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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitterböse, tragisch, witzig - Ein Klassiker für die Ewigkeit, 16. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Skandal! Die Staatsmacht sah die öffentliche Moral durch den Schmierfinken Gustave Flaubert derart gefährdet, dass sie den zu diesem Zeitpunkt noch recht unbekannten Schriftsteller vor Gericht zerrte. Auch wenn Flaubert 1857 freigesprochen wurde, stellt sich die Frage, warum "Madame Bovary" vor gut 150 Jahren die Gemüter so hochkochen ließ, heute jedoch als einer der besten Romane der Literaturgeschichte gilt. Nach der Lektüre ist klar: Die Geschichte der Landpomeranze Emma, die den dümmlich-naiven Charles Bovary heiratet und sich anschließend in heiße Affären mit dem Schürzenjäger Rudolphe sowie dem nachdenklichen Leon stürzt, ist von immerwährender Aktualität, spannend zu lesen und voll von bitterbösem Humor.

Vor allem der gnadenlosen Charakterisierung nahezu aller beteiligten Personen, die nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig lässt, ist es zu verdanken, dass "Madame Bovary" ein unvergessliches Leseerlebnis darstellt. Gleich zu Beginn stürzt sich der Erzähler auf Charles Bovarys Kopfbedeckung, "deren stumme Hässlichkeit die gleiche ausdrucksvolle Tiefe besitzt, wie das Gesicht eines Idioten" (12). Flaubert gelingt es, durch eine detaillierte Beschreibung von scheinbar Nebensächlichem seine Figuren sowie deren Umgebung zum Leben zu erwecken. Seine Erzähltechnik der freien indirekten Rede offenbart das Innenleben der beteiligten Personen, wobei die wertende und zumeist höchst ironische Stimme des Erzählers stets mitschwingt. Exemplarisch wird das deutlich, wenn man sich Emma anschaut, die langsam zu realisieren beginnt, dass ihr Leben sie anödet: "Alles, was sie direkt umgab, langweiliges Ackerland, schwachsinnige Kleinbürger, Mittelmaß des Lebens, schien ihr eine Ausnahme auf der Welt, ein besonderer Zufall, in dem sie gefangen saß, und jenseits davon erstreckte sich ins Unendliche das weite Land von Seligkeit und Leidenschaft" (82). Selbst beim Essen einer Suppe wird Emma an die Armseligkeit ihrer Existenz erinnert, "und mit dem Dampf des Suppenfleisches stiegen vom Grund ihrer Seele immer weitere Ekelschwaden" (91).

Gebannt verfolgen wir Emma auf ihren Wegen und Abwegen bis zu ihrem tragischen Ende. Doch der Roman erlaubt kein klares Urteil, sondern bietet viele Möglichkeiten der Interpretation an: Emma, das verwöhnte Gör, die von Selbstsucht getrieben, ihren treuen Ehegatten hintergeht, oder die von Familie und Gesellschaft unterdrückte Frau, deren Eskapaden nichts weiter als einen Schrei nach Freiheit darstellen; der Leser muss selbst entscheiden.

Fazit: Tragisch, unterhaltsam, witzig, bösartig, ironisch, immer zweideutig; "Madame Bovary" ist in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu Recht zu einem Klassiker geworden und hat maßgeblich die Epoche der literarischen Moderne vorhergesehen.
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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Madame Bovary und die Sitten in der Provinz, 27. Oktober 2012
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman ist vor rund 150 Jahren eschienen, seither liegen siebenundzwanzig Übersetzungen - u. a. von René Schickele, von Hans Reisiger und Caroline Vollmann - vor. Jetzt gibt es eine neue Übersetzung von "Madame Bovary", diesem Roman schlechthin vor, die - man ist geneigt zu sagen - ultimative Übertragung durch Elisabeth Edl.

Am 19. September 1851 schreibt Gustave Flaubert (1821-1880) das erste Wort eines Romans, der wie kein anderer die Literatur revolutionieren sollte: "Madame Bovary". Dieses Buch - der "Roman aller Romane", wie Theodor W. Adorno formulierte - ist zu einem Mythos geworden. "Madame Bovary" ist der erste moderne Roman. Das gilt für Stil und Konstruktion, das gilt aber und vor allem für seinen Inhalt.

Der Roman erzählt die Geschichte von Emma Bovary, die seit Generationen die Leser begeistert. Emma ist zum Inbegriff der Leidenschaften, der Liebe, der Unmoral, der Träume vom großen Leben in der kleinen Provinz geworden. Diese Madame Bovary ist eine der faszinierendsten Frauengestalten der Weltliteratur. Und: Dieser Roman ist eine exemplarische Darstellung der "Sitten in der Provinz", ihrer Beschränktheiten, ihrer Dummheit - wie der Untertitel gleichsam provozierend lautet; er ist ein außergewöhnliches Zeit- und Sittenbild.

