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66 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen revolutionäre Gedanken eines islamischen Theologen
Was der Autor hier vorlegt, liest sich für mich beinah wie die Beschreibung einer Religion, wie ich sie nie mit dem Islam wie ich ihn bislang wahrgenommen habe zusammenbringe. Ich frage mich, wie lang wird es dauern, bis Mouhanad Khorchide von seinen Glaubensbrüdern angefeindet wird.

In den Ohren eines frommen Muslim muss es wie Revolution oder...
Veröffentlicht am 21. Oktober 2012 von Christian Döring

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Islam könnte unter Umständen vielleicht Barmherzigkeit sein
Khorchide ist Araber. Er ist Professor an der Universität Münster. Er ist belesen. ("Ich begann, alles, was ich an Büchern zur islamischen Theologie fand, zu kaufen. (...) Ich steckte fast mein ganzes Geld, das ich verdiente, in den Kauf von Büchern." S. 25f). Und er er ist islamischer Theologe.

Er entwickelt das Bild eines Islams,...
Vor 1 Monat von Stiller veröffentlicht


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66 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen revolutionäre Gedanken eines islamischen Theologen, 21. Oktober 2012
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Was der Autor hier vorlegt, liest sich für mich beinah wie die Beschreibung einer Religion, wie ich sie nie mit dem Islam wie ich ihn bislang wahrgenommen habe zusammenbringe. Ich frage mich, wie lang wird es dauern, bis Mouhanad Khorchide von seinen Glaubensbrüdern angefeindet wird.

In den Ohren eines frommen Muslim muss es wie Revolution oder Ketzertum klingen, wenn Khorchide in seinem Buch schreibt, dass er "die Theologie der Barmherzigkeit als Alternative zu einer in der islamischen Welt sehr verbreiteten Theologie des Gehorsams und der Angst ..." sieht.

Des Autors Definition seiner neuen Sichtweise des Islam beginnt direkt bei Gott. Will Gott wirklich den Menschen auf eine Art Befehlsempfänger reduzieren, der nach Möglichkeit nicht mitdenkt und auch nicht hinterfragt? Ich lese weiter und beginne diesen mutigen Autor zu bewundern, bekomme langsam aber auch Angst um ihn. Alles was er in seinem Buch äußert ist eine Kampfansage an alle, die den Islam politisch instrumentalisieren.

Gut verständlich beschreibt Mouhanad Khorchide unter anderem die Entstehung des Koran und geht dabei auf heiß diskutierte Themen ein. Wie ist es mit der Gewalt gegen Frauen? Wie mit dem Mindestheiratsalter? Des Autors Auslegungen lesen sich spannend, leider kann ich nicht überschauen, ob er lediglich eine Einzelstimme darstellt oder Wunschdenken einer schweigenden islamischen Mehrheit in Europa oder Deutschland ist?

"Mein Ziel ist es," so Khorchide in seinem beeindruckenden Buch: "dieses Bild vom Islam als Angebot an Muslime zu richten, die bereit sind, ihren Glauben zu reflektieren, und die offen für Antworten sind, die sie bisher noch nicht kannten."

Angst scheint dieser Autor beim Schreiben seines Buches nicht gekannt zu haben. Als wären seine Beschreibungen und Erklärungen nicht schon waghalsig genug, setzt er noch eins drauf, indem er "Forderungen an die islamische Theologie heute" richtet. Ein Weg von allen dogmatischen Hindernissen und von ideologischer Verblendung will er erreichen.

