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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut lesbare Biographie Goethes und seiner Zeit
Die facettenreiche Biographie Goethe - Kunstwerk des Lebens" von Safranski ist spannend und lehrreich zugleich. Besonders hervorheben möchte ich drei von Safranski besonders gut dargestellte, für das Verständnis Goethes und seiner Zeit aufschlußreiche Charakterisierungen, nämlich die Farbentheorie Goethes, Goethes Plotinkritik und Goethes...
Vor 13 Monaten von Gerhard Mall, Darmstadt veröffentlicht

versus
147 von 170 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen WACKER DAS WOHLBEKANNTE
Den allgemeinen Jubel über dieses Buch kann ich nicht teilen. Rundum gediegen wird das Lebens- und Werkpensum abgearbeitet, und wer noch nie eine Goethe-Biographie gelesen hat, wird detailliert und zuverlässig informiert.

Ich habe jedoch schon die eine oder andere Goethe-Biographie gelesen (unter anderem den zweibändigen Conrady, der die Werke...
Vor 15 Monaten von Bücher-Bartleby veröffentlicht


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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gut lesbares Buch über Goethe und seine Zeit, 28. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Merkwürdigerweise standen Goethe-Biografien in Deutschland öfter unter einem ungünstigen Stern - siehe die nicht erschienene Biografie zur Sophien- oder Weimarer-Ausgabe und die große von Dr. Wilhelm Bode angelegte Darstellung, die leider durch seinen jähen Tod unvollendet blieb ...

Auch an Dr. Richard Friedenthal's Monografie wurde herumkritisiert; ebenso im Falle Boyle,wobei die Kritik da nicht unberechtigt ist. Wer wollte schon über zehn Jahre auf den letzten Band warten? Auch verlegerisch macht so etwas keine gute Figur !

Anders Safranski, er legte seine Monografie klipp und klar vor - jeder kann sie lesen, aber niemand MUSS sie lesen. Ich finde sie sehr flüssig geschrieben und
sie ist vor allen Dingen auch sehr gut lesbar.

Was die Ausstattung anbelangt, so gab sich der für Qualität bekannte Hanser-Verlag
in München Mühe - der dunkelgrüne Pappband ist fadengeheftet; eine Ganzleinenausgabe, wie bei Beck der BOYLE, wäre noch schöner gewesen ...

So ein Buch nimmt man doch als Leser gerne in die Hand, auch wenn es etwas dick ist - für mich ist es stets eine Freude, wenn Bücher solide auf den Markt kommen,richtig "aufgehen" und von unseren Kindern noch gelesen werden können.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Göttertage mit Goethen, 18. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Endlich genügend Schubkraft für Goethe. Endlich ein umfassender Zugang dank der guten Adresse Rüdiger Safranski. Wer die Romantiker so liebt, kann nicht langweilen. Dieser Autor ist begeistert von Goethe und seiner Zeit, spürt ihm nach und vergegenwärtigt sein Wesen fühlbar, ganzheitlich, sozusagen synergoethisch in wortreichen 700 Seiten fast, und wäre mit seinem Background sicher mit Goethe & Co befreundet gewesen.

Er, Goethe, hat mit dem familiären Wohlstand im Rücken einen guten Start, so erwünscht, so ermutigt, so geliebt, so wissensdurstig, so spontan, so sprudelnd, so unbekümmert, so verliebt, so voller Ideen, alles fällt ihm zu.
Besitzt Genialität, eine lebhafte Fantasie, eine edle Denkungsart, eine sonore Stimme, ein raumgreifendes Ego, unendlich viel Anziehungskraft, einen unaufhörlichen Zustrom von Freunden und Bekannten, ist gefühlsimpulsiv, weit, geschwind, unbändig neugierig, an allem interessiert, souverän, kinderlieb, frauenverehrend, dauerverliebt, stürmisch, drängend, begehrend. Viele Liebschaften, kleine Verliebtheiten, Tändeleien. Viele Treffen, Besuche, Freundschaften, Reisen.

Sein rastloses Gedankenfeuerwerk verschafft sich im Dichten Ausdruck. (Er wäre heute so was wie ein literarischer Popstar). Der Tätige, so sein Credo, wird überdauern. Da ist einerseits die lebendige, ausströmende, poetische Natur. Andererseits die Schule der Realität. Pflichten. Nutzbringende Arbeit. Er möchte Weltmann und Dichter sein. Der genialische Überflieger und Maitre de plaisir, hineingezogen in ein übermütiges und stürmisches Leben, will sich in geerdeten Anforderungen diszipliniert entwickeln, denn literarische Kenntnis ist nicht Lebenskenntnis, Poesie leitet nicht. Amt, Wissenschaft und Kunst sollen sich gegenseitig fördern, der Gegensatz zwischen Künstler und Weltmann soll beherrscht werden. Es geht um die Balance Realitätssinn : Poesie. Fantasie und Vernunft müssen zusammenwirken. Im Land der Kunst sucht G. die Antwort, ob er als Autor eine Zukunft hat: Ja, das Wichtigste sei die Kunst, das Dichten, verstärkt auch durch Schiller.

Er möchte aus dem Leben poetische Funken schlagen, intuitiv nach einer poetischen Stimmung, während Schiller nach System schreibt.
Poesie ist freies übermütiges Rühmen gegen den kleinlichen Moralismus, erkunden, erkennen, Bedeutung enthüllen, starken Augenblicken Klang und Gestalt geben, Vergangenes in ein Bild verwandeln.
