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5.0 von 5 Sternen Ein grosses Buch ueber Schopenhauer
Dieses Buch ist mit Abstand eines der wertvollsten, tiefsinnigsten, sensibelsten und bildungsgeladensten Buecher, die ich seit langem gelesen habe.
Ruediger Safranski hat sich Schopenhauer, seine Familie und sein Werk, aber auch seine Umwelt, die geschichtlichen Ereignisse, die philosophischen Stroeme vorgenommen. In dieser Umgebung zeichnet er uns ein sensibles,...
Veröffentlicht am 24. Juli 2006 von Dichtung&Kritik

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lebensnahe Charakterdarstellung - nicht ausreichende Werkentschlüsselung
Safranski beschreibt farbenfroh die Stationen Schopenhauers (S.) auf seinem Weg durch das in Stadtstaaten, Herzogtümer, Fürstentümer und Königreiche aufgeteilte Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Hamburg, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, gibt das angelsächsisch ausgerichtete Patriziat in Verbindung mit dem...
Veröffentlicht am 9. Dezember 2011 von tim4812


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80 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein grosses Buch ueber Schopenhauer, 24. Juli 2006
Dieses Buch ist mit Abstand eines der wertvollsten, tiefsinnigsten, sensibelsten und bildungsgeladensten Buecher, die ich seit langem gelesen habe.
Ruediger Safranski hat sich Schopenhauer, seine Familie und sein Werk, aber auch seine Umwelt, die geschichtlichen Ereignisse, die philosophischen Stroeme vorgenommen. In dieser Umgebung zeichnet er uns ein sensibles, kluges Bild von Arthur Schopenhauer. Wir begreifen, wie sehr Schopenhauer aus der Tradition von Platon, Descartes und Kant erwuchs und wie wichtig es ihm war, sich von den Ich-Subjektivisten um Fichte abzugrenzen.
Wir lernen, wie fremd ihm seine Mutter Johanna Schopenhauer wurde, als diese nach dem Tode des vergoetterten Vaters einen Teesalon in Weimar eroeffnete, dem auch Goethe regelmaessig angehoerte. Wir begleiten Arthur auf seinem Weg vom schuechtern gegen den Strom anschwimmenden bis zum heftig wetternden Philsophen, der die Philosophie des Loslassens formulierte, eine Philosophie der Kontemplation:
Erst, wenn wir uns ganz in ein Objekt versenken, hoeren wir auf, ein Werkzeug des "Willens" zu sein. Waehrend die Naturwissenschaft die Gesetze der Erscheinungen des Willen beschreibt, vermag es der Kuenstler, hinter die Erscheinung, bis zum eigentlichen "Ding an sich", dem "Willen", hindurchzusehen und ihn zu erkennen. Nirgends mehr als in der Musik wird der "Wille" unmittelbar offenbar.
Wir begreifen, aus welcher persoenlichen und allgemein welthistorischen Position heraus Schopenhauer zum Satz der "Verneinung des Willens" kam.

Ich bin wirklich beeindruckt von dem Buch. Auf jeder Seite fand ich entweder eine tiefe Einsicht in Schopenhauer und jene Philosophen, die ihn zeitlich oder inhaltlich umgaben, oder aber eine allgemein-sensible Bemerkung Safransiks, die es sich anzustreichen lohnte.
Safranski ist von breiter geisteswissenschaftlicher Bildung und vermag es, uns den Menschen Schopenhauer auch persoenlich so nahe zu bringen, dass wir ihn ganz und gar verstehen und mit ihm fuehlen.
Daneben wird die Philosophie aus der Tradition so gut motiviert und erklaert, dass man ein festes Netz historischer und gedanklicher Bruecken zurueckbehaelt.
Ich bin dankbar, dass kluge Menschen wie Safranski sich Zeit nehmen, das Lebenswerk eines Philsophen so bunt und lebendig zu einem Erinnerungswerk zu verweben.
Hoechst lesenswert fuer "sehr" Schopenhauer-Interessierte.
Allerdings ist es nicht geeignet als rasche Einleitung oder Uebersicht. Dafuer empfehle ich lieber die auch sehr gute rororo Monographie. Dieses Buch hier ist wirklich ein dicker Band, fuer den man sich Zeit nehmen muss.
Aber es lohnt sich. Ein grosses Buch. Lesenswert.
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut lesbare Schopenhauerbiographie, 21. Januar 2000
Von Ein Kunde
Das Buch stellt eine sehr gut lesbare Schopenhauerbiographie dar, die auch ein Gefühl für die zur damalige Zeit vermittelt. So werden Zeitgenossen Schopenhauers wie zB Goethe und dessen Verhältnis zum sich entwickelnden Schopenhauer mit einiger Ausführlichkeit beschrieben. Der Leser erhält ein Gefühl für die politischen Probleme der damaligen Zeit durch Darstellung der damals agierenden politischen Figuren. Das der Schopenhauerschen Philosophie ebenfalls der gebührende Raum eingeräumt wird ist selbtverständlich. Dies geschieht in einer immer sehr gut verständlichen, spannenden Art der Darstellung. Insgesamt eine der ausführlichsten und am besten lesbaren Schopenhauerbiographien, die sich nicht ausschließlich auf Schopenhauer selbst konzentriert, sondern durch Beleuchtung der die damalige Zeit prägenden Figuren und Ereignisse, ein plastisches Bild der damaligen Zeit und der Entwicklung Schopenhauers vermittelt.
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Philosoph des Heulens und Zähneklapperns, 24. Juli 2008
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ein komischer Kauz muss er gewesen sein, dieser 1787 in Danzig geborene Arthur Schopenhauer. Schon früh zeigte sich sein dominanter Charakter mit einem Hang zur Besserwisserei. Den Grund hierfür sieht Safranski in der fehlenden Bindung zur Mutter in Arthurs frühester Kindheit: "Wem es an grundlegender Lebensbejahung mangelt, nicht aber an stolzem Selbstbewusstsein, der ist, wie Arthur, dafür disponiert, auf alles Lebendige jenen verfremdenden Blick zu werfen, aus dem die Philosophie kommt: die Verwunderung darüber, daß es überhaupt Leben gibt" (31). Im Alter von 27 Jahren schrieb Schopenhauer sein bahnbrechendes Werk Die Welt als Wille und Vorstellung: Die Welt als Wille und Vorstellung I: Bd 1, welches aber bis zum Jahr 1853 von der Öffentlichkeit ignoriert wurde, was Schopenhauers Eitelkeit tief verletzte, so dass er sich immer wieder abschätzig über seine Zeit äußerte: "Mein Zeitalter [...] ist nicht mein Wirkungskreis, sondern nur der Boden auf dem meine physische Person steht, welche nur ein unbedeutender Theil meiner ganzen Person ist" (394). Gegen Lebensende lief er oft mit seinem Hund lautstark Selbstgespräche führend durch Frankfurt und als er in hohem Alter endlich die Anerkennung erfuhr, die er sich immer gewünscht hat, kommentiert er selbstbewusst: "Der Nil ist in Kairo angekommen".

Nicht nur aufgrund seiner Person, auch aufgrund seiner Philosophie passte Schopenhauer nicht so recht in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hegel, der große Dominator des Zeitgeistes, predigte sein Konzept des Weltgeistes, welches den Weg in eine bessere Zukunft wies. Fichte, der Ich-Philosoph, konzentrierte sich auf die schaffenden Kräfte des Individuums und Marx sah diese schaffende Kraft zwar nicht im Individuum, dafür aber in der Körperschaft des Proletariats. Anders Schopenhauer. Er gilt bis heute als der große Pessimist unter den Philosophen, für den das Leben weniger als etwas zu Gestaltendes, sondern vielmehr als etwa zu Erduldendes gilt. Unvergessen sein Satz: "Eine Philosophie [...] in der man zwischen den Seiten nicht die Tränen, das Heulen und Zähneklappern und das furchtbare Getöse des gegenseitigen allgemeinen Mordens hört, ist keine Philosophie" (453).

Kernelement der Philosophie Schopenhauers ist das Konzept des Willens. Der Wille ist die der menschlichen Existenz zu Grunde liegende Grundstruktur. Und diese Grundstruktur ist nichts Schaffendes, nichts Positives, sondern etwas Destruktiv-Negatives: Der Wille, der allem zugrunde liegt, ist eben nicht Geist, der sich verwirklicht, sondern ein blindes, wucherndes, zielloses, sich selbst zerfleischendes Treiben, ohne Transparenz auf etwas Gemeintes, auf etwas Sinnvolles hin" (310f.). Safranski fasst prägnant zusammen: "Der Wille hat kein Ziel, er kreist als blinder Drang. Er berechtigt zu keinen Hoffnungen. Man kann ihm das Projekt einer geschichtlichen Vernunft nicht anvertrauen" (329). Dieser Wille manifestiert sich nach Schopenhauer am Ursprünglichsten im Sexualakt: "Wenn man mich fragt, wo denn die intimste Erkenntniß jenes inneren Wesens der Welt, sein Ding an sich, das ich den Willen des Lebens genannt habe, zu erlangen sei? [...] - so muß ich hinweisen auf die Wollust im Akt der Kopulation. Das ist es! Das ist das wahre Wesen und der Kern aller Dinge, das Ziel und Zweck alles Daseyns" (400). Man kann sich vorstellen, warum es so lange gedauert hat, bis Schopenhauer und seine Zeit zueinander gefunden haben.

Rüdiger Safranski schafft es wie kaum anderer deutscher Philosophie, anspruchsvolle Themen massenkompatibel zu verpacken ohne zu große inhaltliche Reibungsverluste in Kauf nehmen zu müssen. Seine Biografien über Nietzsche: Biographie seines Denkens (2000) und Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit (1994) waren allesamt Bestseller und Safranskis neuestes Buch Romantik. Eine deutsche Affäre (2007) befindet sich seit Monaten in den Bestsellerlisten. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Safranski ein sehr guter Erzähler ist, der in der Lage ist, auch schwierige Sachverhalte rhetorisch anspruchsvoll und dennoch verständlich zu vermitteln. "Schopenhauer" ist viel mehr las die Rekonstruktion des Lebens eines Mannes, sondern vielmehr die Darstellung eines gesamten Zeitabschnitts aus philosophischer Perspektive. Detailliert geht Safranski auf Teile von Kants Philosophie ein, da Schopenhauer sein Konzept des Willens aus Kants Konzept des "Ding an sich" entwickelte. Auch Hegels Philosophie, die die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmte, wird näher umschrieben.

Fazit: Sehr gut geschriebene Biografie eines schwierigen Mannes und eines großen Philosophen, der bis heute nachwirkt. Nachfolgende Denker wie Nietzsche oder auch Michel Foucault ließen sich von Schopenhauer inspirieren. Zugleich entwirft die Darstellung ein Panorama des gesamten philosophischen Diskurses der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lebensnahe Charakterdarstellung - nicht ausreichende Werkentschlüsselung, 9. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Gebundene Ausgabe)
Safranski beschreibt farbenfroh die Stationen Schopenhauers (S.) auf seinem Weg durch das in Stadtstaaten, Herzogtümer, Fürstentümer und Königreiche aufgeteilte Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Hamburg, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, gibt das angelsächsisch ausgerichtete Patriziat in Verbindung mit dem nüchternen hanseatischen Erwerbssinn den Ton an. S. folgt nach qualvollen Lehrjahren zum Kaufmann, dem Gebot des verstorbenen Vaters gehorchend, seiner Mutter in die Idylle der kleinen Residenzstadt Weimar. Weimar ist um die Jahrhundertwende zum Tummelplatz der sogenannten Dichter und Denker geworden, auf welchem S. häufig mit seinem "Ersatzvater" Goethe zusammentrifft. Es folgen Jena, Dresden, Berlin und Frankfurt. Von all diesen Städten gibt uns Safranski ihr einstiges Bild zurück, angefangen bei dem Zustand der Straßen über das gesellschaftliche Leben des gehobenen Bürgertums bis hin zu den politischen Veränderungen durch die französische Revolution und Napoleon.
Man lernt S. vor dieser lebendig nachgezeichneten Umwelt als Kind seiner Zeit kennen: Misstrauen, Selbstgerechtigkeit, Herablassung, Bindungs- und Rücksichtslosigkeit sind bis ins hohe Alter hinein die Erkennungsmerkmale dieses Mannes. Dank seiner Spürnase für ihn angehende Unannehmlichkeiten, gelingt es ihm, dem Zeitgeschehen auszuweichen - so werden z.B. Heiratspläne wegen einer eventuell bevorstehenden Erkrankung der Verlobten von ihm wieder fallengelassen.
Die herabsetzenden Urteile über die Anschauungen von Fichte und Hegel liegen in der mangelnden Akzeptanz seiner Person als Universitätslehrer und Autor durch Verlage und Öffentlichkeit begründet.
S. ist aufgrund seines väterlichen Erbes nicht auf den täglichen Broterwerb angewiesen; daher wehrt er sich gegen alle möglichen finanziellen Verluste durch betrügerische Banken und verleugnet aus Sorge um sein Vermögen alle durch die Revolution von 1848 in die Wege geleiteten Reformbemühungen. Sein Geiz läßt ihn auch die Loyalität gegenüber Mutter und Schwester vergessen.
S's Leben ist nahezu ausschließlich seinen philosophischen Arbeiten gewidmet - Beziehungen zu Frauen und zu den Wegbegleitern aus Literatur und Philosophie überschreiten nie eine Grenzlinie, die weit vor Freundschaft gezogen ist.
In seinem Lebenswerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" wird als Ursprung allen menschlichen Seins der im Körper ruhende Wille genannt. Er folgt dem Wollen - Verstand und Vernunft verfügen über rein dienende Funktion. S's Ausführungen über die Freiheit unserer Willensentscheidungen heben auf die Kausalität ab, d.h. das Verhalten oder Handeln folgt einer vorgelagerten Wahrnehmung.
S. entdeckt außerdem das in uns ruhende Phänomen des Mitleids: dies sei nicht Resultat einer christlichen- oder humanistischen Erziehung sondern ein auf reinen Selbsterhaltungstrieb angelegtes Wesen, welches erwacht, sobald wir hautnah mit dem Leid "unseres Nachbarn" konfrontiert werden; so vermacht dieser mit Regungen der positiven Art nicht reich gesegnete Mann, der in seinem Werk Begriffe wie "Gut" und "Böse" stets vermied, sein noch verbliebenes Vermögen den preußischen Invaliden der Revolutionswirren.
Safranskis Erläuterungen zu S's Darstellung über die "Freiheit unserer Willensentscheidungen" waren für mich unbefriedigend wegen nicht ausreichenden Verstehens. Auch setzt er in etlichen Passagen durch eigene Gedankensprünge S. die Krone auf, wogegen sich dieser stachlige Charakter mit Sicherheit gewehrt hätte. "Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri würde ich zur Entschlüsselung des Komplexes "Willen und Freiheit des Individuums" eher empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Welt als Wille und Vorstellung", 9. Mai 2011
Von 
Arthur Schopenhauer (1788- 1860) lebte in einer großen philosophischen Zeitepoche und konnte z.B. Kant und Goethe noch persönlich kennen lernen. Beide waren von Schopenhauer beeindruckt, wobei Kant ihm den Weg ebnete, um als Philosoph seinen ersten Durchbruch zu erlangen.
Schopenhauers Denken wurde stark geprägt zum einen von Platon, insbesondere von dem sogenannten "Höhlen-Gleichnis". Dort zeigt sich für ihn eben das "Erkennen", das zugleich ein "anderes Sein" bedeutet. Es ging für Schopenhauer nicht mehr darum die Gegenstände besser zu sehen, sondern in der Sonne zu sein.
Zum anderen wurde er geprägt durch den großen Philosophen Kant. Unabhängig von dem damaligen Zeitgeist geht er, geprägt von diesen beiden philosophischen Polen seinen eigenen Weg. Seine Gedanken sind mutig, denn er ist ein großer Denker, der auch die Schwachstellen der großen anderen Philosophen (wie z.B. die von Hegel und Fichte) erkannte und der gegen die vom Zeitgeist favorisierte Vernunftreflektion, mehr die Rolle der verständigen Anschauung betonte.
Gefallen hat mir der Hinweis des Autors, dass sich Schoppenhauer später auch mit der östlichen Philosophie stark beschäftigte und diese ihn auch beeindruckte (z.B. Upanischaden: Altindische Weisheiten). Er schrieb dazu selber: "Ich gestehe übrigens, daß ich nicht glaube daß meine Lehre je hätte entstehen können, ehe die Upanishaden, Plato und Kant ihre Strahlen zugleich in eines Menschen Geist werfen konnten."(S.303)
Für den "Willen", der in uns und zugleich als "Ding an sich" hinter allen Erscheinungen steckt, glaubt Schopenhauer in den Upanishaden auch eine Entsprechung entdeckt zu haben: das "Brahma", die Weltseele.(S.304) Auch daran erkennt man, er war nach allen Seiten offen und gedanklich der damaligen Zeit schon weit voraus.

Fazit: Das Buch ist gut geschrieben und beschäftigt sich nicht nur mit der Biographie von Schopenhauer und seiner Familie (es ist nicht uninteressant zu erfahren, wie er mit seiner Mutter und auch seinem persönlichen Umfeld umging), sondern es folgen auch viele gelungene inhaltliche Verknüpfungen mit den großen Philosophen der damaligen Zeit. An diesen Stellen zeigt der Autor dann auch die erforderliche fachliche Tiefe.
Mit Leichtigkeit gelingt es dem Autor so z.B. Schopenhauers Werk: "Die Welt als Wille und Vorstellung" ins richtige Licht zu rücken, und er schwenkt dann mit der gleichen Leichtigkeit rüber zu dem "Menschen" Schopenhauer, wie dieser sich sehr ungeschickt mit seinem neuen Verlag massiv verärgerte, als es um den Veröffentlichungstermin seines gerade genannten Werkes ging. Er war eben auch ein kleiner "Hitzkopf", oder wie der Verlagsinhaber dann sagte, ein "Kettenhund".
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Imposant, geistreich, umfassend, 18. Juli 2010
Safranski ist es gelungen, eine Biographie Schopenhauers, die Philosophie des 19. Jahrhunderts und das gesellschaftliche und politische Leben der damaligen Zeit eindrucksvoll darzustellen. Das Ganze so geschrieben, dass es eine Freude und Bereicherung ist, dieses Buch zu lesen. Auch psychologisch kluge und einfühlsame Passagen zu den "Paradoxien" des Philosophen werden eingeflochten. Ein wichtiges, weises, wunderbares Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als nur eine Biographie, 17. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Gebundene Ausgabe)
Das Leben von Schopenhauer wird sehr ausführlich und detailliert beschrieben, wobei alle Lebensabschnitte ähnlich viel Raum beanspruchen. Man erfährt viel über ihn und auch, wie einiges von seinen Lebenserfahrungen mit in die Philosophie eingeflossen ist. Man kann sich ein gutes Bild davon machen, wie er gelitten haben muss, als man ihn in eine Kaufmannslaufbahn drängen wollte, ebenso die Gesellschaftsabende, die seine Mutter gegeben hat, auf welcher Prominenz wie Goethe anwesend war. Man erfährt, wie sich die Gedanken entwickelt haben und wie er obwohl seine Philosophie fast sein gesamtes Leben lang keine große Beachtung gefunden hat, wahrscheinlich teils darunter gelitten hat, jedoch nie an dieser gezweifelt hat und für die Philosophie leben konnte. Da er von seinem Vater geerbt hatte, war er nie davon abhängig, Anerkennung von außen zu finden, ansonsten hätten wir heute wohl kaum ein Werk von ihm vorliegen.
Desweiteren wird auf die damaligen Verhältnisse eingegangen und selbt wenn man keine große Ahnung von Geschichte hat, bekommt man einen guten Überblick, in was für Unruhen man sich damals befunden hat. Man erfährt womit sich die Philosophie zu Schopenhauers Zeit gerade beschäftigt hat und natürlich Schopenhauers Philosophie, von welchen Philosophen er sich abgrenzen wollte und auf welche er sich bezogen hat.
Für mich war dies die erste Schopenhauerbiographie, die ich gelesen hatte, ich kannte bis dahin einige seiner Werke, aber über die Person selbst wußte ich nicht viel. Da ich persönlich die Biographien von bekannten Dichtern und Denkern zum Teil sogar interessanter finde als die Werke selbst, habe ich mir dieses Buch bestellt und bin nicht enttäuscht worden.
Zusammenfassend ein sehr gut geschriebenes, ausführliches Buch, was ich auf alle Fälle jedem empfehlen kann. Es gibt nicht nur sehr gut die Philosophie Schopenhauers wieder, sondern vermittelt ein sehr gutes Bild von ihm, man sieht einen genialen, begabten Menschen, welcher teils launisch und merkwürdig gewirkt haben muss und bis auf den Schluss nie viele Anhänger hatte, jedoch aller Zweifel erhaben an seinem Werk gearbeitet hat. Ebenso hat man das Bild einer ganzen Epoche vor sich. Natürlich gehört zum Lesen ein gewisses Interesse für die Materie dazu, aber das versteht sich denke ich von selbst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus dem Leben der Philosophie, 18. Januar 2011
Rüdiger Safranski: Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag, 5. Aufl. Jan.2008

In diesem Buch wird Philosophie lebendig und das Leben philosophisch!
Es ist viel mehr als eine Lebensbiographie Schopenhauers, es ist eine geistige Biographie, die Evolution der Philosophie Schopenhauers und die lebendige Erinnerung an eine turbulenten Epoche der Philosophie überhaupt, spannend und geistreich geschrieben, so daß das Buch schnell zu einem Schmöker wird, das einen nicht mehr los lässt.

Mit sehr viel psychologischem Einfühlungsvermögen beschreibt R.S. die Lebensabschnitte Schopenhauers, die biographischen, gesellschaftlichen & geistigen Einflüsse auf die Entwicklung seines philosophischen Weltbildes.
Nahtlos in den Lebensteppich sind sogenannte "Philosophische Szenarien" eingewoben, die für sich schon philosophisches Wissensfutter und sehr erhellend sind: über die Romantik, die philosophische Evolution von Descartes zu Kant
*in knapper Form so erhellend über die Kantsche Philosophie zu schreiben ist schon ein Kunstwerk an sich*
und später zu den Werken Schopenhauers selbst, der Siegeszug Hegels u. v. m.

Abgesehen davon, daß das alles sehr spannend geschrieben ist und ein sehr lebendiges Bild einer vergangenen, "wilden" Epoche der Philosophie *und nicht nur der Philosophie* auferstehen lässt...
*köstlich und informativ z.B. die "Sitten"gemälde der Städte Danzig, Hamburg, Weimar, Dresden, Frankfurt und die Beschreibungen Goethes, wo sich seine Lebenslinien mit denen Schopenhauers berühren, und vieler anderer Zeitgenossen*
...außerdem vermittelt R.S. einen fundierten Zugang zum Werk Schopenhauers. Besonders gut haben mir dabei die vielen Zitate und Erläuterungen aus den Manuskript- und Tagebüchern Schopenhauers gefallen, die viele philosophisch wertvolle und prägnante Aussagen enthalten.
Ich jedenfalls konnte es nach der Lektüre dieses Buches kaum noch abwarten und fühlte mich gut gerüstet, mich an "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu machen - nachdem mich vorher die furchteinflößenden Vorreden A. Schopenhauers selbst *wer sie gelesen hat, weiß, was ich meine* immer davor abgeschreckt haben.
Philosophie *nicht nur beschreibend sondern selbst philosophierend ausgeführt*, Psychologie, Geschichte, Zeitgemälde - einmalig erzählt!
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5.0 von 5 Sternen Umfassende und verständliche Biografie, 30. Januar 2014
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Schopenhauer – der Philosoph – seiner Biografie hatte ich mich letztens angenommen – geschrieben von keinem Geringeren als Rüdiger Safranski.

Ich war neugierig und gespannt und ich hatte hohe Erwartungen, das muss ich gestehen, weil Safranski für literarische und inhaltliche Qualität steht – meine Erwartungen wurden noch übertroffen …

Inhalt und Gliederung:
================
Safranski hat seine Schopenhauerbiografie in 2 Bücher und 24 Kapitel übersichtlich gegliedert, das hat mir von vorn herein gut gefallen.

Ich fand das Lesen zum einen sehr interessant und informativ und zum anderen den Inhalt sehr wertvoll, weil er umfassend darstellt, was zum einen das Leben und Wirken Schopenhauers ausmacht und zum anderen was Philosophie zu seiner Zeit bedeutete.

Sein Leben und Wirken wird in Historie der Welt eingebunden, was nicht nur informativ ist, sondern wesentlich zum allgemeinen Verständnis der Gedanken Schopenhauers beiträgt.

Schon die detaillierten Überschriften gefielen mir, weil sie präzise darlegen, was im Kapitel „besprochen“ wird. Außerdem fand ich es sehr angenehm, dass die Schreibweise zwar sachlich ist, dennoch aber nicht trocken, sondern mitreißend und flüssig zu lesen. Der literarische Stil passt perfekt zum Buch und ist für mich ein guter Spagat – der das Buch einer breiten Lesegruppe zugänglich macht.

Der Mensch hinter dem Philosophen – dem etwas anderen – dem wilden – Philosophen – kommt eindeutig zur Geltung, es kommt aber auch die Zeit im Zusammenhang mit dem Menschen und seiner philosophischen Einstellung zur Geltung. All dies im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich für mich ein rundes Bild, welcher mich veranlasst, volle Punktzahl und Leseempfehlung auszusprechen.

Safranski geht sensibel und tiefgründig mit der Biografie Schopenhauers um. Er hinterfragt und scheint, ansonsten hätte er so tiefgründig nicht schreiben können, umfassend recherchiert zu haben. Man spürt, dass hier jemand geschrieben hat, der einmal zu dem steht, was er zu Papier gebracht hat außerdem aber sachlich voll auf der Höhe der Thematik steht.

Es ist wirklich nicht nur ein Genuss, die Biografie zu lesen, weil man kurzweilig und doch sachlich die gewünschten Information zur Person und seinem Wirken erhält, sondern zudem noch extrem ansprechende Literatur zwischen den Seiten findet.
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5.0 von 5 Sternen Schopenhauer mit Scharfsinn und Verstand durchleuchtet, 22. August 2012
Von 
Andrew Ross "J. Andrew Ross" (Southern England) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Schopenhauer ist schwer für einen Biograph, weil erstens er selbst so gut schrieb und zweitens sein Leben abgesehen von der Philosophie ziemlich uninteressant war. Aber Safranski ist es gelungen, die Seiten so zu kombinieren, dass die sich gegenseitig einleuchtend ergänzen. Schopenhauer hatte das Unglück, in Hegels Schatten seine Karriere starten zu müssen, und als stolzer junger Mann hat er dies kaum überlebt. Aber sein Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung, war ein Klassiker, das noch ein Jahrhundert später noch gut zu lesen war. Safranski erklärt genug von dieser Philosophie, um den Leser das Gefühl zu geben, die Hauptidee darin ausreichend verstanden zu haben, und gleichzeitig erzählt genügend biographische Einzelheiten, um den ganzen Fall Schopenhauer in kritischer Perspektive zu setzen. Mehr von einer seriösen Biographie kann man wirklich nicht wünschen.
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Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie
Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie von Rüdiger Safranski (Gebundene Ausgabe - 16. August 2010)
EUR 24,90
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