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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Was wäre, wenn wir die Welt sich selbst überlassen würden."
T.C.Boyle legt mit >Wenn das Schlachten vorbei ist< einen Öko-Roman vor, in dem es um Umweltschutz versus Tierschutz geht. Dabei sind die Wissenschaftlerin Alma Boyd Takesue (Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit beim National Park Service) und der Tierschützer Dave LaJoy (Vorsitzender der Tierschutzorganisation FPA - For the Protection of Animals)...
Veröffentlicht am 2. April 2012 von Regina Berger

versus
20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn das Lesen vorbei ist ...
… bleibt nicht viel übrig. Wieder einmal. Auch der letzte Roman von Tom Coraghessan Boyle (Jahrgang 1948) kommt über ein allenfalls ordentliches Niveau nicht hinaus. In einer bewundernswerten Produktivität widmet Boyle sich seit einigen Jahren gesellschaftlichen Trendthemen von besonderer Brisanz. In "Talk Talk" war es der Identitätsdiebstahl; in...
Vor 23 Monaten von Sommerwind veröffentlicht


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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Was wäre, wenn wir die Welt sich selbst überlassen würden.", 2. April 2012
Von 
Regina Berger "Gina" (Rottach-Egern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
T.C.Boyle legt mit >Wenn das Schlachten vorbei ist< einen Öko-Roman vor, in dem es um Umweltschutz versus Tierschutz geht. Dabei sind die Wissenschaftlerin Alma Boyd Takesue (Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit beim National Park Service) und der Tierschützer Dave LaJoy (Vorsitzender der Tierschutzorganisation FPA - For the Protection of Animals) erbitterte Rivalen. Stets entfacht eine Art neuer Revierkampf" zwischen den Beiden. Als Schauplatz dienen die kalifornischen Channel Islands vor der Küste von Santa Barbara. Beide Akteure vertreten ihre Ideologien, beide haben gute Absichten aus widersprüchlichen Blickwinkeln, und beide verbindet eine persönliche Historie mit den Inseln Anacapa und Santa Cruz.

Der Roman beginnt mit einem Schiffbruch und lässt gleich zu Anfang die Metapher wirken, ob die Menschheit nicht Schiffbruch erleidet, wenn sie sich weiter in den Lauf der Natur einmischt. Grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zu Fauna und Flora werden laut; der Einflussnahme des Menschen in das Ökosystem und der daraus resultierende Konflikt, ob dies verantwortungsvoll oder unverantwortlich ist.

Der Autor stattet den Leser mit Verständnis für beide Seiten aus. So fällt es schwer, sich zu positionieren oder gar Partei zu ergreifen. Beide Anschauungen haben nachvollziehbare Ansätze und schärfen das Bewusstsein für die Umwelt auf ihre Weise.

T.C.Boyle überzeugt einmal mehr mit seiner Sprachgewalt. Unnachgiebig und kraftvoll treibt er seine Helden voran. Er ist ein großartiger Beobachter und schildert detailliert. >Wenn das Schlachten vorbei ist< ist im Spannungsbogen schwankend und erinnert an Wellengang auf dem Meer. Mal tosend, mal eher dahin treibend. Dadurch entstehende Längen werden durch beharrlich ausschweifende Beschreibungen wettgemacht.

Gewöhnungsbedürftig waren für mich die Kapitelüberschriften: wissenschaftliche Namen für Tiergattungen, wie im Laufe der Handlung klar wird. Nicht ganz einfach ist es, die handelnden Frauen auseinander zu halten, da alle Namen mit A beginnen. (Alma, Anise, Annabelle.) Umso bildhafter ist dafür der Ort der Handlung: die Inselgruppe, als die "Galapagos-Inseln Nordamerikas" bekannt, wird kontrastreich vor dem inneren Auge lebendig.

