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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie es hätte sein können...
Drei Menschen, drei Leben, drei Schicksale. Allen Dreien ist gemein, dass über ihr Leben nur recht dürftige Informationen vorliegen. Geblieben sind das Wissen um ihre Existenz und bei zweien ihre Werke. Doch was ihr Leben ausmachte, liegt im Dunklen. Es handelt sich um drei Personen, die heute weitestgehend vergessen sind: Felix Bloch, Physiker; Laura...
Vor 23 Monaten von Xirxe veröffentlicht

versus
30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Richtungslos
Es beginnt in der Schweiz der 1920er Jahre und setzt sich fort in den USA, Frankreich und Griechenland: Drei ganz unterschiedliche Menschen geraten in die Mühlen der Zeit. Felix Bloch, Pazifist; Emile Gilliéron, Bohémien; Laura d`Oriano, Nonkonformistin. Was haben sie gemeinsam? Was hat den Autor bewogen, gerade diese Menschen auszuwählen? Werden...
Vor 23 Monaten von alasca veröffentlicht


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie es hätte sein können..., 11. August 2013
Von 
Xirxe (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Drei Menschen, drei Leben, drei Schicksale. Allen Dreien ist gemein, dass über ihr Leben nur recht dürftige Informationen vorliegen. Geblieben sind das Wissen um ihre Existenz und bei zweien ihre Werke. Doch was ihr Leben ausmachte, liegt im Dunklen. Es handelt sich um drei Personen, die heute weitestgehend vergessen sind: Felix Bloch, Physiker; Laura d’Oriano, Sängerin und Spionin; Emile Gilliéron sen. und jun., Maler und Zeichner. Eigentlich also vier Personen, doch die Gilliérons verschmelzen nicht nur aufgrund ihrer Namensgleichheit immer mehr zu einer Person während der Lektüre.
Hier nun beginnt das Reich des Schriftstellers. Capus hangelt sich an den wenigen bekannten Fakten entlang und füllt die Lücken mit seiner eigenen Phantasie. Da sie alle zur selben Zeit lebten, lässt er zudem stets die Möglichkeit im Raum stehen, dass sie sich irgendwann unter welchen Umständen auch immer einmal begegnet sind. Doch was verbindet diese Menschen ansonst? Zwei stammten aus der Schweiz, die dritte wurde durch Heirat Schweizer Staatsbürgerin. Und die Schweiz wurde ihnen allen zu eng. Zwar wussten sie alle nicht, was genau sie vom Leben wollten, dafür umso besser was es nicht sein sollte. Der Eine wollte blaue Jacken tragen, obwohl im Dorf nur schwarze geduldet wurden. Die Andere sollte ihre Unterwäsche nicht sichtbar für die Nachbarn aufhängen. Und der Letzte fühlte sich mit seiner Leidenschaft für Atomphysik alleingelassen. So verließen sie ihre Heimat und/oder Familien und lebten ihre Leben auf ihre eigene Art.
Dies mag sich nun nicht sonderlich spannend anhören, doch die Geschichten üben eine merkwürdigen Sog aus, der mich das Buch nur schwer aus der Hand legen ließ. Zum Einen liest es sich aufgrund der schönen Sprache Capus' wundervoll (einer meiner Lieblingssätze: 'Zwar fühlte er sich noch immer wie ein Eisbär, der auf einer kleinen Eisscholle der Kenntnis über einen Ozean des Unwissens trieb;'), zum Anderen bindet der Autor das damalige Zeitgeschehen wie selbstverständlich in die drei Biographien mit ein. So bleibt es nicht bei reiner Unterhaltung, sondern man erfährt auch viel Wissenswertes aus dieser Zeit.
Einfach schön!
Einen Stern Abzug gibt es dennoch: Zum Einen für zwei inhaltliche Fehler, die so einfach nicht passieren dürfen. Auf Seite 73 heirate Emile eine italienische Kaufmannstochter, auf Seite 137 ist daraus eine gebürtige Athenerin geworden. Und auf Seite 223 träumt Emile jun. davon, nach Hause an den Genfer See zurückzukehren - obwohl dies der Traum des Vaters war.
Das Andere ist die (mal wieder) nicht zutreffende Aussage des Klappentextes. Bis auf Laura (und auch das nur bedingt) handelt es sich nicht um die Darstellung dreier Helden, sondern schlicht um drei Menschen, die einen außergewöhnlichen Lebensweg hinter sich haben. Und wie diese Wege miteinander verbunden bleiben sollen, bleibt auch nach der Lektüre des Buches weitestgehend offen. Schade, lieber Hanser-Verlag, aber das können Sie doch auch besser.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen '[...] weil jede vernünftige Reise in möglichst gerader Linie vom Ausgangspunkt zum Ziel führt [...]', 10. August 2013
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
'[...] weil jede vernünftige Reise in möglichst gerader Linie vom Ausgangspunkt zum Ziel führt und zwei Geraden sich nach den Gesetzen der Geometrie nicht zweimal kreuzen.'

Inhalt:
Die 13-jährige Laura d'Oriano sitzt im Orient-Express auf der Strecke Konstantinopel - Paris. Ihre Familie hat das Nomadenleben aufgegeben und möchte nun sesshaft werden. Laura hat einen Traum, den sie unbedingt verwirklichen möchte: sie will Sängerin werden.

Ein junger Mann sitzt am Züricher Bahnhof, er weiß nicht, was die Zukunft bringt, hat seinen Weg noch nicht gefunden. Im späteren Leben wird Felix Bloch Atomphysik bei Heisenberg studieren und Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen.

Ein Schnellzug nach Genf: der Kunstmaler Emile Gilliéron trägt die Asche seines kürzlich verstorbenen Vaters an den Genfersee, die alte Heimat der Familie. Emile wird später als einer der größten Fälscher in die Geschichte eingehen.

Die Wege der drei Personen kreuzen sich im Züricher Bahnhof im November des Jahres 1924, ohne dass sie die Existenz des anderen erahnen bzw. miteinander in Kontakt treten. Werden sich ihre Wege wieder kreuzen?

Mein Eindruck:
'Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer' ist nach 'Eine Frage der Zeit' mein zweites Buch von Alex Capus.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, denn er verbindet viele Themen, die mich interessieren: Orient-Express, Nationalsozialismus, Südfrankreich, Physik, Wissenschaft. Zudem ist das Buch sprachlich anspruchsvoll, aber dennoch flüssig lesbar und durchweg spannend.

Sehr gelungen fand ich die Beschreibung der Handlungsorte und der drei Hauptprotagonisten. Egal, ob sich die Figuren in Marseille, in Leipzig oder in den USA befanden, stets sind die Beschreibungen atmosphärisch und lebendig, und stets hat man das Gefühl, dass alles in diesem Roman stimmig ist, dass die Charaktere sehr gut ausgearbeitet wurden und in sich konsistent sind.

Neben der spannenden Beschreibung des Lebens von Emile, Laura und Felix hat mir außerdem gefallen, dass ich durch diesen Roman viel gelernt habe, dass er nicht nur hervorragend unterhält, sondern auch Wissen vermittelt (zugegebenermaßen sehr auf Physik und Kunst / Archäologie fokussiertes Wissen, was sicherlich den ein oder anderen Leser nicht interessieren wird, für mich aber perfekt gepasst hat).

Mein Resümee:
Sehr spannender Roman über drei bemerkenswerte Personen. Sehr empfehlenswert!
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Richtungslos, 12. August 2013
Von 
alasca - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es beginnt in der Schweiz der 1920er Jahre und setzt sich fort in den USA, Frankreich und Griechenland: Drei ganz unterschiedliche Menschen geraten in die Mühlen der Zeit. Felix Bloch, Pazifist; Emile Gilliéron, Bohémien; Laura d`Oriano, Nonkonformistin. Was haben sie gemeinsam? Was hat den Autor bewogen, gerade diese Menschen auszuwählen? Werden sie sich begegnen?

Felix Bloch beteiligt sich am Bau der tödlichsten Kriegsmaschine, die die Menschheit jemals konstruiert hat. Er klinkt sich aus, als die Bombe nicht mehr notwendig zu sein scheint, was ihn die Freundschaft seines Forschungskollegen Oppenheimer kostet. Seinen Nobelpreis bekommt er für eine Entdeckung, die künftig viele Leben retten wird. Die Atombombe aber bleibt eine Bedrohung bis heute.

Emile Gilliéron, später auch sein gleichnamiger Sohn (der ihm so ähnlich ist, dass der Übergang fließend erscheint), reüssiert im Dunstkreis Schliemanns und später Evans durch sein Zeichentalent, eigentlich aber durch konstanten Opportunismus; schließlich rutscht er in eine bürgerliche Existenz in Sichtweite der Akropolis. Zu Lebzeiten erst erfolgreich, dann verachtet, haftet den Gilliérons zeitlebens der Ruch geschickter Fälscher an. Heute kann man ihre "Werke" unter anderem im Metropolitan Museum New York bewundern - nicht die schlechteste Adresse.

Laura d`Oriano will sich um keinen Preis von Konventionen beugen lassen, keine "Marionette sein", was ihr gelingt, bis ihre Fäden von der Militärischen Abwehr gezogen werden. Als sie auffliegt, macht sich die Regierung, für die sie in den Tod geht, nicht die Mühe eines Rettungsversuch: Sie ist die tragischste Figur des Trios und die einzige Frau, die jemals in Italien hingerichtet wurde.

Was sich spätestens auf der Hälfte des Romans förmlich aufdrängt, sind die Gemeinsamkeiten der Gilliérons und dem Autor dieses (wie jedes anderen) historischen Romans: Beiden standen nur Bruchstücke als Grundlage für ihre Arbeit zur Verfügung. Die Gilliérons, die nach Meinung der modernen Wissenschaft zu kreativ mit den archäologischen Funden umgegangen sind, entschieden sich unter hundert Varianten für eine einzige der vielen Möglichkeiten, die Lücken zu füllen. An der Figur Robert Oppenheimer entwickelt Capus das Thema weiter. Oppenheimers Erfolg wurde durch dessen Unfähigkeit verhindert, sich für eine Idee, eine Theorie zu entscheiden und sie zu verfolgen; stattdessen verlor er sich in Parallelwahrheiten. Denkt man diesen Ansatz zu Ende, ist Interpretation nötig, um zur "Wahrheit" zu finden; für die Literatur gilt das mit Sicherheit. Warum also entscheidet Capus sich für Oppenheimers Weg - für das, was er selbst so ironisch "Faktenhuberei" nennt?

Er schreibt entlang der verbrieften Lebensläufe, und immer dann, wenn er festes Land verlässt, weist er darauf hin, so dass die Fiktion gebrochen wird. Er zählt Vermutungen auf, wo er auch fabulieren könnte. Zu dieser Sachlichkeit trägt auch der komprimierte Stil bei: Die Figuren werden oft mittels Behauptungen charakterisiert, es gibt kaum Dialoge. Er liefert Dokufiktion in heiterem Berichtston, auf hohem Sprachniveau - das ist unterhaltsam und wirkt unbestreitbar bildend, hält aber emotionale Distanz und facht eher die intellektuelle Neugier an. Ich habe unter der Lektüre ausgiebig nach den Protagonisten gegoogelt, mir Fotos angesehen, einen Dokumentarfilm über Laura gefunden ... dieses Buch also durchaus mit Gewinn gelesen, aber am Ende war ich irritiert: Drei Lebenslinien, die sich nie kreuzten - und denen der Autor auch keine Begegnung erfindet. Sie sind auch keine Helden wider Willen, wie der Klappentext (wie so oft irreführend) behauptet. Einzige Gemeinsamkeit bleibt ihr persönliches Scheitern: Keinem der drei gelingt es, sich treu zu bleiben, aber auch das geschieht auf so unterschiedlichen Ebenen, dass Vergleiche sich verbieten. Auch der Autor - Stichwort Faktenhuberei - wurde sich untreu. Das aber dürften diese Vier mit der halben Menschheit gemeinsam haben.

Zugegeben - ohne diesen Roman hätte ich nie von Felix, Emile und vor allem Laura erfahren; ich empfinde das als Bereicherung. Aber trotzdem fühle ich mich als Leserin genarrt: Was will dieser Roman? Das hat sich mir nicht erschlossen.
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27 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drei Lebenswege, 26. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
In seinem Buch berichtet Alex Capus vom Leben dreier sehr unterschiedlicher Menschen in den Vorkriegs- und Kriegsjahren. Das Einzige, was diese Menschen (vielleicht) verbindet, ist eine mögliche Begegnung am Züricher Bahnhof im November 1924. Und die Tatsache, dass ihre Leben wohl anders verlaufen sind, als sie es sich damals im November 1924 erträumt haben mögen.
Zu Beginn des Buches werden ausführlich die drei Personen, deren Leben Gegenstand des Buches ist, vorgestellt. Da ist zum einen die damals 13jährige Laura d'Oriano, die mit ihren Eltern im Orient Express unterwegs war. Sie träumte davon Sängerin zu werden, aber eine bessere als ihre Mutter. Eine, die nicht ihre körperlichen Reize einsetzen muss, um Erfolg zu haben. Die zweite (und für mich interessanteste) Hauptfigur ist der damals 19jährige Felix Bloch, der am Züricher Bahnhof darüber grübelt, was er studieren soll. Sein Vater rät zu Maschinenbau, aber viel lieber würde er etwas ganz und gar Nutzloses" studieren. Auch, um nicht Teil dieser kriegerischen Maschinerie zu werden, die über Europa rollt und von der die Zeitungen berichten. Der dritte Protagonist schließlich ist der Maler Emile Gilliereon, der auf den Weg an den Genfer See, der Heimat seines Vater ist, um dort dessen Asche zu bestatten. Er ist, wie sein (gleichnamiger) Vater Zeichner und beide waren für berühmte Archäologen der damaligen Zeit tätig, der Vater für Heinrich Schliemann und der Sohn für Arthur Evans, der die Ausgrabungen in Knossos geleitet hat.

Im Laufe des Buches beschreibt der Autor bzw. der Erzähler jeweils wechselnd den Verlauf des Lebens dieser drei oder eigentlich vier Menschen (da auch ausführlich der Vater von Emile Gillieron dargstellt wird). Er erzählt von Felix, der zunächst dem Wunsch des Vaters folgt und Maschinenbau studiert, aber sich schließlich mit großer Begeisterung der Atomphysik zuwendet. Er berichtet von Laura, die ihre Gesangskarriere nach einem kurzen Paris-Aufenthalt zunächst abbricht und erst später wieder zum Broterwerb aufnimmt. Und er folgt den Spuren von Emile, der scheinbar wie selbstverständlich dem Vorbild seines Vaters folgt und eine Karriere als Zeichner für archäologische Funde beginnt, aber es bei seinen Zeichnungen mit der Wirklichkeit nicht so genau nimmt. Ich möchte nicht alle Details und Überraschungen der Lebenswege vorwegnehmen, aber wie bereits der Buchtitel verrät, gibt es im Leben aller drei Menschen schicksalshafte Brüche. Laura wird, nachdem sie wegen einer scheinbaren Trivialität ihre Familie (den Mann und zwei Töchter) in der Schweiz zurücklässt, scheinbar zufällig zur Spionin. Und Felix, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in die USA übersiedelt, arbeitet schließlich am Bau der Atombombe in Los Alamos mit. Und Emile? Er wird im Buch als größter Kunstfälscher" aller Zeiten beschrieben, aber ist für mich die Figur, die am ehesten dem vorbestimmten Lebensweg folgt.

Damit komme ich auch zum einzigen Kritikpunkt an dem insgesamt fabelhaften Buch: für mich passt" der Maler nicht so recht zu den anderen beiden Personen. Während ich bei Laura und Felix - trotz aller Unterschiede - gewisse Parallelen sehen kann (beide verändern mehrfach ihr Lebensumfeld und für beide hat der Ausbruch des zweiten Weltkrieges entscheidenden Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens), läuft Emile für mich eher nebenher". Das mag aber auch daran liegen, dass mein Interesse für Physik deutlich größer ist, als das für Archäologie.

In jedem Fall bin ich Alex Capus sehr dankbar dafür, dass er mich mit seinem relativ kurzen (ca. 280 Seiten) Buch mitgenommen hat, in das Leben dieser drei Menschen. Und dass er sehr detailreich die damalige Zeit und verschiedene geschichtliche Ereignisse beschreibt. Dadurch wird das Buch für mich auch zu einer Art lebendigen Geschichtsbuch". Mehr als einmal möchte ich nachlesen, was genau die Hintergründe bestimmter Ereignisse, die im Buch angedeutet werden, waren. Die Sprache des Buches ist sehr angenehm zu lesen, ein Erzählton, der den Leser eben mitnimmt in die damalige Zeit. Was mir allerdings aufgefallen ist: das Buch konzentriert sich auf die Beschreibung der äußeren Lebensereignisse, Gedanken und Gefühle der Protagonisten spielen eine relativ geringe Rolle. Und auch die Beziehungen zu anderen Menschen werden nur am Rande erwähnt, so dass ich manchmal den Eindruck habe, die Personen wären relativ beziehungslos". Aber dadurch kommt für mich auch ein Hauptgedanke, dass das Leben entscheidend von äußeren Geschehnissen und Zufällen beeinflusst wird, umso deutlicher zum Ausdruck.

Nach der Lektüre bin ich mir recht sicher, dass ich auch noch andere Bücher von Capus lesen möchte und noch mehr über die für mich spannendste Person, den Physiker Felix Block, erfahren möchte.
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4.0 von 5 Sternen Protagonisten des 20. Jahrhunderts, 3. August 2013
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
...aber solche der ganz besonderen Art porträtiert Alex Capus in seinem neuen Roman mit dem etwas umständlichen Titel "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" : Alex Capus' neuer Roman ist ein ungewöhnliches Werk - er versucht sich hier quasi in einer Biographie gleich dreier realer Personen, die in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielten: allen voran der Atomphysiker, Nobelpreisgewinner und Pazifist Felix Bloch, der gleichwohl an der Entwicklung der Atombombe, eines der größten Schrecken der Menschheit, beteiligt war, die Sängerin Laura d'Oriano, die durch Zufall zu einer ausgesprochen effizienten Spionin der Alliierten im 2. Weltkrieg wurde und ein tragisches Schicksal nahm sowie der Maler Emile Gilliéron, der bei den archäologischen Entdeckungen in Troja und vor allem in Knossos auf Kreta eine Rolle spielte.

Biographien von Personen, aus denen Zufallsbekanntschaften hätten entstehen können und zwar im November 1924 in Zürich, wo sie theoretisch zur gleichen Zeit hätten den Hauptbahnhof passieren können - Felix und vor allem Laura damals noch ganz am Anfang des Lebens bzw. ihrer Lebensplanung, Emile ein Mann mitten im Leben, der auch schon etliche Lasten zu tragen hat. Aus diesem fiktiven möglichen Treffpunkt entwickelt Capus die weiteren Entwicklungen. Das Mädchen, das gerne allein in offenen Zügen träumt, der junge Mann, dessen Zukunft noch offen vor ihm liegt und der Kunstmaler, der schon auf Erlebtes zurückblickt, der mit Schliemann in Troja war. Die Geschichten spinnen sich weiter, nehmen ihren Lauf, Realität und Erzählkunst verweben sich zu einer dichten Geschichte. Für mich war Felix Blochs Geschichte das absolute Highlight und gab mir gleich Anlass, über die bahnbrechenden und leider sehr folgenreichen Entwicklungen der Atomphysik der 1940er Jahre zu rechererchieren. Der Part über Emile Gilliéron hingegen passte aus meiner Sicht nicht so ganz hinein und verlor sich im Laufe des Buches ein bisschen.
Hier ist ein Meister am Werk und das merkt man gleich auf den ersten Seiten - meisterhaft die Sprache, die gründliche und phantasievolle Recherche, ja die ganze Komposition seiner Erzählung! Historische Häppchen der Extraklasse werden hier serviert, die sich zu einer Geschichte verdichten - man möchte zu gern erfahren, wie es weitergeht!
Mir manchmal ein wenig zu dicht, zu konzentriert, ich liebe es, wenn ich beim Lesen zwischendurch etwas abschalten, entspannen, nachsinnen kann - das war hier nicht möglich, da hätte man den Faden verloren.Ein historischer Roman vom Feinsten, aber wirklich vom Allerfeinsten: das versprach Alex Capus' neuer Roman "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" zu werden, aus meiner Sicht sind es eher fiktive Biographien, die hier transportiert werden - sehr, sehr spannend und vielschichtig - vom Autor haben sie sicher jahrelange Recherchen abverlangt, vom Leser wird allerhöchste Konzentration verlangt - sonst versäumt man rasch Wesentliches. Capus' wunderbare Sprache, die ich bereits in früheren Werken, allen voran "Leon und Louise" genossen habe, macht auch dieses Buch zu einem Lesegenuss.

Wer allerdings denkt, dass hier nahtlos an den stimmungsvollen Roman "Leon und Louise" angeknüpft wird, der hat sich ganz schön getäuscht - Capus zeigt, dass er auch ganz anders kann, dies ist ein anderes Genre, die beiden Bücher vom Aufbau her nicht zu vergleichen. Ich finde es toll - man bekommt einen Vorgeschmack von der Bandbreite des Autors und ich bin sicher, der großartige Fante-Übersetzer hat als Autor noch einiges in petto! Ich empfehle dieses Buch allen, die Geschichte und Biographien mögen, die offen sind für Neues, vor allem für die große literarische Begabung und das breite Spektrum des Autors! Ich jedenfalls bin sehr gespannt darauf, was er noch so aushecken wird!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen SO GUT!, 14. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alles, was ich beim vorherigen Buch "Leon und Louise" noch kritisiert habe, ist hier wunderbar. Und alles, was ich beim vorherigen Buch gelobt habe, ist noch wunderbarer.

„Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ – der Name sagt doch eigentlich schon, worum es in dem Buch geht, oder nicht?

Der Fälscher – namentlich Emile Gilliéron, ein Schweizer Junge, der eigentlich Künstler werden will und zum größten Fälscher der Archäologie und Kunst wird. Das bekannte historische (minoische) Kunstwerk „Blue Boy“ stammt von ihm. Er arbeitete einst mit dem Archäologen Arthur Evans daran, den Palast von König Minos auf Kreta auszugraben und zu rekonstruieren. Und bei dieser Rekonstruktion sind ihm wohl einige… Fehler unterlaufen.

Die Spionin – namentlich Laura d’Oriano, eine junge Italienerin, die eigentlich Sängerin werden möchte und zur einzigen jemals hingerichteten Frau in Italien wird – verurteilt als französische Spionin im 2. Weltkrieg.

Der Bombenbauer – namentlich Felix Bloch, sicherlich der bekannteste dieser drei historischen Figuren. Ein pazifistischer Schweizer, der eigentlich Gullideckel gestalten will, dann aber zum besten Schüler Heisenbergs und zum Pionier der Atomphysik in den USA wird und später gemeinsam mit Robert Oppenheimer die Atombombe entwickelt.

Alle diese drei Personen, deren (reale!) Lebenswege hier rekonstruiert werden, haben eigentlich nichts gemeinsam. Außer einen Moment in ihrem Leben – im November 1924, als sich alle zur gleichen Zeit am Zürcher Bahnhof befunden und sich gegenseitig gesehen haben könnten.

Wie oft sitzt man im Zug und sieht Menschen, die am Bahnsteig stehen, aus Zügen aussteigen oder in andere Züge einsteigen. Und jeder hat sich doch wahrscheinlich schon mal gefragt, was diese Menschen jetzt wohl machen, wohin sie fahren. Was sie für ein Gefühl dabei haben. Und Alex Capus hat eine dieser Geschichten erzählt. Und sich dafür drei außergewöhnliche historische Persönlichkeiten ausgesucht.

Abwechselnd erzählt er ihre Lebenswege, die sich bis auf diesen einen Abend in Zürich nicht berühren, sich sogar in unterschiedlichen Ländern abspielen.

Bemerkenswert dabei ist, wie auch schon in „Léon und Louise“ vor allem Alex Capus Schreibstil, der distanziert, geradezu unbeteiligt wirkt. Und dadurch erst die ganze Kraft der Situation darstellt. Der den Figuren Raum gibt, sich selbst auszudrücken, ohne dass eine Erzählerfigur dies oder das bemerkt oder vermutet oder bewertet.

Dadurch ist das Buch zwar recht dünn und liest sich sehr schnell, aber es ist so wahnsinnig viel Inhalt in diesen wenigen Seiten!

Man hätte aus dem Buch auch einen 2000- Seiten- Schinken machen können. Aber dies nicht zu tun, sich darauf zu beschränken, was essentiell ist: Das macht Capus zu so einem guten Schriftsteller. Der auch mal schweigen kann, sodass der Leser sich seinen Teil denkt.

Der es schafft, drei so unterschiedliche Lebenswege miteinander zu verbinden und sie alle gleichwertig darzustellen. Der es fertigbringt, dass man mit allen Figuren mithofft und mitleidet und sich mit ihnen freut, wenn ihnen etwas Gutes widerfährt.

Zusammenfassend also: In „Léon und Louise“ brauchte ich noch (wie auch in der Rezension beschrieben) ungefähr ein halbes Buch, um mich mit Capus und seinen ungewöhnlichen Figuren anzufreunden. In „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ hatte ich diese Probleme nicht mehr. Vom ersten Satz an war ich von diesem Buch gefesselt. Und das nächste Buch liegt somit schon auf meinem Stapel der Neuerwerbungen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant erzählte Zeitgeschichte im Taschenformat, 28. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Drei Lebenslinien kreuzen sich, ohne dass die Protagonisten sich dessen bewusst wären, im November 1924 im Züricher Hauptbahnhof, von wo aus sich dann drei höchst unterschiedliche Biographien entfalten, begleitet von den wirtschaftlichen und sozialen Ereignissen der damaligen Zeit, Weltwirtschaftskrise, Vorkriegszeit, Kriegs- und Nachkriegszeit. Eine spannende und lehrreiche Weltgeschichtsstunde.
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5.0 von 5 Sternen Kurzweilig und vergnüglich, 20. Mai 2015
Capus beschreibt die Lebensgeschichte dreier Menschen, die einander nie wissentlich begegnet sind, ab den 20-iger Jahren des letzten Jahrhunderts. und dennoch schein ihr Schicksal lose verbunden. Für zwei der drei stellen die Machtübernahme der Nazis und der zweite Weltkrieg, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen, eine Zäsur da. Die lebenslustige Varieteesängerin Laura d’Oriano stolpert mehr in die Widerstandsbewegung gegen die Nazis als sie die Überzeugung dahin zog, der Physiker Felix Bloch wird wider Willen zu einem der Väter der amerikanischen Atombombe. Emile Gilliéron, ein Maler der von seiner Kunst kaum seinen Lebensunterhalt zu bestreiten vermag verdingt sich in Griechenland als archäologischer Zeichner und macht damit sein vermeintliches Glück. Auch wenn Capus wegen offenbar der ein oder anderen zeithistorischen Ungereimtheit von der professionellen Kritik kritisiert wurde, so ist sein Roman dennoch von einer bezaubernden Leichtigkeit, wie man sie schon aus seinem Erfolgsroman Léon und Louise kennt. Einfach ein vergnügliches, kurzweiliges und schönes Buch.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mir gefällt die Vorstellung, dass..., 3. August 2013
Ein Genuss, eine Wohltat kurzweiliger Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau ist mir der neue Roman Alex Capus', der in einer Leichtigkeit die Biographien, die abgezweigten Lebenswege dreier ausgewählter Persönlichkeiten skizziert, ohne dabei auf prickelnde Spannung, spitzfinden Humor und das Gewissen zu verzichten!!!

Der Atomphysiker Felix Bloch als junger Mann, die Spionin Laura d'Oriano als junges Mädchen und Emile Gilliéron jun. mit der Asche seine Vaters könnten sich nur kurz, womöglich voneinander unbemerkt am Bahnhof einer Stadt am Züricher See streifen und dann nicht wieder. Es könnte Anfang November 1924 gewesen sein.

Voneinander unabhängig erzählt Alex Capus die drei Geschichte von großen Träumen, Ideologien und dem Abwenden von Konventionen und einem gänzlich anderen Ausgang - vielleicht war ein Krieg dazwischen gekommen, oder das eigene Leben.

Wir begegnen einer jungen Frau, die davon träumt eine große Sängerin zu werden und sich bald eingestehen muss, dass "ihr großes, weites Gefühl in der Brust, dem sie eines Tages Ausdruck verleihen wird" (S8) nicht dem Singen vergönnt ist, begleiten sie auf ihrer Flucht vom konventionellen Leben in die Welt der Spione. Wir folgen einem jungen Mann, einem Pazifisten, einem Ingenieur in spe, dem die Konstruktion von Kanaldeckeln überdrüssig wird in die Wissenschaft der Atomphysik, tragen seine Karriere zu Heisenberg nach Leipzig und lassen mit ihm seine Freunde hinter der feindlichen Linie zurück, um schließlich - Zeit seines Lebens von Neutronen gefesselt - mit Oppenheimer an der Atombombe zu feilen. Und wir entdecken mit Emile Gillièron, Troja und König Minos Palast an der Seite Schliemanns uns Evans, sein großes Talent, seine Gabe große Künstler zu reproduzieren und sehen großzügig über seine gekonnt partiellen Wiedererschaffung" so mancher historisch wertvoller Fresken hinweg.

Mit seinen Vermutungen - dem Gerüst des Romans - die der Autor mit uns Lesern teilt, schenkt er der Geschichte eine weitere Dimension, denn uns fehlt die Gewissheit, dass sich alles tatsächlich so zugetragen hat!

"Man weiß nichts über dieses Gespräch, das doch das wichtigste und schwerste in Felix Blochs Leben gewesen sein muss, weil er in jener Stunde eine verbindliche Antwort auf die Frage finden musste, ob er es - ja oder nein? - vor seinem Gewissen verantworten konnte, im Dienste der Freiheit, der Menschlichkeit und des Weltfriedens über die schrecklichste Tötungsmaschine der Menschheitsgeschichte nicht nur nachzudenken, sondern diese tatsächlich zu konstruieren;" (S249)

Chapeau!!!
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5.0 von 5 Sternen Großes Erzähler-Tennis, 4. Januar 2015
Dieses Buch hat mich endgültig zum glühenden Alex-Capus-Verehrer gemacht. Capus hat drei Lebensläufe (ein Maler und Kunstfälscher, eine Sängerin und Spionin und ein Atomphysiker) der Weltkrieg-II-Generation recherchiert und erzählt die Geschichten, auf die er stieß, ineinander verflochten. Die drei Protagonisten sind Helden mehr oder weniger wider Willen, ihr Tun hat den Ausgang des 2. Weltkriegs mehr oder weniger beeinflusst, alle drei sind unglaublich interessante, faszinierende Persönlichkeiten. Nach drei, vier Absätzen hat Capus einen mit seinem lakonischen, quasi-dokumentarischen Stil wider gefangen und man blättert um und um und um, bis man das dünne Bändchen verschlungen hat. Ganz großes Erzähler-Tennis.
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Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman
Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer: Roman von Alex Capus (Gebundene Ausgabe - 29. Juli 2013)
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