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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen König der Zeitkapsel oder: "Jeder ist jemand"
"Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen...
Vor 7 Monaten von HG veröffentlicht

versus
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Charmant, aber vage
Das Hauptwort im Titel muss man wörtlich nehmen: „Das größere Wunder“ ist ein Märchenbuch: fantastisch, traumhaft und geheimnisvoll. Es bedient Sehnsüchte nach Spiritualität und grenzenloser Freiheit – ich bin nicht überrascht, dass diese Mischung ein größerer Erfolg in Deutschland geworden ist, denn ich...
Vor 3 Monaten von Kai Bargmann veröffentlicht


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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Charmant, aber vage, 6. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Hauptwort im Titel muss man wörtlich nehmen: „Das größere Wunder“ ist ein Märchenbuch: fantastisch, traumhaft und geheimnisvoll. Es bedient Sehnsüchte nach Spiritualität und grenzenloser Freiheit – ich bin nicht überrascht, dass diese Mischung ein größerer Erfolg in Deutschland geworden ist, denn ich glaube, dass Glavinic damit den Zeitgeist trifft.

„Das größere Wunder“ besteht aus zwei Handlungssträngen, die sich kapitelweise streng abwechseln: Der Lebensgeschichte des Helden Jonas, und seiner Besteigung des Mount Everest. Glavinic bedient sich zunächst eines geschickten Kunstgriffs: Die meisten von uns müssen ihren Lebensunterhalt verdienen. Glavinic geht der Frage nach, was eigentlich wäre, wenn man davon befreit wäre. Wie würde man leben? Was würde man tun? Das schafft einigen kreativen Spielraum, den Glavinic für den Strang über Jonas' Lebensgeschichte geschickt nutzt, und ist ein faszinierendes Gedankenspiel: Was würde man selbst tun? Solche Fragen regen zur Selbstreflexion an und machen die Lektüre erfreulich. Jonas macht, was er will, weil er es kann, und wir als Leser folgen ihm staunend und neidisch. Meist unternimmt er sympathische, manchmal extreme Dinge, doch manchmal geht Glavinic mit seinem Helden auch zu weit, etwa in dem er Jonas Selbstjustiz verüben lässt. Im zweiten Strang nähert sich Glavinic explizit der Sinnfrage, die Jonas insgesamt treibt: Warum soll man den höchsten Berg der Welt besteigen? Und um welchen Preis? Das beschreibt Glavinic äußerlich sehr genau, mit kurioser Folge: Einerseits wiederholt sich da einiges (ich bin kein Bergsteiger), andererseits war die Besteigung angesichts der Gefahren spannend zu lesen.

Jonas hat noch eine weitere Besonderheit: Er ist beschützt. Bei den verrücktesten Mutproben und Abenteuern geschieht ihm nichts, er überlebt, während andere ums Leben kommen. Auch den Everest-Aufstieg übersteht er bei größten Widrigkeiten unbeschadet. In der Motivation ist der Roman schwächer: Warum Jonas beschützt ist, wird nicht hergeleitet, sondern ist gesetzte Annahme, auf die man sich einlassen muss – eben Teil des Märchens. Ähnliches kommt öfter vor: An entscheidenden Passagen, in denen man gern gewusst hätte, was Jonas denn nun getan hat (und warum), lässt uns der Autor im Stich. Es heißt dann lapidar, dass Jonas etwas selbst nicht wusste. Bei freundlicher Interpretation wäre das ein Kunstgriff, bei boshafter Ideenlosigkeit. Ich wünsche mir von einem brillanten Romancier, dass er für mich Gedanken formuliert, die ich selber nicht formulieren könnte, in denen ich mich aber wiederfinde. Hier ist mir Glavinic zu vage und oberflächlich, und bleibt schriftstellerisch einiges schuldig. Schade, weil die Idee der Geschichte charmant ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen König der Zeitkapsel oder: "Jeder ist jemand", 27. August 2013
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen gehenden Marsches auf das Dach der Welt - den Mount Everest - kommen. Es ist eben jener Jonas, der bereits in zwei früheren Büchern des österreichischen Autors auftritt. Nach "Die Arbeit der Nacht" (2006) und "Das Leben der Wünsche" (2009) liegt nun der Abschluss der Trilogie vor. Ein würdiges Finale mit einem großartigen Text!