Die Parabel über Ursache und Wirkung durch menschliche Eingriffe in die Biogeographie lässt über moralische und ethische Grundsätze nachdenken und hinterfragt, wo die Grenzen liegen. Der neue Roman von T.C. Boyle ist brisant und gegenwärtig. Für mich eine bereichernde Leseempfehlung mit Tiefgang.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein teuflisch gutes Hörbuch zu einem überaus spannenden Roman!, 5. März 2012
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist (Audio CD)
Der neue Roman von T. C. Boyle wurde von seiner großen Fan-Gemeinde bereits ungeduldig und mit Spannung erwartet. Der amerikanische Bestseller-Autor hatte in seinen bisherigen Werken schon mehrfach ökologische und sozialkritische Themen aufgegriffen.

Auch in "Wenn das Schlachten vorbei ist" widmet sich Boyle dieser hochaktuellen und brisanten Thematik. Dieses Mal schildert er den erbitterten Streit zweier Fraktionen von Umweltschützern, die sich auf der Inselgruppe Channel Islands vor der Südküste von Kalifornien einen unnachgiebigen Kampf liefern.

Auf einer der Inseln vermehren sich die Ratten ungebremst. Sie waren im 19. Jahrhundert als Folge eines Schiffbruchs auf der Insel gelandet und fanden hier seitdem geradezu paradiesische Zustände. Daneben gibt es noch verwilderte Hausschweine. Die Biologin Alma Boyd arbeitet an einem ehrgeizigen Projekt, sie will versuchen, das aus dem Gleichgewicht geratene Ökosystem wiederherzustellen. So sollen in offiziellem Auftrag die Ratten vergiftet werden, damit u.a. auch die nahezu ausgerotteten Vögel wieder eine Überlebenschance haben.

Ihr Kontrahent Dave LaJoy, ein erfolgreicher Unternehmer, der den Tierschutz für sich entdeckt hat, sieht das jedoch ganz anders, denn er kämpft um jedes Tierleben. Seine Devise lautet: Du sollst nicht töten - auch Ratten nicht. Dabei schreckt er selbst vor radikalen Mitteln nicht zurück. Dave sieht in der massenhaften Vernichtung der Ratten einen Mord, der nicht zu rechtfertigen ist. Der Umwelthysteriker ist zu allem entschlossen, um die Elimination der Ratten zu verhindern. Daher hat er eine Gegenorganisation gegründet, die bei ihrer Vorgehensweise wahrlich nicht zimperlich ist.

Boyle stellt in seinem Roman eindrucksvoll zwei verschiedene Tierschutzansätze gegenüber: die wissenschaftlich-nüchterne Betrachtungsweise und die ethisch-moralischen Emotionen. Zwischen beiden dreht sich die Spirale von Missverständnissen, Hass und Gewalt immer weiter, bis hin zu einer Apokalypse im Kleinen.

Im Münchner Hörverlag ist nun eine gekürzte Lesung des Romans auf acht CDs (Gesamtlaufzeit ca. 593 Minuten) erschienen. Dem bekannten Tatort-Star und Sprecher Jan Josef Liefers gelingt es dabei, die unversöhnliche Auseinandersetzung, die von den Kontrahenten in immer absurdere Höhen getrieben wird, für den Hörer hörbar zu machen. Mit seiner unverwechselbaren Stimme arbeitet er das Groteske dieses gnadenlosen Kampfes heraus. Fazit: Ein teuflisch gutes Hörbuch zu einem überaus spannenden Roman!
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boyle at his best, 7. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Welch ein grandioses Buch! Natürlich erfordert es Geduld und Aufmerksamkeit, dieses oftmals sehr weitschweifige Buch zu lesen. Doch wer sich darauf einlässt, wird ein Vergnügen auf höchstem Niveau erleben. Wieder einmal schafft es Boyle, gerade in den vermeintlich überbordenden, ausufernden Schilderungen bis in die kleinsten Nebenfiguren hinein die überraschendsten und klügsten Details zu verstecken. Die Absurdität des vermeintlich allein dem Guten dienenden Handelns wird trefflich vor Augen geführt: Was heißt schon, Einsatz für den Naturschutz, Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts? Wie soll man den Urzustands des ökologischen Systems definieren, wo ihn beginnen lassen? Schon das wieder ist ein menschlicher Eingriff wider die Natur, ein Handeln eigentlich gegen die Natur, die von sich heraus reagiert und sich weiterentwickelt. Die einen rotten Ratten aus, um wertvolle Vogelpopulationen zu retten, feiern den vermeintlichen Sieg über die Ratteninvasion dann mit gegrillten Steaks und überhaupt einem großen Menschenpulk, der Unruhe bringt, Müll hinterlässt und die Abgeschiedenheit des Insellebens stört. Die anderen sind gegen jedes Töten, setzen dann aber Tiere einer Umgebung aus, die nicht ihr natürlicher Lebensraum ist. Und fahren Auto, benutzen Wassersprenkler, lassen Rollrasen anlegen... "Wer sich frei von Sünde fühlt, der werfe den ersten Stein" lässt sich auch auf diesen Wahnsinn übertragen. Egal, wie: es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt keine Lösung. Das menschliche Dasein und Handeln ist immer ein Eingriff in die Natur, genauso, wie auch jedes andere Lebewesen die Natur in irgendeiner Weise nicht nur bereichert, sondern überhaupt beeinflusst. Ob gut oder böse, wer mag das entscheiden? Boyle bringt die ganze Absurdität einmal mehr wunderbar auf den Punkt.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie die See - glatt und tief zugleich, 24. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Boyles Ökoroman stellt essentielle Fragen nach dem Menschen und seinem sehr speziellen Verhältnis zur Schöpfung, einschließlich seiner selbst. Es offenbaren sich vor ökologischem Kontext denn auch Psychogramme von Protagonisten, die sich zunächst dem klassischen Schwarz-Weiß entziehen, gerade weil Boyle die Befindlichkeiten und Subjektivitiäten zu entlarven versteht. Während er auch die Nebenfiguren detailliert einführt, kulminiert die Handlung vor allem aber im rivalisierenden Verhältnis zwischen der jungen Akademiker Alma und dem Umweltaktivist Dave. Weitschweifig schildert Boyle die Kulisse dieser ideologisch anmutenden Gegnerschaft, die, ein wenig arm an Höhepunkten, opulent in die Szenerie des Schauplatzes an der kalifornischen Küste bei Santa Barbara eingebettet ist. Ein ums andere Mal fordert das Buch die Geduld des Lesers ein, meist weiß es jedoch vermittels der Beschreibungswucht Boyles zu fesseln.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gibt es schlechte Tiere?, 7. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach dem "Freund der Erde" widmet sich Boyle wieder einem Natur(zerstörungs-)thema. Der Roman spielt aber nicht wie im damaligen Roman in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt. Schauplatz sind die Vorinseln von Santa Barbara. Die Handlung ist schnell erzählt: Tierschützer, die ganz konträre Vorstellungen von Naturschutz haben, wollen die Inseln "retten". Das Ökosystem ist empfindlich gestört: Massenpopulationen von Tieren, die der Mensch auf die Insel gebracht hat, verdrängen die dort vorgefundenen Tiere. Wissenschaftler haben mit dem Staat an ihrer Seite die Möglichkeit krasse Maßnahmen zu ergreifen. Tierschützer wollen das verhindern.

Große Fragen werden aufgeworfen: Wie weit darf der Mensch gehen, die von ihm eingeführten Tiere wieder loszuwerden, um die endemischen Arten zu schützen? Ist denn ein Wildvogel wertvoller als eine Ratte? Darf ein Tier am Leben bleiben, wenn es durch Zufall auf eine Insel gekommen ist, sollte aber getötet werden, wenn es durch Menschenhand dorthin gelangt. Wann geht es nicht mehr um Tierschutz, sondern um Massentötung von Tieren. Und verselbständigt sich der Protest gegen bestimmte Naturschutzmaßnahmen nicht in ein groteskes Gegenteil, wenn man selbst versucht, die Natur zu manipulieren. Aber wie weit geht die Tierliebe, wenn sich wilde Tiere zu nah an die eigene Villa heranmachen.

Boyle schafft es wieder, Fragen anzureißen, selbst aber keine Stellung zu beziehen. Er zeichnet die Menschen vortrefflich als verzweifelte Weltverbesserer, die nicht lockerlassen können. Der Mensch muss unbedingt etwas tun, tatenlos kann er nicht sein. Das macht ihn vielleicht manchmal zum Retter, oftmals aber auch zum Zerstörer.

Wie so oft, schwankt man bei Boyles Figuren zwischen Sympathie und Missachtung. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Dass er sich - wie hier - immer aktuellen Themen annimmt, macht seine Bücher so wertvoll. Er bringt die Argumentationsmaschine ans rollen, gibt Anstöße und Sidekicks, denken und urteilen soll der Leser aber immer noch selbst.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Naturschützer vs. Tierschützer, 6. Mai 2012
Von 
HeikeM - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Mensch als Schützer von Natur und Umwelt, so sieht T. C. Boyle seine Helden in seinem neuen Roman mit dem martialisch anmutenden Titel "Wenn das Schlachten vorbei ist". Auf den Channel Islands vor der kalifornischen Küste ist die Umwelt empfindlich gestört worden. Das ökologische Gleichgewicht wurde durch eingeschleppte Ratten und Schweine aus dem Gleichgewicht geraten. Zwei Gruppen von Umweltschützern mit entgegengesetzten Auffassungen liefern sich nun einen erbitterten Kampf. Soll man die eingeschleppten Tiere gnadenlos töten oder hat jedes Tier, auch das eingeschleppte, letzten Endes eine Daseinsberechtigung, auch wenn das die Vernichtung des ursprünglichen Tierbestands und der Pflanzenwelt zur Folge hätte.

Dieser Roman war mein erster des Autors T. C. Boyle. Nicht sofort konnte ich mich in der Handlung zurechtfinden. Begann der Roman doch mit einem in der Vergangenheit liegenden Schiffbruch. Aber schnell wurden die Zusammenhänge klar und das Buch ließ mich nicht mehr los. Die Grundfrage des Romans 'Wie viel Tierschutz verträgt die Natur?' mag auf den ersten Blick etwas verwirrend klingen. Aber je weiter man sich durch den Roman liest, desto nachvollziehbarer werden die Positionen von Natur- und Tierschützern. Als Leser beginnt man, sich selbst Fragen zu stellen und wird schnell feststellen, dass deren Beantwortung alles andere als leicht ist. Und somit ist auch die Lektüre dieses Romans nicht unbedingt leichte Kost. Das bezieht sich aber keineswegs auf den Schreibstil des Autors, sondern ausschließlich auf das Thema, bei dessen Behandlung es schon mal 'gut zur Sache geht'. Der Roman ist in zwei Teile untergliedert. Kern des ersten sind die Bemühungen, die Insel Anacapa von eingeschleppten Ratten zu befreien. Im zweiten Teil sollen die Schweine, die durch Siedler auf die Nachbarinsel Santa Cruz gebracht wurden, entfernt werden. Beide Tierarten haben sich durch ihre invasive Vermehrung, es fehlte ihnen an natürlichen Feinden, den Lebensraum erobert und bedrohen inzwischen die einheimische Fauna und Flora. In immer wieder eingeschobenen kleinen Geschichten, wird berichtet, wie diese Tiere auf die Inseln kommen und dort Fuß fassen konnten.
Die beiden Hauptpersonen, Alma und Dave, sind in ihren unterschiedlichen, ja konträren Ansichten sehr glaubhaft beschrieben. Bei beiden hat man das Gefühl, sie handeln aus innerer Überzeugung, aus Berufung. Dabei sind sie lebensecht mit Stärken, Schwächen und Ängsten gezeichnet. Boyle schreibt neutral und für den Leser erscheinen die Positionen beider Seiten gut nachvollziehbar.
Das Buch hatte ein paar Längen, aber wirklich gelangweilt habe ich mich beim Lesen nie, denn Boyle ist ein guter, sprachgewaltiger Erzähler und weiß auch mit scheinbar Nebensächlichem den Leser gut zu unterhalten.
Wie nebenbei vermittelt T. C. Boyle dem Leser umfangreiches Wissen über Ökologie, das Zusammenspiel von Fauna und Flora. Er regt zum Nachdenken an, will aber an keiner Stelle belehren. Ich vermag nur ansatzweise zu erahnen, welch umfangreiche Recherchen hinter diesem Roman stecken mögen.
Romane, die den Erhalt des Ökosystems unserer Erde thematisieren scheinen gegenwärtig gefragt zu sein. Wenn sie es schaffen, die Menschen ein wenig wachzurütteln, haben sie ihre volle Daseinsberechtigung. Dieser Roman macht das und ist dazu äußerst lesens- und empfehlenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Essay wird Drehbuch, 10. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Soll der Mensch Schäden in einem Ökosystem, die er nicht direkt verursacht hat, wiedergutmachen? Das ist die moralische Frage, die T.C. Boyle am Beispiel zweier Antagonisten in seinem neuen Roman behandelt. Alma, die Vertreterin des National Park Service, bekommt in der Verfolgung ihres Auftrages, die Ratten auf einer Insel vor der kalifornischen Küste auszurotten, damit dort wieder bestimmte Vögel brüten können, die Entschlossenheit und den Einfallsreichtum einer Gruppe von Ökoaktivisten zu spüren.

Leider trägt die Exposition nicht so weit wie die dramatische Entwicklung, jedenfalls nicht über einen ganzen Roman; wahrscheinlich hätte sie in einem Essay behandelt werden können. Und deswegen stürzt sich Boyle in die Action. Gerade gegen Ende, als die Ökos die Insel im strömenden Regen noch einmal sabotieren wollen, fühlte ich mich an Jurassic Park erinnert.

Ich bin für Handlung (als Gegensatz zu Langerweile), der Kampf zwischen Gut und Böse, der hier ausgetragen wird, kann durchaus so eskalieren; aber die Eskalation lenkt gleichzeitig vom eigentlichen Thema ab. Die Frage ist irgendwann nicht mehr, wessen Überzeugung die richtige oder bessere ist, sondern nur noch der Wettkampf selbst: Wer gewinnt mit welchen Mitteln? (Und da muss dann auch noch der Gott aus der Maschine helfen.) Immerhin ist es gut zu wissen, dass die amerikanische Literatur sich mit Ökologie beschäftigt, und es war auch interessant zu sehen, dass Boyle als Protagonisten eine starke Frau gewählt hat.

Fazit: Ein gut, vor allem spannend geschriebener Roman zu einem aktuellen Thema, aber seiner Umsetzung nach ein Essaythema, das zum Drehbuch für einen Actionfilm aufgepumpt wurde.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer sind die Guten?, 5. März 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
T.C.Boyle ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Seine Biogaphien in Romanform haben viele Leser begeistert, so Dr.Sex oder auch Die Frauen. Der vorliegende Roman beschreibt eine Apokalypse über drei Generationen, die nicht eindringlicher die Gesetze der Natur beschreiben könnte. Hier zeigt Boyle seine enorme sprachliche Kraft, wenn die Naturgewalten den Menschen beherrschen oder sogar vernichten. Die Natur unterscheidet nicht nach Gut oder Böse oder Richtig oder Falsch. Wer am falschen Platz zur falschen Zeit sich aufhält wird vernichtet und niemand fragt ob es gerecht war. So treffen hier zwei sehr unterschiedliche Gruppen von Tierschützern aufeinander, die sich bis aufs Blut bekämpfen. Beide wollen die Natur in ihrem Sinne erhalten und doch sind sie unmenschlich zueinander, der eine mehr, der andere weniger. Dem Leser wird klar, dass es keine Gewinner geben kann und wegen der mörderischen und paradoxen Haltung zueinander fällt es schwer wirkliche Sympathie für eine Gruppe zu entwickeln. Der radikalste und menschenverachtende Prolet, der alles täte um eine Ratte vor dem Tod zu schützen, aber nicht davor zurückschreckt Menschen für seine Ziele zu vernichten. Oder eine Biologin, die mit kalter unbeirrbarer Strategie ihre Ziele verfolgt. Eines wird schon deutlich, nämlich dass Fanatiker mit kollerischen Anfällen die eigenen Ziele gnadenlos verfolgen und damit Kriege auslösen oder ganze Familien umbringen können. Sie verfügen über Gene die sich nicht kontrollieren lassen, wie sie bei Diktatoren sicher häufig anzutreffen sind. Einerseits liebkosen sie kleine Kinder und vergöttern ihren Schäferhund und andererseits schrecken sie vor nichts zurück um zu siegen, in ihrem Sinne.
Der Roman lässt sich nicht immer leicht lesen, weil Boyle einfach etwas zu viel in die Geschichte packen will und dabei stilistisch, trotz seiner fabulierenden Kraft, in recht langatmige Passagen gerät. Das ist schade, doch trotz dieser Schwäche hat der Roman eine hohe literaische Qualität
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn das Lesen vorbei ist ..., 27. September 2012
Von 
Sommerwind - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
… bleibt nicht viel übrig. Wieder einmal. Auch der letzte Roman von Tom Coraghessan Boyle (Jahrgang 1948) kommt über ein allenfalls ordentliches Niveau nicht hinaus. In einer bewundernswerten Produktivität widmet Boyle sich seit einigen Jahren gesellschaftlichen Trendthemen von besonderer Brisanz. In "Talk Talk" war es der Identitätsdiebstahl; in seinem neuesten Roman ist es der menschliche Raubbau an der ihn umgebenden Fauna und Flora. Stets entstehen dabei gut lesbare, unterhaltsame, bisweilen spannende Mischungen aus Kriminalroman und Gesellschaftssatire. Flott geschrieben, anschaulich, gelegentlich turbulent, manches Mal ein wenig ausschweifend. Respektable Unterhaltungsliteratur. Mehr nicht.

Sein "Ökothriller" von 2011 macht da keine Ausnahme … bis auf eine Ausnahme; dazu unten mehr. Boyle schildert die dogmatische Auseinandersetzung zweier Tierschutzorganisationen um den rechten Weg: Die einen trachten invasiven Spezies wie Ratten, Schweinen oder Schlangen waffenstarrend nach dem Leben; die anderen verfechten das strikte Lebensrecht noch der aggressivsten Lebensform. Dass das nicht ohne Kollateralschäden vonstatten gehen kann, versteht sich nach wenigen Seiten Lektüre. Und natürlich nimmt das Geschehen desaströse und unerwartete Wendungen. Das ist kurzweiliger und anstrengungsfreier Lesestoff für eine lange Zugfahrt oder ein verregnetes Wochenende. Schnell konsumiert, schnell vergessen.

Das liegt daran, dass Boyle ein geradezu idealtypischer Vertreter der neueren amerikanischen Literatur ist: ohne jeden ästhetisch-literarischen Anspruch, ohne jedes Interesse an Form, Stil oder Charakter. Folgerichtig bleiben seine Figuren nicht nur in seinem letzten Roman allenthalben ohne Kontur und Profil. Das lässt sie rasch verblassen. Diese Haltung kompensiert Boyle zwar, ähnlich wie Irving, durch eine irrwitzige Lust am Fabulieren, am abwegigen Ereignis und der destruktiven Zuspitzung. Trotzdem hält Boyle den Leser auf Distanz.

(Mich persönlich stört im Übrigen Boyles Neigung zu Hyperbeln. Das ist aber Geschmackssache. Und das alles, was schlicht aufhört, immer "ersterben" muss, kann an Boyle oder der Übersetzung liegen. Schön ist es jedenfalls nicht.)

Immerhin gelingt Boyle diesmal wieder etwas - wir kommen zur genannten Ausnahme -, was schon sein Meisterwerk "World’s End" ausgezeichnet hat: die völlig beiläufige, nonchalant intonierte Katastrophe. Reportagenhaft aufgebaut und doch mit einer sardonischen Lust am Untergang ausgestattet. Das ist hinterhältig, fies und … gekonnt. Und findet man in dieser maliziösen Meisterschaft eigentlich nur bei Boyle. Allerdings auch erst in der zweiten Hälfte des Romans.

Unterm Strich also ein ordentlicher, etwas routiniert wirkender Roman, den man gut lesen und rasch wieder beiseite legen kann. Kein Vergleich mit "World’s End" oder "Wassermusik".
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ohne Rücksicht auf Verluste, 22. Juli 2012
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Westen Kaliforniens, im kalten, rauen Pazifik befinden sich mehrere kleine Inseln, die von Menschen vorwiegend unbewohnt geblieben waren. Immer wieder haben sich Schafhirten oder Jäger dorthin verirrt - harte Kerle, versteht sich, denn die Insel war dem Ozean angepasst eine Wildnis und nichts für gemütliche Strandurlauber.

Diese Inseln, ihre Tierwelt und die Welt der Umwelt- und Tierschützer, die nicht immer die gleichen Ziele verfolgen, stehen im Zentrum Boyle's neuen Romans.

Eine Beziehung zu dem Eiland zieht sich bei allen Protagonisten über mehrere Generationen. Zuerst strandete Beverly auf Anacapa, nachdem sie als einzige einen Schiffbruch überlebt hatte und von den Haien verschont blieb, mit ihr das Kind im Leib, Alma's Mutter. Viele Jahre später wird Alma, ihrerseits promovierte Biologin als Mitarbeiterin einer staatlich geförderten Umweltschutzorganisation auf die Inseln zurückkehren, um den Lebensraum seltener Tier durch Ausrotten von Ratten und Schweinen wieder herzustellen.

Auf der anderen Seite treffen wir Dave LaJoy einen Mittvierziger, der sich der Rettung aller Tiere verschworen hatte - und wenn es sich um Ratten handle! Als unterbitterlicher Widersacher stellt er sich mit Unterstützung der lokalen Presse und nicht zu knapper Spendengelder dem Vorhaben Almas in den Weg. Ohne Rücksicht auf Verluste!

In diesem Roman kehrt T.C. Boyle zu seiner bewehrten Erzählmethode der beiden alternierenden Handlungsstränge zurück. Auch wenn sich Alma's und Dave's Wege von Beginn an laufend kreuzen, so begegnen sich diesmal auch die Lebensläufe der Nebendarsteller und ihrer Vorfahren. Darüber hinaus erzählt Boyle über - mir bislang unbekannte - Inseln, ihre Vegetation und Tierwelt, erzählt von Schiffbrüchen, die den Ratten verhalfen das Festland zu verlassen und lässt am Ende, wenn das Säubern getan ist, wieder Neues zurück.

Der Roman ist flüssig und abwechslungsreich. Die Charaktere durchwegs starke Persönlichkeiten und in die Handlung unterschiedlich gut eingeführt - die Sympathieträger fehlen im Wesentlichen, dennoch sind alle Helden - auf ihre Art.

Eindeutig Boyle'scher Wiedererkennungswert!
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Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman
Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman von T.C. Boyle (Gebundene Ausgabe - 6. Februar 2012)
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