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5.0 von 5 Sternen Die letzten Tage Stefan Zweigs
Wiederauferstehen lässt Laurent Seksik in seinem Roman sowohl im Stil als auch im Inhalt die vergessene Welt der 'schöngeistigen Schriftsteller', die zu ihrer Zeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Fug und Recht lange der Überzeugung sein konnten, mit ihren sprachlich ausgereiften und inhaltliche tiefgehenden Romanen die Welt zu bewegen.
Eine...
Veröffentlicht am 23. Mai 2011 von M. Lehmann-Pape

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spekulativ, umständlich, wechselhaft
VORGEFÜHL DER NAHEN NACHT ist der seltsam steife, bildungsbürgerlich verquaste deutsche Titel dieses Buches, das im französischen Original ebenfalls recht unpassend 'Die letzten Tage von Stefan Zweig' heißt - sind doch diesen letzten Tagen hier nur einige wenige Seiten gewidmet.

Einmal von der Frage abgesehen, ob die spekulative...
Veröffentlicht am 24. August 2011 von H.Schwoch


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die letzten Tage Stefan Zweigs, 23. Mai 2011
Wiederauferstehen lässt Laurent Seksik in seinem Roman sowohl im Stil als auch im Inhalt die vergessene Welt der 'schöngeistigen Schriftsteller', die zu ihrer Zeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Fug und Recht lange der Überzeugung sein konnten, mit ihren sprachlich ausgereiften und inhaltliche tiefgehenden Romanen die Welt zu bewegen.
Eine Welt der Ästhetik, in der Stefan Zweig einer der geachteten Schriftsteller war, eine Welt, die durch die Machübernahme Hitlers in eine lange, dunkle Nacht überführt wurde.

Ganz ähnlich auch im Stil, wie er Zweig zu eigen war, nähert sich Seksik der letzten Monate im Leben des Autors und zeigt die dynamische Kurve des gesamten Romans bereits auf den ersten Seiten exemplarisch auf. Dort, wo Zweig aufatmend durch die Fenster seines neuen, vorläufigen Domizils, eines kleinen Hauses in Petropolis, Brasilien, schaut.

Mut und Zuversicht machen sich auf den ersten Seiten zunächst breit. Endlich eine feste Adresse, 'ein Ort des Neubeginns'. Aber umgehend holt ihn die innere Düsternis wieder ein. 'Diese Zeit würde nie mehr wiederkommen....... Die Nacht hatte sich für immer abgesenkt'.
Und wiederum schwingt die Stimmung um. Seine junge Frau, seine zweite Ehefrau, betritt den Raum. Er spürt die Verantwortung und was er ihr mit all dem Exil ebenso antut. Lotte, die schwer mit ihrem Asthma zu kämpfen hat. Fast zärtlich wird er, dann aber überkommt ihn die Begrenztheit auch dieses Hauses. Nur für 6 Monate gilt der Mietvertrag. Nur, um sich dann doch der neuen Vertrautheit dieses Ortes hinzugeben.

Emotionale Schwankungen, denen Zweig fast wehrlos ausgesetzt ist, die sich seiner Kontrolle entziehen. Das ist der innere Leitfaden dieses ästhetischen und die Innenwelt des Schriftstellers in seinen letzten Tagen nachvollziehenden Romans. So viele seiner eng vertrauten Freunde sind verloren in der Zeit. Tot, verzweifelt, kontaktlos. So verloren ist die ganze Welt des Stefan Zweig, seit er sein geliebtes, kleines Schloss in Salzburg 1934 vorausschauend verlassen hat. Selbst der warme Empfang in Brasilien, das materiell relative Wohlergehen in dieser Zeit, die Kontakte, die er knüpft, seine fast 30 Jahre jüngere Frau, die ihm treu zur Seite steht, selbst all dies kann nicht verhindern, dass sich immer wieder die Nacht über ihn senkt. Nicht umsonst heißt sein letztes Buch, seiner Memoiren, welches im Roman fertig gestellt werden wird, 'Die Welt von Gestern'. Ein Abgesang und eine Erinnerung an all das Verlorene, welches Zweigs Welt ausgemacht hat.

