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5.0 von 5 Sternen Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam (Gebundene Ausgabe)
Sehr gut geschrieben und sehr gut zum recherchieren zu gebrauchen,
Oft sind Grundbegriffe bei vielen falsch interpretiert, dabei helfen diese beiden Bücher.
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5.0 von 5 Sternen Super Lexikon, 5. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam (Gebundene Ausgabe)
Religiöse Fachwörter werden super gegenüber gestellt. Um sowohl Islam als auch Christentum zu vergleichen aber auch dem Gesprächspartner näher zu bringen sehr gut geeignet. Da das Buch auch erklärt wie es sich in den beiden Religionen verhält auch ein guter Ansatzpunkt ohne langes suchen bestimmte Themen abzuarbeiten.
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5.0 von 5 Sternen Lexikon des Dialogs Das Eigene und das Fremde besser verstehen, 9. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam (Gebundene Ausgabe)
Lexikon des Dialogs
Das Eigene und das Fremde besser verstehen

Die Eugen-Biser-Stiftung in München und die Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Ankara haben ein gemeinsames Lexikon mit Grundbegriffen aus Christentum und Islam herausgegeben. Das Nachschlagwerk in deutscher und in türkischer Sprache bietet erstmals eine parallele Darstellung zweier monotheistischer Religionen in einem Werk. Von Claudia Mende

Interreligiöse Dialogrunden gibt es viele, aber oft bleibt nach dem gemeinsamen Gespräch das schale Gefühl, aneinander vorbeizureden. Es werden die gleichen Begriffe verwendet, aber die Beteiligten verbinden andere Inhalte mit ihnen. Oder es gibt unterschiedliche Wörter für gleiche Inhalte. Die Verständigung ist schwierig, gepflastert von Missverständnissen, die immer wieder aufs Neue aufbrechen.

Das gilt übrigens nicht nur für die religiöse, sondern auch für die politische und soziale Terminologie. Zum Beispiel verbinden viele Muslime mit dem Wort Integration eher die Anpassung oder Assimilation und lehnen ihn daher ab. Das soll jetzt anders werden. Mit einem Grundlagenwerk, das sich über die wichtigsten Begriffe in Christentum und Islam verständigt, soll eine tragfähige Basis für den weiteren Dialog der beiden monotheistischen Religionen entstehen.

Aufwändiges Projektvorhaben

Diese Verständigung hat Zeit gebraucht. Sieben Jahre lang haben rund 100 christliche und muslimische Wissenschaftler an dem Projekt gearbeitet. Mit Fördergeldern aus dem Europäischen Integrationsfonds konnte die aufwändige Kooperation finanziert werden, es gab allein 40 Redaktionskonferenzen, um über die 330 Artikel des Lexikons zu diskutieren. Manche Artikel wurden wieder und wieder überarbeitet, bis ein Konsens gefunden war.

Am Ende haben alle Wissenschaftler zugestimmt. Besonders umstritten war zum Beispiel der Beitrag über Islamophobie aus christlicher Sicht: Er brauchte 20 Redaktionsrunden, bis man sich auf eine Version einigen konnte.

Zentrale Begriffe aus beiden Religionen werden behandelt, von Abendmahl bis Zwölferschiiten, von Antisemitismus bis Zwangsheirat. Begriffe wie Apostasie, Gottesbeweis, Heiliger Geist, Gleichheit von Mann und Frau, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Scharia und Dschihad, werden in der Regel aus christlicher und muslimischer Sicht dargestellt. Dabei überwiegt auf islamischer Seite die sunnitische Perspektive, schiitische Blickweisen kommen zwar vor, aber eher untergeordnet.

Die muslimischen Artikel stammen überwiegend von den sunnitischen Professoren der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara. Das hat dem Lexikon die Kritik eingebracht, es stelle die moderne Lesart der sogenannten "Ankara-Schule" dar, habe aber mit der Realität in großen Teilen der islamischen Kernländer nichts zu tun.

