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38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch
Sebastian Haffners "Preußen ohne Legende" ist eine hervorragende Einführung in die preußische Geschichte - nicht so wissenschaftlich gehalten wie das Standardwerk von Hans-Joachim Schoeps "Preußen" - aber auch mehr als eine reine Bilanzierung des Phänomens "Preußen", wie sie Christian Graf von Krockow in seinem - hervorragenden -...
Veröffentlicht am 19. August 2003 von Bernhard Nowak

versus
45 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unbterhaltsam, aber
Wer es gewohnt ist, wissenschaftlich zu arbeiten, wird von dem Buch enttäuscht sein: Es handelt sich um eine (keineswegs unseriöse) historische Plauderei, bei der die Grenzen zwischen Meinungen des Autors und belegten Tatsachen oft nebulös bleiben.
Haffner suggeriert mit dem Titel eine legendenfreie Darstellung Preußens. Er vermeidet jedoch...
Veröffentlicht am 23. Juni 2005 von Eric Pawlitzky


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38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch, 19. August 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Sebastian Haffners "Preußen ohne Legende" ist eine hervorragende Einführung in die preußische Geschichte - nicht so wissenschaftlich gehalten wie das Standardwerk von Hans-Joachim Schoeps "Preußen" - aber auch mehr als eine reine Bilanzierung des Phänomens "Preußen", wie sie Christian Graf von Krockow in seinem - hervorragenden - Preußen-Buch (Preußen - eine Bilanz) oder Marion Gräfin Dönhoff in ihrem kürzeren - ebenfalls sehr empfehlenswerten Werk "Preußen: Maß und Maßlosigkeit" vorgelegt haben.
Haffner entwirft fesselnd einen großartigen Überblick über die 170-jährige Geschichte Preußens, welches als Großmacht erst seit 1701 bestand und erst unter Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) und seinem Sohn und Nachfolger Friedrich dem Großen (1740-1786) zu einer Großmacht heranwuchs. Insbesondere seine religiöse Toleranz und seine hervorragende Verwaltung machen es im 18. Jahrhundert zum modernsten Staat Europas. Mit der Reichsgründung von 1871 beginnt nach Haffner das "lange Sterben" Preußens und nicht umsonst hat Wilhelm I., seit 1861 preußischer König, in der Reichsgründung das Ende Preußens erblickt, wenn der Staat auch erst mit dem Preußenschlag Papens 1932 und endgültig erst mit seiner Auflösung durch die Besatzungsmächte 1947 als Staat zu existieren aufhörte. Haffner zeigt eindeutig, wie unpreußisch Hitler und sein Regime war, welches zunächst durch den "Tag von Potsdam" eine Legitimation zu erlangen suchte, die mit seinen wahren Absichten nichts zu tun hatte. Der Rechtsstaat, der Preußen gewesen ist, wurde als erstes von Hitler abgeschafft. Auch die Attentäter des 20. Juli 1944 - das Attentat ereignete sich exakt 12 Jahre nach Papens Preußen-Schlag und der Entfernung der letzten demokratischen Regierung unter Otto Braun (SPD) - wollten - so Haffner - nicht Preußen, sondern Deutschland retten (S. 499). "Es wäre übertrieben zu sagen, daß niemand dem toten Preußen nachtrauert. Die Trauer der Vertriebenen um verlorene Heimat darf man freilich nicht mit Trauer um den preußischen Staat verwechseln - im gegenteil, es ist bemerkenswert (und bewunderswert), wie leicht und klaglos sie sich in ihre neuen staatsbürgerlichen Verhältnisse gefunden haben. Es gab (und gibt) aber gewiß in Deutschland nach 1945 noch viele Ex-Preußen - nicht nur Heimatvertriebene -, die manches für ihre einstigen Staat Charakteristische schmerzlich vermißten: in der Bundesrepublik die strenge preußische Ordnung und Redlichkeit, in der früheren DDR die trockene preußische Liberalität und Gedankenfreiheit. Nur: "Niemand kann sich auch mit dem größten Aufgebot an Phantasie eine Lage vorstellen, in der Preußen wieder zum Leben erstehen könnte, und niemand kann daher eine Wiedergeburt Preußens ernstlich wünschen, wie viele sich eine Wiedervereinigung Deutschlands gewünscht haben.Die Wiedervereinigugn war vorstellbar, wenn sie auch zeitweise unerreichbar shien, die Wiedergeburt Preußens ist es nicht. Preußen ist tot, und Totes kann nicht ins Leben zurückgerufen werden." (S. 22)
Haffner hat damit sicherlich recht, wie auch die Debatte über das Neuentstehen eines preußischen Bundesstaates anläßlich des Vorschlages des brandenburgischen Sozialministers, das künftige Berlin-Brandenburg in Preußen umzubenennen, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahre 2002 gezeigt hat.
Hans-Ulrich Wehler hat in einem bemerkenswerten Aufsatz vom 23.02.2002: "Preußen vergiftet uns: Ein Glück, daß es vorbei ist" die Thesen Haffners aus dem Jahre 1979 - der Erstauflage des vorliegenden Buches - wiederholt und begründet.
Nichtsdestotrotz gehört Preußen zur deutschen Geschichte - und diese sollte man kennen. Dazu hat Haffner mit dieser reich illustrierten plastischen Darstellung beigetragen.
Ich halte das vorliegende Buch neben seinen "Anmerkungen zu Hitler" für sein bestes Buch. Als Ergänzung zu seiner Lektüre empfehle ich die oben genannten Werke von Marion Gräfin Dönhoff, Christian Graf von Krockow und Hans-Joachim Schoeps sowie Haffners - zusammen mit Wolfgang Venohr - herausgegebenes Buch "Preußische Profile".
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Werden und Sterben Preußens..., 1. Januar 2006
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Das Werk in der 1. Taschenbuchausgabe von 1981 war leider lange bei mir ein Regalhüter geblieben, jetzt war ich anlässlich der Lektüre von Dönhoff-Büchern auf das Thema Preußen gestoßen und hatte gemerkt, wie wenig ich eigentlich von diesem merkwürdigen untergegangenen Staat wusste. Also griff ich zu Haffner, der mich in vielen seiner Bücher verblüfft hatte durch Anschaulichkeit und präzisen Ausdruck. Und ich muss wieder erstaunt feststellen, dass sich selbst die Lektüre dieses vielleicht trocken anmutenden Themas bei ihm lohnt.
In insgesamt sieben Kapiteln breitet der reich illustrierte Band die Entstehungsgeschichte aus dem deutschen Ritterorden um Marienburg und Königsberg, seine eher zufällige Verbindung mit dem Hohenzollerngeschlecht und damit Brandenburgs und das schließliche Absterben und Untergehen Preußens im Deutschen Reich detailreich aus. Gut an dem Buch ist, dass es mit Vorurteilen aufräumt, wie etwa dem, dass es eine kontinuierliche Entwicklung über Friedrich II. und Bismarck hin zu Hitler gegeben hätte. Viele der Hitler-Attentat-Beteiligten aus dem Kreis um den Bayer Stauffenberg waren schließlich auch Preußen und repräsentierten damit letztlich die guten, auf Toleranz beruhenden Traditionen, die Preußen in die Reichsgründung und wahrscheinlich auch das spätere Nachkriegsdeutschland einbrachte, auf das Haffner leider in dem Buch nicht mehr eingeht. Auf jeden Fall empfehlenswert und gut lesbar.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine fast perfekte Einführung zum Thema Preussen, 2. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Das ich mich hier aufraffe meine erste Rezension zu verfassen, ist bereits für sich genommen eine sehr positive Wertung.
Da ich mich bisher mit dem Thema Preussen nur in der Schule (also leider fast gar nicht) befasst habe, stellt dieses Buch meinen ersten wirklichen Berührungspunkt mit einem sehr vielschichtigen und spannenden Teil der deutschen Geschichte dar.

Sebastian Haffner hat es sehr gut verstanden, diese Materie lesbar und enorm interessant zu gestallten. Viele Abbildungen und eine sehr eingängige Formulierung führen zu einem intensiven Lesevergnügen. Sachlich, und an der einen oder anderen Stelle mit der persönlichen Meinung des Autors ausgeschmückt, zeichnet dieses Buch einen sehr guten Abriss der preussischen Geschichte. Der Stil Haffners ist nicht streng wissenschaftlich und doch jederzeit fundiert.

