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Kundenrezensionen

28
4,2 von 5 Sternen
Madalyn: Roman
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
So wirklich schlau geworden bin ich nicht aus dem Roman Madalyn von Michael Köhlmeier, dessen 176 Seiten plötzlich aufhören, ohne dass die Geschichte ein wirkliches Ende findet. So jedenfalls empfinde ich es fürs erste.

Der Roman selber ist ein Geplätscher von Ereignissen und Dialogen mit unterschiedlicher Tiefe: mal ernst, mal wieder ziemlich seicht.
Und die eigentliche Crux der ganzen Geschichte ist: Wer kann und soll wem noch Glauben schenken? Eigentlich ist der Roman ein praktisches Lehrstück über das Lügen, und natürlich lässt sich trefflich darüber diskutieren, wessen Lügen schwerer wiegen und wer im Grund noch die oder der Glaubwürdigste ist.

Das Mädchen Madalyn jedenfalls, dem der fiktive Schriftsteller Sebastian Lukasser, als sie fünf Jahre alt war und mit dem Rad verunglückte, das Leben gerettet hat, ist inzwischen eine Jugendliche und macht einiges durch: zuhause, in der Schule und vor allem mit ihrem ersten Freund Moritz. Dieser ist ein notorischer Lügner. Doch der Roman zeigt, dass auch Madalyn nicht verlegen ist, wenn es darum geht, die Wirklichkeit nach ihren Wünschen zurecht zu biegen und - im Klartext gesprochen - faustdicke Lügen dort einzusetzen, wo immer sie "nützen".

Aber so seicht ist das Buch dann doch wieder nicht: es erzeugt - jedenfalls bei mir und sicher auch bei manch anderen - dann ein doch ernsthaftes Nachdenken darüber, wie Einzelkinder heute oft aufwachsen müssen, wenn sie zwar materiell in Sicherheit leben, die emotionale Geborgenheit vonseiten ihrer Eltern aber vermissen und viel allein sind. Ist es da verwunderlich, dass sich der junge Mensch dann an jemanden anhängt, der vielleicht ebenso (oder gar noch mehr) unbehaust ist, und dass hier nicht nur gute Einflüsse gegeben sind und wirksam werden? Der Roman will sicher nicht moralisieren (jedenfalls behauptet dies Lukasser immer wieder zwischen den Zeilen), und doch erzeugt er genau jenes Nachdenken über Fragen von Anstand und Moral, ohne deren positive Beantwortung unsere Gesellschaft auf Dauer nicht bestehen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2010
Mein erster Köhlmeier. Ich hatte gewisse Vorurteile, bin aber hinsichtlich seine Fähigkeiten als Erzähler eigenständiger Stoffe positiv überrascht worden. Besonders beeindruckend fand ich die, wie ich glaube, sehr realitätsnahe und einfühlsame Darstellung der mentalen Welt von Madalyn. Wohltuend, die niveauvolle Sprache, im Umgang mit Liebe und Körperlichkeit. Die echte Größe des Textes erschließt sich aber, als sich gegen Ende hin, die beim Leser entstandenen Urteile und Charakterschubladen in die er die Protagonisten geschlichtet hat, mehr und mehr verschwimmen und sich auflösen...Sehr lehrreich!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Begeistert von Köhlmeiers Hauptwerk "Abendland'" las ich nun den 2010 entstanden Kurzroman "Madalyn"' des österreichischen Autors. Der Ich-Erzähler ist derselbe wie in "Abendland"', Sebastian Lukasser nämlich, auch Ende 50 - wie Köhlmeier beim Schreiben des Buches - und ebenfalls Schriftsteller.

Lukasser half vor circa acht Jahren der kleinen Madalyn nach deren schwerem Fahrradunfall, rettete ihr möglicherweise das Leben. Das verbindet die beiden miteinander und Lukasser beobachtet das Aufwachsen des Mädchens, das einen Stock unter ihm wohnt. Zu ihren Eltern, die Lukasser nie gedankt haben für seinen Einsatz nach dem Unfall, hat Madalyn ein schwieriges Verhältnis, nicht ganz ungewöhnlich für ein pubertierendes Mädchen.

