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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wovon die Erniedrigten und Beleidigten träumen, 6. März 2012
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Pip, der Held dieses Bildungs- und Entwicklungsromans von Charles Dickens, erlebt das, wovon vielleicht alle Erniedrigten und Beleidigten träumen: Ein mysteriöser Jemand interessiert sich für ihn, den armen Teufel aus elenden Verhältnissen, jemand will ihm eine Ausbildung für ein besseres Leben in London finanzieren, bis er volljährig in den Besitz eines Vermögens kommen soll. Der intelligente Pip nimmt diese Möglichkeit nur allzu begierig wahr, hat aber immer ein schlechtes Gewissen, weil er die Daheimgebliebenen seinem Gefühl nach verrät, besonders den gutmütigen Schmied Joe, der ihm ein treuer Freund in der Zeit seiner Not war. Nach Jahren stellt sich heraus, dass sein unbekannter Förderer ausgerechnet jemand ist, der in seinem Leben selbst zu kurz gekommen ist, ein Paria der Gesellschaft. Der will sich in dem Jungen nachträglich selbst verwirklichen.

Pip, inzwischen äußerlich ein Gentleman geworden, entwickelt sich nun in menschlicher Hinsicht. Aus dem Abscheu vor diesem Menschen werden schließlich Verantwortung und Freundschaft. Am Ende kehrt er mittellos und reumütig in sein Dorf zurück und muss sich im realen Leben bewähren. Ganz am Ende begegnet ihm noch einmal die schöne, ehemals herzlose Estella, die ihn von sich gestoßen hatte. Beide blicken nun geläutert auf ihre Vergangenheit zurück. Gibt es etwa noch eine gemeinsame Zukunft für sie?

Eine ebenso zeitlose wie märchenhafte Geschichte, die Dickens hier durchspielt. Wahrscheinlich war sie zu seiner Zeit noch weniger märchenhaft, als es heute den Anschein haben mag, da ein Einstieg in die bessere Gesellschaft damals weit weniger durch Tüchtigkeit als durch Geburt, Förderung und Beziehungen möglich war. Entsprechend realistisch entwickelt sich die Geschichte dann auch mit der ganzen darstellerischen Kraft dieses Schriftstellers. Da gibt es nicht eine kleine Situation, die nicht genau vor unserem Auge entsteht, keine Nebenfigur, die nicht durch den Humor und die Menschenkenntnis Dickens' unverwechselbar wird. Dabei handelt es sich nicht um aufgesetzte Originalität, sondern der Mann schöpft immer aus der Tiefe. Mag das Gute, Förderliche ein wenig zu sehr durch die viktorianisch-didaktische Gefühlsinnigkeit veredelt sein, das Böse, Schlechte etwas zu melodramatisch und finster daherkommen, so hat man doch immer den Eindruck von tiefer Lebenserfahrung und Menschlichkeit. Freilich verlangt einem die zwar gut strukturierte, aber breit angelegte Erzählung auch einiges an Geduld ab!
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ach ja, Dickens..., 26. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ist immer so eine Sache mit den großen Romanen des 19. Jahrhunderts. Die einen sagen, daß das DIE GROSSEN ROMANE schlechthin seien, daß die Kunst des Romanschreibens überhaupt zu ihrer Vollendung gekommen sei im 19. Jhd. Mag sein. Sofort denkt man an Flauberts "Madame Bovary", an Tolstoi und natürlich Dostojewski, an Fontane, Balzac, Stendahl, Hugo aber auch die großen Unterhalter wie Dumas et al. Und Dickens. Dickens? Was war der denn nun? Ein Weltliterat oder doch nur ein schnellschreibender Zeilenschinder, der drei, vier Sachen zugleich runterschmierte, weil er irgendwie seine Familie(n) durchbringen musste? Letzteres hat mir mal jemand in einem Seminar erklärt. Nun denn. Gute oder gar große Literatur darf doch gelegentlich auch unterhalten, oder?

Nicht alles, was der gute Charles so von sich gegeben hat, muß gefallen. Doch "Große Erwartungen" ist nun defintiv einer seiner besten, seiner größten Romane. Nimmt man "David Copperfield", "Oliver Twist" und "Bleak House" dazu, hat man sicherlich einen guten Dickenskanon, der einen ersteinmal beschäftigt hält.