Eine Kritik, die Herausgeber Richard Heinzmann nicht akzeptiert. Natürlich habe man die Religionsvertreter so ausgewählt, dass sie für eine Öffnung ihres Bekenntnisses für die Zukunft stehen. Alles andere mache für ihn keinen Sinn. Die Auswahl der Autoren sei "mit Offenheit für die Zukunft und mit der nötigen Traditionskritik" erfolgt, betont Richard Heinzmann, emeritierter Professor für Christliche Philosophie an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, der die wissenschaftliche Gesamtleitung des Projekts hatte.

Eine Einflussnahme von außen

Ohne die Bereitschaft auf beiden Seiten, über etliche Schatten zu springen, wäre das Projekt kaum gelungen. Und ohne die nötige Distanz zu Politik und Hierarchien auch nicht. Es gab keine Einmischung von außen, weder vom türkischen Religionsministerium noch von den christlichen Kirchen.

Nur so konnte es zu einem ernsthaften Ringen um besonders umstrittene Themen kommen, bei dem jede Seite Zugeständnisse machte. Das sieht man zum Beispiel am Eintrag zum Thema "Religionsfreiheit".

Der Autor, Richard Heinzmann, schreibt in seinem Beitrag, dass Religionen einem historischen Prozess unterworfen seien. Das Christentum habe jahrhundertelang bis zum 2. Vatikanischen Konzil die Religionsfreiheit mit Füßen getreten. Dieses Zugeständnis, so Heinzmann, "hat Eindruck gemacht" bei den muslimischen Theologen. Es sei danach für die türkischen Wissenschaftler leichter gewesen, zu akzeptieren, dass in ihrem, dem islamischen Artikel zu Religionsfreiheit, steht: "Religionen die keine Religionsfreiheit anerkennen, haben in einer Demokratie nichts zu suchen".

Ismail Hakki Ünal, Professor für islamisches Recht an der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara, hat die islamische Perspektive auf "Religionsfreiheit" eingebracht und räumt Defizite in der islamischen Welt bei diesem Grundrecht ein. Um sie zu überwinden, müsse der Staat mit den Religionen "respektvoll umgehen und sich in religiösen Fragen neutral verhalten", schreibt er.

So gelingt es an einigen Stellen, Streitpunkte auszuräumen, Kontroversen zu entschärfen und in der Verständigung einen Schritt weiter zu kommen. Das gilt auch für dogmatische Fragen mit einer langen Tradition der Polemik zwischen beiden Religionen, wie dem christlichen Verständnis von Trinität. Gott, Sohn und Heiliger Geist – diese christliche Dreieinigkeit hat im Laufe der Geschichte häufig zu harten christlich-islamischen Auseinandersetzungen geführt, weil der islamische Schwerpunkt auf der Einheit Gottes liegt.

Der Eintrag zu Trinität aus islamischer Sicht, geschrieben von dem Religionshistoriker Mehmet Katar, erwähnt zwar die Kritik des Koran an der christlichen Vorstellung, macht aber deutlich, dass der Polytheismus-Vorwurf an der Sache vorbeigeht. "Um auszudrücken, dass diese drei Personen der eine Gott sind, prägte man die Formulierung des einen, in drei Personen existierenden Gottes", schreibt Katar. Solche gegenseitigen Aha-Effekte ließen sich noch fortsetzen.

Dabei wurden keine noch so heiklen Fragen ausgeklammert, aber manchmal muss man ein wenig suchen. Unter dem Stichwort "Apostasie" findet man nur die christliche Perspektive, wie der Islam die Frage des Bekenntniswechsels beurteilt, steht unter "Konversion". Beide Einträge heben hervor, dass keine Religion in weiten Teilen ihrer Geschichte den Wechsel ihrer Gläubigen zu einer anderen Religion positiv bewertet hat.

Kein Zwang im Glauben

Bibel und Koran gehen von der grundsätzlichen Freiheit des Menschen aus, nicht nur die Religionszugehörigkeit zu wechseln, sondern sich auch gegen jede Form von Glauben an eine Religion zu entscheiden. Die Umsetzung scheitert häufig am fehlenden politischen Willen.

"Wir haben viel voneinander gelernt", resümiert Ayse Basol vom Institut für Kultur und Religion des Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, die die Übersetzungen koordiniert hat. Selbst in säkularen Gesellschaften kommt man nicht drum herum, religiöse Prägungen ernst zu nehmen. Denn viele Irritationen im Zusammenleben entstehen erst dann, wenn Menschen ihre Traditionen nicht mehr kennen oder nie wirklich mit ihnen vertraut waren.

