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Kundenrezensionen

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am 14. Dezember 2011
Für diesen schmalen, sprachlich konzentrierten und stilistisch sehr gelungenen, nachdenklichen Roman hat der englische Schriftsteller Julian Barnes 2011 -endlich, ist man geneigt zu sagen- den begehrten Booker Preis bekommen. Der Roman ist, hinter der Geschichte, die der Protagonist des Buches selbst erzählt, die tiefsinnige Umkreisung der Frage, was wir als Menschen überhaupt wissen können von unserem Leben. Wenn doch, wie jeder beim Nachdenken über sein eigenes Leben bis zurück in die Jugendzeit selbst schnell in Erfahrung bringen kann, die Erinnerung an das, was war, so unklar und trügerisch ist, wie soll man dann überhaupt erkennen und entscheiden können, was ein gutes Leben war oder ist ?

Indem Julian Barnes seine Hauptfigur Tony Webster als einen über sechzig Jahre alten Mann schildert, der über einen kürzeren Zeitraum hinweg sein Leben befragt, will er dem Leser zwischen den Zeilen die Erkenntnis vermitteln, dass jedes Bild, das wir, unser Leben erinnernd, uns von uns selbst machen, sich schon während dieses Vorgangs in ein permanent sich veränderndes Objekt verwandelt.

Tony Webster blickt auf ein durchaus erfolgreiches Leben zurück. Er hat es im Beruf zu etwas gebracht, sieht seinem Ruhestand gelassen entgegen. Seine Ehe mit Margaret ist zwar geschieden worden, doch immer wieder trifft er sich mit ihr, auch um die Dinge und Gefühle zu diskutieren, die ihn im Rahmen seiner Erinnerungsarbeit bewegen. Mit seiner schon erwachsenen Tochter versteht er sich gut.

Dieser eher durchschnittliche Mann hätte niemals in seinen Erinnerungen gewühlt und sich von ihnen sein Leben auf den Kopf stellen lassen, wäre nicht eines Tages ein Brief von einem Anwalt gekommen. Die Mutter seiner Jugendfreundin Veronica hat ihm das Tagebuch seines ehemaligen Schulfreundes Adrian vermacht. Dieser Adrian hatte, bald nachdem sich Veronica von Tony getrennt hatte, diese geheiratet und Tony damals in einem Brief quasi um Erlaubnis für diesen Schritt gebeten. Bald darauf nahm sich Adrian das Leben.

Veronica, die sich in den Besitz dieses Tagesbuch gebracht hat, will es Tony nicht überlassen. Weil er vermutet, aus diesem Tagebuch etwas über sein Leben zu erfahren, versucht er alles, um Veronica zur Herausgabe des Erbstücks zu bewegen. Und er beginnt die Geschichte zu erzählen, als, Jahrzehnte vorher, eines Tages ein neuer Schüler in die Klasse kommt, Adrian Finn. Klein und schüchtern, gibt er aber den Lehrern verstörende Antworten. Als in der Englischstunde etwa der Lehrer nach dem Sinn des Lebens am Beispiel eines Gedichtes fragt, antwortet Adrian:
"Eros und Thanatos, Sex und Tod. Oder Liebe und Tod, falls Ihnen das lieber ist. Jedenfalls um das erotische Prinzip und den Konflikt mit dem Todesprinzip und was aus diesem Konflikt folgt, Sir." Daran erinnert sich Tony noch sehr genau, genau wie an eine andere Szene aus dem Geschichtsunterricht. Auf die Frage des Lehrers, was Geschichte sei, antwortet Tony: "Geschichte ist die Summe der Lügen der Sieger."
Adrian Finn, danach vom Lehrer zu einer Antwort aufgefordert, sagt: "Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen." Und er bezieht es, weiter gefragt, auf den unerklärlichen Selbstmord des Mitschülers Robson, der sich erhängt hatte, nachdem er seine Freundin geschwängert hatte: "Nichts ersetzt die Aussage von ihm."

Dieser Satz, den er bei dem Franzosen Patrick Lagrange gefunden hat, ist sozusagen der Schlüsselsatz des ganzen Romans. Denn das ihm vermachte Tagebuch Adrians wird dem gesetzten Tony geradezu zur Obsession. Denn in Adrians Aussagen über ihn sucht er Aufklärung über sein eigenes Leben. Seine eigenen Erinnerungen sind ihm nicht genug, er glaubt, er könnte sich im Anderen finden. Eine verhängnisvolle Täuschung und eine erbärmliche Kapitulation des eigenen Ichs dazu.

Schon früher hatte Tony immer auf Adrian geschaut, seine Worte regelrecht in sich aufgesogen. Doch nun muss er, sich immer weiter erinnernd, und immer mehr Details erfahrend, ernüchtert feststellen, dass er selbst das Leben Adrians vielleicht mehr beeinflusst hat, als er dachte, bis hin zu seinem Suizid.

