Fashion Sale Hier klicken Fußball Fan-Artikel studentsignup Cloud Drive Photos Learn More Indefectible Sculpt fissler Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip NYNY

Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen55
4,0 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 14. Oktober 2012
Ich habe mir erlaubt, das neue Buch von Herrn Unzicker genau so kritisch zu betrachten, wie er die SRT, ART, QED, QFT und HEP unter die Lupe genommen hat. Wenn man alle polemischen Zeilen weglässt, dann bleibt von dem Buch nicht mehr viel übrig. Das meiste davon ist auch nicht neu:
* es gibt eine Konkurrenz zwischen den einzelnen Forschergruppen
* der LHC ist ziemlich teuer
* Gutachter von Fachzeitschriften haben manchmal keine Ahnung,
die Kriterien über die Annahme von Fachartikeln sind nicht transparent
* es gibt manchmal fehlerhafte Messungen und Analysen
* es kommt vor, dass Ergebnisse manchmal falsch interpretiert werden
* es gibt auch kontroverse Diskussionen unter Fachleuten
* die Theorien sind unvollständig: die ART bei der intrinsischen Singularität,
die QED mit dem Renormierungstrick
* die Stringtheorie ist (bisher) nicht erfolgreich
* leider gibt es auch ein unseriöses Verhalten mancher Wissenschaftler
* eine hohe Qualität bei Messungen ist nicht immer gegeben
* Daten und Metadaten werden nicht aufbewahrt
* technische Fehler können passieren
* es gibt mehrere Autoren, die sagen, neue Ideen brauche die Physik
* und noch ein paar andere Dinge

