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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kulturgeschichtliches Meisterwerk, das noch lange Bestand haben wird, 6. Juli 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Ende der Gewalt: Analyse des Menschheitsverhängnisses. Erkundungen zu Mimesis und Gewalt mit Jean-Michel Oughourlian und Guy Lefort (Gebundene Ausgabe)
Mit der vorliegenden von Elisabeth Mainberger-Ruh vollständig neu übersetzten Ausgabe veröffentlicht der Herder-Verlag ein Buch, das schon 1978 in seiner französischen Erstauflage dort großes Aufsehen erregte und auch 1983, als eben Herder das Buch in Deutschland präsentierte, in bestimmten Kreisen jedenfalls stark rezipiert wurde. Dennoch hat es meiner Meinung nach niemals die Stellung einnehmen können im Denken anderer Theologen, Philosophen und Kulturwissenschaftler, die es verdient hätte.
Vielleicht liegt es daran, dass Girard auch in seinen sonstigen Werken sich zum Christentum bekennt.

Die nun vorliegende Neuausgabe enthält die vollständige Dokumentation der vielen Gespräche, die Girard mit dem damaligen Psychiatrieprofessor Jean-Michel Oughourlian und dem Arzt Guy Lefort geführt hat, während in der Erstausgabe von 1983 nur die Antworten Girards abgedruckt waren. Dieser und etliche andere Mängel sind in der Neuausgabe überwunden.

Das für alle Theologen, Philosophen und Geisteswissenschaftler unverzichtbare Werk gliedert sich in drei Bücher:
Im ersten Teil wird eine Theorie der Religion entwickelt, die von der Mimesis und dem Opfer ausgeht und in Beziehung gesetzt zur mimetischen Theorie der Hominisation.

Im zweiten Teil geht es um die opferkritische Rolle biblischer Texte und den Hebräerbrief als Schlüsseltext für die Resakralisierung des Christentums.

Das dritte Buch stellt die mimetische Theorie in einen umfassenden wissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Hintergrund.

Ausgangspunkt der mimetischen Theorie von René Girard ist die Feststellung, dass menschliche Gesellschaften nur dann überleben können, wenn sie in der Lage sind, dem Ausbreiten der Gewalt innerhalb der Gruppe erfolgreich entgegenzuwirken. Ursache zwischenmenschlicher Konflikte ist das Aneignungsverhalten von Menschen, die in engem Kontakt miteinander leben: Dieses Verhalten stiftet Rivalität, Neid und Eifersucht, ist ansteckend, wird von allen Mitgliedern der Gruppe mitgetragen und führt zu raschen Gewalteskalationen, in denen das ursprüngliche Objekt keine Rolle mehr spielt: sie werden lediglich durch das Imitieren des Anderen in Gang gehalten.
Für das Aneignungsverhalten und die nachfolgende Nachahmung des gewalttätigen Verhaltens wird von Girard der Begriff "Mimesis" verwendet, um damit den Abstand von der geläufigen Thematisierung des imitativen Verhaltens als Nachahmung äußerlicher Darstellungen, Gestik oder Mimik hervorzuheben.
Das Buch ist eine gedankliche Meisterleistung und wird noch lange Bestand haben. Allen Menschen, die sich auseinandersetzen wollen mit der Frage, wie die Gewalt in die Welt kommt, wie sie einzuschätzen und ggf. zu überwinden ist, kann dieses Buch nur empfohlen werden. Es ist eine Tour d'horizon durch die europäischen Geistes- und Kulturgeschichte und zeigt, dass der mimetische Konflikt überwunden werden muss, soll die Menschheit eine Zukunft haben.
Durch die nun in dieser Neuauflage dokumentierte Gesprächsform wird der Leser ausdrücklich zum Mitdenken und zur eigenen Meinung herausgefordert. Man verlässt die Lektüre dieses gewaltigen Buches nicht ohne erhebliche intellektuelle Veränderungen.
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Das Ende der Gewalt: Analyse des Menschheitsverhängnisses. Erkundungen zu Mimesis und Gewalt mit Jean-Michel Oughourlian und Guy Lefort
Das Ende der Gewalt: Analyse des Menschheitsverhängniss
es.
von Ralf Miggelbrink (Gebundene Ausgabe - 9. Juni 2009)
EUR 19,99
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