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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glanz und Elend des Systems "Stalin"
Moskau 1937, eine neue Stadt für den neuen Menschen soll gemäss Stalins Generalplan errichtet werden. Dafür stehen der - nur begonnene - 400 m hohe Palast der Sowjets (Umschlagbild), die Metro, der Moskwa-Wolgakanal. Es fanden u.a. statt: der zweite Schauprozess (mit Karl Radek), die Feiern zu Puschkins 100. Todestag und zum 20. Jahrestag der...
Veröffentlicht am 20. Januar 2009 von Heinz Abler

versus
21 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Licht und Schatten
Ein wichtiges Thema, zweifellos. Irritierend ist jedoch die Form der Darstellung: In dem Band wimmelt es von Fehlern und Stilblüten (ich kam bei flüchtiger Zählung auf weit über 200). Es ist die Rede von "überfälligen Problemen", es gibt "Formen, in denen die hauptstädtische Gesellschaft miteinander in Beziehung mit sich selbst tritt",...
Veröffentlicht am 7. Mai 2009 von Delwig


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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glanz und Elend des Systems "Stalin", 20. Januar 2009
Von 
Heinz Abler "habler" (Winterthur, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Moskau 1937, eine neue Stadt für den neuen Menschen soll gemäss Stalins Generalplan errichtet werden. Dafür stehen der - nur begonnene - 400 m hohe Palast der Sowjets (Umschlagbild), die Metro, der Moskwa-Wolgakanal. Es fanden u.a. statt: der zweite Schauprozess (mit Karl Radek), die Feiern zu Puschkins 100. Todestag und zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution, das Plenum des Zentralkomitees der KPdSU, die Eröffnung des erwähnten 128 km langen Verbindungskanals Moskwa-Wolga, der internationale Geologenkongress. Ausser Landes befand man sich mitten im Spanischen Bürgerkrieg und in Paris zeigte man die Errungenschaften Stalins anlässlich der Weltausstellung in einem überdimensionierten Pavillon vor, gleich gegenüber Speers nazideutscher Variante. Im Sommer fand die Turnerparade auf dem Roten Platz als Feier der schönen, kräftigen und kämpferischen kommunistischen Jugend statt, mithin der Vorstellung des neuen Menschen. Helden, seien es Flieger oder Polarforscher glänzten mit Rekord- und Pionierleistungen. Doch wehe, wenn der Schattenwurf der Helden den Woschd (Führer) zu erfassen drohte. Dann wurde aus einem Helden sehr schnell ein Schädling. In einem System, wo die Natur gebändigt ist, wo es weder Unfall noch Unglück gibt, sind Saboteure und Schädlinge leicht zu finden. Viele Emigranten der Komintern schliesslich, die zu tausenden in Moskau Zuflucht suchten, standen als Ausländer ohnehin unter Generalverdacht und wurden demnach der Spionage bezichtigt.
Hunderttausende wurden in den Gulag deportiert oder erschossen. Stalin trieb den blindwütigen NKWD-Chef Jeschow zu Sonderleistungen an, um ihn selber schliesslich dem Henker zu überantworten. Geschützt war niemand, nicht der altgediente Parteifunktionär, nicht Wissenschenschaftler, Militär, Künstler, Ingenieur, Held, nicht der einfache Mensch. Das jährliche Erscheinen des Moskauer Adressbuches wurde 1937 eingestellt...
Damit wird 1937 als Schreckenschiffre in die auch so schon an Grausamkeiten reiche Sowjetgeschichte eingeschrieben.
Karl Schlögel hat, begünstigt durch die seit den 90er Jahren erfolgte Öffnung von Archiven, eine immense Menge von Dokumenten gesichtet und gewichtet.
Unter dem Buchtitel "Terror und Traum" schaut er nun auf diese Stadt, indem er uns einmal mehr brillant erzählend zeigt, dass Historie stets auch einen Raum in der Zeit hat. Diesen erkunden wir zu Beginn in Begleitung der über Moskau fliegenden Margarita (aus M. Bulgakows Schlüsselroman "Der Meister und Margarita"). Die Konzentration auf ein Jahr und einen Ort erzeugt beim Leser eine Ahnung von Gleichzeitigkeit der Vorgänge und dem Zusammenhang von Ort und Ereignis. Zumal in einer Stadt, in welcher gemäss Generalplan Ideologie, Gesellschaft und der dazu eingepasste neue Mensch abgebildet werden soll. In Wirklichkeit verbleiben, wie Schlögel meint, physische und seelische Erschöpfung des "real" existierenden Menschen, schon diesseits der terroristischen Gewalt, in einem zerrütteten Alltag.
M.E. gibt es kaum Besseres über den Stalinismus zu lesen.
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33 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr als ein Mensch glauben kann, 11. Februar 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Ein Schulfreund hatte mir dieses Buch empfohlen - mit der Bemerkung: Wenn er das, was in diesem in jeder Hinsicht schwergewichtigem Werk dokumentiert wird, zu DDR-Zeiten gewußt hätte, wäre auch er seinerzeit auf und davon. Und ich habe jetzt verstanden, daß der Anfang vom Ende des "Sowjetkommunismus" mit seinen späteren osteuropäischen Spielarten bereits im Jahr 1937 in Moskau begann und seinerzeit eine unumkehrbare Gestalt annahm. Daß diese Welt noch bis Ende der 80er Jahre überlebte, haben wir ausgerechnet der Nazi-Ära zu verdanken. Diese Barberei hat die vorangegangene Massenvernichtung so "unbedeutend" gemacht, daß die Menschen in der Sowjetunion nun im Kampf gegen den Faschismus zusammenrücken mußten. Besonders perfide ist in diesem Zusammenhang, daß Hitlers Liste für die Liquidierung der in Moskau lebenden Kommunisten aus aller Welt, bereits von Stalin weitgehend abgehakt worden war.

Doch bei dem Buch geht es vor allem um das Jahr 1937. Mit dem Anspruch, alles für das Wohl des Volkes zu tun, werden in jener Zeit alle, die da noch eine Frage nach dem Wie hatten, als Vaterlandsverräter verhaftet und dann entweder in den Todeslagern gequält oder sofort erschossen. Ganz egal ob sie nun wirkliche Querulantern waren oder nicht. Ein nicht sehr russischer Name konnte für das Schicksal ebenso entscheidend sein, wie der Neid eines Nachbarn. In der DDR hat man die Wahlen einfach gefälscht, in der Sowjetunion hat man es sich damals nicht so leicht gemacht. Man tötete im Vorfeld die vermeintlichen Nein-Sager. Die Stalinsche Politik war so weise und stark, daß es eigentlich keinerlei Pannen in der Versorgung, Unfälle zu Wasser, zu Luft oder auf der Schiene hätte geben dürfen. Wenn nun doch täglich die Zeitungen davon berichteten, dann war das ausschließlich das Werk von Volksfeinden. Die Moskauer Zentrale reagierte nicht nur mit detaillierten Anleitungen zur Feinderkennung, sondern setzte auch die Quoten für Lagerhaft und Massenmord fest. Die Handlanger vor Ort erfüllten diese "Pläne" mit bürokratischer Genauigkeit und baten die Zentrale darum, noch ein paar Zig-Tausend mehr potientelle Volksfeinde liquidieren zu dürfen, um so als besonders treu ergebene Genossen zu glänzen. Mitunter war das auch eine profane Methode um wieder Platz in überfüllten Gefängnissen zu machen, oder ein Mittel im Kampf die katastrophalen Wohnungsprobleme zu lösen. Als man schließlich so viele Menschen umgebracht hatte, daß ganze Ministerien und Produktionszweige allein aus Personalmangel nicht mehr funktionierten, da kamen dann die Mörder selbst an die Reihe. Nicht, daß man ihren brutalen Terror beklagte - nein, die Treffergenauigkeit machte Stalin sorgen.
Wir wußten ja, daß es unter Stalin schlimme, schlimme Zeiten gab, aber daß sie so furchtbar, so grausam, so böse waren, wurde erst in den letzten Jahren ansatzweise bekannt, als in Moskau die Geheimarchive geöffnet wurden. Diese Dokumente bilden wohl auch die Grundlage für dieses erschütternde Buch von Karl Schlögel. Obwohl gegliedert, wie sich das für einen Wissenschaftler gehört, machte sein Buch auf mich mitunter einen etwas unaufgeräumten Eindruck. Doch es ist sein außerordentliches Verdienst, die russischen Dokumente für uns Deutsche überhaupt lesbar gemacht zu haben. Danke Karl Schlögel.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gemischter Eindruck!, 31. März 2009
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Mit dem Terror der großen Säuberungen habe ich mich - als Laie - schon sehr lange befasst. Angefangen hat alles mit Gespräche mit Stalin. Mich haben persönlich vor allem die Memoiren von Schostakowitsch in diesem Zusammenhang beeindruckt (Die Memoiren des Dmitri Schostakowitsch, die ich jedem nur empfehlen kann, der vielleicht selbst ein wenig erleben möchte, worum es bei diesem Thema geht.

Das vorliegende Werk ist insoweit verdienstvoll, als es in Zeiten der Stalin-Renaissance in Russland und der üblichen Vergeber und Vergesser auf den mörderischen Kern des Systems mit großer Faktendichte hinweist. Der Autor entwickelt vor dem Leser beeindruckend, wie alle Organisationsprobleme der Sowjetunion, alle Störungen bei der ökonomischen Entwicklung usw. mit dem Wirken von Schädlingen erklärt wurden, deren Ausschaltung zugleich als einzige Lösung zur Behebung der Probleme angesehen wurde. Beeindruckend ist die Schilderung des Parteitags in 1937, wo die Deligierten wie ein Schwarm Haifische darauf lauern, welches der Präsidiumsmitglieder zur Hatz freigegeben wird und welches nicht. Absurd und erschütternd sind auch die Ergebnisse der Volkszählung 1937, die nicht den erhofften Bevölkerungszuwachs wiedergaben, sondern das Verschwinden einiger Millionen Menschen aufzeigten. DIe Volkszählung wurde für nichtig erklärt, ihre Organisatoren liquidiert. So könnte man eine Zeit lang mit der Wiedergabe dieses Werkes fortfahren. Man muss dem Autor dankbar dafür sein, dass er in nüchterner Sprache die teilweise ebenso grotesken wie grausamen Details hier wiedergibt.
Ich habe nur drei Einwände gegen das Werk, die den positiven Eindruck etwas relativieren, keineswegs aber aufheben:
1. Der Einstieg des Autors mit Der Meister und Margarita erscheint mir zu affektiert und schreckt den Leser ab; denn: Welcher Leser dieses Werkes kennt Bulgakow nicht? Die seitenweise Wiedergabe von Ausschnitten aus diesem Werk hat mir als Leser keine neue Erkenntnis gebracht, sondern vermischte für mich zu stark historische Darstellung und Fiktion.
2. Leider neigt der Verf. zur "Faktenhuberei". Sicherlich war es ein genialer Schachzug das Adress- bzw. Telefonbuch Moskaus der Jahre 1937 mit anderen zu vergleichen, um zu erkennen, welche Personen aus dem öffentlichen Leben verschwunden sind. Leider aber listet der Autor über Seiten Einzelnamen auf, die dem Leser nichts sagen. Insoweit erwähnt der vorliegende Band, nicht nur an dieser Stelle, einer wissenschaftlichen Spezialmonographie und keiner Gesamtdarstellung, die sich an das übliche gebildete Lesepublikum richtet.
3. Am schwersten wiegt für mich, dass der eigentliche Schrecken für den Leser nicht greifbar wird. Der Verf. vermittelt dem Leser vor allem die Großstrategien und Pläne der Partei- und Staatsführung; was deren Ausführung für den Einzelnen bedeutet, wird hier nicht nachfühlbar. Ich würde jedem Leser, der sich hier einen Eindruck verschaffen möchte, die Memoiren von Schostakowitsch empfehlen, der eine Zeit lang fest davon ausging, liquidiert zu werden: Seine Freunde kennen ihn plötzlich nicht; er läuft wie ein unsichtbares Gespenst durch die Zeit. Selbstmordgedanken quälen ihn und die ständige Angst bei jedem Atemzug. Mit anderen Worten: Ich hätte mir etwas mehr Perspektive von unten gewünscht, etwas mehr Zitate von Zeitzeugen und weniger eine recht technische Deskription der ungeheuerlichen Vorgänge.

Dennoch stellt das Werk eine wichtige Bereicherung der Erkenntnisse um das Jahr 1937 dar. Vielleicht rechtfertigt sich seine nücherne Darstellung angesichts der stets gegenwärtigen Einwände der "Unverbesserlichen": Diese werden dem Autor angesichts der Sachlichkeit seiner Darstellung kaum persönliche Voreingenommenheit vorwerfen können.
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beängstigend realistischer Blick auf eine schreckliche Zeit, 2. Dezember 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Beängstigend lebendig wird die rote Terrorherrschaft des Moskaus im Jahre 1937 in dem mächtigen Werk Terror und Traum - Moskau 1937" von Karl Schlögel.
Es war die Zeit, da sich Europa schon auf den faschistischen Krieg zu bewegte, als Stalin die Sowjetunion mit harter Hand gnadenlos von denjenigen säuberte, die er als Feinde ansah, vermutete oder die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
In die Mühlen des Systems gerieten nicht nur Gegner seiner unmenschlichen Politik sondern auch viele ehemals Getreue, deren sich der Despot aus Machterhaltungstrieb entledigen wollte. Massenverhaftungen, Lagereinweisungen und Schauprozesse waren an der Tagesordnung in einer systematisch organisierten Hysterie und die staatlicherseits beherrschte Presse- und Filmindustrie wurde Teil einer riesigen Propagandamaschinerie, die rechtfertigte, was nicht zu rechtfertigen war.
Mit verstörenden Skizzierungen, plastisch wirkenden Schilderungen und engagiert vorgetragenen Wertungen ist es Karl Schlögel ganz herausragend gelungen, diese tödliche Zeit für den Leser aufzubereiten. Verstehen kann man das, was geschah, ohnehin nicht.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Endlösung der Klassenfrage, 10. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
"Terror und Traum" von Karl Schlögel entfaltet ein Panorama Moskaus in den Jahren 1937/38. Es macht die Faszination des Sowjetkommunismus spürbar. 20 Jahre nach dem Putsch der Bolschewiki ist eine Bilderbuchwelt entstanden, ein Land mit modernsten Auto- und Traktorenfabriken, Erschließung der entlegensten Landesteile, künstlichen Wasserstraßen, monumentalen Gebäuden, Schulen und Universitäten. Mit Radio, Film, Musik, gigantischen Paraden und Kongressen wird im riesigen Imperium und im Ausland die Botschaft von der neuen klassenlosen Gesellschaft, dem neuen Menschen und den herausragenden technischen Leistungen verkündet.
Aber nicht nur deswegen ist das Land im permanenten Ausnahmezustand. Die eine Seite der Medaille ist der Traum vom Paradies auf Erden, dem man näher gekommen zu sein glaubt. Die andere Seite ist der unfassbare Terror, der 1937/38 seinen Höhepunkt erlebt. Die Putschisten von 1917 waren sich keinen Tag ihrer Herrschaft sicher.
Die von Anfang an chaotische Planwirtschaft brachte Versorgungsmängel und Fehlentwicklungen mit sich. Die Wohnungsnot muss wegen der Landflucht infolge der Kollektivierung, aber auch wegen des Bedarfs an Industriearbeitern in den Städten unbeschreibbar gewesen sein.
Stalin hatte eine neue Verfassung geschrieben und wollte den Sozialismus mit freien Wahlen krönen. Das konnte er sich aber nur trauen, wenn es als Wähler nur noch den neuen, sozialistischen Menschen gab, keine Oppositionellen, Schädlinge, Saboteure, alte Intelligenzja, alle vereint unter dem Sammelbegriff Trotzkisten.
Was jetzt, 1937, als Abschluss eines Jahrzehnts unaufhörlicher Säuberungen, in Angriff genommen wurde, nennt Schlögel die 'Endlösung' der Klassenfrage: Eine 'Säuberungsarbeit', der vorsichtig geschätzt zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen, davon 800000 durch Erschießen, die andern infolge der Haftbedingungen. Für alles, was im Lande schief ging, wurden Schuldige gefunden: Zug- oder Bergwerksunfälle, fehlendes Brot, kaputte Traktoren und Produktionsausfälle, Missernten und Seuchen.
Das Buch ist eine imponierende Leistung des Darmstädter Osteuropafachmannes Karl Schlögel. Was in Bulgakows Satire "Der Meister und Margerita" nur erahnt werden kann, wird hier offen berichtet. Manche Seiten sind nur schwer zu lesen, so entsetzlich ist das Geschehen.
Ich empfehle das Buch als Ergänzung zur, nein, als Ersatz der allermeisten DDR-Aufarbeitungsliteratur. Man sollte sich nicht verlieren in Diskussionen über den "Rechtsstaat" DDR, die Alltagskultur von Eisenhüttenstadt, die Frauenemanzipation und darüber, ob es eine 'Wende' oder eine Revolution war. Statt Fußnoten der Geschichte sollte man Schlögel lesen.
Es waren Menschen, die den Terror von 1937/38 in Moskau überlebt haben, die Zeit in der jeder jeden denunzierte, um die eigene Haut zu retten, die elf Jahre danach mit einem Fackelzug die DDR gegründet haben.
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5.0 von 5 Sternen Moskau 1937 und wie sich der Terror entfaltet, 5. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Grandioses Buch - Karl Schlögel beschreibt als Historiker, SChriftsteller und einer der Russland liebt die Tragödie vor dem zweiten Weltkrieg: der Beginn des stalinistischen Terrors. Er beschreibt konkret im Detail und in bildhafter Sprache zugleich und entfaltet damit einen teil der Geschichte, die der Westen und insbesondere die Linke nur zögerlich wahrgenommen haben - vielleicht auch, weil es zu ungeheuerlich ist, um akzeptiert zu werden. Ein großartiges Buch, das für ein tieferes Verständnis von Russland, seiner GEschichte und auch seinem Leiden sorgt
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4.0 von 5 Sternen Eine Kulturgeschichte des Stalinismus, 26. März 2014
Von 
Tom Kadi (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Schlögel versucht den Stalinismus als Zivilisation zu beschreiben. Dazu greift er sich einen Ort - die Hauptstadt - und ein Jahr - das Jahr 1937, den Höhepunkt des Großen Terrors - heraus. In 37 einzelnen Abschnitten werden die verschiedensten Facetten dieses Systems beleuchtet - seien es die geplanten und durchgeführten Großbauten, die Feier zum 20. Jahrestag der Revolution, die Eröffnung des Wolga-Moskwa Kanals (von Zwangsarbeitern unter entsetzlichen Opfern gebaut), das Puschkin Jubiläum, die Sitzung des ZK, das Kino, die Musik, die Erschießungen usw usf. Am Ende des Buches hat der Leser ein wirklich umfassendes Bild einer Gesellschaft gewonnen, in denen Erschöpfung und Angst bei den Menschen, die ihr Leben zu managen versuchten, die vorstechendsten Gefühlszustände waren. Einige Einwände bleiben allerdings:
- Mir ist der alles übergreifende analytische Ansatz etwas zu kurz geraten. Erst im letzten Drittel des Buches taucht als Erklärung für den großen Terror auf, dass die leichtfertig in der Stalin'schen neuen Verfassung versprochenen freien und geheimen Wahlen der Anlass für das Morden war. Bevor es dazu kam, sollte jegliche Opposition liquidiert sein.
- Hin und wieder stören Redundanzen, die ein etwas sorgfältiger arbeitendes Lektorat wohl vermieden hätte. Bestimmte Stellen hätte man kürzen können (z.B. die Todesliste der Geologen)
- Der bewusst gewählte Ansatz des Autors, über weite Strecken seine Quellen selbst sprechen zu lassen, hat auch seine Nachteile. Die Darstellung gerät dabei immer wieder in Gefahr, ins Disparate abzugleiten. Oder anders gesagt: Man hört die Stimme des Autors gelegentlich nicht mehr.
Trotz dieser Einwände eine faszinierende unbedingt lesenswerte Darstellung.
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21 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 7. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
Ein wichtiges Thema, zweifellos. Irritierend ist jedoch die Form der Darstellung: In dem Band wimmelt es von Fehlern und Stilblüten (ich kam bei flüchtiger Zählung auf weit über 200). Es ist die Rede von "überfälligen Problemen", es gibt "Formen, in denen die hauptstädtische Gesellschaft miteinander in Beziehung mit sich selbst tritt", "eine Bevölkerung, die über dem Durchschnitt des allgemeinen Bevölkerungszuwachses liegt", und Sätze wie "Die Schwere dieses Verlustes ist unersetzlich" oder "Von den 64 [Vertretern] im Gebietsparteikomitee sind acht wiedergewählt worden, zehn haben anderswo Arbeit gefunden, und 64 sind verschwunden". Und der "Volkskommissar für Auswertige Angelegenheiten" kommt gleich mehrfach vor. Schade!
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14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf halbem Weg stehen geblieben, 29. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
'Licht und Schatten', 'Gemischter Eindruck': Es ist bemerkenswert, dass
einige Leser die Schwächen von Schlögels Buch offenbar genauer erkannt haben
als manche ' vielleicht allzu eiligen ' professionellen Rezensenten. Nach
all dem Lob in der Presse bin ich jedenfalls ziemlich enttäuscht von dem
Band. Er macht auf mich mit zunehmender Seitenzahl den Eindruck einer
Rohfassung: Ermüdende Aufzählungen und extensives Zitieren aus Berichten von
Zeitzeugen, fehlende Verknüpfungen der Kapitel und manchmal drei bis vier
Stilblüten oder Rechtschreibfehler pro Seite machen die Lektüre oft sehr
anstrengend und bisweilen einfach unergiebig.
Der Historiker Alfred Heuss schrieb einmal über Thukydides, dessen
Geschichtsschreibung sei 'eine ganz exakte Phänomenbeschreibung und dann,
mit ihr eng verbunden, eine unerbittliche Analyse, die gleichsam bis zum
Knochengerüst eines diffusen Körpers vordringt und dessen Tektonik bis ins
letzte klar herausarbeitet'.
Ersteres ist bei Schlögel vorhanden: Man bekommt jede Menge Material
geliefert, die Belesenheit des Autors steht außer Frage, es mangelt jedoch
an Analyse und Einordnung ' und leider auch an der nötigen Sorgfalt im
Formalen.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lanze für Schlögels Ansatz...., 7. Januar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Terror und Traum: Moskau 1937 (Gebundene Ausgabe)
... hat er verdient. Natürlich gibt es methodische und stilistische Schwächen dieses Buches : der Autor erklärt nicht, warum er welche Aspekte der Geschichte ausgewählt hat und andere nicht. Seine Methode wird schlichtweg nicht beschrieben. Stilistisch ist eine Vorliebe für "modische" Anglizismen, bombastische Formulierungen und drastische Schilderungen anzumerken. Schlögel eröffnet uns jedoch durch die Vielzahl der Aspekte und Herangehensweisen neue "Sichtachsen" auf Moskau und die Welt im Schicksalsjahr 1937, er erläutert, warum es keine monokausalen Erklärungen des Unfaßbaren geben kann. Auch das scheinbar "Banale" (Werbeplakate, Stadtpläne) hat eine Funktion, da es das Geschehene immer wieder illustriert.Dabei regt er zum weiteren Nachdenken und Nachlesen an. Sein Wunsch, alle Ereignisse und Prozesse zu "verorten", ist nicht neu : schon im Buch "Berlin - Ostbahnhof Europas" hat er das getan. Sicherlich bleiben hier Fragen offen, sicherlich kqann man manche Formulierung und manchen Ansatz heftig kritisieren, das mit dem Buch beschriebene Panorama der Stadt Moskau im Jahre 1937 ist jedoch hochinteressant und liefert immer neue Informationen, die der Leser zu Erkenntnissen zusammenfügen kann.
Aus diesem Grunde finde ich dieses Buch höchst empfehlenswert für alle, die sich mit der Herangehensweise Schlögels anfreunden können.
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Terror und Traum: Moskau 1937
Terror und Traum: Moskau 1937 von Karl Schlögel (Gebundene Ausgabe - 10. September 2008)
EUR 29,90
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