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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die DNA einer Weltstadt
Was gäbe es nicht alles zu kritisieren an diesem Buch. Da ist einmal der streng genommen irreführend Titel Biographie": Wir erwarten eine lückenlose, nachvollziehbare Darstellung der Entstehung der Stadt, nicht ein bunt zusammengewürfeltes Inventar des geistig-moralischen, künstlerischen, wirtschaftlichen Selbstverständnisses Venedigs. Wir...
Veröffentlicht am 20. April 2012 von Tom Ripley

versus
6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das soll DIE Venedig-Biographie sein? Ich meine, dieses Buch kann nicht mal als "eine" solche durchgehen
Dieses Buch und die vorausgegangenen überschwänglich lobenden Rezensionen bringen mich in Verlegenheit. Ich kann diesem Buch unmöglich Lob spenden! Da mag man meinen, wer gerade selbst ein Venedig-Buch veröffentlicht hat (Was man so alles nicht von Venedig weiß: alte Geschichten - neue Mythen), hätte bei der Beurteilung von...
Veröffentlicht am 27. Dezember 2011 von Lothar W. Pawliczak


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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die DNA einer Weltstadt, 20. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Was gäbe es nicht alles zu kritisieren an diesem Buch. Da ist einmal der streng genommen irreführend Titel Biographie": Wir erwarten eine lückenlose, nachvollziehbare Darstellung der Entstehung der Stadt, nicht ein bunt zusammengewürfeltes Inventar des geistig-moralischen, künstlerischen, wirtschaftlichen Selbstverständnisses Venedigs. Wir möchten eine klare Linie sehen, keine an der Zeitachse entlang mäandrierenden Einlassungen auf Wichtiges und Unwichtiges, auf grosse Ereignisse und Details, die nicht der Erwähnung wert wären. Wir erwarten, diese Stadt in einem behördlich-bürokratischen Sinn kennenzulernen, Fakten zu erlernen, abgesicherte und überprüfbare Informationen zu erhalten. Wir möchten Literatur- und Quellenangaben sehen, Beweise, dass man Behauptungen so und nicht anders aufstellen darf. Wir möchten wissen, wieso der Autor zu dieser oder jener Einschätzung gelangt, worauf er sich abstützt?. Kurzum, wir wollen Beweise, denn wir sind in aller Regel Kriminalisten der historisch-wissenschaftlichen Darstellung, wir sind Angehörige des deutschen Kulturraums und wir bevorzugen dessen Herangehensweise an historisch-politische Zusammenhänge. Wir schalten unser Gehirn auf Turbo-Automatik und unsere Intuition auf stand by". So machen wir Geschichts"wissenschaft" und so machen es unsere Professoren im deutschen Sprachraum uns vor, so macht es das Feuilleton und so machen es die angeregten und bildungssensiblen Gesprächsrunden an unseren öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radio-Anstalten. Alles was wir in der Geschichtsschreibung behaupten, einschätzen, denken müssen wir belegen, beweisen, falsifizieren, gegenüberstellen, überprüfen.

Kein Wunder, machen sich die Angelsachsen mit ihrer lockeren, intuitiven, hin und wieder geschwätzigen und selbstsicheren Art in der historischen Darstellung nicht allzu viel Freunde im deutschsprachigen Raum. Da werden Argumente hingeschmissen, Gedanken hingeworfen, Gewissheiten von Generationen kaltblütig stranguliert. Und dies alles, welch Frevel, ohne Quellenangaben, Zitate und ganz ohne das Aufkochen altbekannter Positionen und Argumente, das nur dazu dient aufzuzeigen, dass man wohl weiss, wovon man spricht, dass man seine Pappenheimer kennt und seine Literatur sehr wohl aufmerksam gelesen hat.

Peter Ackroyd macht es wunderbar anders. Er taucht ein in die Geschichte und Kultur einer Stadt, deren Position und Bedeutung ohne Beispiel ist. Er tut dies mit einer wunderbaren Nonchalance, es scheint ihm egal zu sein, ob ihm hie und da ein Fehler passiert oder eine Interpretation etwas zu viel Gewicht erhält. Ackroyd schreibt hier keine Semesterarbeit an einer deutschsprachigen Provinzuniversität sondern eine eigenwillige, assoziative Darstellung Venedigs in seinem Kulturraum und entlang seiner ereignisreichen Geschichte.

Ackroyd ist spürbar vernarrt in die Lagunenmetropole, schildert aber ihren Charakter und ihre Eigenheiten nicht schwärmerisch sondern mit kritischer Distanz. Was ihm nicht gefällt: Der autoritäre Regierungsstil der alteingesessenen Gewalten, der radikale Merkantilismus, der Opportunismus der alten Seemacht, die trotz militärischer Stärke immer wieder auf einen schwächlichen Handelsprimat zurückfällt und gar den Erzfeinden, den Türken, eine eigene Handelszentrale (Fondaco die Turchi) zugesteht; die sprichwörtliche Geheimnistuerei, die gewollte Verfälschung des Stadtbildes und der Hang der Venezianer zur Maske und zum Schein (Es [Venedig] hat nie mittelalterlicher ausgesehen als heute doch gleichzeitig etwas von einem Gesicht an sich, das nach zu vielen Liftings angeschwollen und künstlich aussieht").

Ackroyd ergründet das Phänomen Venedig assoziativ, stellt überraschende Zusammenhänge her, verbindet wirtschafts- und kulturgeschichtliche Aspekte und destilliert aus den alltäglichen Erscheinungsformen des Lebens der Menschen die charakterliche Grundstruktur Venedigs heraus. Er analysiert die nach aussen gerichtete Architektur der prächtigen Fassaden und des ärmlichen und stillosen Innenlebens der Palazzi, die überkandidelte Kleidung der Venezianer, das seltsame Liedgut, das Fehlen einer Universität und das damit verbundenen Desinteresse an historischen Zusammenhängen und legt auf diese Weise sozusagen die DNA einer Stadt frei, die nicht nur in der Welt sondern auch in Italien selbst stets isoliert und ein Sonderfall war.

Einziger Kritikpunkt: gegen Ende des Buches werden im Eilschritt Jahrzehnte und Jahrhunderte abgespult als wäre dem Autor der eigene Stoff nun doch langweilig geworden, als sei er der detaillierten Schilderung überdrüssig. Das Buch führt nicht einmal ansatzweise in die Moderne und verharrt in einer mittelalterlichen, frühneuzeitlichen und schliesslich barocken Welt, die zwar spannend ist, unsere Fragen nach dem aktuellen Zustand der Stadt und ihrer Zukunftsperspektive nicht beantworten kann. Eine derart spannungsreiche Aufarbeitung der Kulturgeschichte einer Weltstadt macht letztlich wenig Sinn, wenn die Geschichte nicht in die Moderne greift und aufgezeigt wird, was aus der Vergangenheit gelernt werden kann und welches die Konstanten sind die aus dem tiefen Mittelalter in das Computerzeitalter führen. Leider Gottes entzaubert Ackroyd damit seine Darstellung ein Stück weit und verzichtet darauf, ihr Relevanz für die Diskussionen von heute zu verleihen.

