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Kundenrezensionen

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am 27. Juli 2010
Eine Frau flieht vor ihrem Schicksal und landet am Ende der Welt - in der Normandie. Hier weht der Wind rauer als es im Leben überhaupt möglich ist und das Meer nimmt sich, was ihm passt. Genau der richtige Ort um zu trauern und zu sich zurückzufinden. Eines Tages steht ein Fremder im Ort und erkundigt sich nach einer Geschichte, die 40 Jahre zurückliegt. Damals starb eine Familie in den tückischen Strömungen, angeblich, weil das Feuer im Leuchtturm nicht brannte. So nach und nach entpuppt sich der Fremde als Hinterbliebener jener Familie - seine Eltern und sein Bruder starben damals in den Fluten. Akribisch und unnachgiebig versucht er das Geschehene zu rekonstruieren - dem Meer das Geheimnis zu entreißen. Hat der Leuchtturmwärter mit Absicht das Leuchtfeuer gelöscht? Die Frau und der Fremde steuern gemeinsam auf tragische Erkenntnisse zu.
Was mich an dem Buch so gefesselt hat war der Schreibstil, der sich ein bisschen anfühlte wie die Meeresbrandung. Man sieht sie kommen, aber erst wenn sie da ist, bekommt man die Gewalt zu spüren. Es ist eine wunderbare, tragische, fesselnde Geschichte, in der man auf jeder Seite eine Wildheit spürt, die darauf wartet entfesselt zu werden. Das Buch ist wie ein Sturm, der aufzieht, wütet, verebbt und der Sonne wieder Platz macht.
Großartig.
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Wer einen Nachmittag lang müßig in Lillis Kneipe in der Nähe des Hafens von LaHague sitzt, wird in kurzer Zeit die meisten Bewohner des Ortes gesehen haben und ahnen, wer wen kennt, wer wessen Chef ist und wer ein Boot im Hafen liegen hat. Die Rolle der neutralen Bebachterin und Erzählerin nimmt in Claudie Gallays Roman eine junge Ornithologin ein, die auf der weit in den Ärmelkanal ragenden Landzunge Zugvögel beobachtet und kartiert. Sie hat sich für zwei Jahre beurlauben lassen, um nicht ständig in ihrer Heimatstadt Avignon an den Verlust eines geliebten Menschen erinnert zu werden. Die Trauer ist im Leben der Ornithologin allgegenwärtig, obwohl sie noch nicht bereit ist, ihr Platz einzuräumen. Die Erzählerin wohnt in einem Haus direkt am Meer. Ihre Mitbewohner sind der Bildhauer Raphael und seiner Schwester Morgane, ein Geschwisterpaar, das sich gegenseitig betrachtet wie sonst Liebende. Im Ort gibt es Kinder, die aufwachsen wie Katzen, die kleine Bachstelze, ein in der Entwicklung zurückgebliebenes Mädchen und den wunderlichen Max, der begeistert ausgefallene Wörter sammelt, obwohl er kaum Lesen und Schreiben kann. Man glaubt hier, dass diese besonderen Kinder von den Feen geschützt werden, wie man auch überzeugt davon ist, dass es in einigen Häusern spukt. Am Meer ist man gewohnt, dass das Meer Dinge gibt und Menschen nimmt. Manchmal werden die Toten wieder angespült; das Holz gestrandeter Schiffe wird seit altersher für die Dächer der Häuser verwendet.

Mit Lambert, der hier als Kind mit seinen Eltern im Sommerhaus der Familie die Ferien verbrachte, taucht ein zweiter Außenstehender auf. Für die Einheimischen ist Lambert kein Fremder, sie erinnern sich an seine Eltern und an seinen kleinen Bruder, die vor 40 Jahren mit dem Boot verunglückten. Das Schuldgefühl, als einziger seiner Familie überlebt zu haben, hat Lambert nie verlassen. Nun ist er zurückgekehrt, um sein Elternhaus zu verkaufen und um Théo mit den Ereignissen von damals zu konfrontieren. Théo, der Vater Lillis, war damals der Leuchtturmwärter. Lambert hat noch immer die leichtsinnig dahingesagte Bemerkung im Ohr, dass in der Nacht des Unglücks die Scheinwerfer des Leuchtturms abgeschaltet gewesen sein sollen. Früher hat Théo die Vögel gezählt. Mit der Ornithologin spricht Théo, der sonst zurückgezogen lebt, über ihre Aufgabe; sie scheint die einzige Person zu sein, die Zugang zu dem alten Zausel findet.

Die Erzählerin braucht bei ihrer Tätigkeit weder Uhr noch Kalender, sie muss nur am Ende des Monats ihre Aufzeichunungen absenden. So kann sie gelassen die Vorgänge im Dorf beobachten. Auch die Bewohner folgen einander bei jedem Schritt mit dem Blick oder dem Fernglas. Es passiert kaum etwas in Gallays stimmungsvollem Roman, er lebt von der Atmosphäre der Landschaft am Meer und der allmählichen Annäherung seiner Figuren. Als Leser muss man nur abwarten, wie der Ornithologin und Lambert die Beziehungen zwischen den Leuten im Dorf allmählich deutlich werden. Aus alten Fotos, Kinderspielzeug, das vor langer Zeit in einer anderen Stadt gekauft wurde, und der Geschichte eines alten Kastens, in dem früher ein Waisenhaus untergebracht war, entsteht schließlich ein Bild der Vorgänge von damals.

Gallays Beschreibung des Meeres zu allen Tageszeiten konnte ich mich nur schwer entziehen. In der Geschichte eines Dorfes, in dem einige vor Jahren den falschen Menschen liebten, werden am Ende ein paar lose Fäden wieder verknüpft; die Autorin gibt dennoch nicht alle Geheimnisse der Dorfbewohner preis. "Die Brandungswelle" war ein Buch, das für mich viel zu schnell zu Ende war, obwohl ich jede stimmungsvolle Beschreibung bewusst aufgenommen habe.
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TOP 500 REZENSENTam 2. März 2010
Bei all der durchschnittlichen und anstrengenden t.T. langweiligen, trockenen Lektüre der letzten Wochen, ist der neue Roman, dieser für mich unbekannten französischen Schriftstellerin mein erstes Highlight in diesem Lesejahr 2010, ich staune über dieses Talent, und möchte diese Buchneuheit uneingeschränkt weiterempfehlen, für mich ein echter Geheimtipp, der noch auf sich aufmerksam machen wird! In Frankreich stand dieses Buch wohl monatelang auf der Bestseller-Liste, 260'000 Exemplare sollen verkauft worden sein, erscheint in 11 weiteren Ländern, als ich das las, war ich ein wenig skeptisch, ob das wieder eine neue Verkaufsmasche ist, aber nein, Literatur zum Geniessen!! Diesem Buch wünsche ich möglichst viele viele Leser!

Die Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin erzählt nur limitiert darüber, wer sie eigentlich ist. Sie arbeitet für ein ornitologisches Zentrum, beobachtet und zählt Vögel. In stillen Gedanken spricht sie mit jemandem, den sie verloren zu haben scheint. "Du hattest gesagt, vergiss mich. Du hast mich schwören lassen, dass ich wieder lieben würde. Mein Mund im Innern von deinem. Man muss vergessen, das hast du gesagt, vergessen oder mich vergessen, ich weiss es nicht mehr. Du hast es gesagt, ohne deine Lippen von den meinen zu lösen, du hast es in mir versenkt, du musst ohne mich leben schwöre es mir...".

Sie geht in ein kleines Fischerdorf, im Nordwesten Frankreichs, am Ende der Welt, La Hague, befreundet sich mit den Menschen dort an, die ein ganz eigenes und einfaches Leben ganz nah am Meer führen und Fremde eher argwöhnisch beäugen. "Es gab nicht viele Lebende im Dorf, deshalb gab es auch nicht viele Tote." Ein Dorf, wo noch Legenden und Aberglaube eine Bedeutung haben. "In Vollmondnächten kann man angeblich einen Mann sehen, der auf einem grossen Pferd über die Heide reitet. Die Frauen träumen davon, ihn zu treffen. Sie gehen nachts hinaus, entfernen sich von den Häusern. Sie folgen der schmalen Pfade, die sich in der Heide verlieren. Am Morgen kehren sie zurück, niemand kann sagen, was sie getan haben."

Jeder kennt jeden, sie geht dort zwischen den Häusern ein und aus, als ob es ganz normal wäre. Ein Dorf, wo die Menschen Geheimnisse voreinander haben. Die fremde Ich-Erzählerin, wird auf die seltsame Nan und den Leuchtturmwächter Théo aufmerksam, Nan die hofft, dass "das Meer ihr die Toten wieder zurückgibt." Gallay beschreibt sie ein wenig:"Sie war eine seltsame Priesterin, eine Fischfrau, die aus dem Wasser oder einen anderen unterirdischen Welt gestiegen zu sein schien."

1967 sind drei Menschen des Dorfes mit einem Segelboot umgekommen. Die namenlose Protagonistin, wird darauf aufmerksam, und beginnt gemeinsam mit Lambert, einem ehemaligen Polizisten, den Geheimnissen auf die Spur zu gehen. Nan, die eigentlich Florelle heisst, ist eine alte seltsame Frau, die in den sechziger Jahren, ein Kinderheim mit dem Namen "Zuflucht" für Waise geführt hat. Die Spuren, führen in diese Zeit zurück, in dessen Zentrum die Rettung eines zweijährigen Kindes führt, das auf einem Floss angebunden, "vom Meer zurückgegeben" wird. Dieses Kind, mit Namen Michel Lepage, wirft viele Fragen auf, und führt den Leser auf eine gemeinsame Suche mit der Protagonistin, eine Spurensuche in eine verschüttete Vergangenheit, die vierzig Jahre zurück liegt, um schliesslich die Wahrheit, der damaligen Zeit jenem Dorf ans Licht zu bringen.

Gallay schafft es, die Fäden gegen Ende immer mehr zusammen zu führen. Es wird spannend, und wir können nicht mehr davon lassen. Manchmal hatte ich das Gefühl mich richtig treiben lassen zu können. Für mich ein wunderbarer Lesegenuss, wo wir neugierig werden, fast in wie in eine Art Verlangsamung treten, Poetisches erfahren, eine Stille wahrnehmen können, die Beziehungen der Menschen dort kennenlernen, und das subtile Zusammenführen, einer begabten neuen Schriftstellerin kennenlernen, die ganz einfach berührend und ergreifend ist. Auch wenn manches ein wenig seltsam anmutet,manches Grobe und Realistische erzählt, die Geschichte nicht gleich alles verrät, so werden wir doch als Leser im Laufe des Buches immer mehr belohnt.

Wir lernen, die Idylle dort kennen, die Tiere die dort leben, z.B. das Dorfschwein, die Dorf-Esel, eine Ratte die bei Morgane lebt, einer Frau, die nach Paris will, oder eine Möwe die bei dem Fischer Max auf dem Boot lebt. Es ist als ob, sämtliche Figuren, für den Leser wie zu einer Familie werden, wir bekommen zu jeden Tier und Menschen eine Beziehung, und wissen ein wenig um sein Wesen. Eine Geschichte, rundum Wahrheit, Tod, Legenden und Aberglaube, unser Verhältnis zum Tod, über innere Werte, was Menschen uns bedeuten können, Verlust, Sehnsucht, Vergangenheitsbearbeitung, Poesie, Stille, Liebe, Liebe zur Natur und zum Meer, aber auch zu den Tieren mit denen wir leben, und der Liebe zu den Menschen die wir lieben. Es erzählt davon, wie wir über den Verlust einer Liebe hinwegkommen können und der Möglichkeit, eine Neue zu finden, oder dafür offen zu sein. Wir lesen gespannt, werden berührt und fühlen uns nach solcher Lektüre angefüllt und bereichert, was will man da noch mehr! Ich finde diese Autorin und ihr Erstlingswerk einfach nur Klasse!

Eine Sprache die still ist, ruhig, verlangsamt, nachdenklich, beizeiten auch grob, unglaublich, melancholisch, poetisch, nachsinnend, spannend schon fast wie ein Krimi nein doch keiner, seltsam, feinfühlig, berührend, unglaublich...ein Roman der den Eindruck macht, als ob er "ausserhalb der Zeit" geschrieben wurde..und den Glauben an die Liebe gerade nach dem Verlust eines Menschen, den wir "verloren" haben, zurück gibt...

Empfehlung!
66 Kommentare63 von 67 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. März 2014
Nach den vielen positiven Rezensionen hier war ich sehr neugierig auf dieses Buch, wurde jedoch leider herb enttäuscht. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man irgendwann beginnt, am Kindle ständig auf die Prozentanzeige der noch verbleibenden Seiten zu schielen und hofft, dass es endlich zu Ende sein möge.

Man muss der Autorin zu Gute halten, dass sie sehr gut Stimmungen einfangen kann. Die Landschaft von La Hague wird sehr lebendig, das Raue, das Schroffe, das sich dann auch in den Bewohnern widerspiegelt. Leider gibt es unter den handelnden Personen jedoch nur das Raue und Schroffe und das wird schnell langweilig und irgendwann berührt es nicht mehr sondern nervt. Die Protagonistin suhlt sich permanent in Selbstmitleid und treibt wie ein führerloses Schiff durch die Handlung, die über Allgemeinplätze nicht und nicht hinauskommt. Stetig hofft man auf etwas, an dem sich die Geschichte entzünden könnte aber es tritt und tritt nicht ein.

Leider ist das eines der ganz ganz wenigen Bücher, das ich nach drei Vierteln der Lektüre aus der Hand gelegt habe, weil ich einfach genug hatte.
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am 31. Dezember 2011
Ein Buch, das man nicht nur einmal liest. Ich habe den Teil dieser Landschaft vor meinen Augen gesehen. Den tobenden Atlantik, den stürmischen Wind und die Gicht gespürt. Die Figuren haben ergreifende menschliche Züge, die sich mit Dasein, Liebe und Freundschaft auseinandersetzen. Verblüffend dabei die Symbiose von Sprache und Thema. Eine beeindruckende Geschichte über Menschsein-Selbstbesinnung-Hoffnung und Selbstfindung. Ein absolut außergewöhnliches Werk.
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am 5. April 2013
Dieses Buch ist wie ein Sog, der mich nicht mehr los gelassen hat, ich stehe mit der Erzählerin am Meer, ich fühle die einzelnen Stimmungen intensiv mit.
Das Buch ist voller zauberhafter kleiner Geschichten.....:
"Wissen Sie warum das Rotkehlchen einen roten Fleck auf den Kropf hat?"......
...."Die Geschichte stammt aus der Zeit, als die Menschen noch kein Feuer hatten. Ein Vogel hatte die Idee, es der Sonne zu stehlen, er wollte es den Menschen schenken, aber auf dem Rückweg sind seine Flügel in Brand geraten, und so musste er das Feuer einem anderen Vogel weitergeben. Der andere Vogel war ein Rotkehlchen. Es hatte das Feuer an sich genommen, aber auch das Rotkehlchen ist nicht bis zu den Menschen gekommen, da sein Gefieder Feuer gefangen hat....Der rote Fleck, den sie auf den Kropf haben, legt noch heute Zeugnis davon ab...."
Es ist ein Buch über die ganz tiefen Gefühle, dem Umgang mit Tot, Verlust und dem Zulassen...:
..."Es war Vollmond. Ich konnte nicht schlafen. Ich ging nach draußen. Das Meer war so hell wie am Tag. Ich lief am Strand entlang.
Ich hatte meine Tage. Seit einiger Zeit hatte ich meine Tage nicht mehr gehabt. Seit Monaten. Seltsamerweise schenkte mir das Blut, das aus mir floss, Ruhe. Ich setzte mich auf einen Stein. Ich sah es in den Sand fließen, sich ausbreiten.
Dieses Blut, das zurückkehrte, war das Dich-Vergessen, ich war nicht sicher ob ich das wollte.
Dein Gesicht, dein Geruch, alles war in mich eingegangen, von deiner Haut, deinen Poren.
Wenn ich schwitze, dann immer noch mit deinem Schweiß. Wenn ich weine, dann immer noch mit deinen Tränen. Und wenn ich begehre?
Ich zog mich aus, tauchte ins Wasser ein - mit der schwarzen Nacht, dem Mond und dessen Glanz....."
Es ist ein Buch über Ängste, Liebe, Lüge, Leidenschaften und immer wieder das Meer in all seinen Facetten. Das Meer - es nimmt und gibt.
Die Handlung an einem Ort in dem die Bewohner mit ihren verschiedenen Charakteren tiefgründig beschrieben werden, wie die kleine Bachstelze, Nan die eigentlich Florelle heißt, die alt und verwirrt vom Meer zurück erwartet was längst verloren ist, ein sinnlicher Künstler, der seine Skulpturen verstörend kreiert, ein alter Mann der Katzen liebt und mit der Schuld einer Nacht leben muss, eine junge lebenshungrige Frau die von einem zurückgeblieben Mann so sehr verehrt wird, das er für sie Schmetterlinge fängt......
Ich vermisse schon jetzt dieses Buch, das ich leider schon durchgelesen habe.
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am 24. April 2010
Was das Leben für einen bereithält - ob man es annimmt oder nicht - das gute und das tragische ...

Die in sich gekehrte Ich-Erzählerin ist in dem Fischerdorf La Hague am nordwestlichen Rand der Normandie gut aufgehoben. Dort werden Fremde scheel beäugt in der Hoffnung, sie würden bald wieder dorthin gehen, woher sie gekommen waren. Doch sie ist geblieben. Als Ornithologin hat sie ein Zimmer in einem Haus bezogen, das mehr im Ärmelkanal steht als an dessen Küste. Gibt sie auch nichts über sich preis, scheint sie sich mit ihrer Gleichgültigkeit und Toleranz überraschend geschmeidig einen Zugang zum Dorfgeschehen gelegt zu haben.

Das Meer ist rau, es hat schon viele nicht mehr zurückgegeben. So auch die Eltern und den kleinen Bruder von Lambert, der nach vierzig Jahren einen erneuten Versuch unternimmt, hinter die Geschehnisse des Bootsunglücks Ende der 60er Jahren zu kommen, was dieser düster-schönen Geschichte ein großes Geheimnis zu entdecken überlässt.

Claudie Gallay ist mit diesem Roman etwas ganz besonderes gelungen. Nicht zuletzt weil sie es scheinbar ohne Mühe zu Wege bringt, mir Leser das Gefühl zu schenken, als stiller Beobachter nebenher zu gehen. Eine Vielzahl gestrandeter und mit dem Dorf verankerter Charaktere treten abwechselnd in durchwegs dialogischen Szenen auf. Ihre getragenen Lebensgeschichten, die nicht verdaut werden konnte, oder immer noch damit beschäftigt sind, Verbitterung und Misstrauen zu schüren, schränken die Menschen im Dorf ein. Doch allen über steht mystisch, mächtig und unbesiegbar das Meer.

Wie das bedeckte Licht, das sich nach dem Sturm einen Weg durch eine dicke Wolkenmauer zu bahnen sucht, ist der Roman von Anfang bis Ende in eine hellgraue Wolke gehüllt. Er schwingt sich langsam aber stetig zu einem Tosen auf. Und doch hat er mir in aller Spannung eine eigenartige Harmonie geschenkt, sehr persönliche Momente (die Gespräche der Ich-Erzählerin mit ihrem geliebten, verstorbene Mann) und eine klare, doch versöhnliche Lösung am Ende.

Ein überaus authentischer, ausgeglichener Roman, der ein wundervolles Konzept von Anfang bis Ende verfolgt - einer Autorin, der diese Geschichte wie mir erscheint an einem Stück aus der Feder geschlüpft ist. Und genauso liest sich dieser fabelhafte Roman - in einem Zug!!!
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am 20. April 2012
Die Brandungswelle - ein Roman, der mich nicht von Anfang an überzeugte. Der sehr eigenwillige Erzählstil aus der Ich-Perspektive, die sehr knappen Sätze, aber oftmals so gehaltvoll, dass ich erstaunt war und den Satz wiederholen musste, ständige Wiederholungen... das alles irritierte mich eher zu Beginn und ich brauchte eine Weile, um mich daran zu gewöhnen. Trotzdem ließ mich dieses so besondere Buch nicht los und ich wurde schließlich so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich glücklich bin, nicht aufgegeben zu haben.

Die Hauptprotagonistin -eine Ornithologin- ist beruflich für eine gewisse Zeit an die Küste gekommen. Ihre extreme Introvertiertheit zu Beginn des Romanes - nicht zuletzt aufgrund ihrer immensen Trauerbewältigung - weicht nach und nach dem Interesse an den Menschen im Ort und an deren Geschichten. Es werden allmählich längst verjährte Geheimnisse ans Licht gebracht, was die Geschichte sehr spannend werden läßt. Lambert, ein Besucher des Dorfes, der vor langer Zeit mit seiner Familie seine Ferien dort verbrachte, möchte ein damaliges tragisches Unglück, bei dem seine Familie verschwand, aufklären. Im Zuge dieser "Ermittlungen" erfährt der Leser sehr viel über die Geschichten der Einwohner. Ort des Geschehens ist ein kleines Dorf an der rauhen Küste der Normandie. Und so rauh, wie der Ort zu sein scheint, begegnen dem Leser auch die Charaktere des Romanes: stur, still und zurückgezogen und dann plötzlich aufbrausend und schroff... jeder ist unglaublich intensiv mit sich selbst beschäftigt. Und doch öffnen sich ihnen mit der Zeit Türen. Möglichkeiten, der "Rauhheit" zu entkommen in verschiedenster Weise...

Gallay versteht auf ihre ganz besondere Art die Kunst, Natur, Menschen und Situationen unglaublich toll zu beschreiben und präsent zu machen. Ich hatte von allem ein genaues Bild im Kopf. Sehr eindringlich, ja fast schon penetrant, bringt sie dem Leser bei, wie schwer es sein kann, mit Trauer umzugehen. Gallay läßt sich Zeit, die verschiedenen Charaktere zu entwickeln, die allesamt sehr eigenwillige Persönlichkeiten sind. Die besondere (anfangs etwas mühsame) Sprache Gallays fügt sich letzlich ganz wunderbar in dieses Bild.

Die Brandungswelle - für mich ein wunderschönes, berührendes & poetisches Kunstwerk.

Sehr zu empfehlen!
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am 24. November 2011
Ein kleines Dorf am äußersten Rand der Normandie ist der Schauplatz dieses (in doppelter Hinsicht) ausgezeichneten Romanes von Claudie Gallay.
Das Buch ist ob seines Schreibstils zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch schon bald merkt man, daß die kurzen Sätze die Eintönigkeit des Dorflebens wunderbar unterstreichen.
In La Hague passiert nicht viel, die Einwohner sind eigentümliche, wortkarge Gestalten. Als jedoch eines Tages ein Fremder auftaucht, beginnt sich etwas zu bewegen. Lambert ist auf der Suche nach Dingen aus seiner Vergangenheit; vor vielen Jahren ist seine Familie bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen; Schuld dabei war ein ausgeschalteter Leuchtturm. Der damalige Leuchtturmwärter lebt immer noch in La Hague, doch aus den verschrobenen Einwohnern etwas herauszubekommen, ist gar nicht so einfach.......
Wer selbst in einer Großstadt aufgewachsen ist, wird die Eigenart der beschriebenen Dorfbevölkerung wahrscheinlich als unrealistisch empfinden. Auch ich hatte ein wenig Probleme bei der Vorstellung, daß einige Gespräche tatsächlich so stattfinden würden, aber im Großen und Ganzen ist es Gallay außerordentlich gut gelungen, die schroffe Natur und die zurückhaltenden Menschen durch ihren Schreibstil wiederzugeben.
Trotz der Tatsache, daß über einen längeren Zeitraum eigentlich nicht viel passiert, wird eine Spannung aufgebaut, da man förmlich spürt, daß hinter dem Vorhang der Verschwiegenheit irgendetwas lauert.
Sehr beeindruckend.
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am 10. Februar 2013
So wie Brandungswellen allerlei Strandgut an die Küsten werfen, so warf das Leben auch SIE, die Erzählerin der Geschichte, nach La Hague, dem kleinen Küstenörtchen der Normandie. Der Atlantik ist Dreh- und Angelpunkt der wenigen dort lebenden Menschen - ihr Alltag ist das Meer. Eine dieser gezeitenabhängigen Wellen führte vor vierzig Jahren für einige Bewohner zu einer folgenschweren Entscheidung. Ein Geheimnis, dass nun in sinnlicher Gemächlichkeit ans Licht drängt.

Die Sprache der Autorin ist spürbar "französisch", spartanisch beschreibend, minimalistisch im Dialog und doch, sofern sich der Leser darauf einlässt, von immenser Dichte und großem Verstehen. Das Wichtigste wird nie gesagt - man spürt es einfach! Voraussetzung ist jedoch, sich bedingungslos in diesen Rhythmus fallen zu lassen, denn nur so erschließt sich die Tiefe und bald schmeckt man die salzigen Nebel und riecht den Tang. Die Menschen sind mit wenigen leisen, aber um so sicheren Strichen in Form, Struktur und Psyche skizziert.

Obwohl mich schon recht früh eine Ahnung der geheimnisvollen Verknüpfungen beschlich, haben mich die menschlichen Entwicklungen der Protagonisten zugleich fasziniert und berührt. Lediglich (und das kann ich leider, leider nicht detailliert begründen, ohne zu spoilern) die Auflösung bis zur letzten Konsequenz war mir zu glatt und oberfächlich geraten - die Wahl des unkomplizierten Weges sozusagen. Die tatsächlich schreckliche Wahrheit dieser Erzählung hätte "normalerweise" für die Beteiligten eine fast schon pathologische Reaktion provoziert.

Mich hat dieser Roman irgendwie zu rechten Zeit "abgeholt" und mir deshalb, trotz seiner spröden Widerbostigkeit gefallen.
(T)
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