Ein Prozess, den Seksik feinfühlig in Worte zu kleiden versteht und dem, allgemein bekannt, am Ende dieser letzten Etappe in Brasilien, der gemeinsame Freitod des Ehepaares am 22.2.1942 folgte. In diese Zeitspanne, von September 1941 bis Februar 1942 fasst Seksik konzentriert, neben der inneren Entfaltung der 'Nacht' in Zweig selbst, noch einmal diese goldene Ära künstlerischen Schaffens der 20er Jahre in Deutschland und Europa ein und versteht es so, neben dem detaillierten Psychogramm Zweigs, die Hintergründe offen zu legen, aus denen heraus Zweig für sich selbst keine andere Wahl mehr sah. Denn es ging nicht nur um den Verlust der äußeren Heimat, sondern letztlich um die Zerstörung seines inneren Heimatlandes, der Kunst im Rahmen der europäischen Verbundenheit und der Hoffnung, durch Freundschaften und Austausch ein friedliches Miteinander der Völker zu befördern.

Sprachlich hervorragend geschrieben und die Atmosphäre jener Tage und der Innenwelt Stefan Zweigs treffgenau wiedergebend ist Seksik ein wunderbares Buch gelungen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Annährung an einen großen Autoren...., 9. Juni 2011
Von 
Catrin Nack (Hamburg Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Stefan Zweig gehört schon während meiner Abiturzeit zu meinen absoluten Lieblingsautoren, die SCHACHNOVELLE habe ich bestimmt 10x gelesen, ebenso seine Maria Stuart- und Marie Antoinette-Biographien und diverse Kurzgeschichten ("Brief einer Unbekannten" ist mir besonders im Gedächnis geblieben). Komischerweise habe ich mich aber nie mit seinem Leben und Sterben auseinandergesetzt, und dieses Buch baut da eine Brücke, und fordert beinahe zum "Weiterlesen" (in Biographien etc.) auf.
Bei diesem durchaus ambitionierten Werk des Franzosen Laurent Seksik, der in Frankreich Herausgeber einiger Literaturzeitschriften ist, handelt es sich zwar um eine fiktive Geschichte; der Rahmen, die Handlung, die Orte sind aber natürlich real. Seksik beschreibt die letzten Monate des Schriftstellers Stefan Zweig und seiner (zweiten) Ehefrau im Exil in Brasilien, und lässt den Lebenslauf Zweigs - wenn auch natürlich stark komprimiert, das Buch hat nur rund 250 Seiten - in Rückblenden einfliessen. Um flüssiges Lesen zu erleichtern, hat der Autor den handelnden Personen, vor allem natürlich Zweig und seiner Frau, direkte Sprache in den Mund gelegt; hier liegt natürlich künstlerischer Freiheit vor. So schafft es Seksik aber , ein beklemmendes Bild der verzweifelten Lage der Emigranten zu entwerfen; düster sieht es in Zweig aus, und trotz der blühenden brasilianischen Landschaft versinkt der Autor immer mehr im Dunkel und kann die Schatten seiner Vergangenheit nicht abschütteln. Der Freitot ist am Schluss eine Erlösung.

Allein schon die Tatsache, das dieser Roman einen der größten deutschsprachigen Schriftsteller überhaupt der Vergessenheit entreisst und einem weiterem Publikum zugänglich macht, als es eine reine Biographie je könnte, verdient viele Sterne. Der Stil mag ein wenig spröde (französisch halt) daherkommen, liest sich aber im Verlaufe des Buches immer besser. Eine Anäherung an einen Autor von ganz anderer Seite, und auf eine ganz andere Art, die man sich -vor allem natürlich als Fan von Stefan Zweig, aber dann natürlich auch als Fan von deutschsprachiger Literatur überhaupt, keinesfalls entgehen lassen sollte.

Eine interessante Neuerscheinung.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Schuld des Überlebens, 12. Juni 2011
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Laurent Seksik hat einen Roman geschrieben, der fast schon eine Biographie darstellt. Beruhend auf Zeitzeugenberichten und erhalten gebliebenen Briefen zeichnet er die letzten Monate des österreichischen Autors Stefan Zweig und seiner Frau Lotte im brasilianischen Exil nach. Die Zweigs - beide selbst Juden - verließen Österreich und danach Europa bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung. Doch nun - in den Jahren 1941 und 1942 - quälen Stefan die Geister der Vergangenheit: Freunde, Bekannte und Verwandte, die sie verloren haben, suchen ihn nachts heim. Und immer schlimmere Berichte von den Greueltäten der Nazis und dem Fortschritt des Krieges versetzen die Zweigs in Angst und Schrecken.

Stefan Zweig wirkt schon von Anfang des Buches an schwermütig und selbstzweifelerisch. Die Verbrennung und das Verbot seiner Bücher erschüttern sein Selbstbild als Autor. Aber auch die literarischen Kritiken und Rezensionen der Vergangenheit lassen ihn an seinem Stil und seiner eigenen Leistung zweifeln. Er selbst scheint sich nur als zweitklassig wahrzunehmen. Im Exil versucht er dennoch, weiter zu schreiben, was ihm jedoch sehr schwer fällt. Auch seine Frau Lotte kann ihn nicht aus seinen dunklen Gemütszuständen herausholen. Rückblickend scheint das Ende des Buches ein zwangsläufiges Ergebnis zu sein. Und gleichzeitig entsteht unglaubliches Mitgefühl mit den Zweigs. Ihre Verzweiflung, auch am Ende der Welt nicht sicher vor den Nazis zu sein, ist geradezu greifbar. In diesen schweren Jahren gestatten sie sich selbst keinen glücklichen Moment, da sie glauben, kein Glück verdient zu haben. Und auch wenn Stefan Zweig immer wieder sein politisches "Nichtstun" als echten, neutralen Pazifismus rechtfertigt, fühlt er sich doch wie ein Feigling. Beide haben so viel verloren und trauern so vielem nach, dass das Retten des eigenen Lebens dies nicht ausgleichen kann.
Dieser Roman von Seksik bringt dem Leser die Gefühlswelt von jüdischen Emigranten während des zweiten Weltkriegs sehr nah, auch wenn Stefan Zweig kein emotionaler und manchmal nicht mal mögenswerter Protagonist ist. Ausgeglichen wird dies wiederum durch Seksiks sehr poetischen und bildhaften Schreibstil.
An manchen Stellen wiederum wirkt der Roman zu analytisch und distanziert. Besonders die wiederholte Aufzählung von Zweigs prominenten Kontakten fand ich irritierend. Aus der reinen Verwendung der vollen oder lediglich Nachnamen wird nicht deutlich, in welcher Beziehung Zweig zu diesen stand. Immer wieder wird Sigmund Freud erwähnt ohne jedoch dessen persönlich Bedeutung für Zweig herzustellen. Dadurch kommt manchmal etwas der Eindruck auf, als handeln einzelne Passagen lediglich von der Aufzählung der Schicksale berühmter Emigranten. Wüssten man von den Beziehungen zu Zweig, würden einige der Verluste beim Leser sicher noch schwerer wiegen.

Dieser "biographische Roman" widmet sich einer anderen Betrachtungsmöglichkeit des zweiten Weltkriegs - der der Exilanten, die sehnsüchtig darauf warten, endlich in ihre europäischen Heimaten zurückkehren zu können und wie unterschiedlich sie damit umgehen können. Zudem gibt er einen guten Einblick in die Persönlichkeit und das literarische Schaffen eines weltbekannten Autors. Gleichzeitig ist der Roman nicht so trocken und analytisch wie eine reine Biographie und somit - trotz der schweren Thematik, aber dank des wunderschönen Sprachstils - ein Lesegenuss mit sehr viel Potenzial für grüblerische Nachhaltigkeit.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hymne an die Macht der Poesie, 9. Juni 2011
Von 
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Stefan Zweig war zu seiner Zeit das, was man heutzutage einen Bestsellerautoren nennen würde. Weltweit verkaufte er über 60 Millionen Exemplare seiner Bücher. Gleichzeitig war er auch ein Starautor, der mit prominenten Zeitgenossen verkehrte. Er stand im geistigen Austausch mit Sigmund Freud, Albert Schweizer und Albert Einstein. Außerdem war er ein leidenschaftlicher Autogramm- und Kunstsammler.
Von all dem erzählt der biografische Roman "Vorgefühl der nahen Nacht" ein wenig, während er sich hauptsächlich auf Zweigs letzte Monate im Exil konzentriert. Nach einer Odyssee über London, Bath, und New York ist der Österreicher schließlich mit seiner zweiten Ehefrau Lotte in der brasilianischen Stadt Petrópolis gestrandet. In seinem Gepäck befindet sich nur noch ein kläglicher Rest seiner ehemals umfangreichen Bibliothek. Einer seiner größten Schätze, die Tagebücher Beethovens, ist inzwischen in den Besitz Hermann Görings übergegangen. Aus der Ferne beobachtet Zweig den Krieg in Europa und blickt gleichzeitig auf sein eigenes Leben zurück.

