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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein grosser roman
sommer 1970: eine gruppe britischer twens verbringt einen längeren urlaub auf einem schloss in italien. es ist das zeitalter der sexuellen befreiung, und dieser aspekt macht auch vor dieser kleinen gesellschaft nicht halt. der hauptprotagonist hat mit beiden seiten dieser medallie zu kämpfen: seine freundin, auch mit von der partie, hatte sich vor dieser reise...
Veröffentlicht am 24. März 2012 von sovjet.europe

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der absolute Tiefpunkt unseres Lesekreises - ein absolut überflüssiges Buch
Zuerst haben sich im Zeitalter der Aufklärung Geist und Gefühl voneinander getrennt, dann wurde es noch schlimmer: in der Epoche der sexuellen Emanzipation trennte sich das Gefühl vom puren Sex. Nun haben wir den Salat und sitzen ohne Geist und Gefühl mit einer unruhigen Unterhose in einem Schloss und wissen nicht, wo wir uns lassen sollen. Das ist in...
Veröffentlicht am 30. Juli 2012 von Rheinischer Lesekreis


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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein grosser roman, 24. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
sommer 1970: eine gruppe britischer twens verbringt einen längeren urlaub auf einem schloss in italien. es ist das zeitalter der sexuellen befreiung, und dieser aspekt macht auch vor dieser kleinen gesellschaft nicht halt. der hauptprotagonist hat mit beiden seiten dieser medallie zu kämpfen: seine freundin, auch mit von der partie, hatte sich vor dieser reise von ihm getrennt, um "wie ein junge" zu sein, also sich im sinne des neuen zeitalters sexuell auszuleben, nun "versuchen" sie es nochmal miteinander. ihm selbst macht das natürlich erheblich zu schaffen, andererseits hat er bereits ein auge auf eine andere der reisegruppe geworfen und plant seinerseits einen seitensprung.

um diesen themenkomplex, der einem sofort vertraut ist (wen man hat und wen man nicht hat...und wie es vielleicht wäre wenn doch?), spinnt martin amis mit großer kunst seinen reigen, mit zielsicher sprache und großer dichte. ich habe dieses buch an zwei nachmittagen durchgelesen. im weitesten sinne ist es ein "coming of age" roman, fragen der hauptprotagonist und seine begleiter sich doch wer sie sein und zu wem sie gehören wollen (und sollen) sowie wohin die reise des lebens sie führen wird. hinzu kommen aspekte der nicht überwundenen britischen klassengesellschaft, einige denkbare partner sind alleine aus diesen gründen "tabu", wir finden hier also auch elemente des klassischen englischen gesellschaftsromanes. nicht umsonst vergleicht unser hauptprotagonist (student der englischen literatur) seine situation immer mal wieder mit den handlungen in einigen "klassikern" (jane austen, etc.) die er während dieses aufenthalts studiert...

nun belässt es der autor aber nicht dabei, sondern er stellt den begebenheiten im sommer 1970 den hauptprotagonisten in der jetztzeit gegenüber, um zu zeigen, wohin ihn eben diese sexuellen wirren seiner jugen jahre letztendlich geführt haben. auch ein elegant eingeflochtener abriss der ereignisse nach eben diesem sommer bis fast in die jetztzeit fehlt nicht. am ende stellt sich die frage, ob das leben nur als eine aneinanderreihung verpasster gelegenheiten zu sehen ist oder ob sich doch alles richtig fügt....
wer hier heisse erotische schilderungen von sexszenen erwartet, sollte sich anderer "literatur" zuwenden, darum geht es hier überhaupt nicht. aber wer eine humorvolle, sarkastische und höchst intelligente schilderung eines wesentlichen themas, dass die meisten von uns ab ihrer pubertät bis in das hohe alter beschäftigen wird, lesen möchte und dabei auch vor etwas komplexeren strukturen nicht zurückschreckt, der sollte unbedingt zugreifen. es passiert mir selten, dass ich die durchweg sehr positiven rezensionen in den einschlägigen feuilletons nur bekräftigen kann...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der absolute Tiefpunkt unseres Lesekreises - ein absolut überflüssiges Buch, 30. Juli 2012
Von 
Rheinischer Lesekreis (Köln, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Kaarst) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zuerst haben sich im Zeitalter der Aufklärung Geist und Gefühl voneinander getrennt, dann wurde es noch schlimmer: in der Epoche der sexuellen Emanzipation trennte sich das Gefühl vom puren Sex. Nun haben wir den Salat und sitzen ohne Geist und Gefühl mit einer unruhigen Unterhose in einem Schloss und wissen nicht, wo wir uns lassen sollen. Das ist in aller Kürze der Plot, den der amerikanische Autor Martin Amis in seinem Buch "Die schwangere Witwe" entfaltet. Diese keineswegs neue Einsicht in 3SatKulturzeit oder in Wikipedia zu verkünden, ist das eine - diesen vielfach beklagten Sachverhalt in Literatur zu überführen aber etwas ganz anderes. Wie ist diese Umsetzung gelungen?

Das hat mich ehrlich interessiert, denn was fesselt uns mehr als die Gravitation der Beziehungen einer ansonsten schwerelosen sozialen Welt? Auch das Szenenbild besaß für mich zunächst eine positive Anmutung, lernt man doch schon auf den ersten Seiten den jungen Engländer Keith Nearing kennen, der sich als Hauptperson des vorliegenden Romans auf einem Schloss in Kampanien aufhält, viel liest und grübelt und von der Sorge beherrscht wird, in den Zeiten der heran brandenden Libertinage eine schlechte Figur zu machen. Umgeben ist Keith Nearing von seiner Freundin Lily, die "wie ein Junge sein" und entsprechend "v..." will - und von der schönen Scheherazade, deren herausragendes Merkmal ihre wunderbaren "Titten" sind. Es gibt aber auch noch den steinreichen Adriano, der nur 1,47 m Lebensgröße misst, aber dafür mit über einen Reisendödel durch die Gegend läuft. Eine Dame namens Gloria Beautyman wackelt mit dem Hintern wie ein Hund, "weil sie gerne in den A.... gef.... werden will". Es gibt auch noch den schwulen Whittaker, den sensiblen Araber Amen, Dog und Daphne und Timmy, den Freund der schönen Scheherazade, der sich die überwiegende Zeit des Romans auf Großwildjagd im Orient befindet - und zahlreiche andere Gestalten, die man sich nur wird merken können, wenn man einen Zettel zur Hand nimmt, die Namen notiert und daneben ihre Charakteristika ( flachbrüstig, immergeil, dicker Hintern, etc. ) vermerkt.

Was vollzieht sich nun zwischen diesen Figuren? Antwort: überhaupt nichts, außer dass sie sich über Hunderte von Seiten darüber unterhalten, wer mit wem Kaffe trinkt, wer wem einen bläst und/oder dem Partner den Daumen in den Hintern steckt (Reihenfolge beliebig). Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen die Schilderung von Sex in Romanen, wenn die erotischen Passagen in einer angemessenen Sprache daherkommen ( was meiner Ansicht nach zu dem schwierigsten Übungen überhaupt gehört) und wenn die Sexpassage irgendeine poetologische Funktion erfuellt. Aber völlig sinnfreies und pausenloses Raisonnieren über Beziehungen und Sex ohne jede erkennbare Handlung, ohne einen Funken von Ironie, Humor oder Distanz erzeugt bestenfalls eine Mischung aus Langeweile und unfreiwilliger Komik. "In welcher Phase sind sie jetzt?" fragt eine der Figuren auf S. 157. "Bis jetzt nur Knutschen und Zungenküsse. Bald wird sie ihn an ihre Titten lassen." Kurz darauf (S. 172): "Also hat sie Timmy in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal einen geblasen?" - Antwort: "Das ist es ja. Deswegen fühlt sie sich so ausgegrenzt." Manchmal gerät die Hauptperson auch ins Grübeln, und das hört sich dann so an."Die Vorstellung, es Scheherazade mit dem Mund zu machen, war etwas anderes als die Vorstellung, es von Scheherazade mit dem Mund gemacht zu bekommen, und die Vorstellung von beidem gleichzeitig war wieder etwas anderes." (S.232)

Am Anfang konnte ich gar nicht glauben, das das alles sein sollte. Immer, wenn ein neuer Abschnitt oder ein "Zwischenspiel" begann, rechnete ich ernsthaft damit, dass bald eine Handlung beginnen, ein Problem sich entfalten oder ein Konflikt sich entzünden würde. Aber Pustekuchen. In enervierender Monotonie kommen die gleichen langweiligen literarischen Pappnasen immer aufs Neue unter ihren Bettlaken hervorgekrochen, um vollkommen humorlos und undistanziert "oben" abzusondern, was bei ihnen oder bei andern Leute "unten" passiert. Dass Martin Amis die Dialoge seiner Kunstfiguren dann auch noch mit unfreiwilligem Flachsinn ("Seine Augen waren wie Petrischalen. Bestrichen mit Kulturen aus Dreck und Tod".). aufdringlich präsentiertem etymologischem Lexikonwissen und hochstaplerisch eingestreuten Literaturverweisen anreichert, rundet das jämmerliche Bild nur ab.

Gibt es denn über "Die Schwangere Witwe" überhaupt nichts Positives zu sagen? Doch. Das Buch erzeugt auf der literarischen Ebene im Leser genau jene kaum erträgliche Agonie des öden Überdrusses wie permanenter seelenloser Sex. Wenn das so intendiert war, dann nehme ich natürlich alles zurück.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrhaft schön, 5. Juni 2012
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Keith Nearing ist Anfang zwanzig, und er wird diesen Sommer zusammen mit einigen anderen britischen Twens - zumeist aus der Upper Class - in einem Schloss in Italien verbringen. Dabei ist auch Lily, mit der er etwas hatte und dann wieder nicht, weil Lily ausprobieren wollte, wie es ist, sich wie ein Junge zu verhalten, um aber während des Urlaubs wieder die Beziehung zu pflegen. Wir schreiben die Siebziger; die sexuelle Revolution verändert alles, verwandelt die Jugendlichen in triebbeherrschte Menschen, die aber nicht so recht wissen, wie der Trieb zu kanalisieren ist - oder ob er überhaupt in dieser Form existiert. Man probiert aus und reflektiert vieles, überraschenderweise spielt die Lust zuweilen eine eher untergeordnete Rolle - der Sex ist Selbstzweck, fast etwas, das man unbedingt tun muss, ohne immer zu wissen, warum eigentlich. Keith interessiert sich aber kaum für Lily, zu der die Beziehung längst geschwisterliche Aspekte entwickelt hat, sondern vor allem für die wunderschöne Scheherezade, ein Mädchen, das soeben den Schritt zur Frau absolviert hat, und die die mauerblümchenhafte Lily sprichwörtlich in den Schatten stellt, was diese wiederum stark umtreibt, denn die Nutznießer der Revolution sind vor allem die wirklich Schönen, seltener die "Mitteldinger". Nach und nach treffen weitere Freunde und Bekannte ein (was leider nicht immer gut, manchmal überhaupt nicht zu überschauen ist), etwa Gloria Beautyman, die zunächst burschikos wirkt und sich nicht recht an der Revolution zu beteiligen scheint. Oder ein mikrosomer, schwerreicher Italiener namens Adriano, der sich unsterblich in die hochgewachsene Scheherezade verliebt, um sie fortan mit allen erdenklichen Mitteln zu bezirzen, wenn er sich nicht gerade bei einem Risikosport-Kurztrip neue Verletzungen abholt.