Eines Tages steht die bald 14jährige Madalyn beim Erzähler vor der Tür, sie braucht einen Zuhörer. Verliebt hat sie sich in einen zwei Jahre älteren Jungen an ihrer Schule, der mit einem Gedicht die Aufmerksamkeit nicht nur der Deutschlehrerin, sondern auch der Mitschüler erregt hat. Eine geheimnisvolle Aura umgibt ihn, die auch Madalyn fasziniert und sie bewegt, ihn anzusprechen. Moritz reagiert positiv und so entwickelt sich eine junge Liebe, die jedoch schnell in tiefere Gewässer steuert. Alkohol, Lügen, ein anderes Mädchen machen trüben Madalyn die Liebe und fordern, ja überfordern den Zuhörer und potenziellen Ratgeber Sebastian Lukasser.

Mit nur 160 Seiten schrieb Köhlmeier ein atmosphärisch sehr dichtes Buch, in dem er auf eine allzu weitschweifende Handlung verzichtet, sondern sehr die Gefühlswelten der beiden Hauptfiguren Madalyn und Lukasser in den Mittelpunkt stellt und beschreibt. Auf Wertungen verzichtet Köhlmeier beim Erzählen, Leserin und Leser machen sich ein eigenes Bild und verknüpfen je nach Alter eigene Lebenserfahrungen. Eine empfehlenswerte Lektüre eines Könners in der Erzählkunst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Schmetterlinge im Bauch, schwebend auf Wolke sieben, Händchenhalten, Liebesbriefe, der erste Kuss und womöglich das "erste Mal". Die Rede ist von der ersten Liebe. Wer erinnert sich nicht gern daran zurück? Sie ist wohl die emotionalste Zeit im Leben, in der man die Welt neu ergründen möchte. Und um genau die geht es in Michael Köhlmeiers neuem Roman, nur läuft sie in seiner Erzählung nicht ganz so schwerelos für die Protagonistin ab.

Wie bereits in seinem Opus Magnum, dem 2007 für den Deutschen Buchpreis nominierten "Abendland", agiert auch in "Madalyn" der Schriftsteller Sebastian Lukasser, dieses Mal als Ich-Erzähler. Auch hier schüttet ihm ein anderer sein Herz aus. War es in "Abendland" der 95-jährige Carl Jacob Candoris, der seine Lebenserinnerungen, die sich schon bald als eine Art Geständnis herauskristallisieren, diktiert, so setzt der österreichische Autor dieses Mal ein 14-jähriges Mädchen in die Rolle der Beichtenden. Sie wählt Lukasser - Köhlmeiers Alter Ego - als ihren Vertrauten, dem sie von den ersten aufregenden Gefühlen erzählt, die sie für einen Mitschüler hegt sowie der damit einhergehenden Probleme mit ihren Eltern.

Der Autor kennt Madalyn schon seit ihrer Geburt, die Familie Reis wohnt ein Stockwerk unter ihm. Ein Unfall, in den die 5-jährige mit ihrem zum Geburtstag erhaltenen Fahrrad verwickelt wird, schweißt die zwei eng zusammen und Lukasser wird so etwas wie ein großer Freund, ein Vertrauter für das heranwachsende Mädchen.
Doch dann tritt Moritz in deren Leben, der Junge, der so wunderbar dichten kann. Das "Mo- klang, wie helle Schokolade riecht, und sah auch so aus, und das -ritz schmeckte süß und scharf in einem, und wenn es eine Farbe gehabt hätte, wäre es ein leuchtendes Orangerot gewesen." Aber der zwei Jahre ältere Junge ist alles andere als ein "Liebling aller Schwiegermütter". Aus problematischen Familienverhältnissen stammend hat er sich zum notorischen Lügner entwickelt und fährt offensichtlich nicht nur Madalyn auf seinem Fahrrad spazieren. Doch das junge Mädchen hat sich schon längst in ihrer eigenen Parallelwelt eingerichtet und das Erwachen aus dieser wird recht schmerzhaft für sie.

