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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckendes literarisches Dokument eines großen menschlichen Verlustes, 22. Februar 2012
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das schweigende Kind: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Ein Maler sitzt in einem psychiatrischen Sanatorium und schreibt seine Lebensgeschichte auf. Er tut es auf Anraten seines Arztes, der ihm den therapeutischen Rat gegeben hat, das, was ihn bewegt, zu Papier zu bringen. Doch sein Schreiben gerät zu einer literarisch ambitionierten Lebensbeichte.

Adressat seiner sich über zweiunddreißig Kapitel hinziehende Erinnerungen und Einsichten ist seine Tochter, die er schon bald nach ihrer Geburt nur selten sehen durfte und vor der er nach dem Tod seiner Frau ganz getrennt ist. Er hofft, ihr später, wenn sie seine Texte lesen wird können, zu erklären, wie alles gekommen ist.

Doch der Reihe nach. Eines Tages steht vor dem Maler ein neues Aktmodell, das ihn unwahrscheinlich anzieht. Diese Attraktion spürt auch die Frau, und so beginnen sie schon bald eine Beziehung. Der sexuelle Teil dieser Beziehung ist geprägt von Wünschen der Frau nach sado-masochistischen Praktiken, auf die sich der Maler einlässt, für die er sich aber mit jedem Akt mehr verachtet. Diese Gewalt schwappt auch auf die anderen Lebensbereiche über und wird nach der Geburt der gemeinsamen Tochter für den Maler schier unerträglich. Das Kind war durch eine künstliche Befruchtung als Wunschkind auf die Welt gekommen, doch die Mutter beginnt sofort danach, die Tochter dem Vater zu entziehen. Die Mutter trennt sich vom Vater, und auch die wenigen vom Gericht festgelegten Kontakten zwischen Vater und Tochter boykottiert sie, sodass er sie nur sehr selten zu sehen bekommt. Da die Tochter in ihren ersten Lebensjahren nicht spricht, was auch kein Wunder ist bei der Fülle von schrecklicher Gewalt und Wutszenen zwischen ihren beiden Eltern, nennt er sie "das schweigende Kind".

Als der Maler zusammen mit seiner neuen Partnerin Kim in Kroatien einen Kunstauftrag abliefert und dort zwischen die Mühlen der aktuellen kroatischen Politik gerät, lernt er auch einen Mann namens Milan kennen, dem er erzählt, wie seine Frau ihn von seiner Tochter fernhält. Milan verspricht Abhilfe. Doch da auch des Malers Freund Louis mit seiner ehemaligen Frau deren sadomasochistischen Bedürfnisse erfüllt, bleibt nach ihrem Tod dessen Ursache nicht nur für die Polizei ungeklärt. Natürlich gerät der Maler in Verdacht, doch die Ermittlungen werden eingestellt. In der Zwischenzeit ist sein psychischer Zustand prekär, und er muss in die Klinik, von wo aus er seiner Tochter schreibt. Voller kunsttheoretischer Betrachtungen sind diese Texte, und gleichzeitig ein erschütterndes Dokument eines psychischen Niedergangs.

Die Erzählung bleibt sprachlich dicht und spannend bis ans Ende, in dem ein Brief des Psychiaters an die Tochter des Malers, dem er die Aufzeichnungen des Vaters zufügt, doch so etwas wie eine Aufklärung bringt.

Ein beeindruckendes literarisches Dokument eines großen menschlichen Verlustes.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen (Nicht) ohne meine Tochter?, 11. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Das schweigende Kind: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist (natürlich) nicht das Gegenstück zu Betty Mahmoody. Nun ist aber das Thema Sorgerecht in der Literatur bisher selten behandelt worden. Also ist zumindest zu sagen, dass es hier nicht um eine Antwort auf das 80er-Stück handelt. Da macht der Vergleich sicher. Vor 30 Jahren wurde ein aktiver Kulturkampf gefochten, inkl. Entführung und nach einer wahren Begebenheit. Bei Raul Schrott bleibt der Vater merkwürdig passiv, still leidend. Hier wird die "erfundene" Geschichte realistisch, man spürt das ehrliche Engagement des Autors, Engagement im Aufzeigen von Ungerechtigkeit und Trauer über den Verlust des Kinders und den Beziehungsproblemen der Eltern in Trennungssituationen.
Schrott ist sich der komplizierten Lage bewußt und der komplizierte, schräge Aufbau der Erzählung spiegelt das Chaos im Kopf des Vaters wider. Es ist keine lineare Erzählung auf einer Ebene. Teilweise wird die Geschichte von hinten nach vorne erzählt, die direkte Rede ist nicht vorhanden und geht doch nicht ab. Innere Monologe und scheinbar nebensächliche Exkurse über die Malerei geben zu denken - und zeigen auch den Unterschied zwischen Frau und Mann in dieser Situation. Der intellektuelle Mann und die emotionale Frau (ja, ein Klischee, aber diesmal recht stimmig beschrieben) - und das schweigende Kind. Es wird nur in wenigen Momenten glücklich beschrieben, der Rest ist Schweigen. Ja, es gibt dann auch noch so etwas wie einen Spannungsbogen durch einen Kriminalfall, der erst nach und nach sichtbar wird und sich auch schnell wieder auflöst. Jedenfalls ist die Erzählung all jenen ans Herz zu legen, die beruflich mit Sorgerechtsfällen zu tun haben. Diese Zielgruppe wird auch mit dem etwas sperrigen Text Freude haben. Väter, die Ähnliches erlebt haben werden auf ein Nacherleben verzichten wollen, Mütter werden es wahrscheinlich nicht so bald anfassen, obwohl es eine ganz neue Sicht der Dinge sein könnte.
Insgesamt bin ich erstaunt, dass es hier so wenig Rezensionen gibt. Wenn ich das mit "Shades of Grey" vergleiche ...
"Nur" vier Sterne, weil es doch ein klein wenig Klischees gibt, die aber durchaus archetypisch sind - und dann ... naja die Sprache, der Rhythmus des Textes, könnte irgendwie, irgendwie ... aber was solls einfach lesen.
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Das schweigende Kind: Erzählung
Das schweigende Kind: Erzählung von Raoul Schrott (Gebundene Ausgabe - 27. Februar 2012)
EUR 17,90
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