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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen König der Zeitkapsel oder: "Jeder ist jemand"
"Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen...
Vor 16 Monaten von HeikeG veröffentlicht

versus
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein schlechter Roman, vielleicht sogar ein guter, aber sicher kein großer
Zunächst: insgesamt kein schlechtes Buch, gut zu lesen, über weite Strecken packend, mit vielen Überraschungen und manchem schönen Fundstück. Der Everest-Teil, der gefühlt die Hälfte des Buchs ausmacht, ist gekonnt und fachkundig geschrieben und spricht vor allem Bergsteiger und Berginteressierte an.
Komma, aber: Insbesondere der...
Vor 2 Monaten von Joachim Burghardt veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein schlechter Roman, vielleicht sogar ein guter, aber sicher kein großer, 2. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zunächst: insgesamt kein schlechtes Buch, gut zu lesen, über weite Strecken packend, mit vielen Überraschungen und manchem schönen Fundstück. Der Everest-Teil, der gefühlt die Hälfte des Buchs ausmacht, ist gekonnt und fachkundig geschrieben und spricht vor allem Bergsteiger und Berginteressierte an.
Komma, aber: Insbesondere der Teil mit der Rückblende auf Jonas' bisheriges Leben ist zu übertrieben, zu bombastisch, zu unrealistisch. Eine Sensation jagt die nächste, da werden Inseln gekauft, Eisenbahnwaggons um die halbe Welt und zurück transportiert, Menschen umgebracht und mal kurz Wohnungen für zwei Jahre bezogen und in der Zwischenzeit nie verlassen. Es ist einfach zu viel des Guten. Dazu ganz viel Pathos, ganz große Gefühle, ganz große Philosophie - was aber mit dem Feuerwerk der Effekte einfach nicht zusammenpasst. Die größten Bücher über die Liebe spielen im schlichtesten Milieu, bei den einfachsten, unschuldigsten Personen - Dshamilja von Tschingis Aitmatov ist beispielsweise so ein großer Liebesroman mit allereinfachsten Protagonisten. Hier dagegen bleibt der Hauptdarsteller Jonas als literarische Figur bemerkenswert blass, eine Person ohne Tiefgang, kein tiefgründiger Mensch, der Welten in sich vereint. Stattdessen ist es eher eine laute Abfolge von spektakulären, eher oberflächlich bleibenden Episoden: eine geheimnisvolle Burg mit versperrten Zimmern; beliebiges, zielloses und wirres Reisen rund um die Welt, halsbrecherische Surf- und Traktoraktionen, Sonnenfinsternisse - darunter macht's der Autor nicht. Das Beste und Realistischste von allem ist und bleibt tatsächlich die Everest-Besteigung, aber auch für die gilt, was fürs ganze Buch gilt: Fast alle vorkommenden Personen sind obercoole Sprücheklopfer, die offenbar ausschließlich ironisch, sarkastisch, veräppelnd und genervt miteinander kommunizieren. Das zu lesen, ist oft unterhaltsam, aber nicht aus dem echten Leben gegriffen. Insgesamt trotz dieser Kritik kein schlechter Roman, passagenweise sogar ein guter, aber sicher kein großer. In jedem Fall aber unterhaltsam und kaum langweilig.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Charmant, aber vage, 6. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Hauptwort im Titel muss man wörtlich nehmen: „Das größere Wunder“ ist ein Märchenbuch: fantastisch, traumhaft und geheimnisvoll. Es bedient Sehnsüchte nach Spiritualität und grenzenloser Freiheit – ich bin nicht überrascht, dass diese Mischung ein größerer Erfolg in Deutschland geworden ist, denn ich glaube, dass Glavinic damit den Zeitgeist trifft.