Lukasser ist mit den Offenbarungen des jungen Mädchens überfordert. Er kann mit dem Auf und Ab ihrer Gefühlswallungen schlecht umgehen. Vielleicht auch daher, weil "das ordnende, formende, die Wirrnis des Lebens durchsichtig und übersichtlich machende Wirken der Literatur" in der Realität nicht greift. Weil sie eben kein emotionales Notprogramm, kein Katalog mit Präzedenzfällen ist, aus der man sich die Lösung für jedwedes Problem nur herauszuziehen braucht. Weil ein Mensch anders reagiert als ein Blatt Papier... emotional und zuweilen kopflos. "Ich hatte über all die Jahre kein richtiges Bild von ihr. Ich hatte ein Bild von ihr, aber das hatte ich aus der Luft gegriffen, aus der Sentimentalität meines unbedankten Heldentums, ein präliterales Ding war sie für mich gewesen, eine Inspiration. Tatsächlich hatte ich irgendwann eine Erzählung begonnen, in der ein Abenteuer wie das unsere im Mittelpunkt stehen sollte. Das hier aber strengte mich an, ich wollte Charaktere in den Computer hacken und nicht in der Wirklichkeit ein Bild korrigieren, das ich mir einmal gemacht hatte und das mehr über meine Rührseligkeit mir selbst gegenüber verriet als über Madalyn. (...) Ich hatte mich nie für die Wahrheit zuständig gefühlt, Warum ausgerechnet jetzt?"

Erneut stellt Michael Köhlmeier sein herausragendes erzählerisches Talent unter Beweis. Seine Protagonisten beobachtet er mit präziser Genauigkeit. So entsteht ein scharf gezeichnetes Bild seines Gegenüber, das einmal zart, ein anderes Mal auch schonungslos direkt wiedergegeben wird. Sein Roman offenbart wie alle seine Bücher einmal mehr großartige Charakterstudien. Dabei stellt er sich oder sein Alter Ego genauso an den Pranger wie das seiner literarischen Helden. Aber immer ist dabei seine große Liebe zu den Menschen zu spüren.

Fazit:
"Wie viele Bücher würden wir verabscheuen, wenn wir die Geschichte ihrer Entstehung wüssten.", sinniert Sebastian Lukasser, der Ich-Erzähler in Michael Köhlmeiers Roman "Madalyn". Der österreichische Autor erzählt sie dem Leser. Aber zu Ressentiments führen sie keineswegs. Im Gegenteil: Eine durchkomponierte Erzählung, deren Wörter sich wie Noten zu einer Melodie fügen und ein kleines elegisches Stück in einem zarten Mollton erklingen lassen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Madalyn hat einen sehr interessanten Vornamen; Eltern, die sich mehr um ihre eigene Karriere als um die Nöte ihrer halbwüchsigen Tochter kümmern - aber Madalyn hat auch einen väterlichen Freund, nämlich den Schriftsteller Sebastina Lukasser, der im gleichen Haus wohnt und der ihr bei einem Fahrradunfall - Madalyn war damals 5 - hilfreich zur Seite stand.
Aktuell ist Madalyn 14 und total in Moritz - er ist eine Klasse über ihr in ihrem Gymnasium - verliebt. Das Problem ist nur, dass es Moritz mit der Wahrheit (und der Treue) nicht sehr genau zu nehmen scheint. Als dann auch noch innerfamiliär eine bedeutende Änderung ins Haus steht, eskaliert die Situation...
Man hat den Eindruck, dass sich Michael Köhlmeier in das Seelenleben eines 14jährigen Mädchens sehr gut hineinversetzen kann. Schöner, behutsamer und treffender kann man die Freuden und Nöte einer Pubertierenden kaum schildern - und man merkt deutlich, dass Köhlmeier diese Figur sehr am Herzen lag!
Eine wirklich schöne, einfühlsam auf das Seelenleben einer 14jährigen eingehende Erzählung (weniger ein Roman) des österreichischen Erfolgsautors!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der alternde Schriftsteller Sebastian Lukasser hatte sich so auf ein Leben als stiller Beobachter gefreut, unbelastet von den Sorgen und Nöten seiner Umwelt, sich ganz dem Schreiben sowie der vita contemplativa hingebend: "Seit mir [...] klargeworden war, dass meine Verantwortung dem Leben gegenüber darin bestand, das eigene Leben so gering wie möglich zu halten, weil ich das Glück des Beschreibens für unvergleichlich größer empfand, hatte ich mir eine Klausnerei verschrieben, die, wenn schon nicht glücklich, so doch immerhin tröstlich war. Ich hatte mir so fest vorgenommen, mich nie wieder - nie wieder! - in die Angelegenheiten anderer Menschen einzumischen" (25). Dieser Plan geht jedoch grandios schief, als die 13-jährige Madalyn ihn zum Zeugen ihrer ersten Liebe macht. Seit Lukasser ihr vor Jahren das Leben gerettet hat, kommt sie ihrem introvertierten schreibenden Nachbarn immer wieder mal besuchen, vor allem da ihre Eltern besseres zu tun haben, als sich um sie zu kümmern. So wird Lukasser zum Erzähler der ersten Liebe eines jungen Mädchens, welche er in kunstvolle Worte zu packen weiß: "Sie sagte wieder seinen Namen, diesmal nur seinen Vornamen, und tat sich selber damit etwas Gutes, denn das Mo- klang, wie helle Schokolade riecht, und sah auch so aus, und das -ritz schmeckte süß und scharf in einem, und wenn es eine Farbe gehabt hätte, wäre es ein leuchtendes Orangerot gewesen" (33).

