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51 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihr Dreckskerle, ich lebe noch
Neapel im südlichen Italien ist ein wunderschöner und malerischer Ort. Als drittgrößte Stadt ist sie neben Rom und Mailand ein wichtiges Zentrum, allerdings weniger unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Vielmehr gibt es wichtige kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Paläste, Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen,...
Veröffentlicht am 5. Dezember 2008 von Amazon Customer

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Buch, mäßige Übersetzung
An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.
Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft...
Veröffentlicht am 29. Januar 2010 von -


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51 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihr Dreckskerle, ich lebe noch, 5. Dezember 2008
Neapel im südlichen Italien ist ein wunderschöner und malerischer Ort. Als drittgrößte Stadt ist sie neben Rom und Mailand ein wichtiges Zentrum, allerdings weniger unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Vielmehr gibt es wichtige kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Paläste, Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen, Kunstausstellungen und Galerien. zu bestaunen.

Die Arbeitslosenquote von 20 bis 30 Prozent ist für die Größe von einer Million Einwohnern und den kulturellen Reichtum der Gegend eher verwunderlich. Exakte wirtschaftliche Zahlen sind aber schwer zu bestimmen, da die Camorra mit einer Art von Schattenwirtschaft über die ganze Region herrscht.

Die Camorra ist eine Verbrecherorganisation, die ähnlich wie die Cosa Nostra und die sizilianische Mafia strukturiert ist, ein Syndikat, das schon längst alles in der Stadt und der Region steuert. Die Wirtschaft befindet sich fest in der Hand des organisierten Verbrechens, still geduldet von Politikern, Stadträten und Bürgermeistern, die aus Angst und Abhängigkeit nicht reagieren können oder wollen, die Polizei und die Staatsanwaltschaft tragen einen fast aussichtslosen Kampf aus. Erpressung und Einschüchterung tun ihr Übrigens dazu, und immer wieder geraten auch unschuldige Zivilisten in den Bandenkriegen zwischen den Clans und Familien und bezahlen nicht selten mit ihren Leben.

Im Jahre 2006 wurden beispielsweise bis Oktober rund 700 (bekannt gewordene) Morde verübt, und die Politiker erwogen in dieser Extremlage bereits, das Militär in der Stadt einzusetzen. Neapel ist zu einem Schauplatz der Gewalt geworden: Drogenhandel, Prostitution, Produktpiraterie von Luxusgütern, durch Korruption und Erpressung organisierte Großaufträge im Baugewerbe, hinzu kommen der Waffenhandel und auch die illegale Müllentsorgung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Camorra hat bei alldem keine Angst vor der Staatsanwaltschaft oder dem Innenministerium, natürliche Feind gibt es keine, und wenn sich jemand gegen die Interessen der Clans und Familien stellt, so ist dies gleichbedeutend mit Selbstmord.

Der 28-jährige Roberto Saviano, ein Journalist aus Casal die Principe, hat die Geschäftspraktiken der Camorra in seinem Erstlingswerk "Gomorrha" beschrieben. Dabei geht er deutlich ins Detail, schildert die Machenschaften und Verflechtungen der organisierten Kriminalität, und hat dennoch keine Furcht davor, die Namen der Oberhäupter der Clans und Familien zu nennen. Gewagt hat so etwas noch niemand ,und Roberto Saviano ist sich durchaus bewusst, dass sein Mut ihn das Leben kosten könnte.

"Gomorrha" ist ein erschütternder Bericht, kein Roman, aber auch nicht als Sachbuch einzuordnen. Es ist ein gut recherchierter und aufwühlender Tatsachenbericht, der uns Mitteleuropäer beschämen sollte, zumindest aber jeden Menschen, der vielleicht von der organisierten Kriminalität profitiert oder bewusst darüber hinwegsieht. Was müssen die Journalisten der Region über den jungen Mann denken, der einen solchen Mut aufbringt? Schütteln sie den Kopf über seinen Übermut oder zollen sie Roberto Saviano Respekt, wenn auch nur still und anonym?

Inhalt

"Gomorrha" ist ein Buch voller düsterer und erschreckender Tatsachen. Roberto Saviano fesselt seine Leserschaft dabei dermaßen, wie es sonst nur ein atmosphärisch dichter Roman schaffen kann. In Italien erschien "Gomorrha" tatsächlich als Belletristik; hier liegt die Vermutung nahe, dass das Verlagshaus Mondadori, das sich im Besitz des früheren Ministerpräsidenten Berlusconi befindet, von dem Gewicht der Wahrheit um die Camorra distanzieren wollte. Aber dieses Tatsachenwerk gehört definitiv nicht das Genre fiktiver Literatur.

Der Macht der Camorra und dem Strudel aus illegaler Gewalt, Blutrache und globalen Geschäften kann man sich in Neapel nicht entziehen, geschweige denn wegschauen oder ignorieren. Das Buch ist diesbezüglich gründlich recherchiert und atemlos anklagend geschrieben. Alle Fälle sind aktenkundig und zumindest durch Beweise und Indizien in einer Ehrlichkeit beschrieben, die beispiellos ist. Robert Saviano malt ein Schreckensbild und verbindet dies mit eigenen Erinnerungen und Emotionen. Anklagend, wütend und empört beschreibt er Fehden und kriegerische Auseinandersetzungen der Clans. Er beschreibt Drogensupermärkte und erzählt von Schulkindern, die mit kugelsicheren Westen bekleidet Schmiere stehen. Er beschreibt 'Unfälle' ,auf Baustellen deren Opfer vor Übermüdung und Überbeanspruchung von Notärzten nicht behandelt werden, aus Angst davor, sich damit Feinde zu machen. Angeschossene Opfer werden blutend auf der Straße liegen gelassen, aus Angst davor, die Killer könnten zurückkommen.

Seine Reisen durch die neapolitanische Unterwelt unternimmt der junge Autor zu Fuß oder mit seiner Vespa. Manchmal ist er nur Zuschauer, manchmal auch Beteiligter. Als Hafenarbeiter getarnt, schuftet er bei Morgengrauen und löscht Schmuggelware für die Camorra. Wenig später lernt er den Schneider Pasquale kennen, der wie viele seiner Kollegen für einen Hungerlohn Kleider näht, die unter einem berühmten Modelabel weiterverkauft werden, was Unsummen an Profit für die Bosse bedeutet.

Eines Abends beim Fernsehen mit seiner Familie sieht Pasquale im Fernsehen, wie die Schauspielerin Angelina Jolie bei der Oscar-Gala über den roten Teppich flaniert. Sie trägt einen weißen Hosenanzug, den er persönlich entworfen und genäht hat. Für einen Hungerlohn hat er sein Talent eingesetzt und Designs kreiert, die von den Oberen Zehntausend geschätzt werden, aber beweisen kann er es nicht, um Kapital daraus zu schlagen, ansonsten wäre dies sein Tod und vielleicht der seiner ganzen Familie. Pasquales Gehalt beträgt 600 €uro im Monat.

Dies ist nur eine kleine Szene aus "Gomorrha", doch sie beschreibt die Hoffnungslosigkeit und tiefe Frustration jener Menschen, die mit ehrlicher Arbeit in ihrer Heimatregion nichts erreichen können. Saviano sieht Monate später den Schneider Pasquale wieder; inzwischen arbeitet dieser als Fahrer für die Camorra und wird besser bezahlt, und in seiner Brieftasche trägt er einen Zeitungsausschnitt: Angelina Jolie im weißen Hosenanzug.

Roberto Saviano beschreibt weitere Einzelschicksale, wie z. B. auch das eines 32-jährigen Priesters, der anklagend gegen die Camorra auftritt und gegen die Verbrecherorganisation predigt. Auch er wird das Opfer von Killern und nach seiner Ermordung auch noch in Tageszeitungen verhöhnt und angeklagt.

Diese persönlichen Eindrücke bleiben den Lesern und Hörern am stärksten im Gedächtnis haften. Saviano verzichtet dabei nicht immer auf Effekthascherei. Die Emotionalität der Berichterstattung entspricht seiner Wut, seiner Empörung, seiner Klage gegen diese Organisation, für die Menschen nur austauschbare und minderwertige Figuren auf der kriminellen Bühne sind.

Man fühlt die Wut des Autors förmlich, und seine apokalyptischen Szenen hinterlassen auch beim Leser eine ganze eigene Form von Entrüstung und Entsetzen, z. B. dann, wenn der Autor beschreibt, wie die Clans den Giftmüll aus Norditalien nach Süden verfrachten. Diesen vergraben sie unter kampanischem Ackerland und es entstehen ganze Landstriche und Hügel, in denen Giftmüll lagert. Diese Ländereien werden verseucht an Bauern verkauft, die dies stillschweigend akzeptieren, denn was bleibt ihnen auch sonst anderes übrig? Die Clans verdienen an diesen Geschäftsabläufen doppelt und dreifach und kennen keine Skrupel, denn Moral, Recht und Ethik sind in ihrer Sprache nicht vorhanden. Nach Schätzungen der Justiz entsorgte diese Müllmafia im vergangenen Jahr 26 Millionen Tonnen illegaler Abfälle, einen Großteil davon in den Provinzen Caserta und Neapel.

Kritik

Roberto Saviano Erstling ist ein einziges Schreckensgemälde über die vielleicht blutigste und brutalste Region im Süden von Europa. Die Camorra ermordete allein in diesem Jahr 72 Menschen. In und um Neapel terrorisieren 15 Clans die Bewohner und machen Milliardengeschäfte, die in legale Unternehmen reinvestiert werden. Die Camorra ist der wichtigste Arbeitgeber der Region, und mit Hilfe von korrupten Politikern blüht diese immer mehr auf. Über 70 Bürgermeister hat das Justizministerium wegen Amtsmissbrauch abgesetzt - vielenorts finden sich keine Lokalpolitiker mehr, die für die Ämter kandieren wollen.

Saviano beschreibt diese seine Welt für die Tagszeitung La Repubblica und das Wochenmagazin L'Espresso. "Gomorrha" hat sich in Italien bestens verkauft und eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, wie man es noch nicht erlebt hat. In vielen Medien und Radiosendungen, auf Websites und auch in Leserbriefen wird immer wieder die Frage gestellt: Wie konnte dies alles geschehen?

Roberto Saviano musste seine Wohnung in Neapel räumen und nach erhaltenen Morddrohungen steht er nun unter Polizeischutz. Ein Schriftsteller, der mit seinem Buch zwar weltberühmt, aber auch zum Vogelfreien erklärt wurde. Saviano schreibt: "Ich bin geboren im Land Camorra, wo mehr Menschen ermordet werden als irgendwo sonst in Europa, wo Geschäftemacherei und brutale Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind und nur das einen Wert besitzt, was Macht verspricht." Denn im Grunde geht es allen Überhöhungen der organisierten Kriminalität, allen Legenden um "Scarface", allen geheimen Ritualen und mystischen Bünden zum Trotz nur um eines: um Geld. So einfach ist das.

Die Camorra oder auch "il sistema", das System, ist ein gigantisches Wirtschaftsimperium, und Saviano beschreibt es anklagend mit scharfen Worten. Aber sein Buch ist auch eine Mahnung, eine Aufforderung, die Augen zu öffnen, Stellung zu beziehen und gegen "das System" anzukämpfen.

Fazit

"Gomorrha" ist ein düsteres Buch. Die Reise in das Reich der Camorra wird aufwühlend und wütend erzählt. Heikko Deutschmann, 1962 in Innsbruck geboren, liest "Gomorrha" für Hörbuch Hamburg, und man merkt ihm sehr gut an, dass das Buch ihn bewegt und nicht kaltlässt. Alleine schon im Vorwort des Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo - Die Zeit - spürt der Hörer, wie sehr die Erzählung eine Emotionalität aufbaut und unter die Haut geht.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Es ist kein Thriller, der unserer Fantasie entspringt. Roberto Saviano beschreibt eindringlich seine Heimat und deren kriminelle Realität. Er klagt an und legt Beweise vor. Er schildert das Morden und Sterben in all seiner Erbärmlichkeit und Jämmerlichkeit. Es gibt keine fiktionalen Charaktere, keine schattenhaften, anonymen Schauspieler. Saviano nennt Namen, Strukturen und Details, welche die ganze Organisation mehr bedrohen, als es die italienische Justiz jemals für möglich gehalten hat und sich erhoffen konnte. Saviano hält sich dabei an Fakten, die so atemberaubend sind, dass man sie kaum glauben will. Er glaubt aber auch an die Kraft seiner Worte, die er gezielt als Waffe einzusetzen weiß.