Wer sich die Zeit nimmt und sich der Mühe unterzieht, einen echten Dialog auf Augenhöhe zu führen, kann sich aber durchaus verständigen. Eine Klärung selbst kontroverser Fragen ist offenbar möglich, solange sich die Politik raushält.

Den größten Prüfstein hat das Projekt aber noch vor sich. Denn es will den gleichen Katalog an Grundbegriffen auch mit islamischen Theologen aus der arabischen Welt erarbeiten und sucht bereits nach geeigneten Kooperationspartnern. Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein.

Claudia Mende

© Qantara.de 2013

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

"Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam", im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung, herausgegeben von Richard Heinzmann in Zusammenarbeit mit Peter Antes, Martin Thurner, Mualla Selçuk und Halis Albayrak. 2 Bände, Verlag Herder, ISBN 978-3-451-30684-6
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5.0 von 5 Sternen Den Dialog sprachfähig machen!, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam (Gebundene Ausgabe)
Die Eugen-Biser-Stiftung unterstützte die katholisch-theologische Fakultät der Universität München seit 2005 dabei, Symposien mit der islamisch-theologischen Fakultät der Universität Ankara durchzuführen. Daraus resultierte das Vorhaben, ein Lexikon für den christlich-islamischen Dialog zu erstellen. Bei der Auswahl der Autoren (keine Autorin) auf der christlichen Seite wurden auch evangelische Theologen beteiligt. Die Autorinnen und Autoren auf der muslimischen Seite sind allesamt aus Ankara. Das Lexikon selbst ist sowohl auf Deutsch, als auch auf Türkisch erschienen. Die Rezension muss nicht die formalen und inhaltlichen Kriterien bei der Erstellung des Lexikons beurteilen, sondern hat lediglich in praktischer Hinsicht zu beobachten, ob die vorgegebene Intention getroffen wurde, ein geeignetes Instrumentarium für den Dialog bereitzustellen.
Die gewählten Stichworte sind entweder nur je einmal vorhanden, christlich oder muslimisch, oder für beide Religionen und damit doppelt. Da am Ende jeden Artikels eine Liste von Stichwortverweisen zu anderen Artikeln aufgeführt wird, lässt sich auch von dort aus weiterarbeiten. So führt etwa der Artikel über "Hermeneutik" (Bd. 1,S.327f) zum Artikel "Schriftauslegung" (Band 2, S. 623).
Zur Rezension habe ich einige doppelt vorhandene Stichworte ausgewählt: Metaphysik, Mystik, Gotteserkenntnis, Leben, Welt, Ethik, Gerechtigkeit, Homosexualität und Toleranz.
Die Metaphysik ist die Verbindung der Religion zur Philosophie. Während sich die christliche Theologie mit der Vorgabe des Aristoteles auseinandersetzt und in der Neuzeit den Anspruch der Metaphysik bestreitet, hat sich die islamische Theologie, obwohl sie sich zunächst an Aristoteles orientierte, zur Kritikerin der Philosophie entwickelt. Die Entwicklung der grundsätzlichen Einstellung zur Religion aus der Sicht der Philosophie führt bis zur Mystik. (Band 2, S.474-477)
