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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So spannend könnte Anatomieunterricht sein, 4. September 2013
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomien: Kulturgeschichten vom menschlichen Körper (Gebundene Ausgabe)
Was man so hört, ist so wenig repräsentativ wie eigene Erfahrungen. Dennoch habe ich das dumpfe Gefühl, dass langweilige Unterrichtsstunden in Anatomie eher die Regel als die Ausnahme sind. Aber das liegt nicht nur an den Lehrkräften sondern auch am Glauben, in Geschichten verpackte Fakten würden an Gewicht verlieren. Doch was nützt Gewichtiges, wenn es die Köpfe derer nicht erreicht, die es verarbeiten sollten?

Diese Frage hat sich offenbar auch der englische Naturwissenschaftler Hugh Aldersey-Williams gestellt. Und seine überzeugende Antwort liefert er in diesem Buch. Wenn wir schon ständig über unseren Körper sprechen, dann darf der Körper ebenfalls Geschichten erzählen. Zumal uns dann besser in Erinnerung bleibt, mit wem wir es letztlich zu tun haben.

Statt uns mit biologischen Fachausdrücken zu langweilen, entführt uns Hugh Aldersey-Williams in die Reiche der Kulturgeschichte, Literatur und Kunst. Er holt den menschlichen Körper aus den sterilen Labors der Spezialisten heraus und zeigt ihn in Aktion. Das Ergebnis dieses Konzepts: Unterhaltsamer Erkenntnisgewinn und unzählige Aha-Erlebnisse.

Eine Kopie der Einleitung und des Prologs sollte eigentlich jedem in die Hand gedrückt werden, der andere Menschen in die Geheimnisse ihres Körpers einweihen will. „Ich wurde also mit diesem komplexen biologischen Organismus, über den ich fast gar nichts wusste und den ich mit etwas Glück ungefähr siebzig Jahre lenken und beleben sollte, allein gelassen.“ So beschreibt der Autor seinen Lesern, wie es ihm lange Zeit erging. Und weil er ihnen die gleiche Erfahrung ersparen will, lädt er sie dazu ein, seinen Geschichten zuzuhören.

In „Teil 1: Das Ganze“ zeichnet Hugh Aldersey-Williams einen Atlas des Körpers, um danach über das Fleisch und die Knochen zu sprechen. Doch was im Inhaltsverzeichnis noch trocken klingt, wird sofort anschaulich, wenn Fakten so aufbereitet werden wie in diesem Buch. Zu den formalen Elementen gehören selbstverständlich auch Bilder, die sich in den üblichen Lehrbüchern nicht finden. Aber eine Unterrichtsstunde, in der ein Naturwissenschaftler wie Hugh Aldersey-Williams Rembrandts berühmtes Gemälde „Anatomie des Dr. Tulp“ interpretiert, hinterlässt wahrscheinlich bleibendere Spuren als ein Querschnitt durch irgendeinen Muskel.

Im zweiten Teil geht der Autor systematisch auf alles ein, was die Fachwelt gemeinhin unter dem Begriff „Anatomie“ versteht. Und das macht er so spannend, dass die Haut plötzlich ebenso interessant wird wie die Geschlechtsorgane. Im dritten Teil, der lediglich zwanzig Seite umfasst, wagt Hugh Aldersey-Williams noch einen Blick in Zukunft. Daher erfährt der Leser auch, wohin uns der technische Fortschritt wohl bringen wird und wie sich die Grenzen zwischen Menschlichem und Nichtmenschlichem verschieben.

Im Anhang finden sich die Liste der Abbildungen, Literaturhinweise zu den einzelnen Kapiteln sowie ein Personenverzeichnis. Gäbe es auch noch ein Sachverzeichnis, wäre der Serviceteil perfekt.

Mein Fazit: Auf dieses Buch stieß ich nicht, weil ich mich besonders für Anatomie interessieren würde. Den Tipp bekam ich von einem ehemaligen Lehrerkollegen, der vor Jahren damit begann, seinen Unterricht mit Storytelling anzureichern. Und wer ebenfalls die Erfahrung machte, dass ihm Geschichten den Zugang zu scheinbar trockener Materie erleichtern, sollte sich dieses Buch anschaffen. Vorausgesetzt, er möchte mehr über seinen Körper wissen.
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Anatomien: Kulturgeschichten vom menschlichen Körper
Anatomien: Kulturgeschichten vom menschlichen Körper von Hugh Aldersey-Williams (Gebundene Ausgabe - 29. Juli 2013)
EUR 24,90
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