Mit großem Interesse habe ich das Buch von Mouhanad Khorchide gelesen. Inhaltlich bin ich als Christ voll auf seiner Seite, kann mit dieser Form des Islam in Deutschland sehr gut leben und empfinde seine Religion als Bereicherung!
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mutiger Essay, 27. Mai 2013
Von 
B. Lutze (Potsdam) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Folgende Aspekte haben mich bei dem Buch begeistert:
1. Der Mut zur Kontextualisierung des Korans - viele Aussagen des Propheten sowie Gesetze (wie etwa Erb- und Kriegsrecht) werden vor dem Hintergrund des historischen Kontextes aufgearbeitet und verdeutlichen die klare humanistische Qualität des Koran, entgegen einer nur aus heutiger Sicht und oberflächlichen Betrachtung.
2. Die Unterscheidung zwischen immer gültigen Geboten (z.B. Gebet, Zakat, Güte, Barmherzigkeit) und denen, die durch bestimmte Situationen bedingt und begrenzt sind (Verschleierung der Frau, Zeugengebot Mann vs. zwei Frauen etc.) - dies verdeutlicht den humanistischen Pragmatismus im Islam, entgegengesetzt der bewussten Fundamentalisierung arabischer Machthaber.
3. Die starke Aufforderung zum inter-religiösen Dialog und die Unterstreichung, was Wörter wie Islam bzw. Moslem bedeuten - Fokus auf die vielerorts inklusivistischen Aussagen im Koran und Einbeziehungen von Adam, Abraham, Jesus etc. als Moslems.

Alles in allem dann aber doch etwas zu kurz, mir hätte eine etwas breitere Einbettung in die arabische Historie gefallen. Somit 4 Sterne. Sehr lesenswert!
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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich bin Moslem und begeistert, 6. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist ein MUSS. Besonders für Moslems. Als Moslem habe ich mir selbst oft Fragen gestellte, wie sie in diesem Buch gestellt werden.
Khorchides Idee vom Islam ist keinesweges ein "Wunschislam". In unserer Großfamilie wird z.B. stets von der Barmherzigkeit und Güte Gottes gesprochen und Ansichten wie sie z.B. Salafisten oder andere Fundamentalisten vertreten aufs schwerste verurteilt. Was ich letztenedes sagen will ist: dass nicht alle Muslime den Islam in gleicherweise leben und es sehr wohl viele unter uns gibt, die die Ansichten von Prof. Khorchide teilen und sich genauso eine Verbreitung des Islams wünschen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Islam könnte unter Umständen vielleicht Barmherzigkeit sein, 19. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Khorchide ist Araber. Er ist Professor an der Universität Münster. Er ist belesen. ("Ich begann, alles, was ich an Büchern zur islamischen Theologie fand, zu kaufen. (...) Ich steckte fast mein ganzes Geld, das ich verdiente, in den Kauf von Büchern." S. 25f). Und er er ist islamischer Theologe.

Er entwickelt das Bild eines Islams, der geprägt ist von Güte, Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. Beinahe jedes seiner Argumente kann er mit Koranstellen oder alter islamischer Überlieferungen belegen. Er wendet sich dabei klar und eindeutig gegen eine Koranauslegung, die den Koran als Mittel zur Machtausübung, Verdummung oder Unterdrückung benutzt.

In der derzeit zum Teil sehr aufgeheizten Debatte um den "richtigen" Islam kann dieses Buch ein Beitrag zur Verständigung der Religonen untereinander aber auch zur Befriedung der muslimischen Glaubensgemeinschaft selbst sein.

Warum man dieses Buch lesen sollte
Für Menschen islamischen Glaubens kann es einen Anstoß geben, Verstand und Glauben stärker zu versöhnen.
Es kann Argumente liefern, die helfen, sich als Gläubiger kritisch mit den überkommenen Islaminterpretationen auseinander zu setzen und auch seelisch in der Welt der Aufklärung und der Menschenrechte anzukommen.