In einem zweiten Erzählstrang erleben wir Keith im Jahr 2006, nunmehr über fünfzig und zum dritten Mal verheiratet - mit wem, das erfahren wir erst ganz am Ende, denn alle drei Ehen haben unmittelbar mit den Geschehnissen im Sommer 1970 zu tun. Der fünfzigjährige Keith denkt viel über das Altern nach; von der Leichtigkeit, die eigentlich nur wenig von Leichtsinnigkeit hatte, ist kaum noch etwas zu spüren.

Martin Amis hat mit diesem sehr dialogorientierten und häufig wunderbar klugen, akribisch aufgebauten Roman zu alter Klasse zurückgefunden ("Gier", "1999 - London Fields"), was vor allem nach dem enttäuschenden "Yellow Dog" überrascht und erfreut. "Die schwangere Witwe" zeichnet eine präzise Skizze zum einen jener Zeit, in der sich eine völlig neue Weltsicht eröffnete, was nicht wenige der Protagonisten stark überforderte. So nutzt Keith Nearing, der Ambitionen hat, Literaturkritiker zu werden, die großen britischen Romane der vergangenen Jahrhunderte, um seine eigene, ständigen Veränderungen unterworfene Gefühlswelt zu verorten, denn Hilfe von außen ist nicht zu erwarten. Er verkörpert dieserart das Dumme im Schlauen (und umgekehrt), ringt um Verstehen und stolpert doch wieder in Fallen, die er eigentlich anderen gestellt hatte - hauptsächlich Lily, die nichts von seinen Versuchen, Scheherezade zu gewinnen, mitbekommen soll. Zum anderen reflektiert der alte, allerdings hin und wieder etwas konturlose Keith auf ganz wundervolle Weise die bevorstehende Restzeit und das Vermächtnis der eigenen Jugend, metaphorisch also jene titelgebende schwangere Witwe. Das pittoreske, amüsante, ganz selten etwas zähe Geschehen im sommerlichen Schloss, eingefasst in hinreißende Dialoge vor allem zwischen Keith und Lily, entwickelt große Wucht und Nähe. Die kleinen wie großen Konflikte, die Überraschungen und selten vorhersehbaren Wendungen - all das hat zwar etwas Kammerspielartiges, ist aber von so feinem, intelligenten Humor durchsetzt, dass es schlicht begeistert. Nicht zu vergessen Amis' sehr eigenwillige Erzählsprache, die ohnehin immer - sogar bei "Yellow Dog" - zu vereinnahmen vermag, auch wenn der Plot mal danebengeht. Was in "Die schwangere Witwe" keineswegs der Fall ist.

Ein guter, nein, ein wahrhaft schöner Roman, originell, leichtfüßig und mit großer, niemals oberlehrerhafter Intelligenz verfasst. Ein zeitgeschichtliches Dokument und zugleich eine sehr lakonische Abrechnung. Danke, Martin Amis.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Desillusionierung, 12. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die schwangere Witwe" ist ein sehr guter Roman, aber - das muss man gleich zu Anfang sagen - nicht leicht zu lesen. Hier wird niemand umgebracht und keine Vampire saugen den Jungfrauen das Blut aus dem Hals. Wer solche Spannung sucht, ist fehl am Platz. Und wer das Buch schlecht beurteilt, gehört möglicherweise nicht zur Zielgruppe. Die Einbandbeschreibung des Verlags ist leider keine Hilfe, um solcherlei Missverständnisse zu vermeiden.
Die grösste Spannung kommt erst auf den letzten 30 Seiten auf, wenn die Hauptfigur (Keith) zurückblickt auf sein Leben, seine Frauen und auf die Ereignisse, die sich zu Beginn der 70-er Jahre in jenem warmen Sommer in Italien zugetragen hatten. All das auf den ersten 350 Seiten Gesagte, reflektiert man dann als Leser ebenfalls (besonders man die 70er selbst erlebt hat). Bis man soweit ist, muss man sich zuweilen durchkämpfen durch die endlosen Dialoge, die die Seiten füllen. Es gibt nur wenig Hilfe durch einen allwissenden Erzähler bei der Verfolgung des roten Fadens. Das Leben der Gruppe plätschert dahin, jeder macht sich so seine Gedanken, träumt und diskutiert, plustert sich auf oder macht sich lächerlich. Und alle lästern jeweils über die anderen. Die Dialoge sind selten sehr tiefgründig, aber vermutlich perfekt wiedergegeben; fast wie ein Drehbuch. Und oft genug muss man fest lachen dabei.
Zu vergleichen ist dieser Roman am ehesten mit Werken von Max Frisch oder Thomas Mann, um zwei Autoren zu nennen, die am Ende der 70er sehr gerne im Deutschunterricht der Gymnasien gelesen wurden. Martin Amis reflektiert Lebensgefühle und damals modernen Meinungen über Liebe, Sex, Drogen und auch Politik. Der Leser mit etwas Geduld, der reflektiert und nachdenkt, wird schliesslich fürstlich belohnt. Dieses Buch bleibt mit Sicherheit in längerer Erinnerung als so manch anderer schnell durchstöberte Krimi. Für mich bleibt die Erkenntnis, dass es die hier beschriebene Generation kaum geschafft hat, die oft gescholtenen Fehler ihrer Eltern zu vermeiden und wir (die heute 50jährigen) werden wohl - ebenso wie die heutigen Jugendlichen - weiterhin das Rezept nach dem Lebensglück suchen müssen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Daumen im Hintern, 19. Juni 2012
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zuerst haben sich im Zeitalter der Aufklärung Geist und Gefühl voneinander getrennt, dann wurde es noch schlimmer: in der Epoche der sexuellen Emanzipation trennte sich das Gefühl vom puren Sex. Nun haben wir den Salat und sitzen ohne Geist und Gefühl mit einer unruhigen Unterhose in einem Schloss und wissen nicht, wo wir uns lassen sollen. Das ist in aller Kürze der Plot, den der amerikanische Autor Martin Amis in seinem Buch "Die schwangere Witwe" entfaltet. Diese keineswegs neue Einsicht in 3SatKulturzeit oder in Wikipedia zu verkünden, ist das eine - diesen vielfach beklagten Sachverhalt in Literatur zu überführen aber etwas ganz anderes. Wie ist diese Umsetzung gelungen?

Das hat mich ehrlich interessiert, denn was fesselt uns mehr als die Gravitation der Beziehungen einer ansonsten schwerelosen sozialen Welt? Auch das Szenenbild besaß für mich zunächst eine positive Anmutung, lernt man doch schon auf den ersten Seiten den jungen Engländer Keith Nearing kennen, der sich als Hauptperson des vorliegenden Romans auf einem Schloss in Kampanien aufhält, viel liest und grübelt und von der Sorge beherrscht wird, in den Zeiten der heran brandenden Libertinage eine schlechte Figur zu machen. Umgeben ist Keith Nearing von seiner Freundin Lily, die "wie ein Junge sein" und entsprechend "v..." will - und von der schönen Scheherazade, deren herausragendes Merkmal ihre wunderbaren "Titten" sind. Es gibt aber auch noch den steinreichen Adriano, der nur 1,47 m Lebensgröße misst, aber dafür mit über einen Reisendödel durch die Gegend läuft. Eine Dame namens Gloria Beautyman wackelt mit dem Hintern wie ein Hund, "weil sie gerne in den A.... gef.... werden will". Es gibt auch noch den schwulen Whittaker, den sensiblen Araber Amen, Dog und Daphne und Timmy, den Freund der schönen Scheherazade, der sich die überwiegende Zeit des Romans auf Großwildjagd im Orient befindet - und zahlreiche andere Gestalten, die man sich nur wird merken können, wenn man einen Zettel zur Hand nimmt, die Namen notiert und daneben ihre Charakteristika ( flachbrüstig, immergeil, dicker Hintern, etc. ) vermerkt.

Was vollzieht sich nun zwischen diesen Figuren? Antwort: überhaupt nichts, außer dass sie sich über Hunderte von Seiten darüber unterhalten, wer mit wem Kaffe trinkt, wer wem einen bläst und/oder dem Partner den Daumen in den Hintern steckt (Reihenfolge beliebig). Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen die Schilderung von Sex in Romanen, wenn die erotischen Passagen in einer angemessenen Sprache daherkommen ( was meiner Ansicht nach zu dem schwierigsten Übungen überhaupt gehört) und wenn die Sexpassage irgendeine poetologische Funktion erfuellt. Aber völlig sinnfreies und pausenloses Raisonnieren über Beziehungen und Sex ohne jede erkennbare Handlung, ohne einen Funken von Ironie, Humor oder Distanz erzeugt bestenfalls eine Mischung aus Langeweile und unfreiwilliger Komik. "In welcher Phase sind sie jetzt?" fragt eine der Figuren auf S. 157. "Bis jetzt nur Knutschen und Zungenküsse. Bald wird sie ihn an ihre Titten lassen." Kurz darauf (S. 172): "Also hat sie Timmy in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal einen geblasen?" - Antwort: "Das ist es ja. Deswegen fühlt sie sich so ausgegrenzt." Manchmal gerät die Hauptperson auch ins Grübeln, und das hört sich dann so an."Die Vorstellung, es Scheherazade mit dem Mund zu machen, war etwas anderes als die Vorstellung, es von Scheherazade mit dem Mund gemacht zu bekommen, und die Vorstellung von beidem gleichzeitig war wieder etwas anderes." (S.232)

Am Anfang konnte ich gar nicht glauben, das das alles sein sollte. Immer, wenn ein neuer Abschnitt oder ein "Zwischenspiel" begann, rechnete ich ernsthaft damit, dass bald eine Handlung beginnen, ein Problem sich entfalten oder ein Konflikt sich entzünden würde. Aber Pustekuchen. In enervierender Monotonie kommen die gleichen langweiligen literarischen Pappnasen immer aufs Neue unter ihren Bettlaken hervorgekrochen, um vollkommen humorlos und undistanziert "oben" abzusondern, was bei ihnen oder bei andern Leute "unten" passiert. Dass Martin Amis die Dialoge seiner Kunstfiguren dann auch noch mit unfreiwilligem Flachsinn ("Seine Augen waren wie Petrischalen. Bestrichen mit Kulturen aus Dreck und Tod".). aufdringlich präsentiertem etymologischem Lexikonwissen und hochstaplerisch eingestreuten Literaturverweisen anreichert, rundet das jämmerliche Bild nur ab.

Gibt es denn über "Die Schwangere Witwe" überhaupt nichts Positives zu sagen? Doch. Das Buch erzeugt auf der literarischen Ebene im Leser genau jene kaum erträgliche Agonie des öden Überdrusses wie permanenter seelenloser Sex. Wenn das so intendiert war, dann nehme ich natürlich alles zurück.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Roman, 11. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch entsprach nicht meinen Erwartungen.
für mich zu frivol erzählt und nicht spannend genug.
Kann ich für unsere ältere Generation nicht weiter empfehlen.
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6 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Indiskutabel!, 12. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die schwangere Witwe: Roman (Gebundene Ausgabe)
So einen literarischen Müll wie dieses Buch habe ich lange nicht mehr gelesen. Von jungen Leuten 1970 in einem italienischen Schloss bis 2009 wird ein Bogen gespannt. Die Berichte verzetteln sich in wirren Beschreibungen von immer mehr Personen und Schauplätzen sowie seltsamen Ereignissen. Auch Sex kommt vor, aber die entsprechenden Szenen sind weder erotisch noch in sonstiger Weise gut geschrieben. Ich habe mich immer wieder gefragt: Was bezweckt der Autor dieses Buches, was ist seine Botschaft, was will er uns sagen? Antworten auf die Frage habe ich nicht gefunden, es ist ein wirres Machwerk - weg damit, für so was ist kein Platz in meinem Bücherregal.
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Die schwangere Witwe: Roman
Die schwangere Witwe: Roman von Martin Amis (Gebundene Ausgabe - 6. Februar 2012)
EUR 24,90
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