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5.0 von 5 Sternen In der Schilderung von Echenoz scheint der schreckliche Krieg auf eine seltsame und fast unheimliche Weise menschlich
Vor einhundert Jahren begann im August 1914 der Erste Weltkrieg. Es war der katastrophische Auftakt zu einer Serie von Kriegen und Völkermorden, die das 20. Jahrhundert über Europa und die ganze Welt brachte.

Eine Fülle von zumeist sehr voluminösen Publikationen ist schon erschienen, weitere werden mit Sicherheit folgen. Der Autor Herbert...
Vor 8 Monaten von Winfried Stanzick veröffentlicht

versus
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Krieg kurios
Jean Echenoz hat einen ganz eigenen Erzählstil entwickelt: kühl, kurz, knackig, komisch… Und zugleich melancholisch. Er hat diesen Stil in den letzten Jahren immer wieder auf historisch-biografische Stoffe angewendet, hat einen kleinen Roman über Ravel geschrieben, einen über das Laufwunder Zatopek, zuletzt einen über das Strom-Genie Tesla...
Vor 8 Monaten von Bücher-Bartleby veröffentlicht


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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Krieg kurios, 26. Februar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jean Echenoz hat einen ganz eigenen Erzählstil entwickelt: kühl, kurz, knackig, komisch… Und zugleich melancholisch. Er hat diesen Stil in den letzten Jahren immer wieder auf historisch-biografische Stoffe angewendet, hat einen kleinen Roman über Ravel geschrieben, einen über das Laufwunder Zatopek, zuletzt einen über das Strom-Genie Tesla und seine Konkurrenz mit dem übermächtigen Edison: Strom-Krieg in Amerika.

Diese Bücher leben von der Mischung aus Fakten und Fiktionen, und sie haben immer einen ebenso starken wie skurril verschrobenen Charakter im Mittelpunkt. In „14“ nun erzählt Echenoz von fünf ganz gewöhnlichen Männern, die in den Ersten Weltkrieg ziehen, der wie eine Naturkatastrophe über sie kommt. Das erste Kapitel, das Anthimes Fahrradtour übers Land schildert, ist sehr atmosphärisch: Plötzlich Windböen, die Glocken beginnen Sturm zu läuten: Mobilmachung…

Bald zeigt sich aber: Diese fünf Figuren sind blasse Charaktere und können nicht so fesseln wie die Hauptfiguren der letzten Echenoz-Romane. Bei der Beschreibung des Krieges, der Schlachten und der Schützengräben hält sich Echenoz zurück. Er konzentriert sich eher auf kuriose Details (wie die „Hirnpfannen“, die es anfangs statt richtiger Helme gab, oder die vielen herrenlosen Haustiere, die rund um die zerstörten Dörfer herumstreunen und den Soldaten zur Aufbesserung des Speiseplans willkommen sind). Es gibt einige wenige grausam burleske Szenen des Sterbens und Verstümmelns, bei denen sich der Echenoz-Ton bewährt, es gibt das starke Kapitel, in dem einer der fünf Männer als vermeintlicher Deserteur aufgegriffen und ruckzuck zum Tod verurteilt wird. Ansonsten gilt, was der Erzähler in Stoßseufzern äußert: „All das ist schon tausendfach beschrieben worden.“ „Und wie es weiterging, weiß man ja…“

Das ist das Problem. Es gibt so viele bedeutende Werke über den Ersten Weltkrieg, aus deren Schatten Echenoz nicht wirklich herauskommt. Gelegentlich referiert er die „bekannten“ Tatsachen fast sachbuchartig. Dann wieder gelingen ihm zwei große Seiten über lauter Kleinigkeiten, die zusammen das Vollgewicht von 35 Kilo Marschgepäck ergeben: all die Dinge, die der Infanterist auch bei Angriffen mit sich herumschleppen muss.

