Kundenrezensionen


37 Rezensionen
5 Sterne:
 (12)
4 Sterne:
 (16)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (4)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grenzenlose Einsamkeit
Mit "Der Regen bevor er fällt" wurde Jonathan Coe einer meiner Lieblingsautoren. Mit Maxwell Sim hat er diese Position gefestigt und bestätigt. Maxwell Sim ist, wie schon der Titel sagt, einsam und zwar wirklich einsam. Ihm wurde praktisch der Boden unter den Füßen weggezogen. Seine Frau hat ihn mit der gemeinsamen Tochter verlassen, sein Vater lebt...
Vor 19 Monaten von Susanne Pichler veröffentlicht

versus
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr als nur ein Buch über Einsamkeit - ein vielschichtiger Roman - auch ein Buch, das sich dem Leser nicht einfach erschließt.
Oberflächlich betrachtet handelt es sich hier um die Geschichte eines einsamen Menschen. Es ist ein deprimierendes Leben, das Leben des Maxwell Sim. Seine Frau hat ihn verlassen, sechs Monate lang hat er sich zurückgezogen, ist nicht zur Arbeit gegangen, bevor er nach Australien reist, um seinen Vater zu besuchen. Der Versuch diesem Vater näher zu kommen...
Veröffentlicht am 11. Februar 2011 von ½


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr als nur ein Buch über Einsamkeit - ein vielschichtiger Roman - auch ein Buch, das sich dem Leser nicht einfach erschließt., 11. Februar 2011
Von 
½ - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Oberflächlich betrachtet handelt es sich hier um die Geschichte eines einsamen Menschen. Es ist ein deprimierendes Leben, das Leben des Maxwell Sim. Seine Frau hat ihn verlassen, sechs Monate lang hat er sich zurückgezogen, ist nicht zur Arbeit gegangen, bevor er nach Australien reist, um seinen Vater zu besuchen. Der Versuch diesem Vater näher zu kommen scheitert jedoch. Das private Leben des Maxwell Sim steht in völligem Gegensatz zu seinem beruflichen Selbstbild: Maxwell ist ein Beauftragter für Nachkundenbetreuung. Jemand, der viel mit Menschen umgeht, der sich darauf versteht andere in eine entspannte Stimmung zu versetzen, so glaubt er zumindest.

Die Rückkehr nach England desillusioniert ihn vollends: von seinen siebzig Facebook-Freunden hat ihm kein einziger während seiner Abwesenheit eine Nachricht zugeschickt. Die Meldungen auf dem Anrufbeantworter stammen von seinem Zahnarzt und vom Arbeitgeber. Von einhundertsiebenunddreißig Emails stammt eine einzige von einem richtigen Menschen: seinem Freund Trevor Paige. Eben dieser Trevor bietet Maxwell später einen Job an: eine Promotionstour für aus Holz gefertigte Zahnbürsten. Diese Reise, die bis zu den Shetland Inseln führen soll, entwickelt sich für unseren Protagonisten zu einer Rückschau auf sein bisheriges Leben. Er trifft alte Bekannte und erfährt so nebenbei ein paar Wahrheiten über seine Freunde, auch über seinen Vater. Wahrheiten, die sein bisheriges Weltbild ins Wanken bringen, die aber auch die Chance für einen Neuanfang bieten.

Die Geschichte wird von Maxwell als Ich-Erzähler berichtet. Eingebunden sind vier Texte, die von anderen Personen stammen: ein Brief (Wasser), eine Kurzgeschichte (Erde), eine Selbstanalyse (Feuer), Erinnerungen (Luft). Der Brief enthält Informationen über Donald Crowhurst. Ein Opfer des Erfolgs seiner eigenen Manipulationen und Übertreibungen, der am Ende keinen anderen Ausweg als den Tod sah. Eine wahre Geschichte. Wer mehr wissen will, braucht den Namen nur googeln. Was Donald Crowhurst mit Maxwell Sim gemein hat, wird im Laufe der Erzählung offensichtlich. Die Parallelen verblüffen.