Die schöne Emma Bovary langweilt sich in der Provinz, in dem Nest Yonville-l’Abbaye, und mit ihrem Mann Charles Bovary, einem bescheidenen Landarzt. Sie träumt von großer Leidenschaft und großer Liebe. Sie versucht, ihre Träume zu verwirklichen. Aus ihrer Langeweile bricht sie aus. Sie sucht Liebe und Lust und „Abwechslung“. Und findet sie zum Beispiel bei dem Provinz-Casanova Rodolphe und später beim Kanzlisten Léon. Ehebruch also. Dazu kommen ihre Vergnügungs- und Verschwendungssucht. Doch ihr Glück findet sie nicht. Die Liebschaften erledigen sich wie von selbst. Die Schulden wachsen ihr über den Kopf, Familie ist nicht mehr. Emma Bovary scheitert an sich selbst, an ihren hohen Erwartungen und an den Moralvorstellungen ihrer Zeit. Und sie scheitert nicht zuletzt an an der Gesellschaft in diesem Provinzkaff Yonville, vertreten vor allem durch den Apotheker und Möchte-gern-Aufklärer Homais, durch den bigotten Pfarrer Bournisien, den Kaufmann und Wucherer Lheureux.und die ganze kleinkarierte und selbstgerechte provinzielle Gesellschaft. Am Ende erscheint Emma der Tod durch Gift als die letzte Lösung.

Das Buch wurde bei seinem Erscheinen 1857 zum Skandal. Der Autor Gustave Flaubert, der von sich behauptet hat, "Madame Bovary c’est moi", musste sich vor Gericht verantworten: angeklagt der Verletzung der öffentlichen Moral und der Religion. Verherrlicht die Hauptfigur "doch den Ehebruch, singt sie das Hohelied des Ehebruchs, seine Poesie, seine Lüste….", so die Anklage. Flaubert wurde jedoch freigesprochen. Und das Buch beginnt seinen Siegeszug durch die die Zeit und die Weltliteratur.

"Madame Bovary? Das ist ein Buch, das Sie alle zwei Monate lesen können, es ist immer neu". So der französische Schriftsteller Pierre Michon. Recht hat er. Und so lesen wir jetzt "Madame Bovary", erneut. Und zwar in der Übersetzung von Elisabeth Edl. Was aber zeichnet die Übersetzung von Elisabeth Edl, die nicht nur wegen der glanzvollen Übersetzung von Stendhals "Rot und Schwarz" auf sich aufmerksam gemacht hat, aus? In einem Interview hat sie einmal erklärt, welchen Anspruch sie an sich selbst gestellt hat: "Und eigentlich sieht man ja unmittelbar an jedem Satz, welche Rolle Melodie und Rhythmus spielen, wie kunstvoll alles gebaut ist… Diese Kunstgestalt muss eine Übersetzung hörbar machen". Das ist ihr in hohem Maße gelungen.

Vor allem aber galt es, Flauberts extremen Anspruch an sich selbst gerecht zu werden. Gustave Flaubert war äußerst korrekt, stets um den richtigen Ausdruck bemüht - er brüllte seine Sätze, bevor er sie niederschrieb - was seine Wortwahl, was Klang und Rhythmus betraf. Diese Genaugkeit legt auch Elisabeth Edl zugrunde, wie sie im Anhang "Zu Sprache und Übersetzung" überzeugend deutllich macht. Sie behauptet zwar, dass man dem "stilistischen Rang und den ästhetischen Charakter" Flauberts in einer Übersetzung nie nachvollziehen kann, wir als Leser glauben aber gern, dass sie ihm zumindest sehr, sehr nahe gekommen ist.

Ein weiterer Vorzug dieser Neuausgabe ist der fundierte Anmerkungsapparat, sind die Aussagen zur Übersetzung - hier zeigt sich die angesehene Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Edl. Und die erstmalige Veröffentlichung sowohl der Anklageschrift als auch des Plädoyers des Verteidigers und nicht zuletzt Charles Baudelaires Text über "Madame Bovary", beleuchten für den Leser die Hintergründe, die diesen Roman zu dem machen, was er ist. Vor allem aber ist er ein außerordentliches Lesevergnügen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lob für die Übersetzerin - gerade auch mit den Anmerkungen, 29. Juli 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
wenn ich - beinahe 70 Jahre - dieses Buch noch einmal gelesen habe, so hat mir hier besonders die Sprache gefallen, mit der Frau Edl es fertig gebracht hat, mich intensiv in die Welt der Mme Bovary versetzt zu fühlen. Großartig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Psychogramm einer schwer depressiven Frau und ihrer Umgebung, 4. Oktober 2014
Von 
margarita - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Emma Bovary ist zeitlos. Eine zeitlos depressive Frau, deren Problem es ist, nicht in der Gegenwart zu leben, sondern sich von romantischen Träumen geleiten zu lasse. Das handfeste, griffige Jetzt wird als erdrückendes Mittelmaß empfunden und nicht als Realität akzeptiert, auf der immerwaehrenden Suche nach etwas Besonderem kann nur grosses Unglück warten.

Die drei Bovarys haben mir eigentlich die ganze Zeit leid getan. Charles, ein einfacher aber nicht dummer Mann, der in seiner Emma nur das Gute sieht und sie vergöttert, Berthe, die völlig vernachlässigte Tochter einer depressiven Mutter und Emma selbst, die in sich selbst gefangen ist und immer wieder nach der vermeintlichen Lösung in Form fremder Liebhaber greift. Dass das keine Lösung ist weiss sie im Grunde genommen selbst, denn schmerzhaft genau wird beschrieben, wie in beiden grossen Affären Emma diese nach einiger Zeit genauso banal und belanglos empfindet wie die Ehe - dennoch flieht sie sich dort in Wunschvorstellungen, hängt Erinnerungen an Momente ihres Lebens nach und bricht nicht fort von ihren belanglosen Liebhabern.

Dass dieses Leben ein weiteres Ventil sucht ist völlig klar und so stürzt Emma sich in hohe Schulden beim örtlichen Händler, welche letztendlich ihr Grab sein sollen.

Alle handelnden Personen sind hervorragend gezeichnet. Flaubert hat sehr genau gearbeitet, sehr genau beobachtet und uns das Innenleben der kleinen Gemeinschaft genauestens nahegebracht. Ich glaube allerdings nicht, dass er selbst Emma als depressiv erkannt hat, denn diese Krankheit war Mitte des 19 Jahrhunderts in ihrer Gänze noch nicht beschrieben. Um so spannender, sie in allen Details auf Papier vorgelegt zu bekommen. Neben den Bovarys ist insbesondere der Apotheker Homais ein wichtiger Character: ein eitler, aufgeblasener Mann, voll von sich selbst, drückt er dem Leser und seinen Mitmenschen seine mittelmäßigen Ideen und Visionen auf. Seine Familie ist geblendet von ihm, Charles Bovary lässt sich im Sog mitziehen und begeht angestachelt durch Homais einen schlimmen Fehler. Als es den Bovarys zum Ende hin sehr schlecht geht lässt Homais sie eiskalt fallen - er bringt uns als Leser ab und an zum Schmunzeln, er ist uns auch nicht unsympathisch und man weiss die ganze Zeit - dieser Mann ist nichts Besonderes, aber ein Gewinner aus allen Situationen. Welch Gegensatz zu unseren Bovarys. Die beiden Liebhaber von Emma sind verhaftet in zwei unterschiedlichen Klischees, weit davon entfernt, irgendetwas besonderes zu sein. Nette Nebenfigur ist der blinde Seher, der mit seinem Erscheinen die Ausmasse einer griechischen Tragödie suggeriert.

Trotz alle der positiven Kritik durch mich nur vier Sterne, denn das Buch ist wirklich sehr langatmig, gerade in den beiden Liebschaften wiederholt sich einiges. Ich habe mich in der Mitte ein wenig gequält, als Emma in allen zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder die selben Hebel zieht und selbst wenn es mir klar ist, dass genau diese Eintönigkeit Emmas Weltbild beherrscht, wurde ich als Leserin irgendwann doch sehr geduldig, ehe die Geschichte dann zum Ende hin nochmals an Dramatik und Fahrt aufnahm.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genusslesen, 19. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Flauberts Meisterwerk. Wie schön, dass es in der Übersetzung von Elisabeth Edl wunderbar modern und kein bisschen angestaubt daherkommt. Auch haptisch ist die Ausgabe ein Genuss und den sicher nicht niedrigen Preis auf jeden Fall wert.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen madame bovary, übersetzt von elisabeth edl, 23. Dezember 2012
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Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
endlich eine bovary-übersetzung die diesen namen verdient, die in rhythmus und sprachmelodie sich so nahe wie möglich dem unübertreffbaren original annähert, mit einem sprachgefühl, neben dem das meiste des heute geschriebenen verblasst: bravo. und spannend nicht nur der roman, sondern daneben in der mustergültig kommentierten ausgabe auch die plädoyers von anklage und verteidigung, bei denen heutige kritiker, die das lesen verlernt haben, dieses wieder lernen könnten.
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1 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buchgeschenk, 21. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch kam pünktlich in letzter MInute zu Weihnachten an, sicher ist eine besondere Ausgabe dieses Klassikers.Einen tolle Ausgabe, wenn auch nicht billig.
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Madame Bovary: Roman
Madame Bovary: Roman von Gustave Flaubert (Gebundene Ausgabe - 24. September 2012)
EUR 34,90
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