Man kann diese Dinge auch auf andere Fach- und Forschungsbereiche übertragen, sie kommen überall vor. Was in dem Buch leider kaum erwähnt wird, sind die großartigen Erfolge der oben erwähnten Theorien: die hohe Genauigkeit der Vorhersagen und deren Bestätigung durch Messungen. Sie ermöglichen zumindest, dass man viele physikalische Erscheinungen erklären und verstehen kann. Das ist schließlich das Ziel von Theorien und Grundlagenforschung. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass eine Theorie ewig gilt. Je weiter man forscht, desto mehr Fragen tauchen auf. Aber: solange es keine bessere Theorie gibt, solange gilt die bisherige mit allen ihren Unzulänglichkeiten. Und: eine bessere Theorie soll nicht nur ungelöste Probleme lösen sondern sie muss auch alle bisherigen Vorhersagen erfüllen bzw. durch Messungen zweifelsfrei bestätigt werden! Maxwell hat es zu seiner Zeit geschafft, ebenso Einstein, Schrödinger, Heisenberg, Dirac, Weinberg-Salam-Glashow und noch andere, z.B. in der Festkörperphysik. Ob die Stringleute es schaffen, ist fraglich, da stimme ich zu. Entscheidend ist nur die Überprüfbarkeit!
Und jetzt komme ich zu einigen Dingen, die in dem Buch nicht richtig dargestellt sind. Die Anzahl der Dimensionen ist überhaupt kein Gegenargument für eine Theorie. So hat in der Hamiltonschen Mechanik jedes Teilchen drei Ortskoordinaten und drei Impulskoordinaten. Es befindet sich also in einem sechsdimensionalen Raum, genannt Phasenraum. Der Hilbertraum in der QM hat sogar unendlich viele Dimensionen!
Es wird bemängelt, dass man sich kaum Gedanken über die Konstanz von Parametern macht: c, H, alpha, h,... Auch dies stimmt so nicht. In guten Fachbüchern und Artikeln findet man sehr wohl Aussagen darüber. Im Übrigen widerspricht sich Herr Unzicker selbst. Auf der einen Seite fordert er die Einfachheit einer Theorie, was mit der Annahme von Konstanten möglich ist. Auf der anderen Seite soll man eine zeitliche Abhängigkeit untersuchen. Damit würde die Theorie aber erheblich komplizierter!
Die Bemerkungen zum Spin und Isospin sind fehl am Platze. Beides kann man nicht wirklich verstehen. Das ist richtig. Aber man versucht, sich ein gedankliches Modell zu basteln, um die mathematische Theorie zu begreifen. Niemand behauptet, dass das Modell der wahren Realität entspricht. Darauf kommt es auch nicht an. Es geht nur um ein gewisses Vorstellungsvermögen und wie gut eine Theorie die Natur beschreibt. Kann man imaginäre Zahlen begreifen? Bestimmt nicht. Aber die Graphik mit der komplexen Ebene dazu schon.
Herr Unzicker bezweifelt u.a. auf S. 46/47, dass man aus einem hohen Untergrund kleine Signale oder einzelne Ereignisse herausfiltern kann. Diese Ansicht ist schlichtweg falsch. Der Nachweis neutraler Teilchen sei nur indirekt möglich, S. 201. Diese Aussage ist aber nur teilweise richtig und gilt dann, wenn man elektromagnetische Messverfahren (Magnete) verwendet. Aber es gibt den Energie- und Impulserhaltungssatz, um aus den beobachtbaren geladenen Zerfallsprodukten die Masse eines neutralen Teilchens zu bestimmen. Neutrale Teilchen wie Gammastrahlen und Neutronen kann man einzeln(!) zweifelsfrei mit Photomultipleiern bzw. mit Szintillationszählern nachweisen. Wenn man sich mit den Messtechniken, Auswerteprogrammen und Simulationen befasst, die in der HEP üblich sind, dann kann man alles signifikant herausfiltern! Das war zu meiner Promotionszeit am DESY vor vielen Jahren schon möglich, heute sind die Apparaturen noch viel besser geworden.
Was auf S. 138 über Schwarze Löcher geschrieben wird und dass die Proportionalität deren Masse aus dem Schwarzschildradius abgeleitet wird, ist ebenfalls purer Unsinn.
Die Auswertung von Daten und die Simulationsprogramme erfolgen sehr sorgfältig. Eine Aufbewahrung der Daten und Metadaten für die Nachwelt macht keinen Sinn, weil man die Experimente und Apparaturen selbst kennen muss. Im Nachhinein können aus Unkenntnis erst recht Fehler vorkommen. Im Übrigen kann man sich Arbeitsgruppen bei CERN anschließen und selbst anfangen auszuwerten. Bei besonders kritischen Fragestellungen und Analysen findet die Auswertung und Überprüfung von mehreren Personen und unabhängig voneinander statt. So sind schon Fehler aufgedeckt worden, was ja ok ist. Vorschnelle Veröffentlichungen sollte man allerdings vermeiden. Auch werden wichtige Experimente mit anderen Apparaturen und Forschergruppen wiederholt, um wirklich sicher zu sein. Aber alles ins Lächerliche zu ziehen und die vielen Physiker und Techniker, die die Apparaturen bauen, als dumme Jungs zu verkaufen, wie es im Buch versucht wird, das geht zu weit.
Dass es seit dem geozentrischen Weltbild solange bis zum heliozentrischen gedauert hat, hängt auch damit zusammen, dass die katholische Kirche unter Todesdrohungen am ersten festgehalten hat. Galilei musste seine Theorie widerrufen, damit ihm der Scheiterhaufen erspart blieb. Das wurde leider nicht im Buch erwähnt.
Fast auf jeder Seite des Buches finde ich Stellen, die zu bemängeln sind. Ich habe nur einige davon erwähnt. Auf seine Thesen zur Astrophysik zu antworten schenke ich mir. Herr Unzicker sagt zwar sinngemäß, dass er provozieren will. Das ist sein gutes Recht. Aber hat er auch bedacht, dass der normale Leser und seine Schüler Physik als unseriös und abschreckend empfinden können? Diesen Eindruck sollte er schnellstens korrigieren, inhaltliche Änderungen anbringen und die zehn Punkte am Schluss dahingehend ergänzen: ohne experimentelle und theoretische Physik hätte man kein Radio, Fernseher, Kühlschrank, Strom, GPS, CD-Player, Auto, Flugzeug, und, und, und.
Ich vergebe höchstens einen Punkt, aber nur deshalb, damit man die Äußerungen von Herrn Unzicker genau überprüft.
7575 Kommentare|209 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. März 2016
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Besonders der Einfallsreichtum des Autors, passende Parabeln und Gleichnisse erfinden zu können, um die Absurditäten mancher Denkart zu verdeutlichen, hat mir eine Freude gemacht. Auch die eingebetteten Zitate zeigen immer wieder wie wichtige Denker in der Vergangenheit auf eben diese Gefahr (nämlich die Institutionalisierung der Wissenschaft) hingewiesen haben.
Nachdem Ich einige recht negativen Kommentare gelesen habe, bin ich geneigt zu sagen, dass man mehr auf die Botschaft als auf den Autor selbst konzentrieren sollte. Bilanz: Erschreckend in welchem Zustand sich die heutige Wissenschaft befindet. Man bekommt den Eindruck, dass es kaum noch Platz fuer wirklich kreative und nachdenkliche Menschen gibt. Es gehört sehr viel Mut dazu, die Betreiber des modernen Wissenschafts-Konglomerat auf diese offene Art zu konfrontieren. H. Unzicker verdient daher unser Lob, da er etwas leistet, was wir eigentlich längst von anderen Wissenschaftlern hätten erwarten dürfen-- wären Sie nur nicht so ängstlich um ihre Rufe und Positionen
Hoffentlich erscheint wird das Buch bald ins Englische übersetzt. Die englischsprachige Welt muss diese Botschaft bald auch lesen können.

