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161 von 179 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
NICHTS IST EIN GROßER WURF,
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Ich habe das Buch, wie einer der anderen Rezensenten auch, gelesen weil mich ein Beitrag im ARD Magazin ttt" darauf aufmerksam und schließlich ziemlich neugierig gemacht hat.Ich habe es an einem einzigen Tag gelesen, was zwei Gründe hatte. Zum einen ist es ein kurzes Buch. Zum anderen ist es ein hypnotisches Buch. Ich konnte es schlicht nicht mehr aus der Hand legen. Ist es ein makelloses Buch? Nein, das ist es nicht. Das ist auch nicht wichtig. Meisterwerke sind nicht Meisterwerke weil sie makellos sind, sondern weil sie etwas Essenzielles unvergleichlich einfangen, das sie bedeutungsvoll macht, und sie, sozusagen, aus der Zeit fallen lässt. Dieses Buch fällt aus der Zeit... Wie Janne Teller hier mit unheimlicher Konsequenz und fast wagemutiger Kühnheit ihr Konzept völlig unbeeindruckt von den sonst für Jugendbücher geltenden Regeln in aller grausamen Konsequenz auf hohem Niveau durchzieht und gnadenlos zu Ende denkt - das ist eine tour de force vor der ich den Hut ziehe. Nichts. Was im Leben wichtig ist" (man beachte wie bereits Titel und Untertitel in verschiedenen möglichen Deutungen doppelbödig miteinander zu spielen scheinen) erzählt, aus der Sicht der erstaunlich distanzierten Ich- Erzählerin Agnes, die als Fabel gebaute und ganz und gar nicht so realistische Geschichte einer siebten Klasse am Gymnasium der dänischen Kleinstadt Taering. Und sie erzählt, wie diese Klasse sich verändert, nachdem einer der Mitschüler, Pierre Anthon, plötzlich seine sieben Sachen in den Schulranzen packt und die laufende Unterrichtsstunde verlässt, weil das Leben sinnlos ist, da wir sowieso alle sterben müssen. Nichts, so sagt er, sei im Leben von Bedeutung. Von da an sitzt Pierre Anthon auf einem Pflaumenbaum und bewirft seine früheren Mitschüler mit Pflaumen und mit Wahrheiten, die einem Nietzsche Ehre gemacht hätten, und irgendwie gar nicht wirkten als stammten sie aus dem Mund eines Siebtkläßlers. Er bewirft sie - und beunruhigt sie. Verängstigt sie. Verstört sie. Sehr. Er könnte nämlich Recht haben... Irgendwann fühlt die Klasse sich gezwungen etwas zu unternehmen, damit der, der nicht Recht behalten darf, nicht Recht behalten kann. Der Plan: Im alten Sägewerk werden allerlei die Dinge zusammen getragen, Gegenstände hauptsächlich, die Menschen etwas bedeuten, mit diesem "Berg aus Bedeutung" , den er begutachten soll, wenn er denn fertiggestellt ist, soll Pierre Anthon überzeugt werden, das es mindestens eine Sache im Leben eines Menschen gibt, geben muss, die von Bedeutung ist. Irgendwann fällt den Kindern auf, dass sie bisher nur Dinge zusammengetragen haben von denen sie sich leicht trennen konnten, die im Sägewerk zurückzulassen ihnen keinen Schmerz bereitet hat. Damit wird man den Störgeist kaum überzeugen können; diese ehrliche Erkenntnis führt unheilvoll zum nächsten Schritt: Jetzt muss reihum, jeweils bestimmt von den Mitschülern, jeder sein Liebstes, sein Allerliebstes, opfern. Egal wie weh es tut, egal was die Folgen sind, oder wie ungeheuerlich es ist - und von diesem Augenblick an, da der Geheimplan sich mit Machtspiel, Gruppendynamik, unterschwelligen Konflikten, gährenden Freund- und Feindschaften vermischt, läuft das Kinderspiel in atemberaubender Geschwindigkeit, wie ein Strudel dem nichts und niemand entkommen kann , völlig aus dem Gleis, wird zu einer schrecklichen und grausamen Kaskade der Opferungen, die unaufhaltsam auf ein schreckliches Ende zurast... Und dieses Ende hat es in sich. Zumal der Leser manches, aber mitnichten alles kommen sehen, und sich daher auf einen ziemlichen Schlag in die Magengrube einstellen kann... Zwar kann man der Erzählung vorwerfen, dass der Auslöser für das alles, die Verunsicherung durch philosophische Fragen, wohl kaum eine glaubwürdige Motivation darstellt, die Kinder dazu bringen würde einen so komplexen und altruistischen Plan zu schmieden, und sich ihm bis zur Selbstentleibung hinzugeben, besonders da der Gefühlszustand der Verstörung nur sehr andeutungsweise herausgearbeitet ist. Man kann auch anmahnen, dass es diesem Roman an Realismus mangelt, aber wenn man an alle Literatur mit dieser Forderung herantritt, was, darf man fragen, bleibt dann noch übrig? Auch die mangelnde Ausarbeitung der Figuren, die einem, einschließlich der Protagonistin, niemals wirklich seelisch, gefühlsmäßig nahekommen, könnte man anprangern - - ABER wenn man sich bewusst macht, dass man es hier mir der Gattung der Parabel zu tun hat, erklären sich diese Umstände fast alle von selbst, alles was unklar scheint fällt an seinen richtigen Platz. Und wenn man bedenkt wer einem die Geschichte da erzählt, und was diese Figur zuvor durchlebt hat, wie die Geschehnisse sie gezeichnet haben, dann versteht man plötzlich, dass diese Person die Geschichte nicht anders erzählen konnte, und dass die seltsame Distanz in der Erzählweise kein Mangel, sondern Teil der ungeheuren Konsequenz ist mit der die Autorin ihre Fabel gestaltet hat. Was bleibt ist ein sehr starkes Jugendbuch mit ungemein vielschichtiger, präziser, scharfer Sprache, die auch die letzte Doppeldeutigkeit noch bis in den dunkelsten Winkel ausleuchtet, ein Jugendbuch von starkem substanziellem Gehalt, das den Leser regelrecht mit Gewalt zwingt sich zu positionieren, ein Jugendbuch von aufreizender philosophischer Tiefenschärfe, das an jene dunklen, düsteren Orte geht, die Bücher wie dieses im Normalfall meiden, ein Jugendbuch von solchem Rang dass auch erwachsene Leser von dieser Reise ins Herz der Dunkelheit keinesfalls unberührt zurückkehren werden... Ist das Buch geeignet für Kinder geeignet? Definitiv nicht. Für Jugendliche ab 13, 14 Jahren hingegen scheint es mir, wenn die Lektüre gemeinsam erfolgt und unter Begleitung von Erwachsenen oder Lehrern, durchaus zumutbar zu sein. Ich glaube auch, dass man es zumuten sollte. Es womöglich zumuten muss. Die Frage, was im Leben von Bedeutung ist, kann und darf auch Jugendlichen nicht erspart werden. Sie muss gestellt werden. Und jeder Mensch, auch ein sehr junger, muss darauf eine Antwort finden. Irgendeine Antwort. Und wenn dieses starke, provokante, dünne Buch dazu einen Beitrag leistet, diese Diskussion in aller Ehrlichkeit und, ja, auch Härte zu ermöglichen, dann kann man sagen "Nichts" ist im Leben wichtig. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