Die Mystik ist im Islam eine wichtige Säule der religiösen Erkenntnis. Indem das Sein als ein Ganzes angesehen wird, wird die Welt zum Teil der Gotteserkenntnis. Mystik ist in der islamischen Theologie ein anerkannter Wissenschaftszweig, bezieht sich aber auch von ihrem Ursprung her auf einen in der Askese gegründeten spirituell-leiblichen Lernprozess. Im Christentum ist die Mystik dagegen ein Sonderweg, der sich zwar auch mit Namen wie Dyonisus Areopagita und Augustin verbindet, in der Theologie Meister Eckharts aber eher ausgegrenzt worden ist (wovon der Artikel allerdings nichts berichtet). Mystik hat in der christlichen Theologie den Geschmack des individualistischen und gegebenenfalls auch kirchenkritischen Sonderwegs. Dass von ihr her auch in der Neuzeit die Rationalitätskritische Instanz der Theologie gesehen wird, begründet die Aktualität der Mystik. (Band 2, S. 496-498)
Die Gotteserkenntnis ist im Christentum unabhängig von der Religionsphilosophie ein Prozess des Bewusstseins, der aber zur negativen Theologie führt, die die Nicht-Erkennbarkeit Gottes beschreibt. Die Formen der Gotteserkenntnis in der christlichen Theologie differenziert der Artikel in negative Theologie (Un-begreiflichkeit Gottes), philosophisch geprägte Begriffe für Gott wie Gott als Grund des Seins, das Gute, die Wahrheit und zuletzt als Offenbarung in der Gestalt der Selbstoffenbarung durch Christus. Im Islam ist die Gotteserkenntnis einerseits an der Mystik orientiert als spirituelle Erfahrung aus dem Selbst. Andererseits ist, ausgehend von der Erkenntnis der Einheit Gottes mit der Welt, jedes Geschöpf ein Zeichen der Existenz Gottes. Zur Erkenntnis Gottes gehören negative Attribute, positive Eigenschaften (der Wissende) und auch handlungsbezogene Attribute. (Band 1, S. 285-287)
Im Islam ist das Leben die Bezeichnung dafür, dass das Seiende beseelt ist. Lebendigkeit ist der göttliche Hauch, Gott ist die Quelle des Lebens, sowohl in der Welt, als auch in jedem einzelnen Menschen. Folgerichtig ist Leben der höchste Wert und die Tötung eines Menschen eine Handlung gegen Gott (Koran 5,32). Der christlich geprägte Artikel weist hingegen auf die unterschiedliche Begrifflichkeit in der profanen Wissenschaft und der christlichen Religion hin. Das Leben wird nicht als Teil Gottes gesehen, sondern unabhängig von ihm als sich selbst erneuernd. Andererseits ist Gott selbst lebendig. Der Artikel lässt offen, ob das Sein selbst und die Bejahung des Seins im Leben als göttliche Qualität gesehen wird. Diese ist symbolisch gesehen ein Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. Das Symbol des Lebensursprungs als Zeugung ist nach diesem Artikel ein Teil der Gotteserkenntnis, womit wohl auf die Trinitätslehre angespielt wird. Ob der Artikel in dieser Hinsicht auf den Widerspruch des Korans und gegen dessen Vorstellung der Zeugung Gottes hinweisen soll, ist hier nicht näher bezeichnet. (Band 2, S. 439-441)
In christlicher Hinsicht ist die Welt, die hier eng mit dem Begriff des Universums gesehen wird, die Einheit aller Wirklichkeiten, als Welt bezogen auf unsere Erde. Gott als Schöpfer ist nicht Teil der Welt. Die Welt als Menschengemeinschaft wird als endlich verstanden, ist Gott gegenüber defizitär und insofern sündig und auf Erlösung hin angelegt. Insofern beinhaltet das christliche Verständnis der Welt die Perspektive auf eine Zielrichtung von Wertentwicklung und Geschichte. Auch wenn der Islam diese Distanz zwischen Gott und Welt ebenso kennt, so ist hier die Welt doch als Gottes Schöpfung "ein Beweis der Existenz Gottes". Im Koran wird der Begriff Welt oft im Plural gebraucht, im Sinn von Gemeinschaften. Zudem unterscheidet der Koran zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Welt, zwischen der Substanz und den Akzidentien der Welt. (Band 2, S. 734-736)