„Das größere Wunder“ besteht aus zwei Handlungssträngen, die sich kapitelweise streng abwechseln: Der Lebensgeschichte des Helden Jonas, und seiner Besteigung des Mount Everest. Glavinic bedient sich zunächst eines geschickten Kunstgriffs: Die meisten von uns müssen ihren Lebensunterhalt verdienen. Glavinic geht der Frage nach, was eigentlich wäre, wenn man davon befreit wäre. Wie würde man leben? Was würde man tun? Das schafft einigen kreativen Spielraum, den Glavinic für den Strang über Jonas' Lebensgeschichte geschickt nutzt, und ist ein faszinierendes Gedankenspiel: Was würde man selbst tun? Solche Fragen regen zur Selbstreflexion an und machen die Lektüre erfreulich. Jonas macht, was er will, weil er es kann, und wir als Leser folgen ihm staunend und neidisch. Meist unternimmt er sympathische, manchmal extreme Dinge, doch manchmal geht Glavinic mit seinem Helden auch zu weit, etwa in dem er Jonas Selbstjustiz verüben lässt. Im zweiten Strang nähert sich Glavinic explizit der Sinnfrage, die Jonas insgesamt treibt: Warum soll man den höchsten Berg der Welt besteigen? Und um welchen Preis? Das beschreibt Glavinic äußerlich sehr genau, mit kurioser Folge: Einerseits wiederholt sich da einiges (ich bin kein Bergsteiger), andererseits war die Besteigung angesichts der Gefahren spannend zu lesen.

Jonas hat noch eine weitere Besonderheit: Er ist beschützt. Bei den verrücktesten Mutproben und Abenteuern geschieht ihm nichts, er überlebt, während andere ums Leben kommen. Auch den Everest-Aufstieg übersteht er bei größten Widrigkeiten unbeschadet. In der Motivation ist der Roman schwächer: Warum Jonas beschützt ist, wird nicht hergeleitet, sondern ist gesetzte Annahme, auf die man sich einlassen muss – eben Teil des Märchens. Ähnliches kommt öfter vor: An entscheidenden Passagen, in denen man gern gewusst hätte, was Jonas denn nun getan hat (und warum), lässt uns der Autor im Stich. Es heißt dann lapidar, dass Jonas etwas selbst nicht wusste. Bei freundlicher Interpretation wäre das ein Kunstgriff, bei boshafter Ideenlosigkeit. Ich wünsche mir von einem brillanten Romancier, dass er für mich Gedanken formuliert, die ich selber nicht formulieren könnte, in denen ich mich aber wiederfinde. Hier ist mir Glavinic zu vage und oberflächlich, und bleibt schriftstellerisch einiges schuldig. Schade, weil die Idee der Geschichte charmant ist.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen König der Zeitkapsel oder: "Jeder ist jemand", 27. August 2013
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen gehenden Marsches auf das Dach der Welt - den Mount Everest - kommen. Es ist eben jener Jonas, der bereits in zwei früheren Büchern des österreichischen Autors auftritt. Nach "Die Arbeit der Nacht" (2006) und "Das Leben der Wünsche" (2009) liegt nun der Abschluss der Trilogie vor. Ein würdiges Finale mit einem großartigen Text!

Alle drei Bücher sind auf magische Art und Weise miteinander verbunden, können allerdings völlig unabhängig voneinander gelesen werden. Sie bauen weder aufeinander auf, noch setzt das Verständnis des aktuellen Werkes die zwingende Lektüre der beiden Vorgänger voraus. Aber sie greifen immer wieder faszinierend ineinander über. Erneut beschäftigen den Autor die Motive der Angst, Einsamkeit, Sehnsucht und der Freiheit. Über allem schwebt das unendliche Mysterium der Liebe, dieser "großen Sache", von der im ersten Satz die Rede war. Die Handlung ist erneut auf mehreren Ebenen und in diversen Zwischenreichen angesiedelt. Glavinics Held befindet sich eher in einer Zeitkapsel, die wie ein Ping-Pong-Ball im Raum herumgeworfen wird, als dass er einen stringent konstruierten Weg durchwandert. Vieles wird nur angedeutet, aber nicht endgültig gelöst. "Alles ist in Bewegung, nichts ist fertig, alles kann noch passieren oder ist vielleicht schon passiert.", erläutert der Autor im Interview mit seiner Lektorin, das dem Buch vorangestellt ist. Aber gerade dieses Verweben und Vermischen, dieses Kommunizieren des eigenen Ichs mit einem früheren, macht den ungeheuren Reiz bei der Lektüre aus.

Als Rahmenhandlung fungiert Jonas Everest-Besteigung, die in ihrer ganzen Brutalität und Eindringlichkeit derart plastisch wiedergegeben wird, dass man meint, selbst ein Mitglied dieser Jahr für Jahr unzähligen Expeditionen zu sein, die den Berg in immer abenteuerlicher Weise zu bezwingen suchen: Tod, Verletzung und das Infragestellen der menschlichen Würde inklusive. Diese (Un-)Wirklichkeit entgleitet Glavinics Protagonisten immer wieder: "Er tauchte ab aus der Wirklichkeit, er verschwand in sich selbst, in seiner Vergangenheit, er glitt hinüber zu den Bildern, die ohnehin ständig da waren, ob er hinsah oder nicht." Der in Graz geborene Autor versteht es meisterhaft durch wechselnde Kapitel, Schauplätze aus dem Leben seines Protagonisten zu platzieren, beginnend in dessen ungewöhnlicher Kindheit bis zu seinen zahlreichen, rastlosen Odysseen durch die gesamte Welt. "Szenen in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er Schlimmes tat, in denen er allein war und wanderte und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen". Immer auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben und das er in einem kumulierenden Punkt, im "Zentrum eines Jahrhundertsturms" in Gestalt von Marie trifft.

In einer nüchternen und beschreibenden, keineswegs jedoch unverständlich-avantgardistischen, sondern stets gut lesbaren Sprache, ist Thomas Glavinic erneut ein Wurf auf literarisch und stilistisch allerhöchstem Niveau gelungen. Fragen durchziehen das ganze Romangefüge: "Was ist eingeschlossene Zeit"? Ist mein Ich statisch oder dynamisch? Was macht mein Innerstes aus? Wo liegt der Kern meines Wesens? Muss ich für alle Zimmer des Leben immer einen Schlüssel haben oder ist es vielleicht manchmal viel besser, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen? Was bedeutet Vergänglichkeit? Worin bestehen die Zusammenhänge der Welt? Was bin ich? Ständig gewinnt er Erkenntnisse, die bewusst oder unbewusst seine Handlungen bestimmen. Letztendlich wird klar, dass alles mit allem verbunden ist. "Niemand kann sich lösen. Entkommen gibt es keines."

So wie auf dem düsteren Bild, das im Arbeitszimmers von Jonas' Ziehgroßvater hängt, so herrscht auch in Glavinics Roman eine nahezu gespenstische, zuweilen düstere und beklemmende Stimmung, die der Realität zu entgleiten droht. Wie ein Sog zieht das Geschehen den Leser ins Buch. Alles verschwimmt, schiebt sich ineinander, weich und kräftig, diffus und klar, imaginär und wahrhaftig, durchtanzt von Farben, Geräuschen und Bewegungen. Unglaublich beeindruckend sind Thomas Glavinics Beschreibungen am Berg, die er aus Erzählungen seines 2012 tödlich verunglückten Jugendfreundes Gerfried Göschl, der 2005 ohne Sauerstoff und im Alleingang auf dem Everest war, geschöpft hat und die in ihrer Eindringlichkeit und Authentizität erstaunlich imposant, ja, brillant wirken. Doch Vorsicht: Der Roman "gehörte nicht zur Wirklichkeit, es gab nur vor, ein Teil der Wirklichkeit abzubilden". Aber einer großen Sache ist er dennoch gewidmet, "die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient": der Liebe.

Fazit: "Alles ist vergänglich. Du bist vergänglich. Alles vergeht und verweht. Zeit ist neutral. Zeit ist den Dingen gegenüber gleichgültig. Zeit ist unerbittlich. Keine Sekunde, auf die nicht die nächste folgt. Keine Sekunde, die nicht vergangen wäre. Ob schön. Ob schrecklich." Thomas Glavinics Romanfigur und ihr Weg auf den Gipfel der Welt gestalten sich als ein großartiges Gedankenexperiment, das der Stille und dem Rätsel in uns selbst nachspürt. Gleichzeitig ist es ein großes Buch über die Liebe. "Liebe ist oft selbst ein Partner, und oft ist sie Betrug, und dieser Betrug betrügt die Liebe. Manchmal liebt man nur die Idee der Liebe, man redet sich ein, dieses Große zu erleben, nicht ahnend, dass man sich selbst belügt und das Große nur simuliert." Hier jedoch kann man ohne Zweifel feststellen, dass Thomas Glavinics tatsächlich etwas Großes geschaffen hat: großartige Literatur!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von verschollenen Geistern und den eigenen Grenzen, 10. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auf dem steinigen, eisigen Weg durch die Todeszone auf den Mount Everest überdenkt Jonas sein Leben. Gemeinsam mit ihm durchstreifen wir die Etappen vom Basislager zu den höher gelegenen Lagern und wieder retour. Doch Jonas steigt allein. Auch wenn die Gruppe vielfältig ist, wenn Bergführer, Sherpa und Expeditionsleiter ihn begleiten, drei Menschen fehlen in Jonas Leben.

Das sind sein Zwillingsbruder Mike, der behindert zur Welt kam, Werner, der auch am gleichen Tag das Licht der Welt erblickte und schließlich Maria, die Einzige, die Seele, die er verloren hatte. Sie waren ihm abhanden gekommen auf seinem Suche nach den Grenzen dieser Welt in der Geschwindigkeit des heutigen Zeitgeistes.

"Er wurde zum Geist, er flog durch die Welt mit einem Bewusstsein, das sich mehr und mehr von dem der anderen Menschen entfernte ... unglücklich war er selten, glücklich nie." S367

Aufgewachsen waren die drei Jungen Jonas, Mike und Werner gemeinsam in Wohlstand und unter dem Schutz von Werners Großvater Picco, einem Millionär und Capo-ähnlichem Kaliber eines oberösterreichischen Ganoven. Doch waren die Jungen nicht nur in finanzieller Sicherheit aufgewachsen, sie wurden auch als junge Menschen gefördert mit diversen Privatlehrer und einer Vielzahl kluger Fragen, die Picco den Jungen gestellt hatte, um ihre Neugier zu schüren, die Neugier auf eine ganze Welt!

Die Erzählungen aus Kindheit und Jugend sind unglaublich luftig und leicht, nicht allein gespickt von Lausbubenstreichen und allerlei Dummheiten finden sich auch sehr spannenden Szenen aus der Welt des Erwachsenwerdens und der Frage nach dem eigenen Ich. Sehr gut gelungen.

Abwechselnd erzählt Thomas Glavinic von Jonas Reise in der Todeszone und seiner rasanten Kindheit und Jugend, die in einer rastlosten Reise um die ganze Welt mündet, wodurch mich Leser ein unsagbarer Sog packte und ohne Pause durch die Handlung führte. Beide Stränge finden sich am Ende zum finalen Kampf der Geister der Vergangenheit mit dem höchsten Berg der Welt ein. Was bleibt vom Leben, wenn diese Reise getan ist?

Ein überaus spannender und origineller Roman von Verlust, der Suche nach dem eigenen Ich und dessen Grenzen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das größere Wunder, 2. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Kindle Edition)
Dies war das erste Buch, das ich von Thomas Glavinic las, und ich bin mir (noch) nicht sicher, ob noch weitere folgen werden; überhaupt bin ich mir nicht sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Das liegt meinem Eindruck nach v.a. daran, dass es sich hier eigentlich eher um zwei Bücher handelt: Einerseits um die Erzählung der Jugendgeschichte der Hauptfigur namens Jonas, andererseits der Bericht von der Everest-Besteigung, zentriert wiederum um eine Figur namens Jonas. Beide Handlungsstränge werden parallel erzählt, über den Großteil des Buches in abwechselnden Kapiteln. Nun ist schon klar, das es sich hier um ein und denselben Jonas handelt, doch während die Everest-Geschichte realistisch und sehr gut recherchiert wirkt (nicht, dass ich das beurteilen könnte), macht Jonas’ Jugend-Geschichte einen recht unglaubwürdigen, fast märchenhaften Eindruck auf mich. Jonas und sein Freund Werner sind als Jugendliche schlicht unglaubwürdig, und zumindest Jonas wirkt eher wie eine Art Mischung aus Hans im Glück mit Aschenputtel – mit einem Mafia-Paten (?) als guter Fee. Was nun die Funktion der Everest-Besteigung sein soll, blieb mir auch unklar. Liegt vielleicht an mir ...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Unglaublicher Roman., 26. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Diesen Roman habe ich mit sehr sehr großem Vergnügen gelesen.
Der Schreibstil Glavinics sollte den Roman in die Reihe der ganz großen neben bwps. der "Vermessung der Welt" katapultieren.
Ganz große Empfehlung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch, 22. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin kein Bergfan.

Aber dennoch (oder auch deswegen) war es mir unmöglich, mich dem Reiz der Gefahr, der Gedanken, der Erinnerung zu entziehen, die Glavinic vor meinen Augen ausbreitete.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf dem Gipfel sinnlosen Tuns, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Mount Everest bildet so etwas wie den Kulminationspunkt in Thomas Glavinics neuem Roman «Das größere Wunder». Schon das Umschlagfoto lässt keinen Zweifel daran, hier geht es ums Bergsteigen der extremen Art, und gleich die ersten Sätze bestätigen diese Vermutung, wenn von Sherpas die Rede ist, vom Basislager und von Toten, die vorbeigetragen werden. Normalerweise würde ich mich da, um im Jargon der Alpinisten zu bleiben, sofort ausklinken aus dem Führungsseil, das Buch also ungelesen zu Seite legen, weil mich todesmutige Extremkletterer nun mal überhaupt nicht interessieren, sogar ziemlich abstoßen mit ihrer fatalen Sucht nach Selbstbestätigung, nach Nervenkitzel, nach Todesnähe. Schon nach wenigen Seiten aber, im zweiten Kapitel, wechselt der Erzählstrang zu einer fürwahr haarsträubenden Geschichte hin, der Jugend des Protagonisten Jonas nämlich und seiner anschließenden, rastlosen Sinnsuche, die den Leser in einem aberwitzigen Plot unwillkürlich in ihren Bann zieht. Er dürfte Glavinic-Fans schon aus den beiden vorher erschienenen Romanen diese Trilogie bekannt sein, «Die Arbeit der Nacht» und «Das Leben der Wünsche», das vorliegende Buch ist aber eigenständig zu lesen, es baut nicht auf die vorhergehenden Romane auf.

Es gehört unzweifelhaft zu den angestammten Privilegien von Romanautoren, die Realität nach Gutdünken ausblenden zu können, völlig irreale Traumwelten zu ersinnen, dem Leser also eine Welt zu schildern, die es so nicht gibt und geben kann. Davon wird ja nicht erst seit Karl May Gebrauch gemacht, wo jeder insgeheim selbst Old Shatterhand ist, solange er das Buch in Händen hält. Und solche Identifikationsmuster liefert uns hier auch Galvinic mit seinem faustischen Helden Jonas, der über unerschöpflich scheinende Geldmittel und überirdische Fähigkeiten verfügt und beides dazu nutzt, permanent Grenzerfahrungen zu machen, den Sinn des Lebens herauszufinden im absurden Selbstexperiment. «Nichts ist unmöglich» ist die Devise bei seinem skurrilen Selbstfindungstrip rund um den Erdball, sorglos probiert er alles aus ohne Angst vor dem Tod, und das alles kulminiert am Ende des Romans in der erfolgreichen Besteigung des Mount Everest, bei der denn auch die bis dahin immer schön kapitelweise getrennt erzählten Stränge der Handlung zusammenmünden. Dass es die Liebe ist, nach der er unbewusst gesucht hat, die große, einmalige natürlich, ist vorhersehbar, kitschig und höchst peinlich.

Die viel zu ausufernd erzählte Bergsteigerstory mag Alpinisten erfreuen, der Laie, wie ich einer bin, langweilt sich hingegen und grübelt häufig, ob das wirklich alles so stimmen kann, wie der Autor es schildert. Die Hundertschaften von Himalaya-Verrückten machen jedenfalls wütend in Hinblick die Umweltzerstörung, die da angerichtet wird auf dem Dach der Welt. Der Held in Glavinics haarsträubender Geschichte in der zweiten Erzählebene versteht mühelos fast alle Sprachen der Welt und spricht die meisten auch, er reist der Sonnenfinsternis rund um den Erdball hinterher, lässt sich ein fünfstöckiges Baumhaus und einen Viermast-Segler bauen, kauft sich eine Südseeinsel, hat diverse Wohnungen in den Metropolen, die er nur selten nutzt, aber auch eine in der Nähe von Tschernobyl. Und natürlich fliegen auch viele Frauen auf ihn, na und die letzte, Marie, ist es dann, auf die alles hinsteuert, unser moderner Faust ist letztendlich am Ziel seiner Suche nach der Wahrheit.

Wer nicht den Fehler macht, ernst zu nehmen, was er da liest, wer das Ganze als zuweilen sogar spannendes Märchen liest, wer nicht erschreckt, wenn nur zur Gaudi eine Ziege mit der Panzerfaust erschossen wird, einem unsensiblen Zahnarzt zur Strafe alle Zähne gezogen werden, ohne Betäubung, versteht sich, der wird vielleicht gut unterhalten in diesem Roman, als Alpinist möglicherweise sogar sehr gut.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einige Fragezeichen..., 19. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Kindle Edition)
Gut lesbar, weil flüssig geschrieben. Für mich als Leser leider nicht immer so ganz stimmiges Konzept. Teilweise sehr konstruierte, idealisisierte Handlung. Oft ist man der Hauptperson sehr, sehr nah - und dann plötzlich recht extreme Brüche... Man fliegt förmlich aus der Geschichte heraus. Schaut von ausserhalb zu - auf die so ach so begabten, schönen, weltreisenden, Sinn-Suchenden. Geld spielt keine Rolle. Es ist genug davon da. Abgehoben.
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30 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen ...man kann ihn mögen, 17. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man kann ihn mögen diesen Roman - nehme ich an. Ich mochte ihn nicht! Unbestritten - erzählen kann sein Autor, ganz toll sogar. Und vielleicht hätte die Geschichte als Parodie auf diverse Groschenromane ja auch ganz interessant werden können. Allerdings befürchte ich, dass sie ernst gemeint war. Der Plot an den Haaren herbeigezogen, die Charaktere platt, die Lebensweisheiten Klischees...das Ding strotzt vor pupertärer Abenteuerromantik. Alles Zutaten für einen kurzweiligen Trashfetzen, der alleine schon drei Bewertungspunkte verdient hätte. Das Ganze dann noch satirisch überhöht und schon wäre ein durchaus vielschichtig interpretier- und diskutierbarer Roman möglich. Hier finde ich allerdings keine Spur von augenzwinkernder Distanz, oder ironischen Zitaten. Offenbar alles echt und ernst gemeint. Von einem Autor diesen Kalibers, war das Ergebnis für mich daher enttäuschend! Ich kann auch beileibe nicht nachvollziehen, aus welchem Grund der Text als ernstzunehmende literarische Arbeit diskutiert wird. Den Funken, der Trash zu Kunst werden lässt, die literarische Suppendose gewissermaßen, habe ich hier nicht gefunden. Obwohl: die Grenzen der Interpretierbarkeit existieren nicht - also: ...man kann ihn mögen!
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Das größere Wunder: Roman
Das größere Wunder: Roman von Thomas Glavinic (Gebundene Ausgabe - 26. August 2013)
EUR 22,90
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