Als zuerst lediglich passiver Beobachter wird Lukasser im Verlauf der Handlung mehr und mehr in die Liebesbeziehung hineingezogen, was unter anderem daran liegt, dass sich der so wohlklingende und herrlich schmeckende Moritz nicht als der erhoffte Traumprinz entpuppt. Dabei entfaltet der Roman seine Faszination nicht so sehr aus dem eigentlichen Ablauf der Liebesgeschichte, sondern vielmehr aus der Erzählerfigur des Sebastian Lukasser, der durch die Darlegung einer bedingungslosen uneingeschränkten Liebes eines 13-jährigen Mädchens daran erinnert wird, wie einsam und leer seine eigene Existenz doch ist: "Was bin ich für ein einsamer Mensch geworden! [...] Ein berechenbarer einsamer Mann" (158) sinniert Lukasser desillusioniert.

Fazit: Ein kurzer Roman, brillant geschrieben, über einen einsamen Menschen, der über den Rausch der ersten Liebe einer anderen Person schmerzhaft daran erinnert wird, was ihm in seinem Leben fehlt. Unbedingt empfehlenswert!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Begeistert von Köhlmeiers Hauptwerk "Abendland" las ich nun den 2010 entstanden Kurzroman "Madalyn" des österreichischen Autors. Der Ich-Erzähler ist derselbe wie in "Abendland", Sebastian Lukasser nämlich, auch Ende 50 - wie Köhlmeier beim Schreiben des Buches - und ebenfalls Schriftsteller.

Lukasser half vor circa acht Jahren der kleinen Madalyn nach deren schwerem Fahrradunfall, rettete ihr möglicherweise das Leben. Das verbindet die beiden miteinander und Lukasser beobachtet das Aufwachsen des Mädchens, das einen Stock unter ihm wohnt. Zu ihren Eltern, die Lukasser nie gedankt haben für seinen Einsatz nach dem Unfall, hat Madalyn ein schwieriges Verhältnis, nicht ganz ungewöhnlich für ein pubertierendes Mädchen.

Eines Tages steht die bald 14jährige Madalyn beim Erzähler vor der Tür, sie braucht einen Zuhörer. Verliebt hat sie sich in einen zwei Jahre älteren Jungen an ihrer Schule, der mit einem Gedicht die Aufmerksamkeit nicht nur der Deutschlehrerin, sondern auch der Mitschüler erregt hat. Eine geheimnisvolle Aura umgibt ihn, die auch Madalyn fasziniert und sie bewegt, ihn anzusprechen. Moritz reagiert positiv und so entwickelt sich eine junge Liebe, die jedoch schnell in tiefere Gewässer steuert. Alkohol, Lügen, ein anderes Mädchen machen trüben Madalyn die Liebe und fordern, ja überfordern den Zuhörer und potenziellen Ratgeber Sebastian Lukasser.

