3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Scharfblick ohne Weitwinkel, 22. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Geschenk (Gebundene Ausgabe)
Ja, er kann Bilder finden. Über Frauen, deren Haut unter der Schminke schon zerfällt, über die Sprachlosigkeit der Generationen. Aber ein Roman - das ist so - benötigt eine Handlung. Einen roten Faden und nicht nur das rote Tuch der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn. Väter machen Söhne mit Frauen und das ist ein magisches oder verflixtes Dreieck - aber kein Grund, sich in alte Chuck-Weisheiten zurückfallen zu lassen. Ich hatte mich so auf das Buch gefreut, aber nach der Hälfte war ich wie ein Boxer k.o - es war nicht der Gegner, es war die fehlende Luft, ich sah kein Ziel, nicht beim Autor, nicht bei mir. Die Jugend mit den frischen Versen von Wondratschek ist lange vorbei - für uns Beide. Auch eine Erkenntnis.
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10 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Adaption des Vaterseins, 14. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Geschenk (Gebundene Ausgabe)
Ich gebe zu, früher fand ich Wondratscheks männliches Getue aufgesetzt und anachronistisch. Nachdem ich seine Äußerung über Domenica, dass wenn sie an einem Fluss flussaufwärts gehe, dann wechsele dieser Fluss seine Richtung, selber erleben durfte (nicht die Äußerung, sondern den Wechsel der Flussrichtung), sehe ich ihn anders.
Wolf Wondratschek hatte sicherlich auch mal gehört, dass verheiratete Männer länger leben, aber er wusste wohl instinktiv, dass diese Männer häufiger an den Tod denken. Er weiß, dass der Mann nur dann ein Mann ist, wenn er ein Mann ist, dass Kontakte zu Frauen außerhalb der Bordelle nur Unglück und Verdruss bringen, dass man von Frauen nicht mehr wissen muss, als man sehen kann und dass derjenige, der für das eigene Leben eine Frau braucht, sang und klanglos untergeht.
Wolf Wondratschek legt hier ein Vaterbuch vor. Die Übernahme der Vaterrolle wird von ihm wunderbar abgeklärt, lakonisch und auch mit einer gewissen Weisheit erzählt. Er schildert seinem vierzehnjährigen Sohn, dass der gerade Hacken mit der Linken für einen Jungen das Wichtigste sei und sein Sohn hört ihm gelangweilt desinteressiert interessiert nicht zu. Vater-Sohn-Gespräche halt.
Schade finde ich, dass Wondratschek es nicht schafft, das Vater-Sohn-Thema buchfüllend durch das ganze Buch durchzuziehen. Er berichtet vielmehr über die Frauen im Leben des Vaters (er hatte auch mal einen Leckerbissen abbekommen), über seine Drogenzeit und wie die Geburt zielgerichteter Anlass für seine Drogenabstinenz wurde. Er füllt Seiten mit Reflexionen über die Lebensphilosophie Donald Ducks, thematisiert sein Verhältnis zu seinem Lektor und erzählt männlich amüsante Gedankengänge anlässlich eines Besuchs bei seiner Urologin.
Die Kindsmutter wird nicht benahmt. Sie bleibt im Hintergrund. Man bekommt aber schon mit, dass Wondratschek es mit Frauen nicht so hat. Insofern ist Charlie Harper in Two and a Half Men beziehungsweise Charlie Sheen im echten Leben schon besser, denn der versucht es wenigstens mit ihnen.
Wondratscheks Ansatz ist anders. Er bringt eher wenig bis kein Interesse an ihnen auf; was sie denken, was sie machen, wovon sie träumen, interessiert ihn nicht. Er ist schlicht konsequent egoistisch. Und so ist Mann wieder bei der Eingangsfrage, ist das wirklich männlich? Wahrscheinlich schon, denn sein Handeln ist zielgerichtet.
Nichtsdestotrotz, dass Buch ist ein ideales Geschenk für 50-jährige Väter (und andere Männer).
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