Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos yuneec Learn More sommer2016 designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
52
4,3 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 2. Januar 2014
Schon im Buchtitel wird deutlich: Hier spricht kein Linker, der auf die Reichen schimpft, und auch kein Neoliberaler, der kein Herz für die Schwachen hat. Wüllenweber geht nämlich gleich mit allen beiden ins Gericht - mit der Oberschicht und mit der Unterschicht, denn beide verdienen ihren Lebensunterhalt nicht selbst, sondern leben auf Kosten der arbeitenden Mittelschicht. Hier wird man nicht ideologisch einseitig beeinflusst, sondern objektiv informiert. Das macht dieses Buch so besonders. Wüllenwebers Thesen sind sehr sorgfältig recherchiert und stützen sich auf zahlreiche Quellen. Aber er glänzt nicht nur mit Sachkenntnis allein, sondern auch mit einem hervorragendem, sehr anschaulichen Schreibstil. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, so sehr hat es mich gefesselt. Wüllenwebers Ausführungen über die Hilfsindustrie waren komplett neu für mich, denn das, was er darüber herausgefunden hat, wird selten in den Medien thematisiert. Bei seiner Beschreibung der neuen Unterschicht musste ich öfters schmunzeln, denn als Vertretungslehrerin an verschiedenen Berliner Brennpunktschulen kann ich das nur voll bestätigen, was er schreibt. Wohltuend fand ich auch, dass sich Wüllenweber nicht pauschal abwertend über Bürger mit Migrationshintergrund äußert, sondern deutlich macht, dass man beim Vergleich von Deutschen und Migranten den sozialen Hintergrund berücksichtigen muss. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung, besonders unter politischen Verantwortungsträgern, damit sich endlich was ändert in unserem Land.
0Kommentar| 14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. September 2012
Dem Buchkauf ging ein Auszug in der Zeitschrift stern voraus, von dem ich sehr begeistet war.

Sprachlich wunderbar verfasst, erläutert der Autor in gut nachvollziehbaren Beispielen, warum es für die Mittelschicht Deutschlands zu einer immer stärkeren Belastungsprobe wird, zum einen als finanzieller Dauerbürge für die wohlhabende Oberschicht zu fungieren (Bankenrettung, Finanzblasen), und gleichzeitig am anderen Ende das Sozialnetz der Menschen ganz unten zu stemmen.
Während die "da oben" ihren finanziellen Teil nicht beitragen wollen (Steuerhinterziehung, niedrige Ertragssteuern), und die "da unten" nichts beitragen können, weil sie aufgrund schlechter Bildung auf dem Arbeitsmarkt nicht einsetzbar sind.
So entfernen sich zwei Gesellschaftsschichten immer mehr von der mittelständischen, die den Löwenanteil der Produktivität erbringen muss, von der letztlich alle profitieren wollen.

Ein wichtiges, hochinformatives und vor allem brandaktuelles Buch, das aufzeigt, was hier gewaltig aus dem Ruder läuft. Ebenso, wie manches sich immer mehr zu einem Dauerzustand entwickelt.
Absolute Leseempfehlung!
44 Kommentare| 106 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. November 2012
(Amerkung: Die Positionsangaben bei den Zitaten beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe.)

Ober- und Unterschicht - scheinbar ein Gegensatz, wie er größer nicht sein könnte. Oder doch nicht? Die beiden Milieus sind sich ähnlicher als man glaubt - beide zeigen ähnliche Verhaltensweisen und beide sozialen Schichten leben von der Mittelschicht.
Zitat: "Es ist die Mittelschicht, die den Staat beinahe alleine trägt. Mit ihren Steuermilliarden sichert sie das Spekulationsrisiko des Geldadels ab und finanziert gleichzeitig den Lebensstandard der Menschen, die von Transfers des Sozialstaates leben. Die Mittelschicht spannt den Rettungsschirm über die Vermögen der Reichen und trägt das soziale Netz für alle, die Hilfe brauchen." (S. 12, Pos. 136)