Alle drei Bücher sind auf magische Art und Weise miteinander verbunden, können allerdings völlig unabhängig voneinander gelesen werden. Sie bauen weder aufeinander auf, noch setzt das Verständnis des aktuellen Werkes die zwingende Lektüre der beiden Vorgänger voraus. Aber sie greifen immer wieder faszinierend ineinander über. Erneut beschäftigen den Autor die Motive der Angst, Einsamkeit, Sehnsucht und der Freiheit. Über allem schwebt das unendliche Mysterium der Liebe, dieser "großen Sache", von der im ersten Satz die Rede war. Die Handlung ist erneut auf mehreren Ebenen und in diversen Zwischenreichen angesiedelt. Glavinics Held befindet sich eher in einer Zeitkapsel, die wie ein Ping-Pong-Ball im Raum herumgeworfen wird, als dass er einen stringent konstruierten Weg durchwandert. Vieles wird nur angedeutet, aber nicht endgültig gelöst. "Alles ist in Bewegung, nichts ist fertig, alles kann noch passieren oder ist vielleicht schon passiert.", erläutert der Autor im Interview mit seiner Lektorin, das dem Buch vorangestellt ist. Aber gerade dieses Verweben und Vermischen, dieses Kommunizieren des eigenen Ichs mit einem früheren, macht den ungeheuren Reiz bei der Lektüre aus.

Als Rahmenhandlung fungiert Jonas Everest-Besteigung, die in ihrer ganzen Brutalität und Eindringlichkeit derart plastisch wiedergegeben wird, dass man meint, selbst ein Mitglied dieser Jahr für Jahr unzähligen Expeditionen zu sein, die den Berg in immer abenteuerlicher Weise zu bezwingen suchen: Tod, Verletzung und das Infragestellen der menschlichen Würde inklusive. Diese (Un-)Wirklichkeit entgleitet Glavinics Protagonisten immer wieder: "Er tauchte ab aus der Wirklichkeit, er verschwand in sich selbst, in seiner Vergangenheit, er glitt hinüber zu den Bildern, die ohnehin ständig da waren, ob er hinsah oder nicht." Der in Graz geborene Autor versteht es meisterhaft durch wechselnde Kapitel, Schauplätze aus dem Leben seines Protagonisten zu platzieren, beginnend in dessen ungewöhnlicher Kindheit bis zu seinen zahlreichen, rastlosen Odysseen durch die gesamte Welt. "Szenen in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er Schlimmes tat, in denen er allein war und wanderte und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen". Immer auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben und das er in einem kumulierenden Punkt, im "Zentrum eines Jahrhundertsturms" in Gestalt von Marie trifft.

In einer nüchternen und beschreibenden, keineswegs jedoch unverständlich-avantgardistischen, sondern stets gut lesbaren Sprache, ist Thomas Glavinic erneut ein Wurf auf literarisch und stilistisch allerhöchstem Niveau gelungen. Fragen durchziehen das ganze Romangefüge: "Was ist eingeschlossene Zeit"? Ist mein Ich statisch oder dynamisch? Was macht mein Innerstes aus? Wo liegt der Kern meines Wesens? Muss ich für alle Zimmer des Leben immer einen Schlüssel haben oder ist es vielleicht manchmal viel besser, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen? Was bedeutet Vergänglichkeit? Worin bestehen die Zusammenhänge der Welt? Was bin ich? Ständig gewinnt er Erkenntnisse, die bewusst oder unbewusst seine Handlungen bestimmen. Letztendlich wird klar, dass alles mit allem verbunden ist. "Niemand kann sich lösen. Entkommen gibt es keines."

