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5.0 von 5 Sternen Der Ökonom als Philosoph
Der Autor, Tomás, Sedláèek, Chefökonom einer tschechischen Großbank, lehrt an der Universität Prag Wirtschaftswissenschaften und fungierte während der Amtszeit von Präsident Václav Havel als dessen Berater. Kein ausschließlich im Elfenbeinturm sitzender Gelehrter also, sondern vielmehr ein Mann mit praktischem...
Vor 13 Monaten von Andreas Tögel veröffentlicht

versus
24 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gute Diskussion, aber leider keine Lösung
In diesem Buch geht es um die Wechselwirkung zwischen den Wirtschaftswissenschaften auf der einen und der Ethik auf der anderen Seite. Muss Wirtschaft sich an eine Ethik halten oder nützt das nichts? Und was versteht man unter dem Guten und dem Bösen?

Zunächst werden diese Fragen im historischen Zusammenhang diskutiert. Dazu dienen das uralte...
Veröffentlicht am 9. März 2012 von Frank Reibold


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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wider das Ausspielen verschiedener Wissenschaften, 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Die Stärke dieses Buches ist sein provokanter Ansatz, gerade weil es "geisteswissenschaftliche" Inhalte einbezieht.

Ich habe daher nicht ganz verstanden, was Lena Waider als Rezensentin eigentlich sagen will. Verstanden habe ich nur, sie verstehe Sedlacek nicht, sie vermutet, dass liege daran, dass sie Naturwissenschaftlerin sei und sie halte dies Buch ein für "die geisteswissenschaftlich unterwanderten Feuilltons" geschaffenes Werk. Es läuft also darauf hinaus, dass Lena Waider hier eine extreme Abneigung gegenüber den Geisteswissenschaften (=Nicht-Naturwissenschaften?) kundtut und dies zur Grundlage gegenüber ihrer Bewertung macht.

Persönlich missfällt mir dieser ausgrenzende Ansatz von der Rezension von Lena Waider gegenüber 'Geisteswissenschaftlichem'. (Die Ökonomie ist übrigens weder eine Geistes- noch eine Naturwissenschaft. Sie ist eine Sozialwissenschaft - man könnte sie auch Begriff den humanities zuordnen.) Diejenigen methodischen, wissenschaftlichen Ansätze sind zur Erklärung eines Phänomens zu Rate zu ziehen, die es gut, am besten erklären können. Tatsächlich erklärt der Ansatz von Sedlacek eine ganze Menge (dasselbe gilt von David Graeber, Debt http://www.amazon.de/Debt-The-First-000-Years/dp/1933633867/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1330509304&sr=8-1 deutsche Ausgabe: http://www.amazon.de/Schulden-Die-ersten-5000-Jahre/dp/3608947671/ref=pd_sim_eb_1). Der Ökonom Sedlacek sagt hierzu: Wir sollten auf diejenigen wissenschaftlichen Erklärungen hören, die schon vor der Krise vor ihr erklärend gewarnt haben: Das waren Soziologen, Ethnologen, Historiker, Philosophen. (Vgl. auch das Gespräch mit Sedlacek bei der Sendung "Sternstunde Philosophie" (Youtube)).

Daher ist es mehr als begrüßenswert, wenn der Ökonom Sedlacek derartige außerkönomische Theorieansätze verwendet, um die Krise zu erklären. Interessant ist, dass Sedlacek (wie auch Graeber) die ökonomisches Handeln selbst moralisiert. In seinen Augen ist jedes wirtschaftliche Handeln auch moralisch zu bewertendes Handeln. Naheliegend, dass das Personen nicht schmeckt, die wertfreies Wirtschaften propagieren, ohne dafür argumentativ eine belastbare anthropologische (wieder eine "Geisteswissenschaft") Grundlage geschaffen zu haben. (Schon Friedman hierzu: Der wesentliche menschliche Antrieb ist die Gier.)

Der homo oeconomicus wird schon lange als unzureichend Basis für jedes ökonomische Modell gesehen. Um den homo zu untersuchen, bedarf es aber auch der Geistes- und der Sozialwissenschaft (dabei will ich naturwissenschaftliche Modelle gar nicht ausklammern, da sich dies in meinen Augen nicht ausschließt). Um so unverständlicher, dass Ansätze wie die von Sedlacek oder auch Graeber tatsächlich entgegnet wird, sie könnten nichts erklären, weil sie (a) methodologisch nicht das gängige Modell vertreten (was 2007/8 grandios versagte) und (b) methodologisch sozial/geisteswissenschaftliche Ansätze

Das war jetzt viel Verteidigung, weil ich die Kritik an Sedlaceks methodologischer Ansatz nicht nachvollziehbar fand. Besonders irritiert mich, dass Lena Waider in ihrer Rezension dann vor allem die Evolutionäre Ökonomie propagiert. Diese hat mit dem Buch von Sedlacek gar nichts zu tun und erscheint mir deplazierte Werbung zu sein. Zweitens ist nun genau diese sehr junge Forschungsrichtung Evolutionäre Evolutionäre Ökonomie in sehr hohem Maße wissenschaftstheoretischen Kritikpunkten ausgesetzt. Denn anders als (die bezüglich der Entstehung der biologischen Arten weitgehend unbestrittene) Evolutionstheorie entwickeln sich diverse Evolutionsforschungsansätze mit dem Anschein der exact sciences zu spekulativen Forschungsfeldern. So kritisiert S. J. Gould an der vergleichsweise (seit den 1970ern) etablierten Evolutionären Psychologie, ihre "Annahmen über die evolutionäre Bildung kognitiver Mechanismen seien häufig nicht mehr als plausibel klingende Geschichten, die sich nicht im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung bestätigen oder widerlegen ließen." (Vgl. Wikipedia zu Evolutionäre Psychologie) Die noch jüngere Evolutionsökonomie dürfte ähnlichen Angriffen ausgesetzt sein.

Wer also verschiedene methodischen Ansätze verknüpfendes, nicht engstirniges Denken schätzt, dem sei Sedlaceks Buch wärmstens empfohlen. Bei den anderen hoffe ich auf Besserung.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Martin Luther für die Mainstream-Ökonomie, 2. März 2012
Von 
Harald Bolsinger (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Ökonomisches Denken braucht gerade jetzt international eine echte Reformation! Tomas Sedlacek ist der Martin Luther für die Mainstream-Ökonomie. Er bricht die gängigen Muster in einer unvergleichlichen Tiefe auf und eröffnet Raum für die wissenschaftliche Thematisierung von Fragen, die weit jenseits des verkümmerten Zustandes eines vorwiegend auf theoretische Modelle reduzierten ökonomischen Denkens liegen.

Das 02/2012 in Deutsch im Carl Hanser Verlag erschienene Werk von Tomas Sedlacek "Die Ökonomie von Gut und Böse." ist absolute Pflichtlektüre für Ökonomen weltweit. Egal in welchem Stadium der wissenschaftlichen Durchdringung des Faches Sie sich befinden, wird Sie dieses Material ökonomische Fragen in einem neuen (oder alten?) Licht erscheinen lassen.
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24 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gute Diskussion, aber leider keine Lösung, 9. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch geht es um die Wechselwirkung zwischen den Wirtschaftswissenschaften auf der einen und der Ethik auf der anderen Seite. Muss Wirtschaft sich an eine Ethik halten oder nützt das nichts? Und was versteht man unter dem Guten und dem Bösen?

Zunächst werden diese Fragen im historischen Zusammenhang diskutiert. Dazu dienen das uralte sumerische Gilgamesch-Epos, Altes und Neues Testament, antike griechische Philosophie und Philosophen der Neuzeit (Descartes, Mandeville, Smith). Hier sieht man, dass die Menschen der Antike von der Wirtschaft und den Städten verunsichert waren. Ob die städtische Zivilisation gut oder schlecht war, wurde immer anders gesehen. In der Neuzeit wurde alles mechanistischer gesehen; teils sollte die Gesellschaft wie ein Uhrwerk funktionieren.

Der thematische Teil des Buches befasst sich u. a. mit Gier, Fortschritt, Träumen, Wissenschaft und Wahrheit. Dabei geht es immer darum, ob die unsichtbare Hand des Marktes eine Ethik benötigt oder ob eben alles automatisch abläuft.

Man sieht, dass die Wirtschaftswissenschaften keine Naturwissenschaften sind (Menschen sind eben keine unbelebte Materie). Deshalb sind allzu vereinfachende Konzepte wie der Homo oeconomicus (der allwissende Mensch, der allein nach dem Nutzen schaut), mathematische Gleichungen und Ökonometrie (statistische Verfahren) nicht sehr sinnvoll. Wo bleiben die Träume oder Triebe der Menschen? Die kann niemand prognostizieren...

Als Lösung zur Finanzkrise wird zur Verringerung der Schulden aufgerufen. Außerdem sei die Marktwirtschaft diskreditiert (wenngleich der Marxismus keinesfalls funktionieren kann).

***

Mir hat das Buch teilweise gut gefallen. Der Autor rätselt, warum die Gesellschaft immer mehr Wirtschaftswachstum will und dazu immer mehr Schulden benötigt. Das müsse man jedenfalls in den Griff kriegen. Die Lösung liegt im aktuellen keynesianisch-monetaristischen Paradigma der Wirtschaftswissenschaften: Zur Senkung der Arbeitslosigkeit braucht man Wachstum. Wachstum erzeugt die Zentralbank über eine Ausweitung der Geldmenge, was über die Geschäftsbanken die Verschuldung erhöht. Warum der Autor sich manchmal auf Hayek und Mises beruft, aber dann deren Konjunkturtheorie vergisst, ist mir ein Rätsel.

Ayn Rands Philosophie, der Objektivismus, wird als "Reduktionismus und radikaler Egoismus" beschrieben. Dass dazu eine quasi naturrechtliche Ethik (Freiheit, Eigentum, Arbeit, Ehrlichkeit) gehört, wird verschwiegen.

Die Frage, was im Bereich der Wirtschaft gut oder böse ist, wird meiner Meinung nach nicht beantwortet. Der Autor schließt, dass Theorien nützlich sein müssen und es nichts bringt, nach einer wahren Theorie für alles zu suchen.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oekonomie als moralische Wissenschaft, 4. Mai 2012
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Der Autor begibt sich zunächst auf die Spurensuche nach Grundmustern der Gestaltung des Wirtschaftslebens im Altertum. Er greift hier Motive aus der babylonischen und griechischen Mythologie bzw. Philosophie sowie Aussagen aus dem Alten und Neuen Testament auf und macht deutlich, dass hier durchaus schlichte - aber nur mit entsprechenden Konsequenzen zu vernachlässigende - Weisheiten zu finden sind.

Im Zentrum des Buches steht dann jedoch der Mann, der unser modernes ökonomisches Denken prägte, wie kein zweiter: Adam Smith. Dieser schien mit seiner "Untersuchung über Natur und Ursachen des Wohlstands der Nationen" (1776) den Nachweis zu erbringen, dass es eine Art Naturgesetzlichkeit des Marktes gäbe, die praktisch im Selbstlauf kontinuierliche Prosperität garantieren würde, so die Menschen ihre Entfaltung nicht behinderten. Die treibende Kraft dabei sei das auf Eigennutz gerichtete Streben der Individuen.

"Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen- sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil."

Damit setzt eine gesellschaftliche Entwicklung ein, die von Max Weber als bestimmend für die Entstehung des "Geistes des Kapitalismus" beschrieben wurde. Zwar sieht Weber die Ursache des wirtschaftlichen Aufschwungs vom 17. Jahrhundert an in Mitteleuropa und Amerika zunächst in der dort vorherrschenden protestantischen Ethik. Doch nicht in der Reformation an sich oder auch nur in nachfolgenden Aufbrüche, wie dem Puritanismus, der Täuferbewegung, dem Pietismus oder Methodismus sieht Weber dann den Geist des modernen Kapitalismus" erstehen. Motive wie das Streben nach Erfolg, weltlicher Anerkennung oder Wohlstand , so Weber, wurden erst bestimmend als das geistliche Leben aus diesen Bewegungen schwand. Das entstandene Vakuum wurde nun gefüllt mit rastlosem unternehmerischem Aktionismus.

Äußerlich betrachtet blieben die entscheidenden Tugenden bestehen, jedoch die Antriebe veränderten sich. Es entstand ein Denken, das Weber prototypisch bei Franklin ausmacht, wenn dieser seinen Landsleuten die tägl. Verschwendung eines Groschens oder einiger Minuten für etwas Unproduktives auf die finanziellen Nachteile eines ganzen Lebens hochrechnet. Weber konstatiert: "Eine Gesinnung wie sie in den zitierten Ausführungen Benjamin Franklins zum Ausdruck kam und den Beifall eines ganzen Volkes fand, wäre im Altertum wie im Mittelalter ebenso als Ausdruck des schmutzigsten Geizes und einer schlechthin würdelosen Gesinnung proskripiert worden"

Zum ersten Mal in der Geschichte begann eine Ethik sich zu etablieren, die nicht mehr auf ein lebendiges und harmonisches Miteinander oder so etwas wie menschliche Tugendhaftigkeit oder Größe im antiken Sinne hinzielte, sondern vom utilitaristischen Geist kühler Zweckrationalität bestimmt war.

Smith propagierte nun bei all dem keinesfalls einen rücksichtlosen Konkurrenzkampf aller gegen alle. Er setzte vielmehr voraus (dargelegt in seinem 1759 veröffentlichten und damals eigentlich seinen Ruhm begründenden Werk Theorie der moralischen Gefühle"), dass Menschen im Großen und Ganzen durch ein ihnen eigenes moralisches Empfinden geleitet werden. Die Maßstäbe, die dieses Empfinden vermittelt, ergeben sich für Smith aus der Fähigkeit des Menschen zum Mitgefühl bzw. zur Einfühlung. Von Mandeville, der das "Laster" in seiner "Fable of the Bees" als geradezu notwendig für das Gedeihen einer Nation apostrophierte, distanzierte sich Smith entschieden. Unverkennbar ist aber, dass Smith hier wohl auch maßgeblich rezipiert hat.

Sedlacek spricht hier denn auch von zwei Smiths, die nicht wirklich in Einklang zu bringen sind. In weiten Teilen der Gesellschaft fehlte hierfür aber auch das Interesse. Vielmehr griff man die Möglichkeit, sich in seinem eigensüchtigen Gewinnstreben legitimiert zu sehen, begeistert auf. Tatsächlich gab es eine wirtschaftliche Entwicklung von zuvor nie geahntem Ausmaß. Doch waren die Ursachen hierfür vielfältig. Zum einen lagen sie in einer zumindest einigermaßen verlässlichen Motivationsstruktur innerhalb der westlichen Bevölkerung sowie in der sich etablierenden Rechtsstaatlichkeit. Zum anderen ist natürlich Entscheidendes dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu verdanken. Es kam andererseits jedoch auch zu ungeheuer tief greifenden sozialen Verwerfungen.

In den westlichen Demokratien der Nachkriegszeit etablierten sich dann schließlich eine mehr oder weniger ausgeprägte Sozialstaatlichkeit, ein gewisses Maß an Fairness und Rechtssicherheit für Arbeitnehmer. Im Zuge der Globalisierung wurde und wird hier jedoch vieles wieder sehr fragil - außerhalb des Westens ist dies in oft erschreckend hohem hohem Maße der Fall. Die Ökonomisierung des gesamten Lebens mit all den Folgen für soziale Bezüge und Werte blieb ohnehin durchgehend bestimmend. Darüber hinaus zeigen immer neue Krisen, dass ein an den Maximen Eigennutz und Gewinnmaximierung orientiertes Wirtschaften eben nicht zur bestmöglichen Ressourcenallokation führen - im Gegenteil. Niemand weiß, wie die gegenwärtigen Krisen der Öko-, Finanz- und Sozialsysteme enden werden.

Hier helfen nun auch systemische, staatliche Regularien, Rahmensetzungen nur sehr bedingt. Der Autor trifft exakt den Punkt: Ökonomie muss von den Grundlagen her völlig neu gedacht werden. Er weist in diesem Zusammenhang u.a. auf Keynes hin, der die Mathematisierung und "Vernaturwissenschaftlichung" der Wirtschaftslehre als Irrweg bezeichnet hatte und schrieb: "Ich möchte entschieden betonen, dass die Wirtschaftswissenschaft eine moralische Wissenschaft ist." In allen wissenschaftlichen Bereichen, die Menschen auf die Arbeit in gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern vorbereiten, wird ganz selbstverständlich ein hohes Ethos als zentral angesehen. Das gilt für den Bereich der Medizin, des Rechts, der Pädagogik, der Sozialarbeit, der Verwaltung etc. Nur für den Bereich der Ökonomie leisten wir uns eine Anarchie die auf den Irrtümern eines längst überholten, mechanistischen Weltbildes basiert.

Aber der Autor wird noch grundsätzlicher: Er regt ein Nachdenken darüber an, was ein gelungenes, glückliches oder zufriedenes Leben überhaupt ausmacht und dem Materiellen in unserer Existenz den ihm angemessenen Stellenwert zuzuordnen.
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36 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Keine Übersetzung des Originals, 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Hmm, diese deutsche Ausgabe ist keine Übersetzung des tschechischen Originaltextes, sondern eine Übersetzung der amerikanischen Ausgabe!

D.h. bei so einer Übersetzung der Übersetzung kommt durchaus einiges von den Gedanken des Tomas Sedlacek dann ganz anders rüber, als dieser sie im Original hatte.
Und eine Übersetzung für den US-Markt - zumal wenn ein osteuropäischer Autor sich zur Wirtschaft äußert - wird ganz bestimmt auch für den amerikanischen Leser "angepasst" worden sein.

Was soll denn das bitte ? Gibt es keine Übersetzer tschechich - deutsch?

Ich hoffe, dass es nochmal eine Version geben wird, die direkt vom tschechischen Original ins Deutsche übersetzt worden ist.
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5.0 von 5 Sternen Ökonomie ist mehr als Mathematik, 22. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Es mag dem ein oder anderen etwas zu lang erscheinen, aber inhaltlich legt Tomas Selacek wirklich breit angelegt und damit unheimlich überzeugend dar, dass wir Ökonmie wieder als ethische Wissenschaft begreifen müssen. Er deckt die Tautologien und unbewiesene Annahmen hinter der Pseudo-Objektivität der Zahlen konsequent auf und gibt damit Denkfutter in Zeiten ökonomischer Krisen und einer gesellschaftlichen Überbewertung der Ökonomie.

Dass es dabei gerade am Anfang bisweilen etwas lehrbuchhaft geschrieben ist, konnte ich gut überlesen. Der Inhalt ist überzeugend. Deswegen doch 5 Sterne.
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5.0 von 5 Sternen Überbibel der Ökonomie, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Taschenbuch)
Tomáš Sedláček hat dieses Buch seinem Sohn Chris gewidmet und ihm dabei gewünscht, er möge in seinem Leben mal ein besseres Buch als dieses schreiben. Das ist eine riesige Herausforderung, aber zugleich eine gewaltige Hypothek. Ich behaupte, ein besseres Buch als dieses zu schreiben, ist schlechterdings nicht möglich. Chris könnte vielleicht noch einschlägiges islamisches Denken einfließen und fernöstliche Philosophien zu Wort kommen lassen, er könnte zum Beispiel obendrein auf die Kaufmannskunst der Phöniker, Venezianer, Hanse und Fugger eingehen, die der Vater ausgespart hat. Er könnte auch noch über den ersten, in der Wirtschaftsgeschichte bekannt gewordenen Options-Deal der Geschichte des Thales von Milet (s. S. 128) schreiben, um zusätzlich zu unterstreichen, dass Ökonomie keine Erfindung der Heutzeitigen, sondern tief in den Kulturen verankert ist. – Ich beneide Chris nicht, er hat mit dieser Widmung einen verdammt schweren Job übertragen bekommen.

Sedláčeks Buch ist ein hochinteressanter Spaziergang durch die Menschheitsgeschichte und durchs Himmelreich. Zahllose Details der ökonomischen Weltkultur werden verarbeitet und zwar in einer Weise, dass das Lesen großen Spaß macht. Gehaltvolle, aber leicht zu lesende Lektüre (z. B. auf der Liege am Strand). Mit seinem historischen Ansatz macht er verständlich, wie und manchmal auch warum sich die Welt/die Ökonomie so entwickelt hat, wie sie heute dasteht. Sedláček bezeichnet die heutige Ökonomie als die mathematischste aller Sozialwissenschaften (S. 353). Er kritisiert heftigst die heutige Mainstream-Ökonomie und bemerkt (S. 351, Fußnote a), dass „wir das menschliche Verhalten nie besser verstehen werden, wenn wir uns mit der Ökonomie befassen, ohne über das rein Ökonomische hinauszugehen. Und dass die Vernachlässigung dieser metaphysischen Fragen zu einer düsteren Wirtschaftswissenschaft führen kann.“ Sedláček befürchtet, dass die Mainstream-Ökonomie davon nicht mehr weit entfernt sei.

Wir müssen uns von unsichtbaren Händen und vom lieb gewonnenen wie auch gehassten homo oeconomicus (s. S. 321ff.) verabschieden. Weniger Mathematik wäre mehr. Die Wirtschaftswissenschaften brauchen keinen Minderwertigkeitskomplex zu haben, wenn sie in ihren Büchern nicht mindestens so viele Formeln, Grafiken etc. vorweisen können, wie die Physik. Die Wirtschaftswissenschaften brauchen eine völlig neue Positionierung, ein neues Design und schließlich ein neues Selbstverständnis. Und wir müssen aufpassen, was wir unseren StudentInnen lehren (S. 405).

Wer tief über die Ökonomie, und zwar über die Volks- als auch über die Betriebswirtschaftslehre, reflektieren will – und das sollten wir dringend! –, der muss das prämierte Buch von Sedláček lesen. Da vieles in unserer globalisierten Welt mit dem Ökonomischen verbunden ist, würde ein ethischeres Herangehen in der Ökonomie auch unserer Welt insgesamt nur gut tun.
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5.0 von 5 Sternen Klasse, 3. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Ein nicht einfach zu lesenes Buch, wenn man keine philosophische Vorbildung hat, aber ein Buch, dass man gelesen habe sollte, wenn man sich mit Ökonomie beschäftigt.
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4.0 von 5 Sternen Sehr gut - leider mit Übersetzungsmängeln!, 2. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben, Thomáš Sedláček hat den Titel etwas drastisch gewählt, aber für dieses Buch ist es höchste Zeit geworden.

Es führt die Ökonomie wieder dorthin, wo sie eigentlich hingehört – näher zu den Geisteswissenschaften. Nur weil sie sich mittlerweile vieler naturwissenschaftlicher Werkzeuge wie der Mathematik bedient ist, sie noch lange keine Naturwissenschaft! Hier hat, wie so häufig, eine Subjekt-Objekt-Verschiebung stattgefunden, die dringend berichtigt werden muss. Technokraten, Tayloristen u. ä. haben diese Schieflage gierig aufgenommen, Statistiken und Score Cards wie Fackeln vor sich hergetragen und nicht wahrhaben wollen, dass sie die Gesellschaft bestenfalls in eine Sackgasse steuern, wahrscheinlich in etwas wesentlich Schlimmeres. (Horror-Szenario: Permanenter, vollautomatischer Aktienhandel per Supercomputer in Milliardenhöhe)

Haben wir es vergessen? Ökonomie ist die Lehre vom "klugen Haushalten" und das ist gut biblisch. Was aber unsere "Magnaten" mittlerweile anstellen ist weder klug, noch hat es irgendetwas mit Haushalten zu tun – vom biblisch/ethischen ganz zu schweigen. Dieses Buch erklärt, warum wieder Werte in und von der Wirtschaft gefordert werden müssen. -- Seine Botschaft lautet: Zurück!

Einen Punktabzug gibt es, wegen der deutschen Übersetzung.

Gerade im ersten Teil wird eine sehr missverständliche Wortwahl an den Tag gelegt. Man erkennt unschwer, dass Frau Proß-Gill und das Lektorat die intelligenten Verknüpfungen nicht nachvollziehen konnten oder einfach nicht genügend bibelfest sind ;-)

Die Ökonomie von Gut und Böse
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5.0 von 5 Sternen Die Ökonomie von Gut und Böse, 18. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist ein sehr interessantes und informatives Buch,
das auch von Laien gut verstanden wird. Wer sich
für ökonomisches Zusammenhänge interessiert sollte
es auf jeden Fall lesen.
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Die Ökonomie von Gut und Böse
Die Ökonomie von Gut und Böse von Tomas Sedlacek (Gebundene Ausgabe - 6. Februar 2012)
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