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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eco experimentiert ... erfolgreich?
Mit „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" schlägt Umberto Eco Töne an, die nicht jeden Eco-Enthusiasten begeistern dürften. Der Roman bleibt vieles von dem schuldig, was man inzwischen erwartet, wenn man ein belletristisches Buch des Italieners zur Hand nimmt. Hier gibt es keine abenteuerlichen Verstrickung in oder mit der Vergangenheit,...
Veröffentlicht am 7. Juni 2005 von brudervomweber

versus
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen enttäuschend und langatmig
Ein italienischer Buchhändler verliert sein Gedächtnis über seine persönliche Vergangenheit. Mit Hilfe von Aufzeichnungen, Bildern und vor allem Büchern und Comics versucht er die verschollenen Erinnerungen aufzufinden.
Das Buch beginnt eigentlich recht spannend, doch bereits nach einem Drittel beginnt im Kern eigentlich nur eine...
Am 10. März 2005 veröffentlicht


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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eco experimentiert ... erfolgreich?, 7. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Mit „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" schlägt Umberto Eco Töne an, die nicht jeden Eco-Enthusiasten begeistern dürften. Der Roman bleibt vieles von dem schuldig, was man inzwischen erwartet, wenn man ein belletristisches Buch des Italieners zur Hand nimmt. Hier gibt es keine abenteuerlichen Verstrickung in oder mit der Vergangenheit, keine sinistren Klöster, keine Schiffe am Ende der Welt, keine Weltverschwörungen. Genaugenommen gibt es nicht einmal eine wirkliche Handlung.
Ecos Roman ist eine zum Teil biographische Assoziationskette, in der der Protagonist sein nach einem Schlaganfall verlorenes Gedächtnis - seine Identität - wiederzugewinnen versucht. Er faßt allmählich wieder Fuß im Alltag, ohne aber seine Erinnerungen zurückgewinnen zu können. Er lernt den Menschen, der er selbst gewesen ist, nur aus der Außensicht seiner Mitmenschen kennen. Als ihm das nicht genügt, reist er aufs Land, in das Haus, in dem er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Dort stöbert auf dem Dachboden herum, um die Artefakte seiner Sozialisation in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs zu sichten und sein Selbst wiederzuentdecken.
Das Manko der „Geheimnisvollen Flamme" ist, daß es ein sehr italienischer und sehr generationenspezifischer Roman ist. Oder wie der übrigens exquisite Übersetzer Burkard Kroeber in seinem kurzen Nachwort anmerkt: „In diesem Buch geht es an vielen Stellen um spezifisch italienische Befindlichkeiten, [...] wie sie charakteristisch für Italiener der Generation des Erzählers sind." Wer dieser Generation nicht angehört, wer nicht wenigstens grundlegend orientiert ist über den deutschen Nationalsozialismus, um die Parallelen im Italien des Duce zu erahnen, der dürfte mit diesem Buch wenig anfangen können.
Neben der Reflektion der (bei dem vom Mittelalter Besessenen Eco muß man ja fast sagen: jüngeren) Geschichte und ihrer Spiegelung in propagandistischen und populären Medien der damaligen Zeit demonstriert Eco hier eindrucksvoll seine Sympathie für populäre Kultur und zeigt, wie diese auch die Wahrnehmung der Welt und des Lebens strukturieren und eine in ihr enthaltene euphemistische Propaganda entzaubern kann.
In dieser Hinsicht ist die „Geheimnisvolle Flamme" auch stellenweise ein Kommentar auf eine Reihe von wissenschaftlichen Schriften Ecos zu diesem Thema (man nehme da etwa die Publikation „Apokalyptiker und Integrierte", in denen Eco gegen ein Schwarz-Weiß-Schema von Hochkultur und Populärkultur anschreibt, in dem mal das eine, mal das andere von den verschiedenen Parteien verdammt oder hochgejubelt wird). In der Rekapitulation der Mediengeschichte seines Protagonisten wird deutlich, wie beide Lager, Shakespeare und Beethoven auf der einen, Flash Gordon und Sandokan auf der anderen, ineinander greifen und das Individuum emanzipieren.
Ecos illustrierter Roman ist ein Experiment. Er ist kein typischer Eco, wenn man darunter die düstere oder farbenfrohe Inszenierung mittelalterlicher oder rennaissancistischer Befindlichkeiten und Weltanschauungen versteht. Ich selbst bin mir noch nicht im Klaren, ob ich ihn vorerst nur gut oder vielleicht doch großartig finden soll. Vermutlich kann man ebenso plausible Gründe vorbringen, den Roman nur mittelmäßig oder sogar gänzlich mißlungen zu finden.
Auch das Lesen der „Geheimnisvollen Flamme" kann man darum wohl als Experiment bezeichnen.
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71 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Riesengewinn oder Riesenfrust, 5. November 2004
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Da bin ich aber mal gespannt, wie die Fangemeinde von Umberto Eco auf den neuen Roman reagieren wird. „Anspruchsvoll, wie immer", meinte der Buchhändler auf meine Frage, was er denn vom jüngsten Werk des italienischen Tausendsassas meine. Auf mein Insistieren, was er damit sagen wolle, gab er flugs zu, nur so drin geschmökert zu haben. Tja, das reicht bei Eco natürlich nicht. Der 72jährige Zeichenforscher von Bologna verlangt von seinen Studenten und Lesern viel. Aber er gibt auch viel. Diesmal einige faszinierende Lehrstunden über unser Gehirn, unsere Erinnerungen, unsere Konstruktion von Wirklichkeit.