Der Roman fesselt seinen Leser bis zum überraschenden Ende und zwingt ihn regelrecht zur Auseinandersetzung mit den Fragmenten und Täuschungen seiner eigenen Lebensgeschichte.
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am 28. November 2014
England in den fünfziger Jahren: Zwischen Intellektuellen-Diskussionen und ersten Vorstößen in der Liebe in einer Ära der noch dominierenden Prüderie und Keuschheit entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte. Der brillante und etwas undurchschaubare Adrian wird von der schönen Veronica erwählt, nachdem sie mit dem Ich-Erzähler Tony eine kurze, oberflächliche Affäre hatte. Adrian, ein korrekter Mensch, bittet ihn in diese Verbindung einzuwilligen. Er schreibt einen neckischen Brief zurück und hakt die Geschichte ab. Ein Kind wird geboren, wenig später begeht Adrian völlig überraschend Selbstmord. Die Motive bleiben unklar.

Als Tony, im England der Gegenwart, nach dem Tod von Veronicas Mutter ein Tagebuch erbt, das sich als vergifteter Pfeil erweisen wird, erhebt die Geschichte von damals sich aus der Versenkung. Lange Zeit weigert sich Veronica, Tonys Wunsch nach einem privaten Treffen nachzukommen. Nach und nach wird klar, warum: Er hat keine besonders rühmliche Rolle gespielt bei der vermeintlich harmlosen Dreiecksgeschichte von einst. Und dann kommt noch ein behindertes Kind ins Spiel, das offenbar mit der ganzen Geschichte von damals etwas zu tun hat...

Der meisterhafte Roman von Julian Barnes beschäftigt sich auf raffinierte Weise mit dem menschlichen Gedächtnis und nährt im Leser die beängstigende Erkenntnis, dass alles in Wahrheit ganz anders gewesen sein könnte, als man es abgespeichert hat. Virtuos spaltet Barnes erinnertes und erinnerndes Ich, die zwei in der Erzähltheorie unterschiedenen Seiten des Ich-Erzählers, auf, um aus den Diskontinuitäten und Inkongruenzen zwischen beiden eine packende Erzählung zu schmieden. Das alles in kristallklarer und schnörkelloser Sprache und bescheidener Konzentration auf die kleine und doch beklemmend vielschichtige Geschichte – ein Kleinod der zeitgenössischen Literatur!
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TOP 1000 REZENSENTam 6. Dezember 2011
In seinem nicht einmal 200 Seiten dünnen Roman "Vom Ende einer Geschichte", welcher - meiner Meinung nach zurecht - in diesem Jahr den renommierten Booker Prize gewonnen hat, erzählt der Autor Julian Barnes eindrucksvoll eine Geschichte über die Reflektion der eigenen Vergangenheit und dem kritischen Umgang mit sich selbst.

Der Ich-Erzähler, Tony Webster, erinnert sich im ersten Teil des Romans an seine eigene Jugend Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre in London zurück. Zu Schulzeiten gesellte sich zu seinem Freundeskreis, der bis dahin mit Alex, Colin und ihm aus drei Jungen bestanden hatte, der stille, aber hoch intelligente und sehr philosophisch denkende Adrian Finn. Nach der Schule trennten sich die Wege der Jungen, Tony studierte in Bristol, Adrian bekam das Stipendium für Cambridge, und der Kontakt wurde sporadisch. Tonys erste Freundin Veronica war für ihn eine Enttäuschung. Sie manipulierte ihn, ließ ihn zappeln und schon bald war Schluss. Später eröffnet Adrian ihm, dass er nun eine Beziehung mit Veronica hat und bittet um seine Erlaubnis, worauf Tony ungehalten reagiert. Der Kontakt der beiden jungen Männer endet.
Mit nur 22 Jahren nimmt sich Adrian das Leben und hinterlässt nur einen Abschiedbrief mit hochphilosophischen Erklärungen.

Mehr als 40 Jahre vergehen, in denen Tony ein ganz normales Leben führt, heiratet, eine Tochter und ein Enkelkind bekommt, geschieden und pensioniert wird. Doch dann holt ihn die Vergangenheit plötzlich wieder ein, denn Veronicas Mutter, die er nur ein einziges Mal gesehen hatte, hat ihn in ihrem Testament bedacht: 500 Pfund und Adrians Tagebuch soll er bekommen. Da Veronica dieses aber zurückhält, ist er gezwungen sich in seinen ungenauen Erinnerungen noch einmal intensiv mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen und auch kritisch zu hinterfragen, ob er das Bild, das er all die Jahre von der Beziehung zu Veronica und von Adrians Tod hatte, wirklich richtig ist, oder ob er sich nicht vielleicht doch selbst getäuscht hat.

Berührend und voller überraschender Wendungen blickt der Ich-Erzähler auf sich selbst zurück und riss mich beim Lesen mit jeder Seite und ohne die kleinste Länge mit. Ein wirklich gelungener Roman, der einen nachdenklich stimmt und wohl noch lange in Erinnerung bleibt. Wirklich sehr lesenswert.
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am 16. Februar 2012
Erstaunlich, dass bisher nur ein einziger Rezensient die (zu) vielen offenen Fragen erwähnt. Das Buch ist zweifellos gut geschrieben und enthält bedenkenswerte Überlegungen zu Erinnern und Erinnerung, Vergessen, Verdrängung und Veränderung von Erlebnissen in der Rückschau.
Aber die "Auflösung" der spannenden Geschichte zwischen dem Ich-Erzähler Tony Webster, seinem Freund Adrian, seiner Jugendliebe Veronika und deren Mutter ließen mich und inzwischen drei Bekannte ziemlich ratlos grübelnd zurück. Eine Begründung für das Testament und das Vermächtnis von 500 Pfund für Tony gibt es nicht. Warum wird diese Summe als "Blutgeld" (blood money) bezeichnet? Das aufschlussgebende Tagebuch ist bis auf eine kryptische Seite vernichtet. Was hätte Tony von sich aus verstehen sollen? Veronika, deren Verhalten ihm gegenüber ausgesprochen aggressiv ist, wirft ihm mehrmals vor:"Du verstehst überhaupt nichts." Warum fürchtet sich der behinderte (vermeintliche?) Sohn von Adrian vor Tony? War dieser womöglich sein Erzeuger? Irgendetwas hatte zwischen diesem und Veronikas und des Behinderten Mutter stattgefunden, was der Leser nicht erfährt, weil der Protagonist sich nur an Nebensächlichkeiten erinnert, die aber offensichtlich etwas zu bedeuten haben.
Wie man es auch dreht und wendet, das "Ende einer Geschichte" ist nicht überzeugend.
Bleibt zu überlegen, was der originale Titel "The Sense of an Ending" meint - Gespür für eine Ende, Bedeutung/Sinn eines Endes, oder....? Die deutsche Übersetzung ist es jedenfalls nicht.
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am 19. Oktober 2014
Was ist Geschichte?
"Geschichte ist die Summe der Lügen der Sieger."
oder:
"Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen."
Julian Barnes schreibt ein geniales Buch, das letzteren Satz treffend illustriert. Notabene mit einem überraschenden Ende, das sich erst auf den allerletzten Seiten offenbart. Wer mit den hintersten Seiten zu lesen beginnt, beraubt sich eines wunderbaren Leseabenteuers.
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am 12. Juni 2012
... das Buch gerade zu Ende gelesen, fast in einem Zug, und war über weite Strecken davon fasziniert. Wovon? Vor allem von den eher philosophischen Reflexionen des Protagonisten, die - auch über weite Strecken - der eigentliche Kern des Buches sind; und von den hervorragend genauen Beobachtungen bzw. literarischen Belegen dafür, was man sonst in soziologischen Texten über Liebesleben und -nöte von jungen Leuten in den 60er Jahren nachlesen kann. Insofern ist für mich gut nachvollziehbar, dass jüngere Leser, die die Zeit vor und während des Pillenumbruchs nicht selbst erlebt haben, nicht verstehen können, dass das Buch für ihre Elterngeneration schon sehr interessante Aspekte bietet. Auch wenn die eigentliche Handlung an sich bei Licht besehen tatsächlich relativ dünn ist - aber darum geht es eigentlich auch weniger. Ich kann allen sehr positiven Kritiken zustimmen, die sich vor allem auf die zunehmend obsessive, aber als innere Handlung sehr spannende Wahrheitssuche des Erzählers beziehen. Andererseits sind die überraschenden Wendungen im letzten Teil zwar spektakulär und erinnern zu Recht an Krimis, aber eher an schlechte: sie sind leider nicht überzeugend; zu viele Fragen bleiben offen - wie viele Rezensenten völlig zu Recht angemerkt haben - und ich weigere mich, diese "offenen Enden" als vorgebliche literarische Qualität zu nehmen. Schade!
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am 4. Juli 2014
"Das letzte Bild habe ich nicht wirklich gesehen, aber am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat."

Tony Webster denkt über sein Leben nach, reist in der Zeit zurück bis zu seiner Schulzeit, der Zeit, in der Adrian Fynn in seine Klasse gekommen ist und sich ihm und seinen beiden Freunden anschloss, aus dem Dreier- in Vierergespann machte. Oder haben sich die drei Adrian angeschlossen? Wer war Ziehender, wer Gezogener? Die Geschichte scheint nicht so eindeutig, wie man sie gerne hätte. So oder so veränderte sich mit Adrian vieles im Leben der Jugendlichen.

Neben der Ausbildung, den Auseinandersetzungen mit Geschichte, Literatur und vielem mehr, was den Weg Jugendlicher säumt, spielen Sex und mögliche und unmögliche Beziehungen eine grosse Rolle im Leben der drei.

Nach der Schule trennen sich die mehrheitlich – bis eines Tages die Nachricht von Adrians Selbstmord die drei ereilt und neue Fragen aufwirft. Allen voran immer wieder die nach der eigenen Erinnerung, nach dem, was man eigentlich vom eigenen Leben weiss und wissen kann.

Auf sehr engem Raum entwickelt Julian Barnes eine tiefgründige Geschichte, die nachdenken lässt, mehr Fragen als Antworten liefert, Abgründe menschlichen Seins und Tuns offen legt. Ein packendes Buch, ein tiefes Buch, eines, das man lesen möchte, immer wieder innehält, in Gedanken versinkt, weiter liest und am Schluss ergriffen ist, weil die Geschichte nach der letzten Seite noch nicht zu Ende ist – zumindest nicht die eigene Auseinandersetzung damit.

Fazit:
Nachdenklich, dicht, sprachlich und inhaltlich packend. Sehr empfehlenswert.
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am 11. September 2015
Ein schlaues kleines unauffälliges Buch, das ganz unscheinbar daher kommt und immer tiefer in den Leser dringt mit seinen Philosophien und Fragen ums Erinnern und Vergessen, um unsere eigene rückblickende Bewertung von Ereignissen, auf die Geschichten der Geschichte. Eine punktgenaue Sprache, Feinsinnigkeit, die Ehrlichkeit des Protagonisten, Tiefgang und eine Unmenge erinnernswerter Sätze machten das Buch für mich zum Lesevergnügen.
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am 27. April 2016
Ein sehr hörenswertes kleines Buch über Erfahrungen der Jugend und wie man sich mit der Zeit selbst betrügt (wenn man nur seinen Erinnerungen traut), über Reue, Gewissen und Tod. Durchweg spannend geschrieben und in einem den Geist und die Atmosphäre des Buchs gut passenden Ton vorgetragen. Da bleibt etwas, über das man langer nachdenken möchte und an das man sich erinnern wird... etwas Besseres kann man kaum über ein Buch sagen! Erinnert mich ein bisschen an die überwältigende Tragik in Ian McEwan's "Abbitte", das ich - 12 Jahre nach meiner Lektüre - deutlich empfehlen möchte.
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TOP 500 REZENSENTam 10. Januar 2014
"Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen." Dieser Satz, mit dem Tony Websters Schulfreund Adrian seinerzeit den Geschichtslehrer in Verlegenheit brachte, ist das Motiv dieses Romans. Tony ist jetzt Anfang Sechzig, pensioniert, einigermaßen einvernehmlich geschieden und eigentlich der Ansicht, auf ein unspektakuläres, durchschnittliches Leben zurückzublicken. Das ändert sich in dem Augenblick, als ihm zu seiner großen Überraschung mitgeteilt wird, dass ihm die Mutter seiner ersten, komplizierten Liebe Veronica eine Erbschaft hinterlassen hat: 500 Pfund und das Tagebuch von Adrian. Der hatte Veronica nämlich später geheiratet, was Tony den beiden nie verziehen und den Kontakt zu ihnen mit einem ausgesprochen gehässigen Brief abgebrochen hatte.

Mit der Frage nach dem Grund für diese Erbschaft, vor allem aber danach, wie Adrians Schwiegermutter überhaupt in den Besitz des Tagebuchs gelangt war, holt Tony die Vergangenheit nach 40 Jahren wieder ein. Was er bei der schwierigen Suche nach Antworten herausfindet, deckt sich plötzlich nicht mehr mit den Erinnerungsfragmenten und Puzzlestücken, die für ihn bisher seine persönliche Geschichte so angenehm abgebildet haben, und es wird ihm erschreckend klar, wie er das Leben vieler Menschen irreparabel beeinflusst hatte, und das mit einem einzigen Brief.

Der Roman ist brillant geschrieben und frei von jeglichem seitenfüllenden Ballast. Fast wie in einem Krimi steigert Julian Barnes die Spannung und hebt die überraschende Auflösung doch tatsächlich bis zur letzten Seite auf. Auch dann muss man teilweise noch zwischen den Zeilen suchen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen - auch Tony Webster wurde es schließlich nicht leicht gemacht herauszufinden, was für eine Ereigniskette er ausgelöst hatte. Ohne es zu wollen, ohne es zu wissen und ohne wirklich dafür verantwortlich zu sein, auch wenn er das am Ende (der Geschichte) wohl anders sah.
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