"Wenn wir die Mafia wirksam bekämpfen wollen, dürfen wir sie weder in ein Monster verwandeln noch denken, sie sei ein Blutsauger oder Krebs. Wir müssen akzeptieren, dass sie uns ähnlich ist", schrieb der bekannte sizilianische Richter Giovanni Falcone. 1992 wurde er von der Mafia ermordet. Roberto Saviano führt vor, wie untrennbar Legalität und Illegalität im globalisierten Kapitalismus miteinander verstrickt sind. Wie funktioniert eine kriminelle Organisation? Wer "Gomorrha" liest bzw. hört, wird dies in Ansätzen verstehen können. Er wird begreifen, wie Drogen verkauft und Gelder gewaschen werden, wie Modeartikel hergestellt und verkauft werden, wie ganze Müllberge verschoben werden und wie Menschen ohne Skrupel getötet werden, weil dies zum Alltag der Camorra gehört. Und es wird transparent, wie eng die Politik, die Wirtschaft und das Verbrechen in Kampanien/Neapel miteinander im Einklag stehen. Im Grunde geht es nur um das Geld für einige Wenige, niemals um das Schicksal und das Leben der dort lebenden Menschen.

Für den Autor Roberto Saviano geht es aber auch ganz unmittelbar um das Überleben. Die Camorra ist nachtragend und wartet nur darauf, dass sich die Wellen der Entrüstung legen, um dann zum tödlichen Schlag auszuholen. Fakt ist es auch, dass Saviano bedroht wird. Er schläft in Kasernen, bewacht wird er ständig von zwei Polizisten, und niemals verbleibt Saviano länger am gleichen Ort. Robert Saviano lebt wie ein Verbrecher - auf der Flucht, im Untergrund, immer in Gefahr.

Seinen Häschern widmete der Untergetauchte jedoch den letzten Satz in seinem Buch: "Ihr verfluchten Dreckskerle, ich lebe noch!"

Details

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß
Gekürzte Lesung von Heikko Deutschmann
4 CDs, 297 Minuten mit 69 Tracks

Die italienische Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel "Gomorrha"
2007 Carl Hanser Verlag München
Vorwort: Giovanni di Lorenzo, Hamburg Januar 2008 (Chefredakteur Die Zeit)
Hörbuch Hamburg: HHV GmbH, Hamburg 2008
[...]
ISBN-10: 3899034864
ISBN-13: 978-3899034868

Der Sprecher

Heikko Deutschmann war nach dem Schauspielstudium Ensemlemitglied an der Berliner Schaubühne und am Hamburger Thalia-Theater, im Schauspiel Köln und im Schauspielhaus Zürich. Außerdem spielte er in zahlreichen Filmen mit und ist ein begehrter Hörbuchsprecher. Für Hörbuch Hamburg hat er u. a. "Der Erlöser" und "Das fünfte Zeichen" von Jo Nesboe, "Die dunkle Seite des Mondes" von Martin Suter, Stendhals "Rot und Schwarz" sowie von Thomas Glavinic "Die Arbeit der Nacht" gelesen.

Michael Sterzik
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Buch, mäßige Übersetzung, 29. Januar 2010
An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.
Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft holperig und etwas veraltet. Slang und Jugendsprache sollte es auch im Deutschen sein. Da hilft es nicht, die Wörter exakt zu übersetzen. Daher war das Lesen manchmal etwas stocken, auch litt darunter die Atmosphäre des Buches.

Wer Italienisch kann, lese es auf Italienisch.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert., 13. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
Nach der Lektüre dieses Buches betrachtet man einiges, das man im Urlaub oder in der Innenstadt einer deutschen Großstadt so sieht mit neuen Augen. Lokale, deren unhöfliche Bedienung nicht vom Fach ist und die keine Kunden wollen. Geschäfte ohne Kundenbesuch, aber mit Umsatz. Vieles wird auf einmal sehr deutlich...
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Italien mal anders, 1. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
Aus einem Container im Hafen von Neapel, der gerade am Kran hängend entladen wird, fallen Dutzende von Körpern heraus. "Sie sahen aus wie Schaufensterpuppen. Doch beim Aufprall auf dem Boden barsten die Köpfe."
So beginnt das Buch von Roberto Saviano.
Neapel und seine Vorstädte bilden den Humus für Orgien von Gewalt, für Arbeit unter extremen Bedingungen und die Macht diverser Clans, die mit Rauschgift und dem Fälschen vom Markenware gewaltige Gewinne einfahren.
Spannend, teilweise im Stil einer Reportage, gut recherchiert und absolut glaubwürdig schidert Saviano ein Süditalien, wie es der Urlauber glücklicherweise nicht kennt.
Es ist unvorstellbar, dass dort im Jahr durchschnittlich über 200 Menschen, darunter Kinder, ermordet werden. Auch die Verbindungen nach China -billige Arbeiter- und Spanien, dort beherrschen die Italiener den Markt für Rauschgift, deckt der Autor auf.
Für alle, die Italien nicht nur mit Pasta und Wein verbinden, sondern eben auch die dunklen Seiten betrachten, die auch Auswirkungen auf andere Länder haben, ein lesenswertes Buch.
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83 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckendes Buch, 27. August 2007
Von 
kfir "liesundlausch.de" (Langenbach, Oberbayern, Zonenrandgebiet zu Niederbayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
Nicht erst durch den sechsfachen Mord unlängst in Duisburg hat dieses Buch seine Aktualität bekommen. In Italien schon seit langem ein Bestseller, erscheint jetzt die deutsche Übersetzung. Und punktgenau wird eben durch die Morde verdeutlicht, dass in Deutschland eben nicht nur Schutzgeld erpresst wird, sondern die Camorra ihr Netz bereits dicht gesponnen hat. Hier werden die Strukturen gezeigt, wie beispielsweise nach der Wende in den fünf neuen Ländern mit Investitionen Geldwäsche in ganz großem Stil vollzogen wurde und die Mafia mittlerweile ein wichtiges Standbein hierzulande errichtet haben. Und dass dies scheinbar ungeachtet der Öffentlichkeit und der Staatsorgane geschehen konnte.

Doch trotz der bestürzenden aktuellen Ereignisse ist das Mutterland der Camorra nach wie vor Italien. Was für einen Deutschen meist nur durch die TV-Serie Alleine gegen die Mafia" mit Commissario Corrado Cattani bekannt ist, wird hier mit den genauen Vorgehensweisen, den Taten und den Namen der Betroffenen und Drahtzieher ein wahres Gesicht gegeben. Ein gewisses Interesse und Kenntnisse der italienischen Innenpolitik und der wichtigen Köpfe sei jedoch angebracht, um manche Zusammenhänge besser verstehen zu können.

Obwohl es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, ist es dennoch sehr flüssig zu lesen, ja bei mir kam fast so etwas wie Spannung auf.

Dass das Buch eine hohe Brisanz hat, eben weil es scheinbar lange unausgesprochene und unaussprechliche Wahrheiten ausspricht, zeigt nicht alleine die Tatsache, dass der Auto Robert Saviano auf der Todesliste steht und seit Jahren unter Polizeischutz steht.

Ein gutes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solte man gelesen haben..., 26. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
wenn man bereit ist die Kirche im Dorf zu lassen. Wer sich hier unschlüssig ist, das Buch zu lesen, dem will ich nur drei Hinweise geben.

1) Wenn einem das Buch halbwegs gefallen soll, kann man sich ja mal von überzogenen Ansprüchen lösen. Hier schreibt ein junger Kerl mit 28 Jahren. Dass der kein Goethe ist wird man überleben.

2) Man bekommt dafür etwas, was die anderen Mafia-Experten, die in ihren Häuschen am See sitzen und genüßlich Kaffe trinken, nicht schaffen: Authentizität! Saviano ist (fast) überall auch dagewesen, er wirkt ehrlich und versucht einfach kein Detail zu vergessen. Natürlich haben mich irgendwann die x-ten Giovanni di Mafioso, genannt "das Skalpell", auch etwas genervt - na und?

3) Man bekommt einfach mit, was so in einem kleinen Fleckchen Europas (Hinterland von Neapel) abgeht.

Wenn dann die Tagesschau zeigt, dass Neapel Müllprobleme hat, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Ich weiß ja dann, wer da seine Finger im Spiel hatte... :)

Das Buch ist keine Ode an die Sprache, aber eine Zeugnis von Mut. Die Welt soll hören, was da unten Alltag ist! Saviano muss wohl für immer mit seinen Leibwächtern rumrennen, wir sollten zumindest wissen wollen warum und sein Buch lesen.

Wenn es dann auch erst später das Taschenbuch ist.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, 21. Dezember 2009
Von 
Christian Bleis (Hannover, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Gomorrha ist ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch über die Camorra. Roberto Saviano vordringlichstes Ziel mit diesem Buch ist es, Namen zu nennen, denn gerade diese Öffentlichkeit möchten die von ihm Genannten nicht. Es wird auch deutlich, was die Camorra ist. Sie ist ein auf die Macht des Stärkeren reduzierte wirtschaftliche Maschinerie, die brutal, rücksichtslos und ichbezogen (familienbezogen) agiert. Beispiele hierfür liefert Saviano im Überfluss.

Wichtig für den, der dieses Buch liest ist: Es ist und will zu allererst ein Sachbuch sein. Auch wenn der Autor in der "Camorra-Region" aufgewachsen ist und vieles selbst miterlebt hat, sind viele Quellen Gerichtsurteile, Medienartikel etc.

Es ist ein fesselndes Buch, weil fast mit jeder Seite neue Aktionen und erschütternde Details zur Sprache kommen. Es ist aber auch ein etwas verwirrendes Buch, weil sehr viele Namen auftauchen und Saviano sich nicht an die zeitliche Stringenz hält. Er möchte den Geist der Camorra aufschreiben, wie diese Menschen handeln, denken und leben. Dies gelingt ihm ausgesprochen gut.

Stark und fast romanhaft sind mitunter Passagen geschrieben, in denen Saviano näher auf einzelne Personen und ihre Lebensumstände eingeht.

Ein gutes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der die Wahrheit sprach., 20. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
Dadurch, das meine Frau Neapolitanerin ist und wir sehr viel Verwandschaft in und um Neapel haben, habe ich oft die Gelegenheit Zeit bei der Familie in der Stadt zu verbringen.Neapel hat Wunderschöne Seiten (Lungomare,poggioreale,Molo Beverello etc...), aber eben auch die Seiten von denen Saviano erzählt (Brennende Müllberge usw.)Ob die Geschichten die er erzählt alle absolut wahr sind können wohl nur die Beteiligten sagen.Aber allein der Mut der nötig ist um so ein Buch zu schreiben, hat 5 Sterne verdient.Jedem der sich für Italien ohne la dolce vita interessiert kann man dieses Buch nur empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst Lesenswert!, 19. Dezember 2010
Das Buch hat mich überzeugt. Es ist interessant, der Inhalt beeindruckend und grandios recherchiert. Roberto Saviano gehört meine ganze Hochachtung. Ein wichtiges Buch. Stilistisch brilliant, inhaltlich wertvoll!
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186 von 260 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht komplett misslungen - aber bei weitem kein Kapuscinski, 1. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch nur gekauft, weil ich meinen Flug verpasst hatte und mir nach mehreren Stunden Wartezeit einfach der Lesestoff ausging. Gomorrha wurde in einem Zeitungsartikel dabei als Buch vorgestellt, das im Grenzbereich zwischen Journalismus und Literatur agiert; der Name Kapuscinski als Vergleichsmassstab ist dabei dann auch gefallen.

Die Buecher ueber die Mafia, die ich bisher gelesen habe, sind i.d.R. zwiespaeltig: Entweder zu wissenschaftlich und detailliert (Salvatore Lupo: Geschichte der Mafia), oder zu reisserisch, sensationsluestern und oberflaechlich (David Southwell: Die Geschichte des organisierten Verbrechens). Andere wiederum beziehen sich nur auf einen Ausschnitt des Phaenomens und sind zu personenbezogen (Leoluca Orlando: Ich sollte der Naechste sein, bzw. Der sizilianische Karren). Von daher ist Roberto Savianos 'Gomorrha' eigentlich insgesamt ganz gut positioniert, wenngleich der Fokus nur auf der Camorra liegt.

Die Art des Genres - Sachbuch mit Fiktion gemischt - sagt mir eigentlich auch besonders zu; allerdings hat Ryszard Kapuscinski die Latte fuer dieses Format sehr hoch gelegt. So war meine eigentliche Frage an Gomorrah, ob Roberto Saviano diese Hoehe wird ueberspringen koennen oder ob er reissen wird. Um es vorwegzunehmen: Er hat gerissen, und zwar sehr deutlich. Die Gruende dafuer sind vielfaeltig.

Zum einen da die Mischung Sachbuch/Fiktion bei Saviano unklar geblieben ist. Manche der als Fakten verkauften Schilderungen nehme ich dem Roberto einfach nicht ab. Entweder er hat nicht ausreichend recherchiert, oder sich auf die falschen Quellen verlassen. Etliches bleibt doch sehr unwahrscheinlich (z.B. die Sache mit Angelina Jolies Oscarkleid). Bei vielen anderen Schilderungen ging es mir aehnlich: soll ich dem Roberto das, was er mir gerade erzaehlt, jetzt tatsaechlich abkaufen?

Zum anderen zieht sich durch den gesamten Text das der Mafialiteratur eigene reisserische Element zu stark durch. Schon zu Beginn, die Schilderung der gefrorenen Koerper, die beim Loeschen einer Schiffsladung zu Boden fallen, wobei dann die Koepfe zerplatzen wie Melonen. Diese Episode hat keinerlei weitere Funktion im Buch und war auschliesslich gedacht, die Verkaufszahlen zu steigern. Und es gibt weitere Stellen im Buch dieser Art.

Viel gewichtiger ist jedoch, dass auch Saviano ein Stilelement benutzt, das insbes. in Mafiaverfilmungen immer wieder praegend ist - das Element der Bewunderung, des religioes Verbraemten. Dies kommt insbes. im Kapitel ueber die Frauen der Camorra zum tragen, ein Kapitel das m.E. das schwaechste des gesamten Buches ist.

Es ist unertraeglich zu lesen, wie uns Saviano versucht klarzumachen, dass es zum Prozess des Frauwerdens dazugehoert, wenn der Freund (Ehemann) ein Opfer der Camorra wird. Wobei dann der Trauergottesdienst eine Art Initiationsritual fuer das betroffene Maedchen ist, auf ihrem Weg zur Frauwerdung. Nur wenn erst der erst Freund (Ehemann) von den Killern der Camorra niedergestreckt wurde, wird sie in den Kreis der echten, vollentfalteten Frauen aufgenommen und geniesst fortan einen besonderen Status. Ich halte das - gelinde gesagt - fuer einen riesengrossen Unfug und eine Zumutung an die Leser.

Andere Kapitel erhalten dann wieder interessante Informationen, die mir so in der Form noch nicht bekannt waren, wie z.B. die Thematik Zement und Muellentsorgung und ihre Tragweite und Funktion im gesamten Geschaeftsgebaren der Camorra; diese Passagen erscheinen besser recherchiert zu sein. Eine Informationsfuelle und -aufbereitung dieser Art haette ich mir immer gewuenscht.

Eine weitere eklatante Schwaeche ist die Sprache Savianos. Ueber weite Strecken versucht er - ein ausgebildeter Reporter - sich als Schriftsteller, der sein Koennen unter Beweis stellen will. Das misslingt gruendlich. Immer da, wo er die sachliche Ebene verlaesst und schriftstellerisch wirken moechte, wird es schwer zu lesen, langweilig und teilweise richtig unertraeglich. Er verwechselt dabei das Genre Journalismus auf literarischem Niveau mit Faktenschilderung und dann Draufloschwaetzen.

Das ist es jedoch nicht was Ryszard Kapuscinski zu seiner Meisterschaft verholfen hat. Er praktiziert zur Vollendung, was Saviano nicht gelingt: Schilderung von Sachverhalten und recherchierten Fakten auf literarisch hoechstem Niveau. Saviano ist immer dort gut, wo er nahe an den Fakten bleibt und immer dort schlecht, wo er Ausfluege ins Schriftstellerische unternimmt.

Ganz grds. denke ich jedoch, dass Gomorrha kein komplett misslungenes Buch ist. Es hat gute Ansaetze, aber eben auch grosse Schwaechen. Der Autor ist noch jung und dies ist sein Debut; er kann, wird und muss jedoch noch viel lernen um in dieser Klasse von Literatur zukuenftig eine Rolle spielen zu koennen.

Seine Aussage, die Literatur als Waffe gegen die Camorra einsetzen zu wollen, da er dies als wirkungsvoller erachtet, als die herkoemmlichen strafrechtlichen und kriminalistischen Methoden, diese Aussage sollte er sich jedoch auch noch einmal ueberlegen. 2 Sterne und eher keine Leseempfehlung.
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Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra
Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano (Gebundene Ausgabe - 25. August 2007)
EUR 21,50
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