So wie auf dem düsteren Bild, das im Arbeitszimmers von Jonas' Ziehgroßvater hängt, so herrscht auch in Glavinics Roman eine nahezu gespenstische, zuweilen düstere und beklemmende Stimmung, die der Realität zu entgleiten droht. Wie ein Sog zieht das Geschehen den Leser ins Buch. Alles verschwimmt, schiebt sich ineinander, weich und kräftig, diffus und klar, imaginär und wahrhaftig, durchtanzt von Farben, Geräuschen und Bewegungen. Unglaublich beeindruckend sind Thomas Glavinics Beschreibungen am Berg, die er aus Erzählungen seines 2012 tödlich verunglückten Jugendfreundes Gerfried Göschl, der 2005 ohne Sauerstoff und im Alleingang auf dem Everest war, geschöpft hat und die in ihrer Eindringlichkeit und Authentizität erstaunlich imposant, ja, brillant wirken. Doch Vorsicht: Der Roman "gehörte nicht zur Wirklichkeit, es gab nur vor, ein Teil der Wirklichkeit abzubilden". Aber einer großen Sache ist er dennoch gewidmet, "die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient": der Liebe.

Fazit: "Alles ist vergänglich. Du bist vergänglich. Alles vergeht und verweht. Zeit ist neutral. Zeit ist den Dingen gegenüber gleichgültig. Zeit ist unerbittlich. Keine Sekunde, auf die nicht die nächste folgt. Keine Sekunde, die nicht vergangen wäre. Ob schön. Ob schrecklich." Thomas Glavinics Romanfigur und ihr Weg auf den Gipfel der Welt gestalten sich als ein großartiges Gedankenexperiment, das der Stille und dem Rätsel in uns selbst nachspürt. Gleichzeitig ist es ein großes Buch über die Liebe. "Liebe ist oft selbst ein Partner, und oft ist sie Betrug, und dieser Betrug betrügt die Liebe. Manchmal liebt man nur die Idee der Liebe, man redet sich ein, dieses Große zu erleben, nicht ahnend, dass man sich selbst belügt und das Große nur simuliert." Hier jedoch kann man ohne Zweifel feststellen, dass Thomas Glavinics tatsächlich etwas Großes geschaffen hat: großartige Literatur!
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26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen ...man kann ihn mögen, 17. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man kann ihn mögen diesen Roman - nehme ich an. Ich mochte ihn nicht! Unbestritten - erzählen kann sein Autor, ganz toll sogar. Und vielleicht hätte die Geschichte als Parodie auf diverse Groschenromane ja auch ganz interessant werden können. Allerdings befürchte ich, dass sie ernst gemeint war. Der Plot an den Haaren herbeigezogen, die Charaktere platt, die Lebensweisheiten Klischees...das Ding strotzt vor pupertärer Abenteuerromantik. Alles Zutaten für einen kurzweiligen Trashfetzen, der alleine schon drei Bewertungspunkte verdient hätte. Das Ganze dann noch satirisch überhöht und schon wäre ein durchaus vielschichtig interpretier- und diskutierbarer Roman möglich. Hier finde ich allerdings keine Spur von augenzwinkernder Distanz, oder ironischen Zitaten. Offenbar alles echt und ernst gemeint. Von einem Autor diesen Kalibers, war das Ergebnis für mich daher enttäuschend! Ich kann auch beileibe nicht nachvollziehen, aus welchem Grund der Text als ernstzunehmende literarische Arbeit diskutiert wird. Den Funken, der Trash zu Kunst werden lässt, die literarische Suppendose gewissermaßen, habe ich hier nicht gefunden. Obwohl: die Grenzen der Interpretierbarkeit existieren nicht - also: ...man kann ihn mögen!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von verschollenen Geistern und den eigenen Grenzen, 10. März 2014
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auf dem steinigen, eisigen Weg durch die Todeszone auf den Mount Everest überdenkt Jonas sein Leben. Gemeinsam mit ihm durchstreifen wir die Etappen vom Basislager zu den höher gelegenen Lagern und wieder retour. Doch Jonas steigt allein. Auch wenn die Gruppe vielfältig ist, wenn Bergführer, Sherpa und Expeditionsleiter ihn begleiten, drei Menschen fehlen in Jonas Leben.