Warum man dieses Buch nicht lesen sollte
Um sich mit der Sichtweise Khorchides kritisch auseinander setzen zu können, braucht man Expertenkenntnisse des Koran und der frühen islamischen Überlieferung.
Dieses Buch ist vor allem für die geschrieben, die glauben. Es ist weniger für die geschrieben, die denken.
"Muslime glauben daran, dass Gott den Menschen (...) verschiedene Schriften offenbart hat." S. 29
"Der Koran wurde (...) dem Propheten Muhammed durch den Engel Gabriel (...) offenbart." S. 119
Das kann man glauben oder es lassen. Khorchide führt keine Belege an, dass Gott sich irgendwem offenbart hat.
Wie alle Menschen, die an einen Gott glauben, der gleichzeitig allgütig und allmächtig ist, hat Khorchide große Probleme mit der Theodizee-Problematik. Hier schließen sich auch bei ihm Denken und Glauben aus. Und auch bei ihm siegt am Schluss das Glauben über das Denken.
Viele Fragen bleiben auch bei ihm offen.
Zum Beispiel:
Wenn Islam Barmherzigkeit ist - wie kommt es, das sich das in der gelebten Praxis vieler Muslime auf der Welt anders zu sein scheint?
Der Koran wurde über 23 Jahre verteilt niedergeschrieben und ist zum Teil ziemlich widersprüchlich. - Was soll die international vereinbarte Richtschnur sein, an der der man feststellen kann, ob eine Koranstelle richtig interpretiert wird oder nicht?

Bewertung
Islam könnte Barmherzigkeit sein. Wenn er so interpretiert wird, wie Herr Khorchide das vorschlägt. Das wird er aber oft nicht.
Die, die im Namen des "Allerbarmers" die schlimmsten Verbrechen begehen, berufen sich laufend auf Koranverse und islamische Überlieferung. Menschen, die Allah als großherzig und gütig erleben und den Islam entsprechend leben, können sich ebenso auf Koranverse und islamische Überlieferung berufen.
Das bedeutet, dass der Koran als verbindliche Grundlage des friedlichen und gedeihlichen Miteinanders von Menschen nicht geeignet ist. Mag er nun Barmherzigkeit sein oder nicht.
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3.0 von 5 Sternen Gut gemeinter Versuch, 16. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Der Autor, der in Beirut und Wien islamische Theologie studiert hat und an der Universität Münster lehrt, versucht für den Islam das nachzuholen, was die europäische Aufklärung schon vor 250 Jahren für das Christentum geleistet hat.

Khorchide argumentiert, man müsse zwischen Mohammeds Aussagen (und wohl auch Handlungen) als Prophet einerseits und als Mensch andererseits unterscheiden (S. 130). Ebenso dürften Koranverse, die sich auf historische Ereignisse beziehen, nicht als „universale Imperative“ interpretiert werden (S. 165). „Beim Koran handelt es sich keineswegs um einen Monolog Gottes, der an die Menschen gerichtet ist, sondern um einen Dialog zwischen Gott und den Menschen […] Der Koran als Diskurs kann nur auf diskursive Weise verstanden werden“ (S. 172).

So weit so gut. Diese Ansicht kann man teilen oder auch nicht. Wissenschaftlich beweisen lässt sie sich ebensowenig wie fundamentalistische Sichtweisen. Gläubige sind immer gezwungen, Widersprüche und Ungereimtheiten in den „heiligen“ Schriften zu verdrängen, und jeder tut das auf seine Weise. Im Koran wie auch in der Bibel ist für jeden etwas dabei: für den blutrünstigen Fanatiker ebenso wie für den friedfertigen Gutmenschen, der auch noch die andere Wange hinhält. Anders als die Bibel hat der Koran aber kein Neues Testament, das die Blutrünstigkeit des Alten ablösen konnte. Und anders als Jesus Christus, dessen einzige überlieferte Gewalttat das Umstoßen der Händlertische im Tempel war, führte Mohammed Kriege und rief zum Abschlachten der Gegner auf.