Ethik: Das Verhalten der Menschen in der Welt unterliegt den vom Koran her gegeben Werten. Dementsprechend ist den Menschen die Fähigkeit zur Willensfreiheit zugestanden, die aber nicht als mentale Freiheit, sondern als Handlungsfreiheit gedacht wird. Die Person Mohammeds wird neben den Worten des Korans als Vorbild für die Ethik gesehen. Auch im Christentum ist die Ethik eine Lehre von den Handlungen aus dem Geist des Christentums. Der Autor des Artikels unterscheidet zwischen Moral als Individualethik, die zwischen gut und böse unterscheidet und der Sozialethik, die zwischen gerecht und ungerecht unterscheidet. Die Vorstellung des menschenfreundlichen Gottes der Bibel führt zur Vorstellung des untrennbaren Zusammenhangs zwischen Gottesrecht und Menschenrecht. (Band 1, S. 171-174)
Der Begriff der Gerechtigkeit ist im Christentum theologisch geprägt und hat verschiedene Aspekte von der Fürsorge für Arme bis hin zur Annahme des Sünders. Die islamische Theologie hingegen stellt den Begriff in den Zusammenhang der Rechtsordnung. Auch wenn "Der Gerechte" ein Name Allahs ist, so führt die Willensfreiheit der Menschen dazu, die Gleichheit vor dem Gesetz auch als Schutz der weniger Begüterten anzusehen. Im Grunde müsste man vom Vergleich der beiden Artikel her fragen, warum im Christentum der Begriff der Rechtsordnung in der Theologie nicht so deutlich benannt wird. (Band 1,S.247-249).
Interessant ist der Umgang mit der Frage der Homosexualität. Der christlich theologische Artikel sieht trotz ablehnender Positionen der Bibel die Notwendigkeit, Homosexualität als nicht frei gewählte Neigung anzusehen. In der Praxis bedeutet es, in der Orientierung an einer kirchlichen Sexuallehre, den Vorrang der Enthaltsamkeit oder der eingetragenen Lebenspartnerschaft unter Einbeziehung von Liebe und Verantwortungsbereitschaft zu sehen. Die islamische Position untermauert durch Zitate aus dem Koran die Haltung, dass Homosexualität Sünde sei, also eine frei gewählte Übertretung. Im Umgang mit Homosexuellen schlägt der Individualismus durch, indem er die Ausgrenzung von Menschen allgemein (d. h. eben nicht religiös begründet) verbietet. An diesem Beispiel wird deutlich, dass gesellschaftliche Konflikte durch die islamischen Positionen manchmal nicht durch die Haltung der Religion, sondern durch das außerreligiöse Gebot der Toleranz ausgeräumt werden. Die Religion scheint der Frage des Konfliktpotentials gesellschaftlicher Positionen manchmal indifferent gegenüberzustehen. (Band 1, S.343-344)
Der Begriff Toleranz wird christlich als Achtung vor Andersartigkeit definiert. Es wird gesagt, dass das Christentum zwar von toleranten Staatsgesetzen anfangs profitiert hat, jedoch bedingt durch den unbedingten Wahrheitsanspruch eher von Intoleranz geprägt war. In der Bibel jedoch sei der Anspruch der Toleranz im Gebot der Nächstenliebe enthalten. Intoleranz dagegen sei nicht zu tolerieren. Die islamische Theologe bezieht die Frage derToleranz weniger auf die Einstellung oder soziale Fragen, als auf die Orientierung an der Rechtsordnung, die kleine Fehler toleriert. Auf die Frage der Religionen bezogen ist der Islam deutlich toleranter als das Christentum, da Allah als Quelle der Toleranz angesehen wird, der verschiedene Religionen geschaffen habe, die miteinander konkurrieren sollen. Da die Unterschiedlichkeit der Glaubensformen vom Schöpfer gewollt ist, sollen die Menschen einander gegenüber tolerant begegnen. (Band 2, S.681-683)

Da die einzelnen Artikel von den jeweiligen Bearbeitern her verantwortet werden, ist eine pauschale Aussage, was das Christentum oder der Islam zum einzelnen Stichwort sagt, so nicht möglich. Das gleiche gilt für die Frage nach knofessionellen Unterschieden, soweit sie nicht im Artikel ausdrücklich thematisiert werden. Es ist jedoch spürbar, dass sich das Lexikon an dem Anspruch orientiert, für die jeweilige Religion sprechen zu wollen. Während der Islam in den Antworten eher auf Frage der Rechtsordnung und der Umsetzbarkeit religiöser Begriffe eingeht, scheint das Christentum vorrangig als Weltanschauung aufgefasst zu werden. Im jeweiligen Gottesverständnis tritt deutlich hervor, dass die islamische Theologe streng von der Schöpfungstheologie aus argumentiert, sogar im Hinblick auf Toleranz, während das Christentum eher vom Gottesbild her argumentiert und fragt, wie sich Gott in der Welt ausdrückt, z. B. durch Menschenfreundlichkeit, Gerechtigkeit oder Liebe. Obwohl Gott wie Allah in beiden Religionen das Gegenüber im Gebet ist, ist das islamische Gottesverständnis deutlich stärker auf Gottes Einheit mit der Schöpfung bezogen, ja das Leben kann als Erweis der Existenz Gottes angesehen werden. Die Frage der Offenbarung tritt im Islam eher zurück,obwohl ja der Koran durchaus als Gottes Wort bezeichnet wird. Im Unterschied dazu ist das Christentum von der Bibel her stärker theistisch als Weltanschauung konzipiert, für die es lange Zeit nur eine mögliche Wahrheit gegeben hat, auch wenn sie von der Unterschiedlichkeit der Wahrheitsauffassung wusste. Während das Christentum Konflikte auf der weltanschaulichen Ebene riskiert, scheint der Islam Konflikte auf der gesellschaftlichen Ebenen eher in Kauf nehmen zu wollen bzw. nicht ausräumen zu können. Wer die Frage diskutieren will, ob Islam und Christentum den gleichen Gott haben, mag das tun und findet in den Artikeln Argumente für beide Seiten der Diskussion. Andererseits tritt die Unterschiedlichkeit der praktischen Umsetzung schon auch deutlich zutage. Das mag auch daran liegen, dass Fragen der Rechtsordnung in den christlichen theologischen Antworten kaum vorkommen. Eine Einheit zwischen Staat und Religion ist im Islam eher intendiert, als im Christentum, wie es sich aktuell darstellt.
Anhand der Auswahl einiger Begriffe wurde versucht, den Nutzen des Wörterbuchs für den Dialog auszuloten. Dieses Wörterbuch ist darüberhinaus auch ein theologisches Wörterbuch der jeweiligen Religionen und lässt sich auch gut verwenden, wenn man nach einer kurzen Umschreibung eines theologischen Begriffs sucht. Im Übrigen wurde die Frage nach dem religionskundlichen Informationsgehalt der Artikel nicht bearbeitet, da dieser durch die Redaktionsarbeit gesichert wurde. Auch in dieser Hinsicht ist das Wörterbuch so konzipiert, dass es Auskunft gibt über islamische Rechtsschulen oder grundsätzliche Glaubensbegriffe, wie über die Grundbegriffe der christlichen Religion bis hin zu Kirchenauffassungen. Insofern ist das Wörterbuch auch für die je eigene Religion eine gutes theologisches Lexikon. Es ist spürbar, dass die Fragestellung des Dialogs die Bearbeitenden dazu angeregt hat, ihre Antworten konzentriert, einfach, kurz und prägnant zu formulieren. Es ist dem Lexikon des Dialogs zu wünschen, dass es den christlich-islamischen Dialog weiter befördert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Lexikon ist eine hervorragende Orientierung und wird seine segensreiche Wirkung entfalten, 26. September 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam (Gebundene Ausgabe)
Dieses zweibändige Lexikon wird einmal als ein Meilenstein des interreligiösen Dialogs zwischen Christentum und dem Islam in Deutschland bezeichnet werden. Und es wird vielen Menschen beider Religionen helfen, ihre eigene Religion zunächst einmal besser zu verstehen, um in einem zweiten Schritt Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zu der jeweils anderen Religion zu erkennen. Und zu achten, denn sie kommen aus der gleichen Wurzel.

Evangelische und katholische Theologen aus Deutschland und Theologen aus der Türkei erklären in diesen Bänden die Grundbegriffe ihrer Religion. Da sie jeweils nebeneinander stehen, kann man sofort vergleichen, Gemeinsamkeiten erkennen und das Fremde verstehen.

Das Lexikon ist eine hervorragende Orientierung und wird seine segensreiche Wirkung für das Zusammenleben von Christen und Muslimen in unserer demokratischen Gesellschaft entfalten. Ich hoffe, dass es in Unterricht und in den Gemeinden zur Vorbereitung und Klärung vielfältige Verwendung findet.
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Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam
Lexikon des Dialogs: Grundbegriffe aus Christentum und Islam von Richard Heinzmann (Gebundene Ausgabe - 19. September 2013)
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