Ich vergebe trotz Kritik 5 Sterne, für die Herangehensweise des Autors und für den phantastischen Lesegenuss. Insgesamt ein tolles Buch und ein Ruf aus der Geschichte der wohl einzigen Stadt der Welt, die man wirklich gesehen haben muss.
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5.0 von 5 Sternen leseanimierende Stilistik, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Taschenbuch)
All zu viele Sachbücher über die Geschichte Venedigs sind kaum mehr als "trockener Stoff" und schrecken oftmals ab wirklich gelesen zu werden. Peter Ackroyd hat es allerdings fertig gebracht, ein Buch zu verfassen, das in leseanimierender, lockerer Stilistik das Wichtigste der venezianischen Stadtgeschichte auf den Punkt bringt. Somit wird es ihm mit diesem Werk sicherlich gelingen, auch Leser an sein Buch zu "fesseln", welche sonst nicht wirklich an Historischem interessiert sind. Meines Erachtens hat das Buch genug Potential ein Standardwerk zu werden und bildet in Verbindung mit Büchern wie "Verborgenes Venedig", "111 Orte in Venedig, die man gesehen haben muss" oder "Doge, Diebe, Delinquenten" einen unterhaltsamen Rundumblick. Und das ist meines Erachtens das Wichtigste an Historie, Geschichte, Kunst & Kultur: sie müssen nicht nur informieren, sondern auch unterhaltsam sein! ... ansonsten sind sie nicht mehr als "trockener Stoff", den niemand - außer ein paar Wissenschaftler - so recht lesen wird wollen. Und weil dieses Buch nicht nur informiert, sondern auch unterhält, muss man eine Kaufempfehlung aussprechen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Fanbuch, 13. Juni 2013
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Weit über 500 Seiten, und doch kann man hier nicht wirklich von einer Stadtgeschichte sprechen. Denn es geht hier nicht um die Nacherzählung dessen, was wirklich war. Es geht vielmehr um das, was Venedig in den Köpfen der Menschen über die Jahrhunderte bedeutet hat und heute noch bedeutet. Die Informationen aus Chroniken, die Geschichtswissenschaft, das ist hier eher nur ein Rahmen, der zwar auch erzählt wird, aber nicht das Zentrum des Buches bildet. Dieses ist deshalb auch nicht wirklich chronologisch aufgebaut sondern eher thematisch. Und der Begriff "Biographie" im Titel mag vor allem deshalb gewählt worden sein, weil die Stadt hier personifiziert wird, also über die Summe ihrer Einwohner hinaus eine eigenständige Persönlichkeit zu haben scheint, hinter der einzelne Individuen ihrer Geschichte zurücktreten.

Erst war Babylon, dann Athen, Rom, vielleicht Alexandria, Byzanz. Dann kam Venedig. Es folgten Paris, London, New York und was danach "die Weltstadt" auf dem Globus sein wird, der Sitz des Zeitgeistes, das mag heute noch offen sein. Ackroyd hat auch schon über London geschrieben. Wie London im 19. Jahrhundert war Venedig im ausgehenden Mittelalter ein Zentrum der bekannten Welt. Hier trafen sich Kulturen, wurde Fortschritt definiert, befreite man sich zuerst aus dem begrenzten Horizont des Mittelalters. Viele der Beschreibungen im Buch wirken merkwürdig modern. So kann man die Bedeutung der schwarzen oder dunklen Bekleidung als Symbol von Herrschaft wohl noch heute in der Gesellschaft finden. Massenfertigung, Bürokratisierung, Primat des Marktes, das alles sind wir, war aber auch in der Vergangenheit schon Venedig. Gut, das einmal so zu lesen.

Ackroyd schöpft seinen Text aber nicht aus historischen Analysen. Statt dessen haben es im Künstler, vor allem Schriftsteller und Maler, angetan. Nietzsche wird oft zitiert, Musiker wie Wagner kommen zu Wort. Viele Zitate finden sich am Rande des Textes im Original abgedruckt, als "Marginalien" wie es im Anhang so schön heißt. Das alles führt dazu, dass hier das wirkliche Venedig hinter dem Bild, welches in Kunst und Kultur über die Jahrhunderte entwickelt worden ist, zu verschwinden scheint. In anderen Worten: Die Vorstellung von Venedig ist eigentlich viel besser als das Original. Und deshalb ist dies vor allem ein Buch für Fans. Fast noch schöner ist das Lesen, als im Sommer selbst einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Nur im kalten und feuchten Winter, da kann man überhaupt noch etwas von der magischen Atmosphäre ahnen, die Ackroyd in seinem Buch hier erzeugt.

Das alles ist schön beschrieben, hätte über die vorhandenen Bilder und Karten hinaus etwas mehr optische Begleitung verdient. Manchmal gehen Ackroyd in seiner Begeisterung auch die Gäule durch. Findet er für ein und denselben Sachverhalt mehrere schöne Formulierungen, so wird dieser halt noch einmal erzählt. Da Ackroyd allerdings gut erzählen kann, wird es dennoch nicht langweilig, man kann dies verschmerzen. Und man muss das Buch ja auch nicht an einem Stück lesen. Denn so kann man über einen langen Zeitraum hinweg sich immer wieder mal in die wunderbare Landschaft der Lagune versetzen.
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5.0 von 5 Sternen Sehr interessantes Buch mit viel Hintergrundinfos, 10. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Taschenbuch)
Wer nicht den dicken Wälzer kaufen mag, das ist eine tolle Taschenbuchausgabe des "Großen", gut geschrieben und gute Alternative zum klassischen Reiseführer
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11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Biographie einer unbeschreiblichen Stadt, 20. Dezember 2011
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Oft war ich in Venedig, der Wunderschönen, der Traurigen, der Grandiosen, der Unnachahmlichen, der Einzigartigen, der Verfallenen, der Überlaufenen, der Zeitlosen, der Stadt aller Städte - denn Venedig ist fast unbeschreiblich und hat viele Namen. Die Stadt am Mittelmeer hat eine lange Geschichte und sie erhält nun eine weitere Biographie von Peter Ackroyd, umfangreich und mehr als allumfassend. Wer Peter Ackroyd kennt, weiß das er alles zusammenträgt dessen er habhaft werden kann und am Ende erhält man ein Bild das einem den Verstand und das eigene Wissen verändert. VENEDIG - die Biographie - ist im Begriff ein detailreiches Standardwerk zur schönsten Stadt der Welt zu werden.

Das Buch ist ein echter Hammer, nicht nur wegen der knapp 600 Seiten die es umfasst, es bringt einem sowohl historisch als auch politisch und im Wandel der Zeiten Venedig nahe. Facettenreich war die Serenissima ja schon immer, doch Peter Ackroyd beschreibt sie so treffend, so passend und mit so viel Hingabe das man gleich sich auf den Weg zu ihrer Durchlaucht machen möchte.

Zwar ist das Werk spärlich illustriert, doch was soll es - schließlich haben wir mit diesem Werk ja kein Bilderbuch gewollt und gewünscht. Das was gezeigt wird ist ausreichend.

Allein schon für die Geschichte des Evangelisten Markus der in die Stadt gebracht wird, auf verschlungenen Pfaden, hat sich das Buch gelohnt, doch auch die treffenden Spitzen gegen die Stadt des Kommerz, die gierigen venezianischen Kaufleute und den allmächtigen Dogen wie auch ihre Heiligkeit die katholische Kirche, machen das Buch sehr lesenswert.

Löwe oder Glasbläser, obwohl die ja auf Murano Venedig vorgelagert sind, Dogenpalast oder Markusdom, Gassen und Brücken oder Karneval, Kunst und Tourismusströme, nicht wird hier vergessen oder schlecht beleuchtet.

Das Buch ist umfassend, angenehm geschrieben, macht neugierig und befriedigt so manchen Wissensdurst nach dem Warum und Weshalb.

Peter Ackroyd hat mit seinem neuesten Standardwerk VENEDIG der mythischen Stadt, der Stadt am und aus dem Sumpf, der Einzigartigen und der Tödlich getroffenen ein weiteres Denkmal gesetzt.

Ob man sie nach diesem Werk besser kennt, ob sie wirklich treffend beschrieben wurde, quasi zur Gänze? Nein, ich denke da müssen wir der Fairness halber darum bitten die Stadt Venedig doch direkt und höchst selbst zu besuchen - das Buch hilft aber ungemein sich mit dieser unvergleichlichen Stadt zu verbinden - eine lebenslange Liebe dürfte entstehen.

Sehr empfehlenswert!
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6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das soll DIE Venedig-Biographie sein? Ich meine, dieses Buch kann nicht mal als "eine" solche durchgehen, 27. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Taschenbuch)
Dieses Buch und die vorausgegangenen überschwänglich lobenden Rezensionen bringen mich in Verlegenheit. Ich kann diesem Buch unmöglich Lob spenden! Da mag man meinen, wer gerade selbst ein Venedig-Buch veröffentlicht hat (Was man so alles nicht von Venedig weiß: alte Geschichten - neue Mythen), hätte bei der Beurteilung von Venedig-Büchern wohl hinderliche Eigeninteressen und sei nicht ganz objektiv. Na schön, Rezensionen sind ja schließlich auch nur - hoffentlich sachkundige - Meinungsäußerungen. Was nicht gut ist, muß auch so genannt werden dürfen - selbstverständlich begründet. Jeder kann ja dann das Urteil nachprüfen und sich selbst eine Meinung bilden. Mir scheint auch, der hochtrabende Untertitel, den der Verlag zur deutschsprachigen Ausgabe hinzugefügt hat (Der Originaltitel ist "Venice: Pure City"), erfordert eine besonders genaue Nachprüfung. Als eine - natürlich auch nicht DIE überhaupt - Venedig-Biographie könnte man meiner Meinung nach etwa den von Giovanni Distefano herausgegebenen Atlante storico di Venezia (Venezia 2007) bezeichnen, in dem beginnend mit dem Jahr 421 im Prinzip jeder Tag aufgeführt wird, an dem hier etwas Wichtiges passiert ist. Aber was ist überhaupt eine Biographie einer Stadt? Wohl auch das London-Buch, das Ackroyd tatsächlich mit dem Untertitel "The Biography" im Jahr 2000 veröffentlicht hat und von dem sich wohl der deutsche Verlag zu dem irreführenden Untertitel des Ackroydschen Venedig-Buches hat verführen lassen, kann diesem Anspruch nicht genügen (ein "a" hätte es auch getan). Man mag sein Venedig-Buch vielleicht für "eine Offenbarung, ein Traum und ein Meisterwerk... ein ganz hervorragend recherchiertes und spannend geschriebenes Buch... ein(en) Stern am Bücherhimmel" halten - das ist Geschmackssache, ein "detailreiches Standardwerk,... ein echter Hammer" in der Venedig-Literatur ist es jedenfalls nicht.

