Blick nach Griechenland. Und es fällt Roth nicht schwer, die Verbindungen zu rassistischem, ausländerfeindlichem Agieren in Deutschland aufzuzeigen. Was auch die Krise mit der Ukraine zeigt: Neofaschistische Gruppen, international agierend, gewinnen zunehmend an Macht.
Jürgen Roth hält sich selbst mit dem portugiesischen Journalisten Rui Araújo einen Spiegel vor und zeigt die Gefahren auf investigativ tätig zu sein. Das Fazit des Mannes, der über 40 Jahre die wechselvolle Geschichte Portugals beobachtend an sich vorbeiziehen ließ: „Dieses Land bietet nur Elend und keine Perspektiven mehr.“ Rui Araújo hat Arbeit und ist doch arbeitslos. „Ich versuche jetzt, einen Job im Ausland zu finden. Ich bin krank
und müde“ sagt er zum Abschied. Roth versteht es auch hier wieder, persönliche Schicksale aufzunehmen und gefühlvoll Szenen zu schildern, die einen betroffen machen.

Fazit

Das Fazit nach dem Lesen des Buches: Über 300 Seiten Spannung pur mit Fakten. Am Ende wird aber wieder mal spürbar. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, das Spinnennetz der Macht zu zerreißen, um etwas Licht in die Sozialstaats-Dämmerung zu bringen.

Frank Bürger
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43 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soziale Gerechtigkeit im Ausverkauf, 2. April 2014
Von 
Roter Reiter (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Den Kopf hinhalten müssen Merkel, Gabriel und Co, wenn "Sozialer Kahlschlag" moniert wird. Wenn aktuelle Zahlen die wachsende Armut von Kindern, Alten und Migranten belegen und im gleichen Zug nachweisen, dass die Schere zwischen "arm" und reich" immer weiter auseinanderklafft. Tatsächlich ist die Gruppe der "Täter" viel größer. Und die Strippenzieher agieren in geheimen Zirkeln.

Wer regiert hier eigentlich?

Um Anonymität bedacht und mit besten Kontakten in die deutsche und europäische Politik geht es den Strippenziehern darum, eigene Privilegien zu sichern, Kontostände zu erhöhen und den Neoliberalismus voranzutreiben - selbstverständlich auf Kosten derer, die ohnehin keine Lobby in Politik und Gesellschaft haben. Diese Schattenspieler, das sind Vorstandsvorsitzende von multinationalen Konzernen, Banker und Medienvertreter. Ihr Auftrag: Die nationalen und internationalen politischen Entscheidungen zu lenken. Und das gelingt ihnen vortrefflich.

Die geheimen Zirkel der Mächtigen

Jürgen Roth spricht in seinem Buch "Der stille Putsch" über die Männer in den dunklen Anzügen und ihre geheimen Missionen (darunter Josef Ackermann und Roland Koch). Er enthüllt das Wesen der einflussreichen Zirkel wie "Bilderberg" und "Entrepreneurs' Roundtable" und erklärt die Regeln in dem perfiden Spiel, bei dem Sieger und Verlierer ohnehin schon feststehen. Einen "Coup d¿Etat" nennt Roth die gemeinschaftliche Bestrebung "den demokratischen Sozialstaat zu zerschlagen". Der Weg dorthin ist längst geebnet.

Der stille Putsch ist in vollem Gange

Die reichen Nordeuropäer nutzen ihre Vormachtstellung aus, um die Schuldenstaaten aus dem ärmeren Süden politisch zu erpressen: Weniger Mitbestimmung, Kürzung von Soziallleistungen, Einschnitte in die persönliche und gesellschaftliche Freiheit - all das sind weniger unvermeidbare Folgen der Euro-Krise als vielmehr wohlkalkulierte Maßnahmen, um das Volk kleinzuhalten. Der "stille Putsch" ist in vollem Gange, sagt Jürgen Roth.

Roter Reiter-Fazit: Wer "Der stille Putsch" von Jürgen Roth gelesen hat, wird Nachrichten um Wasserprivatisierung, Twitter-Verbot oder willkürliche Inhaftierungen mit anderen Augen sehen - und durchaus ein perfides System dahinter erkennen.

Oliver Ibelshäuser, Roter-Reiter
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der stille Putsch, 18. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
„Der stille Putsch“ - von Jürgen Roth

„Que se lixe a Troika“

Buchtipp von Harry Popow

Eine Hymne singen die Portugiesen, die „Grândola". In Erinnerung an die 1975 vollzogene und 1976 durch einen gezielten Boykott der Reaktion unter Mithilfe der deutschen SPD niedergeschlagene „Nelkenrevolution", bei der sie den demokratischen Sozialismus mit dem Ausruf „Wir sind das Volk“ ins Visier gefasst hatten und heutzutage landesweit von sich hören lassen: „Que se lixe a Troika“. Das heißt „Zur Hölle mit der Troika.“
 
Ein Rettungsruf, der auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Runde machen wird. Er richtet sich gegen den sozialen und menschlichen Kahlschlag durch das Finanzkapital, durch Banken und Politik, gegen die Machenschaften der Troika. „Albtraum Europa“, sagt einer der bekanntesten und erfahrensten Journalisten Portugals, Rui Araùjo.
 
„Troika", dieses Wort klinge harmlos, so der Bestsellerautor Jürgen Roth in seinem neuesten Buch mit dem Titel „Der stille Putsch. Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt.“ Tatsächlich aber bestehe dieses Gremium aus „Vertretern der EU- Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB)“ und sei ein politökonomisches Machtkartell, das von mächtigen Finanzinstitutionen und den Netzwerken der Machtelite nicht nur ideologisch befruchtet werde. (S. 27) Deren Interessen: radikaler Sozialabbau und die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten.
 
Nicht neu ist die Feststellung des Autors, dass laut Angaben von Oxfam „ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des gesamten Weltvermögens in Höhe von 81 Billionen Euro“ besitzt. Nicht genug damit: 63.000 Menschen (davon 14.000 in Europa) haben zusammen ein Vermögen von 39.900 Milliarden Dollar gehortet, das natürlich - im Interesse der Machterhaltung im Konkurrenzkampf für noch mehr Geldmacht - angelegt und vermehrt werden muß. (S. 19) 147 internationale Konzerne, Banken und Hedgefonds maßen sich an, „über rund 40 Prozent der Weltwirtschaft“ zu bestimmen, so Goldman Sachs, Merrill Lynch, die Bank UBS und die Deutsche Bank. Und allesamt seien auch „bei den Bilderbergern wie bei anderen Eliteklubs zu finden“... (S. 55)
 
Was tun gegen die Putschisten, wie der Autor die Kapitalelite nennt? Im Klappentext finden sich vier Worte dazu: Sich „wehren können – und müssen“. Wie denn? Gibt es nicht genug Mahnungen, Aufrufe, Proteste, Demonstrationen, Bürgerinitiativen? Reihen sich nicht schon zahlreiche gesellschaftskritische Sachbücher aneinander wie Spatzen auf Telefondrähten? Wie erfüllen Autoren die Erwartungen der aktiven Leser nach Aufklärung und möglichen Varianten des Widerstandes gegen – sagen wir es glatt heraus – gefährliches kapitalistisches Macht- und Expansionsgehabe? Zumal neben ökonomischer Willkür und Ausbeutung nun auch verstärkt eine militärische Komponente hinzukommt, man denke nur an die Lobpreisung eines möglichen weltweiten Waffenganges durch Bundespräsident Gauck, an die sogenannte Neuvermessung der Welt als auch an den durch Obama heraufbeschworenen Führungsanspruch der USA in der Welt.
 
Doch zurück zum „stillen Putsch“. Der Titel reizt zum Lesen, sollte aber nicht missverstanden werden, dieser Putsch sei ein kollektiv geplantes und gut organisiertes Bündnis der Krafteliten, denn diese unterliegen dem Druck des schärfsten Konkurrenzkampfes, dem systemimmanenten Gehabe, dem unerhörten Drang, Kapital zu vermehren, zu akkumulieren, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Das ist ein Zwang, der jede Moral mit Füssen tritt, der die Menschen als Konsumidioten abstempelt, die nur dazu da sind, die Macht des Kapitals zu schützen und zu mehren. Und dies unter der verlogenen Siegeshymne von „Freiheit und Demokratie“.
 
Um ökonomische und politische Zusammenhänge besser verständlich zu machen, damit man dagegen massiert protestieren kann – was belesenen Leuten leichter fallen dürfte – seziert der Autor auf 320 Seiten die politische Kaste, die wie eine Krake die Völker in Atem und unter Druck hält. Ihre Arme mit den vielen Saugnäpfen ragen in alle Richtungen dieser Geld beherrschenden Welt. Jürgen Roth hält sich dabei nicht nur mit Statistiken, Studien und Analysen auf, sondern füttert seine Impressionen und gründlichen Beobachtungen mit zahllosen Beispielen aus Italien, Griechenland, Portugal, Zypern und Deutschland, denen allerdings hin und wieder kurze Zusammenfassungen gut zu Gesicht gestanden hätten. Besonders die Länder Süd- und Westeuropas (Spanien und Portugal) müssen bei Strafe des Untergangs unter dem Druck eines zunehmend aggressiven Neoliberalismus ihre Wettbewerbsfähigkeit beweisen, und das – wie Jürgen Roth feststellt – unter dem Zwang von gesenkten Löhnen, von Einschnitten in die Sozial- , Gesundheits- und Bildungssysteme sowie u.a. unter dem Diktat des Verkaufs öffentlichen Eigentums.
 
Er wirft der Troika eine perfide Form der Erpressung gegenüber diesen Ländern vor, die knallhart fordert, man solle doch die Löhne und Arbeitsbedingungen den speziellen Bedürfnissen der Unternehmer anpassen. „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen“, so zitiert Jürgen Roth die hetzerische Bild-Zeitung. Der Autor warnt: Das sei nur der „Vorgeschmack darauf, was in Zukunft allen europäischen Ländern droht“: Verkauf öffentlichen Vermögens, ob Flughäfen, Energieversorgungsunternehmen, Post, Wasserversorgung oder Immobilien und Ländereien. (S. 248/249) Die „Pleitegeier“ also als mahnende Beispiele für Deutschland und die anderen Länder der EU.
 
Authentizität erreicht der Autor durch konkrete Orts- und Zeitangaben, mit denen er seine Berichte einleitet. Er knüpft zahlreiche persönliche Kontakte, führt sehr intensive Gespräche, und das nicht nur mit „hochkarätigen“ Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, sondern auch mit dem Mann auf der Straße. Da kommen Akteure zu Wort, deren Namen nicht genannt werden dürfen als auch Opfer und Widerständler. Die Leser erfahren von Geheimbünden, von Korruption, von vernetzten Machenschaften der „Wirtschaftskriminalität“ im engen Bündnis mit der Politik und den Medien. So entsteht ein lebendiges Bild dieser allmächtigen Geldkrake, das uns in der Welt noch tüchtig zu schaffen machen wird.
 
Entlarvend sind die verschiedenen Motive der geheimen Elite, die kaum ohne die mühevolle Kontaktfreudigkeit von Jürgen Roth ans Tageslicht gekommen wären. Da ist die Rede von der Attacke auf den Sozialstaat, von der allgemeinen Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, von der verlogenen und vorgetäuschten aber illusionären Aufhebung der Klassengegensätze zwischen Arbeit und Kapital, vom Profit als dem endgültigen Maß aller Dinge (S. 49), von der Gestaltung Europas zum „Wohle der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Konzerne“ (S. 87), von der Krise als perfektem Vorwand, die Menschen zu erpressen (162), von der Angst vor dem Kommunismus (186), von der Hirne vernebelnden Behauptung der Überschuldung, man habe über seine Verhältnisse gelebt (S. 217), von der Behauptung, der Grund für die Krise sei die öffentliche Verschuldung. (S. 218)
 
Kommen wir auf die eingangs gestellte Frage nach dem „Wie wir uns wehren können – und müssen“ (siehe Klappentext) zurück. Was tun gegen Sozialabbau und Willkürherrschaft statt echter Demokratie? Auf der Seite 263 zitiert Jürgen Roth den Juristen Wolfgang Hetzer, der davon spreche, „dass die Schwelle zum Bürgerkrieg dann überschritten werde, „wenn die Leute begreifen, was mit ihnen passiert. Wenn sie erkennen, wer die Rechnung bezahlt für diese misslungene Politik und die Anmaßung der Finanzindustrie“. Und auf Seite 289 fragt sich auch der Autor, ob dieser stille Putsch der Geldmächtigen wieder rückgängig gemacht werden kann und von wem? Ein Trostpflästerchen: 2013 fand in Athen der große alternative Gipfel der europäischen sozialen Bewegungen statt, auf dem in einem Manifest auf Alternativen aufmerksam gemacht wurde. (S. 289)
 
Doch reicht das? Spielte da die 11. Feuerbachthese eine Rolle, wenn Jürgen Roth Bernd Klees zitiert, den ehemaligen Professor für Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialrecht: „Illusionäre Visionen können unter Umständen ihre volle Kraft entfalten, wenn ihre Zeit gekommen und die Verhältnisse sich als unrettbar verkommen und morsch erweisen sollten.“ (S.291) „Von diesem Zeitpunkt sind wir nicht mehr weit entfernt", so der Autor, „wenn es so weiter geht wie bisher."
 
Möge also die Illusion, das Hoffen auf Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge nie im Getöse von Verblödungen seitens der Politik und ihrer Medien untergehen, wobei der Autor mahnend auch an die niedergeschlagene Nelkenrevolution in Portugal (u.a. S. 191 bis 197) erinnert...
 
„Der stille Putsch“ ist eine sehr informative Lektüre, ein Enthüllungsbuch, allein durch die authentischen Berichte der Zeitzeugen und der klaren Sprache des Autors. Jedoch sollte jeder Interessierte auch beachten, dass Zustandsberichte noch keinem der herrschenden Ein-Prozent-Diktatoren weh getan haben. Zum Schaden für die Wirtschaftsverbrecher und Kriegsprofiteure wird es erst dann kommen, wenn die Empörten das Korsett der bürgerlichen Enge sprengen, die Schuldigen enteignen und auf die Anklagebank setzen, sich aus dem Würgegriff des Kapitals befreien. Wie sagt man in Portugal und anderswo? „Que se lixe a Troika“ - Zur Hölle mit der Troika. Der Widerstand braucht einen langen Atem.
 
„Wissen Sie, dass der reiche Kapitalismus das Wertvollste, das es für den Menschen gibt, niemals finanzieren kann: soziale Sicherheit und ein Leben ohne Zukunftsängste. Die arme DDR konnte das." Dieses Zitat fand der Rezensent in einem Beitrag von Ulrich Gellermann, siehe [...] und [...] (PK)
 
Jürgen Roth, Der stille Putsch. Wie ein geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt. Gebundene Ausgabe: 320 Seiten. Verlag: Heyne Verlag (24. März 2014). Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3453200276, ISBN-13: 978-3453200272. 19,99 Euro
 
Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung.

[...]

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Still geht ein Putsch im Land der Ahnungslosen vonstatten. Jürgen Roth hat ein spannendes Buch zum Wachrütteln geschrieben, 10. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Spätestens die Finanzkrise hätte doch ein Alarmsignal auslösen müssen. Dafür, dass etwas gründlich falsch läuft. Nicht nur in Europa. Und dort vornehmlich den Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. Sondern eben auch im in vorderster Front von unseren Mainstream-Medien und den herrschenden Politikern so hoch gelobtem Deutschland (“Uns geht’s gut”).
Im Würgegriff der “Diktatur des Finanzkapitalismus”

Ist denn niemandem aufgefallen, dass es auch hier immer mehr Menschen schlechter geht? Dass die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter geöffnet hat. Suppenküchen, die ich selbst zumindest nur aus den Geschichtsbüchern kannte, müssen – vermehrt nach Herstellung der Deutschen Einheit – von Jahr zu Jahr mehr bedürftige Menschen verköstigen. Sogenannte “Tafeln” schiessen wie Pilze aus deutschem Boden. Arme Menschen mit Hartz-IV-Bezug bzw. kleiner Rente können dort Lebensmittel kaufen, die der Handel den Tafeln spendet. Gut für diese Menschen. Aber wie kommt es, dass soetwas in einem so reichen Lande wie Deutschland nötig ist?
Und ist es nicht eine Schande, dass in Vollzeit arbeitende Menschen so prekär bezahlt werden, dass sie zu “Aufstockern” werden und deshalb zusätzlich noch Hartz-IV beantragen müssen, um über die Runden zu kommen?

Im eklatant krassem Gegensatz dazu wurden und werden in Deutschland in Größenordnungen Steuersenkungen für Konzerne und Vermögende gesenkt.

Eine “Diktatur des Finanzkapitalismus” (Stéphane Hessel in “Empört euch”) hält Europa im Würgegriff. Die Regierungen wirken hilflos. Wie Marionetten zappeln sie an den Schnüren, die von Ratingagenturen und Banken bedient werden. Die Steuerzahler müssen Banken retten, die sich in ihrer Gier verspekuliert haben.
Verschwörungstheorie?

Diese skandalösen Zustände bedrohen unterdessen europaweit die Demokratie. Niemand kann doch eigentlich wirklich meinen, sie seien einfach vom Himmel gefallen. Quasi wie ein Unwetter über uns gekommen. Oder wie ein “Springteufel” (Peer Steinbrück in der Finanzkrise) aus der Kiste gehopst. Wer also weder daran noch an den Weihnachtsmann glaubt, könnte auf den Gedanken kommen hinter bestimmten, die Ungerechtigkeit in unseren Gesellschaften vergrößernden, Auswüchsen, müssen doch handfeste Interessen stehen.

In diesem Falle jedoch wird einem ziemlich schnell das Etikett “Verschwörungstheoretiker” angeheftet. Als ich bezüglich jener Interessen wieder einmal mit einem Kollegen, der noch einer Sozialdemokratie anhängt – die aber doch in Deutschland oder in Großbritannien – von Leuten wie Gerhard Schröder und Tony Blair dort und deren Nachfolgern in Wirklichkeit längst zu Schanden geritten wurde – diskutierte, wendete der mit abschätzigem Lächeln ein: “Glaubst du, da gibt es irgendwelche Leute, die das planen?”
Ahnungslose

Ich gab zurück:

“Aber es gibt Leute, die zumindest ein Interesse daran haben. Etwa an einem schwachen Staat, prekären Löhnen, sinkenden Renten und anderen Verschlechterungen von Lebensbedingungen von vielen Menschen.”

Doch besagten Kollegen konnte ich bis heute nicht überzeugen. Er zählt zu den vielen Ahnunglosen hierzulande. In Deutschland sind heute m.E. Viele desinformiert. Mehr als es im sogenannten “Tal der Ahnunglosen” in und um Dresden zu DDR-Zeiten (dort konnte man kein Westfernsehen empfangen) der Fall gewesen war. Das Schlimme: die Ahnunglosen unternehmen auch nichts, um sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, eingedenk des “Sapere aude!” - Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! - Immanuel Kants im Sinne einer abermaligen Aufklärung zu befreien.
Der Putsch, der schleichend kommt

Dass es diese Interessen gibt, meint auch der Publizist Jürgen Roth. Sein neuestes, soeben bei Heyne erschiene Buch trägt den Titel “Der stille Putsch – Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt”. Mein Kollege warf neulich als ich vom spannenden Inhalt gefesselt darin las einen Blick auf das Cover. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich seinen Blick. Er dürfte gewiss gedacht haben: Wieder so eine Verschwörungstheorie. Auch andere Menschen oder Medien werden das denken. Der investigative Journalist Jürgen Roth dürfte damit umgehen können. Ob er nun über die Mafia oder über “Gazprom – Das unheimliche Imperium” schrieb oder andere heiße Eisen anfasste: Anfeindungen ist der gewohnt. Mit Gerichtsprozessen wurde er überzogen. Auch Gerhard Schröder, der “Genosse der Bosse” ging gerichtlich gegen den Autor vor.

Wer Roths neues Sachbuch liest, wird, je weiter er darin vorankommt, den Autor rasch von womöglich zuvor aufgekommenden Verdächten in Sachen “Verschwörungstheorie” entlasten. Schließlich hat Roth für sein Buch gründlich recherchiert und hat zu diesem Behufe viele Quellen getroffen, die diesen “stillen Putsch” belegen. Mag man diese nicht nur für die Demokratie schlimme Entwicklung nun so nennen wollen oder nicht. Indes, Roth schreibt dazu auf Seite 17 des Buches oben:

“Laut Duden ist der Putsch ein politischer Umsturz. Zumindest in Europa müssen Putsche nicht mehr von Militärs ausgeführt werden, den klassischen Marionetten bedrohter konservativ-reaktionärer Eliten wie zum Beispiel in den Sechziger Jahren in Griechenland. Heute geschieht der Umsturz geräuschlos und schleichend, ohne dass dröhnende Panzer vor den Parlamenten und Fernsehstationen auffahren, ohne Soldateska, die Oppositionelle in finstere Kerker wirft und foltert.”

Dieser Eingangspassus beschreibt die derzeitige Situation sehr gut.
Der zeitgemäße Pöbel

Roth erinnert daran, dass der “aus dem antiken Griechenland stammende Begriff der Demokratie” nichts anderes bedeutet “als die Herrschaft des Volkes”. So wie es der griechische Staatsmann Perikles definiert habe. Und daran, dass Kritiker wir der Philosoph Plutarch schon klagten, dass Perikles sich durch das Verteilen öffentlicher Gelder Vorteile verschaffte, der Pöbel bestochen wurde.

Jürgen Roth meint, dass sich an dem “Punkt (nicht nur in Griechenland) bis zum heutigen Tat wenig geändert” habe. Vielmehr würde heute nicht der Pöbel bestochen. Vielmehr herrsche “eine systemische Kultur der Korruption, die Spitzen der Wirtschaft und Politik in vielen europäischen Ländern prägt!. Roth: “Das wäre dann der zeitgemäße Pöbel.”

Und seien wir doch einmal ehrlich: Ist das nicht wirklich so? Machen wir doch die Augen auf. Oder: Lassen wir sie uns durch Jürgen Roth und mittels der Lektüre seines von der ersten bis zur letzten Seite fesselnden Buches öffnen!
Schulden als “Erpressungsinstrument”

Jürgen Roth tut dies nicht zuletzt dadurch, indem er schildert, wie vorallem heute die Schulden der Staaten und der aufgebaute Druck und Zwang diese abzubauen den Effekt zur Folge hat, dass das “Prinzip Demokratie” quasi überflüssig scheint. Dabei werde aber verschleiert,

“Wer tatsächlich für diese Schulden verantwortlich ist, wer sie als Erpressungsinstrument funktionalisiert und wer davon profitiert, eben die nationale sowie die europäische Machtelite” (…)

Etwa die deutsche Regierung in Person von Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte uns zunächst weismachen, “wir” hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Wir?

Zur Verdeutlichung dessen zitiert Roth den weltberühmten griechischen Sänger Mikis Theodorakis sowie den Widerstandskämpfer Manolis Glezos aus dem Jahre 2011:

“Eine Handvoll internationaler Banken , Ratingagenturen, Investmentfonds – eine globale Konzentration des Finanzkapitals ohne historischen Vergleich – möchte in Europa und der Welt die Macht an sich reißen. Sie bereitet sich auf eine Beseitigung der Staaten und unserer Demokratie vor, indem sie die Waffe der Schulden nutzt, um die Völker Europas zu versklaven und anstelle der unvollständigen Demokratie, in der wir leben, eine Diktatur des Geldes und der Banken zu errichten.”

Nicht viel anders äußerte sich Stéphane Hessel in “Empört euch!”.

Jürgen Roth wirft auf Seite 18 (unten) seines Buches zu den Worten von Theodorakis und Glezos folgende Frage auf: “Übertreiben die beiden alten Ikonen des Widerstands?” Nach der Lektüre von “Der stille Putsch” bin ich der Überzeugung: Nein, sie übertreiben nicht. Der Autor führt zahlreiche Bespiele dafür auf. Und begründet sie nachvollziehbar.
Beispiel Griechenland

Besonders die Bürger eines Landes in Europa werden hart für “ihre” Schulden bestraft: Die Griechinnen und die Griechen. Diesem Land widmet Roth viel Platz in seinem Buch. Was seinen Grund hat. Er will nämlich Anzeichen dafür ausgemacht haben, dass Griechenland sozusagen als Blaupause für den künftigen Umgang mit anderen Ländern hergenommen (werden) wird. Denn ist es nicht wahr, dass dort längst die Troika regiert und die Demokratie größenteils außer Gefecht gesetzt wurde? Das Volk verarmt zunehmend. Die Griechenland nicht zuletzt von Deutschland aufgepresste Austeritätspolitik führt nicht nur zu immer mehr Verelendung, sie fordert längst auch Todesopfer.
Wer Jürgen Roths Ausführungen zu Griechenland liest, wird (trotz unbestrittener Eigenschuld), rasch zu der Einsicht kommen, dass ein pauschales “Griechenbashing” – wie unsäglich es etwa von der Bild-Zeitung betrieben wurde – die wirklich Schuldigen an der Misere ausblendet.
Obskure Eliteklubs und “Einflüsterer”

Roth beleuchtet viele Facetten dieses stillen Putsches und nennt Putschisten beim Namen. Er schreibt über abseits der Öffentlichkeit tagende obskure Eliteklubs und den “Entrepreneurs’ Roundtable”, wo Einzelheiten dieses “Putsches” besprochen werden und Einflüsterungen in die herrschende Politik besprochen werden. Um später von willfährigen (oder erpressbaren) Politikern ins Werk gesetzt zu werden.
Wie deutsche Sozialdemokraten die portugiesische Nelkenrevolution zurückzudrehen halfen.

Ein Kapitel (“Die Geschichten der vertrockneten roten Nelken” ab Seite 183) zur Nelkenrevolution in Portugal - soeben gedachte man daran - wirft auch ein trübes Licht auf das Wirken der deutschen Sozialdemokratie seinerzeit. Wo dabei geholfen wurde, den portugiesischen Sozialismus wieder zurückzudrehen. Weil das Kapital es so wollte. Koffern voller Geld sollen die deutschen Sozialdemokraten damals nach Lissabon gebracht haben.
Auch ein Blick ins heutige Portugal fehlt nicht. Wir erfahren, wer “Die wahren Herrscher in Portugal – gestützt durch die Troika” (Seite 204) sind.
Luis de Sousa: In der Eurokrise gibt es keine Unschuldigen

Im Kapitel “Methoden und Strategien” (Seite 217) erhellt uns Lesern der Autor via eines Zitats des Vorsitzenden von Transperancy International Portugal, Luis de Sousa:

“Egal, wie viele schlaue Politiker in Deutschland und Finnland die fiskalische Verantwortlichkeit der überschuldeten Euroländer beklagen – Tatsache ist, dass von großen Teilen des in Portugal, Spanien, Italien oder Griechenland vergeudeten Geldes die Großindustrie in den sogenannten verantwortungsbewussten Nationen profitierte. Die Finanzverbrecher der Verschuldung und Korruption hatten ihre Komplizen in den Ländern, die jetzt behaupten, geschockt zu sein über den schlechten Ruf ihrer Nachbarn. Aber in der Eurokrise gibt es keine Unschuldigen.”
Harte Fakten generieren Empörungspotential

Ein Buch, wie ich finde, das gelesen haben sollte, wer mehr über die Krise, ihre Entstehung, die Verantwortlichen und Hintermänner wissen möchte. Es enthält harte Fakten, die beim Leser Empörungspotential generieren werden. Wer meint, es hier mit Verschwörungstheorien zutun zu haben: bitteschön, dem ist kaum zu helfen. Die Realität spricht eine andere, wie ich finde: alarmierende Sprache. Über den Begriff Putsch kann man streiten. Die Wirkung wiederum, auch wenn sie unsere Gesellschaften schleichend trifft, ist aber die eines solchen. Und gerade deshalb so gefährlich, weil dieser Vorgang über Jahrzehnte sozusagen auf leisen Sohlen voranschreitet. So werden Tatsachen geschaffen, die von Politikern schlussendlich Entscheidungen verlangen, die sie dann auch noch als “alternativlos” bezeichnen.
Das Gefährliche an dieser Entwicklung: Die Demokratie wird mehr und mehr unwirksam gemacht. Wir drohen in diktaturähnliche Verhältnisse zu ruschen.
Fazit

Wir können das Handeln der auf der Basis einer unersättlichen Gier agierenden “Putschisten” als verwerflich und unmoralisch bezeichnen. Das ist es auch. Nur ist es nicht dem Kapitalimus, erst recht einen fast jeglicher hemmenden Banden befreitem Raubtierkapitalimus eigen – wohnt diesem geradezu inne?

Der eigentliche Skandal ist doch: Warum lassen wir das zu? So fragt der Autor wie zu Beginn des Buches in seiner “Schlussbemerkung” (S. 285):

“Werden die europäischen Bürger es hinnehmen, dass man sie zugunsten einiger wenigen Profiteure ihrer bisher erkämpften sozialen und demokratischen Recht beraubt?”

“Nein”, so zeigt sich Roth sicher, “sie werden es nicht!” Zu diesem Behufe zitiert der Autor Alfred Grosser: Weil

“wir offenbar in einer wirtschaftlichen und sozialen Lage sind, die wir nicht kontrollieren, und wo man anfängt, darüber nachzudenken, wie man sie kontrollieren könnte.”

Vielleicht kann diese Sachbuch dazu beitragen dementsprechende Impulse auszulösen? Allerdings brauchte es mehr als das. Nämlich eine entsprechende gesellschaftliche Bewegung, die Viele einzubeziehen imstande ist. Roths Buch schreckt auf, weil es erschreckende Fakten enthält. Um etwas zu ändern ist es spät. Vielleicht aber noch nicht zu spät. Unbedingte Leseempfehlung! Wahrlich ein Enthüllungsbuch, das fehlte.

Übrigens werde ich das Buch auch meinem ahnunglosen Kollegen zur Lektüre anbieten. Aber ich fürchte aber, er wird darin blättern und die Nase rümpfen. Es könnte ja sein (verklärtes) Weltbild zum Einsturz bringen.

Jürgen Roth

Der stille Putsch
Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt
Originalausgabe
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
nur Text
ISBN: 978-3-453-20027-2
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Heyne
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen [...], 7. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Die Maffia, den Geheimbund der Freimaurer und Scientology kennt jeder. Aber ganz ehrlich, haben Sie schon einmal von der globalen, neoliberalen Bruderschaft der "Entrepreneur Roundtable" gehört, die durchweg im eigenen Interesse zu Lasten ihrer Mitmenschen ökonomisch-politische Ziele verfolgt?

