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am 2. Februar 2011
Zum 25. Mal jährt sich der Tag der Ermordung Olof Palmes, ein gut gewählter Zeitpunkt, aus dem nun doch zeitlichen Abstand heraus nicht nur an den Politiker zu erinnern, sondern das Erbe dieser europäischen Integrationsfigur der Sozialdemokratie mit in den Fokus der Betrachtung zu rücken.

Olof Palme hatte sie ja, diese Idee einer anderen Gesellschaft, eines modernen Sozialstaates mit seinen Errungenschaften wirtschaftlicher und sozialer Natur, aber auch mit seiner tiefen Verwurzelung in der Kultur und der Kunst. Ähnlich wie Willy Brandt war auch bei Olof Palme die Nähe zu den Kunstschaffenden, Autoren, Filmemachern zu erkennen, getreu der Erkenntnis, dass der Geist eines modernen, Einfluss nehmenden Menschen ein mehr an Bildung und innerer Entfaltung benötigt als nur politische Schlagfertigkeit oder wirtschaftliche Kompetenz.

So ist dies eines der eindrucksvollsten Angänge des Buches, sich der Gesamtpersönlichkeit Olof Palmes zu nähern, hinter die Legende und hinter das Geschehen seiner Ermordung (die vieles davorliegende bis heute überschattet) zu blicken. Seine Prägungen von Jugend an, die Entwicklungen seiner Überzeugungen, die das Land Schweden nachhaltiger später verändert und beeinflusst haben, als Generationen von Politikern vor ihm und die bis heute fundamental nachwirken im modernen schwedischen Staat. Die Geschichte auch seiner engen Kontakte, weit verzweigt und durchaus differenziert, sich aber nie vereinnahmen lassend von reinen Ideologien, sondern immer mit dem Blick für das Ganze, die Anforderungen der modernen Zeit. Nicht ohne Grund waren er und Willy Brandt eng befreundet, beide auf ihre Weise eine corporate identity eines neuen politischen Ansatzes und Verständnisses im gesamtkulturellen Kontext je ihrer Gesellschaft.

Diese Form der Gesamtschau verfolgt auch Henrik Berggren und es tut dies mit Erfolg.
Nicht trockene Fakten, politische Entscheidungen oder die Stilisierung zum Helden der Linken stehen am Ende der Lektüre, obwohl von allem zur entsprechenden Zeit genügend im Buch nach zu lesen ist.
Eine ganze Zeit der Hoffnung mit ihrem Grundgefühl des gesellschaftlichen Aufbruches ersteht ein stückweit wieder auf in der breiten Darstellung Berggrens. Mehr Freiheit wagen auf allen Ebenen, dabei überzeugt sozialdemokratische Grundanliegen vertreten, die Kultur als gleichwertig der Wirtschaft und anderer, gesellschaftlicher Faktoren mit hinein nehmen, in der Person Olof Palmes ging eine ganze Generation an den politischen Start, die ihrem Verständnis nach im Humanismus und der Verbesserung von Lebensbedingungen der Menschen sich verwurzelt sah. Nur auf dieser Verstehensebene ist erklärbar, warum Olof Palme gegen jede Form des Lagerdenkens durchaus Amerika kritisieren konnte im Rahmen des Vietnamkrieges, ohne Ansehen des jeweiligen politischen Systems bereit war, mit seinem Land Schweden humanitäre Hilfe zu leisten, in gleicher Form sich aber genauso scharf gegen eine sowjetische Interventionspolitik zu richten wusste.

Letztlich, auch wenn der Begriff fast entwertet und abgedroschen erschient, Olof Palme war ein Idealist im besten Sinne, ohne dogmatisch verbohrt in Starrsinn zu verfallen. Ein Idealist, der den Geist einer ganzen Zeit in sich aufnahm und gestalterisch umsetzte. Das ist es letztlich, was bis heute seine Faszination und sein Charisma ausmacht und dieser Faszination nähert man sich als Leser durchaus im Wahrnehmen der knapp 700 dicht gedruckten Seiten.
Ein Visionär mit hohen moralischen Standards, der eine Idee hatte. Besser kann man einen Mann, der seine Ideale auf die Wirklichkeit hin überprüft, nicht beschreiben, als wie es Henrik Berggren (nicht nur in solchen Kennzeichnungen) gelingt. Eine Idee eines starken Staates, der tatsächliche für alle Bereiche seiner Menschen sich einsetzt und der das soziale, emanzipierte Leben als Zentrum gesellschaftlicher Verantwortung begreift. Bis heute ist Schweden damit vielen anderen Staaten weit voraus in seinen Errungenschaften für seine Bürger (nicht nur für einzelne Teile der Gesellschaft).

Überzeugend geschrieben und akribisch recherchiert gelingt Henrik Berggren zum einen die Darstellung eines außergewöhnlichen Menschen und Politikers, seiner Vision eines modernen Staates und der vielen Einflüsse, die ihn geprägt haben. Zum andern setzt Berggren den Geist einer ganzen Zeit wieder in den Mittelpunkt des Blickes und lässt fassbar werden, wie sehr das Wort und die Idee zu Zeiten weltgestaltend waren (und weiterhin sein könnten). Ein herausragendes Buch.
Kommentar
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am 8. Mai 2016
Das hier besprochene Werk ist grundsätzlich ein gutes bis sehr gutes Buch, auch wenn ich nur 3 Sterne vergeben habe. Der Autor spannt den Bogen von 1609, als der Ahnvater Palme Lyder aus Ystad kommend Stockholm für sich entdeckte, bis zum 28.02.1986 und somit Olof Palmes letztem Atemzug. Was manch anderer vielleicht als ausufernd bezeichnet, nämlich die Beschreibung der Vorfahren Olofs und seine Kindheit, ist für mich genau das, was eine Biographie ausmacht. In den ersten Kapiteln geschieht genau das und das sind die stärksten dieses Buches. Wo kommt Olof Palme her? Was trieb ihn als Kind und Student an? Warum hat er den Weg eingeschlagen, der ihn später zu einem der bekanntesten, vielleicht sogar beliebtesten europäischen Politiker seiner Zeit machte? Hier erkennt man in Henrik Berggren noch deutlich den Historiker. Sehr detailliert und liebevoll zeichnet er ein Bild des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, das für jeden wissbegierigen Leser eine Fülle an Geschichten und Informationen bietet. Palmes Schulzeit auf der Beskowska-Schule, während der er sich aufgrund seiner schwachen körperlichen Konstitution nach oben kämpfen musste. Seine Studienzeit in den USA, die ihn durch die vorherrschende Rassentrennung zu einem bekennenden Anti-Rassisten machte. Später dann sein Beitritt in den Sozialdemokratischen Studentenverein und in die Sozialistische Arbeiter-Partei. Bis zu diesem Punkt gefiel mir das Buch sehr gut, abgesehen davon, dass der Autor großer Palme-Fan ist und selten objektiv zu beurteilen scheint. Dann werden allerdings meiner Meinung nach die Pfade der schriftlichen Wiedergabe des Lebenslaufes verlassen und es geht fast ausschließlich um den Politiker Olof Palme, nicht mehr um den Menschen. Und wenn ich eine Biographie, also grob übersetzt „eine Lebensbeschreibung“ vor mir habe, dann will ich auch was über den Menschen vor und nach den öffentlichen Auftritten lesen. War er sympathisch, humorvoll, langweilig, streng usw usf. Leider halten sich diese Angaben rigide in Grenzen. Eine halbe Seite über seine Ehefrau Lisbeth Beck-Fries, dann zwischendurch mal der Einwurf von den Geburten der Söhne. Etwas später regelmäßige Erwähnungen über die Sommeraufenthalte auf Fårö. Dafür allerdings umfangreiche Lebensabrisse beinahe sämtlicher Mitarbeiter, Freunde und Kollegen Palmes. Genau aus diesem Grunde habe ich bereits eingangs dieses Buch als wirklich gutes und informatives Buch gelobt, weil man unglaublich viel über die jüngere schwedische Politik erfährt und man dergleichen bestimmt vergeblich auf den deutschen Büchermarkt findet. 2 Sterne Abzug aber, weil man nach meinem Dafürhalten nicht das bekommt, was drauf steht. Auch, dass Berggren abrupt mit den Schüssen auf Palme endet ohne selbst nach dem Grund, den Verstrickungen oder den möglichen Tätern zu fragen, empfinde ich als sehr enttäuschend, aber dennoch konsequent, da 680 Seiten lang nur an der Oberfläche des Menschen Palme gekratzt wird.
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TOP 500 REZENSENTam 21. September 2012
Henrik Berggren, der Autor, erläutert im Vorwort seine Motivation Olof Palme zu biographisieren. Die Erläuterung ist genau genommen eher eine Unterstellung, mit der Berggren vermutlich bei der Mehrzahl der Leser vollkommen richtig liegt, zumal bei denen außerhalb Schwedens und noch einmal mehr bei denen jüngeren Jahrgangs. Auf mich traf es jedenfalls absolut zu.

Berggren, Journalist bei der großen schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter", erhielt im Februar 2006 den Auftrag einen größeren Artikel anlässlich des bevorstehenden zwanzigsten Todestags von Olof Palme zu verfassen. Er tat wie ihm geheißen, stellte aber an sich selbst und an dem von ihm verfassten Artikel fest, dass Palmes Tod, das Attentat, die Ermordung und die zum Teil abstrusesten Verschwörungstheorien die seither um die Tat geistern, sowie die berechtigte Kritik, dass es bis heute nicht gelang den Mord an Palme am 28.02.1986 im Zentrum von Stockholm aufzuklären, dass all dies sein Lebenswerk überschattet. Sein Tod und dessen Umstände verstellen den Blick auf die wahre Persönlichkeit und sein gewaltiges politisches Wirken über mehr als dreißig Jahre. Olof Palme ist bis heue der international bekannteste schwedische Politiker, ein geachteter Staatsmann - nur warum? Gewiß nicht, weil er im höchsten Amt im Alter von 59 Jahren ermordet wurde! Fällt allerdings der Name Olof Palme, denk beinah ausnahmslos jeder assoziativ zunächst an das Attentat.

So machte sich der Autor daran dieses Leben zu beleuchten und legte fünf Jahre später, Anfang 2011 zum 25. Todestag Palmes, diese zirka 700 Seite starke ganzheitliche Betrachtung vor.
Und er schritt dabei Olof Palmes Lebensweg wirklich akribisch ab. Mag sein, dass die ein oder andere Einlassung zur Innenpolitik Schwedens oder zu Weggefährten Olof Palmes anfangs etwas zu ausführlich geraten scheinen. Doch im Verlaufe des Buches wird einem klar, dass sich nur so Palmes Weg schlüssig darstellen lässt, dass der Leser (und auch hier wieder umso mehr der Nicht-Schwede und die jüngeren) nur so vieles an Palmes Leitsätzen, Antrieben, politischen Motiven, Prioritäten und politischen wie auch persönlichen Präferenzen verstehen kann, wenn er den gesellschaftlichen Kontext kennt und auch näheres über die Weggefährten erfahren hat.

Dabei geriet die Biographie nicht zu einer Huldigungsschrift. So unmissverständlich am Ende des Buches klar ist: Olof Palme war kein Politiker der, mit einer Unterbrechung von sechs Jahren, als Karrierehöhepunkt insgesamt zwölf Jahre lang schwedischer Premierminister war, sondern viel mehr ein wahrhafter Staatsmann von internationalem Format, der merklich nicht nur Schweden geprägt hat, sondern auch weltweit Spuren hinterließ, doch genauso deutlich tritt im Buch auch Kritik auf. Kritik an gelegentlich zu weitgehender, unnötig scharfer Polemik, an einem zu hohen Maß an Emotionalität, wo etwas mehr Würde angebracht gewesen wäre.
Darüber hinaus arbeitet Berggren aber auch gezielt ungerechtfertigte Kritiken heraus, wo Palme ins Visier geriet, weil er gegen seine persönliche Überzeugung hie und da schwierige Kompromisse eingehen musste, um das Linksbündnis regierungsfähig zu halten. Die ewige Not sozialdemokratischer Regierungs-Chefs - sie können noch so sehr pragmatisch Notwendigkeiten erkennen und umsetzen wollen: wenn die Klassenkampf-Fraktion am linken Rand des Spektrums es nicht begreift, wird das Regieren zur Tortur. Ganz sicher kein spezifisch schwedisches Phänomen!

Man gewinnt mit dieser Biographie einen insgesamt guten Überblick über die Entwicklung Schwedens seit Ende des zweiten Weltkriegs bis in die Mitte der 1980er Jahre, erkennt Olof Palmes Anteil daran, auch aus der Zeit lang bevor er Premier wurde, erkennt auch seine für einen Schweden ungewöhnlich große Rolle auf internationalem politischen Parkett und man begreift den Menschen, sieht persönliche Facetten. Privatheit, die es in Olof Palmes Leben allerdings ohnehin nur marginal gegeben hat, wird im Buch nur auf die Erwähnung biografischer Eckdaten (Geburt der Söhne und dergleichen) reduziert.

Durch die Konsequenz mit der der Autor vorging, gelang ihm ein großartiger Abschluß des Buches. Berggren hat konsequent das Leben von Olof Palme nachgezeichnet, ging auf die Todesumstände im Buch kaum ein. Und so nimmt jener letzte private Freitag-Abend mit seiner Frau und einem seiner Söhne, der gemeinsame Kinobesuch und der Heimweg zu Fuß ohne Begleitschutz auch nur die letzte Seite ein. Zwei Schüsse, aus - ein letzter Tag, der hätte nicht der letzte Tag sein sollen.

Es folgt keine Nachbetrachtung, keine Schilderung der Ereignisse danach. Das Buch reißt mitten in der Handlung ab - wie das Leben von Olof Palme.

Abschließend ein Kompliment an die Übersetzer Susanne Dahmann und Paul Berf. Es ist gelungen dieses Buch nicht nur faktisch und sprachlich richtig zu übersetzen, sondern eine wirklich schöne Sprache zu finden. Sachlich, aber nicht steril. Dem Meister der Rhetorik, Olof Palme, hätte es gefallen.
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am 3. September 2011
Das Buch stellt sehr langatmig die Kindheit von Olof Palme vor. Es ist schon wichtig zu wissen, woher ein Politiker kommt. Mir war der Teil zu umfassend. Die Wurzeln im 19 Jahrhundert hätte man kürzer darstellen können.

Seine Entwicklung zum Vollpolitiker dagegen ist gut dargestellt. Da bekommt man ein plastisches Bild der Person.

Zu kurz geraten ist seine letzte Lebensphase nach der Wiederwahl Ende der 70-er Jahre. Da fehlt mir sehr viel. Vielleicht wäre es da sinnvoller gewesen, einen zweiten Teil zu schreiben.

So ist das zu kurz, die Zusammenhänge lassen sich nur erahnen.

Das Buch endet ziemlich abrupt mit dem Mordanschlag 1986. Ohne Nachbetrachtung, ohne Würdigung der Hintergründe.

Insgesamt ist das Buch ok, aber ich hatte mir ehrlich gesagt mehr erwartet.
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am 19. Juni 2011
Ein großartiges und gut geschriebenes Buch, das auf 679 Textseiten nicht nur das Leben Olof Palmes beschreibt, sondern auch die Geschichte Schwedens im 20. Jahrhundert nachzeichnet und damalige soziale sowie politische Tendenzen in ganz Europa aufgreift. Detailliert wird die Vita Palmes skizziert, des Mannes mit großbürgerlich-aristokratischen Wurzeln, der als Sozialdemokrat sehr jung in hohe Ämter aufstieg. Als langjähriger und loyaler Assistent von Ministerpräsident Tage Erlander -- Berggren gibt dem Kapitel hierzu den Titel 'Der Zauberlehrling' -- gewann er zunehmend Einfluss, wechselte er sozusagen gleitend aus der Position des Beamten in die Tätigkeit des Politikers. Nach und nach wurde er zur Grauen Eminenz im Stockholmer Staatsministerium und zog immer mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Betrachtet man das Schweden der Nachkriegszeit, so war der junge Palme nach einem Studienaufenthalt in Amerika und Reisen u.a. nach Asien ein für seine damaligen Landsleute ungewöhnlich weltoffener und sprachgewandter Mann. Für mich ergaben sich viele neue Details über den Politiker. Interessant, dass sich der spätere entschiedene Gegner von Atomwaffen Ende der 1950er-Jahre kurzzeitig für die atomare Bewaffnung Schwedens aussprach und argumentierte, Neutralität könne nicht bedeuten, dass ein Land schutz- und tatenlos am Rande stehe. Ab 1969/70 stand Palme gemeinsam mit Willy Brandt und Bruno Kreisky für eine neue Generation sozialdemokratischer Führer in Europa.

Palme war ein hervorragender Redner (oder, in der Diktion seiner Gegner, ein Demagoge), ein durchaus auch schillernder Mann von hoher Intelligenz und ein Politiker, der im In- und Ausland in erheblichem Maß polarisierte. 'Für einen großen Teil der schwedischen Bürgerlichen war Palme kein verlorener Sohn, sondern geradezu eine Kombination aus zwei negativen Phänomenen, nämlich der kollektiven Kraft der Arbeiterbewegung und der Arroganz der Oberschicht', schreibt Berggren. 'Das Provozierende an Palme war nicht, dass er streitbar war, sondern dass er es so offensichtlich genoss. Die Art und Weise, in der Palme sich in Debatten stürzte, hatte für schwedisches Empfinden fast etwas beunruhigend Erotisches an sich.'

Als schwedischer Regierungschef überragt Olof Palme von seinem Format her bis heute seine Vorgänger und Nachfolger. Er habe, so schreibt sein Biograf, Politik gleichzeitig aus einem intellektuellen und aus einem taktischen Blickwinkel betrachtet. Manche sahen ihn 'größer als sein Land', wobei sich der Vergleich zu Österreichs Bruno Kreisky aufdrängt. Henrik Berggren nähert sich dem Politiker mit Respekt, vielleicht auch mit etwas Verehrung; sein Buch schrieb er erkennbar nicht mit dem Vorhaben, Palme zu 'demontieren'.

Der Umfang und die Ausführlichkeit des Werkes bedingen beim Leser ein enormes Interesse, und manche lange Passage mit Schilderungen der schwedischen Innenpolitik kann man schon mal überblättern. Nicht gefallen hat mir, dass das Buch mit den tödlichen Schüssen auf dem Sveavägen sehr abrupt endet, eine zumindest kurze Schilderung der polizeilichen Ermittlungen und der folgenden Ereignisse ebenso fehlt wie ein Epilog. Nur im Vorwort und äußerst knapp geht Berggren auf die doch gewichtige Frage ein, wer hinter dem Attentat auf Palme stehen könnte. Auch der Hass auf den Sozialdemokraten, der in Teilen der schwedischen Bevölkerung bestanden haben muss, die Rücksichtslosigkeit, mit der Palma seine politischen Ziele verfolgte und mit der er die Bevölkerung wohl in Freunde und Feinde gespalten hat, werden bei Berggren nicht so richtig deutlich. Dennoch: Ein sehr lesenswertes Buch.
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am 11. März 2012
Dieses sehr gut geschriebene Buch über Olof Palme schildert in hervorragender Weise das politische Handeln Olof Palmes, welches eingebettet in die gesellschaftlichen Rahmenereignisse war.
Gewiss kann man dem Autor eine große Sympathie und Nähe für Olof Palme unterstellen, die teilweise einer wünschenswerten distanzierteren Haltung entgegensteht.
Ebenfalls wünschenswert wäre eine umfangreichere Darstellung der politischen Ereignisse,da fehlt es manchmal. Ingesamt wird das gesellschaftliche Klima in Schweden in der damaligen Zeit sehr gut beschrieben, was ein absoluter Pluspunkt dieses Buches ist.
Dieses Buch ist gekennzeichnet durch einen journalistisch-biografischen Schreibstil, es ist dadurch unterhaltsam und bietet einen guten Einblick in die schwedische Gesellschaft jener Tage und stellt die prägnanten Wesenszüge und politische Überzeugungen des Politikers Olof Palme sehr gut dar.
Diese Biographie bietet einen guten Überblick über das Leben Olof Palmes und einen Einstieg in sein politisches Handeln und seine Überzeugungen.
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am 6. November 2013
Der ehemalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme (1927-1986) ist einer der wenigen Schweden, die weltweit bekannt sind, in einer Klasse mit Persönlichkeiten wie Gustav II. Adolf, August Strindberg, Astrid Lindgren, Alfred Nobel und Carl Larsson. Zugleich hat er - gemeinsam mit seinen Amtsvorgängern Per Albin Hansson und Tage Erlander - das moderne Schweden geprägt wie sonst kaum jemand. Es gibt also auch für deutsche Leser gute Gründe, sich näher mit Olof Palme zu beschäftigen.

Die vorliegende Biographie bietet hierzu eine gute Gelegenheit. Das Buch ist außerordentlich gut geschrieben, fesselnd, elegant, lässig, in einem routinierten und ansprechenden journalistischen Stil (ich habe das Buch auf Schwedisch gelesen, darf aber vermuten, dass es angemessen übersetzt ist). Dabei schildert das Buch Olof Palmes Leben ausführlich und in epischer Breite, beginnend mit der Geschichte der Familie Palme und endend mit Olof Palmes Tod am 28. Februar 1986. Der Autor stellt das Leben Olof Palmes in den Kontext seiner Zeit und behandelt letztlich die gesamte politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschichte Schwedens im 20. Jahrhundert. Ein eingehendes Interesse an schwedischer Politik, Geschichte und Kultur und vielleicht gewisse Vorkenntnisse sollte man schon mitbringen, sonst wird man eventuell gerade die Kapitel über Palmes Vorfahren sowie über seine Kindheit und Jugend etwas zäh und ermüdend finden. Für mich ist das Buch hochinteressant und voller Überraschungen. So ist es doch lustig (und bezeichnend für ein kleines Land wie Schweden, in dem innerhalb der Oberschicht alle irgendwie miteinander verwandt und bekannt sind), dass der Großvater von Olof Palmes finnlandschwedischer Großmutter jener junge Leutnant war, der in Johan Ludvig Runebergs bekanntem Versepos "Fänrik Ståls sägner" über den "finnischen Krieg" von 1808/09 in dem Gedicht "Sandels" ("Sandels han satt i Pardala by...") dem phlegmatischen General Sandels zu Unrecht Feigheit vorwirft. Wie überhaupt das hochemotionale Verhältnis der Schweden zu Finnland - das auch in der Familie Palme eine wichtige Rolle spielte, Palme selbst erhielt seinen Vornamen nach einem Onkel, der als Freiwilliger im finnischen Bürgerkrieg gefallen war - wahrscheinlich nur versteht, wer sich etwas intensiver mit Schweden befasst hat.

Der Autor zeichnet das Bild eines äußerst widersprüchlichen Menschen: Ein verwöhnter Jüngling aus der Oberklasse, der zum gefeierten Führer der Arbeiterbewegung wurde. Ein literarisch interessierter und gebildeter Intellektueller, der einen ungewöhnlich aggressiven und emotionalen Diskussionsstil pflegte. Ein Politiker, dessen Karriere beim Militär begann und der in den 1950er Jahren die schwedische Atombombe forderte, der aber später zum weltweit geachteten Vorkämpfer für Abrüstung wurde. Ein Bewunderer der USA, der in Amerika studiert hatte, später jedoch schärfer als jeder andere westliche Politiker den Vietnamkrieg kritisierte. Ein Idealist, der zugleich meisterhaft alle Finessen des politischen Taktierens beherrschte. Aber die These des Autors ist, dass diese scheinbaren Widersprüche in Wahrheit keine sind. Im Zentrum von Olof Palmes politischem Denken stand die Gleichberechtigung. Dies sollte zwischen den Staaten geltend, weshalb Schweden zum Fürsprecher der kleinen blockfreien Staaten wurde: Das kleine Schweden sollte gleichberechtigt neben den Supermächten stehen. Gleichberechtigung sollte aber auch zwischen den Menschen gelten. Deshalb war das nötig, was Olof Palme die "starke Gesellschaft" nannte: Nicht, um den Sozialismus einzuführen - den von den schwedischen Sozialdemokraten in den 1970er und 1980er Jahren propagierten Arbeitnehmerfonds stand Palme sehr skeptisch gegenüber -, sondern um allen Menschen, auch den Schwachen, gleichberechtigte Teilhabe am Leben und Chancengleichheit zu ermöglichen. Einer der Lieblingsbegriffe von Olof Palme war "Wahlfreiheit", was ja traditionell eher ein bürgerlich-liberaler als ein sozialdemokratischer Begriff ist.

Der Autor lässt eine grundsätzliche Sympathie für Palme erkennen, ohne dessen Schwächen zu beschönigen. So wird deutlich, dass der polemische und arrogant wirkende Palme, anders als seine Vorgänger Hansson und Erlander, nie in die Rolle des gütigen "Landesvaters" hineinwachsen konnte, was gerade im konsensorientierten Schweden ein echtes Handicap war. So wird auch verständlich, warum Olof Palme seinem Widersacher Thorbjörn Fälldin, ab 1976 einige Jahre der erste nicht-sozialdemokratische Ministerpräsident Schwedens seit über 40 Jahren, in gewisser Hinsicht nicht gewachsen war: Der nordschwedische Landwirt Fälldin verkörperte eine nicht-sozialdemokratische, ländliche, selbstbewusste, genuin schwedische Tradition, die dem intellektuellen großstädtischen Oberschicht-Kind Palme völlig fremd war. Dass eine der Auseinandersetzungen zwischen Palme und Fälldin ausgerechnet davon handelte, dass Palme ein großer Anhänger der Atomenergie war, während der konservative Fälldin die Atomkraft ablehnte (was dann auch zu großen Konflikten innerhalb des "bürgerlichen Lagers" führte), erscheint aus heutiger Sicht geradezu wie ein Witz.

Wer die Rezension bis hierher gelesen hat, wundert sich vielleicht, dass noch gar nicht von dem Mord an Olof Palme am 28. Februar 1986 die Rede war. Bei dem Namen Olof Palme denkt wahrscheinlich jeder zunächst an den bis heute nicht aufgeklärten Mord an dem schwedischen Ausnahmepolitiker. Aber genau das ist das Problem, das der Autor auch anspricht: Das Trauma der Ermordung Palmes und der nachfolgenden unglaublichen Fahndungspannen und Polizeiskandale verdunkelt bis heute die Erinnerung an den Menschen und Politiker Palme. Deshalb lässt der Autor, der den Mord und die nachfolgende emotionale Reaktion in Schweden in der Einleitung erwähnt - das Buch beginnt damit, dass der eben aus den USA nach Schweden zurückgekehrte Autor von dem Mord an Palme erfährt -, das Buch mit dem Tod Palmes enden und spart alles, was danach kommt, aus. Eine richtige Entscheidung. Alles, was auf den Mord an Olof Palme folgte, ist eine wichtige Geschichte, die viel über Schweden verrät. Aber in eine Biographie über Olof Palme gehört sie nicht. Olof Palme sollte nicht als Mordopfer, sondern als großer Politiker im Gedächtnis der Menschen bleiben.
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am 14. November 2015
Ich habe das Buch schon vor längerer Zeit gekauft. Zum Lesen bin ich erst jetzt gekommen. Gut geschrieben. Das Leben von Olof Palme wird sehr gut und objektiv dargestellt.
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am 4. September 2012
Wer diese Biographie liest, wird über Olof Palme ohnehin schon vieles wissen. Anderen Lesern seien die kürzeren Abhandlungen über den wohl beklanntesten schwedischen Politiker des 20. Jahrhunderts empfohlen. Wer sich auf dieses Buch einlässt, erhält ein detailliertes Psychogramm Palmes. Als wohltuend empfand ich, dass der immer prägenden Jugend viel Platz eingeräumt wurde, was bei anderen Biographien oft nicht der Fall ist. So ensteht ein detailliertes Bild Palmes, das trotz seiner Ausführlichkeit immer gut genießbar bleibt!
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