Beim Roman nimmt er sich Elemente aus einer Geschichte, um genialisch verspielt etwas Eigenes zu schaffen in einer neuen lebenspoetisierenden Sprache und trifft traumwandlerisch selbstsicher ohne zu zielen ins Schwarze.

G. ist als Poet, Zeichner und Forscher ein Lebensmodell mit 4 Säulen: Liebe und Freundschaft, Kunst und Wissenschaft. Er ist ein Genie der Lebenskunst als intuitive, gelernte, bewiesene Meisterschaft. "Alles braucht Gestalt". So ein potentiell ausgeschöpftes Leben kann als gelungen gelten, beispielhaft, möglich, blühend, saftig, reich, explosiv, wohlangewandt, genialisch.
Es ist schöpferisch bewältigt ein Werk als Ausdruck der Person. Ziel ist eben die individuelle Persönlichkeitsbildung mit allen dazugehörigen Heausforderungen.

Um ein Gefühl für G. zu bekommen braucht man ein paar tausend Worte.

Sein Selbstgefühl ist von Kindesbeinen an extrem stabil (1). Er macht als Student aus seinen Liebesfreuden und -nöten ein literarisches Lustspiel. Und sucht Ausgleich in der bildenden Kunst (2). Seine Faszination fürs Magische macht dem Glauben Konkurenz (3). Der bindungsfreie Student schäzt die Straßburger Lebensart und Herder (4). Er ist mehr in Ideen, in Shakespeare-Stücke und Friderike verliebt als in sein Jura-Studium (5). "Götz" erobert die Leser (6). Der Charmeur ist überall Zentrum. Auch bei den "Empfindsamen". Gerichts-Prozesse fließen in den "Faust". Er ist ein kühner Rezensent. Lernt Charlotte kennen (7). Wandelt seinen Konflikt in den Werther-Erfolg um (8 + 9). Die Schwester stirbt. Hat Affairen ohne Heiratsabsichten (10). Da gibt es Freundschaften, Liebschaften und gerne auch Feinde zum streiten (11). G. stellt die Lebenskunst über das Literarische. Lenz verscherzt es sich mit G. (12). Bedürftigen Schreibern gibt er sich hilfsbereit. Sucht eine Poesie-Realitäts-Balance. Versucht durch die Harz-Reise, Dinge für sich zu klären (13). Erweist sich als guter Stratege im Erbfogekrieg. In "Iphigenie" überwindet die Reinheit die sündige Welt (14). Möchte seine Vergangenheit läutern und sich erden. Dabei hilft ihm Lavater. Religion ist ihm anregende schöne Literatur (15). Betreibt philosophische und naturkundliche Studien (16). Sucht den verborgenen Knoten seines Lebens. In Italien will er eben diese, seine Wahrheit finden (17). Die Italienreise lässt den Künstler in ihm neu aufleben (18). Christiane wird seine Geliebte und bringt einen Sohn zur Welt. Schiller wird auf Distanz gehalten (19). Erlebt die Frz. Revolution und behandelt sie in Theaterstücken. Fürchtet bedrohliche Konsequenzen (20). Schiller und Goethe finden sich in idealer Ergänzung (21). Deutschland packt das literarische Fieber. Schiller wirkt am "Wilhelm Meister" mit (22). Holt den Faust hervor. Legt ein Archiv an bis der Kopf für die nächste Reise frei wird (23). Privatdilettantismus verbreitet sich. Schiller motiviert G. zum Faust (24). G. erkrankt an einer Gürtelrose. Sein bester Freund Schiller stirbt, ein schmerzlicher Verlust (25). Weimar wird betroffen vom Krieg gegen Frankreich. G. begegnet Napoleon (26). Die Farbenlehre bleibt Stückwerk (27). In den "Wahlverwandtschaften" dringt ein Verehrer in eine Venunftehe ein, wobei O. an dem Leidenschaft-Sittlichkeits-konflikt zugrunde geht (28). In seiner Autobiographie sucht er den Zentralknoten seines unermüdlichen Bildungstriebes. Sein Religionsverständnis hat vielerlei Rchtungen (29). Soll den Divan" ins Deutsche umsetzen. Lernt Marianne während einer Kur kennen. Seine Christiane stirbt (30). Definiert, was er unter Geist versteht (31). Christianes Tod setzt ihm zu. In einer Kur lernt er die junge Ulrike kennen und eine Pianistin (32). Die sich durch sein Leben ziehenden Faust-Fragmente werden schließlich als Stück aufgeführt. Mephisto will Faust vom Glauben abbringen, was ihm fast gelungen wäre (33). Bewunderer Eckermann ermöglicht Gespräche, der vielseitige Zelter ist sein letzter bester Freund. Am 22. März 1832 stirbt Goethe (34). Er ist weit gekommen.
1
Sein Großvater, Schneider der Vornehmen später Weinhändler, privatisiert, beschreibt Reisen, sammelt Bücher, Bilder. Erzieht v.a. den neugierigen, vielversprechenden Enkel Johann Wolfgang.
Hört Mozart mit 14. Die Großmutter schreibt stilsicher. Sein Vater, Doktor der Rechte, Stadtregierungs-Karriere, engagiert für den anspruchsvollen kunstsinnigen Sohn einen Hauslehrer (zeichnen, Verse schmieden, musizieren, Rechtslehre, Geo...) neidet fast seine literarischen Fortschritte, seine schnelle Beihilfe im Anwaltsbüro. Vererbt die Pedanterie, Liebhabereien konsequent auszuführen.
