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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt nur wenige Stücke Prosa, die mich in meinem Glauben so erschüttert und geprägt haben wie dieses, 11. Februar 2014
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das denkende Herz der Baracke: Die Tagebücher 1941-1943 (Gebundene Ausgabe)
Die Tagebücher der am 30. November 1943 in Auschwitz ermordeten niederländisch-jüdischen Lehrerin Etty Hillesum haben seit ihrer ersten Veröffentlichung viele Generationen von Menschen bewegt und geprägt. Sie sind ein bewegendes Dokument der Menschlichkeit, das heute Menschen überall auf der Welt immer noch beeinflusst.

Obwohl ihr immer klar war, was sie in Auschwitz erwarten wird, verliert Etty Hillesum nicht ihr Vertrauen in das Gute in jedem Menschen und ihr Vertrauen in Gott und seine unerschöpfliche Liebe.

Ich selbst hatte Mitte der siebziger Jahre gerade mit dem Theologiestudium begonnen, als ich zum ersten Mal mit den Tagebüchern von Etty Hillesum in Kontakt kam. Eine Stelle darin, in der sie mit Gott spricht, hat mich damals fast von den Füßen gerissen und seitdem nicht nur meinen Glauben, sondern auch meine theologische Praxis stark geprägt:

„Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute Nacht geschah es zum ersten Mal, dass ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen. Ja, mein Gott, an den Umständen scheinst auch du nicht viel ändern zu können, sie gehören nun mal zu diesem Leben. Ich fordere keine Rechenschaft von dir, du wirst uns später zur Rechenschaft ziehen. Und mit fast jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen. Es gibt Leute, es gibt sie tatsächlich, die im letzten Augenblick ihre Staubsauger und ihr silbernes Besteck in Sicherheit bringen, statt dich zu bewahren, mein Gott. Und es gibt Menschen, die nur ihren Körper retten wollen, der ja doch nichts anderes mehr ist als eine Behausung für tausend Ängste und Verbitterung. Und sie sagen: Mich sollen sie nicht in ihre Klauen bekommen. Und sie vergessen, dass man in niemandes Klauen ist, wenn man in deinen Armen ist. Ich werde allmählich wieder ruhiger, mein Gott, durch dieses Gespräch mit dir. Ich werde in der nächsten Zukunft noch sehr viele Gespräche mit dir führen und dich auf diese Weise hindern, mich zu verlassen. Du wirst wohl auch karge Zeiten in mir erleben, mein Gott, in denen mein Glaube dich nicht so kräftig nährt, aber glaube mir, ich werde weiter für dich wirken und dir treu bleiben und dich nicht aus meinem Inneren verjagen.“

Es gibt nur wenige Stücke Prosa, die mich in meinem Glauben so erschüttert und geprägt haben wie dieses. Es ist gut, dass der Herder-Verlag dieses Buch in einer ansprechenden Neuauflage wieder zugänglich macht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entspricht der rororo-Ausgabe "Das denkende Herz", 22. Mai 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das denkende Herz der Baracke: Die Tagebücher 1941-1943 (Gebundene Ausgabe)
Heute bin ich mit meiner rororo-Ausgabe Das denkende Herz: Die Tagebücher von Etty Hillesum. 1941-1943 in die Buchhandlung und habe beide Bände verglichen, nachdem mir der Herder-Verlag keine genaue Auskunft geben konnte, (ausser dass es sich dabei vermutlich um eine Lizenz-Ausgabe handelt) ob die Ausgaben identisch sind oder nicht. Die Taschenbuchausgabe von rororo ist def. eine Lizenzausgabe des Herder-Verlags. (Früher F.H. Kerle Verlag) Während diese neue Ausgabe das Vorwort von Christian Feldmann ist, ist es in der rororo-Ausgabe von J.G. Gaarlandt. Ansonsten sind beide Werke textlich identisch. Interessanterweise hat die Rowohlt-Ausgabe im Mittelteil sogar einen Fototeil, der in der Herder-Ausgabe fehlt. Preis-Leisung-Verhältnis sprechen somit klar für die Rowohlt-Ausgabe, die mittlerweile schon in der 24. Auflage steht, ausser man möchte natürlich eine gebundene Ausgabe. Unter der rororo-Ausgabe ist von mir eine Rezension vorhanden. Für interessierte Leser von Etty Hillesum sei angemerkt, dass Anfang dieses Jahres Bedrängt und unendlich geborgen. Begegnungen mit Etty Hillesum erschienen ist. (Sekundärliteratur) Die ursprüngliche Original-Ausgabe von Herder, war wohl vergriffen und wurde im Grunde neu aufgelegt. (Beide Bände sind von der gleichen Übersetzerin. (Maria Csollàny)
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5.0 von 5 Sternen Das denkende Herz der Baracke, 28. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das denkende Herz der Baracke: Die Tagebücher 1941-1943 (Gebundene Ausgabe)
Die handschriftlichen Aufzeichnungen beginnen mit der Begegnung eines Mannes, der ihr Leben grundlegend verändert. Dr. Julius Spier, Psychochirologe und jüdischer Emigrant aus Berlin. Am Anfang des Tagebuchs führt die junge Frau noch ein relativ normales bürgerliches Leben, doch bald sieht sie sich als Jüdin immer mehr eingeschränkt und bedroht. In dem Maß, wie sie sich das äußere Leben verengt, wendet sich Etty nach innen. Sie liest Rilke, Dostojewski, Puschkin, Augustinus und vor allem die Bibel. Unter dem Einfluss von Julius Spier findet sie den Weg zu einem Gott, den sie weder in der Synagoge noch in der Kirche, sondern in sich selbst sucht. Sie spricht in ihren Tagebuch mit diesem Gott wie mit ihresgleichen, fleht ihn an, hadert mit ihm, lernt ihm zu vertrauen. Anfang August 1941 kommt ihr Aufruf ins Lager Westerbork, das sie jedoch mehrmals mit einer Sondererlaubnis verlassen darf. Das Buch endet mit Briefen Etty Hillesums aus Westerbork und dem Brief eines Freundes, der über ihre letzten Tage im Lager und ihren Transport nach dem Osten berichtet. In einem Bericht des Roten Kreuzes wird der Tod von Etty Hillesum am 30. November 1943 in Auschwitz gemeldet. Es war in den 80er Jahren, da wurde ihr Tagebuch bekannt. Es war damals schon eine kleine Sensation. Eine holländische jüdische Studentin, sie war hochbegabt und sehr intelligent musste ihr Schicksal ertragen, bis zum bitteren Ende. Etty Hillesum ist viel zu früh aus dem Leben getreten. Sie hätte noch viel erreicht, aber das Lager Auschwitz ließ es nicht zu. Das bewegende Buch ist im Herder Verlag erschienen. Das Durchgangslager Westerbrok und ihr Abtransport nach Auschwitz im Oktober 1943, werden im Buch noch einmal Wirklichkeit. Nachwort: Ich arbeite und lebe weiter mit derselben Überzeugtheit und finde das Leben sinnvoll, trotzdem sinnvoll, auch wen ich mich das kaum noch in Gesellschaft zu sagen traue. Ich möchte lange leben, um es später doch noch einmal erklären zu können, und wenn mir das nicht vergönnt ist, nun, dann wird ein anderer mein Leben von dort an weiterleben, wo das meine unterbrochen wurde, und deshalb muss ich es so gut und so überzeugend wie möglich weiterleben bis zum letzten Atemzug, sodass derjenige der nach mir kommt, nicht ganz von Neuem anfangen muss und es nicht mehr so schwer hat. Das schrieb sie im Juli 1942. Starke Worte für eine starke Frau. Das Buch kann ich nur weiterempfehlen.
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Das denkende Herz der Baracke: Die Tagebücher 1941-1943
Das denkende Herz der Baracke: Die Tagebücher 1941-1943 von Etty Hillesum (Gebundene Ausgabe - 9. Januar 2014)
EUR 19,99
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