Ein kritischer Aspekt ist die Abhandlung der Ereignisse während der 170-jährigen Geschichte. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor manchmal "in der Zeit hin- und herspringt". Da dies aber eine höchst subjektive Empfindung ist und der Lesbarkeit nicht wirklich schadet, rechtfertigt es aus meiner Sicht keine Abwertung.

Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen, der einen soliden und verständlichen Einblick in die Geschichte eines bemerkenswerten Staates sucht. Bei mir persönlich hat dieses Buch die Neugierde geweckt und ich werde mein Wissen über Preussen mit den Buchempfehlungen aus anderen Rezensionen vertiefen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Souveränes Buch zur preußischen Geschichte, 4. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Preußen ohne Legende. Der Geschichte Preußens Unkundige mögen sich fragen, warum dieser Titel. Nun, Preußen hat, was seine Bewertung angeht, im Verlaufe der Zeit so ziemlich jede Extreme erlebt. Mal wurde es glorifiziert als das, was überhaupt die gesamtdeutsche Geschichte ausmacht, ein anderes Mal war es die Ursache für den "deutschen Sonderweg" und wurde verantwortlich gemacht für die Naziverbrechen.
Beide Extreme sind falsch und verzerren die preußische Geschichte noch bis heute.
Erst seit einiger Zeit wird in der Geschichtswissenschaft ein gemäßigteres Bild der preußischen Geschichte vertreten. Weder war es Preußens Schicksal, Deutschland zu gründen, noch war es verantwortlich für die Schrecken des 20. Jahrhunderts.
Sebastian Haffners Werk "Preußen ohne Legende" vertritt diese Auffassung und räumt mit den positiven und vor allem negativen Klischees zum Thema Preußen auf.

Mir gefiel dieses Buch insbesondere deshalb, weil es meine Auffassung von Preußen in etwa wiederspiegelt. Nicht alles was Preußen betrifft war positiv, dieser Staat hatte auch seine Schattenseiten, jedoch überwiegen in meinem Verständnis seine positiven. Denn das meiste Negative, was mit diesem Staat in Verbindung gebracht wird bzw. wurde, ging in Wahrheit nicht mehr auf Preußen zurück. Preußens Sterben begann schon mit der Kaiserreichsgründung 1871, am 1. Weltkrieg nahm es nur noch als halbsouveräner (wenn auch größter und mächtigster) Teilstaat des Deutschen Reiches teil und als Hitlers Nazis ihre Verbrechen begingen, war Preußen bereits tot. Durch den sogenannten Preußenschlag (1932) wurde das, was von Preußen noch übrig geblieben war auch noch hinweggefegt und als die Alliierten den Staat 1947 formell auflösten, erklärte man etwas bereits totes nocheinmal für tot.

Wie dem auch sei, jeder sollte sich seine eigene Meinung dazu bilden. Diese Buch bietet dazu eine gute Grundlage.

Inhaltlich muss ich dennoch ein wenig Kritik üben:
- Alle Kriege wurden zu wenig behandelt. Zwar wurden die relevantesten Themenkomplexe geschildert, da aber gerade die Kriege maßgeblich über Preußens Schicksal entschieden, wie Haffner selbst feststellt, hätte ich mir hier etwas mehr Details gewünscht. Beispielsweise wird in dem Buch nicht einmal Friedrichs Schiefe Schlachtordnung erwähnt und wüsste man im Voraus nicht schon etwas über die herausragende Bedeutung von Personen wie z.B. Blücher, dann würde sie einem aufgrund fehlender angemessener Erwähnung im Buch gar nicht auffallen.
- Die Bilder waren gut ausgewählt, jedoch hätte man sie besser platzieren können. Einige wirkten irgendwie fehl am Platz, wenn im Text z.B. gerade ein anderes Thema behandelt wurde, als es die Bilder zeigten.

Von mir deshalb 4/5 Sterne und eine absolute Kauffempfehlung.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Preußische Geschichte in Bildern, 2. Oktober 2007
Von 
F. Bley (Ditzingen, BW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Die hohe Seitenzahl dieses Werkes kann durchaus zu der Vermutung führen, dass Sebastian Haffner hier eine umfassende und tiefgehende Abhandlung der preußischen Geschichte vorgelegt hat. Ein Großteil des Platzes wird jedoch von Abbildungen historischer Malereien eingenommen, die dem Leser in Ergänzung zum Text einen Eindruck über die Personen und Orte vermitteln, die Preußen sein unverwechselbares Profil gaben.

Haffners Erzählung beginnt weit vor der Gründung des Herzogtums Preußen im Jahre 1525, befasst sich aber hauptsächlich mit der Zeit zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und dem Ende der Wilhelminischen Ära. Wie bei anderen seiner Werke ist auch dieses stark von der persönlichen Meinung des Autors geprägt, so dass an einigen Stellen der Verdacht aufkommt, dass sich durchaus andere Schlussfolgerungen aus den historischen Sachverhalten ziehen lassen. Dennoch - Haffners klare und strukturierte Schreibweise und die reichhaltigen Illustrationen lassen die Lektüre zu einem Genuss werden.