Gespannt bin ich auf die Leserreaktionen, weil mein positives Urteil auf einem besonderen biografischen Hintergrund basiert. Ich war acht Jahre in Italien, kenne die Schauplätze, die Sprache, die Geschichte, viele der abgebildeten Dokumente, hatte ein faszinierendes Treffen mit dem Autor in Rom und befasse mich seit 17 Jahren intensiv mit Neurologie. Und meine Tochter hatte ebenfalls ein äusserst eingeschränkten autobiografisches Gedächtnis. Eco landete bei mir deshalb im Zentrum meiner Erinnerungen und Interessen. Und dennoch bin ich der Meinung, dass dies nicht sein bester Roman ist. Ich stiess auf absolute Highlights, die mich vom Hocker rissen, bzw. aus dem Bett hochschnellen liessen. Und dann dachte ich auch immer wieder, dass es Eco diesmal weniger gelungen ist, eine literarische Symphonie zu komponieren. Nicht die kleinen neurologischen Ungereimtheiten störten mich, sondern einzelnen Zeichnungen der Figuren, die Verteilung der Schwerpunkte, die Einsätze der verschiedenen Instrumente, Aussetzer des Dirigenten. Und trotz dieser Misstöne, empfehle ich das Buch aus Überzeugung. Denn Vergleichbares gibt es nicht, wenn man den Proust schon gelesen hat.
Anspruchsvoll? Ja, aber anders als seine bisherigen Bücher. Die Leser brauchen kein enzyklopädisches Wissen, kein Fremdwörterbuch und dank der hervorragenden Übersetzungen auch kein Italienischvokabular. Aber man muss sich auf die Bilder einlassen, den schönen Schmöker hie und da zur Seite legen und Raum für eigene Erinnerungen schaffen. Dann tauchen Struwwelpeter, Fix & Fox und all die Helden unserer Kindheit auf. Was hat uns geprägt? Und weshalb wohl? Welche realen und fiktiven Figuren setzen uns in Angst und Schrecken oder gaben uns Zuversicht, das Leben zu meistern? Wo würden wir unsere Geschichte suchen, wenn unsere Erinnerungen plötzlich ausgewischt würden? Welchen Traumbildern jagen wir nach, und weshalb? Wer mit dieser Lesehaltung Ecos neues Buch angeht, wird es keine Sekunde lang bereuen, sich auf diese Reise eingelassen zu haben. Das ist selbstverständlich eine andere Route als Unterhaltung pur. Aber Eco ist ein toller Guide. Dass er nun mal 72 Jahre zählt, seinen Schatz in Italien, im Faschismus und in seiner Medienkultur gesammelt hat, ist seine Geschichte. Nehmen wir doch die Einladung an, unsere eigene zu entdecken. Es macht Spass und führt uns an Orte, die wir schon längst vergessen haben. Dass uns dies manchmal auch traurig stimmt, ist kein Grund zur Leseverweigerung. Wer nach der Lektüre mehr Frust als Lust verspürt, hat wohl einen anderen Zugang zu seinem Selbstbild als Umberto Eco. Dafür kann der Autor aber nichts.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen enttäuschend und langatmig, 10. März 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Ein italienischer Buchhändler verliert sein Gedächtnis über seine persönliche Vergangenheit. Mit Hilfe von Aufzeichnungen, Bildern und vor allem Büchern und Comics versucht er die verschollenen Erinnerungen aufzufinden.
Das Buch beginnt eigentlich recht spannend, doch bereits nach einem Drittel beginnt im Kern eigentlich nur eine Aneinanderreihung von kurzen Abrissen von Kinderbüchern, Comics und Musik der 30-er und 40-er Jahre in Italien, immer wieder mit farbigen Abdrucken von deren Frontseiten. Leider handelt es sich nicht um eine Zwischenepisode, sondern zieht sich bis zum Ende des Buches durch, so dass die Lektüre letztendlich eine Qual wird.
Richtigerweise bekommt man einen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse vor und während des zweiten Weltkrieges. Sofern man aber kein explizites Interesse an diesem Spezialgebiet hat und/oder italienischer Abstammung ist (wobei dann sicherlich die italienische Fassung mit den vielen Anspielungen mehr zu empfehlen wäre) muss das Buch mit dem Stempel "enttäuschend" versehen werden, wenn man die anderen Werke von Eco als Maßstab nimmt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Flash Gordon, Faschismus und das zweitteuerste Buch der Welt, 2. September 2007
Es ist eine kaum zu lösende Aufgabe: einen lesbaren Roman zu schreiben, der sich gleichwertig sowohl um Comichelden der 30er und 40er Jahre, den Faschismus in Italien und den Betrieb eines "High-End-Antiquariats" dreht. Eco hat mit der geheimnisvollen "Flamme der Königin Loanna" einen Versuch gewagt. Unter anderem anhand der Entwicklung des italienischen Comics zeichnet er die Veränderung der politischen Welt während des zweiten Weltkriegs nach, aber auch die Wandlung der Hauptfigur vom Kind zum Manne. Allein schon dass sich ein großer Geist wie Eco an das Medium Comic wagt und feine Nuancen der Rezeption darstellen kann, macht das bebilderte Buch lesenswert und meines Wissens nach ziemlich einzigartig. Noch nie habe ich einen Autor gelesen, der den Versuch gemacht hat, die intensiven Erfahrungen wiederzugeben, die ein Jugendlicher mit den Comics macht, die ihn in seiner Kindheit und Jugend bgleiten und formen. Dafür ein großes Dank und Lob!

Allerdings wirkt die Aneinanderreihung von Anekdoten aus der Kindheit anhand gefundener Comics/Musikstücke/Schulbücher schon bald monoton. Eco muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Rahmenhandlung eines amnesischen Antiquars letzten Endes nur der Kitt für Ecos minutiöse Rückschau auf (s)eine Jugend zwischen Micky Maus und den "Schwarzhemden" ist. Aber nichtsdestotrotz: Das Buch bleibt in seiner historischen und emotionalen Tiefenschärfe ein Eco und damit immer noch tausendmal lesenswerter als hunderte anderer.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kunst von Umberto Eco, 20. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Der Leser muss sich erstmals einarbeiten in ein buntes Puzzle von Fragmenten des verlorenen Gedächtnisses. Ecos Fabulierkunst entführt in die Welt des beginnenden italienischen Faschismus der Dreißigerjahre und in die folgenden Kriegsjahre und schildert die politisch-gesellschaftliche Wende anhand einer umfangreichen Schau von ehedem populären Comics, Spielzeug, alten Fotos, Radiosendungen und Schallplatten, die der Leser einer bestimmten Generation meist selbst noch kennt (Lilli Marleen!). Höchst Unterhaltsames (Rizinusöl!) verbindet Eco mit zeitgeschichtlichen Dokumenten (Plakate, Zeitungsseiten) zu einer Gesamtschau der politisch-gesellschaftlichen Umstände Italiens des Duce und seiner Schwarzhemden. Die Besteigung des Vallone und die damit verbundene Rettung der Kosaken durch den kleinen Held stellt einen Höhepunkt des grandiosen Werkes dar, das den Leser ab hier gewiss nicht mehr los lässt! Eco erschafft großartige Figuren wie den Feigling Gragnola oder den Großvater. Die Idee des Gedächtnisverlustes ist genial und das Gerüst eines hervorragenden und unterhaltsamen Werkes, das nicht nur durch die gesammelten Erinnerungsfragmente und die phantastische Illustrationsfülle ungewöhnlich beeindruckt, sondern seine Stärke auch in der Psychologie des Erinnerns und Vergessens, sowie in den überzeugenden Verhaltensweisen der Protagonisten zeigt.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer Amnesie - einer persönlichen und einer kollektiven, 10. Dezember 2006
Von 
Walther Mathieu (Aachen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Zunächst kommt der Roman ganz als Roman daher und erzählt die völlig fiktive Geschichte eines alternden Bibliophilen, der - man erfährt nicht einmal wodurch - sein persönliches Gedächtnis verloren hat und sich aufmacht, seine Vergangenheit aufzuspüren.

Der Plot ist insofern weder neu noch originell. Aber Eco wäre nicht Eco wenn sich in der zunächst äußerst zähen Lichtung des Nebels nicht andere, tiefere und subtilere Ebenen verbörgen.

An Hand der Rekonstruktion seiner Kindheit und Jugend erschließt die Romanfigur Strukturen, die den Leser erfassen lassen, wie überhaupt sich in einem um Bildung bemühten Heranwachsenden ein Bild der Welt aufbaut und festigt: voller Klischees, irrtümelnden Vereinfachungen, unerfüllbaren Hoffnungen und kitschigen Bildern.

Bildern! Ecos Buch ist (auch) ein Bilderbuch, denn er hat sich der Mühe unterzogen, die wortgewaltig beschriebenen Bilder seiner (des Romanhelden) Jugend auch zu zeigen, was in keinem Fall den schalen Geschmack einer flachbildrigen Romanverfilmung hinterlässt. Im Gegenteil: die flattergewandete Laszivität der (halb) seidenen Comicschönheiten, die da beschrieben wird, kann den Leser regelrecht anspringen.

Schön! Manche Bildchen wünscht man sich größer - aber vielleicht waren sie das im Original auch nicht.

Dann: Josephine Baker mit enblößter Brust... das muss man auch sehen um zu verstehen, wie harmlos das aus heutiger Sicht war, wie sich seither die Maßstäbe verändert haben, hin zu unseren Weltruhm begründenden zeitgenössischen pornographischen Darbietungen einer Pamela Anderson oder Paris Hilton.

Man beginnt, die Geburtswehen der modernen medialen Welt zu verstehen, die damals im Begriff war, vom geschriebene Wort zu - kitschigen, aber ergreifenden - trivialen Bildgeschichten (Comics!) als Jugend prägendem Genre von Druckwerken überzugehen.

Erschwert wird die Lektüre des Romans dem nicht des italienischen mächtigen Leser leider durch ungewöhnlich viele eingesprenkelte italienische Passagen. Auch französische kommen vor. Der Hinweis des Übersetzers auf das warum und wie dieser holprigen Teile findet sich erst am Schluss des Buches - das ist ungeschickt, aber nicht dem Autor sondern dem Verlag der deutschen Ausgabe anzulasten. Selbst mit den früher zur höheren Schulbildung gehörenden Lateinkenntnissen ist es mitunter sehr mühsam, die italienischen Textteile zu entziffern (wenn man sie nicht einfach überspringt).

Es scheint, als ob Eco es genossen hat, sein Werk so zu chiffrieren, dass der Übersetzer sich die Zähne ausbeisst: der Hinweis des letzteren auf die Unübersetzbarkeit südpiemontesischer Dialektphrasen könnte vielleicht zur Abschreckung auf dem Einband untergebracht werden.

Dafür: Ein Stern Abzug!

Akzeptiert man jedoch diese leichte Arroganz eines elitären Italo-Bildungsbürgertums (es gibt im Deutschen ja ganz ähnliche Erscheinungen) dann befördert der Roman den Leser über kurz oder lang nicht nur in die individuelle Vergangenheit seiner Hauptperson und in die sehnsüchtigen Mechanismen einer pubertären Persönlichkeitsentstehung, sondern auch in die Düsternisse einer kollektiven Amnesie.

Konkret: dem kollektiven "Vergessen" der faschistischen Vergangenheit, was sich womöglich - wie an vielen der Vorrezensenten offenbar - nur mehr Lesern erschließt, in deren Lebens-Erfahrungsbereich dieses Vergessen stattgefunden hat. Also den mindestens 50-Jährigen... was allerdings nicht bedeutet, dass aktuelle Ereignisse der Zeitgeschichte nicht ebenso dem Kollektiven Vergessen anheim fallen.

Auch wir erleben Kriege und blenden deren Wirklichkeit aus unseren Köpfen.

In dieser Richtung sind aktuelle Äußerungen von Umberto Eco zum Phänomen des allgemeinen Geschichtsverlustes verständlich.

Solches Vergessen kann sehr wohl heilend sein, aber es macht anfällig für neue Katastrophen.

Wer diesen Roman als reine Fiktion betrachtet, zum Zwecke des Amusements liest und (oder oder) zudem mit der "Gnade der späten Geburt" (sprich Politik-geschichtlichem Anspruch auf Ignoranz) perzipiert wird nichts Anderes erleben außer einer recht langweiligen Geschichte... erfasst man dieses Werk Ecos aber als italienisch-späte Fortsetzung eines Ansatzes, wie ihn Wolfgang Koeppen vor 50 Jahren veröffentlichte, dann lohnt es sich, nach der letzten Seite gleich noch einmal von vorne zu beginnen.

Denn (s. o.) Eco wäre nicht Eco, steckten nicht eine Überfülle von chiffrierten Botschaften im Text und zwischen den Zeilen. Das Strebwerk zwischen den Handlungsebenen, dass die Politik und die Welt mit der persönlichen Weltwerdung vernetzt regt unentwegt an zu eigenen Grabungen in der Vergangenheit.

Da ist das Bild der geheimnisvollen Frau, nach der sich der Held des Romans sein Leben lang verzehrt ohne sich je zu gestatten, es auch nur im entferntesten anzurühren... da sind die nur mühsam sich lichtenden Nebel um eine eigene Verstrickung in die kollektive Schuld... und die analytischen Betrachtungen des Partisanen zum Inhalt der zehn Gebote und das zynische Wesen eines allmächtigen Gottes... die zähe aber jähe Erkenntnis, dass Gott nicht etwa auch zynisch und böse ist, sondern schlicht nicht existiert...

Das ist nicht amüsant, aber interessant und passt tatsächlich - obwohl es zunächst gar nicht den Anschein hat - in eine Reihe mit Der Name der Rose und Das Foucault'sche Pendel.

Lesenswert und lesenswichtig - vier Sterne.
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96 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Eco, faszinierend, durchdacht, intelligent., 10. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Wer ein Umberto Eco Buch nach 36 Seiten weglegt und diesem Linguistik-Professor unterstellt, er hätte es noch nötig, sich mit Fremdwörtern zu schmücken, der hat in der Tat schlechte Voraussetzungen, sich diesem Genie zu widmen.
Umberto Eco hat mit diesem Werk einmal mehr ein filigranes Netz an Mysterien und Rätseln geschaffen und die Charaktere erblühen alsbald in einer gewohnten Farbenpracht, wie sie eben nur Eco schreiben kann. Man muss Eco allerdings, wie immer Zeit geben, seinen Buchanfang wieder zu verdichten. Dies geschieht bei ihm meist ab Seite 80/100. Wer über diese Schwelle hinwegkommt, darf sich freuen, denn dieses Buch ist ein erneutes Meisterwerk eines Mannes, der mit Sprache umgeht und lebt, sie versteht und präzise zur Erfüllung seiner Vision einsetzt.
Dieses Buch ist sicherlich, wie jedes Eco Buch, eine intellektuelle Herausforderung und damit sicherlich nichts für jemanden, der sich auf dem Niveau eines Dieter Bohlen Buches verlustieren möchte.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Brilliante Sprache, gute Recherche, aber zähes Thema!, 1. März 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Ein sechzigjähriger bibliophiler Antiquar sucht sein verlorengegangenes Gedächtnis wieder. Geblieben ist Ihm nur das kollektive Gedächtnis. Um seine persönlichen Erinnerungen wiederzufinden, stöbert er in der Literatur seiner Jugend herum. Auf dem Dachboden findet er nebenbei auch einige Bilder, Platten und typische Gegenstände aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Die Idee, einen Roman über italienische Geschichte, Musik, Kunst, Literatur und andere kulturellen Aspekte des letzten Jahrhunderts zu schreiben ist gut gemeint gewesen. Sicher gehört dazu auch keine Handlung wie in einem Thriller, aber ein wenig mehr Spannung, geboren aus der primären Story heraus, hätte dem Buch gut getan.
Die tiefgehenden Beschreibungen der vielen verschiedenen zeitgenössischen Gegenstände, Gedanken und Bilder könnten, wie auch in seinen anderen Romanen, Spaß machen, wenn nur das Thema ein interessanteres wäre.
Typisch für Umberto Eco hingegen, ist die brilliante Sprache, die auch in diesem Roman so facettenreich ist, dass auch weite Abschweifungen in winzige Details der italienischen Lebensweise des letzten Jahrhunderts gern gelesen werden. Leider schafft aber auch dieser, sicher auch dem Übersetzer zu verdankende Umstand es nicht, dem Leser das Grundthema durchgängig schmackhaft zu machen.
Ich glaube, wenn man nicht gerade 60 jahre alt ist, im Norden Italiens aufgewachsen und in die Kultur des 20. Jharhunderts verliebt ist, dann wird es einem so gehen wie mir: Man vergisst irgendwann aus lauter Langeweile das Weiterlesen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Typisch Eco - und doch untypisch, 27. Januar 2005
Von 
Ulrich Hagn (Forsbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Tja, was soll man von diesem Buch halten?
Zunächst das Positive: Man braucht diesmal keinen 36-bändigen Brockhaus um dem Geschehen folgen zu können, ein Italienisch-Lexikon tut's im neuesten ECO-Werk. Der Roman ist erfreulich locker-plaudernd geschrieben und denoch teilweise sehr tiefgängig. Und gegen Ende, als sich der Protagonist im Nebel des Komas plötzlich wieder zu erinnern beginnt, kommen einige wunderbare Geschichten aus dem Leben in der italienischen Provinz gegen Ende des zweiten Weltkrieges zutage, die das Buch dann doch wieder sehr lesenswert machen. Hier werden die Erinnerungen lebendig, weil sie mehr sind als die Auflistung von Comics, Kinder- und Jugendbüchern, Zeitschriften und Schlagertexten im Mittelteil, mit denen man als Nicht-Italiener der folgenden Generation nicht unbeding viel anfangen kann. Und dieser Aufzählungsteil nimmt einen gehörigen Part des Buches ein. Dennoch ist er nicht langweilig, da er mit einer gehörigen Portion Humor und italienischem Charme gewürzt ist.
Natürlich wäre Eco nicht Eco, wenn er nicht immer wieder Bezüge zu den Wissenschaften einfliessen ließe, die diesmal aber in den meisten Fällen auch für durchschnittlich geisteswissenschaftlich-historisch gebildete Menschen nachvollziehbar sind.
Alles in allem ein lesenswertes Buch mit einigen Längen im Mittelteil und für Eco eher untypisch, da mit deutlich weniger Anspruch ausgestattet als seine vorigen Werke
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vermutlich nur für eine ganz bestimmte Zielgruppe wirklich ein Lesevergnügen, 7. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) (Gebundene Ausgabe)
Der Anfang des Buches hat durchaus mein Interesse geweckt, war er doch originell und sogar da und dort mit feinsinnigem Witz verfasst. Schon die ersten Seiten haben mir gut gefallen und ich habe das erste Drittel des Buches recht schnell verschlungen. Doch als der Protagonist in Solara ankommt, schwindet das Interesse von Seite zu Seite. In der Mitte des Buches musste ich mich regelrecht zwingen, weiter zu lesen.

Eco schreibt niemals leichte Kost, ich persönlich musste mich in alle Bücher, die ich von ihm in Händen hatte, erst ein wenig "hineinkämpfen", aber dann hatte man als Belohnung auch ein unheimliches Lesevergnügen. Hier bleibt dieses nur leider völlig aus, da ich wohl einfach nicht zur Zielgruppe dieses Buches gehöre. Die ganzen Dachbodenfunde sind für mich leider nur eine trockene, mir nichts sagende Aneinanderreihungen von irgendwelchen frühen Comics, von denen man vielleicht gerade noch Flash Gordon kennt. Natürlich gibt die Schilderung der Kriegszeit einen ernsten Hintergrund ab, aber hier wird so furchtbar detailliert und vor allem lokal darauf eingegangen, daß man sich auch hier anstrengen muss, nicht während des Lesens gedanklich abzuschweifen. Dazwischen rekonstruierte Episoden der Jugend des Protagonisten, wie sie hätte sein können. Und im letzten Drittel des Buches noch einmal der ganze langatmige Wust teils völlig belangloser Kindheitserinnerungen (Onkel sowieso und der Vetter hierunddda, die wie so vieles nur ausschmückendes, in meinen Augen völlig belangloses Beiwerk sind, denn sie tragen rein gar nichts zur Geschichte bei) von vorne, wie es denn tatsächlich war... als mir klar wurde, daß nun alles noch einmal von vorne zu lesen sein würde von Schulbeginn an, ist mir der letzte Enthusiasmus geschwunden. Die lezten 30 Seiten habe ich reichlich Abschnitte übersprungen, was ich sonst nie tue. Als ich die letzte Seite endlich hinter mich gebracht hatte, war ich doch ziemlich froh.

Die ganze Geschichte geht an jemandem von nicht-italienischer Herkunft mittleren Alters leider völlig vorbei. Wie auch schon andere hier geschrieben haben- es fehlt die Spannung, es fehlt die Handlung- mir scheint, es handelt sich hier mehr um ein Sachbuch, um eine Dokumentation eines Lebens... die sich aber der größeren Gruppe der Leser vermutlich nicht erschließen dürfte. Viele kauften dieses Buch einfach mit völlig falschen Erwartungen. Ich hätte nicht gedacht, daß ich das mal zu einem Roman von Eco schreibe- aber schon lang kein so quälend langweiliges Buch mehr gelesen. Schade um das Geld für die gebundene Ausgabe.
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Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman)
Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Illustrierter Roman) von Umberto Eco (Gebundene Ausgabe - 4. Oktober 2004)
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