"Great Expectations" hat all die Vor- und Nachteile, die Dickens eben ausmachen: es fesselt, es rührt, es hat eine teilweise schaurig-unheimliche Geschichte und Atmosphäre, tolle Typen (wobei ich zugebe, daß meine Lieblingsdickensfiguren nicht aus diesem Roman stammen - es lebe Uriah Heep, allein für diesen Namen!), aber eben auch wilde Handlunsgsprünge, psychologische Ungenauigkeiten (obwohl dies gerade in diesem Buch nicht so zutrifft, wie in anderen, Pips Seelenleben und -nöte sind schon gut und genau erfasst), zuviele Zufälle und ist - wie immer beim großen Engländer - überkonstruiert. Aber dennoch ist es eines der besten seiner Werke. Ich finde hier übrigens auch interessant, daß es etwas weniger Humor aufweist, als frühere Werke aus seiner Feder (obwohl es eine Tragikomödie sein sollte). Und es ist dichter in der Erzählweise, moderner, auch stringenter. Da es einer seiner letzten Romane war und er sicherlich schon gezeichnet war von den zunehmenden Krankheiten und der Erschöpfung, die ihn am Ende seines Lebens häufig und schließlich bleibend befiel, mag das diesen Umständen geschuldet sein. Sein Blick ist wie immer scharf und kritisch. Die englische Gesellschaft als undurchlässige Klassengesellschaft mit leeren Ritualen und Idealen wird einmal mehr genauestens seziert.

Inhaltlich ist es "David Copperfield" verwandt, beides sind in gewisser Weise coming-of-age-Romane, in beiden bemüht sich ein junger Mensch, den Unbilden der Armut zu entkommen, in beiden wird er gewissen Seelennöten ausgesetzt, wobei Pip hier m.M.n. noch genauer beschrieben und erfasst wird in seiner Angst vor und um den entflohenen Strafgefangenen Magwitch. Seine Liebe zu Estella und deren Hartherzigkeit muten manchmal an wie ein moderner Bericht über das Liebesleben junger Leute und Pips Wandlung zum snobistischen Dandy, der sich seiner eigenen Verwandten schämt, leuchtet dramaturgisch ein. Daß das Ende der "großen Erwartungen" gekommen ist, als sich das Geheimnis um Pips plötzlichen Wohlstand lüftet und er sich ins Ausland zurückziehen muß um schließlich - geläutert - heimzukehren und doch noch in Estellas Arme zu sinken, ist purer Dickens mit all seinen Happy-End-Hoffnungen. Man mags oder nicht, doch am Ende dieser 500 Seiten, in denen man all diese Figuren kennen- und liebengelernt, man mit ihnen gefiebert und gefürchtet und gelitten hat, freut man sich, wenn sie ein wenig Glück finden, mag die Realität auch meist anders aussehen.

Wie Anthony Burgess einmal auf die Frage nach Joyce' "Ulysses" und deren Lesbarkeit geantwortet hat: Einfach lesen, nicht nach dem Sinn fragen, nicht sich fragen, ob man alles versteht, einfach lesen und genießen! - so möchte man auch über Dickens sagen: einfach lesen!! Ist das DIE GROSSE Weltliteratur? Vielleicht, vielleicht auch nicht (ich denke schon), unterhaltsam UND aufschlußreich als Zeugnis seiner Zeit ist es allemal.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen und 5 Sterne für Melanie Walz, 22. April 2012
Von 
Chaostante - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort

Am 7. Februar 2012 wäre Charles Dickens (*1812 - 1870) 200 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass sind etliche seiner Romane neu aufgelegt worden.
Der Hanser Verlag hat mit einer sehr schönen Neuübersetzung durch Melanie Walz das Buch "Große Erwartungen" herausgebracht.
Das Buch ist eine wunderschöne Dünndruckausgabe, die zu der Reihe der "Hanser-Klassikern der Neuübersetzungen" gehört. Auf gerade mal zwei Zentimeter Dicke kommen 832 Seiten, somit ist das Papier wirklich sehr filigran.

Das Buch besteht aus 3 Bänden und einem sehr ausführlichen Anhang, der sich über 137 Seiten erstreckt.

