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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In diesem kompakten und dichten Buch, das sich an eine breite Leserschaft wendet, aber dennoch wissenschaftlich korrekt bleibt, ergründet Cavalli-Sforza, inwieweit die weltweiten Verzweigungen der menschlichen Phänotypen, der Sprachen und der Gene miteinander übereinstimmen, und bejaht diese Übereinstimmungen; D.h. Verwandtschaften der Sprache spiegeln sich auch im Erbgut, Unterschiede der äußeren (phänotypischen) Merkmale der Völker zeigen sich (zumeist, nicht immer) auch auf der Ebene der Genetik und der Linguistik.
Nebenbei erklärt der Autor, weshalb eine Klassifikation der Menschen in Rassen, trotz aller genetischen und phänotypischen Unterschiede, der Sache nach unmöglich ist; weiterhin erfahren wir, dass die Europäer, anders als von den Rassekundlern vergangener (unsäglicher) Zeiten angenommen, nicht etwa den reinsten "Rassen" angehören, sondern den durchmischtesten. Schließlich zeigt er auf, wie sich die Verbreitung der verschiedenen Gene auf technologisch-zivilisatorische Neuerungen stützte, wie z.B. den Ackerbau, die Töpferei oder die Anfänge gewisser metallurgischer Verfahren, die entweder einen Bevölkerungsschub ermöglichten, oder der kriegerischen Ausbreitung der Sprachen, Völker und Gene den Weg bereiteten.
Nach dem unbenennbaren Leid, dass die pseudowissenschaftliche Rassenkunde des 19. und 20. Jahrhunderts über die Menschheit gebracht hat, ist es ein wahres Glück, das Thema endlich einmal von einem überaus kundigen und wahrhaft wissenschaftlich arbeitenden Autoren dargestellt zu bekommen.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. November 1999
Luigi Cavalli-Sforza ist einer der wenigen Wissenschaftler, denen es gelingt, sich verständlich, fesselnd und zugleich fachlich richtig auszudrücken, und das auch noch in einer Wissenschaft, die als recht schwierig gilt: Nämlich der Humangenetik. Sie ist aus zwei Gründen schwierig: Zum einen, weil die Zusammenhänge zwischen Genen und dem, was sie codieren, alles andere als simpel sind, und zum anderen, weil sie politisch immer wieder aufs Übelste mißbraucht wird. Cavalli-Sforza geht im wesentlichen auf den zweiten Aspekt ein; eine wichtige Rolle spielt dabei die Auseinandersetzung mit dem Rassismus. Es ist ganz offensichtlich und unleugbar, daß es verschiedene Rassen von Menschen gibt. Die Unterschiede liegen sowohl in den Genen, oftmals aber noch weit stärker im kulturellen Erbe. Unter bestimmten Bedingungen ist sogar eine Rasse einer anderen überlegen. Zum Beispiel ist schwarze Haut wesentlich besser geeignet als Schutz gegen die mutagene Wirkung des UV-Anteils starker Sonneneinstrahlung als weiße Haut. Geringere Körpergröße ist in manchen tropischen Gebieten auch ein Mittel zur Verringerung des Energieverbrauches und damit zu einer geringeren Wärmeproduktion im Inneren des Körpers - damit wird die Gefahr eines Hitzschlages verkleinert. Gesicht und Körper der Mongolen sind so gebaut, daß sie einen Schutz gegen die extreme Kälte in jenem Teil Asiens bieten, wo diese Völker leben. Cavalli-Sforza präsentiert noch viel mehr interessante und einleuchtende Beispiele für die Anpassung an Klima- und Ernährungsbedingungen, die sichtbare Unterschiede der Rassen hervorgerufen haben. Die systematische Analyse von Genen, Blutgruppen, Sprachen und anderen Merkmalen wird heute in der Anthropologie dazu genutzt, Stammbäume zu erstellen und herauszufinden, woher die ersten Menschen eigentlich kamen, wohin sie gewandert sind und wie sie sich dabei verändert haben. Die Spur führt immer zurück nach Afrika, ausgerechnet in das Land, dessen Bewohner heute noch am meisten unter rassistischer Verachtung leiden. Er beschreibt anschaulich, mit welch verschiedenen und raffinierten Methoden sich die biologische und politische Geschichte der Menschheit entschlüsseln läßt. Dieses höchst empfehlenswerte Buch ist nicht nur gut gegen Rassismus, sondern eröffnet neue und überraschende Perspektiven, Menschen anzuschauen.
Hans-Curt Flemming
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