Wer sich intensiv mit Preußens Geschichte auseinander setzen möchte, sollte sich nach einem wissenschaftlicheren und ausführlicher geschriebenem Werk umsehen. Wer jedoch lediglich ein Eindruck über Preußen und seine historischen Größen bekommen möchte und mit einem Abriss der wichtigsten Ereignisse zufrieden zu stellen ist, dem sei "Preußen ohne Legende" hiermit wärmstens empfohlen.
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45 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unbterhaltsam, aber, 23. Juni 2005
Von 
Eric Pawlitzky (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Wer es gewohnt ist, wissenschaftlich zu arbeiten, wird von dem Buch enttäuscht sein: Es handelt sich um eine (keineswegs unseriöse) historische Plauderei, bei der die Grenzen zwischen Meinungen des Autors und belegten Tatsachen oft nebulös bleiben.
Haffner suggeriert mit dem Titel eine legendenfreie Darstellung Preußens. Er vermeidet jedoch über weite Teile der Darstellung empirische Belege und historische Vergleiche und liefert damit gerade Legenden erneuten Vorschub. Quellenangaben zu Zitaten oder empirischen Aussagen fehlen fast vollständig, die Darstellung verblüfft den Leser ab und zu mit Rückblenden und Zeitsprüngen, ein Kontext zu dem umfangreichen Bildmaterial fehlt oft. Insgesamt - auch aufgrund der nicht immer flüssigen Sprache - gewinnt man den Eindruck, bei dem Text handele es sich um einen abgedruckten Vortrag, der sich nicht unbedingt an ein kritisches Publikum wandte. Das Buch ist weder geschichtswissenschaftlich und schon gar nicht soziologisch hundertprozentig überzeugend.
Die aus meiner Sicht heute interessanteste Frage, was von dem preußischen Geist an konstruktiven oder reaktionären Elementen übrig ist, also die Frage des Hineinreichens preußischer Traditionen in die Gegenwart, kommt am Ende des Buches überraschend kurz. Mit keiner Silbe erwähnt wird die Rezeption Preußens in der DDR, die in der Entstehungszeit des Buches, 1979, bereits im Gange war und mit der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 einen ersten Höhepunkt erreichte. Auch in der Nachkriegsrepublik Westdeutschlands hat es für den Autor „Preußisches" offenbar nicht mehr gegeben.
Haffner definiert mehrere Schlusspunkte des Staates Preußen: 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches, die formelle Auflösung der preußischen Regierung durch die Nazis 1933 und einen Beschluss des alliierten Kontrollrates aus dem Jahre 1947. Haffner schreibt damit auf jeden Fall eine Geschichte Preußens, die in die Nazizeit hineinragt. Für diese Periode findet er den preußischen Geist bei einigen Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944. Was er nicht erwähnt, ist ein breiter Rückhalt, den die Nazis in Kreisen des niedergegangenen preußischen Landadels und der preußisch geprägten Reichswehr fanden. Unerwähnt bleibt in diesem Zusammenhang auch, dass der verhängnisvolle Umgang verschiedener preußischer Königshäuser mit Polen letztlich einen Teil der geistigen Grundlage für die Okkupation Polens 1939 und den bis heute nicht überwundenen Revanchismus lieferte. Selbst der Militarismus der DDR war aus meiner Sicht ein Kokettieren mit preußischen Traditionen, so war zum Beispiel der von Beethoven komponierte Yorcksche Marsch der offizielle Repräsentiermarsch der NVA, was sicher nicht nur als Hommage an Beethoven zu verstehen ist.
Das Dilemma von Haffners Methodik besteht in dem Versuch, eine geschlossene Regionalgeschichte des ehemaligen preußischen Territoriums vermeiden zu wollen (was angesichts der im ständigen Fluss befindlichen Grenzen des preußischen Staates logisch erscheint) und gleichzeitig nach einer Kontinuität in einem abstrakten Phänomen „Preußen" zu suchen. Terminologisch vermischt er territoriale, politische, soziologische und landsmannschaftliche Aspekte. Das Bemühen, eine preußische Mentalität herauszuarbeiten und historisch zu begründen, führt zu keinem überzeugenden Ergebnis, weil Haffner zum Einen den durch ihn entwickelten Begriff selbst immer wieder erodiert und weil er zweitens, bis auf gelegentliche Vergleiche mit Österreich, auch Parallelen oder Unterschiede zu anderen nationalen Psychen nicht erörtert. Auch der Begriff des Staates an sich, auf den Haffner immer wieder angewiesen ist, wird nicht überzeugend entwickelt. Für Haffner ist der Staat so etwas wie ein unberechenbares Pferd, das von den unterschiedlichsten Königen und Regierungen geritten wird. So wird der Niedergang Preußens nach 1815 eben in keiner Weise ökonomisch erörtert (was z.B. einen Vergleich mit England erfordert hätte).
Haffner lässt sich zuweilen von der eigenen Euphorie für progressive Momente in der preußischen Geschichte verführen. So kommt er beispielsweise zu dem Schluss, dass der etablierte preußische Staat unter Friedrich II. der modernste europäische Staat seiner Zeit gewesen sei. Das mag vielleicht für den Vergleich mit den rückständigen deutschen Verhältnisse zutreffend gewesen sein. Nicht umsonst zogen es Hegel und Fichte vor, das Jena der Goethezeit gen Berlin zu verlassen. Es bleibt jedoch festzustellen, dass das frühbürgerliche England und auch die von Haffner etwas verkannte französische Republik dem damaligen Königreich Preußen in der gesellschaftspolitischen Entwicklung weit voraus waren. In diesen Ländern gab es zur gleichen Zeit immerhin funktionierende Elemente einer demokratischen Kultur.
An anderen Stellen, z.B. bei der Würdigung der Reformen von Stein und Hardenberg, reicht die empirische Basis des Autors offenbar nicht aus, um zu einem gerechten Urteil zu kommen. Die Bedeutung dieser Reformen für die gesamte deutsche Rechtsentwicklung kommt zu kurz, ebenso wie der Einfluss des Code Civil in den von den Franzosen besetzten rheinischen Gebieten.
Das Buch habe ich dennoch mit Vergnügen gelesen. Anlass war die Lektüre von Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg", bei der mir deutlich wurde, wie viele weiße Flecken es auf meiner historischen Landkarte noch gibt. Haffner hat einige dieser Lücken geschlossen, auch wenn die Akribie, mit der Fontane Regionalgeschichte aufarbeitete, nun umso bewundernswerter dasteht. Als mulmiger Aha-Effekt bleibt die Erkenntnis angesichts der jüngsten Reformdebatten in der Bundesrepublik Deutschland (Föderalismusstreit), dass Kleinstaaterei und Partikularismus nach etlichen Jahrhunderten immer noch nicht überwunden sind und erneut dringend notwendige Veränderung blockieren.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Illustrativer Abriß einer deutschen Staatsidee, 16. Juli 2001
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Wenn man sagt, Haffner gelingt mit < Preußen ohne Legende > eine facettenreiche und illustrative Darstellung Preußens vor dem Hintergrund seiner Geschichte, so hat man Recht. Der Titel aber impliziert schon, dass es noch mehr ist: Die chronologische Beschreibung Preußens, seine Wirklichkeit in Staat und Gesellschaft kann nicht ohne den steten Bezug zum Charakter eines künstlichen Konstrukts, also im Spiegel eines idealtypisierten Modells <Preußen> dargestellt werden. Gerade hierin liegt Haffners Anspruch an einen objektivierten Abriß, der sowohl stereotypen Vorurteilen kritisch gegenübersteht, als auch einer ideologischen Vereinnahmung Preußens einen Abbruch tut. In Haffners Darstellung Preußens als staatliche Idee mit ihren zeittypischen Verwirklichungen bzw. Entartungen liegt ein Grundstein des aktuellen Auseinandersetzens zum Preußenjahr 2001. Die Redlichkeit des bekennenden Preußen Haffner, sowie sein Geschick einer ungemein veranschaulichenden und konsistenten Darstellung machen dieses Buch lesenswert und, obschon vor der Wiedervereinigung verfasst, würdig, in der aktuellen Diskussion seinen Beitrag zu leisten.
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5.0 von 5 Sternen Erstklassige Preußen-Analyse, unbedingt lesen!, 6. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Zugegeben hatte ich bisher von rein preußischer Geschichte nur eine blasse Ahnung. Das Buch war für mich eine Offenbarung. Nach dem Lesen weiß ich jetzt gewissermaßen ohne Mühe, wie spannend Preußen war und ist, warum wer was gemacht hat, welcher Herrscher welche Verdienste hatte, insgsamt eben, wie sich Preußen überhaupt entwickelt hat und wie auch die Vorurteile über Preußen zustandekommen konnten.
Haffner entwickelt die Geschichte von den Ursprüngen an bis zum Ende des Staates, aber man wird nicht durch Details gelangweilt, die man eh gleich wieder vergessen würde. Er schafft es, einem einen Überblick zu geben, ohne daß man nur an der Oberfläche hängenbliebe. Ich behaupte, nach dem Lesen dieses Buches kann man ganz gut über Preußen "mitreden" und versteht (für mich zum ersten Mal) die Faszination dieses Staates. Auch erschlossen sich mir politische, historische Zusammenhänge, die ich bisher so nicht gesehen hatte, z.B. warum es bis heute landsmannschaftliche Vorurteile innerhalb Deutschlands gibt (Bayern gegen "Saupreußen z.B.).
Mir scheint das Buch hochaktuell zu sein angesichts des Überhandnehmens von "religiösem" Haß, Pegida usw.: Preußen war kein Nationalstaat, integrierte Immigranten sämtlicher Couleur vorbildlich und stellte Vernunft und Pflichterfüllung an erste Stelle. Man bedauert regelrecht am Ende des Buches, daß es Preußen nicht mehr gibt.

Haffner schreibt sachlich und dennoch spannend in einem leicht lesbaren Stil.
Diese Ausgabe enthält viele Abbildungen, es lohnt sich, da man so einen noch besseren Eindruck bekommt.
Wer dann auch noch das Glück hat, in der Nähe von Preußischen Kulturdenkmalen zu wohnen, z.B. Potsdam oder Berlin, dem wird es noch mehr Freude machen, diese Stätten zu besuchen, weil er sie nach der Lektüre viel besser verstehen wird.
Fazit: Eins der besten Bücher, die ich gelesen habe. Chapeau für dieses Werk!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte spannend und anschaulich, 6. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
Besser kann man Preußens Geschichte kaum darstellen. Die Kombination von Text und Bildmaterial machen das Thema zur spannenden Lektüre, die man an einem Stück liest. Haffner begeistert mit seinem Schreibstil jeden an Geschichte interessierten Leser.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut geschrieben, schlecht gebunden, 27. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
das Buch ist sehr informativ, und hervorragend geschrieben. Leider ist es miserabel gebunden. Nach einmaligen umblättern fallen schon die ersten Seiten heraus.
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Preussen ohne Legende
Preussen ohne Legende von Sebastian Haffner (Taschenbuch - Dezember 1998)
EUR 18,00
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