Mit nur 160 Seiten schrieb Köhlmeier ein atmosphärisch sehr dichtes Buch, in dem er auf eine allzu weitschweifende Handlung verzichtet, sondern sehr die Gefühlswelten der beiden Hauptfiguren Madalyn und Lukasser in den Mittelpunkt stellt und beschreibt. Auf Wertungen verzichtet Köhlmeier beim Erzählen, Leserin und Leser machen sich ein eigenes Bild und verknüpfen je nach Alter eigene Lebenserfahrungen. Eine empfehlenswerte Lektüre eines Könners in der Erzählkunst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Juli 2011
Die 14-jährige Madalyn hat zu ihrem fast sechzigjährigen Nachbarn, dem Schriftsteller Sebastian Lukasser, seit dieser ihr vor vielen Jahren das Leben gerettet hat. Er hat sich außerdem geschworen, sich nie wieder in die Angelegenheiten anderer Menschen einzumischen, kann diesen Vorsatz aber ' eh klar ' nicht einhalten. Denn das Mädchen verliebt sich in einen Schulkollegen, der ein notorischer Lügner zu sein scheint ' oder doch nicht? ', beide ziehen Sebastian schließlich in ihre Liebesgeschichte hinein und Madalyn muß ein zweites Mal gerettet werden. Der Autor beschreibt die Höhen und Tiefen einer ersten Liebe in seinem bewährten flüssigen, sehr österreichischen Stil, ohne in Kitsch oder Pathos abzugleiten. Sehr lesenswerter kleiner Roman...
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am 21. Januar 2014
Madalyn, Tochter eines eher lieblosen Ehepaares, das sich mehr um die Karriere und den Erhalt der Körperschönheit kümmert als um ihr Kind, leidet sich durch die Pubertät.

Einst, als fünfjährige, hat ihr Sebastian Lukasser, das literarische ALter Ego Köhlmeiers, das Leben gerettet, als sie vor dem Haus einen Verkehrsunfall hatte, wieder einmal unbeaufsichtigt von der Mutter. Seither ist ein Band zwischen beiden geknüpft, das enger ist als dies zwischen zwei Wohnungsnachbarn so unterschiedlichen Alters sonst üblicherweise der Fall ist.

Als Madalyn nun Moritz kennenlernt, einen ebenfalls elterlich vernachlässigten, schon etwas auf die schiefe Bahn geratenen Mitschüler und meint, sich unsterblich in ihn verliebt zu haben, vertraut sie sich Lukasser an. Da Moritz mit jedem Wort, das er sagt, zu lügen scheint, entwickelt sich eine Geschichte mit vielen Facetten.

Köhlmeier gelingt es mit diesem kurzen Roman meisterhaft, das emotionale Auf und Ab in den hormongefluteten Gehirnen heranwachsender Jugendlicher zu beschreiben. Sehr oft konnte ich mich an Szenen aus der eigenen Jugend erinnern, wo es weniger darum ging, das zu machen, was man selbst für richtig hielt, als etwas, was von den anderen für cool gehalten wird, oder wovon man zumindestens glaubt, dass es von den anderen für cool gehalten wird (vielleicht ist es aber heute auch schon völlig uncool, "cool" zu sagen ;-) ).

Mir hat das Buch jedenfalls gut gefallen, es ist sicher nicht zu den wichtigen Büchern Köhlmeiers zu zählen (wie etwa Abendland: Roman), aber es konnte von Beginn an eine durchgehende Spannung aufrechterhalten, die selbst das gelungene Ende nicht auflöste. Eine angenehm zu lesende Fingerübung des großen Meisters Köhlmeier.
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"Ihre Hand spürte in seiner ihre eigene Wärme".

Die erste Liebe türmt sich wie ein Koloss vor uns auf, wie etwas Unerklimm- und später wie etwas Unüberwindbares, wie etwas Riesengroßes, Mächtig-Schauderns und genauso Schönes. Zum ersten mal haben wir das bewusste Bedürfnis nach Zukunft, nach dem nächsten Kuss, dem nächsten Treffe und gleichsam scheint diese erste Liebe auch der Ursprung unserer ersten bewussten Angst vor uns selbst zu sein. Hadern und Hoffen, untrennbar ineinander verwoben - selbst Jahre oder ein Leben später kann man sich noch, einer Ahnung gleich, daran erinnern.

