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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sexualethik zwischen Ali Ibn Nasr und Sayyid Qutb
Die arabische Welt - das zeigen die Ereignisse der letzten zwei Jahre deutlich - ist in Aufruhr und befindet sich in einem Prozess vielfältiger kultureller Umbrüche. El Feki zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die auch im Bereich der Sexualität tief verunsichert und zerrissen ist. Dabei war der Orient für Europäer einst der Inbegriff des...
Vor 15 Monaten von FMA veröffentlicht

versus
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1.0 von 5 Sternen Enttäuschend
Dieses Buch zeigt vor allem eines: dass eine aussagefähige Recherche unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich ist in einem Land wie Ägypten.
Wissenschaftlichkeit wurde von vornherein gar nicht erst angestrebt, aber was soll man diesen ziemlich willkürlichen Interviews entnehmen?
Insofern: überflüssiges Buch, weil ohne jeglichen...
Vor 13 Monaten von lumpazivagabundus veröffentlicht


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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sexualethik zwischen Ali Ibn Nasr und Sayyid Qutb, 29. Mai 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sex und die Zitadelle: Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt (Gebundene Ausgabe)
Die arabische Welt - das zeigen die Ereignisse der letzten zwei Jahre deutlich - ist in Aufruhr und befindet sich in einem Prozess vielfältiger kultureller Umbrüche. El Feki zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die auch im Bereich der Sexualität tief verunsichert und zerrissen ist. Dabei war der Orient für Europäer einst der Inbegriff des Sinnlichen, assoziiert mit Harem, Vielehe, Bauchtanz usw. In der Tat handelte es sich dabei nicht nur um Klischees. Denn, so die Autorin, es gibt diese Tradition der positiven Bewertung des Erotischen. Schon der Prophet hätte gemahnt, sich Zeit für das Liebesspiel zu nehmen. Er solle ihr gegenüber nicht herrisch auftreten und sie vielmehr mit Küssen und süßen Worten" zum dahin schmelzen bringen.

Die frühabbasidische Zeit sei nicht nur eine Periode kultureller Blüte sondern auch relativer sexueller Freizügigkeit gewesen. Aus dem 10. Jahrhundert stammt die Enzyklopädie der Lust" von Ali ibn Nasr, eine Art frühmittelalterlicher Boccaccio wenn nicht gar Kinsey. Darin sind alle denkbaren Spielarten der Sexualität beschrieben, sehr lebhaft und mit viel Witz; ganz nach dem Geschmack der Autorin. An dieser Stelle des Buches wird denn auch deutlich, wie die Autorin selbst über das Thema denkt: Anything goes oder besser: Anything should go the way a person likes it. Trotzdem passt sie in kein gängiges Klischee; sie ist keine der üblichen libertären Missionarinnen, dem Typus Reyhan ªahin ist sie gewiss nicht zuzuordnen; einer Judith Butler gleicht sie schon gar nicht. Sie beschreibt und versucht zu verstehen; intellektuell, geistvoll, unideologisch, ohne zu werten, sehr menschlich, mit Herz und Humor.

Auch die Märchen aus 1000 und einer Nacht" enthalten in der Urfassung viel Erotik. Zudem gab es stets Tendenzen, dem Liebesakt eine Art spirituelle Dimension beizumessen. Diese Perspektive erörtert die Autorin im Gespräch mit dem tunesischen Literaten Bouhdiba. - Doch es gab im islamischen Raum immer wieder auch Bewegungen bzw. Epochen, in denen ein rigides Sexualitätsverständnis vorherrschte, so etwa unter den Dynastien der Fatimiden, Almoraviden und Almohaden. Im christlichen Kulturkreis gab es ähnliche periodische Trendwechsel. Allerdings wurde die ursprünglich sehr bejahende judeo-christliche Haltung gegenüber der Sexualität (man denke an das Hohelied Salomons) schon bei den Kirchenvätern unter Einfluss des Neuplatonismus durch eine eher ambivalente Einstellung, die zwar im sexuellen Akt etwas schöpfungsgemäß Gutes, in sexueller Lust jedoch eher ein unvermeidbares Übel sah, ersetzt.

Spätestens im 19. Jahrhundert, so die Autorin, hatte sich jedoch das Blatt gewendet. Nun wunderte sich der Gelehrte al Tatawji , der von dem damaligen ägyptischen Herrscher Mohammad Ali Pascha auf eine Bildungsmission nach Europa gesandt wurde, über den hohen Stellenwert, den die Franzosen der Liebeskunst" beimaßen; ist beeindruckt von Charme, Anmut und Selbstbewusstsein, welches die franz. Frauen in einer Atmosphäre aufkommender Gleichberechtigung entwickelt hatten. Andererseits staunt er, dass die Franzosen so gar keinen Sinn für Homoerotik, Knabenliebe u. dgl. erkennen ließen, vielmehr eine natürliche Abscheu" zeigten, was zur damaligen Zeit im islamischen Raum offenbar anders aussah.

Im frühen zwanzigsten Jahrhundert waren sich die beiden Kulturkreise - zumindest was Nordafrika betraf - vermutlich so nah wie nie zuvor und nie danach. Eine neue Freizügigkeit brach sich hier wie dort Bahn; in vielerlei Hinsicht war die Zeit der unsrigen gar nicht mehr so unähnlich. Doch rief dies wiederum die eher konservativen Kräfte auf den Plan. In den 1920er Jahren entstand in Ägypten die Muslimbruderschaft, von den 50ern an fanden die in der Haft unter Nasser verfassten Schriften Sayyid Qutbs, der vor dem Hintergrund seiner in den 40ern in den USA gemachten Erfahrungen den Sittenverfall des Westens anprangerte und vor dem zersetzenden Einfluss auf die islamische Kultur warnte, zunehmend Verbreitung. Die islamistische Lesart bestimmte immer größere Teile der Gesellschaft, die eher säkularen Kreise sahen sich zumind. moralisch unter Legitimationsdruck und zogen in vielerlei Hinsicht mit den Fundamentalisten gleich.

Andererseits dringt nun insbesondere in den letzten Jahren über das Internet auch die westliche Kultur" vermehrt in die konservative Wertewelt des Islam ein. In einem Land wie Ägypten ergibt sich so ein Spannungsfeld extremer Sichtweisen. Traditionell hatte die islamische Kultur durchaus Muster entwickelt, die zwischen religiösem Anspruch und menschlicher Schwäche vermitteln. Die Ehe ist seit jeher die Institution, die den Rahmen verantwortlich gelebter Sexualität darstellt. Das sähe nach wie vor die große Mehrheit der Ägypter so. Es gibt jedoch eine Deutungslücke bezüglich der Frage, was Ehe ist, die Rechtsgelehrte mit verschiedenen Konstrukten ausfüllten. Zu Mohammeds Zeiten gab es keine Standesämter. Dies macht man sich zu nutze, indem Paare inoffiziell einander ein Gelübde ablegen - entweder befristet oder unbefristet. Selbst im Bereich der Prostitution stellen Imame gegen geringe Gebühr Zertifikate für Kurzzeitehen aus. Da das Konkubinat seit jeher als legal gilt, gibt es für einmalige Akte auch die Möglichkeit, dass die Prostituierte gegenüber dem sie aufsuchenden Freier eine Art Ergebenheitserklärung abgibt, mit dem sie sich selbst in diesen Status versetzt.

Damit ist bereits deutlich gemacht, dass selbst in der traditionell islamischen Gesellschaft viele Formen sexueller Beziehungen und Betätigungen zu finden sind, die der Westen auch kennt, wenngleich unter Deckmäntelchen verschiedenster Art. Ein absolutes No Go ist natürlich die außer- oder besser nebeneheliche sexuelle Betätigung der Frau. Die Jungfernschaft bei Eheeintritt ist nach wie vor ein hohes Gut. Paare, die vorehelichen Sex haben, was in der jungen Generation vermehrt auch ohne die beschriebenen nicht-amtlichen Ehe"-Erklärungen geschieht, müssen also erfinderisch sein.

Prostitution in islamischen Ländern, so die Autorin, sei ein weit größeres Thema als gemeinhin angenommen. Allein in Kairo gäbe es ca. 800 Hotspots; Preise bewegten sich um die 12,50 Euro. Osteuropäische Frauen sind hier ebenso zu finden, wie einheimische oder Migrantinnen aus Schwarzafrika, insbes. Sudan, oder auch aus Marokko. Die vermeintliche Leichtlebigkeit der Marokkanerinnen sei im islam. Raum mittlerweile sprichwörtlich. Reiche saudische Touristen laufen in Kairo vermehrt auf, auch um Agenturen zu nutzen, die sog. Sommerehen" vermitteln. Ein besonders übles Kapitel hierbei ist die gängige Vermittlung von Minderjährigen.

Ägypten gälte mittlerweile als einer der Hauptumschlagsplätze für den Frauenhandel. Für schwarzafrikanischer Frauen liegt hier ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Europa. Das verschafft dem Milieu einen konstanten Durchlauf. Während die Regierung Mubarak hiergegen auf US-amerikanischen Druck hin noch wirksame Gegenmaßnahmen initiiert hätte, geschieht derzeit offenbar kaum etwas. - Neben Kairo sind Addis Abeba, Tunis, Marrakesch, Istanbul beliebte Destinations für arabische Sextouristen. Umgekehrt gibt es einen wachsenden Markt für männliche Prostituierte in Ägypten für Frauen aus dem Westen.

Anders als man meinen könnte, werden Prostituierte überwiegend von verheirateten Männern aufgesucht. Das Sexualleben der arabischen Singles läge hingegen weitgehend im Dunkeln, und auch der Autorin gelang es nicht, hier aussagekräftige Erhebungen zu machen. Zum Einen, weil es restriktive Vorgaben seitens der Behörden bezüglich der Formulierung von Fragestellungen gegeben habe, zum anderen, weil das Thema für die meisten ägyptischen Jugendlichen zu schambesetzt sei, um ehrliche Antworten zu erhalten. Fakt ist nur, dass man von einer Annäherung an westliche Verhaltensmuster ausgehen kann. Zur Partnerschaftsanbahnung dienen Shopping-Malls, Mac Donald und Starbucks, da die Geschlechter hier unkompliziert einander begegnen können. Um ungestört zu sein, fährt man oft hinaus aus Kairo; dorthin, wo die Wüste beginnt.

Die islamische Welt ist sehr jung - die Altersspanne von 15-30 umfasst 100 Mio. Die große Mehrheit dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Single. Die wachsenden materiellen Ansprüche machen auch das Heiraten im Vollsinn - mit amtlichem Trauschein - nicht einfacher. Feier und Aussteuer seien unter 2500 Euro kaum zu machen. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der niedrigen Löhne ergibt sich hier ein nicht zu unterschätzendes Krisenpotenzial. Eine weitere Belastung und männliche Identitätsbedrohung - so die Autorin - ergäbe sich im Zuge des wachsenden Selbstbewusstseins der Frauen. Therapeuten und Berater berichten von deutlichen Veränderungen im Zuge der Arabellion". Kamen Paare früher fast immer auf Drängen der Männer in die Praxis, so ist es nun immer öfter umgekehrt. Männer fühlten sich zunehmend unter Leistungsdruck, was zu einer weiten Verbreitung von Potenzstörungen führe. Für um die 40% der Männer gelte dies mehr oder weniger schon für die Hochzeitsnacht, die in der islamischen Welt traditionell im Scheinwerferlicht der gesamten Hochzeitsgesellschaft steht. Deutlich zum Ausdruck kommt das, wenn man mit dem blutigen Laken des Hochzeitsbettes wie im Triumphzug durch die Nachbarschaft marschiert - Erweis ihrer Jungfräulichkeit ebenso, wie seiner Manneskraft. Vor dem Hintergrund all dessen boomt der Viagra-Absatz in Ägypten, Original oder Generika gäbe es dort überall frei für 1,75 Euro das Stück. - Ansonsten weit verbreitet die wohlbekannte Klage der Ehefrauen: Männer fangen zu schnell an, sind zu schnell fertig und drehen sich zu schnell auf die Seite. Insgesamt gäbe es in den ägyptischen Ehen viel Unzufriedenheit in sexueller Hinsicht.

Wie sieht es beim Thema Homosexualität aus? Die Autorin macht deutlich, dass kulturell bedingt eine weit größere Nähe innerhalb der Geschlechter als im Westen zur Normalität gehört. Teestuben und modernere Etablissements sind oft nur von Männern bevölkert. Der Blick hinein zeigt nicht selten Szenen, die man im Westen nur aus Lokalitäten für Schwule kennt. Auch zwischen Frauen ist ein Umgangston normal, der im Westen den Eindruck großer Intimität vermittelt. Weibliche Homosexualität, so die Autorin, werde weitgehend ignoriert. Für männliche gilt das im Prinzip ebenso, solange diese verdeckt praktiziert wird. Die von der Autorin befragten Männer mit homosexueller Erfahrung berichten überraschend frei von Angst vor irgendwelchen Repressalien. Sie lehnen die schrille Gay-Kultur westlicher Aktivisten zumeist als unnatürlich ab. Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist die HIV-Prävention, ein Tätigkeitsfeld der Autorin als UN-Beauftragte. U.a. praktizieren hier NGOs - ebenso wie auf dem Feld der von der Autorin ebenfalls abgehandelten Genitalbeschneidung - Aufklärungsarbeit und verteilen Kondome.

Auch die Sichtweisen auf Homosexualität variieren. Ein wenig skeptisch berichtet El Feki von Therapeuten, die in ihr, wie das DSM bis 1973 und das ICD bis 1992 eine Entwicklungsstörung sehen, zeigt sich aber doch auch nicht ganz unbeeindruckt von dem Gespräch mit dem koptischen Psychotherapeuten Wasfy und der Heilungsgeschichte eines Klienten. Wasfy vertritt die Ansicht, dass das christliche Gottesbild eine verändernde Kraft, sowie eine durch den Therapeuten zu vermittelnde bedingungslose Annahme und Wertschätzung impliziert, die zutiefst heilsam und lebensverändernd wirken kann. Auch viele Muslime suchen ihn auf. Der von der Autorin interviewte Betroffene berichtet von der tiefen Verunsicherungen und Identitätskrise, die ihn in die Behandlung führte. Bei Wasfy bzw. im Rahmen einer Therapie-Gruppe hetero- und homosexueller Männer, in die er integriert wurde, konnte er offen sein, ohne dass sich dies im mindesten auf den Respekt und die Achtung, die man ihm entgegenbrachte, auswirkte. In dieser Atmosphäre konnte er zu sich selbst finden, herausfinden, wer er selber ist und ein ganz neues Selbstwertgefühl entwickeln. Im offenen freundschaftlichen Verhältnis mit anderen Männern ergaben sich für ihn zudem Identifikationsmöglichkeiten sowie vielfältige Korrekturen verzerrter Selbst- und Fremdwahrnehmung. Der sexuelle Aspekt im gleichgeschlechtlichen Umgang verblasste. Als er eine verständnisvolle Partnerin fand, war dies für ihn zunächst sehr ungewohnt. Doch das anfänglich zarte Pflänzchen gegengeschlechtlicher Zuneigung begann sich zu entfalten und zu blühen. Heute haben beide Kinder und sind eine glückliche Familie.

Die Beschreibung der Autorin hebt sich überraschend positiv von den ebenfalls von ihr wiedergegebenen Berichten anderer Therapeuten ab, die political correct im westlichen Sinne auf Hilfesuchende dahingehend einwirken, dass diese doch ihre Veranlagung endlich annehmen sollten, obgleich sie dies teilweise gar nicht wollen, emotionale Konflikte der Betroffenen gar mit Psychopharmaka weg bügeln.

Das Fazit der höchst interessanten kulturpsychologischen Studie ist, dass es der ägyptischen Gesellschaft, der traditionell eine Art Vorreiterrolle und Modellwirkung in der islamischen Welt zukommt, v.a. an wechselseitiger Akzeptanz und Offenheit fehlt. M. Foucault - auf den die Autorin Bezug nimmt - war in seinen Analysen einst zu dem Schluss gekommen, dass das Sexualleben des Westens noch im 19. Jh. vital und gesund gewesen sei, dann aber unter den Druck der pathologischen Klassifikation geraten sei. Mit der Psychoanalyse, die sich als Befreierin gerierte, hätte sich eine Kategorisierung in Normal und Unnormal etabliert. Früher habe die Beichte die Möglichkeit eröffnet, über sexuelle Dinge offen zu reden und immer auch Annahme - Absolution - vermittelt. Für El Feki hat das zwei Seiten. Der Islam kenne nichts der Ohren-Beichte vergleichbares. Damit verbunden sei eine fehlende Tradition der Offenheit und Kommunikation aber andererseits auch dass Signal, dass seitens übergeordneter Instanzen kein Anspruch besteht, die Intimsphäre des Einzelnen auszuleuchten. El Feki vertritt keineswegs den Standpunkt radikaler Säkularisten, dass der Islam überwunden werden müsse; sie ist vielmehr der Ansicht, dass erfüllende Sexualität mit praktizierter Religion bestens vereinbar ist. Sie plädiert aber dafür, die individuelle Freiheit und Privatsphäre zu respektieren, sowie - bspw. durch Sexualkundeunterricht an Schulen - ein Mehr an wechselseitiger Empathie und Kommunikation zu kultivieren.

Wenngleich die Autorin gewisse Sympathien für Wilhelm Reichs Theorien über den Zusammenhang von kulturell bedingter Triebunterdrückung und Autoritätshörigkeit in Diktaturen hegt ("Massenpsychologie des Faschismus"), schwingt sie nicht das Banner sog. sexueller Befreiung". Zu gut weiß sie, welche Probleme im sexuellen Bereich auch in der westlichen Welt bestehen; zu bewusst scheint ihr auch zu sein, wie massiv ein solcher Schuss regelmäßig in den Kulturen der Schwellen- und Entwicklungsländer gerade für Frauen nach hinten los geht. Der fundamentale Unterschied zwischen entgrenzter und befreiter Sexualität wird eben allzu oft übersehen.
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5.0 von 5 Sternen Let's talk about sex, habibi!, 25. November 2013
Von 
K. Beck-Ewerhardy "kgbeast" (Moers) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sex und die Zitadelle: Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt (Gebundene Ausgabe)
Die tunesische Revolution um Arbeitslosigkeit, fehlende Freiheiten und andere Missstände hat in vielen anderen Ländern Nordafrikas für Folgeaufstände gesorgt – so auch in Ägypten, wo der Vater der Autorin herkommt. Das Ägypten, das zunächst Morsi gewählt und dann abgesetzt hat, in dem am 25.11. der bekannte und in Ägypten mit einer Fatwa belegte Hamed-Abdal-Samed verschwunden ist und nun als entführt gilt und an dem am Tag zuvor das Versammlungsrecht extrem eingeschränkt worden ist. Dies sind neuere Entwicklungen, die das vorliegende Buch noch nicht mit berücksichtigen konnte.

„Sex und die Zitadelle“ versteht sich als der Versuch einer Datensammlung und Analyse zu einem Thema, zu dem die meisten Regierungen gar nicht unbedingt so genaue Daten sammeln möchten um nicht aus religiös-sozialer Sicht in Handlungsdruck zu kommen. Die Zitadelle von Kairo, die vor etwa einem Jahrtausend von Salah al-Din erbaut worden ist , stammt aus einer Zeit, in der der muslimisch arabische Raum für die meisten Europäer in Bezug auf Sexualität und Erotik Sündenpfuhl und Honigtopf zugleich gewesen ist.

In der folgenden Kapiteln geht es dann um Ehefrauen – sinnig übertitelt mit „Desperate Housewives“ -, das Singleleben in der arabischen Welt, das wirklich kein Zuckerschlecken ist, den Stand der sexuellen Aufklärung, Prostitution und die verschiedenen Spielarten der Homoerotik und der Trans- und anderer Sexualität. Dabei kann man dann beim Lesen eine Menge über die tatsächlichen Gesetze zu diesen Themen erfahren und auch die Auslegungen aus dem Koran und den Begleitschriften, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

Die Datenlage ist schwierig für viele der angesprochenen Themen, aber die studierte Immunologin, die lange für die UN Global Commission on HIV und the Law gearbeitet hat, weist immer wieder auf diese Unsicherheiten hin und zeichnet gerade dadurch ein sehr vielschichtiges und vom Gefühl her ausgeglichenes Bild der Situation zur Drucklegung des Buchs. Das Ergebnis ist mit Bezug auf den arabischen Raum ziemlich erhellend – und im Gegenzug für die westlichen Kampagnen LGBT-Bereich auch mit einigen überaus bedenkenswerten Ideen zur Identität versehen. Nicht unbedingt leicht zu lesen an allen Stellen, manchmal erschreckend, manchmal auch amüsant aber auf jeden Fall lesenswert.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen super!, 29. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist unterhaltsam und leicht geschrieben. Dennoch kommen auch ernste Themen nicht zu kurz. Ein umfassender Überblick über den Umgang mit Sexualität im nahen Osten- früher und heute. Humor- und respektvoll nähert sich die Autorin dem heiklen Thema. Absolut lesenswert!
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2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blick in Familien und Häuser, 5. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sex und die Zitadelle: Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist sehr empfehlenswert . Die Autorin hat jahrelang recheriert. Sie kennt wichtig Leute aus der Szene vor Ort z.b. Ägypten, Tunesien, Libanon u.a. Ihre sachlich Wiedergabe der,Lage ist äußerst interessant. Außerdem verfällt sie nicht in den Ton, der Westen könne zur Lösung viel beitragen. Die Länder, alle politisch im Aufbruch werden ihren eigenen Weg gehen und gehen müssen. Insgesamt für mich äußerst aufschlussreiche Lektüre .

Eberhard Kanzler
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0 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 5. August 2013
Dieses Buch zeigt vor allem eines: dass eine aussagefähige Recherche unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich ist in einem Land wie Ägypten.
Wissenschaftlichkeit wurde von vornherein gar nicht erst angestrebt, aber was soll man diesen ziemlich willkürlichen Interviews entnehmen?
Insofern: überflüssiges Buch, weil ohne jeglichen Erkenntniswert.
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Sex und die Zitadelle: Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt
Sex und die Zitadelle: Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt von Shereen El Feki (Gebundene Ausgabe - 25. Februar 2013)
EUR 24,90
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