Die romanelesende, fabulierungslustige, lebenskluge Mutter, spinnt gerne Erzählungen fort, poetisiert Wirkliches. Pflegt Umgang mit Schauspielern.
Die fünf Geschwister (die alle früh sterben) lassen sich gern vom ältesten Bruder belehren und inszenieren Theaterstücke mit der Nachbarschaft.
Der Junge füllt seine Kladden mit sinnlich Wahrgenommenen in der Stadt, verschlingt alles Literarische, verwandelt es im Handumdrehen in Theaterstücke, dichtet Erwünschtes, liebt Fremdsprachen lernen. Ist unter Spielfreunden ideenreich und tonangebend.
2
G. denkt an die schönen Wissenschaften, doch der Vater drängt ihm ein langweiliges aber großzügiges Leipziger Jurastudium auf mit teuren Speisen, Theaterbesuchen, nobler Garderobe. Sein Verstand wird von Studenten bewundert, von Frauen geliebt.
Die Liebe zu Anna Katharina Schönkopf ("Nur durch mein Herz habe ich sie erlangt") mit einem konkurrierenden Verehrer ergibt Stoff für eine Briefflut mit dem Auf und Ab seiner Seelenzustände an den gräfischen Freund, seinem Seelenführer Behrisch.
Ausgleichend besucht er die inspirierende Kunstakademie bei Winckelmann-Freund Oeser oder taucht tagelang in Dredener Gemäldesammlungen ein und lernt die Natur durch Künstler-Augen sehen. Ein lebensgefährliches Lungenleiden verhindert den Jura-Abschluss.
3
Mit 20 krank und ratlos lässt er sich von seinem Mentor Langer und der schönen Seele Susanna von Klettenberg zu Glaubens-Versuchen anregen. Doch letztlich gilt ihm eine Religion des Herzens, mit einem rituellen, intuitiven und heiteren Lebensstil ohne trockene Moral und reumütiges Sündenbewußtsein. Zu anhänglich ist er den weltlichen und erotischen Herzensangelegenheiten.
Und bald heilt ein Wunderdoktor sein Geschwür chemisch-experimentell nach magischen Rezepten, was ihn fasziniert und dabei den Glauben etwas verdrängt, was später in den "Faust" einfließt.
4
Er holt das Examen in Straßburg nach, schätzt das Leben, die Tänze, die verzaubernde Stimmung der französischen Monarchie. Liebt den Schwindelfrei-Test der Münster-Besteigung, ohne sich sonderlich anhalten zu können.
Der inspirierende Herder sieht das Ideal im schöpferischen Individuum, Realität zu deuten und Gleichgesinnte zu suchen.
5
Ihn fasziniert das Gottvertrauen des Emporkömmlings J.H.J., die Offenbarung eines Einfalls, eines Geistesblitzes, die Erleuchtung eines symbolischen Durchblicks in eine Ganzheitlichkeit.
Der Dauerverliebte verliebt sich in Friederike B. Wolln uns zum Feuer setzen, uns tausendfach ergötzen, uns lieben wie die Engelein. Er ist seine eigene Romanfigur, die das Leben literarisiert und einen schmerzlichen Abschied beweint.
Lobt in einer Festrede das neue Dichten des kultigen Shakespeare. Die lebensvollen Charaktere, das gesteigerte Daseinsgefühl, den unermesslichen Lebens-Reichtum, die beschwörende Lust daran, und die lebhafte Horzonterweiterung, die Welt, die Menschheit und sich selbst kennenzulernen.
6
Leicht findet er durch Beziehungen einen Advokaten-Platz, führt 28 Prozesse und lässt sie in den "Götz" fließen, mit dem er das deutsche Lesepublikum erobert. Ein verstrickter Ritter der Reformation und des Bauernkrieges, kraftvoll, originell, freiheitsliebend, stößt sich an der kleinlich geregelten bürgerlichen Realität. Shakespeare-nachfolgeverdächtiges Weltgeschichts-Theater.
7
Lernt die "Die Empfindsamen" kennen, die im Sinne Klopstocks oder Rousseaus das Empfinden empfinden wollen.
Als Reichskammergerichts-Praktikant ist das vielversprechende Talent unter jungen Juristen wie immer Mittelpunkt mit sonorer Stimme vorlesend (Homer...Shakesp.) oder im Grase unterm Baum philosophisch dialogisierend. Prozesse fließen in die faust'sche Gretchen-Tragödie.
Als Rezensent in einer Gelehrtenzeitung ist er wie erwünscht witzig oder respektlos und nennt ein Philosophenwerk schon mal "armseliges Gewäsch". Man beachte mehr die problemüberwindende Kraft eines Künstlers, statt in einem Palast aus Kultur zu verweichlichen.
Der ideale Liebhaber gleiche einem munteren Jüngling und spielführenden Gesellschafter, der freudig singend der besten Tänzerin die Hand reicht, die gütig und anmutig sei, graziös und unwiderstehlich - so wie die schon verlobte Charlotte. Buff !
8 + 9
Der ins Verlieben Verliebte verliebt sich in die ungewinnbare verlobte (Char)Lotte. Als "Werther", beeinflusst auch durch die melancholische englische Literatur-Mode, zieht er den Leser in die inneren Qualen seines Selbsverlustes bis zum Suizid. Das in einem Zug von der Seele Geschriebene macht Epoche wie kein anderes Literaturwerk und macht G. bis zum Ende international zum Werther-Autor. Es gibt einen Personen- und Geniekult, eine Geniezeit.
Dem Star G. fliegt im Hochgefühl seines poetischen Potentials alles zu, er ist grenzenlos produktiv, einfallsreich, witzig, formulierungslustig.
10
Schwester C., nur an Literatur und Kunst interessiert, scheitert an der Hausfrauen- und Mutterrolle und stirbt an ihrer zweiten Tochtergeburt.
G. setzt sich mit dem berühmten Züricher Prediger Lavater mit dem Leben nach dem Tod auseinander. Arbeitet an dessen physiognomischen Werk mit, dem Zusammenhang zwischen Gestalt und Charakter, was Schule macht.
Seine zwei Affairen regt G. zu dem Stück "Stella" an. Sommertage mit der umworbenen, klugen Lili auf dem Landgut ihres Onkels, wieder ohne "Glockengebrumm, Kutschengerassel, Leut Gesumm", die behäbige Bürger-Enge nicht ertragend. Dann gibt es eine lähmende Leere, weil alles so widerstandslos gelingt. Von Weimar verspricht er sich ein anderes Leben, möchte die Dinge ernsthafter, substantieller angehen und entwickelt gar einen pedantischen Zug.
11
Schlittschuh-Kreiseziehen und Ausritte mit dem Sturm und Drang infizierten Herzog Karl August der ihn durch ein Amt in Weimar fest etabliert. G. ist der Mittelpunkt, Anreger, Ideengeber, Spielmacher (erzählen, vorlesen, schauspielern). Wird gehätschelt, was nicht allen recht ist, etwa der dem Dichter Klopstock, der ihn, G., zurückweist. Macht sich gern Feinde, um sich zu streiten, etwa mit Wieland (Weimarer geistiges Oberhaupt). Später versöhnen sie sich. Bevorzugt die hübsche, gebildete Anna A. Schreibt 1,5Tsd (!) schwärmerische, sprachspielerisch kokette Briefe an die verheiratete auf ihn besänftigend wirkende und sehr auf ihren Ruf bedachte Charlotte v. Stein. Besucht beide. Dazu noch die schöne Schaupielerin Corona S.
12
Im Nachhinein fühlen sich die überflugartigen Studentenleben-Exzesse leer an, ohne Handlungsschwergewichte und Bodenhaftung. So beteiligt er sich zunehmend an seiösen Regierungsgeschäften als Versuch, sich in der soliden Kunst der rechten Welterfahrenheit zu üben.
Aus finanzieller Not macht sich der komplexbehaftete Lenz bei G. nützlich, beweist aber wenig gesellschaftliches Geschick. Als er in seinem Roman auf G. anspielt, von dem er sich vernachlässigt, ja verraten fühlt, kommt es zu Spannungen und zur Trennung. Danach ist Lenz literarisch gescheitert, und sein Leben endet tragisch.
13
G. zeigt sich mitfühlend und großzügig gegenüber bedürftigen Schreibern, die sich für Dienste bei ihm bewerben, sofern sie keine politischen Menschenverbesserer sind oder sich seiner Ratschläge nicht einsichtig erweisen.
Er sucht die Ballance (vgl. "Wilhelm Meister") zwischen beflügelnder Poesie und realistischer Nüchternheit, wird zugeknöpfter, aber weiser.
Nach der betäubenden Nachricht vom Tod der Schwester, der nicht zu helfen war, reitet er durch den Harz gegen Hagel, Schnee und Sturmgepfeif trotzend. Sucht durch ein riskantes Brockenbesteigungs-Gipfelerlebnis ein bestärkendes Götterzeichen zum Regieren und Dichten. Bergab bieten sich dem künftigen Farbentheoretiker unvergessliche abendliche Farblichtspiele. Als Bergbau-Intendant sammelt er zudem Bergwerk-Instandsetzungs-Kenntnisse (Baumannshöhle).
14
Im bayerischen Erbfolgekrieg soll G. die Kriegskommision leiten und erweist sich als vorsichtig agierender und souveräner Stratege.
Derweil schreibt er der Herzogin zum Geburtsag das erbauliche Theaterstück Iphigenie. Dass auch der reine, innerlich reiche Mensch verflochten sei mit der sündigen Welt und mit seinem Reinheitsappell ohne List den Kreislauf der Vergeltung durchbrechen kann.
15
Vor Weimar verschreibt er sich einer Reinigungs-Idee, künftig die Dinge ernsthafter, disziplinierter und sachgerechter anzugehen und trennt Poesie und Realität, um sich zu erden.
Reist als 30-jähriger Geheimrat mit dem Herzog 2 Wochen zu dem herzlichen und unbekümmerten Reinheits-Apostel Lavater, was sich erfrischend und läuternd erweist und bereinigt darauf Vergangenes u.a. bei Friderike, Lili und Charlotte.
Nach der Reise in die Schweizer Hochalpen und dem Ilmenauer Bergwerk mit dem Herzog drückt sich diese intensive Beruhigung in "Über allen Gipfeln ist Ruh" aus.
Später kommt es jedoch zu einer Entfremdung, da sich Lavater allzu unkritisch mit einem aufsteigenden Mystiker einläßt.
G. sieht in der Religion mehr die Vorbildlichkeit Jesu, die Poesie, die inspirierende Weisheit, die Ästhetik, die regulierende Kraft. Wohl zu verhaftet ist er im sinnlich Erfahrbaren und dem Gefühl des übermütigen Selbstes.
16
G., sich Gelassenheit erhoffend, lässt sich von J. in die weltliche Spinoza-Philosophie einführen (besser: entführen), bei Fichte gehts um subjektive Selbsterfahrung, Bewußtheit, glaubendes Wissen und Erfahrbares zu überschreiten.
G. bevorzugt die sinnliche Anschauung, studiert Mineralogie, Anatomie, Pflanzenkunde für die Bergwerk-Kommision und die herzogliche Beratung.
17
G. braucht auch mit zeitweiligem Unmut auf dem Zenit seiner vielfältigen Amtsaufgaben (Mlitär, Wegebau,Bergbau, Finanzen, Zeichenakademie, Festgestalter) die herausfordernde Zurüstung im Welt-Erkennen und Bilden von Fähigkeiten für seine Dichtung und sucht dadurch den "verborgenen Knoten" seines gesellschaftlichen, politischen, moralischen und poetischen Lebens.
Privat hat er den Amtsleuten nicht viel zu sagen, eigendlich sei er Privatmensch, Schriftsteller, der ganz in seiner Sache leben müsste.
So delegiert er kurzerhand die Geschäfte und möchte unabhängig von der Entscheidung (Zerredung) des Herzogs inkognito im längerem mit Leib und Seele ersehnten Italien-Urlaub Abstand und Wahrheit suchen und einige Werke abschließen. Was ihm der irritierte Herzog letztlich nachsieht, Charlotte jedoch ncht.
18
Er erhofft sich von seiner Italienreise seelische Erhellung.
Belebtes Amphitheater Verona. Feierliches Venedig. Genussreiche Künste in Florenz.
In Rom unter jungen Malern (u.a. Tischbein), Modelle beschauen, endlose Kunsterlebnisse, kunstbeflissen betrachtet, zeichnen lernen. Potentielle Monumente, prächtige Palladio-Bauten, turbulentes Straßenleben. Absichtslose Anbandelungen, viele Künstler-Bekanntschaften. Den Herzog brieflich um entgültige Dienst-Befreiung bitten.
Neapels verzaubernde Natur, brodelnder Vesuv. Trunken-selbstvergessenes Volksleben, das arbeitet, um zu genießen. Noble Kunstsammler, bekanntwerden mit der geistigen und künstlerischen Elite.
Den "Egmont" abschließen, seine Identitäts-Figur, lebenslustig, genießerisch, freundlich, unbekümmert, spontan, hingebungsvoll, frei, energisch, selbstbewusst, einnehmend, beliebt, begehrt. Dieser gerät in die Falle des kühl berechnenden Politikers mit der Logik der ordnungsstiftenden Sorge und Herrschaft. Der lustbetonte Lebenskünstler, der das Einmalige und Lebendige liebt, möchte nicht von ihm sein Wohl bestimmen lassen. Poet sein reicht nicht, es braucht den Geheimrat, um ein kluger Weltmann zu werden.
19
Schwerer Rom-Abschied, schon wegen des Wetters.
Christiane, eine Bittstellerin (ihres Bruders zuliebe, ihm bekannt vom Jurastudium) wird seine Geliebte und gebiert August unehelich knapp am Skandal vorbei. Er schreibt römisch-antik-veredelte Erotik-Gedichte.
Schiller erkundet Weimar als Wohnort, hofft auf ein Amt vom Herog und insgeheim auf eine Zusammenarbeit mit G., der aber noch in Italien weilt. Schon bei einer früheren Begegnung fühlte er sich vom vorichtig gewordenen G. (der "Die Räuber" nicht mochte) auf Distanz gehalten. Zudem auch noch übertölpelt, da er nach einem Lehrstuhl in Jena gerufen wird (auf G.s Initiative hin).
20
Der wohlgesonnene Herzog verändert Aufgaben zu G.s Gunsten. Als die Frz. Revolution anbricht, soll er den Herzog (dankesschuldig) begleiten. Der todesmutige G. schildert seine Empfindungen mit dem Pferd im Kugelhagel bei Valmy. In fiebriger Hitze verschlungen, donnern, heulen, pfeifen, schmettern. Regen, Schlamm, Unterkunfts- und Versorunsnot, Krankheit, Rückzug, Tod und Auferstehung.
Es folgt eine erfolgreiche Theater-Posse über die Folgen der Revolution. G. sieht die Ursache in der aristokratischen Dekadenz, den mit Hass und Neid aufgestauten rohen Eigennutz der Massen, den nicht von innen her ausgebildeten und urteilsfähigen Bürger und fürchtet bedrohliche Konsequenzen für Deutschland und sich selbst.
Als die Franzosen Mainz belagern und beschießen ist der schockierte G. kaum in der Lage, beruhigend einzuwirken und behilft sich mit der Interpretation des Tierepos "Reinecke Fuchs", den boshaften Menschen in einer nichtswürdigen Welt.
21
G. gewinnt den Philosophen Fichte, der den Gestaltungs-Impuls betont. Philosophie bahnt die vielversprechende Freundschaft mit Schiller. Dieser bittet Goethe ins öffentliche Forum seines Zeitschriften-Projekts, ein deutsches Kulturorgan. Er ist wie ein Aufblühen eines neuen Frühlings. Da werden zwei Hälften zu einem Kreis. Sie treffen sich auch bei den Humboldts. Sprechen über Natur und Kunst. Das pflanzlich-organische Ur-Muster beschäftigt sie.
22
Literatur wird zu einem mächtigen Leitmedium, besonders in Deutschland steigt das Lese- und Schreibfieber, Autoren werten ihren Existenzbeweis dicht, dramatisch und atmosphärisch auf und werden Stars.
G. erlebt durch Schiller eine zweite poetische Jugend und bittet ihn um die sich als vortrefflich erweisende Mitwirkung am "Wilhelm Meister". Dieser verspielte Wilhelm (sprich G.) möchte in einer freimaurerartigen Turmgesellschaft herausfinden, was eigener Wille ist , was Schicksal, was Manipulation.
23
Aus einer Bilanz-Stimmung wird Vergangenes, Verklungenes immer wirklicher. Verstreute, Verstorbene sollen aufleben im "Faust", dem Gelehrten und Mädchenverführer im Zwiespalt des Animalischen und Göttlichen. Schwirrenden Kopfes öffnen sich G. ungeheure Ideenströme zu einer Welt, die Schiller hilfreich deuten kann.
Angesichts der überwältigenden Fülle des Erfahrbaren sammelt G. pedantisch in einem Archiv-System alle Dokus und Notizen, bis sich wieder die Welt-Entdeckungs-Leichtigkeit einstellt: Dichte poetisch-lusterweckende Momente von Revolutionsspuren und Kindheitserinnerungen in Frankfurt, Schiller-Freunde in Stuttgart, erklommene Gotthardpass-Höhen, durchwanderte "Tell"-Gegenden am Zürichsee, eine Inspiration für Schiller.
24
Laienhafter Privatdilettantismus macht sich breit im Musizieren, Schauspielen, Dichten, Zeichnen, was ja auch zur wahren Kunst heranführen kann. Man typisiert sie etwa als die unfertigen Skizzisten, detailverlorenen Punktierer, verspielten Schlängler oder reduzierende Skelettisten.
Schiller bewegt G. wieder zum Faust, der Figur, die vom Reinen abfällt. Gleichzeitig lockt das hohe Verlags-Honorar. Doch das Stück bleibt fragmentarisch.
25
G. erkrankt schwer an einer Gürtelrose, kämpft mit dem Tod, empfindet sich wochenlang wie in einer Landschaft aufgelöst. Nach seiner Gesundung begrüßt man ihn überall wie einen Auferstandenen.
Schiller zeigt G. durch Ausschlagen einer lukrativen Berliner Anstellung wie sehr er zu G. steht. Nach dem gemeinsam erarbeiteten Riesenerfolg "Tell" erkrankt Schiller schwer (u.a. Lunge) und lässt G. nichts Gutes ahnen. Dieser deckt ihn, um dem Tod keine Macht über das Leben zu geben, mit Übersetzungsarbeit ein. G. erfährt es durch Christiane und schlägt die Hände vors Gesicht. Schillers Beerdigung bleibt G. wegen Krankheit fern. Und schreibt Zelter, er habe die Hälfte seines Daseins verloren. Schillers ansteckender Enthusiasmus fehlt. Sein Verlust schmerzt, betäubt, lähmt. Wird zum Beziehungs-Maßstab. Belebende Differenzen mit ihm sind mit anderen bedrückend.
26
Sehr einschneidend, Preußens Niederlage gegen Napoleon bei Jena, die Plünderung Weimars durch die Franzosen. Preußen erklärt Frankreich den Krieg. Kanonenkugeln fliegen durch Dächer. G. regelt Eigentumsverhältnisse, heiratet Christiane, publiziert entschlossener.
Um des Friedens Willen nimmt er die napoleonische Vorherrschaft als gottgegeben hin, ist andererseits auch fasziniert von Napoleon, der sich, bewundert, gehasst, über die Weltgeschichte emporschwingt. Napoleon wird auf G. aufmerksam, ordert ihn zu einer Audienz. Im Rahmen eines Fürstenkongresses spricht er mit G. über persönliche Verhältnisse, das Fürstenhaus, den geliebten Werther, der ihm gemäß, und warum G. sich eines Kunstgriffs bediente. G. fühlt sich von einem freundlichen, gnädigen Herrn geehrt, durch den Orden der Ehrenlegion.
27
Die Farbenlehre-Kladden schwillen mit Beobachtungen an, wo die Synthese bei weiß beginnt, gelb und blau aus polarem Gegenspiel sich rötlich steigern, verschattet oder aufgehellt sich grün mischen und den Farbkreis schließen. Natur wirke wie Licht wirke, Farbe wirke.
Doch bleiben diese Forschungen Stückwerk eines allzu sinnlichen Erkennens. Wenn auch die kompementären Nachbilder Anerkennung finden, so geht die Farbenlehre der dazu schweigenden Wissenschaft nicht auf, so geistvoll und empfindungsreich sie sein mag (So sehr sie auch Maler inspiriert).
28
Die "Wahlverwandtschaften" hält er für eines seiner besten Werke. Wieviel Chemie ist in der Liebe und in der Seelenverwandtschaft, wie viel Entscheidung? Da sind unbewusste leidenschaftliche Triebe und Schicksalsmächte beteiligt. Charakter als Schicksal. Eine Vernunftehe will sich die Leere nicht eingestehen bis ein Verehrer ein neues Kraftfeld bildet. Es ist der Magnetismus der Geschlechterliebe. Zwei Paare tauschen sich, weil die Anziehung so groß ist. Die Naturkraft des Schicksals greift durch. Zwei Hälften bewegen sich aufeinander zu im Kraftfeld der Liebe. Da ist das Verlangen nach Vollständigkeit, das Fusionieren, eine Zugehörigkeit, eine zwingende Naturmacht. Es geht um die Spannung, Leidenschaft mit Sittlichkeit zu binden. O. wird zur tragischen Figur in diesem Natur-Kultur-Konflikt. Ohne gefährliche Leidenschaften gäbe es auch nichts zu beherrschen.