Das sind sein Zwillingsbruder Mike, der behindert zur Welt kam, Werner, der auch am gleichen Tag das Licht der Welt erblickte und schließlich Maria, die Einzige, die Seele, die er verloren hatte. Sie waren ihm abhanden gekommen auf seinem Suche nach den Grenzen dieser Welt in der Geschwindigkeit des heutigen Zeitgeistes.

"Er wurde zum Geist, er flog durch die Welt mit einem Bewusstsein, das sich mehr und mehr von dem der anderen Menschen entfernte ... unglücklich war er selten, glücklich nie." S367

Aufgewachsen waren die drei Jungen Jonas, Mike und Werner gemeinsam in Wohlstand und unter dem Schutz von Werners Großvater Picco, einem Millionär und Capo-ähnlichem Kaliber eines oberösterreichischen Ganoven. Doch waren die Jungen nicht nur in finanzieller Sicherheit aufgewachsen, sie wurden auch als junge Menschen gefördert mit diversen Privatlehrer und einer Vielzahl kluger Fragen, die Picco den Jungen gestellt hatte, um ihre Neugier zu schüren, die Neugier auf eine ganze Welt!

Die Erzählungen aus Kindheit und Jugend sind unglaublich luftig und leicht, nicht allein gespickt von Lausbubenstreichen und allerlei Dummheiten finden sich auch sehr spannenden Szenen aus der Welt des Erwachsenwerdens und der Frage nach dem eigenen Ich. Sehr gut gelungen.

Abwechselnd erzählt Thomas Glavinic von Jonas Reise in der Todeszone und seiner rasanten Kindheit und Jugend, die in einer rastlosten Reise um die ganze Welt mündet, wodurch mich Leser ein unsagbarer Sog packte und ohne Pause durch die Handlung führte. Beide Stränge finden sich am Ende zum finalen Kampf der Geister der Vergangenheit mit dem höchsten Berg der Welt ein. Was bleibt vom Leben, wenn diese Reise getan ist?

Ein überaus spannender und origineller Roman von Verlust, der Suche nach dem eigenen Ich und dessen Grenzen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein literarischer Mount Everest, 29. Januar 2014
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Österreicher Thomas Glavinic hat für seine zehn Romane, die in viele Sprachen übersetzt und zum Teil verfilmt wurden, zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Man weiß, dieser Autor kann kraftvoll, voller Pathos und sehr präzise die tollsten Geschichten erzählen. In seinem neusten literarischen 8000 er Roman "Das größte Wunder" heißt sein Held Jonas und das ist der dritte Jonas Roman,in dem es jetzt vor allem um Liebe und den Fragen nach dem Sinn aller Dinge geht.

Zum Plot: Die nicht leichte Kindheit dieses ewigen Kindes Jonas will scheinbar nie enden. Er hat einen Vater der schlägt, eine Mutter die trinkt, einen Bruder der behindert ist und er wächst bei seinem Großvater Pico auf, einem Mafiapaten mit unermesslichem Reichtum. Dieser Jonas reist nun rastlos in hundert Länder, irrt auf ewiger Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens um die Welt, spricht unzählige Sprachen, arbeitet in verschiedenen Berufen, wird drogensüchtig bis er in dieser ersten Handlungsebene endlich seine große Liebe findet. Diese Marie hat ihr Debüt aber erst nach fast vierhundert Seiten der Lektüre. Dann folgt, nachdem er die Liebe wieder verloren hat, die zweite Handlungsebene, seine Flucht in den Extrem Tourismus, der Aufstieg in die vermeintliche Todeszone eines Achttausenders, des Mount Everest. Dabei schleppt dieser Jonas bei seinem Aufstieg auf das Dach der Welt nicht nur alle Probleme denen er dabei zu entgehen glaubt mit sich, sondern sie werden noch intensiver, wenn auch beim Anstieg die existenziellen Probleme die Überhand gewinnen. Und in diese Erzählstränge packt Glavinic nun all das hinein was er bei seiner wahrscheinlich gründlichen Recherche in der Bergsteigerszene erfahren hat, nämlich Unwetter, Lawinen, Beinbrüche, Erfrierungen, redliche Bergsteiger, Glücksritter und last not least erfrorene Leichen. Doch letztendlich muss Jonas erkennen, dass es Wünsche gibt die sich nicht erfüllen lassen und Ziele die bei aller Anstrengung nicht für jeden erreichbar sind.