Sowohl Ober- als auch Unterschicht zahlen wenig bis gar keine Steuern, beide ziehen sich aus der Gesellschaft zurück (was sich zum einen im extrem zurückgezogenen Lebensstil der Oberschicht und zum anderen an sinkenden Mitgliederzahlen in Vereinen, Parteien und Kirchen zeigt) und beide profitieren enorm von Transfers. Umgekehrt werden die beiden Milieus von den gigantischen Industrien der Finanzwelt und der Hilfsorganisationen bedient. (Illustrativ für die Dimensionen sei hier etwa erwähnt, daß die Bilanzsumme der Deutschen Bank allein schon beinahe der Summe des Bruttoinlandsproduktes der BRD entspricht, sowie darauf hingewiesen, daß die Hilfsindustrie die größte deutsche Wirtschaftsbranche mit ca. zwei Millionen Beschäftigten und damit wesentlich größer als etwa die allgemein als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Autoindustrie ist.) Die Lebenswelten der Ober- und Unterschichten, die Untersuchung der erwähnten Organisationen der jeweiligen Milieus (Finanzwelt bzw. Hilfsorganisationen) und die Kritik daran bilden das Thema des Buches DIE ASOZIALEN.
Es kann schon hier vorausgegriffen und festgehalten werden, daß die Lektüre ungemein erhellend und aufschlußreich ist - mir hat das Buch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Die Untersuchung beginnt mit einem Blick in die Welt der "oberen Zehntausend".
Definiert wird die Oberschicht anhand der sogenannten High Networth Individuals (HNWIs), Individuen mit einem frei verfügbaren Kapital von mehr als einer Mio. Dollar; laut World Wealth Report gab es im Jahr 2011 ca. 924.000 HNWIs in der BRD. Mit umfangreichen Zahlenmaterial wird der Nachweis geführt, daß - in der BRD übrigens mehr als anderswo - die Reichen immer reicher werden - und das nicht aufgrund eigener Leistung.
Die Oberschicht stellt sich zwar gern als Leistungselite dar - in Wirklichkeit arbeitet sie kaum.
"Tatsächlich sind aber nur fünf Prozent der NHWIs Angestellte eines Unternehmens, wozu auch Vorstände börsennotierter Unternehmen zählen. Manager sind nur eine Randgruppe im Club der richtig Reichen." (S. 27, Pos. 367-69)
Das Einkommen kommt aus Vermögenserträgen, Aktien und Gewinnen, um die sich höchstdotierte "wealth manager" kleiner Privatbanken kümmern. Und es kommt zu einem enormen Teil aus - Erbschaften.
Zitat: "Über 86 Prozent der reichen Haushalte gaben bei Böwing-Schmalenbrocks Untersuchung selbst an, bereits eine bedeutende Erbschaft oder Schenkung gemacht zu haben. 56 Prozent wurden gleich zwei Mal bedacht, ein Viertel sogar drei Mal oder mehr. Von den durchschnittlichen Haushalten in Westdeutschland erben lediglich 20 Prozent. Ostdeutsche haben so gut wie gar nichts zu vererben." (S. 70, Pos. 1092-95)
Der Staat sieht nicht nur tatenlos zu, er fördert die Entwicklungen nach Kräften - etwa durch laxe Besteuerung. Wüllenweber führt das Beispiel des 2010 verstorbenen Aldi-Mitbegründers Theodor Albrecht an. Die Hinterlassenschaft betrug geschätzt unvorstellbare 16 Milliarden (!) Euro, wofür den Steuertarifen entsprechend mindestens 4,8 Milliarden Euro Erbschaftssteuer fällig gewesen wären - insgesamt (also für alle im Jahr 2010 in der BRD angefallenen Erbschaften) wurden jedoch aus diesem Titel lediglich 4,4 Milliarden Euro eingenommen. Die laxe Besteuerung betrifft nicht etwa nur die Erbschaftssteuer - Reiche zahlen fast keine Steuern. So weist der Autor etwa darauf hin, daß die Raucher mehr Geld in die Staatskasse blasen als alle Unternehmensgewinne aller Unternehmen zusammen. (S. 68, Pos. 1056-58)

Die Schamlosigkeit des obersten Prozents kennt keine Grenzen - so wird im Buch etwa der im Frühjahr 2012 nach massiver Kritik eingestellte makabre Investmentfonds der Deutschen Bank "DB Kompass Life 3" erwähnt, bei welchem Anleger auf die Lebensdauer konkreter Menschen wetten (!) konnten (es ging um Anlagesummen in der Größenordnung von 200 Mio. Euro).
Ich war geschockt, als ich Ähnliches in Michael Moores Doku KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE sah - ich dachte, das gibt's nur bei den Amis. Wie ich feststellen mußte, hatte ich mich geirrt.

Der Autor ist Reporter beim STERN und versteht sein Handwerk. Mir haben insbesondere die Sozialreportagen, die Einblicke in die Lebenswelten der jeweiligen Milieus bieten, gefallen. So besuchen wir ein sogenanntes Meilenwerk (eine Art Oldtimer Museum für Superreiche, denen die Garage für die gesammelten Maibachs und Mercedes zu klein geworden ist) und treffen etwa Helge Achenbach, der ein "art consulting" Unternehmen leitet und seiner betuchten Klientel, denen es zwar nicht an Zaster, wohl aber an Bildung und Kunstverstand mangelt, "Kunstberatung" anbietet.
Ebenso faszinierend wie der Einblick in die Welt der Wealth Manager, Kunstberater und Meilenwerke ist jener in die ganz anders geprägte Welt der Unterschicht.
Wüllenheber arbeitet sehr klar heraus, daß das Problem der Unterschicht nicht ein ökonomisches ist - der deutsche Sozialstaat hat die Armut besiegt -, sondern ein Problem des Lebensstils, der gekennzeichnet ist durch gesundheitliche Probleme, exzessiven Medienkonsum, Überforderung und Besonderheiten in den Partnerschaften. Insbesondere die Ausführungen über das Liebesleben der Unterschicht sind nichts für feingeistige Bildungsbürger - da wird, basierend auf Berichten von Sozialarbeitern und Wissenschaftlern, das Bild einer hypersexualiserten und vielfach durch pornographische Vorbilder geprägten Unterschicht gezeichnet.
Beziehungen werden durch die Übernahme der Versorgungsfunktion durch den Staat immer weniger Schicksalsgemeinschaften, was Trennungen einfacher macht; damit einher geht eine enorm gewachsene Bedeutung der Sexualiserung. Wüllenweber zitiert den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung Jakob Pastötter, der meint, daß sich Ästhetik, Sprache, Verhalten in Pornos zu Rollenvorbildern für die Unterschicht entwickeln - "Pornographie wird zur Leitkultur der Unterschicht." (S. 104, Pos. 1650-53)

