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am 22. Dezember 2002
Wie schon bei Steven Weinbergs "Der Traum von der Einheit des Universums" geht es bei "Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen" nur vordergründig um Physik, es ist vielmehr ein philosophisches und wissenschaftstheoretisches Buch. Und es ist ein hervorragendes philosophisches Buch. Henning Genz ist Professor am Institut für Theoretische Teilchenphysik an der Universität Karlsruhe, das garantiert, daß die physikalischen Theorien umfassend und richtig dargestellt werden. Und wirklich: ich lernte viel Neues über die Entstehung des wissenschaftlichen Weltbilds, die Relativitätstheorien, die Quantenmechanik. Doch der große Vorteil dieses Buches ist, daß auch die philosophischen Aspekte angemessen berücksichtigt und diskutiert werden. Da geht es um Platon, Aristoteles, Descartes, Leibniz, Hume, Kant, Russell, Carnap, Popper. Vielleicht geht Genz dabei zu kategorisch davon aus, daß alle Philosophen Position gegen den Realismus beziehen. Das trifft nicht zu.
Ganz wichtig ist dem Autor die Berechtigung induktiver Schlüsse zu untermauern. Entscheidend dafür ist ein Antwort auf die Frage: Weshalb? Dabei gesteht Genz jederzeit zu: Ein sicheres Wissen über die Zukunft gibt es nicht. Aber ein Verständnis der Vergangenheit, am besten durch ein Naturgesetz formuliert, begründet die Erwartungen an die Zukunft.
Wer eine - zugegeben anspruchsvolle - Darstellung des physikalischen / philosophischen Weltbilds aus der Sicht eines engagierten Physikers lesen will, der ist mit "Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen" bestens bedient. Sehr empfehlenswert.
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am 20. Juli 2006
Wem sollte man dieses Buch empfehlen? Vielleicht Bastian Sick, dem Autor von "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", denn Henning Genz ist ein belesener Mann und er verwendet solche Worte wie "alsbald" und "dessenungeachtet" und "etwelche" und "laesslich" und "obschon" und "schlussendlich".

Man merkt es schon, darueber hinaus fand ich sein Buch etwas enttaeuschend. Das haengt weniger damit zusammen, was darin steht, sondern mehr damit, was nicht darin steht. Insbesondere steht - meines Erachtens - nicht viel zu seinem Titel darin, naemlich nur ein Abschnitt am Ende von Kapitel 6, der in die Gedanken John Wheelers einfuehrt, und den Schlusssatz des gesamten Buches ("Auf jeden Fall besitzen die Naturgesetze eine haertere und klarere Realitaet als die Objekte, von denen sie sprechen."), der an dieser Stelle eher wie eine These wirkt, die noch zu untermauern waere. Das ist schade.

Der Grossteil des restlichen Buches beschaeftigt sich mit historischen Darstellungen der mathematischen und naturwissenschaftlichen Forschung. Die historische Darstellung ist eine von vielen, aber sie ist nicht unbedingt leicht nachzuvollziehen, da sie all den Irrwegen(*) der Vergangenheit folgen muss. Auch denke ich, dass die potentiellen Leser, die zu diesem Buch greifen, sich schon an anderer Stelle ueber Ptolomaeus, Kepler und Newton belesen haben.

Darueber hinaus geht es mir wohl eher um Geschmacksfragen. Dass die unsaeglichen "Alice" und "Bob" der Quanteninformation durch "Haensel" und "Gretel" ersetzt werden fand ich regelrecht erleichternd. Dass John Bells FAPP ("for all practical purposes", aus seinem Artikel "Against Measurement", bei Henning Genz "fuer alle praktischen Zwecke/Ansprueche") recht langwierig eingefuehrt wird ohne beim Namen genannt zu werden, mag noch angehen. Dass aber die Rolle eines Erhaltungssatzes, also Information ueber beide Teilchen, das EPR Phaenomene erst ermoeglicht, auf eine schrullige Quantenhexe reduziert wird, erscheint mir nachlaessig.

Das Buch listet viel Bekanntes auf ohne viel Neues hinzuzufuegen. Nach Thomas Kuhn dient es damit eher der Kanonisierung der bestehenden Paradigma als dem Ueberwinden althergebrachter Denkweisen. In Bezug auf die ausgiebig diskutierte Quantentheorie scheint aber eher letzteres notwendig zu sein.

Die Ueberzeugungen des Autors haben mich mit zwiespaeltigen Gefuehlen zurueckgelassen ("Logik und Mathematik basieren auf Physik: Jeder Beweis ist ein physikalischer Prozess."). Oder zu Computern: "Die Physik ... beruht auf der Quantenmechanik - der physikalischen Theorie, die das Verhalten der elektronischen Bauteile des Rechners bestimmt." Bei Lichte besehen ist es nur die Bandstruktur kristalliner Halbleiter, die quantentheoretisch bestimmt ist, ein durchaus klassisch zu verstehendes physikalisches Konzept. Es resultiert aus Mittelwertbildungen, die dem Uebergang von der kinetischen Energie von Gasmolekuelen zur Temperatur des Gases (dieser Punkt wird im Buch ausfuehrlich diskutiert) recht aehnlich sind. Was bleibt da von der Quantentheorie uebrig?

Das Buch ist sicher eine willkommen Resource fuer Leser, die das etablierte Wissen zur Geschichte der Physik in einem Buch gesammelt finden moechten. Es kommt mit einer ausfuehrlichen Literaturliste, die Interessierten weitergehende Quellen erschliesst.

(*) aus heutiger Sicht
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am 18. Dezember 2002
Ja, das Buch ist nicht leicht zu lesen. Das hängt nur zum Teil an den häufigen Verweisen zur Quantentheorie, die vielen nicht vertraut ist. Schlimmer sind der konfuse Aufbau des Buches, der recht eigenartige, tlw. sprachwidrige Schreibstil des Autors, unklare Gedankengänge, uneinheitliche Darstellung - manchmal leicht und locker zu lesen, dann wieder sehr tiefschürfende Betrachtungen. Am meisten störte mich, daß auch nach zwei-maligem Lesen des Buches es mir immer noch unklar war, welche These(n) der Autor unterbreiten wollte. Auch: Warum nicht mal ein paar Förmelchen; das erwartet man doch von einem Physiker.
Trotzdem ist das Buch lesenswert für alle, die sich einige Tage/Wochen mit Fragen an der Grenze zwischen Physik und Philosophie beschäftigen wollen. Jedoch: Gribbin, Barrow, Pais,
Penrose, Vollmer, Randow verstehen sich besser auszudrücken.
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