Was Laurent Seksik da so schreibt über die Schwermut eines alternden Schriftstellers, ist ergreifend. Selsik scheut sich nicht, emotional zu sein. Mit wenigen Worten erzeugt er kraftvolle Bilder. Als Romanautor gelangt er dabei zu Deutungen, die ihm als reiner Biograf vielleicht nicht möglich gewesen wären. Aber er geht behutsam damit um. So lässt er Zweigs Freund Feder darüber spekulieren, ob Heinrich von Kleists Werk "Kampf mit dem Dämon" Zweig zur Nachahmung angeregt hat. Gewöhnungsbedürftig fand ich lediglich die wiederkehrenden seitenlangen Monologe. Hier sind sie als bewusstes Stilmittel eingesetzt. Sie sind sicherlich Geschmackssache. Manchem mögen sie unrealistisch erscheinen, wenn sich ein einfacher Mann von der Straße darin verliert. Sie bleiben aber nur eine Fußnote in einem Roman, der eine beklemmende Liebesgeschichte über Lotte und ihrer Hörigkeit zu einem Mann erzählt, dem sie bis in den Freitod folgt. Ein wirklich lesenswerter Roman, nach dessen Lektüre man sich gleich auf die Klassiker stürzen möchte, die man immer mal lesen wollte. Nicht nur auf Stefan Zweig, sondern auch auf Balzac. Eine Hymne an die beflügelnde und gleichzeitig auch zerstörerische Macht der Poesie. Wirklich lesenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben im Exil, 7. Juni 2011
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Ein Buch über Stefan Zweig, interessant, dachte ich und begann begeistert zu lesen. Dieses Buch ist aber vielmehr, als ein Einblick in Zweigs Leben. Ms.Seksik beschreibt sehr einfühlsam und eloquent, was es bedeutet im Exil zu leben. In ewiger Unsicherheit, abgetrennt von allem Vertrauten. Die Menschen einem etwas bedeuten in alle Winde zerstreut, ein eben so zerrissenes Leben zu führen wie Zweig selber. Immer wieder, obwohl aus dem Geschehen heraus, mit Horrormeldungen konfrontiert. Die Freitode einiger Freunde und Kollegen, die das Leben in ständiger Flucht nicht mehr ertragen haben. Die Hilflosigkeit, denen die in Österreich und Deutschland geblieben sind, nicht helfen zu können. Dazu noch die Fremdheit in der Beziehung zu seiner viel jüngeren Frau Lotte, welche wiederum ihre eigenen Leiden hat. Asthma und die Beschwerden des Exilleben. Eifersucht auf die 1. Frau des Mannes, die doch den weit grösseren Teil des Lebens mit dem Ehemann geteilt hat.
Es ist ein wundervolles und einfühlsames Buch, welches ich nur sehr empfehlen kann. In sanften Tönen und klaren Worten zeigt Ms. Seksik wie viele Opfer die Nazizeit noch gefordert hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Buch!, 23. Juli 2011
Von 
Ulf Evers (Wattenbek) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
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Die meisten Leser dieses Buches werden um Stefan Zweigs Ende wissen, vielleicht wünschen einige von ihnen eine Verurteilung des Freitodes zu lesen, diesen Gefallen erweist Laurent Seksik ihnen nicht. - Genausowenig rechtfertigt er den Freitod. Ihm gelingt auf den knapp 230 Seiten Größeres: er beschreibt den Weg Zweigs in den Freitod nachvollziehbar; und nicht nur den Weg Zweigs, sondern auch den Weg anderer prominenter Exilanten.
Beim Lesen dieses Buches habe ich erstmals eine Ahnung der Gründe erhalten, die z.B. Walter Benjamin in den Tod getrieben haben mögen: der allgegenwärtige Verrat der Vernunft! Und dabei geht es nicht um die Frage, wie lange sich das von Millionen getragene faschistische System halten wird, sondern vielmehr auch um die Angst, wie man nach dem Zerfall des tausendjährigen Reiches mit diesen Millionen zusammen leben soll...

Es ist nicht nur diese Beschreibung, die das Buch so lesenswert machen, sondern auch die vielen Gedanken und Fragen, die in ihm stecken und denen nachzugehen sich lohnt, noch lange nachdem man dieses Buch aus der Hand gelegt hat. Unmöglich an dieser Stelle alle Denkanstöße aufzuzählen, vielleicht nur ein Beispiel: "Er vertrat die schwer zu vermittelnde Idee, dass es nicht die Aufgabe der Juden war, gegen den Antisemitismus zu kämpfen. Vielleicht war der Antisemitismus nicht einmal eine jüdische Angelegenheit, sondern versinnbildlichte nur die Schande der Völker, die sich von ihm leiten ließen."

Auch diejenigen, die unbedingt eine Schwachstelle finden müssen, werden fündig werden. Vielleicht bei der Übertragung des von Zweig geschriebenen Kleist-Essays auf die Lebenssituation von Stefan Zweig und seiner Frau Lotte... aber selbst wenn diese Passage nicht so gelungen sein sollte, dann zeigt sie doch nur die Meisterschaft Seksiks in den anderen Bereichen.

Darüberhinaus ist das Buch sprachlich ein funkelnder Schatz; die Übertragung ins Deutsche von Hanna van Laak kann nicht oft genug gelobt werden!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegendes Psychogramm über das tragische Ende von Stefan Zweig, 5. Juli 2011
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"Vorgefühl der nahen Nacht" skizziert die letzten Lebensmonate von Stefan Zweig und seiner zweiten Frau Lotte.

Nach jahrelanger Flucht vor den Nationalsozialisten und ständig wechselnden Exilorten wenden sich die Zweigs zuletzt nach Brasilien, in der Hoffnung, hier endlich ein Refugium zu finden, das ihnen langfristig Sicherheit und Frieden bietet.

In eingestreuten Rückblenden werden einige Stationen seiner Flucht aufgezählt: England, wo Zweig zunächst willkommen ist. Er, der meistgelesene Schriftsteller seiner Zeit, Freund und Kenner der gesamten kulturellen Elite Europas wird in Ehren aufgenommen. Er lässt sich von Frau Friderieke scheiden und heiratet seine Sekretärin, die beinahe 30 Jahre jüngere Lotte Altmann. Mit Fortschreiten des Krieges wird er aber zuletzt zur unerwünschten Person und ein Bleiben in England wird zunehmend unmöglich. Daraufhin versucht das Ehepaar, in der Neuen Welt Fuß zu fassen und reist nach New York, Sammelbecken europäischer Emigranten, darunter auch zahlreiche Schriftstellerfreunde. Lottes angeschlagener Gesundheitsheitszustand (sie leidet unter Asthma) und Stefans fortschreitende Depression machen aber auch hier einen dauerhaften Aufenthalt unmöglich. In Brasilien nun finden sie die vermeintlich endgültige Zufluchtsstätte und quartieren sich in einem gemieteten Haus in Petropolis ein. Aber auch hier lässt vergangenes und gegenwärtiges Grauen sie nicht los, können sie die Augen nicht vor den Realitäten des Krieges und der nun von vielen Zeugen berichteten systematischen Vernichtung des jüdischen Volkes verschließen. Sie, die Überlebenden, die Entkommenen, finden keinen Frieden mehr, egal, wohin sie sich wenden. Nachts wird Stefan Zweig heimgesucht von Visionen inzwischen verstorbener Freunde wie Joseph Roth. Die morbide Faszination des tragischen Endes, die ihn bereits in jungen Jahren angezogen hat und auch ein immer wiederkehrendes Motiv in seinen Büchern ist, beschleunigt nun Zweigs Abdriften in Verzweiflung und Todessehnsucht. Er versucht zu arbeiten, schreibt hier "Die Welt von Gestern", versinkt aber immer öfter in depressive Grübeleien und verliert gegen Ende seine Schaffenskraft zur Gänze.

Seine Frau Lotte (charakteristisch für die Beziehung: sie siezt ihn bis zuletzt) versucht, mit ihren eigenen Dämonen fertig zu werden und gleichzeitig ihrem Mann aus seinen depressiven Verstimmungen herauszuhelfen. Der Rückzug Zweigs von der Welt, den Menschen und auch von ihr schmerzt die junge Frau, deren anbetend schwärmerische Liebe für ihren Mann sie selbst langsam zugrunde richtet. Er, dem in seinem literarischen Werk die Darstellung der inneren Leidenschaften der Menschen stets ein Hauptanliegen war, ist im Privatleben ein eher zurückhaltender, kontrollierter und distanzierter Mensch, dem offene Gefühlsbezeugungen unangenehm sind. Und doch sehnt sich die kränkelnde, stille Lotte nach solch einem offenen Zeichen seiner Zuneigung, zweifelt, hadert, hasst abwechselnd ihn und sich selbst, zerfleischt sich in unerfüllter Liebe zu ihrem Idol, ständig schwankend zwischen euphorischer Hoffnung und bodenloser Betrübnis. Zwei Existenzen, die nebeneinander her auf den Abgrund zugehen, jeder von ihnen getrieben von der eigenen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Und die den Schritt über den Rand hinaus am Ende Hand in Hand gehen.

Seksik gelingt es bewundernswert, sich die Zweig'sche Technik der Seelenbetrachtung zunutze zu machen in der Art seiner Darstellung. Es ist ein Roman, also Fiktion, keine detaillierte oder zwingend authentische Biografie, sondern eher ein skizzenhaftes Aneinanderreihen von Begebenheiten der letzten Monate im Leben des Ehepaares Zweig mit dem Hauptaugenmerk auf die seelische Befindlichkeit der Figuren, die letztendlich den Ausschlag zu ihren Aktionen geben. Er wahrt in seiner Erzählweise eine gewisse Distanz, ist ein außenstehender Berichterstatter der äußerlichen Ereignisse. Trotzdem vermag er es, das innere Seelenleben der Figuren vor uns zu entfalten, stellt sehr gelungen ihre Getriebenheit dar, zieht uns damit in ihre Gedankenwelt hinein und führt stringent zum letzten logischen und zwangsläufigen Schritt, dem endgültigen Sich-Entziehen aus dem Verharren in der Ausweglosigkeit durch den Freitod.

Seksik bietet einen gedanklicher Entwurf, wie es gewesen sein könnte. Der Autor erhebt sicher keinen Anspruch darauf, das Seelenleben der Zweigs bis in ihre Tiefen intim gekannt zu haben. Aber den Ansatz, basierend auf dem Wissen, dass er über Zweig, seine Zeit und seine Werke sowie Zeitgenossen zusammengetragen hat, finde ich durchaus überzeugend. Mich jedenfalls hat das Buch auf emotionaler Ebene sehr ergriffen und bewegt. Ich habe es mit Genuss gelesen, und es hat mich in Machart und Stil durchaus ein wenig an Bücher von Zweig erinnert. Die mich ebenfalls weniger auf der intellektuellen als auf der emotionalen Ebene angesprochen haben. Leidvoll, bedrückend, gleichzeitig herzzerreissend und anrührend.

Ein Buch, das es lohnt, gelesen zu werden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitgeschichte, 13. September 2011
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Der 1962 in Nizza geborerne Laurent Seksik hat zwei Leidenschaften: die Medizin und die Literatur. 1999 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Damals arbeitete er als Literaturkritiker bei der französichen Zeitschrift "Le Point" und nahm drei Jahre lang an Literatursendungen im französichen Fernsehen teil. Inzwischen arbeitet er wieder halbtags in der medizinischen Universität in Paris.

"Die letzten Tage des Stefan Zweig" - so wäre der Originaltitel wohl wörtlich übersetzt - ist sein vierter Roman. Zuvor hatte er sich intensiv mit Albert Einstein, einem Zeitgenossen von Zweig, auseinandergesetzt.

Laurent Seksik ist es gelungen, mich als Leserin seines Romans auf den Schriftsteller Stefan Zweig neugierig zu machen. Natürlich war mir der Name schon ein Begriff, allerdings musste ich mit Erstaunen feststellen, bisher noch nichts von ihm gelesen zu haben. Dabei war er äußerst produktiv, hatte Kontakt zu vielen Zeitgenossen und sah wohl auch voraus, was unter Hitler auf die Juden zukommen würde. Er ging rechtzeitig ins Exil, wurde dort aber nicht mehr glücklich. Zu sehr hing er an seinem früheren gesellschaftlichen Leben.

Laurent schreibt sehr anschaulich über die letzten sechs Monate im Leben der Zweigs und die Schrecken während der ersten Kriegsjahre, welche Zweig und seiner jungen Ehefrau die Lebensfreude nahmen.

Ein Ausschnitt, in dem Zweigs Art zu schreiben der von Thomas Mann gegenüberstellt wird, hat mich besonders beeindruckt (und neugierig gemacht): "... diese Kälte im Ton, diese Ausführlichkeit, der Roman wurde zu einem Protokoll. Er selbst hingegen hatte sich in seinen eigenen Essays immer über die wahrheitgsgetreue Wiedergabe der Tatsachen hinweggesetzt, hatte für sich das Recht auf Subjektivität in Anspruch genommen. Er hatte sich nie bemüht, seinen Gegenstand vollkommen zu erfassen und endgültig einzugrenzen. Er war kein Geologe, sondern sah sich vielmehr als Impressionisten, der nach dem Fragmentarischen suchte ... Wichtiger als alles andere waren ihm die Emotionen, die seine Figuren freisetzten."

Genau diese Emotionen hat auch Seksik mit seinem Roman angesprochen und damit ein Bild der Zeitgeschichte gemalt.
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4.0 von 5 Sternen inneres Exil, 9. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser sehr kurze Roman interpretiert die letzten Lebensjahre des Jahrhundertschriftstellers Stefan Zweig in seinem Exil in Brasilien. Eigentlich hatte ich aufgrund der gelesenen Rezensionen ein Buch erwartet, das über die Gefühlswelt eines Intellektuellen berichtet, der aus seiner Heimat vertrieben wurde und nun sein Dasein im Exil fristen muss. Aber das war dieses Buch für mich nicht.

Stefan Zweigs Werke haben kaum Negativkritiken empfangen, aber seine pazifistische und passive Haltung zu den Verbrechen des Nationalsozialismus haben ihm vor allem in seinen letzten Lebensjahren schwere Kritik und Unverständnis eingetragen. Stefan Zweigs Romane und Novellen hatten aber deswegen ungezählte Leser in den Bann gezogen, weil es ihm auf einzigartige Weise gelungen war, sich in die Seelen seiner Romanfiguren hineinzudenken. Er selbst muss beim Schreiben seiner Werke ganz in der Welt seiner Protagonisten eingetaucht sein und die Wirklichkeit verlassen haben. Typisch für ihn ist auch, dass er immer Neutralität bewahrt hat und niemals Wertungen oder Bezüge zu seiner Jetztzeit hergestellt hat. Im Grunde hat er sich mit seinem Humanismus und seinen Büchern schon lange in einem inneren Exil (oder böse gesagt: auf einem Elfenbeinturm) befunden. Die Ausbreitung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen in ganz Europa haben Stefan Zweig nun nicht nur aus seiner äußerlichen Heimat nach Brasilien vertrieben, sondern haben ihn vor allem seiner humanistischen inneren Heimat beraubt. Sein Selbstmord wird daher von vielen als logische Konsequenz gesehen. Was soll denn auch ein Schriftsteller machen, wenn seine Bücher nicht mehr gelesen werden und seine Gedankenwelt nur Ablehnung und Kritik erfährt? Weiterleben hätte für Zweig wohl nur dann Sinn gemacht, wenn er sich selbst untreu geworden wäre und seinem Pazifismus und seiner Neutralität abgeschworen hätte und aktiv gegen die Zerstörung des humanistischen Europa gekämpft hätte. Insofern ist dies vielleicht ein Buch über den Verlust eines inneren Exils.
Seksiks Sprache ist klar, einfühlsam sowie stimmungsvoll traurig. Sie spiegelt sehr gut den Gedankengang des Buches wieder. Das Buch selbst ist kein biographisch exaktes Werk, sondern schenkt uns lediglich eine Interpretation dafür, warum Stefan Zweig den Freitod wählte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spekulativ, umständlich, wechselhaft, 24. August 2011
Von 
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VORGEFÜHL DER NAHEN NACHT ist der seltsam steife, bildungsbürgerlich verquaste deutsche Titel dieses Buches, das im französischen Original ebenfalls recht unpassend 'Die letzten Tage von Stefan Zweig' heißt - sind doch diesen letzten Tagen hier nur einige wenige Seiten gewidmet.

Einmal von der Frage abgesehen, ob die spekulative schriftstellerische Aufbereitung des letzten halben Jahres im Leben des leider ziemlich vergessenen Schriftstellers Stefan Zweig heute noch mehr als ein paar vereinzelte Anhänger interessiert, verärgert dieses Buch durch einen vorgeblich intellektuellen, dabei recht umständlichen und manchmal geradezu tantenhaften Schreibstil. Man fragt sich unwillkürlich, ob dies mehr dem Originaltext oder der deutschen Übersetzung geschuldet ist. Zumeist liest es sich so, als wolle der Autor die Epoche Zweigs und seiner berühmten Weggefährten oder Konkurrenten Eins zu Eins wiederbeleben.

Ständig schwankt der Text zwischen durchaus gelungener Literatur, dem unfreiwillig parodistischen Versuch, diese zu schaffen, und der Anmutung eines billigen Unterhaltungsromans aus der Gartenlaube: "Da fiel jedes Gefühl von Zorn von ihr ab. Sie nahm ihrem Mann nicht länger übel, dass er sie betrogen hatte, sie empfand keine Eifersucht auf Friederike mehr. Sie streckte sich auf dem Bett aus und starrte blicklos ins Leere." Solche Abschnitte würden auch durch eine eventuell ungeschickte Übersetzung nicht verzeihlicher werden.

Die unvermittelten Selbstmorde Stefan Zweigs und seiner zweiten Frau Lotte, mit denen das Buch endet, bleiben letztlich rätselhaft. Fürchtete Zweig tatsächlich, dass die Nationalsozialisten irgendwann auch in sein Exil Brasilien einfallen würden? Konnte er seine 'Feigheit' gegenüber dem Regime, den Feinden der Juden, den Feinden der Freiheit und des Lebensstils, den Zweig in seinen glücklichen Wiener Jahren gepflegt hatte, nicht mehr ertragen? Hatten ihn seine zunehmende, nicht nur dem Exil geschuldete Schwermütigkeit und Kommunikationsunfähigkeit zu der Entscheidung geführt? Wahrscheinlich war es das alles zusammen und mehr. Man wird es nicht mehr ergründen können, und auch der Autor stellt darüber keine Behauptungen auf.

Wer sich durch dieses Buch hindurch gekämpft hat, weiß zumindest einiges mehr über die dunkle Zeit der Verfolgung durch das 'Dritte Reich' sowie vom Leben, Fühlen, Denken und Handeln der großen österreichischen Feder Stefan Zweig und seiner unglücklichen 'Ersatzfrau' Lotte.
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Vorgefühl der nahen Nacht: Roman
Vorgefühl der nahen Nacht: Roman von Laurent Seksik (Taschenbuch - 8. Oktober 2012)
EUR 9,99
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