Auch die sozialpsychologischen Aspekte der einzelnen Lebensstile sind sehr gut herausgearbeitet: So beklagt etwa ein Funktionär des Berliner Ruderklubs Wiking, der Sport sei trotz intensiver Rekrutierungsversuche in anderen sozialen Milieus im wesentlichen bürgerlich geprägt - Jugendliche aus Unterschichten sind insofern benachteiligt, als sie ihre Erziehung nicht jene Charaktereigenschaften stärkt, die für den Sport unabdingbar sind (Teamgeist, Durchhaltewille, etc.)
Leider hat das faszinierende Buch auch gravierende Mängel - so ist die Unterschicht, wie sie Wüllenheber uns präsentiert, fast ausschließlich deutsch. Ein Exkurs führt uns in eine kleine Enklave im Berliner Problemkiez Neukölln - auf Anregung des allseits bekannten Bezirksbürgermeisters Buschkowsky besucht der Autor eine von den Anrainern seit Jahrzehnten "Türkenpfuhl" genannte Siedlung, in der aufstiegswillige Mittelschichtsangehörige multikultureller Herkunft leben. Eine kurze Reportage über die Bewohner (da schimpft auch schon mal ein Karrieretürke über Penner, die erst mittags aufstehen) bildet den Einstieg in ein knappes Kapitel, in dem uns der Autor mit einigen Zahlen einzureden versucht, daß die Unterschicht im wesentlichen herkunftsdeutsch sei - eine sehr seltsame Auffassung, die sowohl jeder Alltagserfahrung Hohn spricht als auch jedem kundigen Autor von Sarrazin bis Ulfkotte.
Und weil die Unterschicht nach Wüllenheber ja angeblich fast ausschließlich deutsch ist, muß für die soziale Betreuung von Migranten kein Geld lockergemacht werden... Angesichts der im sehr detaillierten Kritik an der Hilfsindustrie und an deren ungemein vielfältigen Angeboten wundert es einem da schon, daß dem Autor die hunderten Hilfsangebote für Migranten und deren je spezielle Bedürfnisse (Sprachkurse, Integrationshilfen, Training, Berufsausbildung, Unterstützung für Frauen, etc etc.) entgangen sein sollten.
Befremdlich mutet für mich auch an, daß der Autor den obersten BMW-Manager (mit einem Jahresgehalt von 6,61 Millionen Euro!) der Mittelklasse zurechnet, weil der für sein Geld Arbeitsleistung erbringt (im Unterschied zu der Quandt Dynastie, den Erben des Milliardenvermögens zu dem BMW gehört). Ich sehe natürlich, worauf Wüllenheber hinaus will - dennoch ist es seltsam, einen derartigen Topverdiener als Mittelschichtler anzusehen.
Weiters ist der Autor ein Anhänger der naiven "Durch Bildung wird alles besser"-Doktrin, die sich in den letzten Jahren so großer Beliebtheit erfreut. Hierbei stützt er sich auf das Perry Preschool Experiment in den USA der 60er Jahre, räumt jedoch selbst ein, daß die damaligen Organisationen aufgrund des durchgeführten Langzeitexperiments über mehr oder minder unbegrenzte Ressourcen (und damit wesentlich bessere Ausgangsbedingungen) verfügten. Die behaupteten Erfolge wären sicher unter anderen Bedingungen nicht machbar. Bildung hat übrigens Vorraussetzungen (IQ), die gegeben sein müssen, um wirksam zu werden.
Überdies enthält das Buch auch ein paar sehr dämliche Anglizismen ("outgesourced"). Auch gibt es einen peinlichen Fehler, als eine Lobbyistin einer Hilfsorganisation als Sonja Meier, eine Seite später als Sigrid Meier bezeichnet wird.
Dennoch: Das Buch ist in einem sehr plastischen Stil hervorragend geschrieben, die Argumentation ist klar und nachvollziehbar. Mich hat vor allem die Fülle der Quellen und die schiere Zahl an durchgeführten Interviews mit sehr unterschiedlichen Charaktern (von Sozialarbeitern, Hartz IV-Empfängern, Wissenschaftlern der verschiedensten Fachrichtungen, Absolventen der Elite-Wirtschaftsuni European Business School, Managern von Hilfsorganisationen bis hin zu einem "Porno-Rapper" namens Frauenarzt, der sich in manchen Unterschichtkreisen offenbar großer Beliebtheit erfreut) beeindruckt.
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß das Buch in keinster Weise politisch radikal ist - völlig zu recht wird etwa darauf hingewiesen, daß große Vermögen unter Ludwig Erhard ebenfalls hoch besteuert wurden. Trotzdem bin ich überzeugt, daß es nicht unumstritten bleiben wird; höchstwahrscheinlich werden es Gralshüter der politischen Korrektheit wegen irgendwelcher Ausführungen in den Kapiteln über die Unterschicht als "klassistisch" (oder wie der linke Kampfbegriff analog zum Rassismus, der sich gegen Standesdünkel wendet, auch lauten mag) brandmarken. Ähnlich wurde ja schon gegen Sarrazin gepöbelt (obwohl der ja Linker ist).
Wie auch immer - ich persönlich kann das Buch jedem politisch und wirtschaftlich Interessierten nur empfehlen.
44 Kommentare| 39 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 27. September 2013
Den Erkenntnissen, die Walter Wüllenweber liefert, sollte man sich nicht verschliessen. Der erste Eindruck, es handele sich um eine gesellschaftskritische Betrachtung zweier Randgruppen, deren fehlende Werte und Solidargefühl angeprangert werde, trifft nicht den entscheidenden Kern des Buches. Weit mehr erschüttert es mit der Erkenntnis, wie riesig und verfilzt der gesamte Markt an Wohltätigkeit ist. Doch diesen wieder auf ein gesundes Maß zurückzuführen, erscheint angesichts der riesigen Lobby und parteiübergreifenden Interessen offensichtlich schier aussichtslos.

Während man für die oberen Asozialen eine einfache Lösung hätte, indem man ihnen letztlich ihre einzige Grundlage raubt, nämlich ihr Geld nimmt, würde man bei der notwendigen Restrukturierung des Wohlfahrtssystems für den bedürftigen Teil der Gesellschaft einen Teufelskreis anstossen. Denn der Wohlfahrtsmarkt hat sich zu einem riesigen Milliarden Markt aufgebläht, der zugleich auch größter Arbeitgeber in Deutschland ist. In keiner anderen Branche finden so viele Menschen ihr berufliches Auskommen, wie im Markt der Fürsorge. Und zwar nicht nur 100.000ende Arbeitnehmer, sondern auch unendlich viele ehemalige und noch aktive Politiker aller Fraktionen sitzen in den Verbandsführungen. Würde man hier nach Abbau rufen, träfe dies überwiegend schlichte Arbeitsplätze, da der Markt ein Servicemarkt ist. Man schüfe also noch weitere prekäre Schicksale, wenn es keine Arbeitsmarktalternativen gäbe. Und davon ist derzeit nicht auszugehen.

Nach der Lektüre, die in einem lässig, flüssigen Stil einer Reportage geschrieben ist, bleibt man - wie der Autor sich selbst gesteht - etwas fassungslos und fatalistisch zurück. Doch Erkenntnis war schon immer der notwendige Beginn von Wandel, wie auch immer der uns gelingen mag. Dafür danke ich Herrn Wüllenweber.

Nachtrag: Auch hier muss ich wiederholt feststellen, dass sich die Kultur der Rezensenten bei Amazon offenbar wandelt. Einerseits steigt offensichtlich das Bedürfnis, Bücher zu verreißen. Das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, doch die relative Zunahme verwundert mich. Ich selbst komme nur in sehr seltenen Fällen dazu, ein enttäuschendes Buch auch noch zu rezensieren. Doch weit mehr - sicher auch, weil ich betroffen war - nimmt offenbar das Bedürfnis zu, Bewertungen und Rezensionen, die der persönlichen Einschätzung entgegen stehen, aktiv mit nicht hilfreich negativ zu bewerten. Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und finde ich eine bedenkliche Entwicklung. Das ist doch nicht der Sinn der "nein"-Funktion. Zumindest käme ich nie auf die Idee, eine Rezension als nicht hilfreich zu bewerten, nur weil sie das Buch anders bewertet als ich. Das ist für mich nur dann legitim, wenn jemand die Rezensionsfunktion bewusst missbraucht. Aber vielleicht habe ich da was falsch verstanden. Mir macht es auf jeden Fall immer weniger Vergnügen, Rezensionen zu veröffentlichen.

Vielleicht könnte sich mal einer der Neinsager die Mühe machen, zu kommentieren, was ihn zu seinem Urteil bewegt. Dann hätte der Rezensent auch die Möglichkeit, sich zu verbessern.
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. März 2013
Ich habe das Buch am Stück gelesen, da es mich geradezu gefesselt hat. Es kommen keine alten Klassenkampfparolen vor, sondern eine meines Erachtens hoch interessante Analyse der Gesellschaft basierend auf den Kategorien Oberschicht (hauptsächlich Erben), Mittelschicht (einkommenssteuerpflichtige Arbeitnehmer) und Unterschicht (Langzeit-Transferzahlungsempfänger).

Der Autor beschreibt mit seinem Konzept eindrucksvoll, wie sich eine Ökonomie um die Hilfsbedürftigkeit einwickelt hat, die kaum effektiv allerdings sehr lukrativ für die Beteiligten ist. Als Hauptgrund dafür sieht der Autor das mangelnde Angebot an frühkindlicher Bildung.
Der Rückzug aus dem öffentlichen Leben der sogenannten Oberschicht und deren Interessenlosigkeit an der Gesellschaft macht der Autor für deren Asozialität verantwortlich. Nicht zuletzt die Besteuerung der Einkommen der Oberschicht, die sich auf die Abgeltungssteuer beschränkt wird als unangemessen betrachtet. Die Mittelschicht hingegen hat keine Chance der Besteuerung zu entgehen und trägt die größte Last an der Finanzierung der Gesellschaft. Der Autor untermauert seine Beobachtungen durch Interviews und Statistiken.