Liest man aufmerksam die sorgfältig recherchierte Publikation des bekannten deutschen Enthüllungsjournalisten Jürgen Roth, bestätigt sich der seit längerem gehegte Verdacht, dass sich eine gewissenlose geheime Elite aus Wirtschaft und Politik Europa und unser Land unter den Nagel reißt. Was gehört dem Staat angesichts fortschreitender Privatisierung in allen öffentlichen Bereichen überhaupt noch? Auch sollte es zu denken geben, dass sich nach internen Studien gerade nur einmal 7% der an der Deutschen Börse notierten Aktien in der Hand deutscher Investoren befinden.

Anhand von hochbrisanten Fakten klärt der Autor klar und nüchtern darüber auf, dass ein seit langem geplanter stiller, eiskalter Putsch gegen die europäische Zivilbevölkerung bereits voll in Gang ist und nennt Akteure, Profiteure und Opfer dieses immer zügiger vorgetriebenen Sozialabbaus - zugunsten weniger handverlesener Kapitalisten, Lobbyisten und Milliardenmacher - schonungslos beim Namen. Wer glaubt, dass ihn das alles hierzulande persönlich nicht anficht, sei darauf verwiesen, dass z. B. erst vor einigen Tagen - ohne irgendwelche größeren Proteste auszulösen - endgültig gesetzlich beschlossen wurde, dass ab 2015 sämtliche zukünftigen Krankenkassenbeitrags-Erhöhungen ausschließlich nur noch von Arbeitnehmer/innen zu tragen sind (!!!) Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Noch lotet man - vor allem vorrangig in durch Korruption heruntergewirtschafteten, am Tropf (noch) nicht insolventer EU-Staaten hängenden Ländern, wie z. B. Griechenland, Zypern, Portugal, Italien oder Spanien - aus, wie weit man in Demokratien die bei den Bürgern bereits angelegten Spar-Daumenschrauben zudrehen kann, bevor ernstzunehmende, gefährliche und auf Gesamteuropa übergreifende Revolten und Revolutionen ausbrechen. Denn dass man mittlerweile mit zunehmender Gegenwehr der systematisch immer mehr um die Erträge ihrer Arbeit gebrachten Bevölkerung rechnet, zeigt deutlich(st) der jüngste - quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit - gefasste EU-Pakt: siehe [...]. War bis dato schon der länderübergreifende Einsatz ausländischer Polizei (z. B. zur Bekämpfung von Terrorismus) durch den sogenannten Vertrag von Prüm möglich, so geht diese kürzlich beschlossene Solidaritätsklausel noch einen Schritt weiter, - denn nun kann auf Ersuchen hin auch Militär aus einem anderen Mitgliedstaat zur Niederschlagung unerwünschter Demonstrationen und Volksaufstände gegen verordnete drastische Regierungssparmaßnahmen eingesetzt werden.

Es sieht alles danach aus, dass auch die deutsche Bevölkerung - die zwar schon eine Agenda 2010 hinter sich hat - bald durch neue sozial-politische Kahlschlagmaßnahmen unsanft aus dem bequemen Dornröschenschlaf aufrüttelt wird.
[...]
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen An der Demokratie vorbei, 10. Juni 2014
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Was derzeit in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien passiert, könnte auch unserem Land drohen. Durch drastische Sparprogramme werden die Löhne gesenkt, Einschnitte in die Sozial-, Gesundheits- und Bildungssysteme durchgesetzt, die Arbeitnehmerrechte reduziert und der Verkauf öffentlichen Eigentums vorangetrieben. Unter dem Vorwand der Krisenbewältigung geht es um die gnadenlose Durchsetzung einer neoliberalen Politik, um einen kalten Putsch gegen die europäischen Völker. Doch wer steckt dahinter? Der Autor nennt Roß und Reiter: Es handelt sich um eine mächtige und geheime Elite, um Spitzen der Politik, Wirtschaft, Banken und Medien, davon die Hälfte Vorstandsvorsitzende, Konzernleitungsmitglieder und Verwaltungsräte börsennotierter nationaler wie internationaler Konzerne. Darunter so bekannte Männer wie Jean-Claude Juncker, José Manuel Barroso oder Mario Draghi. Ihr langfristiges Ziel ist die Entmachtung der Staaten nach dem Juncker-Motto: „Wir beschließen etwas, stellen es in den Raum, und wenn es keinen Aufschrei gibt, weil die Menschen nicht begreifen, was passiert, machen wir weiter, bis es kein Zurück mehr gibt.“ Mit von der Partie sind auch die Bilderberger, darunter u.a. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, CDU-Politiker Roland Koch, Siemensmanager Peter Löscher oder Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds. Auf gut abgeschirmten Treffen und bei Gesprächen an Runden Tischen werden die Politstrategien der Zukunft abgestimmt, die dann – am Souverän Volk vorbei – von den Politikern exekutiert werden. Mit Demokratie hat das alles nichts zu tun. Was ist zu tun? Die Bürger sollten Widerstand leisten. Die jüngsten Wahlen zum Europaparlament geben deuten darauf hin, daß Europas Wähler in wachsenden Maße nicht mehr gewillt sind, entmündigt zu werden.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wölfe im Schafspelz, 8. April 2014
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Zur Bewältigung der Schuldenkrise zwingt die Troika (bestehend aus EU-Kommission, EZB und IWF) den Südländern drastische Einsparungen auf. Dienen die Einschnitte in die Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssysteme, die Reduzierung der Arbeitnehmerrechte sowie Privatisierung des Staatseigentums der Krisenbewältigung oder sind sie nur der Deckmantel zur Durchsetzung einer neoliberalen Politik?
Dieser Frage geht der investigative Journalist Jürgen Roth, Autor zahlreicher Bücher über Korruption und organisierte Kriminalität, in seinem Buch "Der stille Putsch" nach. Bereits heute entscheidet eine globale Elite maßgeblich über die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Roth nennt die Putschisten und ihre Helfer beim Namen und beschreibt, welche Interessen sie wirklich verfolgen.