HÖRBUCHREZENSION,
Von
Rezension bezieht sich auf: Nichts. Was im Leben wichtig ist: 3 CDs (Audio CD)
Das Jugendbuch "Nichts. Was im Leben wichtig ist" der dänischen Autorin Janne Teller löste mit seinem Erscheinen in Skandinavien heftige Diskussionen aus. Besonders Lehrer und Pädagogen waren der Ansicht, das Buch mute den Lesern zu viel zu. Davon wollte ich mir ein eigenes Bild machen und da Laure Maire zu meinen Lieblings-Hörbuchsprechern gehört, war die Wahl schnell aus das Hörbuch gefallen.Die Lesung ist nicht lang, sie dauert gut 3 Stunden, aber trotzdem habe ich ziemlich lange gebraucht, um es zu hören. Und das lag nicht daran, dass ich wenig Zeit gehabt hätte, sondern daran, dass ich noch nie ein dermaßen heftiges Jugendbuch gelesen (oder in diesem Fall eben gehört) habe. Zu Beginn fand ich "Nichts" eher komisch und hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Sehr seltsam und mit der Zeit auch ziemlich nervig fand ich beispielsweise die Steigerungen, die die Autorin an diversen Stellen eingestreut hat. Ebenso die Adjektive, die sie vor einige der Namen gehängt hat und die permanent wiederholt werden ("Der große Hans, die kleine Ingrid, der fromme Kai"...). Als ich dann endlich einen Überblick über die Geschehnisse in Tearing hatte, wurde die Geschichte immer heftiger. Die Dinge, die die Siebtklässler tun, um Pierre Anthon davon zu überzeugen, dass es durchaus etwas gibt, das eine Bedeutung hat, sind so... nicht in Worte zu fassen. Es ist wirklich unglaublich, auf was für Ideen die Autorin die Kinder kommen lässt. Oft habe ich gedacht "Das tun die jetzt nicht wirklich!", mehrmals musste ich vor Entsetzen das Hörbuch ausschalten und konnte erstmal nicht weiterhören. Das, was in "Nichts" passiert, ist an einigen Stellen überaus brutal, aber trotzdem war ich nicht unbedingt der Meinung, es mute den Lesern zu viel zu. Dies finde ich erst, seitdem ich weiß, wie die Geschichte endet. Es geht mir gar nicht so sehr um das, was Agnes, Marie-Ursula, Jan-Johan und die anderen tun, sondern darum, wie die Botschaft dieses Buches an den Leser übermittelt wird. Und leider vermittelt es den Eindruck, dass all die schrecklichen Dinge, die in "Nichts" geschehen, durchaus legitim seien. Das, was wirklich passiert ist, wird verschleiert, die Täter kommen ungeschoren davon und man kann den Eindruck gewinnen, dass alles ja gar nicht so schlimm war. War es aber, und das kommt in meinen Augen nicht unbedingt bei den Lesern an. Gerade jüngeren Leser, die das Gelesene noch nicht unbedingt für sich reflektieren und hinterfragen, werden Bedeutung und Konsequenzen der Taten eventuell nicht richtig bewusst. Von daher habe ich auch durchaus Zweifel, ob dieses Buch wirklich für die empfohlene Altergruppe geeignet ist und kann die ausgelösten Diskussionen durchaus verstehen. Laure Maire als Sprecherin leistet auch hier wieder einmal überzeugende Arbeit. Ihrer angenehmen Stimme kann man gut zuhören und bekommt schnell das Gefühl, etwas erzählt und nicht vorgelesen zu bekommen. Eins der wenigen Dinge, die ich an diesem Hörbuch so richtig gut fand. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Idee gut, Umsetzung lässt zu wünschen übrig,
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und war schon gespannt auf den Inhalt, weil ich im Vorfeld schon viel darüber gehört habe. Über Verbote in dänischen Schulen usw.Und ich muss sagen, man kann mich eigentlich immer leicht begeistern mit Büchern, aber über dieses war ich doch sehr entsetzt. Unschuld verlieren, Finger und Köpfe abhacken und Menschen umbringen geht meiner Meinung nach zu weit. Die suche nach dem Sinn des Lebens ist ein sehr spannendes Thema, die Idee der Autorin eigentlich nicht schlecht, aber die Umsetzung ist einfach zu brutal. Dazumal bleibt die Story eher oberflächlich, von der Ich-Erzählerin, den anderen Protagonisten oder ihrer Umgebung erfährt man zu wenig, um sich in die Charaktäre hineinzuversetzen und vor allem ihre Bedeutung der Dinge wirklich zu verstehen. Deshalb nur 3 Sterne von mir. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
160 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Nichts, was zu lesen wichtig ist, oder: Wie man Bestseller produziert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
In einer für ein Werk einer bisher weitgehend unbekannten Autorin außergewöhnlich intensiven Medienkampagne wurde dieses Buch in den letzten Wochen in zahlreichen TV-Magazinen (ttt, Kulturzeit usw.) und Zeitschriften "besprochen". Ein Roman, der sich der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens stelle und nicht nur Jugendliche an diese Frage heranzuführen, sondern auch Erwachsene aus einer neuen Perspektive zum Überdenken ihrer liebgewonnen Ansichten anzuregen verspricht, klingt wirklich nach einem Buch, an dem man nicht achtlos vorbeigehen sollte. Dazu ein kleiner Skandal - Angriffe aus konservativen Kreisen, dann die Verleihung des Buchpreises, Verbannung und Wiedereinführung als Schulstoff in Dänemark - und man ist sogar ein wenig gewillt, zu glauben, es handle sich dabei tatsächlich um ein "mutiges, tabubrechendes Buch". Angesichts dessen, dass der Text eigentlich nicht sehr lang und die Geschichte nicht sehr komplex ist (man kann das Buch tatsächlich an einem Nachmittag lesen), wurde der Inhalt der Story im Grunde von den Kulturmagazinen bereits komplett "gespoilert" (Achtung beim Weiterlesen!). Da es bei philosophischen Büchern, als welches "Nichts" ja auch angepriesen wird, jedoch immer mehr um die Darlegung und Begründung von Gedankengängen geht, als um das eigentliche Ende der Geschichte, ist das vielleicht zu verschmerzen. Worum geht es also?Das Leben einer Gruppe von Schülern in Tæring, einem nicht näher charakterisierten Vorort einer dänischen Kleinstadt, wird durcheinandergewirbelt, als Pierre Anthon, einer ihrer Mitschüler, eines Tages den Unterricht mit der Begründung verlässt, "nichts habe Bedeutung, und daher lohne auch nichts einer Anstrengung." Fortan sitzt er auf einem Pflaumenbaum, von wo aus er gelegentlich seine Einsichten zu seinen verärgerten Mitschülern hinabruft. Nachdem ein Versuch, den Spötter mit Steinwürfen gewaltsam zum Schweigen zu bringen, misslingt, verlagern die Schüler sich auf die Idee der Überzeugung. Statt jedoch eine Diskussion über die These zu führen, beginnen sie damit, einen "Berg aus Bedeutung" in einem stillgelegten Sägewerk anzuhäufen. Dafür wird jeder der Schüler von den anderen genötigt, etwas für ihn wertvolles preiszugeben, woraufhin er das nächste Opfer bestimmen darf. Der Wunsch, sich für die eigene Verletzung zu rächen, führt in Verbindung mit der Gruppendynamik zu immer sadistischeren Forderungen. Können sie ihren Mitschüler mit dieser Aktion auch nicht überzeugen, so verleiht ihnen die mediale Aufmerksamkeit, die sie für ihr Projekt erhalten, doch ein vorübergehendes Gefühl von Bedeutsamkeit. Doch stellen sich die alten Zweifel mit dem Ende des medialen Interesses erneut ein, derer man sich nur durch den kollektiven Mord an ihrem Verkünder zu entledigen können glaubt. Ein Kritikpunkt ist die technische Umsetzung des Stoffes. Kann man über Stil auch grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein, so würde ich von einem Jugendbuch - als welches "Nichts" ja angepriesen wird - doch zuerst erwarten, dass es sich mit den Problemen dieser Altersgruppe befasst, statt nur im Stil einen Schüleraufsatz zu imitieren. Die in jeden zweiten Absatz eingeschobenen dreifachen "Steigerungen" - blau, blauer, am blausten; allein, einsamer, ganz allein; usw. - sollen den Leser wohl in seinem Eindruck bestärken, es hier mit dem Bericht eines Mädchens zu tun zu haben. Irgendwie verstärkt es jedoch eher den durch die "Handlung" bereits erzeugten Eindruck von Wahnsinn. Teller schreibt ohne Berücksichtigung der Sinne: Abgesehen von einer kurzen - ich zögere, es "Ortsbeschreibung" zu nennen - Stelle zu Beginn ist der Text ein fast ausschließlich an Handlung und Rede orientierter Bericht. Es gibt keinen Charakter, der in irgendeiner Weise durch Handlung oder Rede von der Masse der anderen Schüler unterscheidbar wäre. Die Möglichkeit zu Reflexion und Introspektion - durch die Erzählperspektive der ersten Person ja nahelegt - wird, abgesehen von der Schilderung der Exhumierung des jüngeren Bruders einer der Schülerinnen (eine Szene, die fast mehr Platz einnimmt als die gesamte Auseinandersetzung mit Pierre Anthon - und damit etwas über die Prioritäten der Autorin verrät), völlig vertan. Teller vermischt in ihrer Erzählung zudem kontinuierlich metaphorische und reale Ebene: Für eine realistische Handlung gibt es zu viele Ungereimtheiten - der Junge, der für Monate in einem Baum lebt, ohne Fragen seitens der Lehrer oder Eltern zu provozieren; der Umstand, dass keines der Kinder in irgendeiner Weise für die von ihnen begangenen Straftaten behelligt wird; der Umstand, dass sämtliche Kinder sowohl auf Pierre Anthons Provokation wie auch in Fragen des Opfers anderer Mitschüler gleich reagieren. Für ein philosophisches Essay ergeht sich die Autorin dann wiederum zu sehr in morbiden Details, und versäumt darüber hinaus die Begriffsklärungen. Tatsächlich ist dies einer der gravierendsten Schwachpunkte: Die Frage, was Bedeutung eigentlich meine, wird an keinem Punkt auch nur angedacht, geschweige denn versucht, zu klären. Die Kinder reagieren unmittelbar mit Gewalt - erst durch die versuchte Steinigung Pierre Anthons, dann durch Gewalt gegeneinander in Form der erzwungenen Opfer. Als die Kinder sich entschließen, den Zweifler durch einen "Berg der Bedeutung" zum Schweigen zu bringen, hat sich das Buch bereits vollständig von seinem vielleicht anfänglichen Vorhaben entfernt. Tatsächlich entsteht der Eindruck, die Autorin habe sich für ihre Geschichte an Vorbildern wie Goldings "Herr der Fliegen" orientiert, um eine Situation zu schaffen, in der die Regeln des freundschaftlichen, zivilisierten Miteinander außer Kontrolle geraten. Doch was bei Golding einer gewissen Logik nach aus der Situation folgt - die Isoliertheit der Insel, der Wegfall der durch die Allgemeinheit getragenen Regeln und sozialen Normen der Zivilisation, die Durchsetzung des Prinzips der Herrschaft des Stärksten - folgt in Tellers Erzählung keiner inneren Notwendigkeit, sondern erscheint lediglich durch die allseitige Bereitschaft der Schüler zur Ausübung von Gewalt motiviert. Vermittelt Goldings Roman uns durch die Gegenüberstellung tiefere Einsichten in Sinn und Wesen der zivilisatorischen Regeln, so wird die Situation in Tellers Roman nur dadurch möglich, dass alle gesellschaftliche Situiertheit der Jugendlichen ignoriert wird. Doch hat der Exzess, zu dem sich die Schüler in dem alten Sägewerk gegenseitig treiben, nicht nur nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun; er hat auch keinen Bezug mehr zu dem ursprünglichen Thema: Die Opfer, die sich die Mitschüler gegenseitig abverlangen, dienen in keiner Weise dazu, die Thesen von Sinn und Bedeutungslosigkeit zu diskutieren. Statt den Nihilisten im Pflaumenbaum zu widerlegen, übertreffen sie ihn sogar noch, indem sie Bedeutungen zerstören. Die Erzählerin indes reflektiert auch darüber nicht, zu wichtig scheint ihr die Schilderung der sadistischen Details, als dass sie sich Gedanken machen würde, aus welchem Grund diese geschehen. Es ist interessant, zu sehen, mit welchen Argumenten die Schriftstellerin sich in Interviews gegen verschiedene Vorwürfe verteidigte. Laut eigener Aussage wolle sie mit ihrem Buch gegen die "sinnlosen Konventionen" der Erwachsenenwelt vorgehen. Bezeichnenderweise liefert sie jedoch keine Unterscheidungsmöglichkeit, wie man sinnlose von sinnvollen Konventionen unterscheiden könne. Sollte dies wirklich die Zielsetzung dieses Buches sein, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, sie selbst hätte ihren Stoff nicht ganz verstanden. Tatsächlich lassen sich die Aussagen Pierre Anthons in dieser Form nicht widerlegen. Sie werden nur - zum Glück? - von den meisten Menschen ignoriert. Zwar behauptet Teller, sie habe eine Diskussion anstoßen wollen, doch vermittelt das Buch eine ganz andere Botschaft. Dass "Nichts" nicht deprimiere, sondern die Menschen zu selbstbestimmtem Leben ermutige, wie es in einer der Verlagsanpreisungen heißt, ist eine der üblichen Floskeln, die mit dem Buch nichts zu tun haben. Tatsächlich ermutigt das Buch viel eher dazu, das Nachdenken sein zu lassen: Der Denker wird erschlagen, die Erzählerin wünscht sich, nie mit dem Nachdenken über die Bedeutung begonnen zu haben. Es dürfte ein Glück für das Buch sein, dass viele der jungen Leser - ähnlich wie die Erwachsenen - den Gedanken eben nicht konsequent weiterspinnen. Ein letzter Punkt ist der verkaufswirksam inszenierte "Skandal", der vielen anscheinend schon als Argument für Qualität gilt, da alles, was Widerspruch provoziert, wohl als Verkündung unangenehmer Wahrheiten gesehen wird. Bei seinem Erscheinen in Dänemark war das Buch zuerst Gegenstand der Kritik, Vorwürfe waren die darin vorkommende Gewalt und die deprimierende Botschaft, und man verbannte das Werk aus dem Schulunterricht. Die Stimmung schlug um, als das Werk mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnet wurde, was es in den Augen mancher Kritiker ironischerweise rehabilitierte, und ist nun auch als Stoff an Schulen zu finden. - Wer diese Spiegelfechterei verschiedener Positionen, Kritiken und Preisvergaben noch immer für das Merkmal des Kampfes eines sich Gehör verschaffenden, "mutigen, tabubrechenden Buches" hält, hat den Rummel, der zwischen Verlagshäusern und Kritikern läuft, um einen potentiellen Bestseller ins Gespräch zu bringen, noch immer nicht durchschaut. (Balzacs "Verlorene Illusionen" geben hier zeitlos interessante Einblicke.) Gegen den Vorwurf der Gewalt verteidigte sich die Autorin in oben genannten Kulturmagazinen, nicht 'die Gewalt sei das eigentlich Verstörende', sondern "dass das Buch einem durch In-Frage-Stellen der Werte den Boden unter den Füßen wegziehe". Erwachsene sähen ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt, darum würden sie das Buch kritischer beurteilen, als Kinder, die der Thematik offener gegenüberstünden. - Diese Aussagen verraten zwar, dass die Autorin ihr Buch gerne als philosophisches Werk verstanden wissen möchte, doch hätte es dafür einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Thema bedurft. In seiner letztendlichen Form wirkt die Frage nach dem Sinn zu Beginn Werks jedoch nur als ein Vorwand für die folgenden Schilderungen makaberer Spiele. Der Zweifel am Sinn des Lebens ist sicherlich ein Thema für sich, das, konsequent weitergedacht, verunsichert. Doch zu behaupten, es sei diese (tatsächlich kaum behandelte) philosophische Fragestellung, die verstöre (und auf die sich die Kritik vornehmlich richte), nicht aber Mord, Verstümmelung, die Tötung von Tieren, sexuelle Nötigung, und die generell psychisch belastende Situation durch eine allgegenwärtige Bereitschaft jedes einzelnen Protagonisten zur unbeherrschten Gewaltausübung, zeugt schon von einigem Realitätsverlust. Tellers Charaktere kennen kein Mitleid, keine Zweifel, keine ethischen Werte - jeder scheint dazu bereit, die an ihm begangene Gewalt durch eine noch sadistischere Variante einem weiteren Schüler gegenüber zu übertreffen; Kinder, die sich dem "Spiel" entziehen wollen, werden durch Gewalt zum Mitmachen gezwungen; mit dem aufmüpfigen Pierre Anthon versucht man erst gar nicht zu diskutieren, sondern geht - nachdem sich die Jungen weigern, ihn zu verprügeln (was den Mädchen stark missfällt) - daran, ihn direkt vom Baum weg zu steinigen; gegenüber anderen Schülern existieren nur Ressentiments, Verachtung und Hass; und die Eltern stehen dem ganzen selbstverständlich in nichts nach und brechen einem armen, von seinen Mitschülern verprügelten Jungen gleich noch den Arm hinterher. Verlagsangaben und der Autorin zufolge seien es die Erwachsenen, die die Unbestimmtheit ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt sähen und sich deswegen z.B. gegen das Buch als Unterrichtsmaterial aussprächen. Nach der Lektüre jedoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade die Eltern dagegen sein dürften, die noch über eine bestimmte Vorstellung von Werten verfügen - z.B. ihre Kinder vor intellektuellem Gift zu bewahren, das an sie durch - über das Etikett des "mutigen Tabubrechers" von den Verlagen verführte - Lehrer verfüttert wird, ohne dass die philosophischen Löcher und das durch und durch negative Menschenbild, das dieses Werk kolportiert, thematisiert würden. Würde ich mich einer Diskussion mit meinen Kindern über den Sinn des Lebens verschließen, weil ich dieses Buch als Schund ablehne? Natürlich nicht. Doch ich würde es nicht anhand dieses Werks tun, denn es trägt inhaltlich nichts zum Verständnis bei. Jemand, der nur "wir müssten mal über den Sinn des Lebens diskutieren" fordert, ohne dabei etwas zu dieser Diskussion beizutragen, ist auch dann kein Philosoph, wenn sich im Anschluss daran eine Debatte entspinnen sollte. Aus diesem Grund kann ich einem Buch, dass die Bedeutung des Lebens zwar als Thema benennt, sich anschließend aber nicht damit auseinandersetzt, auch keine andere Wertung als "Thema verfehlt" geben. Allerdings kann auch aus etwas schlechtem noch etwas positives entstehen. Nachdem ich nach der letzten Seite endlich den Buchdeckel schließen konnte, wurde mir bewusst, dass ich, statt mein Geld für diesen Mist aus dem Fenster zu werfen, dafür sechs oder sieben Obdachlosen in der Fußgängerzone ihre Zeitung hätte abkaufen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte mich das dem Sinn des Lebens entscheidend näher gebracht, als mich durch das Gehirn dieser Autorin zu quälen. Ich hoffe, dass mir dieses Gefühl wieder ins Gedächtnis treten wird, sollte ich erneut in die Versuchung kommen, von den Verlagen angepriesene Bestseller zu erwerben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
ein erschreckend brutales, aber auch sehr lehrreiches Buch,
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Als Pierre Anthon am ersten Tag des neuen Schuljahres plötzlich sagt 'Nichts bedeutet irgendetwas. Deswegen lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.' und daraufhin die Klasse verlässt, lässt er seine Mitschüler völlig fassungslos zurück.Sie sind schockiert und als er von dem Pflaumenbaum vor seinem Haus, der auf dem Schulweg fast aller Schüler liegt und in dem er von nun an Tag für Tag sitzt, immer wieder das gleiche ruft, nur in verschiedenen Varianten, stürzt er die Jungen und Mädchen in eine tiefe Verzweiflung. Deshalb fassen sie einen Entschluss: Sie wollen Pierre Anthon, der nicht einmal ahnt, dass seine Äußerungen auch Konsequenzen nach sich ziehen könnten, unbedingt vom Gegenteil überzeugen. Um ihm zu beweisen, dass es sehr wohl etwas gibt, das von Bedeutung ist, soll jeder Schüler etwas abgeben, das ihm viel bedeutet. Aus den Opfern soll ein Berg aus Bedeutung entstehen, der so viel Bedeutung wie möglich erlangen soll. Doch was so harmlos mit Ohrringen, einem Fahrrad oder Boxhandschuhen beginnt, droht schon bald zu eskalieren ' Nichts was im Leben wichtig ist ist eine Parabel über den Sinn und die Bedeutung des Lebens, die während des Lesens stark zum Nachdenken anregt und auch noch darüber hinaus. Nachdem das Vorhaben der Schüler relativ harmlos beginnt und sie erst einmal nur Gegenstände zum Berg aus Bedeutung beitragen, die ihnen zwar viel bedeuten mögen, aber dennoch auf jeden Fall ersetzlich sind, gerät die ganze Sache schon bald außer Kontrolle. Angetrieben von der Trauer über den eigenen Verlust und der Wut auf die Person, die die jeweilige Sache vorgeschlagen hat, beginnen die Jungen und Mädchen immer größere Anforderungen an das Opfer zu stellen und das Ganze nimmt plötzlich viel ernstere Ausmaße an als gedacht. An Stelle von einfachen Gegenständen verlangen die Schüler nun extreme und unersetzbare Opfer voneinander, so folgen auf den Hamster, die Adoptionsurkunde oder sogar die Haare eines Mädchens und den Gebetsteppich eines sehr gläubigen Moslems schon bald so unvorstellbare Forderungen wie die Unschuld einer Mitschülerin, der rechte Zeigefinger eines Jungen und der Kopf eines (noch lebenden) Hundes. Die Schüler verlieren somit vollständig den Blick für die Realität und das Verhältnis, in dem gewisse Dinge zueinander stehen. So sehr jemand auch an einem Paar grüner Sandalen oder einem nagelneuen gelben Fahrrad hängen mag, es sind dennoch nur Gegenstände, die man ersetzen oder zurück erhalten kann. Das gilt jedoch nicht für die Unschuld oder gar einen abgetrennten Zeigefinger, geschweige denn für das Leben von Haustieren. Obwohl sowohl die Protagonistin Agnes als auch ein paar andere Schüler langsam bemerken, dass gewisse Forderungen zu weit gehen, so trauen sie sich trotzdem nicht zu widersprechen. Einerseits aus Angst vor den Opfern, die ihnen noch abverlangt werden könnten und andererseits auf Grund ihrer eigenen Wut und Trauer über den Verlust der Sache, die sie selbst opfern mussten. Und spätestens nachdem ein Mädchen seine Unschuld hergeben muss, traut sich niemand mehr andere Forderungen abzulehnen, weil sie dieses Opfer so tapfer über sich ergehen ließ und man niemand anderem gegenüber die Gnade erweisen könne, die ihr nicht zu Teil wurde. Die immer extremer werdenden Opfer sind erschreckend und unheimlich zugleich. Man kann beim Lesen kaum fassen, auf welche Ideen die Schüler kommen und wie sie deren Durchsetzung erzwingen. Als das Mädchen seine Unschuld opfern muss, wobei nicht nur der Junge bestimmt wurde, der ihr dabei 'helfen' soll, sondern auch noch vier weitere, die dabei sein sollen um ebenfalls zu 'helfen', falls es nötig sein sollte, denkt man zunächst, es könnte nicht mehr schrecklicher werden. Doch da täuscht man sich und mit den schlimmeren Opfern, steigt auch die Wut auf den Forderer und sorgt somit für nur noch undenkbarere Forderungen, wie z.B. den Kopf eines Hundes oder den Zeigefinger eines Jungen. Durch die Ich-Perspektive der Protagonistin und Erzählerin Agnes erlebt man das Geschehen hautnah mit, genau wie auch sie selbst immer direkt bei fast allem dabei ist. Man hat einen Einblick in ihr Gefühlsleben sowie ihre Gedanken und kann ihre Sorgen und Zweifel dadurch sehr gut nachempfinden. Das macht diese Geschichte sehr bewegend und emotional. Die tiefe Verzweiflung der Schüler, die Pierre Anthon und auch sich selbst nun mit allen Mitteln beweisen wollen, dass es sehr wohl etwas gibt, was von Bedeutung ist, geht auch am Leser nicht spurlos vorbei. Genau wie die Schüler stellt man sich die Frage nach dem Sinn des Lebens und danach, was im Leben eigentlich tatsächlich von Bedeutung ist. Die Jungen und Mädchen können und wollen einfach nicht glauben, dass nichts von Bedeutung ist und Pierre Anthon Recht haben könnte. Letztendlich muss jeder diese Frage für sich selbst beantworten, doch das Leben wäre wohl kaum lebenswert, wenn man wirklich der Ansicht wäre, dass nichts irgendetwas bedeutet und man deshalb auch seine gesamte Zeit mit nichts tun vergeuden könne. Mit solchen Leuten kann man doch eigentlich nur Mitleid haben, denn sie verpassen die wirklich schönen Dinge im Leben ' unabhängig davon, ob deren Bedeutung nun lediglich relativ oder sogar vergänglich ist. Auch die Schüler ziehen schließlich ihre Lehre aus dem Geschehenen und begreifen, dass es sehr wohl etwas gibt, was von Bedeutung ist. Nichts was im Leben wichtig ist ist ein erschreckend brutales, aber auch sehr lehrreiches Buch, das den Leser dazu bringt über denn Sinn des Lebens nachzudenken und darüber, was für einen von Bedeutung ist ' schonungslos, unerbittlich, aber auch sehr bewegend. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Bedeutsames Buch,
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Eines muss ich gleich zu Anfang sagen: Das ist kein Buch, dass jeder lesen sollte, da es sowohl vom Inhalt, als auch von den sprachlichen Fähigkeiten der Autorin, "anspruchsvoll" ist.Dennoch muss ich es jedem empfehlen! Es ist ein wichtiges Buch, welches schnell zu lesen ist, jedoch danach umso länger nachwirken wird. Wirklich erschreckend ist die in dem Roman dargestellte Brutalität NICHT! Was den Lesenden solche Angst macht, ist die Botschaft der Sinnlosigkeit allen Seins. Dass dieses Buch in dieser Hinsicht äußerst philosophisch ist, sollte es nicht abschrecken; sondern alle zum NACHDENKEN bringen. Überlegen sie es sich also nun, ob sie diesen kurzen Roman, mit langer Nachwirkung; oder ein gewöhnlichen, langen Roman, mit kurzer Wirkung lesen werden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
31 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Eigenartig...,
Von Lia "wunderkind" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Die Zeit sagt: "Ein brutales und mutiges Buch." Und die Buchhändlerin war auch ganz angetan. Und ich sitze hier und denke, was das eigentlich wirklich einem Jugendlichen geben kann oder auch einem Erwachsenen? Nichts von Bedeutung, eher von seltsamer Oberflächlichkeit und einer Gewalt, die so selbstverständlich einfach sogar den Tod eines Tieres und eines Menschen in Kauf nimmt. Des Menschen, der eigentlich ganz schlaue Sachen sagt, indem er aufzeigt, dass unsere rastlose Suche nach Bedeutung sich doch oft verstrickt in kurze Kicks und Bedeutungslosigkeit. Und genau das passiert in dem Buch. Denn nicht eines der zusammen getragenen Dinge kommt mit Bedeutung wirklich in Kontakt, wie ich finde, erschließt nicht, was so bedeutungsvoll für den Menschen ist, und all die tiefen Möglichkeiten, die diese Buchidee hätte haben können wurden verschenkt. Die Sache mit dem angebotenen Preis und dem Medienrummel um diesen Haufen aus meist dummen Dingen, haut dann den letzten Boden raus, der noch hätte halten können, was die Rezensionen versprechen.Es fehlt total jegliche Reflektion und das für Jugendliche. Ich finde es völlig ungeeignet und blutleer. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
41 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Vereinzelte Einzelne,
Von Peter Samol "sympathietraeger" (Herford, Nordrhein-Westfalen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Vorweg: Ich werde hier nicht zum x-ten Male der Inhalt des Buches wiedergegeben. Dafür bitte die anderen Rezensionen auf dieser Seite lesen. Stattdessen folgen Überlegungen über seine Bedeutung(!). [Im Folgenden werde ich die Begriffe "Bedeutung" und "Sinn" synonym verwenden. "Bedeutung steht nämlich allgemeinsprachlich entweder für den Sinn, oder aber für die einem Gegenstand beigemessene Wichtigkeit." (Wikipedia) Weitergehende Philosophische Explikationen erübrigen sich. Zum einen ist das Buch selber gar kein philosophisches, zum anderen stünde notfalls mit der Sprachpragmatischen Philosophie (später Wittgenstein und seine "Schüler") eine Denkrichtung bereit, die der allgemeinsprachlichen Auffassung entspricht.]Erst einmal ist festzustellen, dass das Werk den Horizont seiner eigenen Schöpferin zu übersteigen scheint. Das ist daraus zu entnehmen, dass sie in den zahlreichen Interviews zu ihrem Buch neben reinen Platitüden vor allem falsches von sich gibt. Dazu einige Beispiele: 1) Erstens verwechselt sie Existenzialismus mit Nihilismus. So sagt sie etwa im Spiegel-Interview über Pierre Anthon: "Er ist ein ganz gewöhnlicher, handelsüblicher Existenzialist." Das ist allerdings falsch. Pierre Anthons Aussagen sind nihilistisch. Und das ist etwas ganz anderes. Ein Nihilist behauptet, das nichts einen Sinn hat. Ein Existenzialist dagegen, dass nur die Menschen selbst ihrem Leben einen Sinn verleihen können - und nichts und niemand sonst (Wer es literarisch vergleichen möchte: Im Stück "Der Belagerungszustand" von Albert Camus taucht in der Figur von "Nada" (dt. "Nichts"!) ein Nihilist auf. Ihm steht der Existenzialist "Diego" gegenüber). Existenzialisten sind meist lebensbejahende Menschen. Sie unterscheiden sich von anderen dadurch, dass sie die Mühe der bewussten Sinnfindung auf sich nehmen und nicht einfach Vorgefertigtes Übernehmen. Und genau an dieser Stelle bleibt der Roman stecken. Seine Erkenntnis könnte für Pierre Anthon ein großartiger Aufbruch in neue Erfahrungswelten sein. Was aber passiert? Er hockt jämmerlich in seinem Baum. 2) Laut eigener Aussage will sie mit ihrem Buch gegen die "sinnlosen Konventionen" der Erwachsenenwelt vorgehen. Der einzige, der die angeblich sinnlosen Konventionen in Frage stellt, ist Pierre Anton. Seine Klassenkameraden aber, die nahezu ausschließlich Fokus der Handlung stehen, haben aber nichts besseres zu tun, als ihre bisherige Lebensweise (und damit auch deren Konventionen) mit allen(!) Mitteln zu verteidigen. Selbst der letzte Satz des Buches deutet noch darauf hin. Sprich: Sie gehen gerade nicht gegen sinnlose Konventionen vor, sondern verteidigen diese vielmehr mit Zähnen, Klauen und schlimmerem. Aus dem Umstand, dass das Buch den Horizont der eigenen Autorin selbst übersteigt - was übrigens nicht ungewöhnliches ist, sondern gerade auch Werke der großen Literatur auszeichnet - folgt leider nicht automatisch, dass das Buch selber gut ist. Das kann an folgenden Momenten gezeigt werden: 3) Pierre Anthon widerspricht seinem eigenen Schluss "Nichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden." Er tut nämlich selber doch etwas. Er sitzt in einem Baum, bewirft seine (ehemaligen) Klassenkameraden mit Pflaumen und belehrt sie ungefragt, indem er ihnen bei jeder Gelegenheit seine neuesten "Erkenntnisse" von der Bedeutungslosigkeit hinterher ruft. Kurz: Er provoziert. Damit tut er aber eben doch etwas. Ist denn dieser Selbstwiderspruch (um an dieser Stelle eine philosophische Referenz zu bemühen: Es ist der Paradefall eines Performativen Widerspruchs nach Karl Otto Apel) noch keinem der vielen Rezensenten, Preisverleiher, Jurimitglieder, Journalisten etc. aufgefallen? Er lässt sich übrigens auch noch einmal auf der Ebene der Bedeutung explizieren: Entweder haben Pierre Anthons Aktionen keine Bedeutung, dann kann man sie ignorieren. Oder sie haben eine Bedeutung, dann aber hat er unrecht. 4) Letztlich funktionieren Provokationen vom Schlage derer, die Pierre Anthons anwendet, deswegen so gut, weil dabei begriffliche Unschärfen weidlich ausgenutzt werden. Die Provokationen laufen auf den simplem Trick hinaus, die normativen Ansprüche eines Begriffes so stark zu überhöhen, dass keine faktische Realität ihnen mehr gerecht werden kann (hierzu ist übrigens auch zu empfehlen: Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein"). Wenn Bedeutung impliziert, dass etwas sowohl für Alle als auch für immer und ewig Bedeutung haben soll, dann ist der Anspruch so hoch gehängt, das allenfalls noch Religion diesem Anspruch gerecht werden könnte (aber Religionen verstricken sich dann wieder ob ihrer Absolutheit in eine Reihe von Paradoxien - das würde aber hier zu weit führen). Solche normativen Überdehnungen funktionieren auch mit anderen Begriffen: Liebe, Freundschaft, Treue etc. Und sie funktionieren beispielsweise auch bei mathematischen Figuren: "Echte" Kugeln kann es z.B. empirisch gar nicht geben. Spätestens auf subatomarer Ebene sorgen nämlich Quantenphänomene für eine ausgesprochen bucklige und sich ständig verändernde Oberfläche - wie sie ideale Kugeln aber nicht haben dürfen. Fazit: Die beispielhaft genannten Probleme sind keine Probleme der Welt, sondern der Begriffe (Einzige Alternative: Man wird Anhänger eines hundsmiserablen Platonismus). Angesichts dieser Befunde ist es mir absolut schleierhaft, wie man der Autorin einen "einen scharfsinnigen und durchaus philosophischen Blick auf unsere moderne Zivilisation" (http://lesekreis.org) bescheinigen kann. Ihr Blick ist offensichtlich von keinerlei Fachwissen getrübt. Anders ausgedrückt: Weder denkt Janne Teller philosophisch, noch ist es ihr Buch. Auf der philosophischen Ebene widerlegt es sich selbst schon auf den ersten Seiten. Psychologisch ist das Werk sowieso ein Totalausfall. Die Charaktere sind holzschnittartig angelegt, haben keinerlei Tiefe, und innerpsychische Vorgänge tauchen allenfalls bei der Ich-Erzählerin als vordergründige mulmige oder aggressive Gefühle auf. Meist herrscht jedoch eine allgemeine Gefühllosigkeit und seelische Eiseskälte vor, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Über die Misere der Autorin täuscht auch der literarische Kniff, das Ganze aus der Perspektive einer Schülerin zu erzählen, nicht hinweg. Interessant wird das Buch erst auf der sozialen Ebene, die sich der Autorin selbst offenbar nicht mehr erschließt. So ist es etwa jammerschade, dass Pierre Anthon nach seinem Befund: "Das Ganze ist nichts weiter als ein Spiel, das nur darauf hinausläuft, so zu tun als ob - und eben genau dabei der Beste zu sein." selber nicht mehr weiter weiß. Er hockt lediglich in seinem Baum und predigt anderen ungefragt von der Bedeutungslosigkeit ihres Lebens und Handelns. Damit handelt er jedoch - vom Selbstwiderspruch einmal ganz abgesehen - parasitär. Er nährt sich selbst nämlich von der Zerstörung des Sinnes, den die anderen in die Dinge legen. Und wie reagieren diese anderen? Sie versuchen die Dinge und ihre Bedeutung mit allen Mitteln zu retten. Indem sie den Bedeutungsberg aufhäufen, errichten sie einen Fetisch, der für den Sinn der Dinge stehen soll. Dabei kommt es zu einer Verdrehung und Verkehrung, welche ihnen selbst gar nicht bewusst wird: Nicht die Dinge geben dem Berg Bedeutung, sondern der Berg den Dingen! Der Berg ist das einzig sinnstiftende. Um ihn zu erhalten, beginnen die Kinder fanatisch, rücksichtslos und brutal zu werden. Indem sie ihm nicht nur Gegenstände, sondern auch Tiere, Köperteile sowie die seelische und körperliche Integrität von Angehörigen der eigenen Gruppe opfern, enden sie schließlich in der Barbarei. Der Weg in die Barbarei ereignet sich vor dem Hintergrund einer erschütternden Gefühlsarmut. Sämtlichen Beteiligten fehlt es an Empathie, menschlicher Wärme sowie überhaupt an der Fähigkeit, zu den anderen nähere Bindungen aufzunehmen. Die Bindungen werden einzig und allein über den Bedeutungsberg vermittelt. Nur er verbindet die vereinzelten Einzelnen. Ansonsten steht jede und jeder ganz allein da. Sein Verlust bedeutet folglich dem Verlust von allem. Einen Sturz ins Bodenlose. Kein Wunder, dass die Kinder ihm alles, aber auch wirklich alles opfern würden. Die Kinder spiegeln damit nur ihre eigene Gesellschaft, in welcher Vereinzelte gegen andere Vereinzelte konkurrieren. In der Realität haben wir es nämlich mit einer nahezu allumfassenden und sich immer weiter ausbreitenden Konkurrenzgesellschaft zu tun. Diese macht die Einzelnen zu Konkurrenzsubjekten, die nur noch über die Konkurrenz miteinander verbunden sind. Der Bedeutungsberg ist hierzu eine treffende Allegorie. Dabei wohnt Pierre Anthons Ausbruch ganz zu Anfang des Buches für kurze Zeit ein Moment der Befreiung inne: "Das Ganze ist nichts weiter als ein Spiel, das nur darauf hinausläuft, so zu tun als ob - und eben genau dabei der Beste zu sein." Das Selbstverständliche ist selbst schon längst unerträglich geworden. Pierre Anthons Erkenntnis könnte der Beginn der Aufhebung der Vereinzelung sein. Aber weder nimmt er die anderen bei seinem Aufbruch mit, noch durchschreitet er die Tür aus der Konkurrenzsituation heraus wirklich. Es stößt sie lediglich auf, um anschließend auf der Schwelle (vulgo seinem Pflaumenbaum) sitzen zu bleiben. Die "grinsende Tür", die er nach dem Verlassen des Klassenzimmers hinterlässt, ist die Einladung, sich aus der gegenwärtigen Situation heraus zu begeben. Aber niemand traut sich Pierre Anthon zu folgen. Vielleicht hätten die Kinder gemeinsam wirklich erste Schritte aus dem Elend gehen können. Menschen sind Gattungswesen und der Ausweg beginnt da, wo die Vereinzelung aufhört. Was dann kommt, ist offen. Aber diese Erkenntnis liegt offensichtlich jenseits der Erkenntniskraft der Autorin. Die fragt lieber: "Ist der nihilistische Pierre Anthon jugendlichen Lesern zumutbar?" (www.spiegel.de) Dabei sind die Aktionen der anderen Kinder um ein Vielfaches schlimmer. Sie klammern sich mit aller Macht an Alltag und Konventionen und gehen dabei zur Not auch über Leichen. Das Schlusswort hat Bob Dylan: "There must be some way out of here," said the joker to the thief "There's too much confusion, I can't get no relief" (...) "No reason to get excited," the thief, he kindly spoke "There are many here among us who feel that life is but a joke But you and I, we've been through that, and this is not our fate So let us not talk falsely now, the hour is getting late" Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Keine Philosophie, keine Literatur: Nichts, was in diesem Roman wichtig ist.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Wer sich entschieden hat, dieses Buch zu lesen, dürfte mit der grundlegenden Aussage schon vertraut sein. Man stößt auf sie in Beschreibungen oder spätestens auf dem Buchrücken: 'Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.' Damit man nicht vergisst, worum es geht, lässt die Autorin ihr Buch dankenswerterweise mit diesem Satz beginnen.Ein Schüler kommt nicht mehr in die Schule, weil er herausgefunden hat, dass nichts etwas bedeutet. Das lässt er seine Mitschüler wissen und untermauert dies mit Aussagen wie 'Ich sitze im Nichts. Und lieber im Nichts sitzen als in etwas, was nichts ist!' Die Klassenkameraden sind davon unheimlich schockiert. Der Leser ist es nicht und zuckt mit den Achseln. Er dürfte schon lange vor der Lektüre dieses Romans für sich entschieden haben, was im Leben wichtig ist. Darüber erfährt er hier auch nichts Neues. Dass alles im Leben irgendwie gespielt, gelogen oder zumindest vergänglich ist, das erfährt er hier nicht zum ersten Mal. Und erst recht nicht führt diese Erkenntnis dazu, dass das Wichtige im Leben seinen Wert verliert. Zurück zu den schockierten Schülern, die nun auf einem Berg aus Bedeutung einiges zusammentragen, was ihnen wichtig ist. Die 'Dramatik' des Buches soll sich wohl dadurch auszeichnen, dass nach und nach so etwas wie ein Hamster, ein ausgegrabener Sarg oder ein abgeschnittener Finger auf den Berg sollen. Kann man das glauben? Dass zehnjährige Kinder nachts heimlich zum Friedhof gehen und einen Kindersarg ausgraben? Oder dass sie diesen Sarg durch die Stadt zu einem stillgelegten Sägewerk tragen und dabei nicht bemerkt werden? Kann man glauben, dass ein Zehnjähriger das mit dem Satz 'Das ist ein Sakrileg!' kommentiert? Oder dass keine der Eltern sich zu wundern scheinen, dass die Schüler nach der Schule nicht nach hause, sondern in das Sägewerk zu ihrem Bedeutungsberg gehen? Das ist alles nichts, Janne Teller. Das einzig Lesenswerte an diesem Roman ist der Titel, der eine anregende philosophische Geschichte verspricht, die man in diesem Buch leider nicht findet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
anstrengend, surrealistisch, irritierend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman (Taschenbuch)
Was mich an diesem Buch irritiert ist die Isolation, in der sich alle beteiligten Schüler scheinbar befinden. Zwar heißt es am Ende, die Lehrer seien verwundert gewesen über die merkwürdige Stimmung in der Klasse, aber scheinbar hat niemand den Versuch unternommen, die Gründe dafür zu hinterfragen. Auch die Eltern scheinen keinerlei Veränderungen an ihren Kindern bemerkt zu haben. Immerhin geht es um Siebtklässler, also 12 bis 13jährige. Am Ende steht ein Medienhype, aber therapeutisch-erzieherische Konsequenzen scheinen die unglaublichen Vorgänge nicht nach sich zu ziehen. Es stellt auch niemand seine Erziehung in Frage, Eltern nicht, Lehrer nicht. Auch Pierre Anthon auf seinem Baum bleibt seltsam unbehelligt von Eltern, Lehrern und Behörden. Gibt es denn in Dänemark keine Schulpflicht? Nun handelt es sich ja um einen Roman, und der Autorin muss künstlerische Freiheit zugestanden werden. An diesem Punkt bin ich geneigt, den Roman als Science Fiction, zumindest aber als sehr surrealistisch abzutun.Die seltsam distanzierte Art der Beschreibung durch die erzählende Schülerin Agnes finde ich, ebenso wie die Grausamkeiten, die sich die Kinder, immer noch steigerungsfähig, gegenseitig zufügen, im äußersten Maße erschreckend, und ich wüsste gern, ob dies alles ausschließlich der Fantasie der Autorin entspringt, oder ob sie von außen inspiriert wurde. Hinter der Bedeutung des Nichts vermutet man zunächst eine philosophische Frage, doch darum geht es in diesem Buch gar nicht, sondern viel mehr um ein gesellschaftspolitisches Problem. Was ist heute für Kinder und Jugendliche noch von Wert, und wer vermittelt ihnen Wertvorstellungen und auf welche Weise? Oder ist tatsächlich mittlerweile alles egal? Ich finde es gar nicht so einfach, dieses Buch zu beurteilen, mich festzulegen, ob ich es gut oder schlecht finden soll. Es gefällt mir nicht, aber das heißt ja nicht, das es schlecht ist. Anstrengend ist es in jedem Fall. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman von Janne Teller (Taschenbuch - 26. Juli 2010)
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