Gifted Blindmen
I liked this book very much. The author’s imaginative use of parables and analogues which illustrate the absurdities of certain mental attitudes was very entertaining. The small quotation inserts were a helpful reminder of the many important thinkers who have warned us of just such a danger as this (ie the institutionalisation of science - incidentally ‘institutionalization’ in English is also used to describe those who have spent so long in a mental institution that they can no longer leave!).
After reading a few negative comments, it occurred to me that it would be be preferable if people would concentrate on what the author is saying rather than upon him. The upshot is that science is in a frighteningly bad state nowadays. There appears to be hardly any room for creative, reflective individuals. It takes a lot of courage to confront the modern science conglomorate in such a direct fashion. Unzicker deserves our praise because he has been prepared to do something which we could reasonably have expected other scientists to do for some time now - were it not for their professional anxieties and the comfort of tenured positions. I hope to see the book translated into English very soon. The English-speaking audience needs to hear this soon.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Zu Anfang des Jahres 2010 ist das erste Buch von Alexander Unzicker mit dem Titel „Vom Urknall zum Durchknall“ im Springer Verlag erschienen. Einige Wochen nach dem Erscheinungstermin habe ich eine Rezension geschrieben und das Buch abschließend mit fünf Sternen bewertet. Das Lesen des Buches mit seiner harschen Kritik an der theoretischen Physik der letzten Jahrzehnte hatte mir durchaus Freude gemacht, obwohl ich hinsichtlich des Inhalts ratlos und verunsichert zurückgeblieben bin. Die Rezensionen waren insgesamt äußerst gemischt, viele gaben sehr positive Bewertungen mit fünf Sternen, viele andere sehr negative mit nur einem Stern ab. Bei Büchern über wissenschaftliche Themen ist ein solch breites Spektrum an Bewertungen nach meinem Eindruck eher selten.
Das Buch wurde später zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2011 gewählt, eine Auszeichnung des Magazins Bild der Wissenschaft. Die heftige, umfassende und lesenswerte Diskussion über dieses Buch, die man in dem ScienceBlog [...] findet, hat mich inzwischen allerdings zweifeln lassen, ob die Auszeichnung des Buches wie auch meine persönliche positive Bewertung in der Rezension berechtigt waren.
Nun gut! Jetzt habe ich auch das zweite Buch von Alexander Unzicker mit einem erneut reißerischen Titel „Auf dem Holzweg durchs Universum“ gelesen. Es hat einige Mühe, Konzentration und Zeit gekostet und ohne physikalische Vorkenntnisse hätte ich nicht folgen können.
Detailliert und mit wohl viel Fachkenntnis hinterfragt Unzicker in diesem Buch erneut wichtige Konzepte der theoretischen Physik, vor allem jene, für die es nach seinen Aussagen keine Bestätigungen durch Messungen gibt und aus denen sich keine Vorhersagen ableiten lassen.
Ihm geht es in erster Linie um das Standardmodell der Teilchenphysik, um Quarks, um Gravitation, dunkle Materie, dunkle Energie, schwarze Löcher, Quantenmechanik, natürlich um die Projekte am CERN u. a. m. Alles zweifelt er an.
Und Unzicker scheut es nicht, seine Meinung sehr krass auszudrücken. Hier einige Zitate: „Die Teilchenphysik weist inzwischen Parallelen zur Astrologie auf.“ (S. 216). Das Standardmodell muss als Ganzes auf den Müll.“ (S. 217). „Es ist nicht so, dass die Physiker zu dumm wären, dies zu erkennen, aber oft zu feige, es insgesamt in Frage zu stellen.“ (S. 217). Von solchen Äußerungen wimmelt es in dem Buch. Mir ist nie klar geworden, warum er zu diesem Stilmittel greift. Rein fachlich wäre das gar nicht nötig, denn andere Argumente wirken durchaus, so z. B. seine Hinweise auf mögliche Veränderungen von Naturkonstanten und Naturgesetzen, auf die möglicherweise variable Lichtgeschwindigkeit, auf die Vorschläge von Dicke, auf die Diskrepanz zwischen Einstein und Mach, auf Diracs Arbeiten usw. Die Beiträge dieser Art haben mich durchaus gefesselt.
Während des Lesens hatte ich gehofft, dass Unzicker am Ende einen Ausweg aus der von ihm gesehenen Problematik sieht und damit einen Leser nicht ratlos zurücklässt. Doch da wurde ich enttäuscht. Im Epilog „Was Sie tun können“ empfiehlt er, sich in Wikipedia zu engagieren und dort kritisch zu kommentieren, wenn Physiker einfach etwas behaupten. Was für ein magerer Vorschlag, der auch schon bei politischen Themen nichts bringen würde. Und sein zehn Punkte-Programm für die Experimentalphysik beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass die Transparenz und Zugänglichkeit der in Experimenten erfassten Daten erhöht werden sollte. Gut und schön! Aber ob sein Buch das bewirken kann?
Unzicker betont, wie wichtig ihm die Meinungsfreiheit ist. Diesem Maßstab folge ich jetzt und sage abschließend offen meine Meinung, wohlwissend, dass sie nicht von allen geteilt werden wird:
Für mich hat sich das Lesen dieses Buches nicht gelohnt:
- weil ich bereits das erste Buch von Unzicker gelesen habe und sich im zweiten vieles wiederholt,
- weil man die Kernaussagen mit viel geringerem Aufwand und in kürzerer Zeit bereits dem Interview im Deutschlandfunk ([...]) entnehmen kann,
- weil ich nicht beurteilen kann, ob und ggf. inwieweit Unzicker mit seiner Meinung richtig liegt,
- weil noch kein Buch eines Physikers auf dem Markt ist, das den Versuch unternimmt, Unzicker zu widerlegen, und das man als Jemand, der außerhalb der Physikergemeinschaft steht, unbedingt benötigt,
- weil ich nicht glauben kann, dass Tausende von Physikern, die an den Standardmodellen der Teilchenphysik oder der Astrophysik arbeiten oder gearbeitet haben, auf dem Holzweg sind,
- weil man erst abwarten sollte, ob im CERN durch die Entdeckung des Higgs-Teilchens Unzicker widerlegt wird,
- Unzicker zwar betont, dass er jungen Menschen Begeisterung für die fundamentale Physik vermitteln will, aber ein junger Mensch, der das Buch liest, eher abgeschreckt und verunsichert wird und eine negative Meinung zu den vielen theoretischen Physikern entwickelt.
99 Kommentare|83 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. September 2012
s.u. Ergänzung