Die Bemühungen des Autors sind lobenswert, aber er gerät an zwei offenbar unüberwindbare Grenzen: Das eine ist die Taqiyya, die Erlaubnis, Ungläubige zu belügen und zu betrügen; ein wesentlicher Grund für das Misstrauen, das Muslimen entgegengebracht wird – aber kein Wort darüber im ganzen Buch! Das andere ist die Unterschlagung einer Aussage in einem der „zehn Gebote“ des Koran. Khorchide zitiert das Gebot zweimal, jedesmal mit Auslassungspunkten (S. 86 u. 124): „Und tötet kein Leben, das Gott verwehrt hat ...“
Schon der Nebensatz „das Gott verwehrt hat“ verlangt nach einer Erklärung, die Khorchide nicht gibt. Auf einer islamischen Netzseite ist das Gebot wie folgt übersetzt: „Und tötet nicht den Menschen, den Gott für unantastbar erklärt hat, es sei denn“ – jetzt folgt die Auslassung – „bei vorliegender Berechtigung.“
Wen aber hat Gott für unantastbar erklärt? Und „bei vorliegender Berechtigung“ darf man selbst diesen töten? Das scheint eher ein Tötungsgebot mit kleinen Einschränkungen als ein Tötungsverbot zu sein! Dem kann Khorchide nichts entgegensetzen.

Wer freilich den Koran nicht kennt, für den wirkt Khorchides Buch beruhigend. Es liest sich über weite Strecken wie das Werk eines christlichen Theologen, der über die Bibel spricht, zumal Khorchide statt „Allah“ meistens „Gott“ schreibt. Das beinhaltet aber auch die Gefahr, dass das Gewaltpotenzial des Islam von den westlichen Politikern und Wählern weiterhin unterschätzt wird.

Natürlich ist zu wünschen, dass sich Khorchides Islamverständnis durchsetzt. Das kann aber nur geschehen, wenn diese Religion ebenso wie das moderne Christentum eine quasi unverbindliche und eklektizistische Haltung gegenüber ihrer grundlegenden Schrift einnimmt: „Damit sich das Befreiungspotenzial des Koran entfalten kann, darf man nicht an seinem Wortlaut kleben“ (S. 202).
Es sieht aber nicht danach aus. Dass Khorchide, entgegen den Beteuerungen unserer Politiker, keineswegs den „normalen“ Islam repräsentiert, zeigt die Kritik, die er von Islamverbänden in Deutschland erfahren hat. Der Koordinationsrat der Muslime verfasste ein Gegengutachten, und die Türkisch-Islamische Union forderte seine Absetzung als Institutsleiter. Insofern besteht ein Verdienst von Korchides Buch nicht zuletzt darin, dass die Wölfe ihren Schafspelz fallen gelassen haben. Der Islam bleibt eine gefährliche Religion.
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffnungsträger für den Islam in Europa und der Welt, 4. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Das stabil eingebundene Werk "Islam ist Barmherzigkeit" von Mouhanad Khorchide bietet auf mehr als 200 Seiten das, was es verspricht: eine zum Theologie des Islams, die sich als Alternative zur traditionalistischen/salafistischen betrachtet. Nachdem der Autor in der Einleitung kurz einige Informationen zu seinem persönlichen Hintergrund gibt, legt er in den Folgekapiteln dar, wie er Gott, den Menschen und die Gott-Mensch-Beziehung sieht. In den letzten Kapiteln zeigt er dann die Grundzüge seiner Theologie auf und macht auch einen kleinen Exkurs in die islamische Frühgeschichte.

Auffällig ist, dass Khorchide sehr viele Quellen anführt, um seinen Standpunkt zu untermauern. Die weitaus meisten Quellenangaben beziehen sich auf den Koran. Es gibt aber auch Quellen aus bekannten Werken der Sunna, der nach dem Koran zweitwichtigsten Quellen des Islam, sowie aus Sekundärliteratur. Er geht sehr sparsam mit islamtheologischen Fachbegriffen, sodass sich auch interessierte Laien mühelos in das Werk einlesen und seine Sichtweise nachvollziehen können. Einige wenige Begriff (wie z.B. "Fitra"), bei denen es kein genügend prägnantes Analogon in der deutschen Sprache gibt, werden gut erklärt. Einige Dinge werden sehr oft gebetsmühlenartig wiederholt, z.B. dass Gott Mitliebende sucht. Der eine oder andere mag da stirnrunzelnderweise versucht sein zu denken "ja ich hab es jetzt begriffen", aber dies ist ein zentraler Aspekt des Buches, der auf viele weitere Bereiche Auswirkungen hat, deswegen sehe ich diese Wiederholungen durchaus als angemessen.

Während die traditionalistische Sichtweise sich darauf konzentriert, einzelne "Gesetze" in wortwörtlicher Manier aus dem Koran abzuleiten, arbeitet Khorchide ausgehend von Gottes Eigenschaft als Allbarmherziger die Kernbotschaft des Korans heraus: Unantastbarkeit der Menschlichen Würde, Gerechtigkeit, Freiheit des Menschen, Gleichheit aller Menschen, soziale Verantwortlichkeit. Die Basis der Kontextualisierung leitet er zwanglos aus den im Koran angesprochenen Zielgruppen heraus. Der Primäradressat ist die arabische Stammesgesellschaft des 7. Jahrhundert (vgl. Koran 42:7), jedoch wird der Koran als "Barmherzigkeit für die ganze Menschheit" bezeichnet. Demnach wird auch deutlich, dass einige konkrete koranische Anordnungen, wie z.B. dass Frauen die Hälfte der Männer erben, auf eine Verbesserung der damaligen Situation abzielten. In der heutigen Situation würde eine solche Anordnung eine Verschlechterung für die Frauen bedeuten und wäre demnach nicht mehr anwendbar. Die Traditionalisten lehnen eine solche Interpretationsmöglichkeit ab, akzeptieren sie jedoch, wenn es um die Abschaffung der Sklaverei geht, denn der Koran war darauf bedacht, die Situation der Sklaven zu verbessern.

Überhaupt lehnen die Traditionalisten die Differenzierung nach verschiedenen Adressaten ab. Auf der anderen Seite jedoch haben sie den Anspruch, dass der Koran die letzte Offenbarung vom letzten Propheten ist. Eine solche Sichtweise macht aber nur Sinn, wenn man entsprechend nach Adressaten differenziert und die universelle Kernbotschaft des Koran herausarbeitet. Genau das leistet der Autor in seinem Buch.

Khorchide zeigt neben den zwei genannten noch weitere ähnliche Logikbrüche bei den Traditionalisten auf, wie z.B. die Definition des Begriffes "Muslim" bzw. "Islam": Während nach der koranischen Sichtweise auch die früheren Propheten und auch die Jünger Jesu als "Muslime" - also Gottergebene - bezeichnet werden, behaupten die Traditionalisten, dass jemand, der den Koran nicht anerkenne (und damit sind vor allem die konkreten Gesetze gemeint, die auf die arabische Stammesgesellschaft gemünzt waren), kein Muslim sein könne. Dagegen betont der Koran aber, dass jedem Volk ein Prophet geschickt wurde, und dass sich der Weg Gottes nie geändert hat. Diese koranische Sichtweise bedingt aber wieder, dass man die universellen Gesetzmäßigkeiten aus ihm herausarbeitet, ganz so wie der Autor das in seinem Buch tut.

Ähnliches gilt auch für die Definition von "Kuffar/Kafirun": Die gängige Übersetzung mit "Ungläubige" lehnt der Autor ab, weil es den Kern nicht trifft. Selbst der Erzsatan glaubt an Gott, ist aber dennoch der Erzkafir. Nach den Traditionalisten sind Juden und Christen auf jeden Fall "Kuffar", jedoch spricht der Koran kein entsprechend generelles Urteil aus. Vielmehr spricht er von denen "die Kufr begingen unter den Leuten der Schrift". Die logische Konsequenz ist, dass es auch Menschen unter den Leuten der Schrift gibt, die eben keinen "Kufr" begingen. Diesen Gedanken spielt Khorchide konsequent weiter, indem er sagt, dass Menschen, die sich zwar selbst "Muslime" nennen, "Kuffar" sein können, und andersherum Menschen, die nach den universellen Prinzipien des Koran handeln, "Muslime" sein können, ohne dass sie sich so nennen.

Um diese These zu untermauern zeigt er, dass beim Urteil am Jüngsten Tag der Fokus auf den Taten liegt. Bei den ideologisierten Traditionalisten reicht es, das muslimische Glaubensbekenntnis zu sprechen, um ins Paradies zu kommen, egal was für böse Taten sie begangen haben, während alle anderen auf jeden Fall für immer ins Höllenfeuer wandern, egal was sie an guten Taten begangen haben. Diesem traditionalistischen Dogma widerspricht Khorchide und führt dafür zahlreiche Quellen aus dem Koran ins Feld: Der Fokus liegt auf den Taten gegenüber den Mitmenschen, sprich auf der Nächstenliebe. Dementsprechend heißt auch ein (kurzes aber wichtiges) Kapitel des Buches "Gottesdienst ist Dienst am Menschen".

Wenn man einen Traditionalisten fragt, was das Ziel eines Muslims ist, dann wird er in der Regel antworten, dass es sein Ziel ist, ins Paradies zu kommen und die Höllenstrafe zu vermeiden. Khorchide zeigt jedoch mithilfe vieler Koranzitate und einem Gleichnis, dass Paradies und Hölle nur Mittel zur Erreichung des wirklichen Zieles sind: Die Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Bei dem Gleichnis handelt es sich um ein Kind, dem von seinen Eltern eine Strafe angedroht wird, wenn es z.B. seine Hausaufgaben nicht macht bzw. belohnt wird, wenn es sie ordentlich macht. Den Eltern geht es nicht darum, das Kind zu bestrafen oder belohnen, sondern darum, dass es die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft erarbeitet. Genauso geht es Gott darum, für den Menschen die Gemeinschaft mit Gott zu erlangen, und dies wird vor allem durch gute Taten aus Selbstlosigkeit erreicht. Das akribische Sammeln sogenannter "Hassanat" (gute Taten) wie es bei den Salafisten gang und gäbe ist, wird dadurch ad absurdum geführt

Es ließe sich noch viel mehr zum diesem exzellenten Buch sagen, sein Autor ist auf jeden Fall ein Hoffnungsträger für die Entwicklung des Islam in Europa. Das Buch ist jedenfalls sehr empfehlenswert, ein Muss für alle, die dem Salafismus argumentativ und auf theologischer Basis etwas entgegen halten wollen.
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standartlektüre zum Islam, 5. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Mouhanad Khorchide ist mir aus der ZEIT bereits ein Begriff und hat in seinen Artikeln und Interviews stets meine Zustimmung gefunden. Nun also das Buch, was mir als interessierter Christ sehr gut gefallen hat.

Khorchide beschreibt eine Auslegung des Korans wie sie es die Meisten noch nie gehört haben -weder Christen noch Moslime. Es ist eine bemerkenswerte Intension mit der er an die Auslegung des Korans herangeht. Ich bezeichne es als guten Willen, ganz nach dem Motto: Willst du Gott als barmherzig und liebend darstellen, findest du im Koran zahlreiche Passagen die diese Thesen bestätigen. Soll er der Strafende und Diktierende sein, können auch hier einige Zitate gefunden werden. Es ist vor allem eine Frage der Auslegung und hier trifft Khorchide einen wunden Punkt vieler muslimischer Autoritäten. Kurz vorweg, die Auslegung von Herrn Khorchide erscheint mir weitaus realistischer als die vielfachen Verkündungen des Korans die weltweit publiziert oder diskutiert werden. Hierfür bedient sich der Autor dem Koran selbst und untermauert seine Thesen stets mit Zitaten.

Wichtig ist - und diese Tatsache wird von einigen Menschen missachtet oder bewusst verdreht - ist der Bezug zum Kontext bei der Interpretation des Korans. So lassen sich einige Passagen im Koran finden, die uns nach heutigem Verständnis schlicht grausam erscheinen. Khorchide widmet sich diesen Passagen ausführlich, erläutert den Zusammenhang in dem sie geschrieben wurden und erwähnt deren wichtigen historischen Bezug. Schließlich reden wir von einem Buch, das im 7. Jahrhundert entstanden ist. Was damals fortschrittlich war ist heute nicht unbedingt ebenso fortschrittlich. Wichtig ist es die Kernbotschaft im Koran zu erkennen und diese beruht nach Korchide auf der Barmherzigkeit Gottes der an die Aufrichtigkeit, Korrektheit und soziale Verantwortung der Menschen (nicht nur Moslime) appelliert. Korchide erinnert daher stets an eine Übertragung des Wortlauts im Koran an die heutige Zeit. (z.B. ist einem Bettler heute mit Geld mehr gedient als mit Datteln und Weizen wie es im 7. Jahrhundert sinnvoll war). Diese Kontextaktualisierung erscheint mir vernünftig und überzeugt mich über die wohlgesinnte Intension des Korans.

Khorchide klärt nicht nur über sämtliche Missverständnis rund um den Islam auf, er verkündet zudem eine zeitgemäße und friedfertige Ausübung der Religion. Das Buch ist absolut lesenswert, insbesondere für diejenigen, die wenig über den Islam wissen, aber diesen vorschnell verurteilen. Wenn auch ich bereits vor dem Lesen des Buches dem Islam gegenüber positiv gesinnt war, so habe ich zusätzliche eine Menge Details gelernt. Die Geschichte dieser Religion ist äußerst beeindruckend und die Verurteilung einer ganzen Glaubensrichtung scheint nach dem Lesen dieses Buches (aber eigentlich schon vorher) schier unmöglich.

Ich hoffe Khorchide wird in den nächsten Jahrzehnten seine mit dem deutschen Grundgesetz übereinstimmenden Werte verbreiten und für mehr Verständnis für den Islam in Deutschland sorgen. Das Buch ist schon mal ein toller Anfang und sollte eine Standartlektüre zum Islamverständnis werden.
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt zu Empfehlen, nicht nur für Muslime..., 19. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mir eine andere Sichtweise vom Gott gezeigt. Auch das interpretieren vom Koran anders als die bisherigen Lektüre.
Sichtweise zu den anderen Religionen ist auch ganz anders. Vor allem steht hier der Mensch im Mittelpunkt. Es ist egal welche Religionszugehörigkeit
die Menschen haben.

Jeder der sich mit den Religionen beschäftigt sollte dieses Buch lesen.
Besonders die jugendlichen sollten sich mit diesem Buch auseinander setzen.
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5.0 von 5 Sternen Interessante Gedanken, 14. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zu Beginn erfährt man ein wenig über den Werdegang des Autors und seinen Gründen islamische Theologie zu studieren und zu lehren. Zweifel an der Lehre, Zweifel an den Institutionen, Zweifel an absurden Vorschriften... Der Wunsch mehr zu lernen und diese Widersprüche aufzulösen. Dementsprechend hart geht er auch mit Ayatollas, Wahabiten, Salafisten und anderen Betonköpfen ins Gericht.
Im Gegenzug beschreibt Hr. Khorchide in einem angenehmen, populärwissenschaftlichen Stil eine sehr moderne Religion, die den Koran in einen zeitgenössischen Kontext setzt und viele Ansätze dementsprechend interpretiert.

Auch wenn es viele Aspekte in der Philosophie des Autors gibt, denen ich nicht zustimme, fand ich es eine absolute Bereicherung.
Es liefert Einblicke in Strömungen abseits religiöser Fanatiker, viele Anregungen und ist damit auf jeden Fall zu empfehlen.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weg von allen Vorurteilen, 2. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion (Gebundene Ausgabe)
Eine Pflichtlektüre für alle oberflächlichen Islam-Kritiker.
Das Buch ist für mich eine Bestätigung, dass in allen Religionen
es einen Gott der Liebe gibt und der Weg zurück zu Gott über die Liebe
zu Gott - dem Gott der Barmherzigkeit - geht.
Fehlt dieser Zugang zur Liebe und Barmherzigkeit kommt es zu
Stagnation, Dogmatismus und Engstirnigkeit, wie wir leider auch in allen
religiösen und orthodoxen Organisationen sehen.
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Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion
Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion von Mouhanad Khorchide (Gebundene Ausgabe - 11. Oktober 2012)
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