Wie die meisten bisherigen Glavinic Bücher steckt auch dieser Roman nicht nur voll märchenhafter Passagen, sondern er ist überbordet mit Kalenderweisheiten, mit den Fragen warum aber vor allem jedoch mit den Fragen warum nicht. Das Buch polarisiert die Kritiker. Pathetische Auswucherungen, Sinnsprüche und die Absonderung von banalen Erkenntnissen, so heißt es, erinnern an den Stil von Paulo, machen dieses Buch zwar auf vielen Erzählebenen zu einem kitschigen Buch, aber trotzdem ist es ein lesenwertes Buch, weil einen die Sprünge, die Anachronismen und die Details auch nach der Lektüre noch sehr beschäftigen können, ob positiv oder negativ sei dem Leser überlassen. Lyrisch brillant bleibt aber leider nur die vorletzte von fünfhundert Seiten das konnte man von den beiden vorangegangen Jonas Büchern Das bin doch Ich" und Die Arbeit er Nacht" nicht sagen. Das waren ergreifende Romane, die man nicht nur, was die Medien der Darstellung und der Literarizität betrifft, auf vielen Ebenen sehr unterhaltsam lesen konnte. Ein Buch über die Einsamkeit, die Liebe und die Zwecklosigkeit der Kindheit
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21 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein grosser Roman über die Liebe?, 6. September 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der neue Roman von Thomas Glavinic erzählt uns die Geschichte des Protagonisten "Jonas" unterwegs auf den Berg der Berge, dem Mount Everest. Interessant ist dabei, dass gerade in letzter Zeit die mittlerweile touristenmässige Vermarktung dort doch zu einiger Kritik so manchen Bergsteigers geführt hat. Dazu kommt, die erst kürzlich vorgefallene Konfliktsituation am Berg des Bergsteigers Ueli Steck mit den dortigen Sherpas sowie der Tötung durch Taliban-Mitgliedern von Bergsteigern im dortigen Himalaya- Gebiet. Glavinic's Buch kreist von einem getriebenen Suchen im Aussen, von dem man nicht genau weiss, nach was denn nun gesucht wird. Dann ist da noch jene Liebe mit jener Marie, wo Jonas glaubt, die grosse Liebe gefunden zu haben. Und dann ist da noch eine lang angelegte Rückblendenbearbeitung: Denn während sich Jonas aufmacht den Everest zu besteigen, holen ihn Kindheits- und Jugenderlebnisse wieder ein, die ihn einst geprägt haben. Es ist eine Biographie-Aufarbeitung, während der Everest mit all seinen Gefahren und Strapazen bestiegen werden soll. Wir haben also Mount Everest, Vergangenheit, die einen einholt, die Suche nach der Liebe und ein Getriebensein, wo man meinen könnte, der Protagonist sucht sich selber. Doch tut er das wirklich?

"Ich will wissen, warum man liebt, warum man nicht liebt, was gut und was böse ist und ob es beides gibt, ich will wissen.." Wenn ich solche Sätze lese, werde ich das Gefühl nicht los, dass sich der Autor bei Die Einladung eingelesen und ein wenig abgekupfert hat. Darüber hinaus finde ich die hier formulierten "Lebensweisheiten" über das Leben und über die Liebe gar ein wenig künstlich oder gekünstelt - mit wirklicher Tiefe hat das wenig zu tun. Oder um es anders zu sagen: Wirklich erreicht, haben mich diese Weisheistsätze, auch die Suche danach, kaum bis gar nicht. Insofern ist dieses Buch schon mal gar nicht "Ein Grosses Buch über die Liebe." Andere Sätze wie etwa: "Sinn, danach suchen alle, mehr als Sinn konnte man nicht finden" drücken eher ein getriebenes Suchen aus, als dass es von wirklicher Poetik oder gar Weisheit getragen wäre. Und Sätze wie: "Ich will werden, der ich bin", klingen nach spiritueller Sinnsuche, nur das man bei Thomas Glavinic einfach das Gefühl nicht los wird, dass hier verdächtig nah am Kitsch geschrieben wird. Insofern empfinde ich diese Neuerscheinung nun wirklich nicht als ein grossartiges Buch. Liebe hat in diesem Buch, angesichts seines Umfangs von 520 Seiten einen verschwindend kleinen Anteil:" Liebe ist: den leuchtenden Punkt der Seele des anderen zu erkennen und anzunehmen und in die Arme zu schliessen, vielleicht gar über sich selbst hinaus." Soweit zum Thema Liebe in Glavinic-scher Manier.

