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Schon immer wollte der Brite David Pilling ein Buch über seine Korrespondentenzeit in Japan schreiben, aber das Tagesgeschäft an seinem neuen Einsatzort in Hongkong ließ ihm keine Zeit dazu. Erst 2011 führte ihn sein Weg für einige Monate zurück nach Japan und gab ihm den fehlenden konkreten Anlass zu diesem Buch. Herausgekommen ist mit "Japan - Eine Wirtschaftsmacht erfindet sich neu" eine fundierte und spannende Analyse über ein Land, das für viele von uns immer noch fremd ist.

Pilling beginnt sein Buch mit der Dreifachkatastrophe am 11. März 2011 in Fukushima, als Erdbeben, Tsunami und Kernkraft-GAU die Ostküste Japans heimgesucht haben. Diese Krise hat Japan für immer verändert, aber brachte auch seine Stärken und Tugenden an den Tag. Besonders hat mich beeindruckt, wie die Japaner die Katastrophe geordnet, gefasst und mit Gemeinsinn durchlebten und das Ganze - für uns kaum vorstellbar - ohne Plünderungen und Ausschreitungen. Im besten Reportagestil berichtet Pilling sehr eindringlich und einfühlsam von den Geschehnissen vor Ort. Seine Beschreibungen der Bewohner der Küstenstadt und ihre verzweifelten Überlebenskämpfe gehen unter die Haut. Absolut lesenswert!

In den folgenden Kapiteln analysiert Pilling die historische Entwicklung des Landes. Lange Perioden verbrachte Japan isoliert von westlichen und sogar asiatischen Einflüssen - unterstützt durch seine Insellage. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. öffnete es sich auf Druck der USA dem Westen. Er geht der Frage nach, warum sich die Japaner als etwas Einzigartiges sehen. Manche Japaner glauben immer noch, dass sich ihre Gehirne und Organe von denen aller anderen Rassen der Erde unterscheiden. Pilling widerlegt diesen teilweise rassistischen Nationalismus anhand vieler Beispiele, z.B. dass "die Japaner" aus einer Durchmischung der aus Korea eingewanderten Yayoi mit den einheimischen Jomon hervorgegangen sind - auch wenn dieser mittlerweile wissenschaftlich anerkannte Fakt vielen Japanern nicht behagt.

In weiteren Kapiteln zeichnet der Autor die Entwicklung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Hier setzt er einen Schwerpunkt auf das gegenwärtige Japan nach dem Platzen der Spekulationsblase. Er beschreibt das Leben und den Kampf mit der Deflation und wie Japan seinen Lebensstandard um den Preis einer bisher nie da gewesenen Staatsverschuldung gehalten hat. Ein interessantes Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen der Deflation: 100.000 Yen, im Jahr 1995 als Bargeld gehortet, hätten im Jahr eine Kaufkraft von 112.000 Yen gehabt. An der Börse wäre der Wert auf 50.000 Yen gesunken. Der Anreiz, das Bargeld weiter aufzubewahren und auf Kaufkraftzuwachs zu hoffen, ist somit sicherlich verlockender als es auszugeben - die Wirtschaft gerät ins Stocken und dies seit über 20 Jahren.
Aber auch das schwierige Verhältnis zwischen Japan und China kommt zur Sprache. Chinas Erwachen, eine unbewältigte Vergangenheit und territoriale Streitigkeiten bringen Japan immer wieder in schwierige Lagen, wie die derzeitigen Auseinandersetzungen zeigen.

Pilling schließt sein Buch wieder mit einem Kapitel über die Fukushima-Katastrophe und dem Leben nach dem Tsunami, wobei er seinen Schwerpunkt jetzt auf die Rolle der Kernenergie sowie auf die aktuellen Herausforderungen der Politik setzt.

Ein kleines Glossar und ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Indexregister runden das Buch ab.

Aus dem Buch von David Pilling kann man viel lernen - gerade jetzt in Zeiten der Finanzkrise. Der Untertitel "Eine Wirtschaftsmacht erfindet sich neu" führt den Leser aber etwas in die Irre, weil es darum in diesem Buch primär nicht geht. Vielmehr hat mir Pilling bewusst gemacht, was die Deflation anrichten kann und dass sie meist schwerwiegender ist, als die Inflation, die gerade wir Deutschen so fürchten. Deflationäre Tendenzen gibt es in Europa vor allem bei Südländern wie Griechenland und Spanien, die seit der Finanzkrise mit fallenden Preisen und fehlendem Wirtschaftswachstum kämpfen. Der IWF warnt bereits vor einer Deflation in der Euro-Zone. Wer einmal in die Deflation gerät, der wird nur schwer wieder herauskommen, das zeigt die japanische Entwicklung eindringlich. Auch nach über 20 Jahren ist kein Ende der Spirale in Sicht.
Ein lesenswertes, gut recherchiertes und hervorragend übersetztes Buch. Eine Pflichtlektüre für alle, die das vergangene und heutige Japan aus den verschiedensten Perspektiven näher kennenlernen und vielleicht auch etwas über Europas Zukunft erfahren wollen.
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am 23. September 2015
Wer sich für Japans Wirtschaft und Politik interessiert, sollte Pillings Buch unbedingt lesen, denn es ist sehr umfassend, gut recherchiert und zeigt wichtige historische Zusammenhänge auf, wobei der Schreibstil äußerst angenehm ist.

Der Untertitel hätte allerdings heißen müssen: "Eine Wirtschaftsmacht tritt auf der Stelle". Denn das Fazit ist, dass von Aufbruchstimmung in Japan nicht die Rede sein kann. Vielmehr sucht man immer noch nach einem Rezept, wie man der japanischen Wirtschaft neuen Schwung einhaucht und sieht sich mit einem wachsenden Schuldenberg konfrontiert.

Pilling bleibt als Analyst meist im Hintergrund. Oft beschränkt er sich auf die Aneinanderreihung verschiedener Statements von Wissenschaftlern, Politikern, Journalisten oder auch normalen Bürgern. Ob man in dieser Zurückhaltung einen Vor- oder Nachteil sehen will, ist Geschmackssache. Es kommen aber durchaus interessante Persönlichkeiten zu Wort, und natürlich drückt Pilling seine Meinung auch in der Auswahl der Statements aus.

Obwohl ich das Buch mit großem Interesse gelesen habe, muss ich doch einen Stern Abzug geben. Den gibt es für den irreführenden Titel, für ein relativ nichtssagendes Inhaltsverzeichnis und dafür, dass die deutsche Ausgabe besser hätte lektoriert werden können. Mir sind beim Lesen doch immer wieder Fehler ins Auge gesprungen.
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