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Kundenrezensionen

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"Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen gehenden Marsches auf das Dach der Welt - den Mount Everest - kommen. Es ist eben jener Jonas, der bereits in zwei früheren Büchern des österreichischen Autors auftritt. Nach "Die Arbeit der Nacht" (2006) und "Das Leben der Wünsche" (2009) liegt nun der Abschluss der Trilogie vor. Ein würdiges Finale mit einem großartigen Text!

Alle drei Bücher sind auf magische Art und Weise miteinander verbunden, können allerdings völlig unabhängig voneinander gelesen werden. Sie bauen weder aufeinander auf, noch setzt das Verständnis des aktuellen Werkes die zwingende Lektüre der beiden Vorgänger voraus. Aber sie greifen immer wieder faszinierend ineinander über. Erneut beschäftigen den Autor die Motive der Angst, Einsamkeit, Sehnsucht und der Freiheit. Über allem schwebt das unendliche Mysterium der Liebe, dieser "großen Sache", von der im ersten Satz die Rede war. Die Handlung ist erneut auf mehreren Ebenen und in diversen Zwischenreichen angesiedelt. Glavinics Held befindet sich eher in einer Zeitkapsel, die wie ein Ping-Pong-Ball im Raum herumgeworfen wird, als dass er einen stringent konstruierten Weg durchwandert. Vieles wird nur angedeutet, aber nicht endgültig gelöst. "Alles ist in Bewegung, nichts ist fertig, alles kann noch passieren oder ist vielleicht schon passiert.", erläutert der Autor im Interview mit seiner Lektorin, das dem Buch vorangestellt ist. Aber gerade dieses Verweben und Vermischen, dieses Kommunizieren des eigenen Ichs mit einem früheren, macht den ungeheuren Reiz bei der Lektüre aus.

Als Rahmenhandlung fungiert Jonas Everest-Besteigung, die in ihrer ganzen Brutalität und Eindringlichkeit derart plastisch wiedergegeben wird, dass man meint, selbst ein Mitglied dieser Jahr für Jahr unzähligen Expeditionen zu sein, die den Berg in immer abenteuerlicher Weise zu bezwingen suchen: Tod, Verletzung und das Infragestellen der menschlichen Würde inklusive. Diese (Un-)Wirklichkeit entgleitet Glavinics Protagonisten immer wieder: "Er tauchte ab aus der Wirklichkeit, er verschwand in sich selbst, in seiner Vergangenheit, er glitt hinüber zu den Bildern, die ohnehin ständig da waren, ob er hinsah oder nicht." Der in Graz geborene Autor versteht es meisterhaft durch wechselnde Kapitel, Schauplätze aus dem Leben seines Protagonisten zu platzieren, beginnend in dessen ungewöhnlicher Kindheit bis zu seinen zahlreichen, rastlosen Odysseen durch die gesamte Welt. "Szenen in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er Schlimmes tat, in denen er allein war und wanderte und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen". Immer auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben und das er in einem kumulierenden Punkt, im "Zentrum eines Jahrhundertsturms" in Gestalt von Marie trifft.

In einer nüchternen und beschreibenden, keineswegs jedoch unverständlich-avantgardistischen, sondern stets gut lesbaren Sprache, ist Thomas Glavinic erneut ein Wurf auf literarisch und stilistisch allerhöchstem Niveau gelungen. Fragen durchziehen das ganze Romangefüge: "Was ist eingeschlossene Zeit"? Ist mein Ich statisch oder dynamisch? Was macht mein Innerstes aus? Wo liegt der Kern meines Wesens? Muss ich für alle Zimmer des Leben immer einen Schlüssel haben oder ist es vielleicht manchmal viel besser, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen? Was bedeutet Vergänglichkeit? Worin bestehen die Zusammenhänge der Welt? Was bin ich? Ständig gewinnt er Erkenntnisse, die bewusst oder unbewusst seine Handlungen bestimmen. Letztendlich wird klar, dass alles mit allem verbunden ist. "Niemand kann sich lösen. Entkommen gibt es keines."

So wie auf dem düsteren Bild, das im Arbeitszimmers von Jonas' Ziehgroßvater hängt, so herrscht auch in Glavinics Roman eine nahezu gespenstische, zuweilen düstere und beklemmende Stimmung, die der Realität zu entgleiten droht. Wie ein Sog zieht das Geschehen den Leser ins Buch. Alles verschwimmt, schiebt sich ineinander, weich und kräftig, diffus und klar, imaginär und wahrhaftig, durchtanzt von Farben, Geräuschen und Bewegungen. Unglaublich beeindruckend sind Thomas Glavinics Beschreibungen am Berg, die er aus Erzählungen seines 2012 tödlich verunglückten Jugendfreundes Gerfried Göschl, der 2005 ohne Sauerstoff und im Alleingang auf dem Everest war, geschöpft hat und die in ihrer Eindringlichkeit und Authentizität erstaunlich imposant, ja, brillant wirken. Doch Vorsicht: Der Roman "gehörte nicht zur Wirklichkeit, es gab nur vor, ein Teil der Wirklichkeit abzubilden". Aber einer großen Sache ist er dennoch gewidmet, "die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient": der Liebe.

Fazit: "Alles ist vergänglich. Du bist vergänglich. Alles vergeht und verweht. Zeit ist neutral. Zeit ist den Dingen gegenüber gleichgültig. Zeit ist unerbittlich. Keine Sekunde, auf die nicht die nächste folgt. Keine Sekunde, die nicht vergangen wäre. Ob schön. Ob schrecklich." Thomas Glavinics Romanfigur und ihr Weg auf den Gipfel der Welt gestalten sich als ein großartiges Gedankenexperiment, das der Stille und dem Rätsel in uns selbst nachspürt. Gleichzeitig ist es ein großes Buch über die Liebe. "Liebe ist oft selbst ein Partner, und oft ist sie Betrug, und dieser Betrug betrügt die Liebe. Manchmal liebt man nur die Idee der Liebe, man redet sich ein, dieses Große zu erleben, nicht ahnend, dass man sich selbst belügt und das Große nur simuliert." Hier jedoch kann man ohne Zweifel feststellen, dass Thomas Glavinics tatsächlich etwas Großes geschaffen hat: großartige Literatur!
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am 13. Mai 2016
Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während der einzelnen Etappen des Aufstiegs - geprägt von permanentem Sauerstoffmangel und lebensbedrohlichen Wetterumschwüngen - lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen.
Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Mike und seinem besten Freund Werner wächst Jonas bei Picco auf, dem Boss, der in allerlei dubiose Geschäfte verwickelt ist und den Jungen ein weitgehend sorgenfreies Dasein ermöglicht. Die Jungen sind mutig, sie sind neugierig und sie sind unzertrennlich.
Doch ihr kindliches Idyll wird eines Tages brutal zerschlagen. Damit beginnt für Jonas eine endlose Suche: Er reist nach Montevideo, Tokio, Oslo, Rom, überhundert Länder sollen es am Ende gewesen sein. Bis er eines Tages Marie trifft.

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So viel zur Handlung des Romans, aber dieses Buch beinhaltet so viel mehr und man muss dafür nicht einmal zwischen den Zeilen lesen. Ein Liebesroman ganz anderer Art, ohne schnulziges Gefasel, ohne kitschige Szenen. Hier wird die Liebe im Großen und Ganzen betrachtet. Die Liebe zur Freiheit, die Liebe zum Leben und die Liebe zur Liebe, die Suche danach und dabei an seine Grenzen zu gehen, um den Sinn zu verstehen.
Dies alles eingebettet in eine wunderschöne Geschichte mit einem atemberaubenden Setting. Der Plot verläuft ruhig, aber nicht weniger spannend. Hier erzählt Jonas seine Geschichte, lässt den Leser an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben - man lacht, man weint und freut sich mit ihm. Der flüssige, flotte und unbeschreibliche Schreibstil Glavinic's tut sein Übriges und lässt einem erst wieder in die Realität zurückkehren, wenn man es zu Ende gelesen hat. Loslassen tut es einem jedoch nicht, es wirkt lange nach und regt zum Nachdenken an.

Fazit:
Kein Roman hat mich jemals so mitgerissen wie dieser hier. Ich habe geweint und viel gelacht, mitgefiebert und mich mitgefreut.
Eine Geschichte die lange nachwirkt und einem zum Nachdenken anregt.
Ein Buch das jeder einmal gelesen haben sollte. Daher gibt es eine absolute Leseempfehlung!
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am 6. Januar 2014
Das Hauptwort im Titel muss man wörtlich nehmen: „Das größere Wunder“ ist ein Märchenbuch: fantastisch, traumhaft und geheimnisvoll. Es bedient Sehnsüchte nach Spiritualität und grenzenloser Freiheit – ich bin nicht überrascht, dass diese Mischung ein größerer Erfolg in Deutschland geworden ist, denn ich glaube, dass Glavinic damit den Zeitgeist trifft.

„Das größere Wunder“ besteht aus zwei Handlungssträngen, die sich kapitelweise streng abwechseln: Der Lebensgeschichte des Helden Jonas, und seiner Besteigung des Mount Everest. Glavinic bedient sich zunächst eines geschickten Kunstgriffs: Die meisten von uns müssen ihren Lebensunterhalt verdienen. Glavinic geht der Frage nach, was eigentlich wäre, wenn man davon befreit wäre. Wie würde man leben? Was würde man tun? Das schafft einigen kreativen Spielraum, den Glavinic für den Strang über Jonas' Lebensgeschichte geschickt nutzt, und ist ein faszinierendes Gedankenspiel: Was würde man selbst tun? Solche Fragen regen zur Selbstreflexion an und machen die Lektüre erfreulich. Jonas macht, was er will, weil er es kann, und wir als Leser folgen ihm staunend und neidisch. Meist unternimmt er sympathische, manchmal extreme Dinge, doch manchmal geht Glavinic mit seinem Helden auch zu weit, etwa in dem er Jonas Selbstjustiz verüben lässt. Im zweiten Strang nähert sich Glavinic explizit der Sinnfrage, die Jonas insgesamt treibt: Warum soll man den höchsten Berg der Welt besteigen? Und um welchen Preis? Das beschreibt Glavinic äußerlich sehr genau, mit kurioser Folge: Einerseits wiederholt sich da einiges (ich bin kein Bergsteiger), andererseits war die Besteigung angesichts der Gefahren spannend zu lesen.

Jonas hat noch eine weitere Besonderheit: Er ist beschützt. Bei den verrücktesten Mutproben und Abenteuern geschieht ihm nichts, er überlebt, während andere ums Leben kommen. Auch den Everest-Aufstieg übersteht er bei größten Widrigkeiten unbeschadet. In der Motivation ist der Roman schwächer: Warum Jonas beschützt ist, wird nicht hergeleitet, sondern ist gesetzte Annahme, auf die man sich einlassen muss – eben Teil des Märchens. Ähnliches kommt öfter vor: An entscheidenden Passagen, in denen man gern gewusst hätte, was Jonas denn nun getan hat (und warum), lässt uns der Autor im Stich. Es heißt dann lapidar, dass Jonas etwas selbst nicht wusste. Bei freundlicher Interpretation wäre das ein Kunstgriff, bei boshafter Ideenlosigkeit. Ich wünsche mir von einem brillanten Romancier, dass er für mich Gedanken formuliert, die ich selber nicht formulieren könnte, in denen ich mich aber wiederfinde. Hier ist mir Glavinic zu vage und oberflächlich, und bleibt schriftstellerisch einiges schuldig. Schade, weil die Idee der Geschichte charmant ist.
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am 23. März 2016
Tolle Geschichte, super geschrieben und erzählt. Spannend war es wie der Aufstieg hinauf zum Berg beschrieben wurde. Ein tolles Buch und unbedingt zu empfehlen.
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TOP 500 REZENSENTam 6. September 2013
Der neue Roman von Thomas Glavinic erzählt uns die Geschichte des Protagonisten "Jonas" unterwegs auf den Berg der Berge, dem Mount Everest. Interessant ist dabei, dass gerade in letzter Zeit die mittlerweile touristenmässige Vermarktung dort doch zu einiger Kritik so manchen Bergsteigers geführt hat. Dazu kommt, die erst kürzlich vorgefallene Konfliktsituation am Berg des Bergsteigers Ueli Steck mit den dortigen Sherpas sowie der Tötung durch Taliban-Mitgliedern von Bergsteigern im dortigen Himalaya- Gebiet. Glavinic's Buch kreist von einem getriebenen Suchen im Aussen, von dem man nicht genau weiss, nach was denn nun gesucht wird. Dann ist da noch jene Liebe mit jener Marie, wo Jonas glaubt, die grosse Liebe gefunden zu haben. Und dann ist da noch eine lang angelegte Rückblendenbearbeitung: Denn während sich Jonas aufmacht den Everest zu besteigen, holen ihn Kindheits- und Jugenderlebnisse wieder ein, die ihn einst geprägt haben. Es ist eine Biographie-Aufarbeitung, während der Everest mit all seinen Gefahren und Strapazen bestiegen werden soll. Wir haben also Mount Everest, Vergangenheit, die einen einholt, die Suche nach der Liebe und ein Getriebensein, wo man meinen könnte, der Protagonist sucht sich selber. Doch tut er das wirklich?

"Ich will wissen, warum man liebt, warum man nicht liebt, was gut und was böse ist und ob es beides gibt, ich will wissen.." Wenn ich solche Sätze lese, werde ich das Gefühl nicht los, dass sich der Autor bei Die Einladung eingelesen und ein wenig abgekupfert hat. Darüber hinaus finde ich die hier formulierten "Lebensweisheiten" über das Leben und über die Liebe gar ein wenig künstlich oder gekünstelt - mit wirklicher Tiefe hat das wenig zu tun. Oder um es anders zu sagen: Wirklich erreicht, haben mich diese Weisheistsätze, auch die Suche danach, kaum bis gar nicht. Insofern ist dieses Buch schon mal gar nicht "Ein Grosses Buch über die Liebe." Andere Sätze wie etwa: "Sinn, danach suchen alle, mehr als Sinn konnte man nicht finden" drücken eher ein getriebenes Suchen aus, als dass es von wirklicher Poetik oder gar Weisheit getragen wäre. Und Sätze wie: "Ich will werden, der ich bin", klingen nach spiritueller Sinnsuche, nur das man bei Thomas Glavinic einfach das Gefühl nicht los wird, dass hier verdächtig nah am Kitsch geschrieben wird. Insofern empfinde ich diese Neuerscheinung nun wirklich nicht als ein grossartiges Buch. Liebe hat in diesem Buch, angesichts seines Umfangs von 520 Seiten einen verschwindend kleinen Anteil:" Liebe ist: den leuchtenden Punkt der Seele des anderen zu erkennen und anzunehmen und in die Arme zu schliessen, vielleicht gar über sich selbst hinaus." Soweit zum Thema Liebe in Glavinic-scher Manier.

Thomas Glavinic arbeitet auf zwei Erzählebenen, die es auszuhalten gilt. Die eine Ebene ist die des Bergsteigers, der sich mit den Gefahren, den Zweifeln, gesundheitlichen Schwierigkeiten und den dortigen Ereignissen konfrontiert sieht, die doch etwas vehement Ernüchterndes an sich haben. Konflikte, gesundheitliche Beschwerden, Menschen die sterben, der Tod in sichtbarer Nähe, Tote die am Weg liegen: Der Erfrierungstod scheint unscheinbar nah. Die Menschen dort kommen an ihre Grenzen, Abgründe, Verzweiflung, Angst, Einschätzbarkeit von Risiken, Verantwortung, das ganze Programm bekommt man serviert. Man bekommt den Eindruck, hier hat jemand gründlich recherchiert. Vieles davon wirkt nah und realistisch, so dass man sich Vieles leibhaftig vorstellen kann. Parallel dazu erzählt Thomas Glavinic, das Heranwachsen des Protagonisten Jonas, der aus schwierigen Familienverhältnissen kommt. Seine Mutter ist eine Alkoholikerin, von ihrem Freund wird er krankenhausreif geschlagen und schliesslich von Picco grossgezogen. Einem undurchschaubaren Paten der mafiaähnliche Züge trägt. Jonas weiss nur wenig über seine Mutter...seine Eltern, Geld gibt es genügend. Der junge Erwachsene kann um die ganze Welt reisen, kann sich ein Baumhaus für eine 1 Mio. bauen lassen, eine Insel kaufen oder ein Schiff bauen lassen. So manchen Kontakt wird er dabei verlieren, denn der eine oder andere Jugendfreund stirbt im Laufe der fortschreitenden Zeit. Der Mangel an Liebe die leise schwingende Einsamkeit und vielleicht auch die Sehnsucht nach Liebe durchziehen diesen Roman, wie eine ganz leise Melodie..

Die Sprache in diesem Roman finde ich stellenweise, wirklich alles andere als irgendwie besonders. Der Wechsel der Erzählebenen kann gewöhnungsbedürftig bis mühsam, beim Lesen erlebt werden. Eine wirkliche Lesefreude ist bei mir bei diesem Roman nicht wirklich aufgekommen. Viele Textstellen musste ich immer wieder wiederholen, ohne wirklich den Sinn des Geschriebenen plausibel nachvollziehen zu können. Gegen Ende des Romans vermischen sich Realität und Halluzination immer mehr, als Leser weiss man gar nicht mehr bin ich jetzt da oder dort...Natürlich kann das gewollt sein, nur ist die Frage, wie geht es mir als Leser damit? Und: Wollte Glavinic dem Leser, eine ähnliche Erfahrung ermöglichen, in dem er den Leser in ähnliche Erfahrungsräume schickt? Wo das Reale mit dem Eingebildeten eine Art Synthese eingeht? Obwohl ich Einige gut geschriebenen Passagen orten konnte, und auch das Schreibtalent eines Thomas Glavinic erspüren konnte, überzeugt dieser Roman einfach nicht. Über lange Strecken habe ich ihn sogar als recht zäh und mühsam erlebt. Einen zunehmenden Widerstand beim Lesen, ständig einem Wechsel ausgesetzt zu sein: Bin ich jetzt in seiner Jugend, oder am Himalaya?, möchte ich hier nicht verschweigen. Die Begeisterung für diesen Roman kann ich leider nicht nachvollziehen, bin ich doch mit einer gewissen faden Unzufriedenheit aus diesem Roman herausgekommen: der einen Funken der Überzeugung nun wirklich nicht in mir entfachen konnte. Aber immerhin war es eine gute Gelegenheit, diesen österreichischen Autor aus Wien kennenzulernen.
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am 26. Januar 2016
Ich bin ganz fassungslos über den Erfolg dieses überaus schwachen und dabei so hochgelobten Romans. Gut, man muss sich auf das Genre einlassen: Es ist ein Märchen. Ich war darauf nicht vorbereitet und kam daher mit all diesen magischen Zufällen nicht klar: Jonas wird durch Adoption aus unglückseliger Kindheit errettet und in ein Leben voller Freiheit, Förderung, Inspiration und vor allem: ohne Geldsorgen erhoben. Darüber hinaus ist er einfach ein Wunderkind, das alle Sprachen spricht, alle körperlichen Herausforderungen meistert, telepathische Kräfte hat... Geschenkt, nehmen wir das mal so hin.
Glavinics Grundgedanke: Was würde Einer machen, dem sich eine solche Chance im Leben böte? Die Antwort: Jonas reist nach Mailand, nach Südamerika, nach Japan und zurück, an einem Tag, die Woche darauf wieder, so viel ist noch keiner in einem Roman ohne Ergebnis gereist, und es sind bloße Aufzählungen, das nervt.
Jonas' Rastlosigkeit und die Erzählung seiner Irrfahrten wird kontrastiert mit Kapiteln über seine Ersteigung des Mount Everest. Die Einblicke in das längst professionelle Business des Bergsteigens selbst in diesen extremen Höhen sind noch das Spannendste an dem Roman. Aber dann lese ich doch lieber ein Sachbuch.
Und dann dachte ich: Das sollte doch ein Liebesroman sein? Die Liebesgeschichte spielt aber eigentlich eine sehr untergeordnete Rolle. Es ist ein Zerwürfnis, das Jonas auf den Berg und in die Todeszone treibt - eine ziemlich radikale Maßnahme, wo man schon die Gründe für das Zerwürfnis kaum nachvollziehen kann. Naja, das Ende will ich nicht verraten, aber ich finde es eine Frechheit, wie ein so schwach konstruierter, auch so schlecht geschriebener Roman so gehypt werden darf.
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am 2. Oktober 2014
Zunächst: insgesamt kein schlechtes Buch, gut zu lesen, über weite Strecken packend, mit vielen Überraschungen und manchem schönen Fundstück. Der Everest-Teil, der gefühlt die Hälfte des Buchs ausmacht, ist gekonnt und fachkundig geschrieben und spricht vor allem Bergsteiger und Berginteressierte an.
Komma, aber: Insbesondere der Teil mit der Rückblende auf Jonas' bisheriges Leben ist zu übertrieben, zu bombastisch, zu unrealistisch. Eine Sensation jagt die nächste, da werden Inseln gekauft, Eisenbahnwaggons um die halbe Welt und zurück transportiert, Menschen umgebracht und mal kurz Wohnungen für zwei Jahre bezogen und in der Zwischenzeit nie verlassen. Es ist einfach zu viel des Guten. Dazu ganz viel Pathos, ganz große Gefühle, ganz große Philosophie - was aber mit dem Feuerwerk der Effekte einfach nicht zusammenpasst. Die größten Bücher über die Liebe spielen im schlichtesten Milieu, bei den einfachsten, unschuldigsten Personen - Dshamilja von Tschingis Aitmatov ist beispielsweise so ein großer Liebesroman mit allereinfachsten Protagonisten. Hier dagegen bleibt der Hauptdarsteller Jonas als literarische Figur bemerkenswert blass, eine Person ohne Tiefgang, kein tiefgründiger Mensch, der Welten in sich vereint. Stattdessen ist es eher eine laute Abfolge von spektakulären, eher oberflächlich bleibenden Episoden: eine geheimnisvolle Burg mit versperrten Zimmern; beliebiges, zielloses und wirres Reisen rund um die Welt, halsbrecherische Surf- und Traktoraktionen, Sonnenfinsternisse - darunter macht's der Autor nicht. Das Beste und Realistischste von allem ist und bleibt tatsächlich die Everest-Besteigung, aber auch für die gilt, was fürs ganze Buch gilt: Fast alle vorkommenden Personen sind obercoole Sprücheklopfer, die offenbar ausschließlich ironisch, sarkastisch, veräppelnd und genervt miteinander kommunizieren. Das zu lesen, ist oft unterhaltsam, aber nicht aus dem echten Leben gegriffen. Insgesamt trotz dieser Kritik kein schlechter Roman, passagenweise sogar ein guter, aber sicher kein großer. In jedem Fall aber unterhaltsam und kaum langweilig.
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am 6. Januar 2016
Das beste Buch das ich in 2015 gelesen hab - ich konnte es gar nicht weglegen.
Glavinic schafft es einen komplett in die Geschichte von Jonas hineinzuziehen.
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am 6. Juni 2016
Das Buch ist gut. Aber ich muss einige Abstriche machen. Ich habe selten erlebt, dass ich nach der Hälfte des Buches noch immer nicht wusste, ob ich es gut oder schlecht finde. Nach 2/3 wusste ich, dass ich es gut finde. Allerdings wirken die Rückblenden auf das Leben von Jonas und seine seltsamen und chaotischen Reisen manchmal etwas bunt zusammengewürfelt ohne echten Zusammenhang. Das übergreifende Thema der Liebe geht aber dabei nicht verloren und wird einfühlsam und tiefsinnig dargestellt. Interessant sind die eingestreuten Hintergrundinformationen über den Mount Everest.
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am 9. August 2015
Die Geschichte erzählt das Leben von Jonas. Im Wechsel zwischen Gegenwart (Besteigung des Mount Everest) und Rückblenden auf das bisherige Leben von Jonas entwickelt sich eine durchaus spannende und zutiefst menschliche Geschichte.

Es ist schwierig das Buch zu beschreiben ohne zu viel vorweg zu nehmen. Im Grunde geht es um die Frage: Wonach suchen wir? Und eine Frage, die mir besonders im Kopf herumgeistert ist: Wer wäre ich, wenn Geld keine Rolle spielte? Auch wenn es immer wieder Thema ist: Geld ist kein Ersatz für echte menschliche Beziehungen. Und wieviele „echte“ Beziehungen geht man im Leben ein?

Ein paar Passagen im Buch sind leicht abgedreht aber trotzdem (oder gerade deswegen?) sehr ansprechend. Ich wollte das Buch, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: Sehr empfehlenswert.
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