Erster Band:
Geheimnisvolle Erbschaft

Der Waisenjunge Pip wächst bei seiner älteren Schwester und dessen Mann Joe im Marschland der Themse auf. Bei Joe erlernt er auch das Handwerk des Schmiedens.
Eines Tages begegnet er auf dem Friedhof dem entflohenen Häftling Magwith. Zu Tode geängstigt besorgt er ihm aus der Speisekammer Essen und Trinken und stiehlt aus Joes Schmiede eine Feile.
In einem zweiten Handlungsstrang eröffnet sich Pip eine ihm völlig unbekannte Welt, als er eingeladen wird bei Miss Havissham zu spielen. Die exzentrische Alte Miss Havissham und deren Adoptivtochter Estella erwecken in Pip den Wunsch nach einem anderen Leben.
Als ihm plötzlich von einem unbekannten Wohltäter ein Vermögen gespendet wird, bekommt er die Möglichkeit sich in London zu einem Gentleman ausbilden zu lassen. Inzwischen kann er nur noch an Estella denken und verleugnet so sein wahres Leben, seine Freunde und die Verwandtschaft.
Für die herzlos erzogene Estella und deren Ziehmutter ist Pip aber nur ein Übungsobjekt.

Zweiter Band:
Große Erwartungen

Pip lebt inzwischen in London und führt dabei das Leben eines Snobs. Er ist vor allem damit beschäftigt Geld auszugeben. Auch wenn er seine Wurzeln verleugnet, vergisst er nie das alte Leben mit Joe. Nur aus Angst, Estella könnte es missfallen hält er an sein snobistisches Leben fest und verleugnet seine Familie.

Dritter Band:
Was es mit dem Leben auf sich hat

Pips Gönner gibt sich zu erkennen. Und somit gewinnt der Roman von Dickens noch einmal an Fahrt. Mehr zu schreiben würde Spoilern bedeuten, deshalb belasse ich es hierbei.

Am Ende des Romans liefert Dickens, überzeugt durch seinen Freund Edward Bulwer Lytton, ein alternatives Ende.

Kindheit und Erwachsen werden!
In den 137-seitigen Anhang finden wir die Entstehungsgeschichte der "Große Erwartungen" als Fortsetzungsroman geschildert. Die unterschiedlichen Fassungen des Romanschlusses werden diskutiert.
Die Verbindungen zwischen diesem Roman und Charles Dickens Leben werden veranschaulicht.
Charles Dickens hat seine Kindheitserlebnisse in diesem Roman verarbeitet und thematisiert das ärmliche Leben der Menschen in England in verdichteter Form. In der Zeit von 1837 bis 1901 gehörten zwei Drittel der Bevölkerung der sozialen Unterschicht an.

Mein Fazit:
Ich frage mich, wie man den Tonfall der viktorianischen Zeit (1837 - 1901) - also einer vergangenen Epoche - in die Neuzeit transferieren kann? Melanie Walz ist das wunderbar gelungen.
Ich kenne zwar das Original nicht, glaube aber zu verstehen, was uns Dickens als Sozialkritik vermitteln wollte, selbst heute noch im 21. Jahrhundert. Er schafft so ein lebendiges und bildhaftes Gesellschaftsgemälde. Dickens klagt in seinem Spätwerk das Gentleman-Ideal, der von Materialismus und Moralheuchelei geprägten viktorianischen Gesellschaft an.
Es geht um alle Gegensätzlichkeiten im Leben, um Kindheit und Erwachsen werden, Arm und Reich, Gut und Böse und das macht er mit einem leicht ironischen Unterton.
Charles Dickens erfasst perfekt die kindliche Psyche und gibt gleich auf den ersten Seiten eine Spitze an alle Erwachsenen weiter.

Zitat: "Seit jener Zeit, die lange vorbei ist, habe ich oft daran gedacht, wie wenige Erwachsene wissen, was Kinder für Seelenqualen erleiden, wenn man sie in Angst und Schrecken versetzt."

Mich hat die Stringenz der Handlung mehr als fasziniert. Bei einer solchen Seitenanzahl das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist mehr als bemerkenswert. Die Komplexität der Figuren-Charakterisierung wirkt zu keiner Zeit farblos oder stereotyp. Eine bunte Vielfalt der viktorianischen Zeit wird uns hier aufgezeigt.

Für mich ein absolutes Meisterwerk, wie ich es so noch nie gelesen habe!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dickens' Meisterwerk, 23. Januar 2012
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Charles Dickens ist als Autor von ungeheurer sprachlicher Erfindungskraft bekannt, die in der Literaturgeschichte ihresgleichen sucht. Dieses Talent spielt er in Große Erwartungen voll aus: Jede Szene, jeder Handlungsstrang strotzt nur so vor liebevoll gestalteten Details und poetischen Spielereien, die den Roman zu einem wahren Lesevergnügen werden lassen. Ob mit selbst erfundenen Begriffen, sprechenden Namen, Wortspielen, lebendigen Beschreibungen oder genial eingefangenen umgangssprachlichen Besonderheiten einzelner Figuren: Dickens erschafft eine eigene Welt voller skurriler Gestalten, deren Geschichten sich in unheimlichen Herrenhäusern und nebligen Moorlandschaften ebenso entfalten wie in den schmutzigen und lauten Gassen Londons. Da sieht der Leser gern über Schwächen wie die etwas zu offensichtlich konstruierten Verflechtungen zwischen den Handlungssträngen hinweg. Große Erwartungen ist ein grandioser Roman über das Erwachsenwerden, der mitreißend von Liebe, Freundschaft und Reue erzählt, ohne je in Klischees zu verfallen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Aussicht, 15. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Pip, Waise und aufgewachsen unter der harten Hand seiner Schwester, stellt sich ein anderes Leben vor, als Schmied in den ärmlichen Marschen zu werden. Ein Gentleman mit den großen Erwartungen eines zugefallenen Vermögens, das wäre fein. Zumal die angebetete Estella keine Jungs mit groben Händen und groben Sitten mag. Da wiederfährt Pip Gutes: Ein unbekannter Gönner ermöglicht ihm den sozialen Aufstieg. Dickens unterlegt eine kolportagehafte Story, bei der es um Verbrechen, Sühne, Liebe und Verzweiflung geht, mit den sozialen Realitäten seiner Zeit. Die Marschen sind elend, London ist dreckig, die Adligen der Gentry fristen ein nutzloses Leben und sind nur fähig, Geld auszugeben, dass sie nicht verdienten, die Juristerei und Gerichtsbarkeit ist korrupt und urteilt von der Stange, ohne Psychologie und Soziologie. Aus dieser Gesellschaft, die Dickens mit beißender Ironie geißelt, erheben sich einige sehr menschliche und einige sehr neurotische Figuren, die die Handlung tragen. Dass es dabei einige Längen gibt, ist ja bei Dickens nichts Seltenes. Dennoch hat der Roman auch heute noch Charme durch Witz und Gefühl.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Ausgabe eines ohnehin großartigen Werkes!, 4. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist einfach schön anzusehen, anzufassen, aufzuschlagen und von angenehmen Geruch, wenn man, so wie ich, seine Nase sprichwörtlich gern mal ins Buch steckt. Das kann der Hanser Verlag, dafür schätze ich ihn sehr! Über Dickens und sein (Gesamt-)Werk brauche ich hier kein Wort verlieren, aber diese Perle in adäquater Aufmachung und zudem von Melanie Walz (die mich schon bei Antonia S. Byatt und Robert Louis Stevenson überzeugt hat) neu übersetzt, lässt mich diese Ausgabe als ein "MUST HAVE" bezeichnen, sowohl für alte Dickens-Fans, als auch für solche Leser die sich glücklich schätzen können, ihn erst noch ganz neu für sich zu entdecken.
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34 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Daneben, 15. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Liebe Amazon-Leute-

Finde es leicht hirnrissig, all diese alten Kommentare zu älteren Übersetzungen zu veröffentlichen anlässlich der Neuübersetzung des Romans - ohne eine einzige Bemerkung zu ebenderselben zu verlieren---!!
Schlaft weiter euren (nicht sehr) gerechten Kultur-Schlaf!!

th h
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Übersetzung!, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich mag Dickens sehr gern, David Copperfield ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Nun wollte ich mich an `Grosse Erwartungen`heranwagen. Aber welche Ausgabe sollte es sein?
Auf dieser prangt vorne ein großer Aufkleber :" Diese glanzvolle Übersetzung ist ein Glücksfall. -U.März, DIE ZEIT".
Ich habe in einer großen Buchhandlung drei verschiedene Übersetzungen miteinander verglichen und mich tatsächlich für diese Ausgabe entschieden! Die Wahl fiel mir nicht schwer, die Sprache gefiel mir hier mit Abstand am besten. Sehr schön... Diese Übersetzung zu lesen ist ein Hochgenuss.
Der Preis erscheint im ersten Moment sehr hoch, ist aber gerechtfertigt, wenn man die Qualität der Ausgabe (gebunden, Papier hochwertig,...) und den sehr ausführlichen Anhang mit bedenkt ( über Dickens Leben, Hintergrundinformationen zur Entstehung und einzelnen Kapiteln des Buches,...).
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine geheimnisvolle Erbschaft, 27. Juli 2012
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Jahr 2012 ist ja bekanntlich das große Dickens Jahr, denn am 7. Februar vor 200 Jahren wurde der geniale englische Autor geboren. Obwohl er nur 58 Jahre alt geworden ist, war er ein Autor von Weltformat. Ich kenne kaum ein schriftstellerisches Oeuvre, das sich so vorzüglich für Adaptionen unterschiedlichster Art eignet. Zu Dickens Geburtstag gibt es nun sehr viele neue Publikationen, eine davon ist das an den unterschiedlichsten Charakteren bestechende Werk "Große Erwartungen" das von Melanie Walz großartig in einer zeitgemäßen deutschen Übersetzung erschienen ist. Es ist nach Meinung vieler Kritiker wohl sein perfektester Roman, der am meisten von Dickens analysierte und somit ausgefeilteste mit wunderbaren Nebenfiguren wie Mr. Herbert Pocket, Mr. Pumbleschook, Mr. Bentley Dummle und Wemmick. In die Schlüsselfigur Pip investiert Dickens sehr viel erzählerische Kraft.

Die Angst vor der Armut, ein geheimnisvoller Gönner der große Erwartungen eröffnet, der Wunsch ein vornehmer Herr zu werden, das Aufwachen im Irrgarten rasch erblühenden Glücks, das sind die unglaublich fesselnden Themen dieses Romans.

Im Zentrum steht ein Waisenjunge, der kleine Ich Erzähler Phillip Pirrip, der vereinfachend Pip genannt wird. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen, ohne eigene Familie, ohne Liebe und Zuneigung bei seiner über zwanzig Jahre älteren Schwester und deren Mann, dem Schmied Joe auf. Dass sein Leben ungewöhnlicher verlaufen könnte, als man zunächst vermutet, zeigt sich erstmals als Pip eines Tages den Gefängnisausbrecher Abel Magwitch trifft. In dem Namen spiegelt Dickens den "Zauberer". Dieser Magwitch veranlasst Pip ihn mit Nahrungsmitteln zu versorgen und eine Feile zu organisieren, um damit seine Fußfesseln los feilen zu können.

Im Verlauf der Handlung engagiert die wunderliche, alte und sehr reiche Jungfer Miss Havisham den kleinen Pip, damit er sie unterhält und sich um die schöne, furchtbar harte, hochmütige und launenhafte Adoptivtochter Estella zu kümmern. Eines Tages erscheint der Anwalt Mr. Jaggers und teilt Pip mit, dass ein Gönner ihn zum Gentleman erziehen lassen will und ihn damit, in den Stand eines jungen Herrn von großen Erwartungen an das Glück, zu versetzen beabsichtigt. Pip vermutet hinter dem Gönner Miss Havisham, aber in Wirklichkeit ist es Magwitch der zwischenzeitlich in Australien sein Glück gemacht hat.

Im Laufe der Zeit muss Pip erkennen, dass Glück und Unglück näher beieinander liegen als er ahnen konnte. Bei all dem kommt die Komik nicht zu kurz. Pip macht hier in diesem Roman einen Reifeprozess durch den Dickens bekanntlich den Protagonisten seiner anderen Romane vorenthielt.
Pip bekommt das Füllhorn des Geldes zu spüren und beginnt dann damit ein riesiges Illusionsgebäude aufzubauen, merkt jedoch dann auch sehr bald, dass diese Ambivalenz des Geldes, ihn entfremdet hat. Die materielle Erwartung wird ad absurdum geführt, denn zum Schluss kann er sich, weil er etwas gelernt hat, durch eigene Arbeit eine Existenz aufbauen,

Dickens hat sehr viel persönlich Erlebtes in seine Kosmen einfließen lassen. Dass er selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, dass ihn seine Eltern im Alter von 12 Jahren in eine Schuhcremefabrik zum arbeiten geschickt haben, dass er abends seinen Vater im Gefängnis besucht hat, all das hat Dickens sorgsam unter Verschluss gehalten. Niemand wusste zu Lebzeiten davon. Später schaffte er dann den Weg als Journalist nach oben.

Wenn wir "Große Erwartungen" oder "Oliver Twist" heute lesen, dann haben wir ein anderes Bild als die Besucher seiner legendären Lesereisen im 19. Jahrhundert. Wir kannten bisher nur den Dickens, der im viktorianischen England arme Jungen auf dem Weg nach oben begleitete. In "Große Erwartungen" erleben wir einen Dickens der existenzielle Abgründe beleuchtet, der neben dem zeittypischen viktorianischen England vor allem Desillusionen, Unwahrscheinlichkeiten und Melancholien kongenial spiegelt.

Zum Schluss des Romans ist Pip reich an Lebensweisheit und Erkenntnis. Er ist zwar wieder arm, aber er hat seine Identität gefunden und er kann seine Angst aufgeben. Dickens lässt diesen Pip zurückblicken und will damit auch gleichzeitig sein Leben spiegeln, in dem er die Frage aufwirft, ob es so unter Umständen Frieden für die eigene Biografie gibt, denn einen gewisse Schuld hatte er sich ja aufgeladen, weil er seine Herkunft verleugnet hat. Dickens hat so bewusst etwas in diesem Roman verpackt, was die Menschen im viktorianischen England eigentlich gar nicht verstehen konnten.

Der Roman braucht auch kein Happy End. Eigentlich gibt es zwei Enden, wobei es völlig egal ist welches das aktuelle ist. Worin liegt nun das Geheimnis dieser zwei Schlüsse? Zunächst hatte Dickens einen nüchternden sehr desillusionierenden Schluss gewählt. Dann schafft er zu Pip eine Parallelfigur, das Waisenkind Estrella. Ein paralleles Schicksal, ein armes Mädchen, was von einer reichen Frau adoptiert wird. Dieses andere Ich liebt Pip, aber Estrella heiratet einen anderen. Zum Schluss begegnen sie sich noch einmal und ihre Herzen sagen ihnen was möglich gewesen wäre. So findet doch noch ein Happy End statt.

Ein wahnsinnig berührenden Lektüreerlebnis, ein großes Buch. Meine emphatische Leseempfehlung.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht durchgehend spannend, aber dennoch lesenswert, 26. Juli 2012
Von 
Daggi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Grosse Erwartungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Charles Dickens stammt selbst aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater John Dickens hatte es zum Zahlmeister bei der Marine gebracht; finanzielle Engpässe der Familie standen aber an der Tageordnung; mit 12 musste Charles die Schule unterbrechen um in einer Schuhpoliturfabrik zu arbeiten, mit 15 tritt er in eine Anwaltskanzlei als Gehilfe ein. Sein Roman 'Great Expectations' ist eine fiktive Autobiographie oder eine autobiografische Fiktion, bei der Dickens aus dem eigenen Leben schöpft. Der Roman ist in der 1. Person abgefasst und umfasst die Kindheit, Jugend und das spätere Scheitern des Philip Pirrip ' mit Elementen von Gothik Novel und Elementen des Psychothrillers.

Die Romanhandlung beginnt etwa um 1810 im Marschland zwischen den Mündungen von Themse und Medway in Süd-Ost-England (sehr atmosphärisch geschildert). Der etwa 10-12-jährige Philip, genannt Pip wächst bei seiner 20 Jahre älteren Schwester, Mrs. Joe Gargery auf. Joe Gargery, ihr Mann, ist der Dorfschmied. Pip besucht die Gräber seiner Eltern und Geschwister auf dem Friedhof, wo sich ihm ein unheimlicher Mann in den Weg stellt und ihn um etwas zu essen bittet. Diese Eingangssequenz ist beinahe wörtlich wiedergegeben worden in dem Spielfilm Great Expectations von David Lean 'aus dem Jahre 1946. Von Anfang an wird der Leser hier in das Geschehen hineingezogen ' doch das Buch wird noch geheimnisvoller:

Pip soll einer Miss Havisham seine Aufwartung machen, einer extravaganten, reichen Dame in der Stadt, die vollkommen abgeschottet auf ihrem vernachlässigten Anwesen lebt und das Sonnenlicht seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Ein junges, sehr hübsches und hochmütiges Mädchen, Estella, lebt bei ihr und lässt Pip ins Haus. Es ist nicht klar, was die reiche Dame eigentlich von dem Jungen will - ob sie ihn zum Zeitvertreib eingeladen hat oder ob sie anderes ihm vorhat.

Pip begibt sich in die Lehre bei Joe Gargery als Schmied, der neben dem Mädchen Biddy zugleich sein bester Freund ist. Durch die Bekanntschaft mit Miss Havisham und Estella verstören die Sehnsucht nach Geld und Vornehmheit Pips Jugend, und als ein unbekannter Gönner ihm eine Erziehung als Gentleman in London ermöglicht, erfüllt sich Pips größten Jugendtraum: nicht mehr grob und gewöhnlich zu sein.

Eine der großen Qualitäten des Buches sind detailgenaue Personenbeschreibungen, die Dickens mit persönlichen Eindrücken, Phantasien und Ängsten ausgestaltet. Seine Personen sind sowohl überspannt als auch liebenswert. Wir finden wir eine große Spannweite an menschlichen Charaktereigenschaften und sie wirken meistens glaubwürdig. Außerdem schreibt Dickens sehr poetisch, insbesondere seine stimmungsvollen Situations- und Landschaftsbeschreibungen sind einfach hervorragend. Häufig taucht im Buch das Thema Nebel auf und fast immer wird die Umgebung sehr atmosphärisch und visuell dargestellt. Das hat mir am besten an dem Buch gefallen. Auch gibt es viele witzige Stellen im Buch, was ich klasse fand. Toll fand ich z.B. die Szene im Themsebecken, bei denen er Schiffe und Boote beschreibt, die sich bei Ebbe flussabwärts tragen lassen, während andere drauf warten, dass sie mit der Flut nach London hinein kommen.

Die Ausführlichkeit der Charakterbeschreibungen wirkt sich jedoch auf die Dauer nachteilig auf den Plot aus. Dabei kann die Spannung, die zu Beginn erzeugt wurde, nicht aufrecht erhalten werden. Ich fand das Buch anfangs sehr gut, ich bin aber zunehmend auf nachbesserungsfähige Szenen und Schwächen im Buch gestoßen (insbesondere dass Dickens die historische Wahrheit der Verhängung der Todesstrafe über Gebühr strapaziert, ist fragwürdig). Durch zu ausführliche Nebenhandlungen, fand ich die zweite Buchhälfte stellenweise langatmig. 'Große Erwartungen' kann auf keinen Fall als 'durchgehend spannend' bezeichnet werden - das ist einfach nicht zutreffend, auch nicht bei sehr viel Wohlwollen. David Copperfield fand ich deutlich besser.

Es wurde gemutmaßt, dass der Roman als Parodie auf die bekannte Romane der damaligen Zeit z.B. Jane Eyre, Sturmhöhe oder Frankenstein gedacht war. Aus meiner Sicht karikiert Dickens die Leute, die mehr darstellen wollten, als sie eigentlich sind, nicht ohne Selbstironie und nimmt die Verhältnisse seiner Zeit genau unter die Lupe. Ich kann jedoch der Behauptung nicht zustimmen, dies sei Dickens reifster Roman. Ich halte das Buch für eine aufschlussreiche, fiktive Autobiografie zum Thema bürgerlicher Aufstieg und Lernen durch Leid. Hier in der Auflage des Hanser-Verlages mit Neuübersetzung durch Melanie Walz, die in einem ausführlichen Anhang Hinweise auf die unterschiedlichen Fassungen von Great Expectations gibt. Ich gebe 3,5 Punkte.
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Grosse Erwartungen: Roman
Grosse Erwartungen: Roman von Charles Dickens (Gebundene Ausgabe - 26. September 2011)
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