Die knarztrockene Lakonik bewährt sich auch bei der Darstellung von Anthimes Leben als Kriegskrüppel. Ein kochend heißer, wie eine archaische Streitaxt geformter Gusseisensplitter hat ihm den Arm abgesäbelt. Seinen Schmerz darf er im Lazarett allerdings nicht äußern, denn alle bejubeln ihn und gratulieren: Eine beneidenswerte Verwundung, damit ist der Krieg für ihn vorbei, hurra! Also muss auch Anthime begeistert sein. Als er aus dem Hospital heimkehrt, wirft seine Freundin Blanche ihm „liebevoll“ vor, dass er abgenommen habe. Dabei hat sie einfach vergessen, das nun fehlende Gewicht des Armes abzuziehen…

Der merkwürdige Charakter, der in diesem Buch im Mittelpunkt steht, das ist der Krieg selbst. „14“ (es ist zugleich der vierzehnte Roman von Echenoz) bietet einen ungewöhnlichen Blick auf die „Urkatastrophe“. Und doch: „All das ist schon tausendfach beschrieben worden…“ Und viel eindringlicher. Remarque: „Im Westen nichts Neues“. Jünger: „In Stahlgewittern“. Edlef Köppen: „Heeresbericht“. Das sind Bücher, die dann doch eine ganz andere Wucht haben. Wer wissen will, wie es war, Soldat im Ersten Weltkrieg zu sein, muss diese Werke lesen. Verglichen damit, kommt Echenoz nicht über gute drei Sterne hinaus, auch wenn ich diesen Autor sehr schätze.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In der Schilderung von Echenoz scheint der schreckliche Krieg auf eine seltsame und fast unheimliche Weise menschlich, 26. Februar 2014
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vor einhundert Jahren begann im August 1914 der Erste Weltkrieg. Es war der katastrophische Auftakt zu einer Serie von Kriegen und Völkermorden, die das 20. Jahrhundert über Europa und die ganze Welt brachte.

Eine Fülle von zumeist sehr voluminösen Publikationen ist schon erschienen, weitere werden mit Sicherheit folgen. Der Autor Herbert Günther hat in seinem gerade bei Gerstenberg erschienenen Jugendroman „Zeit der grossen Worte“ erfolgreich und ansprechend versucht, mit einem zu Beginn des Krieges 15-jährigen Ich-Erzähler namens Paul das Geschehen einem jungen Publikum nahe zu bringen.

Ganz wenig Platz für seinen Roman zum Ersten Weltkrieg braucht der für diesen Minimalismus bekannte französische Schriftsteller Jean Echenoz. In „14“, ein Titel kurz wie ein Gewehrschuss, erzählt er von fünf jungen Männern, die Anfang August aus der Provinz Vendee begeistert in den Krieg ziehen. Sie glauben ihrem Hauptmann Vayssiere, der ihnen während der Vorbereitung auf den Kampf, der sie in die Ardennen führen wird, erzählt: „Ja, wir werden alle wieder in die Vendee zurückkommen. Eines aber ist wichtig. Wen im Krieg doch ein paar Mann sterben, dann wegen mangelnder Hygiene. Nicht die Kugeln töten, sondern die Unsauberkeit ist fatal, sie heißt es in erster Linie zu bekämpfen. Also, wascht euch, rasiert euch, kämmt euch ordentlich, dann habt ihr nichts zu befürchten.“

Wie in einem Zeitraffer erzählt Echenoz nun auf 124 Seiten in 15 kurzen Kapiteln die Geschichte dieser jungen Männer und die einer schwangeren Frau, die auf die Rückkehr von zweien von ihnen wartet. An keiner einzigen Stelle geht es um den Grund dieses Krieges oder sein Ziel, genauso wenig wie den Soldaten aller Seiten, die in diesen vier schrecklichen Jahren ihr Leben lassen sollten, dies jemals bewusst oder einsichtig war. Es ist ein Geschehen, das sie erdulden, an dem sie sterben und das den Hauptprotagonisten Anthime vor dem Ende des Krieges mit amputiertem rechten Arm vorzeitig nach Hause kommen lässt.

Es sind die genauen Beobachtungen und Beschreibungen von Einzelheiten, die das Buch auszeichnen. Ohne den Zwang, den Krieg zu verurteilen oder zu erklären, beschreibt Echenoz mit melancholischem Unterton die Alltagswelt und die Alltagssorgen der Menschen, in deren Leben die Ereignisse einfach so hineinrutschen. In der Schilderung von Echenoz scheint der schreckliche Krieg auf eine seltsame und fast unheimliche Weise menschlich, weil er vom Leben und der Wahrnehmung einfacher Menschen erzählt, die ihn erleben und erleiden.

Trotz dieser bewussten Reduktion erzählt der kleine Roman das ganze Geschehen und lässt, vom Autor beabsichtigt, einen Leser zurück, den er mit seiner einfachen Darstellung ins Nachdenken gebracht hat darüber, wie Menschen damals in ihr Verderben rannten. Und: ob das jemals wieder so möglich wäre.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen WW1: Eine "Oper" in fünfzehn Akten, 26. Februar 2014
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alle haben es eilig am Gare de l'Est. Schließlich ist der Bahnhof Dreh- und Angelpunkt für über 120.000 Reisende am Tag. Nur die Wenigsten im Strom der Vorbeieilenden erblicken die im Boden der Tickethalle eingelassene Metallplakette, den historischen "Punkt Zero". Denn von hier aus brachen 1849 die ersten Züge nach Straßburg und am 4.Oktobers 1883 der legendäre Orient Express zu seiner Jungfernfahrt auf. Doch nicht nur spektakuläre Ereignisse der Eisenbahnhistorie nahmen ihren Anfang auf den Gleisen des Ostbahnhofs. Blickt man vom "Punkt Zero" aus nach oben, entdeckt man ein 60 Quadratmeter großes Kunstwerk, das am Kopfende der Alsace-Halle hängt. "Le Départ des poilus, août 1914", ein Geschenk des amerikanischen Malers Albert Herter, zeigt eine außergewöhnliche Abschiedsszene am Bahnhof. Ein junger Soldat steht in einer offenen Wagentür. In der einen Hand die Blume am Gewehr, in der anderen schwenkt er eine Kappe. Everit, der Sohn des Malers, verabschiedete sich 1914 an die Front. Er kehrte nicht wieder. 1918 fiel er im Nordosten Frankreichs. Das 1926 entstandene Fresko schuf Herter als Andenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Das Gemälde, das auf dem Einband des - vorab - großartigen und beeindruckenden Romans von Jean Echenoz abgedruckt ist, steht zugleich als zentrale Eröffnungsallegorie. Von hier lässt der französische Autor seine fünf Protagonisten ebenfalls in den Krieg ziehen. Anthime, Charles, Padioleau, Bossis und Arcenel verabschieden sich unbeschwert und voller Zuversicht ("... das ist ein Sache von zwei Wochen, höchstens...") von ihren Freunden und Bekannten, unter denen auch Blanche steht, eine junge Frau, die zu den beiden Erstgenannten eine besondere Beziehung zu haben scheint. Doch was im Sommer 1914 mit einem fröhlichen Defilee beginnt, sollte sich alsbald "zwei Wochen später, drei Wochen später, nach weiteren Wochen und abermals weiteren, als es anfing zu regnen und die Tage immer kürzer wurden und immer kälter", als "die Dinge sich durchaus nicht so entwickelten wie angenommen. (...) die Dinge schon sehr bald maßlos schlimmer" wurden, zu einer der brutalsten menschlichen Auseinandersetzungen auswachsen.

Rund 17 Millionen Menschen ließen ihr Leben in den Schützengräben eines grausamen Stellungskrieges. Die Zahl derer, die diese Hölle überlebten und danach keinen Frieden fanden, kann vermutlich noch kumuliert werden. "Einer aus der grauen Masse (...) muss für alle sprechen, muss das Gespenst der Vergangenheit stellen, am Kreuzweg um Mitternacht, muss es packen und halten und noch einmal mit Lebensblut erfüllen - damit es Zeugnis ablege und ihnen allen die Ruhe bringe, allen, die für immer schweigen, und allen, auf denen heute noch der Druck unklaren Erinnerns, geteilter Gefühle, zerrissenen Empfindens liegt.", schreibt Erich Maria Remarque in seinem Roman "Im Westen nichts Neues". Detailliert, bildhaft und mit einer leicht verständlichen Sprache berichtet er über die Verrohung der menschlichen Seele als logische Konsequenz aus der immerwährenden Bedrohung durch Bomben, Granaten, Gewehrfeuer und Giftgaseinsatz. Was bleibt ist Resignation zum Selbstschutz, das Einstellen allen Denkens und die Fügung in sein eigenes Schicksal. Nun hat sich Jean Echenoz diesem Thema, dass schon so oft in Buchstaben gepresst wurde, angenommen. Doch wie der französische Autor seinen kurzen Text aufbaut, strukturiert und entfaltet, sucht wahrscheinlich seinesgleichen.

Im steten Wechsel der Kapitel wirft er abwechselnd aus der Sichtweise von zunächst Anthime und Blanche, später auch der anderen Protagonisten, einen Blick auf das dramatische Geschehen. Wie im Zeitraffer über einen Zeitraum von vier Jahren, eher mit vagen Andeutungen als in direkten Formulierungen, berichtet ein auktorialer Erzähler, zuweilen gar in Passivsätzen, von den Verwicklungen der jeweiligen Personen und Szenarien mit- und untereinander. Zumeist sind es kurze Beschreibungen, die eine Gesamtsituation umreißen. Mitunter lässt sich Echenoz jedoch auch ausufernd aus. Dann ergeht er sich zum Beispiel über mehrere Seiten ausführlich in der Beschreibung des Marschgepäcks der Soldaten oder in Ausführungen der Tierwelt, Ratten, Flöhe und Läuse inklusive. Scheinbar schwerelos und wie nebenher, gleicht sein Erzählton dem eines staunenden, ungläubigen, ja, naiven Beobachters, der die Erlebnisse zwar auf- und wahrnimmt, aber nicht einordnen kann. Emotionale Regungen und Gefühle werden dadurch weitestgehend verbannt. Alles hat den Anschein einer "analytischen" Betrachtungsweise. Doch gerade dieser scheinbar unbekümmerte, emotionslose Minimalismus gräbt sich mit doppelter Intensität ins Bewusstsein und offenbart dem Leser den Zustand der Soldaten auf den Schlachtfeldern, denen der Schmerz aus den Hirnen gesaugt wurde, so dass sie den Zustand der Welt nicht mehr erkennen und wahrnehmen konnten: "... ihm war, als würde er zwei, drei Garben Blut spritzen sehen (...) glaubte er zu sehen, wie die Männer direkt vor seinen Augen andere Männer durchlöcherten und dann schossen, um mittels Rückstoß die Klinge wieder freizubekommen."

Fazit: "All das ist schon tausendfach beschrieben worden, vielleicht lohnt es sich gar nicht weiter, sich bei dieser stumpfsinnigen, stinkenden Oper aufzuhalten. Vielleicht ist es übrigens nicht einmal sehr nützlich oder treffend, den Krieg mit einer Oper zu vergleichen, schon gar nicht, wenn man kein besonderer Freund der Oper ist, obgleich der Krieg wie sie gewaltig ist, atemberaubend, exzessiv, voller quälender Längen, wie sie furchtbar viel Lärm macht und auf die Dauer meist auch ziemlich langweilig ist." Im Gegenteil: Jean Echenoz' "14", kongenial von Hinrich Schmidt-Henkel ins Deutsche übertragen, entpuppt sich als kleines, großes Werk, das gerade durch Auslassungen das Geschehen intensiviert, "so wie eine geringfügige Einschränkung dem Gesetz mehr Kraft verleiht oder ein Klecks Komplementärfarbe die Wirkung einer monochromen Fläche enorm verstärkt, wie ein einziger Kratzer die Glätte einer vollkommenen Fläche hervorhebt und eine kurze Dissonanz einen kraftvollen Durakkord erstrahlen lässt..."
125 Seiten, mehr bedarf es nicht, um alles zu sagen. Ein außergewöhnlicher, ein einzigartiger und unbedingt zu empfehlender Text des französischen Altmeisters.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Oberflächlich, 27. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir war das Buch von Elke Heidenreich empfohlen worden: Ich müsse nur ein Buch über den ersten Weltkrieg lesen..
Leider ist dies einer der seltenen Fälle, wo ich Frau Heidenreich nicht zustimme. Nach gutem Beginn wird das Buch rasch oberflächlich, die Darstellungen langweilen da sehr platt.
Das Cover hat mit sehr gefallen - bei meinem nächsten Besuch in Paris werde ich mir das Bild auf dem Gare de l`est anschauen...
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4.0 von 5 Sternen Kurz, prägnant, 14, 16. September 2014
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Kindle Edition)
"All das ist schon tausendfach beschrieben worden, vielleicht lohnt es gar nicht weiter, sich bei dieser stumpfsinnigen, stinkenden Oper aufzuhalten. Vielleicht ist es übrigens nicht einmal sehr nützlich oder treffend, den Krieg mit einer Oper zu vergleichen, schon gar nicht, wenn man kein besonderer Freund der Oper ist, obgleich der Krieg wie sie gewaltig ist, atemberaubend, exzessiv, voller quälender Längen, wie sie furchtbar viel Lärm macht und auf die Dauer meist auch ziemlich langweilig ist." (78/79)

Doch, es lohnt, den Krieg, dessen Beginn sich 2014 zum hundertsten Mal jährt, auch ein tausenderstes Mal zu beschreiben. Diesen Krieg, der eine ganze Generation junger Männer verschlang und in nie zuvor erlebter Brutalität, mit neuen, immer perfideren Waffen und in zermürbendem Stellungskrieg jahrelang um wenige Meter Boden zwischen den Fronten und den Schützengräben kämpfte.

Kaum vorstellbar ist uns heute, was damals geschah und wie es erlebt wurde. Deshalb lohnt es, es immer und immer wieder zu erzählen - vor allem, wenn es so gelungen dargebracht wird, wie ich Jean Echenozs kurzem Roman "14".

Ein kurzer Titel, prägnant und einprägsam, für ein kurzes Buch. Gerade einmal 125 Seiten erzählen diesen Krieg. Und die Länge - oder Kürze - dieses Romans ist absolut ausreichend, um als Leser ein eindringliches Bild dieses Kriegs zu bekommen.

Hier wird kein Wort verschwendet, kein Ereignis allzu ausufernd beschrieben, keinem Erlebnis, keinem Eindruck mehr Platz eingeräumt als absolut notwendig.

Mit leichten Worten tanzt Echenoz durch die Schrecken der allgemeinen Mobilmachung in Frankreich (interessant übrigens, als Deutsche mal einen anderen Blickwinkel auf diesen Krieg zu lesen, der europaweit unendlich viele Opfer forderte). Mit zarter Melancholie, nicht aber mit effektheischenden Szenen und ekelerregenden Beschreibungen, wird die Quintessenz vierer Jahre europäischen Grauens geliefert. Mobilmachung, Leben, Kämpfen und Sterben an der Front, aber auch die Situation in der von jungen Männern leergefegten Heimat, all das passt in diese wenigen Seiten, die mit einem sonnigen Augustsonntag beginnen, der mit einem Fahrradausflug anfängt - und mit an die Front rufendem Sturmgeläute endet.

"14" ist ein ausgesprochen lesenswertes Buch, zumal in diesem Jahr, in dem der Fokus einmal mehr auf diesen Krieg gelenkt wird, der vor einhundert Jahren begann. Knapp, präzise und ehrlich, ohne auszusparen, jedoch auch ohne den Leser allzu sehr emotional aufzurütteln. Sucht man letzteres, sei an dieser Stelle mal wieder ein Hinweis auf Remarques "Im Westen nichts Neues" erlaubt - ein Roman, der, kaum länger als "14" umso tiefere Wunden beim Leser reißt.

Für einen melancholisch-distanzierten Blick auf den ersten Weltkrieg sei "14" in jedem Fall empfohlen. Ein gutes Buch, ein wichtiges obendrein.
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5.0 von 5 Sternen Eindringlich und kraftvoll, 22. August 2014
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sturmgeläute am 01. August 1914. Mobilmachung. Anthime ist an diesem Samstag mit seinem Fahrrad unterwegs in der Vendée. Es ist heiß und windig. Die Menschen verlassen ihre Häuser und treffen sich in der Stadt. Echenoz schreibt: „Alle schienen sie höchst zufrieden über die Mobilmachung: fieberhafte Debatten, übertriebenes Lachen, Hymnen und Fanfaren, patriotische Rufe, von Gewieher unterlegt.“ Der Erste Weltkrieg beginnt.

Anthime und seine vier Freunde werden einberufen. Die Männer werden in den Krieg geschickt und lassen sich schicken und sind froh, wenn sie derart verwundet werden, dass sie frontuntauglich werden. Viel haben sie bis dahin gesehen und erlebt, und sie wissen nicht, warum sie in den Schützengräben liegen. Politik wird von den wenigen gemacht, die auf der sicheren Seite stehen und die sich nicht bewusst machen, was Krieg wirklich anrichtet. Sie stürzen für wilde Ideen Menschen in den Tod. Krieg ist immer ungerecht. Die Verantwortlichen werden meist verschont.

Echenoz spannt einen Bogen über diese vier Jahre und pickt sich kleine Szenen heraus, erzählt mit Abstand, den wir als Leser nicht lange einhalten können, sodass wir hineinfallen in diese Zeit. Unterteilt hat er seinen Roman in kurze prägnante Kapitel. Eine aufgeblähte Handlung gibt es nicht. Er erzählt knapp, es braucht nur wenig Worte, um das Wesentliche auszudrücken. Manchmal ist das Wesentliche brutal. Deshalb sind es 124 randvolle Seiten.
Kraftvolle Szenen wechseln sich ab mit ruhigen, ja fast idyllischen Momenten. Mit einfachen Worten kommt die Brutalität daher, sie entfaltet sich in mir und entsetzt mich. Das Grauen braucht keine grauenhaften Worte, Sanftheit keine sanften. Es reicht die Ruhe in einer Szene, das Kaninchen, das plötzlich dem unbewaffneten Soldaten gegenübersteht, ein kurzes Innehalten, und der Krieg findet für einen Moment nicht statt.
Es sind die kleinen Dinge, die am eindringlichsten wirken.

Nach vier Jahren endet der Krieg. Nicht alle Freunde kehren zurück. Jeden hat ein anderes Schicksal ereilt. Der Roman endet mit einem Blick auf Anthime. Und ich als Leser denke, warum haben diese Erfahrungen nicht gereicht, um einen weiteren großen Krieg zu verhindern?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Krieg und Leben, 18. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kinder einer für uns nicht mehr verständlichen Zeit, in der die Begeisterung für Krieg allerdings wie heute auch der Absurdität der Begeisterungen für Vordergründiges ähnelt. Wie Menschen sich zu Opfern machen, gegenseitig und im Wahn, und daraus neues Leben hervorgeht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lakonisch, 13. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Kindle Edition)
Schwer verdaulich in seiner völlig schnörkellosen, fast brutalen Beschreibung eines Untergangs einer Zivilisation und damit um so ergreifender und eindringlich
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4.0 von 5 Sternen Flüchtige Eindrücke, 16. März 2014
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Gebundene Ausgabe)
Völlig unverhofft platzt der Erste Weltkrieg in das beschauliche Alltagsleben des 23jähirgen Anthime. Ehe er es sich versieht, findet er sich zusammen mit seinen Freunden in einer Uniform in der Kaserne wieder. Auf geht es zu einem beschwerlichen Marsch an die belgische Grenze und mitten hinein in das Kriegsgetümmel zwischen den Schützengräben, einem Apltraum aus Schlamm, Kälte, Hunger und Tod.

Meine Meinung:

Der neue, kleine Roman von Jean Echenoz begleitet Anthime und seine Gefährten durch die Jahre des Ersten Weltkriegs. 128 Seiten umfasst diese Geschichte bloß, Echenoz konzentriert den Schrecken und die Willkür des Krieges auf das Schicksal von fünf Soldaten, indem er als nüchterner und lakonischer Beobachter erzählt.

Durch seine knappe, sachliche Sprache gelingt es Echenoz, die Brutalität des Krieges direkt und unmittelbar darzustellen, den Leser mit einem Gefühl der Fassungslosigkeit zurückzulassen. Besonders eindringlich auch die Beschreibungen des Alltags der Soldaten: Auf zwei Seiten listet er auf, was im und auf dem Tornister alles mitgeschleppt werden musste, was sehr interessant ist - und dem Leser förmlich die Schultern schmerzen lässt.

Gerade die absichtlich holzschnittartigen, austauschbaren Figuren des Romans, mit denen Echenoz ein universelles wie kompaktes Bild des Soldatenlebens im ersten Weltkrieg zeichnet, haben die ansonsten sehr eindringliche Erzählung für mich am Ende doch etwas flüchtig werden lassen - gemessen am Thema des Buches fehlte mir etwas Nachdrückliches. Die Distanz zu den blassen Charakteren ist vielleicht Schuld daran, dass die Geschichte nach der Lektüre in mir nicht recht nachwirken wollte.

Fazit:

Eine kleine, universelle Erzählung über das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg, deren emotionale Kraft sich wegen der blassen Protagonisten bei mir leider wieder allzu schnell verflüchtigt hat.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurz, aber gut, 19. April 2014
Rezension bezieht sich auf: 14: Roman (Kindle Edition)
Frankreich, August 1914. Anthime wird wie die meisten jungen Männer seiner Stadt während der Mobilmachung zur Armee eingezogen. Man geht davon aus, dass sie schnell wieder zu Hause sein werden. Noch wissen sie nicht, was auf sie zukommt, doch schnell holt sie die Brutalität des Ersten Weltkrieges ein.
Jean Echenoz schafft es wunderbar die Stimmung und Atmosphäre in Frankreich zu Beginn des Ersten Weltkrieges einzufangen. Zunächst ist auch seine Sprache leicht und sanft, wenn er den Sommertag beschreibt, an dem Anthime eine Radtour macht bevor er in den Krieg ziehen muss. Oder wenn er die Routine beschreibt, mit der die junge Frau Blanche ihren Tag beginnt, und in der jedes Möbelstück bis auf den Schreibtisch eine Rolle spielt.
Genauso gut beschreibt er aber auch den Krieg in den Schützengräben an der Westfront. Die unendliche Langeweile. Die teilweise unzureichende Ausrüstung der Soldaten und wie sie an die neuen Kriegstechniken angepasst wird. Das massenhafte Sterben, die Verwundeten und die immer mehr schwindende Moral. Es geht aber auch um die Zurückgelassenen, die Frauen, Alten und Kinder, die die Abwesenheit der jungen Männer spüren. Man hat dabei nicht das Gefühl, dass hier etwas spezifisch aus der französischen Perspektive beschrieben wird, ähnliche Geschichten könnten auch in anderen Ländern spielen.
„14“ ist wirklich ein sehr guter Roman zum Ersten Weltkrieg, der auf nur 79 Seiten die verschiedenen Seiten des Krieges wunderbar darstellt.
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14: Roman
14: Roman von Jean Echenoz (Gebundene Ausgabe - 24. Februar 2014)
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