Wer bei diesem Rückblick dennoch Hilfe bräuchte, für den wäre Madalyn von Michael Köhlmeier genau das richtige Buch. In diesem kurzen Roman geht es nämlich genau darum: Um eine erste Liebe, um Glück und Verhängnis dieser magischen Zeit und um die Veränderungen, Erfahrungen und Probleme, die es mit sich bringt. Einzigartig ist dabei die auf den ersten Blick etwas bemühte, aber dennoch auf eine seltsame Weise natürliche und authentische Struktur des Buches. Köhlmeier hat hier viel riskiert, indem er zwei Personen erzählen und ihre Sicht und Gefühle mit einfließen lässt, wobei es sich aber nicht (wie üblich) um die beiden Liebenden handelt, sondern einerseits um das Mädchen, das die erste Liebe erfährt und auf der anderen Seite um einen älteren Schriftsteller, zu dem das Mädchen seit einem Fahrradunfall in ihrem 5 Lebensjahr eine besondere Beziehung hat. Ihm erzählt Madalyn ihre Geschichte, doch damit zieht den Schriftsteller natürlich auch in die Geschichte mit hinein...

"Sie war zufrieden mit sich selbst. Schöne Sachen waren ihre eingefallen, die sich angehört hatten wie aus einem Traum, wo man manchmal ja auch nicht weiß, was das jetzt mit einem selbst zu tun hat, weil man sich selbst so etwas Schönes kaum zugetraut hätte."

So geht es Madalyn, nachdem sie zum ersten Mal mit Moritz gesprochen hat. Moritz, der ihren Namen einzigartig findet, Moritz, Moritz, Moritz. Moritz und das Gefühl "noch nie so gern gelebt zu haben" - beides plötzlich untrennbar verbunden. Doch kein Mensch und auch keine zwei Menschen zusammen, sind eine Insel. Da sind ihre Eltern, mit denen alles nicht so leicht ist. Da ist das Alter, Moritz ist schon sechzehn. Da ist die Schwierigkeit dieses Gefühlschaos auch nur ansatzweise zu überblicken und jedes Wort und jede Geste des anderen fühlen sich wie etwas Endgültiges an, das so gut tut oder so sehr schmerzt.

Wie es ein guter kurzer Roman nun einmal tut, streift Köhlmeier vieles und konzentriert sich auf weniges, nämlich auf das, was bei seinen Protagonisten je nach Situation im Mittelpunkt steht. Madalyn ist einer dieser Romane, den man in jeder Sekunde der Lektüre immer wieder neu erfährt, die sich mit jedem Kapitel stark entwickeln. Mit einer erzählerisch ganz nah am Geschehen bleibenden Sprache erschafft Köhlmeier ohne übergeordneten Erzähler eine sehr authentische Schilderung beinahe jedes Zustandes, durch den seine Figuren gehen - und dennoch bleibt man, aufgrund der Tiefe, die die Figuren dabei in ihren Stimmungen erreichen, Tiefen, in die man ihnen nicht folgen kann, ein klarer Beobachter.

Ein gutes Gespür für dieses Thema, das kann man dem Buch auf jeden Fall zusprechen, auch wenn da noch mehr ist, was Köhlmeier sehr gut am Rande anreißt oder als Teilstück in den Roman einbaut. Als Autor eine Geschichte so anzulegen, das ihr Raum mal weit, mal eng, ihr Tempo mal schnell, mal langsam, ihr Ausblick mal lang, mal knapp ist, verlangt eine guten Stil, den Köhlmeier eindeutig besitzt; weshalb man ihm auch das eine oder andere zu lang gewordene Gefühlsstaccato verzeiht.

Zusammengefasst würde ich "Madalyn" als eine sehr gut Schilderung von erster Liebe und ihren Aktionen und Reaktionen bezeichnen, sehr intensiv und nicht unbedingt in eine große Erzählung gekleidet, sondern direkt und ohne viele Nebensächlichkeiten. Wem bei einem Roman vor allem wichtig, dass er seine Thematik sehr gut nachzuempfinden weiß, wer einen Roman durch die Figuren "spüren" will, ist hier an der richtigen Stelle. Mir persönlich ist der Roman während der Lektüre sehr nah gekommen, jetzt am Ende ist er plötzlich wieder sehr weit weg. Aber es ist keine Ferne des Bedauerns, eher eine Ferne der Sehnsucht, zu der ja immer etwas Bedauern gehört…
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