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5.0 von 5 Sternen Eigenwillig
Das Leben eines Tauchlehrers und seiner Lebensgefährtin wird durch das Auftauchen eines Künstlerpaars gehörig durcheinandergeworfen. Juli Zeh kann hervorragend erzählen, sie kann drastisch charakterisieren und mit Cliffhangern und Sexszenen Spannung erzeugen. Der Roman entfaltet einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Trotzdem war ich am Ende...
Vor 3 Tagen von Vielleser veröffentlicht

versus
61 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ohne Resonanz
Schon seltsam, wenn man einen Roman liest und sich währenddessen ständig fragt, ob er tatsächlich aus der Feder der auf dem Umschlag genannten Schriftstellerin stammt. Ein geschätzter Autorenkollege nennt sie augenzwinkernd-liebevoll "Schwafeltrine", die gute Juli Zeh, die in ihren überklugen, aufwendig komponierten und mehr als ambitionierten...
Veröffentlicht am 12. November 2012 von Thomas Liehr


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61 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ohne Resonanz, 12. November 2012
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
Schon seltsam, wenn man einen Roman liest und sich währenddessen ständig fragt, ob er tatsächlich aus der Feder der auf dem Umschlag genannten Schriftstellerin stammt. Ein geschätzter Autorenkollege nennt sie augenzwinkernd-liebevoll "Schwafeltrine", die gute Juli Zeh, die in ihren überklugen, aufwendig komponierten und mehr als ambitionierten Büchern Bandwurmsätze und Metaphern auffährt, als könne man allein dadurch einen (literarischen) Sieg garantieren.

Ganz anders in "Nullzeit". Der Roman ist ohne Frage kein "furioser Thriller", wie das Zitat auf der Umschlagrückseite behauptet, aber immerhin eine furiose Umorientierung. Wer zuvor "Spieltrieb", "Adler und Engel" und/oder "Schilf" gelesen hat, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass Zeh hier entweder versucht, kommerzieller zu schreiben (wogegen nichts zu sagen ist), oder ein gewieftes Spielchen mit der Lesererwartung treibt. Vielleicht aber auch nichts davon; die Antworten auf diese und einige andere Fragen kennt allein Juli Zeh.

Sven Fiedler wäre beinahe Jurist geworden, hat aber kurz nach dem Staatsexamen die Reißleine gezogen und sich auf die Insel abgesetzt, genauer: Nach Lanzarote. Gefolgt von der Jugendliebe Antje, in die Sven nie wirklich verliebt war, die aber in der neu gegründeten Tauchschule genau jene Lücken füllt, die Sven wenig interessieren, hat er sich auf der Vulkaninsel ein Refugium geschaffen, sein persönliches Rückzugsgebiet vom "Kriegsschauplatz" Deutschland.

Seine aktuellen Exklusivschüler sind Jola, die junge, bildschöne Schauspielerin, die es dem gut vernetzten Vater zu verdanken hat, in der TV-Soap "Auf und Ab" (AuA - jawoll!) zum festen Ensemble zu gehören, und Theo, ihr deutlich älterer Freund, seines Zeichens Schriftsteller, der aber seit dem Jahre zurückliegenden, vielbeachteten Debüt nie wieder nachgelegt hat. Sie nennt ihn den "alten Mann", er schlägt sie - möglicherweise; Erniedrigung spielt in diesem Roman wohl eine Rolle. Da "Nullzeit" aus Svens Sicht erzählt wird, Jolas Version aber in Form von Tagebuchauszügen liefert, kann sich der Leser nie sicher sein, was der Wahrheit entspricht. Jola träumt davon, in der aufwendigen Filmbiografie der Tauchpionierin Lotte Hass die Hauptrolle zu spielen, und Theo träumt - vielleicht - davon, Jola zu behalten. Wovon Sven träumt, wird bis zum Ende nicht klar. Er verliebt sich irgendwie in die junge Frau, gerät, um mal eine themenbezogene Metapher zu wählen, gar in ihren Strudel - und dann ist da auch noch dieser 100-Meter-Tauchgang, den er an seinem vierzigsten Geburtstag absolvieren will, und den er schon lange plant. Dieser soll am letzten Tag von Jolas und Theos Aufenthalt stattfinden.

Es gibt in "Nullzeit" Entwicklungen und einen Spannungsbogen, sogar einen Höhepunkt, vor allem aber die unbeantwortete Frage nach dem Warum. Das liegt in erster Linie an der Hauptfigur, dem Tauchlehrer-Juristen, dem man beides (und all seine Entscheidungen) nicht so recht abnehmen will. Sven ist mal gefühlsgesteuerter Depp und dann wieder sich selbst und das Umfeld perfekt reflektierender Beobachter, schafft es aber nie, sich von der Erzählerin zu lösen, die es einfach nicht lassen kann, ihren Figuren altkluges Geschwätz in den Mund zu legen. Sie präsentiert einen durch und durch konstruierten Protagonisten, der quasi die Rolle der romanfüllenden Metapher übernimmt, aber keinerlei menschliche Züge entwickelt, merkwürdig diffus bleibt. Das immerhin passt zum perfiden, zuweilen klugen (wenn auch nicht ganz logischen) Ränkespiel der B-Prominenz, die Zeh in Form von Jola, Theo und einigen anderen Vertretern der Kategorie "zweitwichtigste Menschen" auftreten lässt.

Nullzeit bezeichnet jene Spanne, die man während eines Tauchgangs zur Verfügung hat, ohne beim Auftauchen Dekrompressionsstopps einlegen zu müssen. Natürlich drängen sich bei einem Roman mit diesem Titel Vergleiche auf, womit man aber in Zehs nasse Falle tappen würde. Er liest sich tatsächlich flott und man kehrt in die reale Welt zurück, ohne das Gefühl zu haben, nennenswert Zeit verschenkt zu haben, aber es bleibt jene - weiter oben angedeutete - Frage. Irgendwie findet sich am Ende alles zusammen, doch damit hat es sich auch schon. Man war Gast in einer seltsamen Welt, in der man nie zu Gast sein wollte, und kehrt unverändert in die Realität zurück.

Leider findet sich nicht einmal jene Begeisterung für das Tauchen, die zur Romanidee führte, im Buch wieder. Zwischen sehr technischen Beschreibungen und den Begegnungen mit ein paar gelangweilten Fischen gibt es unter Wasser nur einen Moment, der das Absonderliche dieses Grenzübertritts veranschaulicht, und ausgerechnet in diesem Augenblick schlägt Frau Zeh mit der Dramatikkeule zu.

Dem Roman fehlt es - mir fällt leider kein besseres Wort ein - an Resonanz. In dem Augenblick, da man ihn beiseitelegt, hört er damit auf, zu schwingen, hat aber eigentlich nie damit begonnen. Themen, die eine solche Resonanz erzeugen könnten, werden durchaus angerissen, etwa die Relativität der Wahrheit, oder die Frage, ob eine versuchte Tat im Hinblick auf die immanente Schuld tatsächlich der ausgeführten Tat gleichkommt, Aspekte wie Erniedrigung und Abhängigkeit, und, klar, "Liebe". Aber den nüchtern konturierten Figuren gelingt es nicht, dem genug Energie zu geben, um ein Nachbeben auszulösen. Man liest ein gutes Buch, nämlich "Nullzeit" von Juli Zeh, aber schon in der Minute danach fragt man sich, ob das wirklich der Fall war.
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5.0 von 5 Sternen Eigenwillig, 15. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
Das Leben eines Tauchlehrers und seiner Lebensgefährtin wird durch das Auftauchen eines Künstlerpaars gehörig durcheinandergeworfen. Juli Zeh kann hervorragend erzählen, sie kann drastisch charakterisieren und mit Cliffhangern und Sexszenen Spannung erzeugen. Der Roman entfaltet einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Trotzdem war ich am Ende von einer seltsamen Leere erfüllt. Es liegt wohl daran, dass mir die Figuren nicht sympathisch waren. Sie waren mir zu kaputt und zu zynisch. Das mögen andere Leser vielleicht gerade interessant finden. Auf jeden Fall versteht Juli Zeh ihr Handwerk und hat es geschafft, dass ich noch länger über ihren Roman und ihre Schreibweise nachdenken musste. Und das muss ein Autor erst mal schaffen.
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72 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel Lärm um fast gar nichts, 31. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
Es gibt sie, diese Bücher, die man mit einem Gefühl von "nie gelesen" zuklappt. Man seufzt, blickt ratlos in die Ferne, grübelt ein paar Augenblicke lang über sinnlosen Fragen wie "Und jetzt?" oder "Was war DAS?" oder "Was wollte der Dichter uns damit eigentlich sagen?", bevor die Geschichte dann wirklich in den Keller des Vergessens trudelt, wo sie dann für immer bleibt.

Juli Zehs "Nullzeit" ist für mich eines dieser Bücher, der Hype auf diesen Seiten lässt mich staunen. Vielleicht liegt es am Plot, der von drei menschliche Ruinen erzählt, von denen mich allerdings keine wirklich zu berühren oder faszinieren wusste. Da sind Jola, die getriebene, von einem Vaterkomplex beladene, gefährlich-schöne Schauspielerin, Tauchlehrer Sven, der viel von emotionaler Tieffliegerei zu berichten weiß und Schriftsteller Theo, der seinen Nicht-Erfolg mit weinerlichem Sadismus kompensiert. Das könnte interessant, ja sogar hochspannend sein, ist es aber nicht. Was vielleicht wiederum daran liegt, dass die angekündigte "fatale Dreiecksverbindung" im Grunde nicht mehr ist, als eine dieser "Die-Durchgeknallten-aus-dem-Kultur/Show-Geschäft"-Geschichte, die mir persönlich trotz präziser und bildreicher Sprache nichts zu sagen hat. Zu kalt und distanziert, zu vordergründig und entwicklungsarm, ja, zu eindimensional und damit zu klischeebeladen kommt mir das Ganze daher. Es fehlt ihm schlicht an Seele, die es aber braucht, damit aus einer gut ausgedachten Story ein Wunderwerk werden kann.

Immerhin ist davon auszugehen, dass die Autorin etwas vom Tauchen versteht oder zumindest gut zu recherchieren weiß.
Ansonsten fällt der Roman für mich in die Kategorie: Außer Spesen nichts gewesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Juli Zeh: Nullzeit, 22. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Kindle Edition)
Nullzeit ist ein gut geschriebener Psychokrimi, der viele einzelne schöne Bilder und Beschreibungen hat. Die Geschichte erscheint vom Ende her jedoch sehr konstruiert und nimmt den Figuren teilweise ihre Glaubwürdigkeit. Es ist eine bessere Ferienlektüre, reicht aber nicht an die Qualität der besseren Romane von Patricia Highsmith heran.
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3.0 von 5 Sternen Aussteigen allein reicht nicht - die Realität holt einen ein, 7. August 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit: Roman (Taschenbuch)
Tiefgründige Figuren, Spuren, die verwirren sollen und/oder zum Nachdenken anregen, sympathische und unsympathische Personen und eine gute Geschichte sind die Eckpfeiler für Zehs Romane. Schilf hat mir besonders gut gefallen.
Unter dieser Voraussetzung hat der vorliegende Roman nicht so viel zu bieten. Wobei der Ich-Erzähler, Sven Fiedler, auf den ersten Seiten durchaus Potential hat. Sein Leben auf der Insel, warum er dort gelandet ist und wie das Leben für ihn seither aussieht, ist ja nicht schlecht, aber schnell auserzählt. Die Kunden, die eines Tages zu einem Tauchkurs eintreffen, Jola und Theo, bringen sein wohlgeordnetes Dasein völlig durcheinander. Der Leser lernt recht flott, dass zumindest Sven mit dem Leben davon kommt.
Die Story ist zu dünn, als dass sie noch weiter ausgewälzt werden könnte. Bei Jola und Theo, diesen kaputten Typen, hat Zeh sich aufs Wesentliche als Charakteristik beschränkt, als Personenskizzen reicht das auch. Mehr gibt das alles nicht her, es ist ja auch ein dünnes Taschenbuch. Ich fand’s mittelgut. Zeh kann eigentlich besser schreiben.
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3.0 von 5 Sternen leicht hölzern im handlungsort, aber fesselnde perspektiven, 19. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
welche version der ereignisse nun den tatsachen entspricht, kann und sollte wohl auch nicht, geklärt werden. die wahrheit ist am ende vielleicht am treffensten formuliert mit dem satz "don't f... in the factory".
die schreibweise der autorin ist sehr angenehm und läßt die handlung gut laufen, den figuren fehlt es ein wenig an authentizität, aber das sollte wohl der kürze geschuldet sein um nicht den gelegentlich erwähnten 3 bis 4-teiligen gesellschaftsroman zu erzeugen.
orte und tätigkeiten der handlung sind ein wenig unmotiviert, diese könnte man beliebig austauschen und durch ein wenig mehr kreativität optimieren.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebe, Lügen und der Tod, 30. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit: Roman (Taschenbuch)
Psychothriller. Unter Wasser muss man einander hundertprozentig vertrauen können. Eine falsche Entscheidung, ein Missverständnis, eine übereilte Reaktion - und schon bist du tot.

Sven und Antje sind "Aussteiger" aus Deutschland; Sven ist Tauchlehrer, Antje macht die Buchführung. Auf einer einsamen kanarischen Insel betreiben sie seit 14 Jahren eine exquisite private Tauchschule. Svens Motto: Sich raushalten, nichts an sich heranlassen, Distanz wahren. Doch dann kommen die Schauspielerin Jola und der Schriftsteller Theo und buchen Sven für 14 Tage Tauchkurs mit rund-um-die-Uhr-Komplettbetreuung. Schnell erliegt Sven Jolas verführerischen Reizen und gerät in ein gefährliches Spiel von Flirten, Tauchunterricht, Leidenschaft, Gewissensbissen. Und Theo schaut zu und ermuntert Sven: "Ich dulde, dass du sie knallst. ... Genieß es. Aber lüg mich nicht an." (S.138/140). Dann kommt der 24. November, Svens 40. Geburtstag. Zusammen mit Jola und Theo fährt er raus zu einem neuentdeckten Wrack, dass er an diesem Tag in 100 m Tief erkunden will. Kann das gut gehen? Wird er diesen gefährlichen Tauchgang mit den langen Dekompressionszeiten, vollkommen abhängig von Jola und Theo oben im Boot - überleben?

Wie in "Spieltrieb" (meine Rezension vom 23.03.14) erweist sich die Juristin und Autorin Juli Zeh (Jg. 1974) auch in "Nullzeit" als eine Meisterin der paradoxen Psycholgie. Mit leichter Hand zeichnet sie die zunächst recht durchschnittlichen Lebensgeschichten von Sven, Jola und Theo nach und zeigt, wie die drei sich in ein wüstes Knäuel aus gegenseitiger Attraktion, Abhängigkeit, Leidenschaft und Verletzlichkeit verstricken. Nie kann man sich sicher sein, wer eigentlich "die Wahrheit" sagt, Sven in seinem Bericht in ich-Form, oder Jola in ihrem Tagebuch, ebenfalls in ich-Form. Oder ist alle Wirklichkeit nur eine Frage der Wahrnehmung und ihrer unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten? Es gibt viele überraschende Wendungen, im Schlusskapitel eine Reihe von plausiblen Erklärungen für alle wichtigen Fragen ("Wer hat eigentlich was getan und warum?"), aber ein paar lose Enden bleiben. Und das gute Gefühl, einen spannenden, intelligenten Psychothriller über die Paradoxien und Abgründe menschlicher Beziehungen und Gefühle gelesen zu haben.
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5.0 von 5 Sternen Patricia Highsmith lässt grüßen, 20. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
Der Roman liest sich leicht und lange ist man versucht, an ein allzu oberflächliches Buch zu glauben. Doch die Tücke liegt im Detail. Juli Zeh erweist sich als gelehrige Tochter im Geiste von ... Patricia Highsmith natürlich. Wie hier eine Intrige gesponnen wird und weder dem Protagonisten noch den Leser (der es eigentlich besser wissen müsste) klar wird, worum es geht, das ist schon ziemlich meisterhaft gemacht. Auch wenn das Buch vielen nicht zu gefallen scheint, meinen Nerv hat es getroffen.
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19 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kanarisches Kammerspiel mit drei Durchgeknallten, 17. September 2012
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit (Gebundene Ausgabe)
Unter "Nullzeit" versteht man in der Tauchersprache die Zeitspanne, die man unter Wasser bleiben kann, ohne dass bei einem plötzlichen Auftauchen Gesundheitsschäden zu befürchten sind. Ein Begriff, der sich als Metapher geradezu anbietet: wie lange kann ein Paar in der eigenen emotionalen Hochdruckzone seinen Privatwahnsinn treiben, ohne dass eine Rückkehr für die beiden in eine normales Leben unmöglich wird?

Theo und Jola sind ein solches Paar, bei dem der Leser von Anfang an befürchtet, dass sie den Nullpunkt schon längst überschritten haben. Sie, eine bildschöne Schauspielerin aus bestem Hause auf der Suche nach dem endgültigen Durchbruch in der Rolle der Lotte Hass - er, zwölf Jahre älter, ein larmoyanter und wenig erfolgreicher Schiftsteller, haben sich seelisch und sozial derart ineinander verheddert, dass sie für ihre Umwelt unberechenbar werden. Gesten extremer Anhänglichkeit und Verliebtheit folgen auf mit Kälte, Herabsetzungen ("der alte Mann") und körperliche Attacken - und umgekehrt.

Die soziale Umwelt, das sind im vorliegenden Buch der Tauchlehrer Sven und seine Lebensgefährtin Antje, zwei Aussteiger, die auf einer nicht genannten Insel ( es handelt sich um Lanzarote) eine Tauchschule betreiben und bei denen Theo und Jola einen exklusiven und sehr kostspieligen Tauchurlaub gebucht haben. Die Beziehung von Sven und Antje ist stabil, aber langweilig, eine bessere Kameradschaft, ein störungsfreies und dauerhaftes Einvernehmen, das als "Liebe" bezeichnet wird. Kein Wunder, dass der gut gebaute Sven bei aller Kritik am Verhalten von Theo und Jola von Anfang an ein besonderes Auge auf die schöne Jola wirft.
Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven - mal von Sven, mal von Jola in ihren Tagebüchern - allerdings so unterschiedlich, so dass der Leser über die Triebkräfte der Handlung lange im Unklaren bleibt.

Der Inselaufenthalt von Jola und Theo steht schnell im Zeichen einer sich anbahnenden Beziehungskatastrophe. Theo und Jola verhalten sich von Tag zu Tag durchgeknallter, und schnell gerät auch der Tauchlehrer Sven in den Bannkreis des verrückten Paares. Der zunächst so gelassene Aussteiger verwandelt sich in einen Gehetzten, der sich davor fürchtet, mit Jola in eindeutigen Posen gesehen zu werden, in einen Spanner, der seine Gäste in der Nacht beobachtet und in einen Masturbator, der sich während der Laptopaufzeichnungen von Jolas Filmen einen herunter holt.

Am Ende kulminieren die Ereignisse im Rahmen eins lange geplanten Tauchganges an Svens vierzigstem Geburtstag. Wie, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, wenngleich die Logik der Auflösung gegenüber dem Gesamtniveau des Buches ein wenig abfällt. Aber was soll man meckern? Neben all dem hypermodernen und ambitionierten Schmus, den man heute von jungen Autoren lesen muss, ist Julie Zeh ein gut zu lesender und handwerklich erstklassig ausgearbeiteter Beziehungskrimi gelungen, den man im Rahmen eines Strand- oder Tauchurlaubes auf den Kanaren durchaus empfehlen kann. Wahrscheinlich hat die Autorin sogar absichtlich auf zu schwere Bleigewichte der Bedeutung verzichtet, amit das Buch jene scheinbare Öberflächlichkeit erlangen kann, die Lesbarkeit und Verkauffserfolg zugleich garantieren. Gut gemacht, Julie!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychogramm – spannend, 20. Februar 2015
Von 
Jules Barrois (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Sven ist Tauchlehrer auf einer Insel. Freundin Antje kümmert sich um Organisation und Gästebetreuung. Alles läuft einigermaßen gut, bin eines Tages ein Ehepaar aus Deutschland anreist die, für die Dauer ihres Aufenthaltes, Sven exklusiv als Tauchlehrer und Reiseführer gebucht haben. In einer schönen, bildhaften Sprache entwirft Juli Zeh ein äußert feinschichtiges Psychogramm von Menschen, Beziehungen, Liebe und Realitäten. Eines der besten Bücher der letzten Jahre.
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Nullzeit: Roman
Nullzeit: Roman von Juli Zeh (Taschenbuch - 13. Januar 2014)
EUR 9,99
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