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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ruhig, wie ein Dampfer auf hoher See
Arno Geigers vierter Roman kommt langsam in die Gänge. Erst nach dem Anfangskapitel begann mich das Buch zu interessieren und mitzureißen. Es erscheint nicht zufällig, dass Geiger beim Vorlesen des ersten Kapitels, zum Ingeborg Bachmann Preis 2004, kaum positive Resonanz bekam. Wie unterschiedlich Kritiken zu beurteilen sind, wird durch die Tatsache...
Veröffentlicht am 11. Februar 2008 von Manuela

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45 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nicht zu Herzen gehende Familiengeschichte
Vorschusslorbeeren ohne Ende, Deutscher Buchpreis 2005 und das Feuilleton lobt den Roman von Arno Geiger in höchsten Tönen. Da waren meine Erwartungen natürlich ziemlich hoch. Leider wurden sie nicht erfüllt. Ohne Zweifel hat Geiger einen erstaunlichen Schreibstil, aber die Geschichte an sich hat mich nicht besonders begeistert. Philipp Erlach erbt das...
Veröffentlicht am 19. März 2006 von Peter Goebel


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ruhig, wie ein Dampfer auf hoher See, 11. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Arno Geigers vierter Roman kommt langsam in die Gänge. Erst nach dem Anfangskapitel begann mich das Buch zu interessieren und mitzureißen. Es erscheint nicht zufällig, dass Geiger beim Vorlesen des ersten Kapitels, zum Ingeborg Bachmann Preis 2004, kaum positive Resonanz bekam. Wie unterschiedlich Kritiken zu beurteilen sind, wird durch die Tatsache deutlich, dass sein Werk dennoch den deutschen Buchpreis 2005 erhielt, und zum besten deutschsprachigen Buch des Jahres erklärt wurde.
Geiger erzählt unter Einsatz wunderschöner Vergleiche und Metaphern die Familiengeschichte des Hauptprotagonisten Philipp, der das Haus seiner verstorbenen Großeltern erbt. Während er, ein lethargischer Schriftsteller, seinen neuen Besitz entrümpelt und alles wegwirft, was an seine Familienchronik erinnert, wird in tagebuchartigen Rückblicken ebendiese Geschichte über drei Generationen hinweg erzählt. Von der Zeit der Machtergreifung Hitlers bis in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends reichen die Bilder.
Philipp Erlach fühlt sich als Versager, als jemand, der nirgends so richtig dazu gehört. Sogar seine Freundin, die mit einem anderen verheiratet ist, aber regelmäßig mit ihm schläft, verlässt ihn zuletzt enttäuscht. Am Ende ist Philipp alleine und ohne Orientierung, leer und inhaltslos, wie sein entrümpeltes Haus. Dazu ein Zitat aus dem Werk:
Eigentlich ist Philipp auf allen Mauern seines Lebens eine Randfigur, eigentlich besteht alles, was er macht, aus Fußnoten, und der Text dazu fehlt.
Betont gefühlvoll zeichnet Geiger die Figuren seiner Geschichte und ihre Charaktere, immer wieder staunt man über sein tiefes Einfühlungsvermögen. Besonders deutlich wird dies in der Darstellung von Philipps Großmutter, am Ende des Romans, als sie am Bett des hoffnungslos dementen Großvaters sitzt und ihm (uns) gemeinsame Erlebnisse aus ihrer Ehe erzählt.
Der Roman ist in einem modernen, teils experimentellen Stil geschrieben. Es gibt viele (für Geiger typische) Klammereinschübe, häufig enden Sätze mit nachgestellten Verben. Zudem ist das Werk gespickt mit österreichischen Ausdrucksformen, die bestimmt nicht von allen deutschen Lesern verstanden werden. Dennoch: Wer einen ruhigen, unaufgeregten Schreibstil und diesen Lokalkolorit mag, dem sei das Werk empfohlen. Wer Suspense sucht, möge das Buch nicht lesen. Da gibt es in jeder Genre-Ecke Spannenderes zu finden.