Doch wer ist die globale Elite? Es gibt zahlreiche Zirkel wie z.B. den "European Financial Round Table of Industrialist" oder den "Entrepreneurs' Roundtable", denen nur die Spitzen der Wirtschaft, Banken und Medien angehören, deren Mitglieder stille Vereinbarungen treffen und verschwiegen sind wie ein Grab. Man kann sich i.d.R. dort nicht bewerben, sondern wird empfohlen, interviewt und häufig einige Zeit beobachtet, bevor man aufgenommen wird. In der Presse ist von diesen "Vereinigungen" kaum etwas zu lesen. Sind diese Round Tables wirklich mächtiger als viele Politiker oder werden hier nur Verschwörungstheorien bedient? Roth und viele seiner Interviewpartner sind sich da einig: Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Realität. Roth beschreibt anhand zahlreicher Beispiele und Personen, welche Interessen die Klubs wirklich vertreten und wie die Verflechtungen konkret aussehen. Er enttarnt Goldmann Sachs mit ihrem damaligen Chef und heutigen EZB-Präsidenten Mario Draghi, der beim Beitritt Griechenlands in den Euro eine unrühmliche Rolle spielte und kommt zu dem Ergebnis, dass Draghi "nicht unbedingt der Mann ist, der im Interesse aller europäischen Bürger tätig war und ist … Er kann überhaupt nicht anders, weil er integraler Bestandteil der gesellschaftlichen und sozialen Kultur der korrupten italienischen Geldelite war."
Mit guter Quellenlage analysiert Roth viele wichtige Entscheidungsträger, wie Barroso oder Weber, die alle ihre versteckte Agenda haben. Wer im Personenregister im Anhang des Buches nicht erwähnt wird, zählt wohl nicht zu den Top-Bossen und muss sich noch etwas anstrengen, um in die Oberliga aufzusteigen...

Roth ist sich sicher, dass die globale Elite den demokratischen Sozialstaat zerschlagen will und Griechenland, Spanien und Portugal als Versuchskaninchen erst der Anfang waren. Man will sehen, wie viel Widerstand es in der Bevölkerung gibt. So nutzt die spanische Regierung - auch auf Druck der Troika - die Finanzkrise, um Arbeitnehmerrechte abzubauen und Gewerkschaften zu entmachten. Soll Südeuropa das neue China mit günstigen Lohnkosten um die Ecke sein? Und wer ist als Nächster dran?

Der innere Zustand einer demokratischen Gesellschaft lässt sich daran messen, wie sie mit Immigranten umgeht. Ein griechischer Bürger umschreibt die Situation mit "Wir Griechen sind hungrig, die Immigranten auch. Wir fressen uns gegenseitig auf.". Und in der Tat wird Griechenland, ähnlich wie Italien, mit dem Problem der Flüchtlinge von der EU allein gelassen, wodurch Neonazis neuen Auftrieb bekommen und die Kultur der Intoleranz gefördert wird. Dies ist um so dramatischer, da etwa 80 % derjenigen, die in die EU flüchten, über Griechenland kommen. Daneben schwächt die Korruption das Land und spaltet es weiter, wie die griechische Tageszeitung schreibt: "... ein Teil stirbt und einer amüsiert sich, ungestört und ungerührt.". Und es ist viel Geld im Spiel, da die Troika zur Sanierung der Staatshaushalte die Krisenländer verpflichtet, Staatsbesitz zu privatisieren. Der Zerfall der demokratischen Ordnung wird beschleunigt weitergehen - da bin ich mir sicher.
Aber Roth rechnet auch mit anderen korrupten EU-Ländern ab, wie Portugal, Spanien und Italien: Eine erschreckende Analyse der Südländer, die mir wenig Hoffnung macht.

Ich stimme Roths Fazit zu, dass die Bürger in Europa es auf Dauer nicht hinnehmen werden, dass man ihnen die sozialen und demokratischen Rechte immer weiter beschneidet - zugunsten einiger weniger Profiteure. Ob die Gegenwehr friedlich und demokratisch aussehen wird, muss sich erst noch zeigen. Denn es droht sogar noch viel größeres Unheil, wenn das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA zustande kommt, das vollkommen undemokratisch im Geheimen verhandelt wird und die unabhängige Rechtsprechung in Europa abschaffen will. Dann werden auch ganz offiziell nicht mehr die gewählten Regierungen die Macht haben, sondern große Konzerne und ihre Anwaltskanzleien.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die (fast) offene Rückkehr des Feudalismus, 16. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
Einsichtig sollen sie sein, die Argumente der Politik an ihre Bürger europaweit, „den Gürtel enger zu schnallen“.

Auch wenn erkennbar ist, dass der Bürger keine existentiellen Fehler begangen hat (könnte er gar nicht auf dieser Ebene des „Verlustes“ hunderter Milliarden Euro), auch wenn schwer zu erklären ist, warum „die da oben“, allen voran die Banken, mit Zinserleichterung und Direktspritzen vieler Milliarden Euro (direkt gefolgt von manchen Regierungen und deren langjährigem „Schutz“ von Korruption, Steuerhinterziehung, Vetternwirtschaft und Misswirtschaft) nun auf Kosten „derer da unten“ sich versuchen, zu sanieren und die Bürger damit auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte hinaus im Strudel der Schulden sich wiederfinden werden, es gibt eben „keine Alternative“. Sagt man.

Das mit der Krise, dem Wanken des Euro, der Abwendung „explodierender Kosten für die Wirtschaft“ (die dann wiederum der normale Bürger auf der Strom- und Energierechnung mit übernimmt samt anderer direkter und indirekter Abgaben) die Stellung des Bürgers, der Einfluss der arbeitenden Bevölkerung stark abnimmt, das ist für Jürgen Roth, wie er durchaus überzeugend und mit spitzer Feder in diesem Buch darlegt, dann kein „Nebenprodukt“, kein „am Rande mitgenommenes Übel“, sondern durchaus ein angestrebtes Ziel. Derer, die mit ihren Summen Einfluss nehmen können, derer, die sich die Welt der nahen Zukunft gerne zu ihren Gunsten gestalten möchten.

Nun wäre ein wenig Differenzierung auf Seiten des Lesers bei der Lektüre nicht von Schaden.

Einerseits sind die Auswürfe, die Roth in seinen vielen Beispielen und auch strukturellen Analysen vorlegt, real, fundiert recherchiert und faktisch bedrohlich für die Frage nach einer starken Position des „einfachen Menschen“ und Bürgers.

Andererseits ist seine These eines gezielten Vorgehens, einer abgesprochenen Strategie, die, so schwingt es im Buch mit, unter konkreter Nennung von Personengruppen, auf den oberen Ebenen der Politik und Wirtschaft Europas „geplant“ wurde und wird nicht einfach so zu belegen und zu halten.

Andererseits, man braucht kein Anhänger einer Verschwörungstheorie, einer „putschenden Oberschicht“ zu sein, um die einfachen Folgen dessen, was passiert anhand der Analyse Roths mit zu vollziehen.

Sparprogramme, von Oben, in weiten Teilen des Südens Europas auch „von Außen“ vorgegeben, damit ein grundsätzliches Wanken der Errungenschaften der Sozialsysteme, die Schwächung der Kraft der Gewerkschaften, Dumpinglähne, das Ausnutzen aller nur denkbaren (und teils nur mit viel Überlegung denkbarer) „Nebenwege“ zur Einsparung der Herstellungskosten, die explodierenden Entlohnungen der „Macher“ persönlich und der Renditen ganz allgemein und vieles mehr, das Roth Schritt für Schritt schildert (von den „runden Tischen“ über die „Bankenmachtim Eliteclub“ über die Zugang und weidliche Nutzung der „Medienmacht“ hin zur „Wut der Ohnmächtigen, zerstörte Gesundheitssystem und beginnender Hass gegen Fremde allüberall) .

All das Dinge, die in hiesigen Breitengraden (noch) nur in den Nachrichten betrachtet werden, deren Primat einer rein marktorientierten Ausrichtung aber über kurz oder lang auch die noch stabilen Länder wie Deutschland erreichen werden (und in der in den letzten Jahren vorbereitend vollzogenen Schwächung der breiten gesellschaftlichen Kräfte bereits sichtbar werden).

Ob nun „Europa“ bewusst „gegen seine Bürger aufrüstet“ und Politik, Unternehmensberater, Banken und wirtschaftliche Eliten konzertiert und bewusst einen „Putsch“ vorantreiben, das mag dahingestellt bleiben.

Dass aber die Gewichte sich stark verändern, die Geschwindigkeit dieser Veränderung zu Ungunsten der Rechte und des Einflusses des „normalen Bürgers“ zunimmt und dass dies durchaus „System“ haben könnte, das sollte der Leser sich während und nach der Lektüre dieses Buches durchaus ernsthaft vor Augen führen.

Wieweit dann die wenigen Hinweise zum „Widerstand“ im Buch ausreichen, mag dahingestellt bleiben (hier wäre ein Mehr an Anregungen wünschenswert gewesen).

Aber dass dies in dieser Fülle, Breite und Geschwindigkeit nicht ohne Schaden auf Dauer hingenommen werden kann, Widerstand also Not tut, das ergibt sich nicht erst und nicht nur aus dieser teils spitzen, teils polemischen, aber immer praktisch belegten Lektüre einer konzertierten „Attacke auf den Sozialstaat“ zu Gunsten derer, die am Bürger nur verdienen, aber für diesen so wenig wie möglich ausgeben möchten.

Da Roth Ross und Reiter nennt, ein sehr konkreter Vorwurf, der zur Diskussion fast zwingt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jürgen Roth rechnet mit der europäischen Krisenpolitik ab, die einem kalten Staatsstreich gleicht, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der stille Putsch: Wie eine geheime Elite aus Wirtschaft und Politik sich Europa und unser Land unter den Nagel reißt (Gebundene Ausgabe)
In Europa gibt es einen stillen Putsch, einen kalten Staatsstreich. Er erfolgt aus dem Innern diskreter wirtschaftspolitischer Machtnetzwerke und er ist gegen die Bevölkerung Europas gerichtet. So lautet die Kernthese im neuen Buch des Investigativjournalisten Jürgen Roth mit dem Titel "Der stille Putsch".
Das klingt nach Verschwörungstheorie, aber wer das Buch von Roth liest, bemerkt schnell: Zentrale Akteure, die in der Euro-Krise die Weichen stellen, agieren nicht im luftleeren Raum oder bedienen sich etwa bei ihren Entscheidungen einer über jeden Zweifel erhabenen "freischwebenden Intelligenz". Weichensteller der europäischen Krisenpolitik sind eingebunden in verschwiegene Machtzirkel, sie haben fragwürdige biographische Hintergründe, die bei einer Analyse ihres Handelns in der Euro-Krise berücksichtigt werden müssen. An dieser Stelle setzt Roth an. Er richtet das Schlaglicht auf die Strukturen der Machtelite und verdeutlicht, dass die derzeitigen Umwälzungen in Europa im Hinblick auf die Sozial-, Gesundheits-, und Bildungssysteme Bestandteil einer Agenda sind. Einer Agenda, die gegen die Interessen der breiten Bevölkerung gerichtet ist.

Das Buch von Jürgen Roth kann man mit einem Medikament vergleichen. So wie bei Medikamenten auf die Dosierung zu achten ist, so sollte auch dieses Buch mit Vorsicht "eingenommen" bzw. gelesen werden. Das gilt insbesondere für jene, die ihr politisches Wirklichkeitsverständnis in Sachen Euro-Krise aus den politischen Talk-Shows oder den Leitartikel der großen Medien beziehen.
Roth macht das, was er in der Vergangenheit bei seinen vielen anderen Büchern auch schon getan hat und was er sicher kann: Er zeigt Verflechtungen zwischen Politik und Kapital auf, dass es dem unbedarften Leser, der sich der Lektüre ernsthaft stellen will, nur so schwindelig wird. Indem Roth die schweren Verwerfungen in Europa, wie sie derzeit zu erkennen sind, als das Ergebnis eines "stillen Putschs" bezeichnet, bietet er dem Leser eine Art begriffliches Instrumentarium, mit dem es möglich ist, die Euro-Krise aus einer herrschaftskritischen Sicht zu benennen und folglich zu betrachten. Und damit wirkt das Buch von Roth im Vergleich zu den oberflächlichen "Analysen" der politischen Talk-Shows und Leitartikel der großen Medien, wie ein Kontrastmittel.

Deutlich wird: Die Wirklichkeitskonstruktion, wie sie von Politik und Medien aufgebaut wurde, ist unzureichend, die Totenwinkel sind zahlreich. Auch wenn man gewiss nicht immer der Argumentation des Autors folgen muss, so sind die Fakten und Sachverhalte, die er anführt, nicht so einfach vom Tisch zu wischen.
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