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48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Gilgamesch zu Keynes - Ökonomie braucht Ethik und Moral
AUTOR UND ZIEL DES BUCHES

Tomás Sedlácek (*1977) ist ein tschechischer Ökonom. Basis ist seine Dissertation, die aber (laut WIKIPEDIA) abgelehnt wurde. Man erkennt diese Herkunft. Im Anhang gibt es 677 Anmerkungen mit den Quellen der Textzitate, 14 engbedruckte Seiten Autorenverzeichnis und ein umfangreiches Sachregister. Das soll aber nicht...
Veröffentlicht am 28. Juni 2012 von Kritischer Leser

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hat mich enttäuscht
Zugegeben, ich habe nicht ganz verstanden, was der Autor mit seinem Buch überhaupt sagen will. Im Grunde ist es ein geisteswissenschaftliches Buch. Als Naturwissenschaftlerin verstehe ich ihn nicht.

Mein Fazit hätte vielleicht noch sein können, dass der Autor uns klar machen möchte, dass die Ökonomie keine rein positive Wissenschaft...
Veröffentlicht am 26. Februar 2012 von Lulu


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48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Gilgamesch zu Keynes - Ökonomie braucht Ethik und Moral, 28. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
AUTOR UND ZIEL DES BUCHES

Tomás Sedlácek (*1977) ist ein tschechischer Ökonom. Basis ist seine Dissertation, die aber (laut WIKIPEDIA) abgelehnt wurde. Man erkennt diese Herkunft. Im Anhang gibt es 677 Anmerkungen mit den Quellen der Textzitate, 14 engbedruckte Seiten Autorenverzeichnis und ein umfangreiches Sachregister. Das soll aber nicht abschrecken. Es zeigt, dass sehr sorgfältige Quellen- und Textrecherchen durchgeführt worden sind. Das Buch ist durchgängig sehr verständlich geschrieben. Auch ohne ökonomisches Vorwissen ist es gut lesbar. Es ist in zwei Teile gegliedert: Teil I Ökonomie in früheren Zeiten, Teil II Blasphemische Gedanken.

Die Ziele seines Buches nennt er zum Schluss. Es soll eine (S. 396) "postmoderne Kritik der mechanistischen und imperialen Mainstream-Ökonomie" sein; eine (S. 403) "weiter gespannte und faszinierende Geschichte der Ökonomie" über die mathematische Wahrnehmung hinaus; eine "Antithese zur vorherrschenden morallosen, positivistischen und deskriptiv aussehenden Ökonomie." Seine grundsätzliche Einstellung ist in einer Fußnote (S. 351) versteckt. Er ist "überzeugt, dass wir das menschliche Verhalten nie besser verstehen werden, wenn wir uns mit der Ökonomie befassen, ohne über das rein Ökonomische hinauszugehen."

ÜBER DIE INHALTE

TEIL I: Sedlacek meint, dass uns Mythen und Religionen, Philosophen und Dichter ebenso viel über Ökonomie lehren können, wie die heutigen mathematischen Modelle der sogenannten Mainstream-Ökonomie. Er analysiert zu Beginn das Gilgamesch-Epos. Dort entdeckt er, dass das Ziel der Zivilisation und des Wirtschaftens sei, den Menschen immer mehr unabhängiger zu machen von der Natur, ihm eine konstante und kontrollierbare Umgebung zu schaffen. Die Idee des Fortschritts findet er bei den Hebräern. Vorher sei das (wirtschaftliche) Geschehen als zyklisches, sich wiederholendes Ereignis empfunden worden. Er bespricht den ersten dokumentierten Konjunkturzyklus im Alten Testament, der Traum des Pharaos mit den sieben fetten und mageren Kühen, der von Josef interpretiert wurde. Bei dem griechischen Philosophen Xenophon stellt Sedlacek fest, dass dieser bereits den Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert eines Gutes kannte und auch die Vorteile der Arbeitsteilung.

Bei den Stoikern und Hedonisten erkennt Sedlacek zwei Grundprinzipien, wie man mit Mangel umgeht. Stoikern setzen auf Verringerung der Nachfrage, Hedonisten auf Vergrößerung des Angebotes. Die heutige Ökonomie habe, so folgert er später, das hedonistische Konzept verinnerlicht. Bibel und Ökonomie sieht Sedlacek sehr eng miteinander verwoben. Er findet im Alten Testament Anweisungen dafür, wie die Schwächsten der Gesellschaft geschützt werden sollen: Witwen, Waisen und Fremde. Die überwiegende Anzahl Gleichnisse und Beispiele im Neuen Testament würden im wirtschaftlichen und sozialen Kontext handeln.