Generell ist Unzickers Kritik nicht unberechtigt und wichtig. Die Physik wird heute stark von Lehrmeinungen geprägt, die von den Zentren der US-Physik vorgegeben wird (das war übrigens früher nicht viel anders, nur dass die Zentren damals z.B. Göttingen und Kopenhagen hießen und die Personen Bohr, Heisenberg, Pauli, Born). Dabei handelt es sich i.W. um hochspekulative Theorien, für die es keinen spezifischen experimentellen Beleg gibt (somit ist "Theorie" eigentl. nicht richtig, es sind nur Hypothesen). Diese Theorien werden als Königsweg dargestellt und in einer riesigen Anzahl von Publikationen vorangetrieben. Wer Karriere als theoretischer Physiker machen will, sieht sich einem hohen Druck ausgesetzt, diesen Pfaden zu folgen.

Unzicker weißt z.B. auf Widersprüche in astronomischen Daten etwa zur Dunklen Materie hin. Man kann hinzufügen, dass neue Messungen in der galaktischen Umgebung keine Hinweise auf die Dunkle Materie gegeben haben.

Aber, was ich doch etwas seltsam finde, das ist Unzickers Feldzug gegen das Standardmodell der Teilchenphysik. Es gibt wohl keine zweite physikalische Theorie, die so gut bestätigt ist und eine so hohe Überstimmung zwischen Theorie und Experiment hat. Tatsächlich ist in Abermilliarden von Befunden keine einzige signifikante Abweichung aufgetreten. Er stellt z.B. die Existenz der Quarks in Frage. Es gibt für sie keinen direkten Nachweis, das stimmt, aber es gibt starke indirekte Indizien, vor allem die Streuexperimente an Protonen, die Jets und der Hadronen-Baukasten. So konnte man nach dem Hinweis auf ein 4. Quark, das Charm-Quark, alle Hadronen nachweisen, die sich aus der Kombination der anderen Quarks mit dem neuen ergeben. Diese Befunde erwähnt Unzicker nicht. Mich würde interessieren, was er dazu sagt. Dafür zitiert er die Kritik von Pauli mit der "Gruppenpest", die dieser nach der Einführung der Gruppentheorie in die Quantenmechanik durch Weyl geäußert hat. Das war um 1930! Inzwischen sind diese Methoden und die ebenfalls auf Weyl zurückgehende Eichsymmetrie der Schlüssel schlechthin zur theoretischen Beschreibung der elementaren Wechselwirkungen geworden. Da hat sich Pauli wohl geirrt, was auch ihm öfters passiert ist, wie beim Elektronen-Spin.

Mein Eindruck ist, dass Unzicker, der ja Astrophysik betreibt, sich in der Teilchenphysik nicht gut auskennt. Trotzdem, seine Kritik an dem was uns heute als Zukunft der Physik verkauft wird, wie String-Theorie, M-Theorie, Branen, Dunkle Materie oder Dunkle Energie, ist wichtig und ich halte sie für berechtigt. Deswegen 4 Punkte für das Buch.

Eine Anmerkung: Es wurde hier Unzickers Wette gegen das Higgs-Boson angesprochen. Die hat er noch nicht verloren! Es gibt Widersprüche in gewissen Zerfallskanälen (b-Quarks, Tauonen) und wenn sich das bestätigt, ist es nicht das Higgs-Boson. Für die Physik wäre das viel aufregender, als der Nachweis des Higgs-Bosons. Es wäre der erste klare Hinweis auf die Physik jenseits des Standardmodells.

------------------- ERGÄNZUNG ----------------------

So wichtig Unzickers Kritik nach innen in die Physik ist, so falsch verstanden kann sie nach außen werden. Er verurteilt nicht die moderne Physik generell, das wäre ja widersinnig, sondern Theorien, die er für zu spekulativ und unsauber hält. In diesem Sinne ist es komplett daneben, wie es einige Kommentatoren tun, Unzicker zum Kronzeugen gegen sie zu nehmen.

Ich kann nur sagen, Leute lasst die Kirche im Dorf! Wir haben es dem Besten zu tun, was es an Wissenschaft gibt, nichts ist so fundiert und bestätigt. Beschäftigt Euch erstmal ernsthaft damit, lernt es zu verstehen (dafür gibt es eine Menge hervorragender Sachliteratur, für jedermann verständlich), dann könnt Ihr substantielle Kritik üben, anstatt unqualifiziert, plump mit dem Dampfhammer draufzuschlagen.

Als Beispiel möchte ich das Urknallmodell nennen. Unzicker lehnt es nicht generell ab. Auch er hält den Urknall als solches für gut bestätigt und seine Kritik gilt Details, wie die inflationäre Erweiterung. Dabei sollte einem aber klar sein, was der unstrittige Kern der Urknalltheorie ist. Es ist NICHT der Urknall selbst. Der ist bis heute spekulativ, außer Reichweite unserer Theorien. Der Anfangszustand der Urknalltheorie ist ein All mit winziger Ausdehnung, in dem die ganze heutige Materie schon vorhanden war, aber als ungeheuer dicht gepackte und heiße Strahlung. Starke Indizien sprechen dafür, dass es so war, keine widersprechen dem. Die Rotverschiebung, so in der Art, wie sie Auftritt, kann man kaum anders plausibel erklären. Viele sehr kluge, z.T. geniale Leute haben intensiv darüber nachgedacht und gerechnet und sind zu keinem anderen Schluss gelangt. Dann wäre die Hintergrundstrahlung zu nennen, ihre gleichförmige Verteilung, der Betrag ihrer Energie, ihr Strahlungsspektrum. Dieses entspricht exakt dem eines Schwarzen Strahlers. Als die Forscher die Satellitenmessungen das erste Mal sahen, muss es ein ergreifender Moment gewesen. Ein Konstrukt unseres Verstandes, wird durch die Natur, das Weltall im Ganzen widergespiegelt, so als ob jemand die Planksche Strahlungskurve hingezeichnet hätte.

Ein weiterer Beleg ist die sog. Urknall-Nukleosynthese. Dies ist deswegen besonders überzeugend, weil sich hier Kernphysik und Kosmologie treffen und man die Eigenschaften der Atomkerne sehr präzise kennt. Nach der Urknalltheorie sind die leichten Atomkerne bis Lithium aus der Ursuppe kondensiert und zwar i.W. alles, was davon heute vorhanden ist. Die beobachteten Häufigkeiten dieser Elemente stimmen gut mit der Theorie überein und das über 9 Zehnerpotenzen (!) hinweg. Dass eine Theorie über einen so riesigen Bereich zutrifft, kann man nicht plausibel als Zufall betrachten.

Angesichts dessen, dass Laien den Eindruck bekommen können, an der modernen Physik ist generell was faul und auf wessen obskure Mühlen es Wasser gibt, reduziere ich meine Bewertung auf 3 Sterne.
22 Kommentare|18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. April 2014
Wie jeder DOOM-Fan weiß, der Rückschlag ist verheerend :P

Unzicker stellt sehr berechtigte Fragen. Seine Antworten bleiben aber auch etwas
unbefriedigend. Anstatt daß ich groß im Detail rumpingel (wahlloses Beispiel, wo
ich als Spektroskopie-Chemiker massig Ahnung habe: *natürlich* gäbe es
ohne Neutrino ein Problem beim Drehimpuls - der weggetragene
Bahndrehimpuls ist ganzzahlig und 1/2+1/2=1/2+n funzt nun mal nicht!),
hier ein paar grundsätzliche Probleme zu seiner Physikerkritik.
- Unzicker unterschätzt die Verwobenheit der modernen Physik maßlos.
Da kann man nicht einfach irgendwo herumflicken. Kippt irgendwo eine
grundsätzliche Theorie (z.B. die vermeintlichen Überlichtneutrinos), sendet
das Schockwellen durchs gesamte Theoriegebäude. Man müßte x-mal
getestete Experimente neu deuten.
- Unzicker ist Ästhet. Sorry, Mann, aber die Physik schert sich nicht darum,
wie schön eine Theorie ist. Wir haben jede Menge schöne, einfache, wahre
Physik...aber leider auch schöne, einfache, total falsifizierte Theorien.
SF-Giganten wie Egan haben sogar spekuliert, Gott patcht die Natur wie
ein schlampiger Programmierer, um mit den Experimenten mitzuhalten, bei
Schwarzen Löchern hat er durch 0 dividiert, und irgendwann machen wir
mit einem Experiment, was nicht mehr zu erklären ist, das Universum kaputt :-)
- Unzicker gibt keine ernsthaften Alternativen an. Das kann man ihm sogar
hoch anrechnen, denn wenn hinter seiner Physikkritik seine eigene Physik
steckte und hinter seiner eigenen Physik der Nullfeldverknurpser (pat. pend.),
den er an Esodeppen verticken wölltetete, würde ich ihn sofort auf -1 Sterne
runterwerten, selbst wenn es bei Amazon keine Antisterne gibt :-)
- Unzicker bleibt zu oft im Unkonkreten hängen. Manchmal bräuchte man
wirklich die Rohdaten, um ernsthaft mitreden zu können (sein Rohdatenmanifest
ist also sehr zu begrüßen und Ausreden der Art "Ihr Lurchis kennt den Detektor
doch nicht mit Vornamen!" schärfstens abzulehnen). Manchmal auch viel viel
Mathe. (Pisa ist nicht seine Schuld.)
- Unzicker ist ein Wutbürger, der wissen will, wo unsere Steuermilliarden bleiben?!
(Hypothese.) Na, da kostet das DESY aber Peanuts und das Geld ist trotzdem gut angelegt.

Diese Schwächen bewirken, daß die Physikerinquisition [tm R.A.Wilson] sich wenig
um sein Buch scheren muß und weitermachen wird wie gehabt. Schade drum,
Alex, mir ist auch nicht ganz wohl mit der modernen Physik. Nimm beim nächsten
Mal wieder die Kettensäge, die ist präziser. 3 Sterne.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 11. September 2012
Autor Alexander Unzicker ist durch das ähnlich gelagerte Buch "Vom Urknall zum Durchknall" bekannt. Dies liegt mir auch vor und es war schon seinerzeit eine schöne "zickige" und ketzerische Anregung die doch allzu spekulative theoretische Physik mal zu hinterfragen, ohne jedoch in allen Argumenten mit dem Autor konform zu gehen. Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage des Themas, d.h. wer nicht eine gewisse Redundanz der Themen und Argumentation riskieren will sollte sich die Anschaffung überlegen.

Im Fokus seiner Kritik stehen die "Spekulationsblasen der Physik", das Standard-Teilchenmodell, Ansätze über Paralleluniversen und insbesondere die String-Theorie mit ihren theoretisch ca. 10 hoch 500 potentiellen Lösungen. Sein nicht zu vernachlässigendes Hauptargument ist der Appell an die Eigenschaft der „Einfachheit guter Theorien“ versus der hohen Komplexität der meisten heutigen Theorien. Ja gerne, aber wenn es so einfach wäre - und deswegen fast alle physikalischen Erkenntnisse seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu negieren ist dann doch etwas zu simpel.

Zwei Dinge sind besonders an dem Buch zu kritisieren. Zum einen würde ich mehr Tiefgang und auch Gegenvorschläge mit Substanz erwarten wenn man schon im Rundumschlag die o.g. im Prinzip ja leicht angreifbaren Theorien ins Zentrum seiner Kritik stellt. Auch der ketzerische, arrogante und besserwisserische Ton geht manchmal nach hinten los, so hat Unzicker z.B. die vor einiger Zeit geäußerte Wette gegen die Existenz des Higgs-Boson mit großer Wahrscheinlichkeit verloren.

Zum anderen ist es Unzickers grundsätzlicher Fehler der Physik nicht Trial & Error zuzugestehen. Querdenken und zunächst abenteuerlich anmutende Konzepte als Optionen des Weges zur Erkenntnis müssen jedoch eruiert werden dürfen. Dies ist ein Grundprinzip der wissenschaftlichen Forschung. Dies gilt auch für seine Ansicht, dass eine Theorie ohne Beleg durch einfach strukturierte Experimente wertlos ist. Weitere inhaltliche Positionen zu kritisieren, z.B. seine Ausführungen gegen die Stringtheorie würden den Rahmen hier sprengen.

Gut hingegen ist generell das Bestreben des Autors Wissenschafts-Mainstream-Konzepte nicht einfach nur elegant wiederzubeten wie das andere erfolgreiche Autoren tun, sondern die wunden Punkte beim Namen zu nennen und gegensätzlich zu argumentieren. Empfehlenswert ist auch das ausführliche Literaturverzeichnis, das zum Vertiefen der Themenstellungen geeignet ist. Ein gewisses physikalisches Grundwissen der vorgestellten Themen ist zwar nicht wirklich Voraussetzung, hilft aber sehr die komplexe Argumentation des Für und Wider nachzuvollziehen. Wer sich mit den o.g. Themen beruflich oder aus populärwissenschaftlicher Sicht beschäftigt sollte das Buch lesen, einfach um seine Sicht auf die Dinge zu schärfen und kritisch zu hinterfragen, auch wenn man nicht dem Autor auf all seinen eignen argumentativen Holzwegen folgen muss.

AUF DEM HOLZWEG ist auf rund 270 reinen Textseiten ohne Anhang in 7 übersichtliche Kapitel (meine Zusammenfassung/inhaltliche Schwerpunkte in Klammer) aufgeteilt:

1 Der Patient Physik (Kritik am Wissenschaftsbetrieb, Fehldiagnosen, Gruppenzwang der Wissenschaft)
2 Direkt vor unseren Instrumenten (Ausführungen über Raum, Zeit und Masse)
3 Im Atom: Revolutionen im Unteilbaren (Quantenmechanik = Unverständnis wird salonfähig?)
4 In der Galaxis (Schwarze Löcher, Dunkle Materie, Dunkle Energie)
5 Im Innersten der Kerne (Gibt es Neutrinos, Quarks ?, Kritik am CERN)
6 Im Kosmos (Quasare, ausführliche Argumentation zur Krise der Kosmologie)
7 Naturgesetze verloren in Zahlen (Variable Lichtgeschwindigkeit, Vorschläge für methodische Sanierungen)

Bewertung:
4/5 Strings....äh,....Sternen
0Kommentar|34 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. November 2015
Jeder der im Physikunterricht aufgepasst hat, fragt sich doch, was im TV an immer neuen Spekulationsblasen der Menschheit verkauft werden soll.
Das ist zur Zeit völlig irrational und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Hollywood statt Forschung. Übrigens halte ich diese Verschwendung von Steuergeldern für nicht mehr akzeptabel. Ich bedaure sehr,daß intelligente Menschen hier auf den Holzweg geschickt wurden. Allerdings sollten diese am besten etwas Nützliches für die Menschheit tun. Dies zu stoppen ist Aufgabe der Politik, deshalb sollte jeder seinen Einfluss bei den Politikern machen, die ihm bekannt sind.
Manfred Oppermann
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. November 2012
Nachdem ich Herrn Unzickers erstes Buch gelesen hatte, hat mich interessiert, was er zum Standardmodell der Kosmologie zu sagen hat.
Die Kernaussage, daß dieses Modell nur noch mit einer zunehmenden Anzahl von freien Parametern aufrecht erhalten werden kann, ist meines Erachtens richtig und spricht dafür, daß es falsch ist.

Ebenso die Frage, ob die Methode der Renormierung in der Quantenelektrodynamik - aus meiner Sicht ist sie mathematischer Unsinn - und deren Übertragung auf die anderen Wechselwirkungen der richtige Weg ist bzw. war, um eine Theorie der Elementarteilchen zu erhalten, ist berechtigt. Denn sollte sich dieser Weg als falsch erweisen, dann war die Physik wirklich längere Zeit auf dem Holzweg. Daran ändert auch das Auffinden des Higgs-Bosons nichts, da das Standardmodell der Elementarteilchen auch dann nicht in der Lage ist, das Massenspektum der Elementarteilchen abzuleiten, von der Stringtheorie ganz zu schweigen.

In beiden Fällen erhebt sich jedoch die Frage nach den Alternativen. Hier weist Unzicker darauf hin, daß man eventuell ein paar heilige Kühe wie z.B. die Allgemeine Relativitätstheorie schlachten könnte, um zu neuen Ansätzen zu gelangen. Die Ansätze mit einer variablen Lichtgeschwindigkeit, auf die Unzicker in Bezug auf die Allgemeine Relativitätstheorie verweist, fand ich so interessant, daß ich mir den Orginalartikel von R. Dicke besorgt habe. Als weitere Möglichkeit wird die Veränderlichkeit der Gravitationskonstanten angeboten, indem auf das Konzept von Paul Dirac verwiesen wird. Ob dadurch, wie Herr Dr. Sonne in seiner Rezension pauschal bemerkt, eine Theorie komplizierter wird, kann nur die damit aufgebaute Theorie zeigen.

Allerdings hätte sich das alles mit wesentlich weniger Polemik und Wiederholungen ausdrücken lassen. Was gegenüber Herrn Unzickers erstem Buch positiv auffällt ist, daß ein beleidigender Stil unterlassen wird.

Ein paar wenige Denkfehler lassen sich finden, so z.B. was die Linearität zwischen Schwarzschildradius und Schwarzschildmasse anbelangt.

Ebenso macht die Veröffentlichung von Roh- und Metadaten keinen Sinn, wenn man nicht gleichzeitig angibt, mit welcher Meßapparatur diese Daten gewonnen wurden, wie auch Herr Dr. Sonne in seiner Rezension bemerkt.

Insgesamt ergibt sich ein gemischtes Bild. Als Physiker kann ich den roten Faden erkennen, ob das ein Laie, kann, weiß ich nicht. Man erhält allzuleicht den Eindruck, daß die Physik keine ernst zu nehmende Wissenschaft mehr ist - und das ist sie bestimmt. Überdies könnte man meinen, daß der "Holzweg" unbeirrt weitergegangen wird. Daß das nicht der Fall ist, zeigen die vielen Zitate von Physikern, die den Standardmodellen kritisch gegenüberstehen, die in das Buch eingestreut sind.

Die Bewertung von Herrn Sonne mit einem Stern kann ich nichr nachvollziehen, da die Kernaussagen gewiß ihre Berechtigung haben. Und daß auch Herrn Unzicker Fehler unterlaufen, ist nur menschlich. Wegen der Polemik und des abschreckenden Eindrucks, den man über die Physik gewinnen kann, ziehe ich zwei Sterne ab.
11 Kommentar|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. September 2012
Der Titel verrät es schon. Die moderne Physik ist auf dem Holzweg, meint Alexander Unzicker. Mit diesem Buch übt er heftige Kritik an den heutigen wissenschaftlichen Methoden und Theorien. Ob Standardmodell, dunkle Materie, noch dunklere Energie, Neutrinos, Quarks, Superstring Theorie, M-Theorie, Schleifengravitationstheorie, Higgs Boson, usw., sie alle bekommen ihr Fett ab. Meiner Meinung nach ist an dieser Kritik was dran. Die Argumente sind gut und nicht so leicht von der Hand zu weisen.
Bedauerlicherweise für mich, denn das Buch hat mein physikalisches Weltbild auf den Kopf gestellt. Seit meinem Physikstudium verfolge ich aufmerksam die neuesten Entwicklungen, speziell im Bereich der Quantengravitation, welche mich besonders interessiert. Ich habe mich selbst nie als Physiker betätigt, bin aber bisher immer davon ausgegangen, dass die Theoretiker und Experimentatoren wissen was sie da tun. Vielleicht bin ich damit bis jetzt etwas zu naiv gewesen. Vielleicht tue ich ihnen auch Unrecht aber durch das Buch von Hr. Unzicker betrachte ich nun Theorien wie die Superstring Theorie die 10 hoch 500 oder noch mehr verschiedene Lösungen haben soll oder das Standardmodell der Teilchenphysik, das alleine 19 mehr oder weniger frei einstellbare Parameter hat, von einem anderen Blickwinkel. Hr. Unzicker fragt zu Recht, was genau solche Theorien erklären, wenn sie nichts vorhersagen, was man überprüfen kann und mittels ihrer Vielzahl von Parametern so einstellbar sind, dass sie praktisch alle Beobachtungen erklären können? Ich stimme ihm zu, dass eigentlich die Theorien die Parameter erklären sollten und nicht umgekehrt.
Sein Grundargument sticht: Gute Theorien basieren auf Vereinfachung. Heutige Theorien basieren auf Komplizierung.
Wenn ein Experiment nicht zur Theorie passt, wird kurzerhand ein Parameter neu eingestellt oder sogar ein neuer eingeführt und wenn das nicht reicht wird auch schon mal ein neues Teilchen postuliert, das auch wunderbarerweise prompt gefunden wird. Beispiele dazu gibt es in dem Buch genug.
Jetzt muss ich über vieles neu nachdenken und mich sehr viel kritischer mit den Dingen auseinandersetzen.
Auf jeden Fall hat mir das Lesen des Buches viel Spaß gemacht und ich habe es fast in einem Stück durchgelesen. Ich finde es sehr spannend und interessant. Man muss nicht mit allem einverstanden sein aber es ist alleine deshalb schon wert gelesen zu werden, weil es eine völlig andere Sichtweise auf die heutigen physikalischen Theorien vermittelt. Man kann es auch von der Warte her betrachten, dass das Buch eine gut verständliche und kurze Zusammenfassung des derzeitigen Stands der Physik bietet und gleichzeitig die Schwachpunkte hervorhebt. Und wer die Dinge gerne selbst überprüfen möchte findet am Ende des Buches einen umfangreichen Quellennachweis.
Was mir auch sehr gut gefällt ist, dass Hr. Unzicker nicht nur kritisiert sondern auch Vorschläge macht was man besser machen könnte, um die Physik wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Zumindest wenn man denn seine Meinung teilt.
33 Kommentare|39 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Januar 2013
Auf dem Holzweg durchs Universum: Warum sich die Physik verlaufen hat
Der Eindruck, der heute der Öffentlichkeit vom Fortschritt in der Astrophysik, der Kosmologie und der Elementarteilchenphysik vermittelt wird, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass es sich hier um Königsdisziplinen der Physik handelt, deren Aussagekraft auf der Grundlage erster Prinzipien alles übertrifft, was die Physik bisher leisten konnte. Deshalb entscheiden sich besonders hochbegabte Absolventen des Physikstudiums für eine Fortsetzung ihrer Tätigkeit in Forschungszentren wie CERN, DESY oder in einem der großen Observatorien. Aber jeder, dessen Denkweise nicht durch den selbstgerechten Drill der entsprechenden Ausbildung geprägt worden ist, sondern nur klassische Physik als erfolgreiche, erlernbare Phänomenanalyse erfahren hat, muss scheitern, wenn er versucht, in das Dickicht dieser Sondergehege mit vertrauten Verständnismustern einzudringen. So basiert der gloriose Ruf dieser „Königssparten“ auf gruppentheoretisch begründeten Tafeln von Ordnungsmustern im inflationären Elementarteilchen-Zoo und auf dem Weitererzählen von Modellen zum Urknall und ab Urknall, nicht etwa auf Weiterverstehen von all dem. Auch der Zusammenhang zwischen Elementen der Theorie und deren experimentellen Existenzbeweis bleibt im Detail selbst für einen gut ausgebildeten Physiker de facto undurchschaubar. Unzickers Buch ist eine ebenso kluge wie herzerfrischende Analyse dieser im Grunde destruktiven Entwicklung, die er in dem Motto des Buchs zusammenfasst: Warum sich die Physik verlaufen hat. Löst man sich von den Vorurteilen, die man als Fachkollege Unzickers Kritik entgegenhalten möchte, dann kann man nur Hochachtung empfinden für den Mut, mit dem der Autor gefestigte Glaubenssätze der modernen Physik in Frage stellt. Man kann diesen Versuch einer umfassenden Kritik leicht verächtlich machen als die Meinung eines rechthaberischen Sonderlings. Aber durch Unzickers oft wuchtige Kritik schimmert viel enzyklopädisches Wissen und das Wissen eines Physikliebhabers, der auf dem Laufenden geblieben ist. Jeder, den die blasierte Schutzbehauptung der Standard-Modell- Gralshüter „wir verstehen jetzt eigentlich alles“ wütend macht und dem eine ehrliche Physik des Selbstzweifels und der Offenheit für alternative Sichtweisen am Herzen liegt, sollte das Buch gelesen haben, wobei man durch besonderes Lesevergnügen belohnt wird.
11 Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden