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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen guter Krimi in brillianter Kulisse
Vorab:
"Vaterland" ist der erste Roman von Robert Harris, in dessen alternativer Geschichte Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hat und nun ganz Europa dominiert. Im April 1964 beschäftigt Kripo-Sturmbannführer Xavier März eine angespülte Leiche, die im weiteren immer mehr Fragen aufwirft und eine Verschwörung andeutet...
Veröffentlicht am 15. Februar 2013 von IckeBa

versus
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nazikrimi, au weia...
Ein Thema, bei dem man sich leicht in die Nesseln setzen kann: Hitler hat den Krieg gewonnen, wir schreiben das Jahr 1964 und Präsident Kennedy hat sich zum Staatsbesuch im Deutschen Reich angekündigt. Allerdings sprechen wir hier nicht von John F, sondern vom alten Joseph, der offenbar auch schon einige Male durch Äußerungen aufgefallen ist, die ihm...
Veröffentlicht am 13. April 2010 von Minnhera


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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen guter Krimi in brillianter Kulisse, 15. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Vorab:
"Vaterland" ist der erste Roman von Robert Harris, in dessen alternativer Geschichte Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hat und nun ganz Europa dominiert. Im April 1964 beschäftigt Kripo-Sturmbannführer Xavier März eine angespülte Leiche, die im weiteren immer mehr Fragen aufwirft und eine Verschwörung andeutet.

Positives:
Zunächst verdient Harris ein Lob für eine der besten Krimi-Kulissen überhaupt. Mit welch akribischer Präzision Harris hier eine halb-fiktive Lebenswelt aus dem Hut zaubert ist schlicht betörend. Jedes kleinste Detail wirkt so authentisch, dass die Fiktion im Kopf schnell zur Realität wird. Das geht sogar so weit, dass Harris nicht nur historische und fiktive Zitate und Dokumente in den Lesefluss einfügt, sondern dem Leser am Ende des Buches sogar ein Karte des deutschen Reiches und einen Stadtausschnitt von Berlin präsentiert. Dem steht die Figurengestaltung in nichts nach: Da gibt es allerlei tumbe NS-Schergen, bebrillte "Schreibtischtäter" aber eben auch die "gewöhnlichen" Menschen, die in einem System gefangen sind aus dem sie nicht entkommen wollen oder können. Wohltuend ist die dezente Charakterentwicklung von Protagonist Xavier März: Hier gibt es kein bekehrendes böser-Mensch-wird-guter-Mensch Schema. März ist Mitläufer, dem der Widerstand bereits innewohnt und da er nur wenig zu verlieren hat, ist seine Opferbereitschaft bei der "Aufdeckung" entsprechend gegeben. Dennoch schwebt ein wohltuend dezenter Apell an das "Gute" in Menschen mit, wenn Harris auf der Meta-Ebene seine Protagonisten fragen lässt, ob sie denn wirklich die Geschichte verändern könnten.

Negatives:
Wenn man sich jedoch an die faszinierend konstruierte Lebenswelt des nationalsozialistischen Milieus im Jahr 1964 gewöhnt hat, ist "Vaterland" in allererster Linie eben auch ein Verschwörungs-Krimi, dem das Prädikat "herausragend" aus meiner Sicht verwehrt bleiben muss. Da gibt es geheime Nummernfächer in der Schweiz, mysteriöse Pakete, allerlei Verräter, Folter und haufenweise geheime Dokumente. Das sind bekannte Zutaten die Harris durchaus überdurchschnittlich gut verbindet ohne damit jedoch Außergewönliches zu erschaffen. So ist die Handlung, im Gegensatz zur brilliant konstruierten Kulisse trotz einiger überraschender Wendungen doch etwas zu gewöhnlich geraten. Auch die sich anbahnende "Verschwörung" ist aus mehreren Aspekten zwar durchaus interessant, hat mich am Ende aber doch etwas enttäuscht.

Fazit:
"Vaterland" ist ein solider Krimi in einem außergewöhnlichen und dennoch verängstigend-authentischen Setting.
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131 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was hätte sein können, wenn..., 20. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Man malt sich die Welt lieber nicht allzu genau aus, in der Robert Harris seinen Krimi "Vaterland" ansiedelt: Hitler hat am Ende doch noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich reicht bis zum Ural und in den Kaukasus, und die Teile Europas, die nicht von Deutschland besetzt sind, haben den Status von Satellitenstaaten. Nach Kriegsende wurden auch die unzähligen Beweise für den Holocaust vernichtet (nicht ganz allerdings, wie sich herausstellen soll), es existieren nur Gerüchte. Das Deutsche Reich ist ein Überwachungsstaat Orwell'scher Prägung. Ein Horrorszenario fürwahr, das man sich nicht vorstellen will. Und wenn das Grauen zum Alltag wird, arrangiert man sich eben mit dem Grauen, garniert es gar mit den biederen Requisiten des Spießertums. Schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles... Diese Überlegung bildet die Atmosphäre, in der Robert Harris' einen Krimi ansiedelt:

Im April 1964 stehen die Staatsakte zu Führers 75. Geburtstag vor der Tür, und ein Besuch des amerikanischen Präsidenten Joseph (!) Kennedy steht an -- eine weitere Demutsgeste des freien Auslands.
Und nun wird die Leiche eines hochrangigen SS-Veteranen gefunden. Sturmbannführer März (im Original heißt er "March", was man durchaus auch mit "Marsch" hätte übersetzen können) von der Berliner Kripo ermittelt, ein ehemals wohlgelittener Kriegsveteran, der aber bei der Obrigkeit nicht allzu hoch angesehen ist, denn er gehört beileibe nicht zu den hundertzwanzig-prozentigen Parteigängern. Bald bemerkt März Unstimmigkeiten und Merkwürdiges bei seinen Ermittlungen, stößt auf eigenartige Zufälle, kommt mit der Gestapo ins Gehege. Und er trifft auf die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, deren Recherchen seine eigenen Ermittlungen mehr als ergänzen. Ihr fürchterlicher Verdacht bestätigt sich, als sie die Belege für eine historische Tatsache zutage fördern, die heute zum Schulwissen gehören: Dokumente über die Wannsee-Konferenz, in der europaweit der millionenfache Mord an den Juden beschlossen wurde.

Harris hat hier eine Negativ-Utopie mit vorsichtig-optimistischem Schluss in Form eines Krimis geschrieben, und das gewagte Vorhaben ist ihm gelungen. Bedrückend das Nazi-Berlin, das er dem Leser präsentiert; ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt -- erdrückt, aber nicht gesichtslos. Harris hat es geschafft, vielen seiner Figuren ein unverkennbares Profil zu verleihen -- vielen, aber nicht allen. Manche, darunter leider auch Charlotte Maguire, sind etwas farblos geraten.

Auch historisch steht dieser Roman im Großen und Ganzen auf festem Boden, wenngleich Harris sich hier doch einige Schnitzer geleistet hat; dazu später.
Verblüffend gut getroffen hat der Autor die historischen Nazi-Größen aus dem In- und Ausland, die in "Vaterland" Wesentliches zur Handlung beitragen: Sei es der amerikanische Präsident Joseph Kennedy (der Vater von JFK), dessen antisemitische Haltung bekannt ist, oder der notorische Sadist Odilo Globocnik, und vor allem der Polizeichef Artur Nebe, hochintelligent und höchst zwielichtig. Ihre fiktiven Charaktere in Harris' Roman decken sich weitgehend mit dem Bild, das man sich anhand historischer Quellen von ihrem tatsächlichen Charakter machen kann.
Auch das präsumptive historische Umfeld hat Harris recht überzeugend konstruiert -- etwa den fortgesetzten Widerstand osteuropäischer Partisanen gegen die Besatzer, der wirkungsvoller ist, als es die deutsche Bevölkerung wissen darf, oder die brachialen Umsiedlungsprogramme, mit denen das noch brachialer entvölkerte Osteuropa besiedelt werden soll. Auch, dass man sich im Ausland mit einer solch monströsen Regierung arrangiert hat, wirkt glaubhaft.
Dennoch hat Harris an einigen Stellen in seiner Recherche geschlampt: Dass in einem endgültig konsolidierten europaweiten Nazireich die tschechische Automarke "Skoda" in tschechischer Schreibweise verbreitet sein könnte, kann nur einer annehmen, der außer Englisch keine Sprache beherrscht, sodass ihm das nicht auffallen kann. Aber das ist der harmloseste Schnitzer. Schwerer wiegt, dass Harris der Versuchung nicht widerstehen konnte, den Leser durch Spielereien zu verblüffen: So gibt es auch in diesem imaginären Europa 1964 eine Europäische Gemeinschaft (vorzustellen als Vereinigung der Satellitenstaaten, die auf den Befehl aus Berlin warten). Das kann man vielleicht noch akzeptieren. Aber dass diese Nazi-geführte EG -- nun kommt's -- aus exakt 12 Staaten besteht, beweist, dass Harris seine eigene fiktive, hinten im Buch abgedruckte Europakarte nicht genau angeguckt hat. Es sind nämlich 13, aber damit wäre natürlich der Effekt dahin. Und auch, dass Harris die deutsch-polnische Grenze von 1939 an die Oder-Neiße-Linie verlegt, zeugt nicht von stets akribischer Recherche. Tja -- und dann wundert man sich natürlich, woher die vielen Neusiedler im besetzten Osteuropa kommen sollen, und die 10 Millionen Berliner. So schnell kann sich die nationalsozialistische Familienpolitik ja doch nicht ausgewirkt haben.
Andererseits hat Harris die für seinen Roman relevanten historischen Fakten sehr genau recherchiert, sodass ich die erwähnten (und noch einige andere) Schnitzer nicht überbewerten will.

"Vaterland" ist ein beklemmender Krimi, und die Beklemmung (ein schwaches Wort hier) rührt nicht nur von der ungeheuerlichen Prämisse her, sondern fast noch mehr von der beklemmenden, überzeugend konstruierten Atmosphäre.
Beklemmend ist aber auch die Wahl des Sujets -- darf man aus dem Holocaust ein Krimi-Thema machen? Millionenfacher Mord als Sujet für Unterhaltungsliteratur? Wenn ich beim Lesen den Eindruck gehabt hätte, Harris habe eine beliebige Krimihandlung durch möglichst spektakuläre Versatzstücke aufpeppen wollen, dann würde ich diese Frage verneinen. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, und meinem Eindruck nach verharmlost er die Nazi-Diktatur auch nicht. Eher könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund dieses Romans sich der ein oder andere Leser eingehender mit der deutschen Vergangenheit befasst, der das sonst nie getan hätte.
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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Darauf gibt Harris mit seinem Roman "Vaterland" Antwort. Es ist ihm das Kunststück gelungen, einen überaus spannenden Krimiplot mit einem der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte, dem Holocaust, zu verbinden. Rahmengerüst seines Romanes sind eine historische Fiktion und eine geschichsphilosophische Spekulation. Die Fiktion: Hitler hat den Krieg gewonnen, Berlin ist die Hauptstadt des großdeutschen Reiches, das ganz Europa im Rahmen einer deutsch dominierten EU beherrscht. Albert Speer hat seine Monumentalbauten errichtet und Berlin mit der Großen Halle, der Siegesallee und dem Triumphbogen ein neues Gesicht gegeben. Die Spekulation: Trotz des Sieges, trotz Gleichschaltung, trotz ständiger Propaganda, trotz Indoktrination der Jugend lastet das ungeheure Verbrechen der Judenvernichtung über diesem nationalsozialistischen Staat und bedroht ihn innenpolitisch, in seiner moralischen Glaubwürdigkeit, aber auch außenpolitisch, in der gewünschten Entspannungsplolitik mit Amerika. Ich fürchte, Robert Harris hat hier zuviel Zutrauen in die Macht des moralischen Empfindens auf die Menschen wie auf die die Politik, aber das Szenario bleibt trotzdem glaubwürdig.
In diesem Rahmen ereigent sich nun ein Todesfall, den der Obersturmbannführer März aufzuklären hat. Rivaliäten zwischen den einzelnen Abteilungen des Polizeiapparates erschweren die Ermittlungsarbeit und treiben die Handlung voran. Was als Routineuntersuchung begonnen hat, führt März in die innersten Zentren des nationalsozialistischen Staates. März deckt auf, wie individuelle Vergehen und staatlich sanktionierte Verbrechen Hand in Hand gehen. Bis es zum großen Finale kommt, schlägt die Handlung mehrmals Haken, nimmt manche Wendung, bleibt aber immer nachvollziehbar und spannend. Die Darstellung des polizeilichen und ministreriellen Apparates der Nazidiktatur, der Behörden und der Archive sind integraler Bestandteil der Handlung. Viele biographische Details und zitierte Dokumente entstammen der Faktenwelt und sind geschickt in die Romanhandlung integriert.
Bleibt die Frage: Braucht es einen fiktionalen Krimi angesichts der Fülle von Fakten, von Anne Franks Tagebuch bis zu den Aufzeichnungen des Rudolf Höss, von den Eichmann Protokollen bis zu den Nürnberger Prozeßakten? Darauf läßt sich wohl nur sagen, daß Harris hier zunächst und zuerst einen spannenden Kriminalroma geschrieben hat, der auch jene erreicht, die eben die Primärquellen nicht lesen können oder wollen. Vielleicht animiert das den einen oder anderen auch zur intensiveren Auseinandersetzung. Kann man mehr verlangen?
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn ? Bedrückend., 6. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Im Hitlerdeutschland des Jahres 1964, kurz vor Führers 75. Geburtstag, wird die Leiche eines NSDAP-Parteibonzen aus der Havel gefischt. Die Berliner Kripo in Gestalt von Sturmbannführer Xaver März übernimmt die Ermittlungen. Zusammen mit der deutschstämmigen Amerikanerin Charlie Maguire kommt er dabei einem ungeheuerlichen Geheimnis auf die Spur.

Deutschland hat den Krieg gewonnen, Deutschland im Jahre 1964 ist ein Polizei- und Überwachungsstaat Orwellscher Prägung. Der nicht immer ganz linientreue Kripo-Sturmbannführer März lernt auf die harte Tour, welche Geheimnisse die deutsche Regierung vor dem eigenen Volk und dem Ausland zu verbergen sucht.
So hätte es aussehen können. So sieht es aber zum Glück nicht aus, die Geheimnisse, von denen ganz Deutschland in dieser Geschichte nichts ahnt oder sie zumindest erfolgreich verdrängt, sind heute wohlbekannt.
In dieses furchterregend beklemmende Szenario wird ein Krimi platziert. Robert Harris verwebt dabei historisch korrekte Daten, Namen und Fakten gekonnt mit Fiktion (er selbst schreibt im Epilog, sich bis 1942 an die Realität gehalten zu haben). Heraus kommt ein Krimi, der durch eine in sich mehr als schlüssige Handlung vollkommen überzeugt, der nie langweilig wird und immer eine graue Stimmung beim Leser hinterlässt.

Nun ist in Deutschland ein Krimi mit dieser Thematik heikel, nicht jeder Deutsche kann mit der Vergangenheit seines Landes, auch fast 70 Jahre später, in dieser Art und Weise unbefangen umgehen. So dauerte es vier Jahre, bis Harris einen deutschen Verleger gefunden hatte (Heyne), der gewillt war ein Buch, welches schon auf allen Bestsellerlisten stand, letztendlich auch in Deutschland 1996 zu veröffentlichen. Zuerst waren alle Reaktionen in Deutschland negativ, frivol, deutschfeindlich oder dämonisierend waren da noch harmlos.
Dabei kann ich keine Nazinostalgie in diesem Buch erkennen, vielmehr ist Deutschland eine zum Scheitern verurteilte Diktatur, eine finstere Vision, mehr nicht.

Ganz bestimmt nicht langweilig, nicht verfassungsfeindlich und auch keine braune Schauergeschichte, Vaterland ist einfach ein überdurchschnittlich guter Krimi in einem ungewöhnlichen Setting.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutschland 1964 - Alternativweltgeschichte - Nazis an der Macht..., 28. Januar 2011
Von 
Stephan Seither (Berg / Rheinland-Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Berlin bereitet sich auf den 75.Geburtstag des immer noch lebenden Führers vor, man befindet sich inzwischen im "Kalten Krieg" mit den USA, welcher in den nächsten Wochen jedoch beendet werden könnte, hat doch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Interesse an Tauwetter signalisiert... - die Reichshauptstadt wurde, nach den Plänen von Albert Speer, umgebaut und somit zum Prestigeobjekt der Nazis, im Osten tobt immer noch Krieg, Europa hat eine Gemeinschaftswährung, die Deutsche Mark und von den Gräuel des Holocaust hat nur ein kleiner Kreis Eingeweihter Kenntnis..., ein ehemaliger Kämpfer der Partei wird leblos aufgefunden, die Umstände geben Rätsel auf... - in diese Atmosphäre verfrachtet der englische Schriftsteller Robert Harris seine Leser von den ersten Seiten an.

Wer nun vermutet, dass der Autor hier die Brut der Nazis feiert und zugleich dem Abschaum egenwärtig lebender Holocaustleugner einen Roman liefert, welcher vor Glanz und Gloria, sowie Geschichtsrevisionismus überläuft, irrt gewaltig!

Ganz im Gegenteil - der Autor schickt mit seiner Hauptfigur, Kripo-Sturmbannführer März, einen Mann ins Rennen, dessen erschütterte Weltanschuung, aufkeimende Zweifel, erschreckenden Erkenntnisse, "unglaublichen" Erfahrungen und letztlich lebensbedrohliche Entdeckungen verdeutlichen, warum man froh sein kann, dass dieses Regime seinerzeit beseitigt wurde, zudem ganz einfach nicht in Vergessenheit geraten darf, was damals möglich war und warum es selbst noch so kleinen Anfängen entgegenzutreten gilt...

Das Buch hatte ein Freund, während unseres regelmäßig stattfindenden Bücherstammtisches vorgestellt und mir geliehen - ich habe es kurz darauf, an einem einzigen Sonntag, verschlungen, obwohl ich, aus der Beschreibung des Freundes heraus, um 90% der Handlung wusste, konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte ..., 6. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Die Ausgangsfragestellung "Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnnen hätte?" hat mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht.

Um es schon vorweg zu sagen: Meine Neugier wurde nicht enttäuscht.

Robert Harris ist es auf eine sehr intelligente Weise gelungen, ein Bild der Welt zu zeichen, wie sie in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gewesen sein könnte, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Auch wird die sehr interessante Frage aufgeworfen, wie soll die Welt mit dem Holocaust umgehen, wenn sie nie davon erfahren hat, dass es ihn überhaupt gegeben hat, weil die Beweise dafür bislang nie an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Harris verknüpft dies mit einer für mein Begriffe recht spannenden und unterhaltsamen Kriminal- bzw. Thrillerstory. Historisch gut recherchiert und unter Nutzung von historisch existierenden Personen gelingt Harris ein sehr fesselndes Buch.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial weitergeführt !!!, 21. Januar 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Haben wir uns nicht alle schon mal gefragt, was passiert wäre, wenn das nationalsozialistische Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte?? Robert Harris hat eine Antwort darauf. Der Roman spielt im Jahre 1964. Hitler hat den Krieg gewonnen, Nazi-Deutschland beherrscht ganz Europa. Eine Woche vor Hitlers 75. Geburtstag wird eine Leiche von einem hohen Parteibonzen von dem Kripo-Fahnder Xavier März gefunden. Was sich anfangs nur um Kunstschmuggel- und handel dreht, entwickelt sich zu einem Alptraum führ die Hauptpersonen des Buches. Von Gestapo und SS gejagt, versucht Xaver März die Wahrheit und den Mörder zu finden. Doch nichts ist so wie es scheint. Was will die Gestapo vertuschen, warum ist Bühler nur das 1 Opfer ???
Mehr will ich auch gar nicht verraten, da dass Buch sehr spannend ist und ich diese Spannung nicht vorweg nehmen will. Was dieses Buch so reizvoll macht sind zum einen die glaubwürdigen und sehr gut erdachten Personen und zweitens das Nazi-Deutschland nach 1945. Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, dann würde Deutschland so sein, wie e in diesem Buch dargestellt ist. Harris würzt sein Buch derart mit Fakten und Tatsachen, dass man nicht glauben kann, dass dieses Buch nur eine Geschichte ist, sondern die Welt in den 60er Jahren, was sie ja Gott sei Dank nicht geworden ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewagt!, 13. März 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Und wer wagt gewinnt, meistens jedenfalls. Robert Harris ist mit seinem Wagnis "Vaterland" jedenfalls der internationale Durchbruch als Autor von historischen Thrillern gelungen, wie er mit seinen Bestsellern Enigma, Pompeji, Imperium und Ghost bewiesen hat. Dabei war es bei Vaterland anfangs äußerst schwer überhaupt ein Verlag für das Buch mit kontroversen Inhalt zu finden, da ein zu großer Proteststurm infolge seiner Veröffentlichung erwartet wurde.

Denn Vaterland geht von einer einfachen Annahme aus, was wäre wenn Nazi-Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte? Ein gesonderter Friedensvertrag mit England und der entscheidende Durchbruch an der Ostfront machen es zusammen mit einer über New York gezündeten V3-Rakete als Antwort auf den Atombombenabwurf über Japan machen es möglich und so steht Deutschland 1964 vor der Verwicklichung aller seiner Ziele, wie Rassenlehre und Ostkolonialisierung, während Partisanenkrieg und Terroralarm, sowie vereinzelte Gefechte im Ural nach wie vor für eine gewisse Bedrohung sorgen.

So ist es der SS-Sturmbannführer Xaver März der Kripo Berlin, der kurz vor Hitlers 70. Geburtstag zu einem Tatort gerufen wird und feststellen muss, dass es sich bei der anfangs namenlosen Wasserleiche, die von einem Jogger entdeckt wurde, um eine ehemalige Parteigröße handelt. Dr. Josef Bichler, ein Bürokrat aus Generalgouvernement Polen soll es sein und der einzige Zeuge, der die Leiche auch entdeckt hat, will 3 Männer und ein Auto erkannt haben, welche die Leiche abgeladen haben. Unter den mysteriösen 3 Männern scheint sich auch Odilo Globocznik, der ehemalige Gauleiter von Wien befunden haben, wodurch der Fall schnell an politischer Brisanz gewinnt und März in Schwierigkeiten bringen könnte, der ohnehin bereits als politisch nicht allzu zuverlässig gilt, was er jedoch noch hinter einer gehörigen Portion Sarkasmsus verbirgt. Als der Zeuge überraschend an die Ostfront geschickt wird, sind Kommissar März und die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, welche sich mit ihm auf der Suche nach Spuren zusammengetan hat auf sich allein gestellt, während sich immer mehr herausstellt dass hinter allem ranghohe Beamte und Gestapo-Leute stecken könnten...

Ohne Zweifel, Vaterland ist ein geniales Debüt, nicht zuletzt weil es eine umfangreiche Hintergrundgeschichte mit einem spannenden Thrillerplot vereint (ein solcher wäre sonst nur in einer Science-Fiction-Welt möglich). Manches konnte Harris zwar nicht wissen, weshalb nicht alle Szenarien hundertprozentig korrekt sind, doch wie gesagt, für ein Debüt eine enorme Leistung. Die Charaktere selbst sind alles andere als plump und äußerst lebendig, wobei über allem eine sehr bedrohliche Atmosphäre schwebt, die durch eine für Diktaturen übliche Vermischung von Größenwahn mit Spitzelwesen und brutaler Unterdrückung jeglicher noch so winzigen Oppositionshaltung gezeichnet ist. Was dem Buch jedoch fehlen könnte ist der entscheidende Funke, denn Vaterland mag zwar den richtigen Stoff für ein explosives Spannungsfeuerwerk enthalten, doch fehlt dem Debüt ein entscheidendes Element, um wirklich aufzublühen.

Fazit:
Ein wagemutiges und erstrangig inszeniertes Thrillerdebüt mit historischen und charakterlichen Tiefgang, dem allerdings ein zündender Funke Genialität fehlt.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buy one, get one free, 11. Dezember 2003
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
2 x 5 = 5* : Zwei absolut spitzenmäßige Thriller aus der Meisterfeder von Robert Harris zum Preis von einem:
Vaterland (Fatherland, von 1992):
Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? Harris spielt diesen Gedanken eindrucksvoll durch, und zwar eine Woche lang vor Hitlers 75.Geburtstag 14.-20.April 1964. Nachdem ein Nazi-Bonze ermordet wird, macht sich der Kommissar und wenig übezeugtes SS-Zwangsmitglied Xaver März an die Ermittlungen. Er verfolgt die Spuren bis in die höchsten Kreise und er bzw. wir auch lernen dabei die Abgründe von Groß-Deutschland 1964 kennen. Aber Gottlob gerät dabei nur er in Lebensgefahr. Brilliant geschrieben, in England monatelang ein Hit.
Enigma (von 1995):
1943 sind die Engländer von den US-Konvois mit Nachschub abhängig. 1000e Schiffe werden durch die deutschen U-Boote versenkt. Doch deren Funksprüche sind nicht zu knacken, da sie durch die geniale 'Enigma', dem deutschen Urvater des Computers, verschlüsselt werden. Die letzte Hoffnung ist Tom Jericho, ein etwas skurriler Typ, aber Englands bester Code-Knacker, der sich im Bletchley Park mit einem Expertenteam an die Arbeit macht. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit - und anscheinend gibt es auch noch einen Maulwurf im Team. Der Anteil an kryptografischen Details und langweiligen Codes ist dabei minimiert. Spannend!
Wer also nur einen Roman gut findet, sollte schon zuschlagen. Details können Sie bei den Einzelbüchern nachlesen, u.a. auch meine vollständigen Rezensionen. Falls Sie sich nur tangentiell für Thriller interessieren, ist diese Ausgabe eigentlich Kaufpflicht :-)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Idee, 28. Januar 2012
Der Anfang war vielleicht etwas holprig und es brauchte eine kurze Zeit, bis man ganz in die Geschichte gefunden hat. Doch als es dann langsam los ging und die Spannung stieg, konnte dieses Buch mich schon sehr fesseln. Ich habe die letzte Hälfte wirklich in einem durchgelesen und hab sogar meine kostbare Schlafenszeit dafür geopfert, weil es mich so interessiert hat :)
Das Ende hat mich irgendwie traurig gemacht, dass es so geendet ist. Jedoch hätte ich gerne erfahren, wie es jetzt ganz weitergegangen war. Was ist danach passiert? Wie ging es weiter? Wurde etwas veröffentlicht? Hat man Charlie geglaubt?

Die Idee an sich finde ich auch sehr... provokant, kann man fast sagen. Man kann ja wirklich von Glück reden, dass Hitler so größenwahnsinnig war und Russland im Winter angegriffen hat. Sonst wäre die Variante, die in Harris' Buch dargestellt ist, sehr wahrscheinlich. Ich denke, das macht die Thematik noch bedrückender als sie eh schon ist. Wir können echt vom Glück reden, dass es nicht so gekommen ist. Daher schockiert das Buch und lässt den Leser aber automatisch darüber nachdenken. Das macht ein gutes Buch echt aus!
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Vaterland
Vaterland von Robert Harris (Taschenbuch - 1. April 1994)
EUR 8,95
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