Wie sagte Arno Geiger einmal so schön? "Ein guter Roman ist wie ein Dampfer, draußen auf hoher See, der ruhig und unbeirrbar seinen Kurs hält.' Es hat mir viel Freude gemacht, mit an Bord gewesen zu sein.
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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "... das Klettern am Stammbaum einer windschiefen Familie ...", 29. Mai 2007
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
"Eigentlich ist Philipp auf allen Mauern seines Lebens eine Randfigur, eigentlich besteht alles, was er macht, aus Fußnoten, und der Text dazu fehlt." ... Das ist Philipp Erlach, Ende Dreißig und Erbe der gutbürgerlichen, großmütterlichen Villa in Wien Hietzing. Während er den Dachboden von Taubendreck säubert und die Räumlichkeiten all ihres Moders entrümpelt, reflektiert er obwohl familiär unambitioniert das Leben seiner Familie in Wien über drei Generationen - Zwischenkriegszeit, zweiter Weltkrieg, die 68er bis 2001. Schließlich war der Großvater einmal Minister und die zu früh verstorbene Mutter ein Kinderstar in "Der Hofrat Geiger", alle waren sie Waltraud-Haas-Typen, die Frauen halt, der Vater ein Erfinder von Brettspielen, Eltern in jeder Generation spießig - aus der Sicht ihrer halbwüchsigen Kinder, die von ihrem Nachwuchs später halt auch nichts anderes gesagt bekommen und allesamt eine Familie der "Runterschlucker", denn miteinander gesprochen wurde nicht.

Ein fabelhafter Roman, wundersam lebendig, obwohl oder gerade weil wir von den Toten überdauert werden. Ansichten verändern sich entlang einer Lebenslinie, meistens zerstört und manchmal auch motiviert durch Erlebtes - die eine zu kurz, die andere bis über die Demenz und noch weiter. Generationskonflikte in erster Linie zwischen Eltern und Kindern zeichnen eine Realität, der wohl jeder zu mindest in einer Linie bereits begegnet ist. Zumal eine komische Facette, überwiegt dennoch das traurige, melancholische Gesicht.

Und bin ich am Ende angelangt, blättere ich zurück, um das erste Kapitel erneut zu lesen!!!
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45 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nicht zu Herzen gehende Familiengeschichte, 19. März 2006
Von 
Peter Goebel (Hamburg, Hamburg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vorschusslorbeeren ohne Ende, Deutscher Buchpreis 2005 und das Feuilleton lobt den Roman von Arno Geiger in höchsten Tönen. Da waren meine Erwartungen natürlich ziemlich hoch. Leider wurden sie nicht erfüllt. Ohne Zweifel hat Geiger einen erstaunlichen Schreibstil, aber die Geschichte an sich hat mich nicht besonders begeistert. Philipp Erlach erbt das grosse Haus seiner Großeltern in Wien mit vielen Erinnerungen, die ihn aber überhaupt nicht interessieren. Er verweigert sich seiner Familiengeschichte. Diese erfährt man dann doch in wiederkehrenden Rückblenden aus den Jahren von 1937 bis 1989. Dazwischen kehrt Geiger immer wieder ins Jahr 2001 zurück zu Philipp Erlach, der das Haus mit Hilfe zweier Arbeiter entrumpelt. Eigentlich ist Philipp eine traurige Gestalt, ohne Familienbande, hat er eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die nur dann bei ihm vorbeikommt, wenn sie Lust hat und ab und an vergnügt er sich kurz mit der Postbotin. Sonst weiss er nicht wirklich etwas mit seinem Leben anzufangen. Leider wachsen einem die Protagonisten des Buches nicht wirklich ans Herz und ich habe mich ziemlich durchgequält. Schade.