Ich persönlich halte das Buch für eine gelungene Bestandsaufnahme. Im Detail kann man sicherlich einige Sachverhalte anfechten bzw. relativieren. Insgesamt tendiert das Buch dazu einen ziemlich düsteren Eindruck unserer Gesellschaft zu zeichnen. Ich denke dennoch, dass es auch vor dem Hintergrund politischer Willensbildung ein wertvolles Werk ist, dass sich nicht scheut, auch einmal die sogenannten "Gutmenschen" kritisch in ihren Interessen zu beleuchten. Das fehlt in Deutschland und diese Lücke hilft das Buch zu schließen.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. August 2014
Ein ähnliches Buch ist mir noch nie aufgefallen. Klar wie nie in dieser Hinsicht veranschaulicht der Autor einige Dinge, die in Deutschland meist hinter den Kulissen ablaufen. Erschreckend, verwirrend oder auch Empörung auslösend sind da ein paar Sachverhalte, die ans Licht gezerrt werden. Manches ist sicher Anschauungssache oder etwas übertrieben. Insgesamt aber ist es ein sehr lesenswertes Buch für alle, die sich Gedanken machen über unsere Gesellschaft.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Dezember 2014
'Quer durch die Geschichtsschreibung, und wahrscheinlich seit Ende der Neolithischen Revolution hat es drei Gruppen von Menschen gegeben: Die Oberschicht, die Mittelschicht und die Unterschicht. (...)'

'Die essentielle Struktur der Gesellschaft hat sich niemals verändert. Auch nach gewaltigen Umstürzen und Veränderungen wird sich das gleich Muster immer wieder von Neuem wie ein Gyroskop ausrichten, und die Ziele der drei Gruppen sind vollständig unvereinbar. (...)'

George Orwell beschreibt in "1984" eine hierarchische, totalitäre und geschichtete Gesellschaft bestehend aus einer Ober-, einer Mittel- und einer Unterschicht.
Wie diejenige Unterschicht, die Wüllenweber in seinem Buch zum Beobachtungsobjekt macht, zeichnet sich die Orwell'sche Unterschicht durch Passivität, Apathie gegenüber Ereignissen jenseits des täglichen Lebens und leichter Manipulierbarkeit durch inszenierte mediale Spektakel (z. B. Glücksspiel, Kriegspropaganda, Sport) aus.

Tatsächlich hat jedoch die existierende Unterschicht aus dem vergangenen Jahrhundert - nach dem damaligem Verständnis eine Arbeiterklasse - nicht mehr viel mit der Unterschicht in Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhundert gemein.
Erst recht nicht die Orwellsche Oberschicht. Als machthungrig, intelligent, wenig luxusorientiert und ohne ererbte Privilegien ist sie von einer ganz anderer Beschaffenheit als Wüllenwebers Oberschicht.

Zur aktuellen Beschreibung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung leistet Wüllenwebers Buch nach meiner Ansicht einen wichtigen Beitrag. Man könnte es dabei beispielsweise in eine Reihe mit Sarrazins Büchern stellen, auch er spricht unbequeme Wahrheiten aus. 'Die Asozialen' ist jedoch eher eine Art Zustandsbeschreibung bzw. Sozialreport (und kein politisches Werk) der das heiße Eisen Zuwanderung nur am Rande streift, der Autor hat schließlich einen journalistischen Hintergrund was er ja auch in der Schlussbemerkung ausdrücklich erwähnt. Um ehrlich zu sein erinnern mich Teile des Buches an "The Road to Wigan Pier", ein weniger bekanntes Buch von George Orwell (ein Sozialreport aus den Unterschichtenbehausungen der 30er Jahren in England).

Walter Wüllenweber beginnt mit einer Beschreibung der 'Oberschicht' in Deutschland. Die Oberschicht - die ihre staatstragende Funktion mittlerweile längst verloren hat - ist im Prinzip nur noch eine Art erbliche Geldaristokratie ohne Interesse an gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen. Ihre Macht bezieht sie dabei aus dem Vorhandensein unvorstellbarer Geldsummen, nicht etwa aus staatstragenden bzw. politischen Ämtern. Die Aktivitäten der Oberklasse beschränken sich heutzutage primär auf hochriskante Finanztransaktionen auf Kosten der Allgemeinheit bzw. Steuerzahlers sowie das Sammeln teurer Luxusgegenstände, teils als Anlage um noch mehr Geld zu generieren oder als Kompensation einer durch den Reichtum entstandenen inneren Leere. Vor der restlichen Gesellschaft versteckt sich der Geldadel wenn möglich, und so haben sowohl Wissenschaftler wie auch Journalisten wie Wüllenweber kaum ein Bild von der Parallelgesellschaft der Oberschicht, wie er im Einführungskapitel schreibt.
Der 'Unterschicht', ein aus Gründen der politischen Korrektheit unerwünschter Ausdruck, wird das zweite Kapitel gewidmet. Für manche linken Sozialromantiker mag die Unterschicht ja die genannte und mißachtete Arbeiterklasse sein, die das kapitalistische 'System' wie einen ersetzbaren Gegenstand ausbeutet. Diese Vorstellung ist nach Wüllenweber eine überholte die nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Die Mentalität der heutigen Unterschicht ist durch die Rahmenbedingungen der sozialen Absicherung in Deutschland geprägt. Ein Antrieb für den sozialen und sinnstiftenden Aufstieg durch geregelte Arbeit ist nicht nötig, da der Staat für alles sorgt und zu sorgen hat, wenn nötig ist er auch ein guter Sündenbock. Durch etliche Recherchen in Unterschichtenquartieren und die dortigen teilweise entsetzlichen Zustände (nicht in materieller Hinsicht) kann der Autor dieses Thema sehr viel plastischer vor Augen führen als in allen anderen Kapiteln (interessant der Verweis auf Karl Marx, für ihn waren diese Art von Leuten dass sog. "Lumpenproletariat").
Das dritte Kapitel des Buches schildert die mentale Verwandtschaft der Unter- und Oberschicht, die zu großen Teilen von den erarbeiteten Leistungen der Mittelschicht leben, sich von dieser aber zunehmend abkoppeln. Besonders Unter- und Mittelschicht trennen mittlerweile kulturelle und nicht ökonomische Gräben. In Kapitel 4 und 5 sind schließlich die Nutznießer dieser Entwicklung thematisiert, das sind Hilfs- und Geldindustrie. Besonders in der Hilfsindustrie werden mittlerweile Geldsummen umgeschlagen von denen klassische Industrien wie der Automobil- oder Maschinenbau oder die chemische Industrie nur träumen können. Auch das enorme Risiko durch scheinbar bedenkenloses Spekulieren mit riesigen Geldmengen auf den Finanzmärkten wird im Kapitel 5 drastisch geschildert. Wohl keine Übertreibung, jeder kann sich schließlich noch gut an die Finanzkrise 2009 erinnern.

Zusammenfassung
Wer keine Angst vor unbequemen Wahrheiten hat wird von der Lektüre profitieren können. Besonders die Abschnitte Oberschicht und Hilfsindustrie sollte für viele neue Erkenntnisse enthalten, im Kapitel zur Unterschicht wird man wohl viel Bekanntes wiederfinden. Das ist aber eher keine Schwäche sondern eine Stärke des Buches. Die Frage welche Hebel man als Einzelner für Veränderungen hat muss allerdings offen bleiben.
*update 23.12.* 4,5 Sterne
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. November 2012
Der Autor stellt fest: Die Mittelschicht trägt unsere Gesellschaft und wird auf unfaire Weise zur Kasse gebeten. Profiteure sind Ober- und Unterschicht. Die Behauptung, in diesem Lande faende eine Umverteilung von unten nach oben statt, ist Unsinn. Verteilt wird aus der Mitte nach unten und oben. Parasitaer angedockt an die Unterschicht sind die – ach so selbstlosen – Hilfseinrichtungen wie Diakonie, Caritas etc. Ebenfalls parasitaer angedockt – in diesem Falle an die Oberschicht oder besser die Reichen und Superreichen – findet sich die Finanzindustrie, also Anlageberater, Vermoegensverwalter etc. Sie haben den Auftrag, mit innovativen Finanzprodukten und cleveren Tricks Renditen herauszuholen, die in der Realwirtschaft nicht zu erzielen sind. Geht die Zockerei schief, wird der Steuerzahler aus der Mittelschicht zur Kasse gebeten. Dieser ist - als abhaengig Beschaeftigter - dem Zugriff des Fiskus nahezu wehrlos ausgeliefert. Und wenn er aus seinem schon versteuerten Einkommen etwas auf die hohe Kante legen will, dann darf er die mageren Zinseinkuenfte noch einmal versteuern.
So weit, so schlecht. Aber warum muss der Autor unsere heile Welt der Wohltätigkeit kaputt machen? Die Antwort ernüchtert: Weil die Industrie der Nächstenliebe eine Wohltätigkeits¬mafia ist, die sich nicht in die Karten schauen lässt. Die ihren Mitarbeitern nicht selten faire Löhne sowie Organisations- und Streikrecht vorenthält. Die nicht an Prävention, sondern an einer Steigerung des Heeres der Hilfsbedürftigen interessiert ist.
Der Autor erwähnt die Geschichte von dem Berliner Wohltätigkeits-Unternehmer, der sich ein Jahresgehalt von 400.000 Euro inklusive Villa und 400-PS-Limousine gönnte. Falls Sie glauben, das sei ein bedauerlicher Einzelfall, dann sind Sie ein Opfer Ihrer – in diesem Falle positiven – Vorurteile. Man kann davon ausgehen, dass es sich hier um die monströse Spitze eines Eisbergs handelt, dessen Unter-Wasser-Welt dringend ausgeleuchtet werden muss. Inzwischen ist die Wohltätigkeits-Industrie ins Visier weiterer Medien geraten. Die Wirtschaftswoche (47/2012) jedenfalls attestiert Diakonie, Caritas und Konsorten eine kaltschnäuzige Selbstbedienungsmentalität.

Die „Schlussbemerkung“ des Autors ist pessimistisch: „Am Ende ist keine Lösung.“ Er glaubt, für die notwendigen Veränderungen brauche es in einer Demokratie Generationen. Da fragt man sich: Wer sind die Akteure, die über Generationen hinweg den Reform-Druck aufrechterhalten könnten? Die politische Klasse jedenfalls nicht.
Aber ich teile das Credo des Autors nicht. Wir können die Problemlösung nicht unseren Kindern und deren Kindern aufbürden. Der wichtigste Schlüssel zur langfristigen Veränderung ist verbesserte Bildung und Frühförderung für Kinder aus der Unterschicht. Bislang hat die Politik nur folgenlose Laber-Events sowie einen chaotischen Wettkampf der Bundesländer in den Bildungs-Rankings angezettelt. Die Frage bleibt, was wir heute tun können. Ansatzpunkte gibt es genug.

Lesen Sie das Buch und suchen Sie sich Ihren Ansatzpunkt, um etwas zu tun!
22 Kommentare| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Mai 2013
Nach der Lektüre dieses Buches habe ich entscheidende Erkenntnisse dazugewonnen. Es ist absolut notwendig das Auseinander-Driften der Gesellschaft in arm und reich zu thematisieren.

Das Buch stellt so manches klar und nie hatte ich das Gefühl, daß hier nur schlecht-geredet wird. Man ist nachher nicht frustriert, sondern ermutigt aktiv zu werden.

Ein sehr wichtiges Buch im besten Sinne.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Juli 2013
Der Autor fast auf etwas mehr als 200 Seiten sprachlich auf einem gut lesbaren Niveau (auch für den Nicht-Ökonomen) die Missstände in unserer Gesellschaft zusammen. Er belegt seine Aussagen stets mit wissenschaftlichen Quellen die im Anhang/im Literaturverzeichnis aufgeführt sind. Er zeigt sachlich ohne Wertung auf, was in Deutschland in Bezug auf unsere Ober- und Unterschicht durch die Politik gesteuert und/oder auch nicht gesteuert aus dem Ruder läuft.

Das die Mittelschicht, also der überwiegende Teil unserer Bevölkerung die eigentlichen Träger der Gesellschaft sind, wird schon zu Beginn der Lektüre sehr schnell deutlich. Die Argumentation und sachlich einwandfreie Darstellung der Missstände wird an jeder Stelle des Buches mit konkreten und nachvollziehbaren Beispielen untermauert. Wer dieses Buch gelesen hat, wird sich bei der nächsten Bundestagswahl wohl etwas genauer Gedanken machen. Eine absolute Kaufempfehlung für jeden der sich als Bürger oder Bürgerin für unsere Gesellschaft und die aktuellen Probleme bzw. Fehlsteuerung interessiert. Sollte eine Pflichtlektüre für Politiker werden, die immer wieder von Leistungsgerechtigkeit, Verteilungsproblemen und Marktwirtschaft sprechen.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden