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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen 750 Jahre alt und immer noch aktuell, 15. August 2010
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Philosophisch leben (Gebundene Ausgabe)
Der dem Ritterstande entstammende Meister Eckhart ist immer noch erstaunlich aktuell. Zum 750. Geburtstag des großen Mystikers, beschenkt der Verlag seine Leser mit diesem Büchlein mit Lesebändchen und wunderschöner Aufmachung.

Das gelbe Lesebändchen ist bereits der Hinweis darauf, dass dieses Buch nicht wie ein Krimi verschlungen werden will. Es will vielmehr täglich ein Stück mehr vom Leser erobert werden.

Originaltexte von Meister Eckhart sprechen zu uns:

»Nun gibt es etliche Menschen, die verbrauchen die Kräfte der Seele ganz und gar im äußeren Menschen. Das sind jene Leute, die all ihre Sinne und ihre Vernunft vergänglichem Gut zukehren; die wissen nichts von dem inneren Menschen.«

»Ich bin des so gewiss, wie dass ich ein Mensch bin, dass mir nichts so nahe ist wie Gott. Gott ist mir näher, als ich mir selber bin; mein Sein hängt daran, dass mir Gott nahe und gegenwärtig ist.«

Diese starken und kurze Texte zeigen die Lebens - und Praxisnähe des Meister Eckhart. Die Kraft dieser Worte in unserer heutigen Zeit sind deutlich zu spüren. Das Alter von 750 Jahren ist kaum zu glauben.

Eine kurze Einführung in das Leben von Meister Eckhart und seine Theologie runden das Buch ab und geben Einblicke in das Denken und die Zeit des 13. Jahrhunderts. Gut ist es dem Autor gelungen die Entwicklung Meister Eckharts nachzuzeichnen.

Thomas Polednitschek zeigt einmal mehr wie zeitlos das Werk des Meister Eckhardt betrachtet werden kann. Dieses Buch ist ein guter Einstieg sich mit dem »bedeutendsten Vertreter der Deutschen Mystik« zu beschäftigen.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine Zeitgeistkur mit Meister Eckhart, 25. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Philosophisch leben (Gebundene Ausgabe)
In der Absichtslosigkeit erschließt sich uns die Tiefe des Daseins. Nur ein Leben, das kein warumbe" kennt, das um seiner selbst willen gelebt und begehrt wird, ist ein sinnvolles Leben. Diese schlichte, doch zugleich implikationsreiche und folgenschwere Weisheit Meister Eckharts steht am Anfang eines unlängst bei Herder erschienen Bändchens des Philosophischen Praktikers Thomas Polednitschek zu Ehren des spätmittelalterlichen Theologen. Etwas, das gewiss niemals vom Standort eines Dominikanermönches des 14. Jahrhunderts her beabsichtigt werden konnte, bildet hier den Fokus des Nachdenkens: das Gewicht und die aktuelle Dringlichkeit der Eckhartschen Lebenslehren für den Nihilismus unserer Nach-moderne", dessen Kennzeichen der geheimnisleere" Mensch sei.

Wenn auch anlässlich des 750sten Geburtstages des großen Theologen, Mystagogen und Philosophen Eckhart herausgegeben, intendiert das Bändchen also weitaus mehr als eine historische Aufbereitung alter Predigten und Traktate für ein interessiertes Laienpublikum. Ohne es an Sensibilität für die theologische Herkunft der Gedanken Eckharts mangeln zu lassen, macht Polednitschek - selbst Theologe, Philosophischer Praktiker und Psychotherapeut in Personalunion - die Erkenntnisse des Meisters für ein philosophisch angeleitetes Leben in der Gegenwart stark. Eine der zentralen Subbotschaften des Buches ist dabei, dass Subjektmüdigkeit und das Fehlen eines überindividuellen Geistes die Seelen moderner Menschen in maßlose Apathie stürzen lässt und einen Zustand wunschlosen Unglücks" hervorruft, dem mit einem psychotherapeutischen Handwerkskoffer allein nicht mehr beizukommen ist. Wir leiden an einer metaphysischen Resignation", jede weiter reichende Sehnsucht ist zugeschüttet von dem grenzenlosen Bedürfnis zu haben", als Gefangene unserer Subjektivität" kreisen wir sentimentalisch um den Fixstern unseres Ich und sind doch von ausnehmender Gefühllosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit. Der Mensch unserer Tage leidet daran, dass er nicht leiden kann", heißt es. Für eine solchermaßen anästhesierte" Subjektivität bieten Eckharts Schriften einen vitalisierenden Nektar, den die Philosophische Praxis, so das Selbstverständnis Polednitscheks, in Honig für die Menschen" zu verwandeln habe. Genau diese Transformation ist das Konzept des Buches.

Man mag sich fragen, warum Polednitschek, um dem unverstandenen Leid der Gegenwart zu begegnen, so tief hineingreift in die Schatztruhe philosophischer Arzneien. Obschon er für sein Anliegen durchaus gegenwartsnähere Denker wie Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Michel Foucault, Jürgen Habermas oder auch den Künstler Joseph Beuys ins Feld führen kann, obschon er vor allem in dem Theologen Johann Baptiste Metz, der sein unmittelbarer Lehrer war, einen Inspirator für die politische Dimension christlicher Nachfolge findet, kommt Eckhart eine Schlüsselstellung zu. Warum? Quer zur zeitgenössischen Tradition stehend denkt der theologische Anthropologe Eckhart außerordentlich groß vom Menschen, indem er in der menschlichen Vernunftfähigkeit das unmittelbare Wirken des Göttlichen erblickt. Vernunft ist der ,Tempel Gottes'. Nirgends wohnt Gott eigentlicher als in seinem Tempel, in der Vernunft.", schreibt er. Wir haben es hier also mit einer christlichen Lehre zu tun, in der die menschliche Existenz kein irdisches Jammertal durchschreitet, sondern kraft eines eingeborenen Logos gotterfüllt und edel ist. Mit seiner Vorstellung eines alle Seelen durchtränkenden Logos, in dem Lieben und Denken noch ungeschieden beieinander sind, kann Eckhart als ein früher Aufklärer angesehen werden. Solchermaßen zuversichtlich auf einen der Seele verschmolzenen göttlichen Steuermann bauend, bewirkt seine Lehre einen Autonomisierungsschub, der wahrhaft modern anmutet. Sie wendet sich damit, wie Polednitschek schreibt, von einem elitären" Christentum ab und begründet einen vulgären" Wahrheitsbegriff, wonach prinzipiell jeder Mensch wahrheitsfähig ist.

Doch nicht allein die Aufkündigung eines Wahrheitsprivilegs der Gebildeten macht Eckhart modern. Wesentlicher noch ist die damit verknüpfte Idee einer christlichen Weltverwicklung, die die politische, d.h. alltagspraktisch tätige Dimension christlicher Lebensführung hervorhebt. Eckhart meint hier eine nicht-halbierte" (Metz) Nachfolge, die sich nicht in einer frömmelnden oder kontemplativen Innerlichkeit erschöpft, sondern tatkräftig in die Welt eingreift. Nach Polednitschek steht Eckhart hierbei für eine Vernunft, die nicht auf eine blutleere Rationalität zurückgeschrumpft ist, sondern das Signum ihrer göttlichen Herkunft als Motor der Liebe" noch in sich trägt. Die Entfaltung dieser Vernunft vollzieht die Menschwerdung Gottes, zu Tage tretend in einer Transformation des Subjektes hin zu Erfahrungsoffenheit, Leidempfindlichkeit und aktiver zwischenmenschlicher Wärme.

Radikale Diesseitigkeit und kompromisslose Ausrichtung an einem lebensnahen Geist der Gerechtigkeit machen den theologischen Denker Eckhart für Polednitschek also zum Schirmherrn einer Philosophischen Praxis unserer Zeit. Eckhart bietet die metaphysische Schwerkraft, die uns fehlt, während er zugleich jeden weltfremden, bigotten und selbstgerechten Glaubenseifer meidet, der vielen modernen Menschen das Christentum verdächtig macht. Er steht mithin für eine Vernunft, die Konsequenzen für das Leben hat, also Existenz-mitteilung ist", für eine Vernunft, so können wir mit Polednitschek. weiter ergänzen, die auch der kalten, reduzierten Wissenschaftsmentalität der Gegenwart entgegentritt und damit gewissermaßen die Schablone einer Aufklärungskritik vor der Aufklärung abgibt.

Korrespondierend zu den 21 themenbezogenen Interpretationen des Herausgebers bietet das vorliegende Bändchen seinem Leser 21 Originaltextauszüge aus den Schriften Eckharts zur weiterführenden Lektüre und vertiefenden Prüfung an. Damit öffnet Polednitschek den mit Eckhart geführten Dialog auf den Leser hin. Er spielt ihm einen Traditionsfaden zu, der es erlaubt, ohne Geschichtsblindheit, wenigstens einmal versuchsweise an eine ferne und fremde Vergangenheit anzuknüpfen. Man mag daran zweifeln, ob der ichzentrierte leichtgewichtige Phänotyp der Gegenwart seiner metaphysischen Schwerelosigkeit noch gewahr zu werden vermag, ob er Meister Eckhart studieren wird, um zu begreifen, was es bedeutet, die Mitte seiner Wahrheit" nicht in sich selbst zu suchen, sondern im kulturell und gesellschaftlich vermittelte(n) Allgemeinen, an dem das Besondere partizipiert." Doch ungeachtet solcher Bedenken, gewinnt gemessen an der anthropologischen Schnittvorlage eines Meister Eckhart die Krankheit einer reine(n) Bedürfnisgesellschaft" Kontur, eine Krankheit, für die auch eine Vielzahl psychotherapeutischer Therapieschulen und -formen keinen Diagnoseschlüssel zu besitzen scheint. Denn, so die leuchtende Kernaussage des Bändchens: Metaphysische Totalabstinenz, der Stolz des modernen freiheitsliebenden Menschen, generiert Resignation und senkt den Wärmecharakter" des Denkens auf Null. Es ist das Vertrauen auf jene allem Offensichtlichen und Empirischen vorgängige Vernunftwurzel, auf jenen göttlichen" Logos, der allein das liebende Band von Mensch zu Mensch zu knüpfen und in der Selbsttranszendenz die Beklemmung der Seele nachhaltig zu lösen vermag.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Bewußtsein von dem, was fehlt." Habermas, 24. Mai 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Philosophisch leben (Gebundene Ausgabe)
Der Autor erklärt zunächst die Grundgedanken von Meister Eckhart sehr schön und verständlich. In dem zweiten Teil des Buches (ab Seite 77) werden dann viele Texte von Eckhart aus seinen Predigten und Traktaten wiedergegeben.

Für Eckhart sind philosophische Praxis und Theologie unauflöslich ineinander verschränkt. Er zeigt den Menschen was philosophisches Leben wirklich bedeutet: "Sich auf das Leben einzulassen." Denn das Leben gibt das edelste Erkennen. Seine Predigten stellen daher den Menschen ins Zentrum, dessen schöpferischer Logos das Denken und Handeln in Bewegung setzt.

Eckhart erklärt z.B.: "Nun gibt es etliche Menschen, die verbrauchen die Kräfte der Seele ganz und gar im äußeren Menschen. Das sind jene Leute, die alle ihre Sinne und ihre Vernunft vergänglichem Gut zukehren; sie wissen nichts von dem inneren Menschen."

Frei ist der Mensch für ihn nur, der nicht ein Gefangener seiner eigenen Subjektivität bleibt, sondern sich aus dem Gefängnis der eigenen Egozentrik befreit hat. Er beschreibt diesen gesamten Prozeß als "Sohn-Werden" durch einen tagtäglichen Transformationsprozeß.

Eckhard setzt daher auf die weiter Veredelung des Menschen. Der nicht veredelte Mensch ist für ihn der äußere Mensch, der neue Mensch ist der "innere" Mensch. Philosophisch leben heißt für ihn daher ein gutes Leben leben zu wollen, oder anders formuliert "sokratisch" zu leben.
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5.0 von 5 Sternen "Hochliteratur", 28. Oktober 2011
Von 
Antje Roesler (Mecklenburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Philosophisch leben (Gebundene Ausgabe)
Es gibt ein Denken, das nie alt wird obwohl es alt ist.

Dieses kleine Büchlein hat es schon in sich.

Nachdenken über sich, über die Welt und weit darüber hinaus.

Das bieten die Texte von Meister Eckhart,

dem großen philosophischen Praktiker, dem Theologen und Mystagogen.

Hohe Literatur auf 150 Seiten!
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Philosophisch leben
Philosophisch leben von Eckhart (Meister) (Gebundene Ausgabe - 12. Januar 2010)
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