29
Die Autobiographie "rettet ihn aus dem Wasser, um sich abzutrocknen". Grund sind auch verstorbene Freunde. Sucht den Zentralknoten seines fortwirkenden poetischen Bildungstriebes. Alles muss Gestalt annehmen, zum Werk werden. Man erkennt sich auch durch Widersacher. Lebenskunst braucht Wissen. Das dichterische Vermögen zeigt die innere Logik der Person. Wahrheit und Bedeutung zeigt sich erst in der Reflexion, dem poetischen Auge. Die Vogelperspektive setzt den Blick frei.
Innerer Leere entkommt er durch Aufgaben. Freunde fordern zu religiösen Fragen heraus. Sein Religionsverhältnis hat vielerlei Richtungen. Schätzt die Symbolkraft der katholischen Sakramente. Glaubt an eine produktive sich ewig fortsetzende Seele. Das Dämonische hätte eine Anziehungskraft auf die Massen (denkt an Napoleon) Es gäbe dämonische Naturen von ungeheurer Tatkraft.
30
Von Cotta, dem Verlag, erhält G, schon mit arabischer und persischer Kultur vertraut, den Divan" des persischen theologischen Dichters Hafis. Und bearbeitet ihn zum deutschen Divan", inspiriert, Gelebtes wieder mehr mit Fantasie zu verknüpfen.
Während einer Wiesbadener Kur lernt er die Pflegetochter eines Freundes kennen, eine begabte 29jährige Tänzerin Marianne, poetisch, musikalisch, die, hochbeglückt, G. einen fantasievollen (gesanglichen, symbolisch dekorativen) Geburtstag bereitet. Dabei tauschen sie intime Chiffre-Briefchen und später erotische Gedichte aus "So zärtlich war Suleika. Alles Erdenglück vereint find ich in Suleiken nur". Der vortrefflich kurierte G. erhält die Abschiedszeilen:"Als den Besten muss man Dich lieben, wärst Du nur bei uns geblieben".
Dann stirbt seine Christiane. Es deutete sich schon nach Monaten an (Krämpfe, Blutstürze). Sie war umsorgend, liebevoll, lebenslustig, theatervernarrt. Dieser schmerzliche Verlust erinnert an Schiller."Leere und Totenstille in und außer mir".
31
Geist überschaut das Weltwesen, ist Talente-Gebrauch, Gelassenheit, Zusammenhang, Transparenz, Symbolisierung, ist Liebe, die wirkt, durchdringt, ins Helle treibt, sich selbst begreift. Er wird jedoch getrübt und betrogen im geschwätzigen und verfänglichen Gesellschaftsgetriebe. Dies behandelt die "Wanderjahre": Ist es besser ein solcher poetischer Universalist zu sein oder ein nüchterner Spezialist?
32
Nach Christianes Tod ein depressiver Winter, ein Leben aus Papier. Gäste gehen ein und aus, darunter Minister und gekrönte Häupter, doch manchmal sitzt man in seinem offenen Haus nur schweigend zusammen. Bis der alte Repräsentant wieder anstrebt, sich zu erneuern, zu verjüngen.
In der Kur zu Karlsbad und Teplitz der Prominenz begegnen aus Politik, Wissenschaft und Kunst. Beethoven, diese "gnadenlose Künstlernatur", beeindruckt tief auf dem Klaviere.
Im sonnigen Marienbad heiterer Geselligkeit begegnet der 73jährige der Tochter einer Jugendliebe. Ulrike, 17 Lenze jung, ein schlank Gebild aus lichtem Duft. Flanieren, tafeln, abends auf den Ball. Gesellschaftsspiele, um Worte Geschichten finden, mal anzüglich, aber unverfänglich. Doch ohne Andeutung einer aussichtsreichen Heirat muss für den Verliebten wieder Abschied sein. So ist dem Götterkinde das liebend Herz entbunden und verstummt in seiner Qual. Verschlossen ist die Liebespforte, verdrossen der düstere Pfad. O kurzes Glück, gefühlsleer, verloren in sich selbst. Liebe, Alter, Flut und Ebbe, ein Kommen und ein Gehen.
Da lernt er noch die Pianistin M. kennen, die für ihn spielt, europaweit gefeiert, anmutig, hochgebildet, in den Dreißigern, verwitwet. Und wieder Lebwohl, um Fassung ringend, sprachlos umarmend, mit Blicken segnend, wissend, nun wirklich zu alt zu sein.
33
Der Faust zieht sich seit Kindertagen durch G.s Leben, ein berühmter Kinderschreck aus dem Märchenbuch, den der Teufel holt. G. verbindet mit dieser Figur die Gretchen-Tragödie. Die entstehenden Faust-Fragmente werden ständig verändert aufgeführt. Man findet sie interpretationsbedürftig und deutet allerlei hinein, statt sich, so G, nur den Eindrücken hinzugeben, sich rühren, erheben, anregen zu lassen. Es geht um den zwielichtigen Menschen schlechthin, der gegen das Böse durch eine Feuerprobe bestehen muss.
Faust will begreifen, was die Welt im Innersten zusammenhält, suchen, was die Welt nicht geben kann, beweisen, nicht vom geistigen Urquell abzukommen, fühlt sich jedoch nach allem Studieren unbefriedigt. Mephisto wettet, Faust von seiner Gottsuche abzubringen und seine spirituelle Dimension zu verraten durch ein Höchstmaß an Genuss und Weltverbrauch. Nur hinaus ins volle Leben.
Er verschafft ihm Gretchen, gedacht als Sexualobjekt, in das sich Faust aber verliebt. Und er wird ein einflussreicher Mann, ein Karrierist, der mit seinem Mephisto-Schatten jedoch ermüdet, gerecht zu sein, schließlich über Leichen geht und sich in Schuld verstrickt, die ihn nah ans Grab bringt, das ihm der abgründige Mephisto schaufelt. Lauernd, den Unsterblichen zu schnappen als die Engel dabei sind, ihn zu holen, macht Mephisto den Fehler durch ein lüsternes Begehren eines Engels den entscheidenden Moment zu verpassen, so dass Faust doch noch gerettet werden kann.
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Eckermann, Emporkömmling und Goethe-Bewunderer mit Schriftsteller-Ambitionen lässt sich bei G. mit Vorarbeiten beschäftigen. Und ermöglicht die "Gespräche mit Goethe", der beschwingt den göttlich begabten alles veredelnden Schiller rühmt oder die Rationalität der Zeitenwende beklagt, in der das Nützlichkeitsdenken im Industriezeitalter triumphiert.
Der einflussreiche, vielseitige, kluge Baumeister Zelter, u.a. Komponist, G.-Gedichte-Vertoner und Organisator von Singakademien, gilt zuletzt als G.s bester Freund und pflegt regen, vertraulichen Briefwechsel mit ihm.
Zum 82. Geburtstag noch einmal Ilmenau, einst Ort der Mineralstudien im Stollen, der Iphigenie-Dichtung, des großen Geburtstagsfestes mit verschwiegenem Liebesglück. Dort findet er an der Zimmerwand noch sein "Über allen Gipfeln ist Ruh" und ist gerührt: Zu Hause erfassen ihn später Wellen von Schmerzen, Fieber und Todesangst. Schließlich wieder beruhigt in seinem Lehnstuhl stirbt Goethe.

Die Welt poetisch und naturwissenschaftlich begreifen, der schöpferischen Intuition vertrauen. Festlich speisen, nicht bloß die Karte studieren. Wirklichkeit durch Kunst ertragen. Freiheit schöpferisch gebrauchen. So weit ist er damit gekommen, dass alle in seinem Schatten stehen.
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18 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nichts Neues - und das auch etwas überheblich und schludrig, 25. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Zum meinem Titel ist nicht viel hinzuzufügen! Es gibt viele Biographien, die besser sind: Conrady und auch der "alte", aber doch noch junge Friedenthal, an den sich Safranski vom Grundtenor annähert. So fehlen mir beispielsweise an vielen Stellen die Basisinformationen zu Personen, die eine Einordnung erlauben würden: wie viel älter oder jünger waren die Menschen, die Goethe begegnet sind oder ihn geprägt haben wie Herder oder Susanne von Klettenberg. Hier wäre ein Personenregister hilfreich - eine gute Biographie müsste man ohne den "Hilpert" eigentlich lesen können. Aber das scheint den Autor nicht zu scheren. Ich habe einiges von Safranksi mit Gewinn und Freude gelesen - dieses Buch leider nicht!
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5.0 von 5 Sternen Goethe lebt danke!, 11. September 2014
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Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Toll hier würd Goethe für mich wider lebendig!
Das Buch ist leicht verständlich und angenehm zu Lesen und bleibt drotzdem ineressant.
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5.0 von 5 Sternen Biographie, 22. September 2014
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Ich bin sehr zufrieden, die Verpackung war in Ordnung, der Sendetermin stimmte auch
Und die Qualität ist nicht zu beanstanden
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Beste, was ich je über Goethes Leben gelesen habe., 15. September 2013
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Das Beste, was ich je über Goethes Leben gelesen habe.
Verständlich und eindringlich geschrieben, gibt es sehr viele Anregungen um über das eigene Leben nachzudenken.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Goethe und Safranski - eine wirklich gute Kombination, 20. September 2013
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Der gesamte Aufbau und die Schilderung, sowie die in kursiv gedruckten tatsächlichen Aussagen und Schriften von Goethe machen das Lesen leicht. Die Bücher von Safranski sind Alle lesenswert.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unübersichtlich, tröge und blutleer!, 1. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Ständig tauchen im Text neue Personen auf, ohne dass sie ausreichend und lebendig beschrieben werden. Das macht den ganzen Text unübersichtlich und auch ein bisschen wirr. Ich frage mich, wie man es als Autor schafft, eine so spannende Lebensgeschichte auf so tröge und blutleere Art und Weise wiederzugeben.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen goethe - kunstwerk des lebens von rüdiger safranski, 25. Mai 2014
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Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Leben und Werk Goethes werden auf zeitangemessene, gleichwohl moderne Weise gewürdigt. Der Stil des Autors hat Tiefgang und ist zugleich angenehm. Auf so ein Buch habe ich schon lange gewartet. Ich würde es jedem Goethefreund empfehlen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie, 14. Mai 2014
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Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Habe dieses Buch an meinen Sohn verschenkt. Er hat es wie viele Bücher von dem Autor R. Safranski als sehr interessant geschrieben gefunden.
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Goethe -  Kunstwerk des Lebens: Biografie
Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie von Rüdiger Safranski (Gebundene Ausgabe - 26. August 2013)
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