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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unerklärliche Todesfälle
Man durfte gespannt sein, welchem Thema in welcher Form sich John Burnside nach seinem fulminant erzählten, autobiographischem und emotional düster-mitreißendem 'Lügen über meinen Vater' und dem verstörenden Roman 'Gilster' zuwenden würde.

Ganz anders nun zunächst, soweit kann man zunächst sagen. Und doch sich treu...
Veröffentlicht am 10. März 2012 von M. Lehmann-Pape

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Naja
Dieser Roman ist durchaus keine Nullachtfuffzehn-Literatur. Burnside gibt sich große Mühe, die Stimmung am Ort des Geschehens zu beschreiben; schnell verinnerlicht der Leser diese besondere Atmosphäre. Somit ist eigentlich eine schöne Kulisse für einen spannenden und lyrischen Roman gegeben.
Jedoch enttäuschte die Handlung leider meine...
Veröffentlicht am 12. Dezember 2012 von H. BrÃŒnjes


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unerklärliche Todesfälle, 10. März 2012
Man durfte gespannt sein, welchem Thema in welcher Form sich John Burnside nach seinem fulminant erzählten, autobiographischem und emotional düster-mitreißendem 'Lügen über meinen Vater' und dem verstörenden Roman 'Gilster' zuwenden würde.

Ganz anders nun zunächst, soweit kann man zunächst sagen. Und doch sich treu bleibend in seiner Kunst, in bildkräftiger Sprache emotionale Vieldeutigkeiten des Lebens in ein verstörendes Portrait zu bannen.

Im hohen Norden Norwegens, auf einer Insel am Polarkreis, siedelt Burnside seine Geschichte an und diese Geographie 'am Rande der Welt', in einer (überragend geschilderten) Landschaft wie direkt altnordischen Sagen entnommen, ist wichtig für das Verständnis. Ein abgeschnittenes Stück Welt, in dem die Uhren anders zu gehen scheinen, wie auch die Emotionen. Eine äußere Abgeschnittenheit, die sich im Lauf des Romans auch innerlich in Figuren spiegeln wird

Hier wartet die junge Liv, die mit ihrer Mutter, einer Künstlerin, auf der Insel lebt, auf die Ergebnisse ihrer Schulabschlussprüfungen. Und nun sterben junge Männer.

Zuerst Mats. Einfach so. Nimmt (scheinbar) das Boot des Nachbarn, fährt (scheinbar) aufs ruhige Meer hinaus und wird tot wieder angespült. Zuletzt hatte Liv Mats mit dessen jüngerem Bruder Harald in Begleitung einer Mitschülerin, Maia gesehen. Eine Art des Umgangs lag zwischen diesen drei, die Liv ein mehr als nur Bekanntschaft ahnen lässt.
Auch Harald stirbt. 10 Tage später. Mit genau dem gleichen Boot des Nachbarn war er ebenso aufs ruhige Meer hinaus gefahren und ist ertrunken.

Ereignisse, Todesfälle, die merkwürdigerweise gar keine große Aufregung bei den Bewohnern der Insel hervorrufen. Was Wunder, das Liv sich mehr und mehr von den alten Erzählungen des alten Kyrre einnehmen lässt. Hexenerzählungen, Geistergeschichten, Geschichten der 'männermordenden Huldra'. Und da Liv mehr und mehr beginnt, diese 'Geister', ansonsten für andere unsichtbare Wesen, zu sehen, zieht es sie immer mehr hinein in diese Zwischenwelt. Jenes geheimnisvolle Mädchen Maia, ist sie nicht einer jener 'bösen Geister', eine 'Huldra'? Doch nichts ist wirklich, wie es scheint. Vor allem nicht so, wie es Liv zunächst schildert. Selbst ihre Mutter, selbst das Verhältnis zwischen Liv und der Mutter, mehr und mehr zweifelt der Leser an all den Beschreibungen, die er durch Liv erfährt.

Und dennoch, bei allem Zweifel erhält auch Livs Sicht immer wieder neue Nahrung. Als ein Fremder mit Geheimnissen in ihre Nähe zieht. Heimlich enttarnt sie den Mann als Pädophilen und alsbald taucht auch Maia wieder auf. An der Seite des neuen Nachbarn, der in Livs Augen damit das nächste Opfer der Huldra sein dürfte. Und dass sie selbst, als einzige, die der Huldra so eng auf den Fersen ist, ebenfalls ihres Lebens nicht mehr sicher sein dürfte.

Was wirkt, wie eine Kriminal-Gespenstergeschichte, bei der Leser bis zuletzt zu harren hat, wieweit übersinnliche Phänomene sich in realitätskonforme Abläufe hinein doch noch auflösen, spielt Burnside in hervorragender, bildkräftiger und tief reichender Sprache mit den Grenzen dieser Realität, mit vermeintlichen Tatsachen zwischen Wahn und Fantasie. Ein Spiel der Worte und Ebenen, die im Lauf der Lektüre kaum noch etwas als gegeben stehen lassen. Sind überhaupt Männer zu Tode gekommen? In der einen Lesart natürlich, aber da gibt es ja noch ganz andere Geschichten im Buch, bei denen der Leser immer wieder vor die Wahl gestellt wird, welchem Faden, welcher Lesart er sich anschließen kann und will. Widersprüche liegen vor, die nicht eine einzige komplexe Geschichte im Nachhinein ergeben werden, sondern den Leser zwingen, sich für eine der einander widersprechenden Ereignisketten zu entscheiden. Um sich damit doch dem Zentrum des Romans zu nähern.

Nur eine Konstante verbleibt im gesamten Buch und diese ist letztlich der einzige 'Schlüssel', der den Zugang zum Buch und zur Annäherung an das, was die Wahrheit sein könnte, öffnet. Das Mädchen Liv in ihrer Geschichte. Eine, die in ihren Fantasien mehr und mehr untergeht (wie die jungen Männer in spiegelglatter See ertrunken sein sollen). Eine, bei der man lange brauchen wird, um zu verstehen, was wirklich 'mütterlich' an ihr nagt.

Bildkräftig, sprachgewaltig, mit einer Tiefe und Mehrdeutigkeit versehen die ihresgleichen sucht und dabei ein genauer Beobachter und Kenner der menschlichen Psyche in ihren noch so merkwürdigen Verästelungen, John Burnside versteht es, Meisterwerke zu schreiben. Jeder Schritt, jede Etappe des Buches, so verwirrend sie auch im ersten Anblick scheinen mag, ist durchdacht, gewollt und in hervorragender Sprache auf den Weg gebracht und alles zusammen ergibt das hoch differenzierte Bild einer Person, die droht, zu versinken, wenn sie nicht schon vorher versunken war.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der konsequenten Verweigerung unseres hektischen Lebens, 4. Juli 2012
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
John Burnside, der zu den ganz großen Schriftstellern unserer Zeit gehört, ist ein wunderbarer Memoirenschreiber und mit seinen zwölf veröffentlichten Lyrikbänden ein viel beachteter Poet, aber er ist kein reiner Romancier, auch wenn die philosophischen Betrachtungen seines eindrucksvollen Weltbildes diesen Eindruck erwecken könnten. Burnside arbeitet sich in seinen bisherigen großen Romanen vermeintlich am Bösen ab, aber in Wirklichkeit geht es ihm um das Irrationale. Nach dem autobiografischen Roman "Lügen über meinen Vater" hat er jetzt mit "In hellen Sommernächten" hat er nun eigentlich abschließend eine Trilogie geschrieben. Mit den beiden anderen Romanen, dem Krimi- Bildungs- und Gesellschaftsroman "Die Spur der Teufels" und dem Roman "Glister" - einer fesselndem Analogie über unsere Zeit und ihre gefühlskalte Gesellschaft - hat er sich einen Namen gemacht. Aus der Haltung des ständig die Fragestellung nach dem mehr sehen wollenden pubertierenden Mädchens und den romantischen Anspielungen auf Märchen, wie beispielsweise "Alice im Wunderland" hat Burnside jetzt eigentlich das Gegenstück zu "Glister" geschrieben. Diese radikale Aussteigergeschichte ist in einer wunderbaren Sprache randvoll von poetischen Landschaftsbeschreibungen.

Wenn Denis Scheck, wie kürzlich in einer Literursendung vermerkt, einen Plot in diesem Roman vermisst, so habe ich ihn doch entdecken können, auch wenn alle Figuren gleichermaßen Aussteiger sind und in ihrer Einsamkeit alle nach dem tieferen Sinn des Lebens suchen.

Der Roman spielt hoch oben im Norden am Polarkreis, auf einer entlegenen norwegischen Insel. Die Ich Erzählerin ist ein Mädchen namens Liv die in dieser wirklich unendlichen Einsamkeit bei ihrer Mutter, einer berühmten Malerin aufgewachsen ist. Ihre Mutter lebt sehr abgeschottet und wenn sie redet dann nur über Malerei. Es geht in dem Buch auch ganz explizit um Kunst.

Liv ist überzeugt, dass sie das Glück nur alleine finden kann, sie hat keine Freunde und am liebsten möchte sie den ganzen Tag aus dem Fenster schauen, Bilder die ihr vermittelt werden fokussieren und speichern, also eine sehr konsequente Verweigerung unseres alltäglichen hektischen Lebens.

In einem Zeitfenster von zehn Jahren erzählt uns diese Liv nun die Geschichte eines speziellen Sommers, eines skandinavischen Sommers dessen zeitlos ineinanderübergehendes, faszinierendes und immer wieder eindrucksvolles Tag und Nacht Spiel, dieses für diese Sommernächte so markante weiße Licht nicht nur unheimlich, betörend und bedrückend ist, sondern auch anregend, um in dieser seltsamen Atmosphäre über den tieferen Sinn des Lebens nachzudenken.

Im Original heißt das Buch "Summer of Drowning", "Sommer des Ertrinkens" und das ist ein sehr viel sinisterer Titel als "In hellen Sommernächten", denn genau darum geht, um das Ertrinken. Zunächst einmal erzählt uns die Ich-Erzählerin von jungen Männern die im Abstand von wenigen Tagen mit dem Boot aufs Meer hinausfahren und verschwinden. Mit diesem rätselhaften Ertrinken beschäftigt sich Liv, sucht nach der Lösung dieses Rätsels, und dabei meditiert die recht unzuverlässige Erzählerin traumhaft und mehrdeutig über das Böse. Die Todesfälle werden nicht aufgeklärt.

Kyrre, ein älterer Nachbar, zu dem Liv häufig geht, erzählt ihr von der nordischen Mythologie, bei der es um Sagen, Märchen und Gespenstern, die in dieser Gegend unterwegs sind, geht. I n diesen Sagen ist auch immer wieder von der Waldfee Huldra die Rede. Kann es sein das diese norwegische, mythologische Figur, - Sirene oder Undine - die jungen Männer in den Tod gelockt hat? Ist das Mädchen, welches sie mit den beiden Jungen gesehen hat vermeintlich die Huldra gewesen? Und welche Rolle spielt die schöne, geheimnisvolle Maia? Es gibt viele Dinge die Liv in diesem Sommer in erregende Aufmerksamkeit und Achtsamkeit versetzen. Die Sirene gilt als Metapher, denn auch ihre Mutter zieht viele Männer an, interessiert sich jedoch für keinen. Trotzdem empfindet Liv jede neue Bekanntschaft als existenzielle Bedrohung, weil Mutter und Tochter im Laufe der Jahre eine symbiotische Gemeinschaft geworden sind.

Dann erhält die Ich-Erzählerin Briefe von der Freundin ihres Vaters. Ihren Vater hat sie bisher noch nicht kennen gelernt. Der Vater ist krank, als Liv schließlich zu ihm nach England fliegt ist er bereits verstorben.

Diese Vorgänge lösen etwas Forderndes in der Erzählerin aus. Kann sie mit all der empfindsam geschilderten Mischung aus Imagination und Wirklichkeit fertig werden, oder ertrinkt sie jetzt in ihren eigenen Wahnvorstellungen?

Liv schildert uns das alles als Beobachterin. Störend wirkt dabei, dass der Autor die ohne Frage eindrucksvolle und bedeutungsvolle Kulisse etwas über strapaziert, in dem er meint mit den poetischen Landschaftsbeschreibungen sei genug hintergründiges Material vorhanden, um die Figuren in einer tiefen Einsamkeitsempfindung auf einer zweiten mythologischen Ebene agieren zu lassen.

Die riesige Qualität dieses Romans besteht darin, dass der Autor uns hier eine Mischung aus thrillerhafter Spukgeschichte und romansicher Märchengeschichte in poetischer Brillanz erzählt. Und am Ende fragen wir uns, ist es nicht besser wenn wir mehr sehen, als das was real vor uns liegt? Ist es nicht sinnvoller wenn wir auch das Irrationale wahrnehmen und in Kraft spendender Form in unser Leben integrieren, so wie die Ich Erzählerin Platz für das Geheimnisvolle findet und den Geistern schließlich im Es war einmal" einen gebührenden Ort schafft, wo sie sich aufhalten dürfen?
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben zwischen Wahn und Wirklichkeit, 6. April 2012
Es ist eine kühle, ferne Welt, in die es den Leser in diesem Roman verschlägt. Lange dunkle Winter und helle Sommernächte geben der Insel in Nordnorwegen eine intensive Färbung. In die Einsamkeit der abgelegenen Gegend ist die Mutter von Liv mit ihrer Tochter gezogen, um sich ganz ihrer Malerei und Bildhauerei zu widmen. Sie gilt als schön, geheimnisvoll und anziehend. Seltene Besucher, hier Freier genannt, und einige wenige Nachbarn bieten gelegentlich Kontakte zur übrigen Welt. Aus Livs Perspektive geschrieben erfährt man etwas von der Einsamkeit und der Fantasiewelt, in der sie lebt. Sie mag kaum mit Menschen zusammen sein hört aber genau hin, wenn der alte Kyrre seine Geschichten erzählt. Sie verbinden eine unheimliche Sagenwelt mit der Wirklichkeit.
Zu Beginn gibt es zwei ertrunkene Nachbarjungen, deren Tod ebenso mysteriös bleibt wie die übrigen Gestalten, denen wir in der Erzählung begegnen.

Liv ist die zarte, empfindsame und sich selbst als Spionin beschreibende Hautprotagonistin, die mit sensiblen und wachen Gefühlen ein Gespür für das Absonderliche hat. Sie beobachtet genau und macht sich ihre Gedanken, die zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu oszillieren scheinen. Ahnungsvoll meint sie einen Voyeur entdeckt zu haben, der zuletzt sehr lebendig erscheint, um dann wie einige andere Gestalten im Meer zu versinken.
Die schöne Mutter bleibt der Angelpunkt von Livs Dasein. Sie beobachtet ihre Mutter jedoch ebenso verwundert wie alle anderen Erscheinungsbilder auf der fernen nordischen Insel.

Machtvoll, sprachgewandt und poetisch kommt die Erzählung daher, mit der John Burnside der Gratwanderung des jungen Mädchens in ihre Märchen- und Fantasiewelt folgt.
Menschliche Verstrickungen werden umrankt von erhabenen Naturerscheinungen und der lichten Weite des nordischen Sommerhimmels. Einsamkeit gepaart mit Ängsten und der Suche nach Lösungen für die geheimnisvollen Beobachtungen machen das Buch zu einem Thriller zwischen Mysterie und Hoffnung. John Burnside vermag seiner Erzählung zwischen Schattenreich und wahren Lebensahnungen beredt Ausdruck zu geben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Naja, 12. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Roman ist durchaus keine Nullachtfuffzehn-Literatur. Burnside gibt sich große Mühe, die Stimmung am Ort des Geschehens zu beschreiben; schnell verinnerlicht der Leser diese besondere Atmosphäre. Somit ist eigentlich eine schöne Kulisse für einen spannenden und lyrischen Roman gegeben.
Jedoch enttäuschte die Handlung leider meine Erwartungen. Zu ausgeprägt werden die sich häufig gleichenden Gedanken der zentralen Protagonistin rezitiert. Hierbei werden darüber hinaus zu viele der (mich) nicht überzeugenden Zusammenhänge vorweggenommen. So fallen die Erklärungen für die geheimnisvollen Geschehnisse nicht allzu überraschend aus.
Das Buch lebt von seiner Atmosphäre. Wer sich darauf einstellt und keinen spannenden Kriminalroman mit interessanter Aufklärung erwartet, wird es also mögen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geografische und psychische Grenzbereiche, 22. Mai 2013
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Livs Mutter ist Malerin und hat sich auf eine Insel nördlich des Malangenfjords in Norwegen, auf Höhe des 70. Breitengrades, zurückgezogen. Offiziell ist die Mutter wegen des besonderen Lichts im Norden auf die Insel gekommen. Der Klappentext lässt vermuten, dass sich das Buch hauptsächlich um übersinnliche Ereignisse dreht; denn im Sommer nach Livs Schulabschluss ertrinken innerhalb kurzer Zeit ein Klassenkamerad und dessen Bruder, mehrere Erwachsene verschwinden spurlos. Das ungeklärte Verschwinden dieser Personen ist Anlass für Liv, sich mit dem Abstand von 10 Jahren an die Ereignisse vor deren Verschwinden in jenem Sommer auf der Insel zu erinnern. In Livs Welt gibt es außer ihrer Mutter nur den alten Nachbarn Kyrre, der eine winzige Hütte an Sommergäste vermietet und sich wie ein Ersatzvater um Liv kümmert. Kyrre ist nicht nur dafür zuständig, Liv zur Schule zu fahren, er ist einziger Ansprechpartner des Mädchens, wenn die Mutter nächtelang in ihre eigene Welt abtaucht. Kyrre erzählte der kleinen Liv Märchen von Trollen, Wichteln und Wassergeistern, darunter auch die Geschichte der "Huldra", an die Kyrre fest glaubt, die junge Männer ins Verderben locken kann. Da sich niemand erklären kann, warum zwei junge Männer von einem Boot aus verschwinden sollten, drängt sich nicht nur Kyrre der Gedanke auf, die Jungen wären von der Huldra fortgelockt worden.

Das besondere Licht des Norden prägt diesen Roman, aber auch der regionale Aberglaube. Auf der Höhe des nördlichen Polarkreises, wo zu Beginn des Sommers der Boden noch gefroren ist, führen endlose Winter zu Depressionen und die langen hellen Sommernächte zu sonderbaren Gefühlsüberschwängen. Livs Lebensumstände wirken bizarr. Über Livs Vater verweigert die Mutter jede Auskunft; Liv glaubte bisher, er habe die Familie verlassen. Regelmäßig erhält die Mutter den Besuch von "Freiern", die sie in züchtiger Distanz alle gemeinsam zum Kaffee einlädt. Liv wirkt wie ein von der Mutter hinterlassener Abdruck ohne eigene Persönlichkeit. Sie hat keine Idee, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte, keinen Ferienjob, keine eigenen Interessen und Ziele. Den Sommer verbringt die Achtzehnjährige damit, Kyrres Sommergast mit dem Fernglas nachzuspionieren und den Fährschiffen nachzublicken. Livs Passivität, mit der sie die Entscheidungen ihrer bestimmenden Mutter hinnimmt, beunruhigt und treibt die düstere Stimmung um den Tod der beiden Jungen auf die Spitze. Im Grenzbereich zur Depression glaubt man, der dunklen Seite in Burnsides einzelgängerischen Personen sehr nah zu sein.

Seit den unheimlichen Ereignissen sind inzwischen 10 Jahre vergangen. Liv ist noch immer eine junge Frau, der ich die kunstvoll ziselierte Sprache mit ihrem Netz aus Nebensätzen nicht abgenommen habe. Selbst wenn Liz in ihrer Jugend sonderbar war, lässt Burnside aus ihr eine viel älter wirkende Person sprechen. Das Setting des Romans, Liz problematisches Erwachsenwerden, die fließenden Übergänge zu psychischen Störungen und Burnsides Sprache haben mich - jedes für sich - fasziniert und lange beschäftigt; die Erzählerstimme harmonierte für meinen Geschmack jedoch nicht mit Liz Persönlichkeit und konnte deshalb die Einzelkomponenten nicht zusammenhalten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen König der Nebensätze, 13. September 2012
Im Prinzip ein packendes Buch. Der Fluch der hellen Nächte wird deutlich sichtbar.
Aber eigentlich passiert - nichts. Es ist die Parallelwelt einer Paranoiden, die hier beschrieben wird. Ein paar Jahrhunderte früher wurde die Huldra Hexe genannt. Wahrscheinlich WUSSTEN die Leute von damals auch genau, wenn das Böse aus einem Mädchen hervorkam. Sie waren sich SICHER und ÜBERZEUGT und BEGRIFFEN. Und vor allem DASS!
Ich habe nach der Hälfte des Buches begonnen, diese Wörter zu unterstreichen und es ist ein Meer aus Strichen geworden. Damit nicht genug: Das ganze Buch besteht ausschließlich aus Nebensätzen! Ich wusste, dass. Ich war mir sicher, dass. Später begriff ich, dass. Dass, dass, dass. Vielleicht liegt es ja an der Übersetzung und die Originalausgabe ist vielfältiger.
Für mich vor allem sprachlich ein mühsames Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen starke Sprache, 7. September 2013
Eines der wesentlichen Elemente der Bücher und Romane von John Burnside ist die unglaublich starke, poetische und einfühlsame Sprache. Die braucht er auch, um der Geschichte den Zugang zu den Traum- und Parallelwelten zu verschaffen, die nicht nur diesen Roman prägen, sondern auch schon früher (etwa im Roman Glister") ein markantes Merkmal seiner Erzählkunst waren. Hinzu kommt die Verwebung alltäglicher Handlungen mit schockierenden Ereignissen sowie essentiellen Erlebnissen und Gefühlen der Protagonisten, hier der jungen Liv, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird.

Erstaunlich ist, dass man das Buch zwar nicht verschlingen mag, so spannend ist es dann doch nicht, aber man doch im steten Lesefluss gehalten wird, obwohl eigentlich sehr wenig passiert.

Die Handlung spielt auf einer Insel im nördlichen Norwegen, wo die Mitternachtssonne und der wochenlange dunkle Winter die Bevölkerung beeinflussen, ebenso aber die karge, wenngleich schöne und meditative Natur mit arktischen Pflanzen, Fjorden und dem Meer. Die starke Einwirkung der Mitternachtssonne, ihres teilweise taghellen Lichts, teilweise gräulichen Zwielichts, befördert dabei gerade die (verfremdete) Wahrnehmung der Bewohner und Inselgäste, Schlaflosigkeit und das Glauben an die Andersartigkeit der Welt in diesen Breitengraden.

Liv hat gerade ihre Schulabschlussprüfungen bestanden und rätselt über den weiteren Fortgang ihres Lebens, als sie die Nachricht vom rätselhaften Tod eines Schulkollegen und kurz danach seines Bruders erreicht. Mangels tauglicher Erklärung sinnieren sie und ihr schrulliger Bekannter und Nachbar Kyrre Opdahl über den Einfluss der Huldra, einer weiblichen Märchengestalt, die in einer Art Zwischenwelt leben soll und ihren Einfluss auch in der sichtbaren Welt geltend macht, ebenso wie Trolle, Geister und andere unerklärbare Phänomene. Dass Liv genau wie Kyrre diese Phänomene teilweise wahr- und in jedem Fall ernst nimmt, ist das maßgebende Motiv des Buches, das mit dem trügerischen Eindruck des rein Visuellen arbeitet, aber die sonstige Wahrnehmung des scheinbar Unerklärbaren hochhält. Dabei wird über die Qualität dieser nicht sichtbaren Wesen räsoniert, also ob sie nun Märchen sind oder nicht, ob sie in Erscheinung treten, oder nur im Schatten verbleiben und welche Ereignisse man ihnen sicher und lieber nicht zuschreiben sollte.

Als weltlicher Handlungsstrang wird das Verhältnis von Liv zu ihrer Mutter, einer Künstlerin, die das Leben in der nördlichen Einsamkeit und die Abkehr von Oslo bewusst gewählt hat, als Liv noch ein kleines Kind war, in breitesten Schattierungen ausgemalt und wie der Alltag der beiden durch Rituale, unausgesprochene Vermutungen und Gegenannahmen, nonverbale Kommunikation und Befindlichkeiten aller Art bestimmt wird. Die Suche nach einem weiteren Sinn für ihr eigenes Leben wird für Liv angereichert durch die Nachricht, dass ihr bis dahin relativ unbekannter Vater in England schwer erkrankt ist und sie sich nur mit Mühe zu einer Reise dorthin aufraffen kann. Tatsächlich kommt sie dann zu spät, denn er stirbt vor ihrer Ankunft. Dort in London ist dann eine der beklemmendsten Szenen des Romans zu finden, wenn Liv sich nämlich im Hotelrestaurant von einem feindlich gesinnten Wesen in Gestalt eines Kindes auf dem Spielplatz gegenüber beobachtet fühlt. Dass dieser eindringliche, sogar gruselige Duktus nicht beibehalten wird, ist fast schade, denn man hätte sich durchaus gewünscht, dass das Buch ein bisschen an Spannung und Fahrt aufnimmt. Das passiert dann aber erst am Ende, als die vermeintliche Personifizierung der Huldra, ein Mädchen namens Maia, von Liv am wiederum seltsamen und spurlosen Tod eines Sommerferiengastes schuldig gehalten wird, ihre Mutter aber gerade dieses Mädchen zum Porträtieren wählt und Liv auf diese Weise ein Eindringen des Bösen in ihre bis dahin sicheren vier Wände wähnt, wobei sie zuletzt sogar zweifelt, ob sie diese Maia wieder loswerden kann, die auffällig die Nähe zu ihr und ihrem Haus sucht und genau zu erkennen scheint, was Liv in ihr sieht. Das Finale führt dann zu einer Erlösung durch Kyrre Opdahl, der sich der Huldra opfert und sie von Livs Haus wegführt, nur um kurz danach mit ihr wie vom Erdboden, vermutlich in die Zwischenwelt zu verschwinden.

Wie bereits anfangs erwähnt, finde ich es ganz erstaunlich, dass ein Charakter wie Liv, teilweise so antriebslos, so selbstgenügsam und in sich gekehrt, über ein so voluminöses Buch hinweg für Unterhaltung und teilweise Spannung sorgen kann, dass die Morde oder Todesfälle, die eigentlich ein Aufhänger für Spannung oder Grusel sein könnten, wie en passant passieren und das eigentliche Augenmerk auf die Frage des Glaubens an die unsichtbare Welt gelegt wird. Charaktertypen, Setting, Handlungsstränge, Erzählweise und auch das Ende passen geschmeidig zusammen und werden durch die starke Sprache, die sich auch in der gelungenen Übersetzung wunderbar präsent und doch umarmend zeigt, zu lesenswertem Leben erweckt. Für dieses Buch braucht man Muße und ein wenig Geduld, wird aber am Ende dafür belohnt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischen Wahn und Wirklichkeit, 27. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein außergewöhnliches Buch, in anspruchsvollem Ausdruck, welches den Leser wahrscheinlich schon nach den ersten Seiten in zwei Lager spaltet- entweder es wird nicht weiter gelesen oder es zieht den Leser in seinen Bann.
Mir ist letzteres passiert. Eine Inhaltsangabe kann ich mir aufgrund der letzten Rezensionen sparen.
Das Ende bleibt irgendwie offen- die eigene Phantasie wird angeregt um das Rätsel des Buches zu lösen- was ist wirklich passiert? Was ist Phantasie oder gehört zu alten Sagen und Geschichten?
Was ist mit dem Mädchen Liv- lebt es in einer eigenen Welt? Ist Liv hochintelligent oder ist sie wahnsinnig ? Können wir glauben was wir sehen? Was ist real und was nicht? Und wer bestimmt was real ist und was nicht?
Wer Mystik liebt, dem lege ich dieses Buch ans Herz.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hellen Nächte, 17. Mai 2012
Die junge Liv lebt mit ihrer Mutter, einer eigenbrötlerischen Malerin, auf einer Insel am Polarkreis. Hier sind die Winter lang und dunkel, und die Sommer kurz, dafür geht die Sonne Tag und Nacht nicht unter. Hier sind alte Legenden und Sagen noch lebendig. Liv hat gerade ihre Schule beendet und freut sich auf die Ferien, um zusammen mit dem alten Kyrre, der Sommerhäuser an Touristen vermietet, den Tag zu verbringen. Dann wird ein Klassenkamerad von Liv tot aufgefunden, offenbar ertrunken. Kurze Zeit später ereilt seinem Zwillingsbruder das gleiche Schicksal. Beide hatten Kontakt zu der bildhübschen Maia, in der Liv die Huldra erkennen will, eine Sagengestalt, die Männer um den Finger wickelt und in den Tod treibt.

John Burnside hat mit "In hellen Sommernächten" ein ganz besonderes Buch geschrieben. Mit einer phantastischen Sprache beschreibt Burnside die Insel, die Landschaften und die Menschen, dass es eine Freude ist. Wäre ich ein talentierter Maler, könnte ich ganze Leinwände vollmalen, so detailliert sind seine Ausführungen. Nicht weniger detailliert geht er vor, wenn er die Menschen der Insel (Liv und ihre Mutter, Kyrre und Maia) beschreibt und ihr Äußeres nach Außen kehrt.

Als im Laufe des Buches ein Sommergast die Insel besucht und öfters mit Maia gesehen wird, ist Liv alarmiert. Sie beobachtet beide und ist sich sicher, dass er der nächste ist, der von der Huldra verschlungen wird.

Burnside spielt mit dem Leser, beschreibt Livs Entdeckungen und Gefühle und skizziert ein Mädchen mit vielen Zweifeln. Und mit Liv zweifelt man auch als Leser. Ist die Huldra echt oder nur ein Hirngespinst? Wo, wenn nicht an Orten, wo es Tag und Nacht hell ist, wäre die Möglichkeit verrückt zu werden, größer?

Und so geht das Buch seinen Ende entgegen, und es ist wohl so, wie in einer guten Sage: Die Wahrheit liegt näher als man denkt. "In hellen Sommernächten" ist grandiose Literatur. Und wer gute Literatur zu schätzen weiß, wird auch dieses Buch schätzen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen alles i.o., 21. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Warum habe ich diese Bewertung gewählt. serhr gut, gefällt mir, es ist empfehlswährt und die Lieferung ist schnell, es ist alles i.o.
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In hellen Sommernächten: Roman
In hellen Sommernächten: Roman von John Burnside (Taschenbuch - 10. März 2014)
EUR 9,99
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