Die anderen drei eingebundenen Texte betreffen das Leben unseres Protagonisten. Sie geben ihm Einblick in die Gefühle von ihm nahestehenden Personen und ermöglichen so einen Abgleich seines Selbstbildes mit dem Fremdbild, dem Eindruck, den er bei anderen hinterlässt. Es ist Teil seiner Reise zu sich selbst. Es sind Informationen, die ihm am Ende erlauben, sich der Realität zu stellen. Man könnte auch sagen, dass diese Episoden, die Enthüllung der Wahrheiten, ihm überhaupt erst die Veränderung ermöglichen. Wie soll man wissen, wie man reagieren soll, wenn man die Wahrheit nicht kennt? Wenn sie einem vorenthalten wird?

Interessant dabei ist, dass die Überschriften dieser vier Beiträge (Wasser, Erde, Feuer, Luft) mit den Zuordnungen der vier Quartette des Schriftstellers T.S. Eliot übereinstimmen (Luft = Burnt Norton, Erde = East Coker, Feuer = The Dry Salvages, Luft = Little Gidding). Ein Werk, das übrigens in dem Buch auch erwähnt wird: auf Seite 235 von Ms. Erith, der Nachbarin, die den Zweitschlüssel zu seines Vaters Apartment besitzt. Worin die Verbindung besteht? Nun, ich gestehe, darüber habe ich lange gerätselt. Eliot selber beschreibt die Bedeutung seines Werkes in einem Brief vom 3. September 1942 an John Hayward wie folgt: It suggests to me the notion of making a poem by weaving in together three or four superficially unrelated themes: the "poem" being the degree of success in making a new whole out of them. Also drei oder vier oberflächlich unzusammenhängende Themen, die mit dem Ziel verbunden werden, etwas Neues zu gestalten. Ob das auch der Grundgedanke für dieses Buch ist?

----------------------------

SPOILERWARNUNG - ANFANG - Bitte den nächsten Absatz überspringen, wenn Sie nicht zuviel wissen wollen.

Es ist sicherlich ein Buch über Lebenslügen, Manipulationen und Täuschungen. Einige Leser, so scheint es, betrachten das letzte Kapitel als überflüssig. Es ist jedoch dieses Kapitel, das die letzte, die ultimative Täuschung aufdeckt. Die Täuschung des Lesers durch den Autor. Nichts ist wie es scheint. Alles ist Lüge. Die Konsequenzen sind in diesem letzten Fall freilich nicht so drastisch wie im Leben des Donald Crowhurst. Maxwell Sim verlässt uns, das Kapitel ist zu Ende, das Buch geschlossen. Um es mit den Worten des Schriftstellers zu sagen, der dabei mit den Fingern schnipst: "Einfach so." Die Moral (zumindest die Moral, die ich daraus für mich gezogen habe): wie einfach kann das Leben sein ohne Lügen, ohne Manipulationen, ohne Täuschungen.

SPOILERWARNUNG - ENDE -

----------------------------

Ein Buch, das man womöglich öfter lesen sollte, bis sich einem die Details erschließen. Die Frage ist nur ob man dazu bereit ist. Persönlich muss ich gestehen, dass mich die Geschichte nicht "packen" konnte. Zwar habe ich bis zum Schluss durchgehalten, es war allerdings mühsam. Insbesondere die "Gespräche" von Maxwell mit seinem Navigationsgerät Emma empfand ich als zäh und langatmig. Vielleicht lag es auch daran, dass ich so manches als sehr konstruiert empfunden habe. Womöglich ist dieses Buch nur etwas für experimentierfreudige Leser, die Spaß an unterschiedlichen Schreibstilen haben. Denn auch das kennzeichnet dieses Buch: eine Phase mit einem extrem langen Satz (z.B. im Flugzeug, als Maxwell einen Monolog hält während sein Sitznachbar stirbt), dann die vielen Emails mit kurzen Sätzen, die Maxwell nach seiner Rückkehr liest. Viele Gespräche, von denen indirekt erzählt wird. Dann wieder Dialoge, die ohne "er sagte", "er fragte", etc. auskommen. Des Weiteren haben die vier eingebundenen Texte jeweils einen eigenen Charakter. Auf mich machte all dies jedoch einen sehr unharmonischen Eindruck.

Kurz: Kein Buch, das mich begeistern konnte.

Zuletzt noch ein persönlicher Hinweis:
Es ist auch ein Buch, das Hoffnung vermittelt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannendes, zuweilen widersprüchliches (Lese-) Abenteuer. Lesenswert auf jeden Fall., 4. April 2011
Von 
Apicula (Apiculis) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (#1 REZENSENT)   
Es ist erstaunlich, wie interpretierungswürdig dieser angebliche "Schelmenroman" ist. Die einen sprechen von Vereinsamung in der digitalen Welt und heben mahnend den Finger vor Facebook und Social Networks, andere finden den Roman grundsätzlich grottenlangweilig, dann findet man jedoch auch finfühligere Interpretationen in denen von Sinnsuche die Rede ist.
Ersteres (die Facebook-Sache) ist nach meiner Einschätzung der persönlichen Betroffenheit so manchen Lesers geschuldet und Zweiteres ("grottenlangweilig") kann ich zum Glück nicht bestätigen, obwohl ich so ganz schlau nicht geworden bin aus dem Roman. Mir ist dieser Maxwell Sim zu sehr Kunstfigur, als dass ich anfangen würde über Sinn und Suche in seinem Leben ernsthaft nachzudenken.

Was ich jedenfalls behaupten kann: Ich bin sehr froh, dass ich DIE EINSAMKEIT DES MAXWELL SIM gelesen habe, ehe ich auf diese für mich größtenteils irritierenden Bewertungen gestoßen bin. An der Stelle möchte ich aber mit dem Zeigefinger auf mich zeigen: Meine Bewertung dürfte auch an Aussagekraft nicht die Gewichtigste sein.
Ich lasse eine (Art) Inhaltsangabe absichtlich weg; alleine schon, weil ein Klappentext dem Buch kaum gerecht wird. Ein spannendes und zuweilen widersprüchliches (Lese-) Abenteuer also...

Der Roman ist in der Tat vielschichtig, so dass man von einem Stoff sprechen kann, der viele Generationen ansprechen dürfte. Auch wer grundsätzlich etwas gegen Facebook und Generation Internet hat, darf diesen Roman ruhig lesen --- es geht nicht darum dass Maxwell Sim vereinsamt weil ihn auf Facebook keiner mag oder Nachrichten hinterlässt. Maxwells Problem liegt in seiner Vergangenheit und sicher zum großen Teil in der nicht vorhandenen Beziehung zu seinem nach Australien ausgewanderten Vater. Warum die Ehe von Maxwell schief ging ist mir nach wie vor unklar, besser: Wieso er überhaupt jemals geheiratet hat? An manchen Stellen lässt mich dieser Jonathan Coe als Leser verflixt ratlos zurück.

Andererseits holt mich Coe gleich eingangs des Romans auf seine Seite, als er o eine bildlich schön verständliche Anfangsszene zeichnet: Maxwell Sim sitzt einsam und alleine in einem Restaurant - irgendwo in Singapur - und betrachtet die innig-vertraute Zweisamkeit einer Mutter mit ihrem Kind. Als Leser bin ich fasziniert, wie wohlig sich dieses gemalte Bild auf mich auswirkt, wie klar ich die Szene vor mir sehe. Sehnsucht nach Nähe, Vertrautheit, Geborgenheit, Zweisamkeit? Dieses "Verlangen" hat mich schließlich gefangen, so wie es vermutlich auch Maxwell Sim im Hinterkopf haften bleibt, und so begleite ich Maxwell Sim auf seiner abenteuerlichen Reise in der er als Zahnbürsten-Vertreter wieder eine Arbeit bekommt, eine spannende wenn auch sehr gemächliche Reise durchs Land unternimmt, mit seinem Navigations-System plaudert, seine Tochter und Ex-Frau kurz besucht, eine Jugendfreundin wieder trifft, ratlos vor einem Berg Postkarten in der ehemaligen Wohnung seines Vaters steht, neue Menschen kennenlernt, und schließlich einem Geheimnis aus der Vergangenheit gewahr wird, das alles verändert.

Trotz der Vielschichtigkeit und der drei wunderbaren Geschichten und der vielen Abenteuer die der Autor in den Roman einbaut, werde ich mit der Person Maxwell Sim nicht warm - wohl aber mit der faszinierenden Mixtur an Geschichten und Abenteuern, die da erzählt werden. Maxwell Sim ist und bleibt eine Kunstfigur und dummer Weise bedient sich Jonathan Coe am Ende eines Kunstgriffs, so dass ich ihm das nicht einmal zum Vorwurf machen kann.

Vielleicht werden Sie ja mit Maxwell Sim "warm"? Aber dazu müssen Sie das Buch erst einmal lesen. ;-)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grenzenlose Einsamkeit, 15. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim: Roman (Taschenbuch)
Mit "Der Regen bevor er fällt" wurde Jonathan Coe einer meiner Lieblingsautoren. Mit Maxwell Sim hat er diese Position gefestigt und bestätigt. Maxwell Sim ist, wie schon der Titel sagt, einsam und zwar wirklich einsam. Ihm wurde praktisch der Boden unter den Füßen weggezogen. Seine Frau hat ihn mit der gemeinsamen Tochter verlassen, sein Vater lebt in Australien und spricht nicht mit ihm, seinen Job hat er verloren und auch der Kontakt zu seinen Freunden wird immer spärlicher. Grund genug, dass er monatelang in einer Depression versinkt und sich sogar, als es ihm schon wieder etwas besser geht, über das Gespräch mit einem Straßenräuber freut.
Sein Leben ändert sich erst drastisch, als ihm einer seiner wenigen verbliebenen Freunde einen Job als Vertreter für Zahnbürsten anbietet. Erste Aufgabe: eine Fahrt auf die äußersten Shetland-Inseln, in die abgelegene Stadt Unst.
Wie nicht anders zu erwarten, scheitert er auf ganzer Linie, aber sein Leben bekommt doch eine neue Richtung, gerät wieder in Schwung und die schottische Katastrophe hilft ihm, vieles klarer zu sehen.

Ein Punkt in diesem Buch hat mich besonders berührt. Maxwell Sim ist trotz Handy, Anrufbeantworter, Emailkonto und Facebook einsam; er wünscht sich nichts mehr als einen Menschen zum Reden, einen Menschen, der sich freut, wenn er von ihm hört.
Leider kann ich hier das Ende des Buches nicht verraten, aber was auf den letzten paar Seiten passiert, ist derart genial, dass es einfach jeder gelesen haben muss! So ein Ende kommt einem sicher nicht oft unter. Also: Lesen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Am Ende schmiert die Geschichte ab, 10. Januar 2012
Von 
Erzählt wird von einem Mann, Maxwell Sims, der in der Mitte seines Lebens mit 48 Jahren sich einer schweren Krise gegenüber sieht. Seine Frau hat ihn verlassen, seine Arbeitsstelle besucht er nicht mehr. Freunde hat er keine mehr, von seine Facebook-Freunden mal abgesehen.
Schließlich besucht er seinen Vater, der in Australien wohnt. Eine Annäherung scheitert. Im Flugzeug lernt er Poppfy kennen (nachdem sein Sitznachbar einen Herzinfarkt erleidet), die in Singapur zusteigt. Die macht ihn später mit ihrem Onkel bekannt, der sich mit Donald Crowhurst beschäftigt hat, einem Mann, der die Welt umsegeln wollte, es aber nicht schaffte und stattdessen sich Monate vor Afrika versteckt gehalten hat, um schließlich am Ende die Umrundung vorzutäuschen. Er schafft es aber trotzdem nicht und begeht Selbstmord.
Schließlich trifft er auf einen früheren Freund, der ihm einen Job anbietet: Eine Promotionstour zum Verkauf von Zahnbürsten. Hier lernt man seine Einsamkeit besonders drastisch kennen: Er spricht mit dem Navigationsgerät (hat eine weibliche Stimme) und bleibt ihm Schnee stecken. Auf dem Weg besucht er eine frühere Freundin und erfährt dabei einiges über sich. Wegen Unterkühlung muß er ins Krankenhaus.
Dann wendet sich alles. Er besucht seinen Vater erneut, macht einen Versuch bei einer Chinesin, die er schon bei seinem letzten Besuch gesehen hat und die ihn stark beeindruckt hat. Die ist zwar verheiratet, aber sei weist ihn auf einen wichtigen Punkt hin: Genauso wie sein Vater vermutlich schwul ist, könnte es bei ihm auch so sein.
Damit schmiert die Geschichte wieder ab, wie immer bei Coe. Statt Maxwell zu einem Leben zurück finden zu lassen, in der er entweder neue Freunde findet, eine neue Beziehung eingeht oder sich mit seinem Alleinsein abfindet wird es eine Coming Out Geschichte. Damit ist die ursprünglich blendende Idee vertan.
Man muß sich selbst erkennen, um ein richtiges Leben zu führen, so die Botschaft Das aber ist ein alter Hut. Möglicherweise stehen Maxwell neue schmerzliche Erkenntnisse bevor. Davor ist er aber bewahrt, denn am Ende mischt sich der Autor höchstpersönlich in die Geschichte und stellt fest: Jetzt ist Schluß. Das ist zwar witzig, aber die offenen Fragen zum weiteren Leben des Maxwell Sim sind damit eigentlich abgewürgt.

Trotzdem ist der Roman lesenswert. Coe flicht vier zusätzliche Geschichten ein, die das Leben von M beleuchten oder seine Vergangenheit klären. Das ist gut gemacht. Die Botschaften, die Maxwell per Email erhält sind zum Schreien lustig und die Gespräche mit dem Navi zwar etwas übertrieben, könnten aber die Einsamkeit dieses Mannes nicht besser darstellen. Coe ist ein hervorragender Stilist, ein guter Erzähler. Leider versaut er seine Geschichten zum Schluß regelmäßig.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als nur eine Reise, 9. Juni 2011
Von 
glasperlenraum - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
In 'Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim' berichtet Jonathan Coe auf wundervoll rührende Art und Weise, wie sich Maxwell Sim darum bemüht, der alltäglichen Einsamkeit zu trotzen. Entfernt von allen Menschen, die in seinem Leben eine tragende Rolle spielen, beginnt das Gefühl der Einsamkeit, ihn aufzufressen.

Jonathan Coe hat es dabei geschafft, seinem Protagonisten die Züge eines Antihelden aufzuerlegen. Trotz seiner Sehnsucht nach Gemeinsamkeit und des schwer angeschlagenen Selbstbewusstseins Maxwell Sims, ist der Charakter vom Autoren auf so unbeschreiblich faszinierende Weise in seiner Menschlichkeit dargestellt worden, dass auch immer wieder thematisierte Zweifel Maxwells nicht langweilig werden, oder gar abstoßen.

Die Schreibweise des Autors wirkt ineinanderfließend und harmonisch. Gelungene Wortwahl und das Beschreiben gängiger Alltagssituationen, wie etwa das Abhören des Anrufbeantworters und das Abrufen gesammelter E-Mails, unterstreichen in ungekünstelter Manier wie einfach sich die Situation Maxwells in der heutigen Gesellschaftsstruktur wiederfinden lassen kann. Dadurch wirkt die Storyline nah am Leben erzählt und es fällt leicht, ganz in die dargestellte Thematik abzutauchen und sich von Maxwells Geschichte tragen zu lassen.

'Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim' besticht durch tragenden Realismus und gefühlvolle Ausdrucksweise.

Coe gelingt es, eine Welt zu schaffen, die für sich selbst lebt und dem Leser die Möglichkeit bietet, sich ohne große Zweifel in ihr zurechtzufinden.

Maxwell Sim muss keinen Sonderstatus in der Gesellschaft einnehmen. Er muss kein Adonis sein, dem die Frauen zu Füßen liegen. Seine Selbstzweifel ' die nicht selten eine gewisse humorvolle Unternote tragen - zeichnen ihn aus und lassen ihn zu einem alltäglichen Helden werden: einem Mann, der sein Leben lebt ' sei es in seinen Augen auch noch so einsam und traurig. Allein durch seine Lebensgeschichte sticht er aus der Masse heraus und es ist spannend, seine Reise durch die Einsamkeit (die eigentlich gar nicht so groß ist, wie er sie empfindet), seinen Kampf um Nähe und seine Gefühle und Reflexionen zu verfolgen.

Coe zeigt des Weiteren in seinem Werk interessante Perspektivwechsel auf, indem er Maxwell in die Gedankenwelten der Personen um ihn herum führt. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass der Protagonist eine Geschichte liest, die sein Vater einst verfasste, und die ihn zu neuen Erkenntnissen führt. Maxwell befindet sich so nicht einzig auf einer Reise, die ihn an andere Orte führt, sondern auch auf einer Reise durch die Lebenswelten seiner Mitmenschen. Dadurch knüpft Coe ein soziales Netzwerk, das von Mal zu Mal an Fäden gewinnt, die allesamt interessante Neuerungen mit sich bringen und das Lesen des Buches zu einem Genuss werden lassen.

In diesem Buch lässt sich nicht viel Action finden. Es erzählt die Geschichte eines Lebens. Wem dies zu langweilig ist, dem wird 'Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim' kaum große Freude machen. In diesem Fall läge es auch nicht fern, das Buch gar als 'langatmig' zu betiteln. Ich empfehle dieses Werk jedoch all jenen, die auf Gefühl und Menschlichkeit setzen.

Jonathan Coe ist etwas gelungen, was nur wenigen Autoren zu gelingen vermag: ohne großen Schmuck und Übertreibung berichtet er von einem Leben, das so fesselnd ist, das man sein Werk verschlingen möchte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte einer Isolation in der heutigen Welt, 9. November 2010
Endlich mal wieder ein Buch, was eine gesunde Portion Humor und Anstöße zum ernsthaften Nachdenken miteinander vereint! Einmal angefangen, ist es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen - das schonmal vorweg.

In Jonathan Coes Roman treffen wir Maxwell Sim (schon der Name ist meines Erachtens Programm), der von Frau und Tochter verlassen wurde. Er macht sich als Zahnbürstenvertreter auf eine Reise in den Norden. Am eigentlichen Zielort kommt er jedoch nie an, weil er auf dem Weg einige persönliche, insbesondere familiäre Rückschläge erleben muss. So macht er eine für ihn bestürzende Entdeckung über seinen Vater, die ihn völlig aus der Bahn wirft, weil damit sein ganzes Leben in Frage gestellt wird. Auch seine Frau lernt er unter gefälschtem Namen im Internet von einer ganz anderen Seite kennen. Als dann noch ein Abendessen mit seiner Tochter (einem jungen Mädchen im Teenageralter, der Maxwell ein Malbuch mit Buntstiften schenkt!) völlig schief läuft, weiß Maxwell, er wird sein Ziel nie erreichen.

So kommt eins zum anderen. Maxwell fühlt sich immer isolierter und von niemandem verstanden. Sehr humorvoll sind die Gespräche mit "Emma", Maxwells Navigationsgerät geschildert. Aber an dieser Stelle wandelt sich der Humor sehr schnell in Sarkasmus - sehr geschickt gemacht vom Autor! Maxwell traut niemandem mehr, nur zu seinem Navi fühlt er sich auf gewisse Art hingezogen.

Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, obwohl immer mal wieder Zeitsprünge anhand von Briefen oder Geschichten eingebaut sind. Im Endeffekt findet man sich doch immer bei Maxwell wieder. Seine Stimmungen lassen sich sehr gut nachvollziehen, obwohl der Autor hier keine großen Worte macht, sondern nur seine Handlungen auf ganz neutrale Weise beschreibt. Sehr angenehm, wenn dem Leser einige Dinge selbst überlassen werden!

Ein Wort noch zum Schluss des Buches: Man kann es deuten, wie man will und es ist sicher keine ganz neue Idee, dass ein Autor schließlich selbst im Buch auftritt - aber hier ist es einfach nur genial! Ein würdiger Abschluss für dieses Buch...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Reise zu sich selbst!, 9. November 2011
Sechs Monate, nachdem der von Selbstzweifeln zerfressene Maxwell Sim von seiner Frau verlassen wurde, erhält er ein Flugtiket nach Australien, um seinen Vater zu besuchen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist eher kühl und distanziert, jedoch hofft Max eine paar warme Worte von seinem Vater zu bekommen. Diese findet er zwar nicht, aber eine Chinesin mit ihrer Tochter, welche eine sehr innige Beziehung zueinander zu haben scheinen. Leider traut sich Max nicht die beiden anzusprechen.

Zurück in London wird sich der Hauptprotagonist seiner Einsamkeit abermals bewusst. Ein neuer Job als Vertreter von zahnbürsten verspricht einen Neuanfang. Leider stellt sich die Reise jedoch als vollkommende Katastrophe heraus, die darin gipfelt, dass Max nackt und betrunken in seinem Firmenauto sitzt und mit seinem Navigationsgerät "Emma" spricht.

Leider hat mir das Buch nicht sehr gut gefallen. Zwar wird die Figur des Maxwell Sim gut beschrieben, jedoch fehlt mir ein abwechlungsreicher Handlungsstrang. Besonders das Ende hat mir nicht zugesagt. Die Idee den Protagonisten auf den Autor treffen zu lassen finde ich eigentlich originell, aber die Umsetzung fand ich nicht gelungen, da die Handlung einfach abbricht, sodass das letzte Kapitel überflüssig wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Maxwells Reise durch England, 8. Februar 2011
Der Autor führt uns zuerst in die deprimierende, einsame Gegenwart des Lebens von Maxwell Sim.

Frau und Tochter haben ihn verlassen, ein 3 wöchiger Besuch bei seinem Vater in Australien hat keine Nähe entstehen lassen, der Anrufbeantworter und sein Postfach sind bei seiner Rückkehr fast leer.Ein Jobangebot eines Freundes, eine Promotionreise quer durch England zu unternehmen erscheint Maxwell eine willkommene Abwechslung in diesem grauen Einerlei zu sein

Bei dieser Reise durchquert er nicht nur England, sondern gewinnt auch durch mehr oder minder zufällig auftauchende Schriftstücke und die Begegnung mit Menschen aus seiner Vergangenheit wertvolle Erkenntnisse über seine eigene Vergangenheit.Diese Rückblenden und der skurile Humor des Autors ( z.B. das enge Verhältnis Maxwells zu seinem Navigationsgerät , dass in einem "beinahe-Heiratsantrag" gipfelt) sind für mich die Highlights in dem Roman, der sich zeitweise etwas zähflüssig liest.

Das Ende der Reise und die Konsequenzen daraus sind stimmig geschildert, das Abschlusskapitel mit seiner überraschenden Wendung jedoch ist für mich eher überflüssig.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jonathan Coe - ein Wanderer zwischen den Realitäten, 7. November 2010
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Maxwell Sim, der Titelheld von Jonathan Coes neuem Roman, ist ein sehr, sehr einsamer Mensch, der mit seinem Dasein hadert. Maxwells Leben ist nicht gerade dynamisch, geschweige denn abwechslungsreich oder gar positiv. Er ist von einem Besuch bei seinem Vater in Australien in seine Heimatstadt, die Kleinstadt Watford im englischen Hertfordshire zurückgekehrt - in ein einsames Leben: das Leben eines Mannes, der von Frau und Tochter verlassen wurde und auch sonst kaum Kontakte hat. Mit seiner Exfrau hält er unter einem Internet-Nick, unter dem er sich als ebenfalls alleinerziehende Mutter ausgibt, Kontakt, um auf diese Weise Neues über seine Tochter zu erfahren.

Über einen Bekannten erhält der Vertreter einen neuen, aus seiner Sicht abenteuerlichen Job: er soll auf den Shetlandinseln und auf dem Weg dorthin, den er in einem mit Navigationssystem ausgestatteten Hybridfahrzeug zurücklegen wird, hochwertig designete Holzzahnbürsten an den Mann bringen. Die Reise, die er in ständigem Austausch mit seiner neuen Freundin Emma - dem Navigator - zurücklegt, wird zu einer Reise zu sich selbst. Auf den einzelnen Etappen trifft er Menschen aus seiner Vergangenheit und erhält durch verschiedene Schriftstücke - kleine Erzählungen innerhalb des Romans - einen ganz anderen Blick auf sich und auf sein Umfeld - in vielerlei Hinsicht werden ihm die Augen geöffnet.

Doch die eigentliche Sensation ist nicht der Inhalt, sondern das virtuose Spiel des Autoren mit verschiedenen Realitäten und Erzählebenen. Scheint die Story zeitweise ein wenig schlapp und blutleer, vermag es der Autor Coe, den Leser ganz schnell in eine andere Position zu verbringen, aus der die Geschichte eine ganz andere Bedeutung erhält. Maxwell Sim ist ein Spielball nicht nur seines Umfeldes, sondern auch der Erzähltechnik seines Autors.

Nichts in diesem Buch ähnelt dem Vorgängerroman Coes "Der Regen, bevor er fällt", ausser dem Umstand, dass der Autor verteufelt gut zu schreiben vermag. Die Ironie erinnert von Zeit zu Zeit an Paul Tordays "Lachsfischen im Jemen", das Spiel des Autors mit verschiedenen Realitäten und Erzählebenen gemahnt hingegen eher an Goldmanns "Brautprinzessin". Ein Feuerwerk an Originalität und ein Kleinod für diejenigen Leser, die nicht an Althergebrachtem festkleben!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sensibel erzählter Roman, in dem der Autor immer mit seinem scheiternd-kämpfend-suchenden Ich-Erzähler solidarisch bleibt, 8. Dezember 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Als "amüsanter Schelmenroman über unsere Zeit" wird der neue Roman von Jonathan Coe vom Verlag auf der hinteren Umschlagsseite beworben. Doch wer denkt, die Lektüre sei besonders lustig, irrt sich. Denn der Ich-Erzähler Maxwell Sim ist eigentlich ein trauriger Verlierer, einer, wie sie "unsere Zeit" in Massen produziert und am Rand liegen lässt.

Gerade aus Australien, wo er seinen seit langem dort lebenden Vater besuchte und versuchte ihm endlich näher zu kommen, nach Watford in England zurückgekehrt, geht ihm eine Szene nicht mehr aus dem Sinn, die er in Sydney in einem Restaurant beobachtet hat. Dort sitzen eine Chinesin und ihre Tochter und spielen Karten. Die Innigkeit, die Tiefe und die Liebe, die er bei diesen beiden Menschen spürt, rühren ihn tief an, weil er die Leere in seinem eigenen Inneren spürt und darunter leidet. Eben darunter hat auch seine Frau jahrelang gelitten, die ihn vor sechs Monaten mit der gemeinsamen Tochter verlassen hat.

Das ganze Buch ist so etwas wie die Suche nach seinem eigenen Selbst. Durch viele Zufälle, die schon im Flugzeug von Sydney nach England ihren Anfang nehmen, begegnet er nicht nur Menschen, mit denen er in so etwas wie einen Kontakt kommt, sondern auf seinem Weg, der schlussendlich bei Aberdeen in einer Schneewehe endet, kommt er auch in den Besitz von Texten. Geschichten sind das, die das Buch auflockern und enorm bereichern. In der ersten lernt er Donald Crowhurst kennen, einen tragisch-gescheiterten Weltumsegler, mit dem er sich später auf nicht weniger tragische Weise identifiziert.

Maxwell Sim ist ein Loser, aber einer der kämpft. Er kämpft und sucht nach so etwas wie Sinn in seinem Leben, er sucht die Spur wieder zu finden aus der Sackgasse heraus, und verliert sie doch immer wieder.

Doch er bleibt konsequent seiner Suche treu, auch wenn er fast so geendet wäre wie sein großes Vorbild Donald Crowhurst. Er bleibt dabei und trifft tatsächlich jenen Menschen, dessen sprachlos-beeindruckende Erscheinung seine Seele und sein Herz beschäftigt hat von Anfang des Buches an...

"Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim" ist ein sensibel erzählter Roman, in dem der Autor immer mit seinem scheiternd-kämpfend-suchenden Ich-Erzähler solidarisch bleibt. Manchmal zaubert er dem Leser ein Lächeln auf die Lippen, manchmal macht er ihn traurig über diese wirklich "ungeheuerliche Einsamkeit".
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim: Roman
Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim: Roman von Jonathan Coe (Taschenbuch - 10. Dezember 2012)
EUR 9,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen