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4,1 von 5 Sternen
Ziemlich verletzlich, ziemlich stark: Wege zu einer solidarischen Gesellschaft
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So wie jetzt kann es nicht weiter gehen. „Ständig stehen wir unter Druck, sollen enorm hohe Ansprüche erfüllen und diesen überhöhten Maßstäben bezüglich unserer Leistung, Schönheit, Jugend, Unverwundbarkeit, ja sogar Unsterblichkeit dauerhaft gerecht werden. Das führt zu permanenten Angstzuständen, denn selbst ohne Behinderung wissen wir im tiefsten Herzen, dass Verletzlichkeit unverbrüchlich zu unserem menschlichen Dasein gehört.“
Angst, das ist das vorherrschende Gefühl im Umgang mit Behinderten, sie werden in der Gesellschaft zu „Unberührbaren“. An die eigene Verletzlichkeit, an die eigene Sterblichkeit will niemand erinnert werden. Unfälle und schwere Erkrankungen passieren immer nur den Anderen.
Wirklich? Philippe Pozzo di Borgo musste buchstäblich am eigenen Leib erfahren, wie zerbrechlich der menschliche Körper ist, wie sehr sich das Leben von einem Moment zum nächsten grundlegend ändern kann. Bei einem Gleitschirmunfall hat er sich den 3. und 4. Halswirbel gebrochen und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Seine Geschichte und wie er durch seinen vorbestraften Pfleger aus der Depression geholt wurde, kann man in den Büchern Ziemlich beste Freunde und Einfach Freunde nachlesen oder sich im Film ansehen.
Im vorliegenden neuen Buch geht Philippe der Frage nach, wie eine solidarische Gesellschaft aussehen könnte. Dieses Buch ist kein Erfahrungsbericht, sondern ein philosophisches Manifest.
Wir sollten uns dringend wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, fordert Philippe. Der Wert des Menschen müsse wieder an dem gemessen werden, was er als Mensch ist, nicht an der Rolle, die er in der Gemeinschaft spielt.
Behinderte sieht Philippe auf dem Weg in eine solidarische Gesellschaft in der Rolle der „Wächter“, die an die menschliche Verletzlichkeit erinnern. Denn sie haben die Erfahrung gemacht, „dass das Annehmen der eigenen Schwäche zu jener Erfüllung verhelfen kann, nach der so viele von uns suchen.“
Es macht frei, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen; frei von der Angst vor unserer Sterblichkeit können wir unser Leben erst richtig intensiv leben und die Gegenwart genießen, im Hier und Jetzt leben. Es sind die kleinen Dinge, die glücklich machen. „Trotz all des Leids freue ich mich sehr, dass ich lebe. Wenn Sie wüssten, wie gut mir meine Tasse Kaffee am Morgen schmeckt!“, sagt Philippe.
Von den meisten Menschen werden diese glücklichen Momente aber gar nicht mehr wahrgenommen, weil sie mit ihren Gedanken ständig bei der Zukunft sind. Und diese Gedanken sind von der Angst vor Misserfolg geprägt. „Warten Sie nicht, bis Sie unberührbar geworden sind, um das Glück wieder in Ihrem Leben zuzulassen“, rät Philippe. Er appelliert an die Zuversicht.
Philippe stellt das Projekt Arche und den Verein Simon de Cyrène vor, in denen Behinderte und Nichtbehinderte sich begegnen. Jugendliche, die in solchen Einrichtungen ihr Freiwilliges Soziales Jahr durchführen, lernen dort etwas für ihr weiteres Leben. Das gemeinsame Leben und vor allem Lachen mit den Behinderten baut Berührungsängste ab und verhindert den Blick, der ausschließt, weil er nur die Beeinträchtigung sieht. Die Jugendlichen lernen, auf das Andere zuzugehen und legen in diesen Einrichtungen das „Diplom des Herzens“ ab. Dabei spielt auch die Kraft der Berührung eine große Rolle.
Wir brauchen dringend wieder das Engagement für die Gesellschaft, Menschen, die sich einmischen, die sich für Andere einsetzen. Das würde uns allen gut tun.
In Deutschland könnte man eigentlich zuversichtlich in die Zukunft blicken, denn die deutsche Regierung ist der UN-Menschenrechtskonvention beigetreten und führt die Inklusion in den Schulen ein. Das könnte optimistisch stimmen. Eigentlich. Leider wird einmal mehr von oben nach unten entschieden und man verzichtet auf eine ausreichende Ausstattung mit Mitteln. Die bestehenden Berührungsängste werden so nicht abgebaut, sondern eher verstärkt.
Umso wichtiger ist es, selbst die Initiative zu ergreifen. Ein Anfang wäre es, dieses schmale Buch zur Schullektüre zu machen und daraus Projekte der Begegnung entstehen zu lassen.
Dieses wichtige – und dabei gut lesbare – Manifest sollte überhaupt von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Denn so wie jetzt kann es wirklich nicht mehr weitergehen.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 4. Dezember 2012
Der Film "Ziemlich beste Freunde" hat viele Millionen Menschen in die Kinos gelockt und berührt. Dabei ging es ja vor allem darum, auf recht amüsante Weise zu zeigen, wie man den Alltag auch als Behinderter meistern kann. Das jetzt erschiene Buch ist sicher ernster und nachdenklicher - aber gleichwohl lesenswert. Denn es geht um die Frage, ob Produktivität wirklich das Maß aller Dinge in unserer Leistungsgesellschaft ist, oder nicht doch noch andere Werte zählen, bzw. gar wichtiger sind.

Kaum ein anderer könnte diese Frage besser beurteilen, als der Autor selbst. Denn er war ja selbst hochbezahlter Industriemanager und Abenteuersportler, als er beim Gleitschirmfliegen einen Unfall erlitt und seitdem vom Hals an gelähmt ist. Seine Schlussfolgerung und sein Rat an uns alle ist daher: wir sind alle verletzlich, aber gerade darin liegt unsere Stärke. Wenn wir uns dieser Verletzlichkeit bewusst werden, fällt es uns leichter, auf Behinderte zuzugehen und an einer menschlicheren Gesellschaft mitzuwirken. Und davon profitiert auch jeder Einzelne selbst: denn wer Angst vor anderen hat, zeigt damit auch, dass er Angst vor sich selbst hat.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Februar 2013
Sehr interessantes Buch. Nur das Cover hätte in der Form nicht sein müssen - hier geht es nämlich nicht um die Filmdarsteller der Thematik, sondern um die Inhalte.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Juli 2013
Ein Buch, das nachdenklich stimmt und mich in meiner Wahrnehmung bestätigt:
In unsere Zeit zählt nur noch Leistung, Erfolg, Coolness, das Recht des Stärkeren und Besseren.
Dieses Buch zu lesen, rüttelt auf, den Umgang mit den eigenen Gefühlen und Einstellungen zu überprüfen.
Und hoffentlich macht es genügend Menschen Mut, die Stimme des Herzens zu erforschen!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Dezember 2012
Ich finde den Titel vielversprechender:
Habe mehr erwartet; trägt trotzdem dazu bei,
einiges im Umgang mit Mitmenschen zu überdenken.
Würde es auch weiterverschenken.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Mai 2013
Nach dem Film ein sehr tolles Buch mit einigen neuen Denkanstößen und vielen schönen Zitaten. Man wird sehr zum nachdenken anregret!
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Januar 2013
Leider nicht das, was ich erwartet habe. Das Buch ist sehr kurz und hat wenig Inhalt (wiederholt sich ständig). Außerdem werden mehrere Leute zitiert, aber es wird nie klar erkenntlich, aus wessen Feder bzw. Mund der jeweilige Abschnitt gerade stammt. Die Botschaft ist wichtig und jeder erkennt sich irgendwo selbst wieder, aber das Buch selber ist doch eher überflüssig. Liest sich wie ein Uni-Buch.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Februar 2013
habe dieses Buch als Ergänzung zu den anderen beiden Büchern erworben und wollte mir damit einen Überblick zum Verhalten gegenüber Behinderten verschaffen.
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