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47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Arno Geigers großartiger "Familien"Roman ohne Familiengedöns, 19. September 2005
Von 
Chris West "karmapilot" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Am Anfang des Romans stemmt Philipp, der uns die Geschichte seiner Familie und auch seine eigene zu erzählen scheint, mit aller Kraft eine Luke auf den Dachboden des Familienstammsitzes auf. Dort oben schlägt ihm Staub und Gestank von zentimeterdicker Taubenscheisse, Taubenkadavern und verrotteten Balken entgegen, so dass er die Luke sofort wieder zufallen lässt. Dieses Bild zieht sich durch den gesamten Roman, denn es gibt bei allen Familienmitgliedern die da über 60 Jahre portraitiert werden die Tendenz, die Dinge nicht wirklich anschauen zu wollen, die Klappe sofort wieder zuzumachen, wenn's Ernst wird.
Anhand von jeweils einem Tag in den Jahren 1938, 45, 55, 62, 70, 78, 82 und 89 werden die Leben der vier Generationen geschildert. Diese grandiose Konstruktion gelingt es, den klischeehaften Aufbau und die langweiligen Figuren der meisten Familienromane zu vermeiden. Geiger erzählt in einer Weise, die der Tatsache gerecht wird, dass es in den meisten Familien darauf ankommt, was NICHT gesagt oder getan wird. Die Entscheidenden Dinge sind die verpassten Gelegenheiten und nichtumgesetzen Träume von einem anderen Leben. Und davon gibt es in jeder Familie mehr als genug. Auch die Figuren in "Uns geht es gut" verharren in dieser geheimnisvollen Gemeinschaft Familie und vertagen ihre Träume und Fluchtgedanken immer wieder, bis sie eben von der folgenden Generation ersetzt werden, die es ähnlich macht. Und besonders das wird in Geigers Roman grossartig beschrieben.
Die österreichische Geschichte dient dabei als Hintergrund, aber schimmert nur hinein die Schicksale, ob die Nazizeit, der Krieg oder die progressiveren 70er Jahre. Keine dieser Figuren ist anhand eines einzigen Schlüsselerlebnisses zu erklären. Phillipps Vater nicht, der als junger Mann in den Krieg muss und danach sein ganzes Leben lang nichts mehr riskieren will, der Grossvater nicht, der zufällig nach dem Krieg auf der richtigen Seite steht und Karriere macht und immer bürgerlicher und ordentlicher sein will, als er eigentlich ist, die Tochter, Phillipps Mutter, nicht, die immer so eigenwillig tut, nachdem sie zu Hause in den 50er Jahren rausflog und sich dann aber doch den Bedingungen in ihrer eigenen Ehe bis zur Unglücklichkeit anpasst und auch nicht Philipp selbst, der jüngste Spross, der in seiner seltsamen Passivität und Unentschiedenheit seinem Vater so ähnelt, obwohl er nie wie er sein wollte.
Philipps Erzählung aus dem Jahre 2001 sind immer wieder zwischen die historischen Kapitel der sieben Jahrzehnte zuvor geschaltet. Philipp lebt nun in dem großen Haus der Familie, wo auch die allermeisten Szenen der Jahre 39-89 spielen. Während er das Haus neu einrichtet, macht er sich Notizen über seine Familie.
Er organisiert sich Schwarzarbeiter, die für ihn den Dachboden reinigen und dabei auch gleich allerlei Artefakte der Vergangenheit, die für ihn keine Bedeutung haben, in Müllcontainer werfen oder verscherbeln. Das Entsorgen löst in Phillipp ein Gefühl der Schuld und Erleichterung zugleich aus, das jeder kennt, der einmal den Keller im Elternhaus ausräumen musste, wo sich der Wohlstandsmüll der Jahrzehnte türmt. Alles Dinge, die einmal Bedeutung hatten und nun nicht mehr zu entziffern sind für die Nachkommen, und deshalb auf dem Müll der Geschichte landen. Von denen man sich aber wünscht, sie könnten einem die Geschichte der Eltern und Grosseltern erzählen, auf dass man auch sich selbst ein wenig besser versteht.
Nur durch die Daten am Anfang jedes Kapitels ist überhaupt zuzuordnen, wann der Tag spielt. Das eigentliche Geschehen in den Kapiteln ist meist zeitlos, denn dort agieren einfach Menschen miteinander, dort funktionieren Familien nicht oder kaum - all das unabhängig von Jahreszahlen. Geiger schiebt in Uwe Johnson Manier aktuelle Zeitungsmeldungen zwischen die Kapitel. Sie fassen das "außerfamiliäre" Geschehen 1938 oder 1955 zusammen, ordnen das vermeintlich Grosse, dem Kleinen der Familie unter. Inklusive der Wettervorhersage. Vor allem die Wettervorhersage hat auf mich einen starken Effekt gehabt: Es war immer irgendein Wetter, mit dem diese Leute gelebt haben. Das scheint eine banale Erkenntnis, hat aber für diese Art der Erzählung einen besonderen Effekt. Denn die Sonne bescheint bei 30 Grad das Grillfest von Philipp im Jahre 2001 mit seinen Nachbarn genauso, wie Tod in den letzen Tagen des 2. Weltkrieges, beim Häuserkampf in den Gassen Wiens. Der Apfelbaum, den Philipp abholzt, hat seinem Grossvater Schatten an jenem Sommertag gespendet, als die Deutschen in Wien einmarschieren. Das Wetter ist immer nur für diesen einen Tag von Bedeutung und man vergisst es genau wie die nachlässigen Worte oder die Ohrfeige des Vaters. Viele banale Details, die Vergangenheit verständlich werden lassen als die Geschichte von Menschen, deren Leben sich vor allem aus Nebensächlichkeiten zusammensetzt.: Ein Regentag auf dem Sofa mit Buch, der Tag, wo man das Kindermädchen vögelt und abends Besuch von einem NSDAP Funktionär bekommt, der Tag wo man sich mit seinem Vater streitet, der Abend, wo man auf der Veranda sitzt und in alten Fotos stöbert.... An was wird man sich nach 50 Jahren noch erinnern? Dieses Buch ist die Antwort. An die Momente, in denen man gelebt hat. Auch wenn man es in jenem Augenblick gar nicht gemerkt hat.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Familienepos ohne Epos, 26. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich hätten bei diesem Buch Schere und Bastelanleitung mitgeliefert werden müssen. Der Leser hätte dann zusätzlich zur nicht besonders spannenden Lektüre immerhin noch die Möglichkeit gehabt, die pseudo-innovativ unchronologisch erzählte Familiengeschichte in die richtige Reihenfolge zu bringen und neu zusammenzukleben.

Auf der Ebene der Gegenwart (April bis Juni 2001) spielt - wenn man so will - die Haupthandlung, die leider zugleich die belangloseste und langweiligste in dem Buch ist: Philipp Erlach, ein moderner Taugenichts, hat das Haus seiner Großmutter geerbt und ist, was ihm sehr gegen den Strich geht, zur Tätigkeit verdammt: Er muss das Haus entrümpeln und den Dachboden komplett sanieren, weil im Lauf der Jahre wegen einer losen Schraube (kleiner Fehler, große Wirkung) Tauben das Terrain erobert und ein Schlachtfeld hinterlassen haben. Da er notorisch antriebsschwach ist, vermittelt ihm seine Freundin Johanna, die mit Philipp im Sieben-Tages-Rhythmus ihren Ehemann betrügt, zwei Hilfsarbeiter, mit denen er sich anfreundet, später den Wohnraum teilt und am Ende zur Hochzeit eines der beiden in die Ukraine fährt.

Unterbrochen von den kurzen Kapiteln, die 2001 spielen, sind alle anderen Kapitel, die sich in Momentaufnahmen aus den Jahren 1982, 1938, 1945, 1955, 1962, 1970, 1978 und 1989 der Geschichte von Philipps Vorfahren widmen. Mich haben die Unterbrechungen am Ende so genervt, dass ich die 2001-Kapitel erst übersprungen und dann Philipps Geschichte am Stück gelesen habe, ein Verfahren, das sich auch für andere Leser als gewinnbringend erweisen könnte. Man hat so sicherlich mehr von dem Buch.

Das Kapitel 1938 schildert die berufliche und familiäre Situation von Philipps Großeltern Alma und Richard, einem Hitler-Gegner und späteren österreichischen Minister, im Jahr des "Anschlusses". Philipps Vater Peter Erlach hat das Spiel "Wer kennt Österreich?" entwickelt, kann davon aber nicht leben, nebenher repariert er Autos, später ist er für eine Behörde als Ingenieur im Bereich Verkehrssicherheit tätig und inspiziert Unfallorte. Die Episode 1945 (die einzige wirklich spannende) erzählt von den letzten Kriegstagen in Wien, in denen Peter und einige andere Jugendliche des Volkssturms einen russischen Panzer in die Luft jagen - ein Pyrrhussieg, denn viele der minderjährigen Soldaten in dem kleinen Trupp sterben bei der Aktion. Peter überlebt leicht verletzt und kann sich mit Glück absetzen. 1955 geht es um die junge, aber problembehaftete Liebe zwischen Peter und Philipps späterer Mutter Ingrid, die zu einem langjährigen Zerwürfnis zwischen Richard, ihrem Vater (Philipps Großvater), und seiner Tochter führt, da dieser Peter für die falsche Wahl hält. Lange Zeit bleiben Ingrid und ihr Vater sich fremd. Aber auch die Ehe zwischen Ingrid und Peter gerät in die Krise, weil Ingrid glaubt, dass sie in ihrem Beruf als Ärztin nicht die nötige Unterstützung von ihrem phlegmatischen Mann erhält. 1978 behandelt eine Urlaubsreise von Peter und seinen noch minderjährigen Kindern Philipp und Sissi nach Jugoslawien, auf der alle noch unter dem Schock des jähen Todes von Ingrid stehen (kein Spoiler, der Tod wird schon auf Seite 9 erwähnt), die bei einem (reichlich konstruiert wirkenden) Badeunfall ums Leben gekommen ist. Erwähnenswert ist noch, dass Ingrid im Alter von elf Jahren eine kleine Rolle in dem Hans-Moser-Film "Der Hofrat Geiger" (!) gespielt hat, der im Roman so etwas wie ein "running gag" ist.
Die Kapitel 1982 und 1989 schließlich sind geprägt von zwei verschiedenen Phasen der Alzheimer-Erkrankung Richards (auffällige Parallelen zu Geigers späterem Buch Der alte König in seinem Exil), die Alma vor gewaltige Herausforderungen stellt. Trost und Erholung findet die Hobby-Imkerin bei ihren Bienen. Nach Almas Tod erbt ihr Enkel Philipp das Haus und der Kreis schließt sich.

Trotz der interessanten Ausgangsidee bleibt am Ende das Gefühl, dass man daraus mehr hätte machen können. Der Momentaufnahmenstil nimmt dem Roman jeden epischen Atem und reduziert ihn aufs Episoden- und Anekdotenhafte, als wollte der Autor exemplifizieren, dass in deutscher Sprache große Epen eben einfach niemand mehr beherrscht. Auf jeder Seite spürbar ist dafür - auch das ist typisch für die deutsche Romankunst der Gegenwart - das Ringen des Autors um den passendsten, den besonders treffenden, besonders originellen Ausdruck. Für die einen ist das gerade die Kunst, die dieses Werk aus dem Durchschnitt heraushebt; ich gehöre zu den anderen und empfand diese Bemühtheit beim Lesen eher als Belastung, weil sie mich fortlaufend stolpern und aus dem Rhythmus kommen ließ. Die technischen Details um eine Honigschleuder und deren elektrischen "Entdeckler" (S. 339) können diesbezüglich als symptomatisch betrachtet werden. Hinzu kommen Abschnitte, die ich persönlich nicht gerade für Buchpreis-würdig halte, etwa auf Seite 226, wo der Autor den Leser mit der Beschreibung einer Pinkelszene mit "klebrigfeuchtem Penis" zu erfreuen trachtet. Vielen Dank!

Wem dieses Buch, immerhin Gewinner des Deutschen Buchpreises 2005, gefiel, dem empfehle ich Löwenstadt von Erich Loest (und umgekehrt), denn dort ist die Erzählanlage/Komposition sehr ähnlich.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes Erzählen, 18. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Man wird lange suchen müssen, um auf ein ähnlich großartiges Buch über menschliche Liebe, Trauer, Sympathie und Hingabe zu stoßen. Der Autor erzählt mit so großer Feinfühligkeit, dass das Erzählte, auch das Unglück, als eine Aufforderung zum Leben verstanden wird. Bei Arno Geiger ist Literatur Lebenssteigerung im Guten wie im Schlechten.
Besonder gelungen sind in diesem Buch meines Erachtens die Frauenfiguren. Bewundernswert, wie gut es dem Autor gelingt, seine Charaktere aus deren eigenem Denken und Handeln heraus plausibel und plastisch zu machen. Mich hat das sehr an den Satz von Gustave Flaubert erinnert: Madame Bovary, c'est moi!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen naja., 18. November 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Es handelt sich um die Geschichte einer Familie, Philipps Familie. Jedes Kapitel behandelt einen anderen Charakter der Familie zu einer unterschiedlichen Zeit. Beginnend mit Philipp im Jahr 2001 als er das Haus erbt, dann die Geschichte seiner Oma Alma mit dem Alzheimer-kranken Großvater in den 80ern, die Geschichte seiner Eltern in den 40er bis 70er Jahren. Die Familie ist zerrüttet. Philipps Mutter Ingrid hat sich früh von ihren Eltern getrennt, die Enkeln hatten so gut wie gar keinen Kontakt zu den Großeltern. Dann stirbt die Mutter früh und die Kinder sind Peter, ihrem Vater allein, zu dem die Beziehung im Erwachsenenalter auch nicht mehr gut ist.
Philipps Wesen ist merkwürdig. Er ist allein, hat keine Freundin, keinen Beruf, lediglich eine Geliebte und das Vorhaben, die Geschichte seiner Familie, die gar keine war, zu schreiben und das Vorhaben das Haus zu renovieren. Er ist lethargisch und antriebslos, wartet darauf, dass etwas passiert und lässt sich von seiner Geliebten rum schubsen.
Geiger beschreibt die Auswirkungen der Zeit und Geschehnisse auf die einzelnen Mitglieder und wie diese zu Trennung und Flucht geführt haben. Es ist das ungesagte Wort, das überall zwischen den Akteuren steht und ein Weiterkommen verhindert. Das ganze Buch handelt davon, wie Wünsche nicht erfüllt oder Träume nicht wahr wurden. Es ist auch ein Buch über Österreich, sein Werdegang im 2.WK und als 2.Republik, der gebrochene Stolz der Österreicher und die mühsame Aufgabe, sich aufzurichten.
'Es geht uns gut' ist anstrengend zu lesen. Erstens wegen der in Präsens geschriebenen Geschichte und weil die Schreibweise so abgehackt und gedrungen ist, dass man nie in einen Lesefluss kommt. Mit der Zeit hab ich aber schon gespürt, wie verzweifelt Philipp ist und wie sehr das mit seiner Vergangenheit und der nicht bestehenden Banden zu tun hat. Auch ist mir teilweise eine gewisse poeitsche Schreibweise begegnet und auch sind die Gespräche zwischen Philipp und seiner Geliebten amüsant, aber zu selten.
Mühsames Lesevergnügen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber mit Schwachpunkten, 1. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Auch mir wurde Arno Geigers preisgekrönter Roman angepriesen - lesenswert fand ich ihn durchaus, die Preisvergabe kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Die Erzählung rund um eine österreichische Familie plätschert angenehm dahin, bleibt aber sinn- und ziellos. Es fehlt ein großer Konflikt, ein Aufeinanderstoßen der Charaktere, es fehlen Reibung, Höhepunkt und Auflösung. Als Leser bleibt man am Ende so schlau wie zuvor - und hat nur Fragmente über eine nicht greifbare Familie erzählt bekommen. Warum sitzt Philip tatenlos im Haus der Großeltern? Warum setzt er sich nicht mit der Familiengeschichte auseinander - und wenn er es nicht tut, welchen Sinn hat seine Figur für den Roman?
Die großen Zeitsprünge zerreißen das Buch zusätzlich - zwar bekommt man einen Überblick über die Vorgänge in der Familie über die Jahrzehnte, ohne die Details bleibt dieser Überblick jedoch recht farb- und lieblos. Dennoch hat dieser Roman seinen ganz eigenen Reiz und ich fand ihn trotz allem nicht (nur) langweilig. Arno Geiger entwirft ein Wien aus einer vergangenen Zeit und fügt seine Charaktere perfekt in die Verhaltensweisen verschiedener Generationen ein. Er hat einen durchaus lesbaren Roman geschrieben - ohne den man aber auch gut leben kann.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bonjour tristesse, 30. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Obwohl ich sonst die Österreicher liebe und verehre (Roth, Bernhard, Zweig, Kafka, Haslinger etc.) war ich von diesem Buch enttäuscht.
Im Prinzip wäre die Geschichte einer Wiener Familie zwischen 1938 und 2001 wohl hochinteressant.

Leider erzählt Geiger aber keine Geschichte(n), sondern reiht im Wesentlichen endlose innere Monologe der einzelnen Familienmitglieder aneinander. In diesen langen Passagen darf dann jedes Mitglied der Familie sein mehr oder weniger schweres Los bejammern und beklagen, denn alle sind sie enttäuscht von ihrem Leben oder zumindest dann im Alter siech und niedergedrückt. Handlung findet nur bruchstückhaft statt und die historischen Einsprengsel sind schön, aber viel zu kurz und viel zu selten.

Ein Buch mit vielen Längen, in dem es nie zu Mozarts legendärem 'Lächeln unter Tränen' kommt oder leichte Ironie die Tristesse mildern würde. Es bleibt alles durch die Bank trostlos, niemand bekommt sein Leben auf die Reihe und am Ende fragte ich mich als Leser, was mir Geiger eigentlich wirklich erzählen wollte - Life sucks? Das wäre auch einfacher gegangen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "österreich hat es besser" ;-), 7. Januar 2006
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Gebundene Ausgabe)
man muss wohl wirklich in österreich geboren und aufgewachsen sein, um das buch nicht als "peinlichen schwachsinn" abzutun. mir hat der roman gefallen, beinahe hätte ich ihm gar 5 sterne gegeben. die geschichte ist nie langweilig, die konstruktion aufgegangen, die charakterisierung der protagonisten oft sehr gelungen. manche kleinigkeiten, schnell in einem satz dahingeschrieben, haben mich zu tränen gerührt. man erinnert sich. der stil ist schmissig, obwohl sich der autor manch all zu artifizielle beschreibungsgimmicks nicht verkneifen kann. manch deutscher leser wird vielleicht einige ereignisse als zu klischeehaft beschrieben bemängeln. nee leute: so ist österreich! leider, wirklich.
warum ein stern weniger? so viel schicksal in nur einer familie? manch stilistische blüten. und vom schluss hätte ich mir mehr erwartet.
dennoch: lesenswert, empfehlung!
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Es geht uns gut: Roman
Es geht uns gut: Roman von Arno Geiger (Gebundene Ausgabe - 19. August 2005)
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