Mit Rene Descartes findet nach Sedlacek der Umschwung statt von der philosophisch ethischen Basis der Ökonomie hin zur Mathematisierung und Mechanisierung. Natürlich wird auch Adam Smith erwähnt. Smith sei aber von seinen Nachfolgern weitgehend reduziert worden auf seine ökonomischen Ausführungen (z.B. die unsichtbare Hand des Marktes). Man habe seine moralphilosophischen Schriften vernachlässigt mit der Folge, dass der Mensch als Nutzenmaximierer und Homo oeconomicus gesehen werde. Ihn, den Homo Oeconomicus, hält Sedlecek für (S. 218)"ein mechanisches Konstrukt, das gemäß unfehlbarer mathematischer Prinzipien und durch reine Mechanik funktioniert". Während der religiös gläubige Mensch sich ausdrücklich zu seinem Glauben bekennen müsse, hänge der moderne Mensch seinem wissenschaftlichen Glauben unbewusst an.

TEIL II: Dieser Teil beginnt mit der Erkenntnis, dass (S. 273)"Unzufriedenheit der Motor des Fortschritts und der Marktkapitalisierung ist". Wir seien heute von der Idee des beständigen Wachstums so besessen, dass wir bereit seien uns dafür hoch zu verschulden, nicht nur in Krisenzeiten sondern auch in Zeiten großen Wirtschaftswachstums. "Der materielle Fortschritt ist in vieler Hinsicht zur säkularen Religion und zur großen Hoffnung unserer Zeit geworden", und die Ökonomen seien dabei die modernen Priester, die prophetische Dienste zu leisten hätten. Sedlacek weist darauf hin, dass auch ökonomische Theorien mit deren mathematischen Modellen so etwas wie moderne Mythen seien. Man wisse, dass sie nicht wahr seien, glaube aber, dass sie dennoch etwas Wahres über die Welt aussagen würden.

Der Mensch bewegt sich nach Sedlacek zwischen zwei Polen: einerseits die Überrationalisierung, die ihn zum Roboter mache und anderseits übergroße Spontaneität, die zu unbeherrschtem (tierischen) Verhalten führen würde. Er meint (S. 399) unser Weg liege irgendwo in der Mitte. Mit Blick auf die aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt Sedlacek zu folgender Empfehlung (S. 400): "Umdenken ist nötig, weil eine Wirtschaftspolitik, die nur materielle Ziele verfolgt, immer zu Schulden führen wird. Jede Wirtschaftskrise wird viel schlimmer werden, wenn wir ständig die Last dieser Schulden stemmen müssen. Wir müssen sie daher schnell zurückzahlen. Wenn die nächste größere Wirtschaftskrise unser System trifft, müssen wir vorbereitet sein ... Wer ständig auf des Messers Schneide lebt, darf sich nicht wundern, wenn er sich dabei verletzt." Die derzeitige fiskalische Philosophie bezeichnet Sedlacek daher als (S.308) "Bastard-Keynesianismus".

BEURTEILUNG

Das Buch kommt ohne eine einzige mathematische Formel aus. Es ist mehr eine Geschichte des ökonomischen Denkens. Da heute die Mainstream-Ökonomie mit ihrer Mathematisierung an Grenzen stößt, wird zusätzlich wieder eine (Rück-)Besinnung auf die Ethik und Moral der Ökonomie erforderlich. Sedlecek schreibt verständlich mit nur wenig Fachterminologie, wenngleich ein paar Grundkenntnisse der Ökonomie den Lesegenuss erhöhen würden. Viele Kapitelüberschriften erleichtern die Orientierung und dienen oft als eine kurze Zusammenfassung des folgenden Textes. Wer möchte, kann aufgrund der umfangreichen Anmerkungen im Anhang die originalen Textstellen leicht finden. Man braucht nicht immer mit Sedlaceks Folgerungen übereinstimmen. Eine tiefschürfende Auseinandersetzung darüber, was GUT und was BÖSE ist, fehlt zwar. Aber darüber haben sich Philosophen, Soziologen und Theologen schon genügend Gedanken gemacht. Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert für all diejenigen, die jenseits von Formeln nach einem tieferen Verständnis ökonomischer Prinzipien suchen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Ökonom als Philosoph, 23. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Der Autor, Tomás, Sedláèek, Chefökonom einer tschechischen Großbank, lehrt an der Universität Prag Wirtschaftswissenschaften und fungierte während der Amtszeit von Präsident Václav Havel als dessen Berater. Kein ausschließlich im Elfenbeinturm sitzender Gelehrter also, sondern vielmehr ein Mann mit praktischem Zugang zu den in seinem Buch behandelten Fragen. Der von John Stuart Mill (dem Vater" des Utilitarismus), später auch von F. A. Hayek, formulierte Gedanke Wer nichts anderes ist, wird wahrscheinlich kein guter Volkswirt sein", charakterisiert die Arbeit Sedláèeks. Hier schreibt eher der Philosoph, weniger der Ökonom. Sein zentrales Anliegen ist es, der Frage nachzugehen, ob es sich auszahlt, gut zu sein, oder ob das Gute außerhalb jedes Nutzenkalküls liegt.

Zu diesem Behufe schlägt der Autor - nicht ohne Witz und mit scharfem Blick fürs Wesentliche - einen weiten Bogen von den Anfängen aller schriftlichen Überlieferungen, dem Gilgamesch-Epos, über das Alte und Neue Testament (letztes hat er akribisch auf seine erstaunlich zahlreichen, wirtschaftlich relevanten Aussagen untersucht) und die Klassiker" der Ökonomie, bis in unsere, von einer langjährigen Schulden- Währungs- und Demokratiekrise gekennzeichneten Tage. Sedláèek geht mit seiner eigenen Zunft durchaus hart ins Gericht. So kritisiert er etwa scharf deren Reduzierung des Menschen auf den Homo oeconomicus und dessen rein mathematische Funktionen. Die moderne Ökonomie lege seiner Meinung nach zu viel Gewicht auf die Methode anstatt auf die Substanz." In der Tat: Moderne Lehrbücher der Ökonomie sind - seit Paul Samuelsons Economics: An Introductory Analysis" - anders als die der Klassiker, voll mit Formeln und Diagrammen. Man meint, es mit Werken zur Physik zu tun zu haben...

Betrachtungen der Phänomene Geld, Zinsen, Wert und Bedeutung der Arbeit (die dem Menschen erst mit seiner Vertreibung aus dem Garten Eden zum Fluch wurde) bilden ebenso Bestandteile seiner Ausführungen, wie solche zum Unterschied von Tausch- und Gebrauchswert von Gütern und die Beschäftigung mit der Spieltheorie.

Der heutzutage so gut wie ausschließlichen Festlegung von Studenten der Wirtschaftswissenschaften auf die total mathematisierte Neoklassik" steht Sedláèek kritisch gegenüber: Obwohl wir am stärksten an die menschliche Entscheidungsfreiheit glauben, erlauben wir es den Stundenten ja nicht, ihre eigene ökonomische Denkschule auszuwählen - wir lehren sie nur noch den Mainstream." Man meint, den Befund eines Protagonisten der Austrian Economics" vor sich zu haben.

Bilanz des Autors: Wir haben zu viel Weisheit gegen Exaktheit getauscht, zu viel Menschlichkeit gegen Mathematisierung." Mein Fazit: Erhellende Sommerlektüre!
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76 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bestseller in Tschechien - kein Zufall, 12. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Eine super Buch welches nur jemand schreiben kann der die Katastrophe des Kommunismus kennt und die Unvollkommenheit des Kapitalismus erlebt.

Die Ökonomie wird in ihrem Kern sowohl durch gute wie falsche Entscheidungen vorangetrieben. Wir handeln nicht wie Roboter deren Entscheidungen vorhersehbar sind. Als geistige Wesen haben wir eine Vielfalt an Handlungsweisen welche oft aus tiefen Emotionen oder gelernten Verhaltensmustern bestehen.

Warum zahlen wir Trinkgeld obwohl wir da vielleicht nie mehr vorbei kommen? Warum helfen wir jemandem ohne Gegenleistung? Warum sind die Dinge am wertvollsten die man nicht kaufen kann? Warum ist eine Anerkennung etwas wert? Wäre ein Scheck nicht wertvoller?

Als soziale Wesen die im innersten das gute und richtige tun wollen können wir der Vielfalt der Einzelentscheidungen trauen.

Diese Buch hat einen sehr philosophischen, teils religiösen Ansatz. Es zeigt wie das wirtschaften aus unserem Wesen und der Urbanisierung entstanden ist. Jeder der über seinen Tellerrand hinaus denken will muss dieses Buch unbedingt lesen. Eine Ökonomie die der Natur des Menschen entspricht und deren Schwächen akzeptiert ist ein sehr wertvolles gut.

Was wir heute als neu betrachten ist in Wirklichkeit uraltes Wissen. Sedlacek hat hier ein Meisterwerk zusammen gestellt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hat mich enttäuscht, 26. Februar 2012
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben, ich habe nicht ganz verstanden, was der Autor mit seinem Buch überhaupt sagen will. Im Grunde ist es ein geisteswissenschaftliches Buch. Als Naturwissenschaftlerin verstehe ich ihn nicht.

Mein Fazit hätte vielleicht noch sein können, dass der Autor uns klar machen möchte, dass die Ökonomie keine rein positive Wissenschaft ist, die sie so gerne sein möchte, sondern eher eine normative, bei der es ganz viel um Gut und Böse bzw. Schlecht geht. Um diese These zu belegen, geht er sehr weit zurück in der menschlichen Kulturgeschichte, genauer bis zum Gilgamesch-Epos, einer der ältesten schriftlich festgehaltenen Dichtungen der Menschengeschichte. All das ist sehr interessant und auch leicht lesbar und gut herausgearbeitet, deshalb drei Sterne.

Seine zentralen Fragen sind (19): "Gibt es eine Ökonomie von Gut und Böse? Zahlt es sich aus, gut zu sein, oder liegt das Gute außerhalb von jedem ökonomischen Kalkül? Ist die Selbstsucht dem Menschen angeboren? Kann man sie rechtfertigen, wenn sie zu etwas führt, was gut für die Gesellschaft ist?" Gesucht wird also so etwas wie eine Metaökonomie.

Doch worum geht es in der Ökonomie überhaupt? Meist wird die Ökonomie als die "Wissenschaft von der Optimierung der individuellen Bedürfnisbefriedigung bei knappen Ressourcen" definiert (siehe z. B. Herrmann-Pillath: Grundriß der Evolutionsökonomik). In diesem Sinne wäre eine ökonomische Maßnahme "gut", wenn sie die allgemeine individuelle Bedürfnisbefriedigung verbessert, "schlecht", wenn sie das Gegenteil bewirkt. Doch für wen? Für die aktuelle Generation oder auch generationenübergreifend? Vor einer ähnlichen Problematik steht bereits die gesamte Natur, denn auch darin geht es um die individuelle Bedürfnisbefriedigung bei knappen Ressourcen.

Dies zeigt, dass sich die vom Autor aufgeworfenen Fragen nur vor dem Hintergrund einer evolutionären Perspektive behandeln lassen, wie es Peter Mersch in Systemische Evolutionstheorie: Eine systemtheoretische Verallgemeinerung der Darwinschen Evolutionstheorie und Eric D. Beinhocker in Die Entstehung des Wohlstands. Wie Evolution die Wirtschaft antreibt versucht haben. Fragen wie "Ist die Selbstsucht dem Menschen angeboren?" greifen eindeutig zu kurz, wenn man in der Analyse nur bis zum Gilgamesch-Epos zurückgeht. Mersch beispielsweise leitet, ausgehend von der Fragestellung, was Leben ist, die aktuellen Großprobleme der Menschheit direkt aus dem Urknall bzw. der Grundstruktur unseres Universums ab. Für ihn sind Lebewesen und die darauf aufbauenden Phänomene wie Unternehmen und andere Superorganismen "selbstreproduktive" bzw. nachhaltige Systeme, die bestrebt sind, ihre Kompetenzen (insbesondere ihr Wissen) zu bewahren, und zwar auf Kosten ihrer Umwelt. Sie verhalten sich nachhaltig gegenüber ihren Kompetenzen und ausbeutend gegenüber der Umwelt. Sie sind bestrebt, nicht nur absolut, sondern auch relativ gegenüber anderen nicht schlechter zu werden. Gemäß Mersch sind wir letztlich alle so konstruiert, denn unser Universum hat uns so gemacht, ja machen müssen. In diesem Sinne wertet er nicht (Begriffe wie Gut und Böse kennt er nicht).

Die genannten Eigenschaften mögen noch ganz harmlos sein, wenn man allein auf der Welt ist und im Grunde nur die Sonne ausbeutet und dem Boden Nährstoffe und Wasser entzieht. Werden die Ressourcen, die zur Bewahrung der vorhandenen Kompetenzen regelmäßig benötigt werden, jedoch knapp, entsteht sofort das ökonomische Grundproblem, und zwar in der Natur wie in menschlichen Sozialstaaten als auch in der Unternehmenswelt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschheit es nicht schaffen wird, wenn wir nicht endlich bei den zentralen Zukunftsproblemen eine primär naturwissenschaftliche, evolutionäre Perspektive einnehmen, bei der es weniger um Fragen wie Gut oder Böse geht, sondern darum, ob es vor dem Hintergrund, dass wir Kinder des Urknalls - und nicht Gottes - sind, überhaupt Lösungen für die anstehenden Zukunftsprobleme der Menschheit gibt, die ohne die üblichen Schuldigen, gegenseitiges Köpfeeinschlagen und schwere individuelle Zwangsmaßnahmen auskommen.

Ganz entsprechend hat der Autor nach meinem Dafürhalten keine sinnvollen Vorschläge für die Zukunft der Menschheit parat, jedenfalls sind mir keine ins Auge gestochen. Sein Appell, wir sollten uns in Zukunft sparsamer und bescheidener verhalten und den nächsten Generationen insbesondere weniger Schulden hinterlassen, zielt jedenfalls ins Leere. So etwas würde wohl nur in nichtdemokratischen Gesellschaften funktionieren. Es gelingt ja nicht einmal in der sonstigen Natur, wie Richard Dawkins in seinen Büchern (z. B. Das egoistische Gen) stets deutlich gemacht hat.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, fundiert und unglaublich bewegend!, 11. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
"Schon wieder so ein Besserwisser" war mein Gedanke, als ich das Buch geschenkt bekam. Dann lag es erst einmal ein halbes Jahr bei mir rum.

Um das Buch zu beginnen, braucht man wirklich Ausdauer. Sedlacek holt nämlich aus, ganz weit aus,... geht bis zu Christus zurück, noch vor die Antike zurück - Bis zur ersten schriftlichen Überlieferung: Gilgamesch. Oh je, was hat das jetzt mit Ökonomie zu tun?

Sedlaceks Buch ist weniger ein volkswirtschaftliches, es ist eher wirtschaftsphilosophisch. Aber wer ist heute schon philosophisch, gerade in der Zeit von Markowitz und Bloomberg? Passt denn das noch? Ja! Absolut! Wie Edzard Reuter auf dem Buchrücken indossiert "...höchste Zeit, dass die Ökonomie wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird". Und Recht hat er!

Während des Lesens kam mir immer wieder der Gedanke, was das denn jetzt alles mit "Gut und Böse" zu tun hat? Ja gut, da ist die Morallehre der Bibel und andere Überlieferungen. Doch die Antwort wird dem Leser erst allmählich klar, je weiter er vordringt. Sedlacek führt den Leser ganz langsam - und mit historischen Belegen - an die Fragestellung heran. Er benutzt dazu auch das Höhlengleichnis von Platon: Demnach sehen wir Menschen heute auf die Ökonomie nicht mit den richtigen Augen. Und zwar: Die Fragestellung, doch zu erklären, was uns antreibt, was gesellschaftliches Leben bestimmt (oder bestimmen sollte), wie wir uns gesellschaftlich organisieren, miteinander auskommen, all diese Fragen sind so alt wie die Menschheit selbst. Darum geht es. Frei nach dem - ebenfalls zitierten platonschen Höhlengleichnis - sehen wir die Dinge genau so, wie unsere Augen sie uns erklären. Doch ist das Erklärungsmodell für die Ökonomie heute wirklich das, was real ist? Oder ist es vielmehr das, was wir gelernt haben als Realität wahrzunehmen? Ist schon sehr philosophisch, oder?

Aber Sedlacek wird durchaus konkreter. Er räumt mit Missinterpretationen auf - u.a. mit Sagen um Adam Smith und seiner "invisible hand" erklärt das historische Aufkommen von Strömungen wissenschaftlicher Erklärungsversuche. Griechen, Jesus, Thomas von Aquin, die Klassiker, Neoklassiker, die Kirche bis zur Moderne, Marx und Keynes - alle kommen zu Wort und werden mit ihren Erklärungsansätzen und Kritiken beleuchtet: Wie sollte der Mensch sein? Wie sollte die Gesellschaft wirtschaften? Ist er ein emotionsloser Rationalist, oder ein kulturell, ethnisch und emotional getriebener Romantiker mit Vorlieben und Abneigungen, durch die wir uns unterscheiden und zu unterschiedlichen (wirtschaftlichen) Entscheidungen gelangen?

Sedlacek übt scharfe Kritik an der seit Descrates technokratisierten Wissenschaftsübung in der Ökonomie. Er vermisst den moralischen und emotionalen Einfluss, den eine Sozialgemeinschaft besitzt und der ihr Handeln bestimmt. Er fragt, warum es die Ökonomie verlernt hat, Modelle zu verwerfen, selbst wenn diese offenkundig nicht mehr in die Zeit passen. Die Ökonomie übe sich wie die Physik mathematisch und mechanisch auf die Wahrheit zu konzentrieren - es gebe nur ein richtiges Ergebnis. Doch ist das so? Und warum tut die Ökonomie so? Keine Wissenschaft (selbst nicht die Modell stehende Physik) ist derart unfähig, eigene Modelle zu verwerfen. Mit Sedlacek wird nicht ein neues Modell geschaffen. Nein, er zeigt dem Leser auf, dass die Herkunft der Denkmuster der Mainstream-Ökonomie auf teilweisen Irrtümern und Glauben fußen, denen sie heute noch nachhängt, doch die offenkundig nicht weiter erforscht und kritisiert werden. Es fehlt an der philosophischen Untersuchung der Dinge selbst. Stattdessen hat sie sich der schnörkellosen Klarheit der Methoden der Physik bedient, die alle "soften" Elemente ausklammert. "Denn es ist doch so schön in dieser künstlichen Welt. Warum in die unklare mit schwer beschreibbaren ethischen und kulturellen Strömungen überzogene Realität treten?"

Ein brillantes Buch, das sehr aktuell ist. Es ist weniger auf gegenwärtige Probleme der Wirtschaft bezogen, sondern vielmehr generalistisch auf das Thema Ökonomie und Wissenschaft ausgelegt. Es beantwortet demnach keine topaktuellen Fragen der Wirtschaft und ihre Krisen, sondern vielmehr gibt es einen - überfälligen - Denkanstoß an die Wirtschaftstheoretiker der Welt. Der Beginn eines geistigen Wandels? Ich weis es nicht.

Mich hat das Buch sehr bewegt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine gelungener Streifzug, 17. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Natürlich ist dieses Buch kein Lehrbuch über die volkswirtschaftliche Dogmengeschichte. Die Perspektive "gut und böse" wird aber interessant, lehrreich und kurzweilig geschrieben über die Geschichte des wirtschaftlichen Denkens und Philosophierens gelegt. Damit ist dieses Buch eine spannende Ergänzung zu allem, was man über das wirtschaftliche Denken bisher gelesen hat. Ich kann das Buch allen an diesen Themen interessierten Lesern nur empfehlen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Sprecher erzählen selbst Sachbücher spannend, 6. Juni 2012
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Audio CD)
Dem Schauspieler und Rundfunksprecher Frank Arnold möchte ich herzlich dafür danken, dass er mich mit einem Buch bekannt machte, das ich wahrscheinlich nicht gelesen hätte. Und das wäre schade. Denn der tschechische Ökonom Tomáš Sedlá'ek bestätigt mit seinen historischen Ausflügen zu den verschiedenen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler, dass auch deren Denken von Mythen und Geschichten geprägt wird.

Da ich mich nach 6 CDs und 447 Minuten Hörgenuss fragte, warum der Autor seinem Buch diesen unpassenden Titel gab, informierte ich mich bei Wikipedia. Dort erfuhr ich, dass der Autor ökonomischer Berater von Václav Havel, dem ehemaligen Präsidenten der Tschechischen Republik war, später den Finanzminister bei seiner Arbeit bei der Reduktion des Haushaltsdefizits unterstützte, ein Stipendium an der Yale University erhielt, Wirtschaftsgeschichte lehrt, Kolumnen schreibt und heute in der Privatwirtschaft tätig ist. Ob seine Dissertation von der Karls-Universität Prag wegen des Titels abgelehnt wurde, beantwortet der Wiki-Artikel nicht. Aber 'Die Ökonomie von Gut und Böse' geht jedenfalls auf diese akademische Arbeit zurück.

Zum Bestseller konnte das Buch avancieren, weil es der Autor glänzend versteht, Wirtschaftsgeschichte lebendig zu erzählen und nachvollziehbare Kritik an der traditionellen Ökonomie anzubringen. Passender fände ich allerdings den Titel 'Wie Geschichten von Gut und Böse die Ökonomie beeinflussen'. Denn Tomáš Sedlá'ek nimmt seine Leser auf einen Zeitreise mit, auf der er die großen Mythen und Erzählungen der Menschheit kennenlernt. Und mit jeder Etappe wird klarer, wie die menschliche Suche nach Sinn zu Modellen führt, die auch das wirtschaftliche Denken und Verhalten steuern. Begonnen beim Gilgamesch-Epos über die griechischen Philosophen, das Alte und Neue Testament bis zu den Schriften von Descartes und Ökonomen der Neuzeit.

Zu den vielen Entdeckungen, die Tomáš Sedlá'ek seinen Lesern und Hörern ermöglicht, gehört sicher die Begegnung mit dem niederländischen Arzt und Sozialtheoretiker Bernard Mandeville. Jedenfalls habe ich mir dessen 1714 erschienene Schrift ' Die Bienenfabel oder Private Laster, öffentliche Vorteile' bestellt. Am wertvollsten finde ich allerdings, dass Tomáš Sedlá'ek einen Bestseller verfasst, der keinen Zweifel daran lässt, dass die Ökonomen eher auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften als auf dem der Physiker zu Hause sind. Denn der Homo oeconomicus existiert so wenig wie der Yeti oder Aschenputtel. Und mit mathematischen Formeln um sich zu werfen, ist nur deshalb nicht lächerlich, weil die Folgen dieses Spiels oft fatal sind. Das zeigt nicht zuletzt die noch immer andauernde Finanzkrise.

Mein Fazit: Ein faszinierendes Sachbuch, das von Frank Arnold so gelesen wird, dass man nie das Gefühl hat, man müsse einer langweiligen Lektion in Wirtschaftsgeschichte folgen. Man kann sicher kritisieren, dass der Autor seine Thesen meist im Raum stehen lässt und auf ausführliche Begründungen verzichtet. Doch Geschichten haben oft eine größere Beweiskraft als dies der Fall ist, wenn mit mathematischen Formeln die falschen Probleme angepackt werden. Ob es Tomáš Sedlá'ek gelingt, die Ökonomen zu etwas mehr Demut zu veranlassen, bezweifle ich. Denn immerhin leben die meisten recht gut vom Verkauf ihrer wackligen Modelle.
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5.0 von 5 Sternen Ein penibel recherchierter Neuansatz zur Beurteilung und Gestaltung der Wirtschafspolitik mit visionären Ideen und starkem Ende, 3. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Taschenbuch)
Vorab sei angemerkt, dass im Gegensatz zu manch eher populärwissenschaftlich und damit auf leichtere Zugänglichkeit ausgelegtem Werk, der Autor über einige trockene Textpassagen nicht hinwegtäuschen kann. Was zwischen den Geschichts- und Religionserzählungen steht, nämlich die famosen Interpretationen, Erklärungen und Auslegungen, lohnt die Durststrecken aber allemal.
Die ersten 2 Drittel des Buches sind größtenteils nach dem Schema aufgebaut, dass nach dem Zitieren einer historischen, philosophischen oder religiösen Quelle diese auf ihre ökonomische Relevanz und Schlüssigkeit abgeklopft, gedeutet, erläutert und mitunter auf die potentielle Bedeutsamkeit und Anwendbarkeit in der heutigen Welt untersucht wird. Wobei Ideen wie Schuldenerlass, das einmalige Ernten von Feldern, um armen und benachteiligten Menschen zu ermöglichen, an Nahrung zu kommen, regelmäßige und rigorose Schuldenschnitte, Kontrolle des Geldwesens und der generelle Aufruf zu mehr Ethik im finanziellen Gebaren zu den positiven Aspekten der Geschichtsschreibung beziehungsweise diversen Religionsschriften zählen. Mitunter ist die Auslegung auf unbedingt wirtschaftliche Belange etwas weit hergeholt, was der guten Grundidee, in Geschichtsbüchern, Bibel, Koran, Thora und artverwandten Schriften nach Abschnitten zu suchen, die den Zweck haben, nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften zu vermitteln, aber nicht abträglich ist. Mitunter kann altes, in Vergessenheit und damit haarscharf nicht verlorengegangenes Wissen in seiner Renaissance Enormes bewirken. Es erstaunt und amüsiert, wie es der Autor versteht mit unterhaltsamen Auslegungstaktiken in, unter anderem, jahrtausendealten ägyptischen Schriften mitunter makroökonomische Hinweise zu entdecken.
Die erklärenden Passagen über verschiedene Unterscheidungen, Entwicklungen und Begriffe des Wirtschaftslebens kann man mögen und genau lesen, muss man aber nicht, vor allem weil es ohne rudimentäre Grundkenntnisse in der jeweiligen Disziplin dann doch dezent knifflig ist den Kontext immer zu erfassen, ohne das eine oder andere Quäntchen Zeit zum zweitmaligen, festigenden durchlesen zu investieren.
Je näher das Buch dem eigenen und dem Ende der Geschichte in Form von Gegenwart kommt, desto mitreißender wird der Erzählfluss, da einige Augenöffner auf den geneigten Leser warten und mehr eigene Ideen des Autors mit einfließen, der bisher primär aus vorgegebenen Quellen schöpfte und im letzten Gang sogar gegen seine eigene Disziplin zu Felde zieht. Es gebührt ihm dafür Respekt, Kritik an einer Wirtschaft, deren Fahnenträger er Kraft all seiner Tätigkeitsfelder selbst ist, zu üben. Was aus dem „homo oeconomicus“ werden wird, bleibt abzuwarten und es stimmt doch nachdenklich, dass ein kompetenter Denker wie Sedláček zu einer eher negativen Zukunftsprognose tendiert.
Das Fehlen eines Lösungsansatzes kann insofern nicht angekreidet werden, als dass der Autor, wäre er im Besitz eines solchen, vermutlich der einzige oder Teil einer Handvoll Auserwählter weltweit wäre, die dessen habhaft werden könnten. Und insofern sich selbst gegenüber fahrlässig selbstlos wären, diesen heiligen Gral der Geldzirkulation offen heraus zu posaunen, ohne Eigennutz als wichtige Konstante miteinzubeziehen. Es geht schließlich immer noch um Wirtschaft.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 95/100 Punkten, 30. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Taschenbuch)
Die Erkenntnisse, die man diesem Buch abgewinnen kann, sind die Zeit, die sein Studium erfordert, wert. Sedlacek hat seinen Überlegungen in logisch gegliederter Form und vermittels klarer und lockerer Sprache so Ausdruck verliehen, dass das Lesen Spaß macht. Auch inhaltlich ist das Werk überzeugend; selbst wenn man sich nicht für die konkrete Fragestellung interessieren sollte, erfährt man viele Interessante Fakten und Zusammenhänge aus den jeweils behandelten Bereichen.
Was die Auswahl des Materials anbelangt sowie die Konkreten Schlüsse, die der Autor zieht, kann ich kein fundiertes Urteil treffen. Dazu bedarf es wahrscheinlich eines Gelehrten.
Fünf Punkte habe ich nach Gefühl abgezogen, weil ich an wenigen Stellen fand, dass man hier hätte treffender formulieren oder direkter auf die Leitfrage hätte eingehen können. Allerdings, was ersteren Kritikpunkt betrifft, sollte man sich bewusst sein, dass man lediglich eine Übersetzung liest.
Bevor man also wieder nur den ganzen Abend lang Fernseher schaut und Bier trinkt, oder durch das Lesen trivialer Kitschromane glaubt, seinen Bildungsgrad zu erhöhen, ist diese originelle und kreativ angelegte Analyse des Entwicklungsganges unserer Ökonomie eine glänzende Alternative.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ökonomische Theoriegeschichte als Kultur-, Philosophie- und Geistesgeschichte, 5. November 2013
Von 
Treb Melsa (Absurdistan, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hob in seiner Freiburger Antrittsvorlesung hervor, dass "Nur-Ökonomen" schlechte Ökonomen sind, je nach Position könnten solche "Nur-Ökonomen" auch zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden.
Ein solcher "Nur-Ökonom" ist Tomás Sedláèek (TS) keinesfalls, vielmehr wird bei der Lektüre des Buches klar, dass die Etablierung der Ökonomie hin zu einem universitären Lehrfach aus vielen Quellen des ökonomischen Denkens der kulturellen Geistesgeschichte gespeist worden ist.
Eine wesentliche Quelle der Ökonomie ist in der praktischen Philosophie zu verorten - nicht umsonst war mit Adam Smith, der als Begründer der klassischen Ökonomie gilt, in Glasgow Professor der Moralphilosophie. Doch der ökonomie-geschichtliche Blick von TS geht noch viel weiter zurück. Wichtige Aussagen zur Ökonomie findet TS schon im Gilgamesch-Epos ("die unsichtbare Hand"); anschaulich stellt TS die vielen ökonomie-relevanten Passagen dar, welche in der Bibel (im Alten und Neuen Testament) zu finden sind; auch ein literarischer Spaziergang durch die großen abendländischen Werke der Dichtung und Philosophie reflektiert ökonomische Themen.
So legt TS in einen atemberaubenden Streifzug durch die Geistesgeschichte die Wurzeln ökonomischen Denkens offen, ohne dabei die Werke der wortgewaltigen Vertreter der klassischen Ökonomie zu vergessen; und schließlich bezieht TS Stellung zur mathematisierten - und damit scheinbar exakten - heutigen, modernen ökonomischen Theorie.
Dabei geht TS mit den Darlegung der Ökonomie in den modernen Lehrbüchern hart ins Gericht; die Vermathematisierung des Menschen zum "homo oeconomicus" als eine Variable in einem scheinbar exakten und wertfreien ökonomisch-mathematischen Modell ist für TS nichts weiter als ein rationalistischer Irrweg. Der Mensch ist keine mathematische Größe, die gemäß irgendeinem ökonometrisch-mathematischen Modell zu agieren hat; deshalb ist den modernen Ökonomen mehr oder weniger die Menschlichkeit abhanden gekommen.
Dabei zeigen die Einlassungen von TS zu den Punkten Arbeit, Kapital, Güter-Tausch-/-Gebrauchswert, Zinsen, Geld usw., dass er die moderne Ökonomie (die er kritisiert) sehr gut kennt und beherrscht. Seine Ausführungen zu den Krisenphänomenen (z. B. Weltwirtschaftskrise) belegen dies ebenfalls.
TS bekennt m. E. in diesem Buch, dass er ein Ökonom im eigentlichen Sinne ist, d. h., dass er eben kein "Nur-Ökonom" ist - oder anders ausgedrückt: Vertreter des ökonomischen Mainstreams ordnen TS wohl in die Schublade "Renegat" ein.

Fazit: Das Buch ist gut lesbar und zu empfehlen; insbesondere den jungen Leuten, die Ökonomie studieren möchten. Für diese Gruppe ist das Buch eine sehr gute Einführung in die Ökonomie, eine bessere Einführung als die meisten Einführungsveranstaltungen des ökonomischen Studiums oder die einführenden ökonomischen Lehrbücher. TS zeigt was die Ökonomie ursprünglich war und im Kern auch heute - trotz der Vermathematisierung des Faches - sein sollte: Eine moralische Wissenschaft.
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Die Ökonomie von Gut und Böse
Die Ökonomie von Gut und Böse von Tomas Sedlacek (Gebundene Ausgabe - 6. Februar 2012)
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