Thomas Glavinic arbeitet auf zwei Erzählebenen, die es auszuhalten gilt. Die eine Ebene ist die des Bergsteigers, der sich mit den Gefahren, den Zweifeln, gesundheitlichen Schwierigkeiten und den dortigen Ereignissen konfrontiert sieht, die doch etwas vehement Ernüchterndes an sich haben. Konflikte, gesundheitliche Beschwerden, Menschen die sterben, der Tod in sichtbarer Nähe, Tote die am Weg liegen: Der Erfrierungstod scheint unscheinbar nah. Die Menschen dort kommen an ihre Grenzen, Abgründe, Verzweiflung, Angst, Einschätzbarkeit von Risiken, Verantwortung, das ganze Programm bekommt man serviert. Man bekommt den Eindruck, hier hat jemand gründlich recherchiert. Vieles davon wirkt nah und realistisch, so dass man sich Vieles leibhaftig vorstellen kann. Parallel dazu erzählt Thomas Glavinic, das Heranwachsen des Protagonisten Jonas, der aus schwierigen Familienverhältnissen kommt. Seine Mutter ist eine Alkoholikerin, von ihrem Freund wird er krankenhausreif geschlagen und schliesslich von Picco grossgezogen. Einem undurchschaubaren Paten der mafiaähnliche Züge trägt. Jonas weiss nur wenig über seine Mutter...seine Eltern, Geld gibt es genügend. Der junge Erwachsene kann um die ganze Welt reisen, kann sich ein Baumhaus für eine 1 Mio. bauen lassen, eine Insel kaufen oder ein Schiff bauen lassen. So manchen Kontakt wird er dabei verlieren, denn der eine oder andere Jugendfreund stirbt im Laufe der fortschreitenden Zeit. Der Mangel an Liebe die leise schwingende Einsamkeit und vielleicht auch die Sehnsucht nach Liebe durchziehen diesen Roman, wie eine ganz leise Melodie..

Die Sprache in diesem Roman finde ich stellenweise, wirklich alles andere als irgendwie besonders. Der Wechsel der Erzählebenen kann gewöhnungsbedürftig bis mühsam, beim Lesen erlebt werden. Eine wirkliche Lesefreude ist bei mir bei diesem Roman nicht wirklich aufgekommen. Viele Textstellen musste ich immer wieder wiederholen, ohne wirklich den Sinn des Geschriebenen plausibel nachvollziehen zu können. Gegen Ende des Romans vermischen sich Realität und Halluzination immer mehr, als Leser weiss man gar nicht mehr bin ich jetzt da oder dort...Natürlich kann das gewollt sein, nur ist die Frage, wie geht es mir als Leser damit? Und: Wollte Glavinic dem Leser, eine ähnliche Erfahrung ermöglichen, in dem er den Leser in ähnliche Erfahrungsräume schickt? Wo das Reale mit dem Eingebildeten eine Art Synthese eingeht? Obwohl ich Einige gut geschriebenen Passagen orten konnte, und auch das Schreibtalent eines Thomas Glavinic erspüren konnte, überzeugt dieser Roman einfach nicht. Über lange Strecken habe ich ihn sogar als recht zäh und mühsam erlebt. Einen zunehmenden Widerstand beim Lesen, ständig einem Wechsel ausgesetzt zu sein: Bin ich jetzt in seiner Jugend, oder am Himalaya?, möchte ich hier nicht verschweigen. Die Begeisterung für diesen Roman kann ich leider nicht nachvollziehen, bin ich doch mit einer gewissen faden Unzufriedenheit aus diesem Roman herausgekommen: der einen Funken der Überzeugung nun wirklich nicht in mir entfachen konnte. Aber immerhin war es eine gute Gelegenheit, diesen österreichischen Autor aus Wien kennenzulernen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu lang, aber gekonntes Ende, 26. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mein Gott, was musste ich mich durch dieses Buch kämpfen.
Ich empfand diese kindlichen Allmachtsphantasien des oberklugen Alleskönner-Protagonisten zutiefst langweilig und unnötig.
Dann noch diese recht banal abgehandelten Lebenssinnfragen, die mich sehr an der Qualität des Autoren zweifeln liessen.
War kurz davor, das Buch nicht zu Ende zu lesen.
Das Ende hat mich dann aber doch versöhnt, die Schilderung der Höhenrausch-Halluzinationen war dann doch sehr gekonnt und spannend. Auch die Pisten-Episoden haben mir sehr gefallen, aber diese Nummer mit "magisches Haus mit geheimmnisvollen Zimmmern" war überflüssig.
Insgesamt hätte das Buch viel kürzer ausfallen können, die Hälfte hätte es auch getan.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In eisige Höhen mit Tiefgang - absolutes Lesevergnügen, 10. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Kindle Edition)
Der Grazer Autor Thomas Glavinic verbindet spannende Extrembergsteigergrenzerfahrungen mit einem coming of age Skript, das zentrale Fragen von Sein und Werden, Gut und Böse mit einer seltenen Leichtigkeit behandelt. Mit Jonas, der zentralen Figur mit faustischen Zügen, geht es mehrfach um die Welt, auf den höchsten Berg und in die tiefsten Abgründe seiner selbst, um zu erkennen wer er ist, damit er sein kann, wer er ist. Lesevergnügen auf höchstem Niveau.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf dem Gipfel sinnlosen Tuns, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Mount Everest bildet so etwas wie den Kulminationspunkt in Thomas Glavinics neuem Roman «Das größere Wunder». Schon das Umschlagfoto lässt keinen Zweifel daran, hier geht es ums Bergsteigen der extremen Art, und gleich die ersten Sätze bestätigen diese Vermutung, wenn von Sherpas die Rede ist, vom Basislager und von Toten, die vorbeigetragen werden. Normalerweise würde ich mich da, um im Jargon der Alpinisten zu bleiben, sofort ausklinken aus dem Führungsseil, das Buch also ungelesen zu Seite legen, weil mich todesmutige Extremkletterer nun mal überhaupt nicht interessieren, sogar ziemlich abstoßen mit ihrer fatalen Sucht nach Selbstbestätigung, nach Nervenkitzel, nach Todesnähe. Schon nach wenigen Seiten aber, im zweiten Kapitel, wechselt der Erzählstrang zu einer fürwahr haarsträubenden Geschichte hin, der Jugend des Protagonisten Jonas nämlich und seiner anschließenden, rastlosen Sinnsuche, die den Leser in einem aberwitzigen Plot unwillkürlich in ihren Bann zieht. Er dürfte Glavinic-Fans schon aus den beiden vorher erschienenen Romanen diese Trilogie bekannt sein, «Die Arbeit der Nacht» und «Das Leben der Wünsche», das vorliegende Buch ist aber eigenständig zu lesen, es baut nicht auf die vorhergehenden Romane auf.

Es gehört unzweifelhaft zu den angestammten Privilegien von Romanautoren, die Realität nach Gutdünken ausblenden zu können, völlig irreale Traumwelten zu ersinnen, dem Leser also eine Welt zu schildern, die es so nicht gibt und geben kann. Davon wird ja nicht erst seit Karl May Gebrauch gemacht, wo jeder insgeheim selbst Old Shatterhand ist, solange er das Buch in Händen hält. Und solche Identifikationsmuster liefert uns hier auch Galvinic mit seinem faustischen Helden Jonas, der über unerschöpflich scheinende Geldmittel und überirdische Fähigkeiten verfügt und beides dazu nutzt, permanent Grenzerfahrungen zu machen, den Sinn des Lebens herauszufinden im absurden Selbstexperiment. «Nichts ist unmöglich» ist die Devise bei seinem skurrilen Selbstfindungstrip rund um den Erdball, sorglos probiert er alles aus ohne Angst vor dem Tod, und das alles kulminiert am Ende des Romans in der erfolgreichen Besteigung des Mount Everest, bei der denn auch die bis dahin immer schön kapitelweise getrennt erzählten Stränge der Handlung zusammenmünden. Dass es die Liebe ist, nach der er unbewusst gesucht hat, die große, einmalige natürlich, ist vorhersehbar, kitschig und höchst peinlich.

Die viel zu ausufernd erzählte Bergsteigerstory mag Alpinisten erfreuen, der Laie, wie ich einer bin, langweilt sich hingegen und grübelt häufig, ob das wirklich alles so stimmen kann, wie der Autor es schildert. Die Hundertschaften von Himalaya-Verrückten machen jedenfalls wütend in Hinblick die Umweltzerstörung, die da angerichtet wird auf dem Dach der Welt. Der Held in Glavinics haarsträubender Geschichte in der zweiten Erzählebene versteht mühelos fast alle Sprachen der Welt und spricht die meisten auch, er reist der Sonnenfinsternis rund um den Erdball hinterher, lässt sich ein fünfstöckiges Baumhaus und einen Viermast-Segler bauen, kauft sich eine Südseeinsel, hat diverse Wohnungen in den Metropolen, die er nur selten nutzt, aber auch eine in der Nähe von Tschernobyl. Und natürlich fliegen auch viele Frauen auf ihn, na und die letzte, Marie, ist es dann, auf die alles hinsteuert, unser moderner Faust ist letztendlich am Ziel seiner Suche nach der Wahrheit.

Wer nicht den Fehler macht, ernst zu nehmen, was er da liest, wer das Ganze als zuweilen sogar spannendes Märchen liest, wer nicht erschreckt, wenn nur zur Gaudi eine Ziege mit der Panzerfaust erschossen wird, einem unsensiblen Zahnarzt zur Strafe alle Zähne gezogen werden, ohne Betäubung, versteht sich, der wird vielleicht gut unterhalten in diesem Roman, als Alpinist möglicherweise sogar sehr gut.
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14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Existenzielles Pathos, 11. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das größere Wunder: Roman (Gebundene Ausgabe)
In „Das größere Wunder“ folgt Thomas Glavinic seinem Protagonisten Jonas auf den Mount Everest. Erzählt wird dabei im strengen Wechsel aus Everestbesteigung und Rückblenden in die Kindheit und Jugend. Warum die Kindheit von Jonas in einer erschöpfenden Fülle beschrieben wird, erschließt sich nicht aus dieser Struktur. Zumal weniger eine Entwicklung aufgezeigt wird, als dass sämtliche Stationen abgeklappert werden, eine spektakulärer als die andere. Jedenfalls gibt Jonas mit acht schon dieselben altklugen Lebensweisheiten und Sprüche von sich wie als Erwachsener auf dem Everst (Was er auch selber so an einer Stelle sagt „Ich war schon mit acht der, der ich jetzt bin, fürchte ich“.) Da Jonas superschlau ist, vor nix Angst und Geld wie Heu hat, kann er sich auf die Suche machen, angeblich nach der Liebe, aber so ganz klar ist das nicht, die Sonnenfinsternisse, denen er hinterher reist, scheinen genauso wichtig und in ihrer Bedeutung diffus zu sein. Alles ist immer furchtbar intensiv und dramatisch und bedeutungsschwer und dann ebenso schnell wieder vorbei oder bleibt im Vagen. Das existentielle Pathos mag Geschmackssache sein. Paulo Coelho-Leser kommen in diesem Roman sicher auf ihre Kosten. Aber warum spielt sich das ganze Szenario dieses Helden in einer vollständigen Unverbindlichkeit ab. Für die späte Einsicht „Ich bin ein Hochstapler“, die Jonas in 8000 Meter Höhe hat, scheint der erzählerische Aufwand jedenfalls enorm.
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Das größere Wunder: Roman
Das größere Wunder: Roman von Thomas Glavinic (Gebundene Ausgabe - 26. August 2013)
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