Wem kann man Ackroyds Venedig-Buch empfehlen?
Wer an der Geschichte Venedigs ernsthaft interessiert ist, an präzisen Informationen, wird es wohl schon nach oberflächlichem Durchblättern weglegen: Keine dem geschichtlichen Verlauf klar folgende Gliederung, keine Quellenangaben im Text zu historischen Informationen. Nur gelegentlich werden literarische Werke zitiert, die an Fakten wenig bringen. Die für die deutsche Ausgabe von Michael Müller hinzugefügten Marginalien liefern da ebenso nichts Bemerkenswertes. Geschichtsinteressierte werden wohl auch das Literaturverzeichnis mit 126 Titeln (S. 579-582) etwas mickerig finden. Der deutsche Verlag hat es hier auch nicht für nötig gehalten, für jene Titel, die in deutscher Übersetzung vorliegen, die entsprechenden bibliographischen Angaben zu ergänzen.
Wer Geschichten, unglaubliche stories lesen will, wird bei diesem Buch vermutlich schon nach wenigen Seiten enttäuscht sein. Immer wieder deutet der Autor an: "berühmte Legende" (S. 21), "erfanden sie Geschichten" (S. 27), "eine Fülle das Meer betreffende volkstümliche Legenden" (S. 39), "es gab Berichte über Wunder" (S. 49), "ein aussagenstarkes, suggestives venezianisches Märchen" (S. 80), "es gibt Geschichten von Steinlöwen, die plötzlich von ihren Podesten springen, von Magiern, die Stein zu Fleisch werden lassen können, von einer Säule bei San Marco, die in Nebelnächsten Blut schwitzte" (S. 101), "Skandale und Streitigkeiten genüsslich ausgebreitet" (S. 145), "es gibt viele Geschichten über ihre Heuchelei und Betrügerei" (S. 216), "für eine merkantile, von Unmöglichem träumende Gesellschaft typische Märchen" (S. 348). "Die Sinnlichkeit der venezianischen Frau gab den Stoff für die Erzählungen vieler Reisender ab." (S. 428) "Es gab viele Volkserzählungen vom Teufel" (S. 444), "es gibt Geschichten von kreischenden Totenschädeln, von Statuen, die zum Leben erwachen, von merkwürdigen Kreaturen der Tiefe." (S. 469) Ackroyd erzählt sie aber nicht (Der Hinweis S. 469 auf Alberto Toso Fei "Venezianische Legenden und Spukgeschichten" genügt ja vielleicht auch.), obwohl er doch feststellt: "Venedig schien stets zum Geschichtenerzählen anzuregen." (S. 377) Das ist erstaunlich, daß es sich der vielgelesene und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Bestsellerautor hier entgehen läßt, alte Geschichten spannend und auch gruselheischend neu zu erzählen. Aber das ist wohl nicht wirklich ein Verlust für die lesende Menschheit, denn literarische Reproduktionen von Venedig-Stories gibt es schon reichlich und sie werden gewiß auch weiterhin verfertigt werden. Auch daß Ackroyd sich gelegentlich in Widersprüche verwickelt oder ihm Irrtümer unterlaufen, ist nicht unbedingt ein gravierendes Problem. Das passiert wohl jedem Autor irgendwann bei solch umfangreichem (571 Seiten) Werk. Daß er aber unreflektiert andere Autoren zu Venedig ohne genaue Quellenangabe reproduziert, ist nicht hinzunehmen. Selbstverständlich muß man nicht von jedem Autor verlangen, daß er seine Darstellung durch eigene Archivforschungen untermauert. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß eine eigene Darstellung sich ausschließlich auf Sekundärliteratur stützt. Wenn dabei aber Falsches, das längst durch die wissenschaftliche Forschung widerlegt wurde, nachgebetet wird, kann das nicht hingenommen werden.
Ackroyd gibt wie ein Pennäler wieder, was er gelesen hat, offensichtlich ohne zu merken, daß die verschiedenen Aussagen nicht zusammen passen. Dabei verhält er sich zu Venedig und seiner Geschichte grundsätzlich wohlwollend. Was die politischen Verhältnisse im historischen Venedig angeht, schreibt er S. 116: "Das innervenezianische Regierungssystem beruhte auf Gleichstellung und Ausgewogenheit." Aber eine Seite weiter heißt es: "Sie waren Meister der Intrige, spielten einen Staat gegen den anderen aus, hatten keine Skrupel ... wenn das ihren Plänen entgegenkam." S. 123 wiederum: "Venedig wurde als vorbildhaft angesehen, was republikanische Tugenden betraf... Die Stadt wurde auch ein Vorbild für die Intellektuellen der Aufklärungszeit, die in den politischen Vorgängen dort ein echtes Zusammenwirken von regierenden und Regierten erkannten." Und dagegen auf der gleichen Seite: "Aufgrund ihrer anmaßenden Attitüde, weil sie sich brüstete, so überaus großartig zu sein, sprachen viele umso abschätziger von der Stadt. Im 17. Jahrhundert wurde sie als Hort von Mördern und Homosexuellen geschildert. Die Bürger seien weit davon entfernt, frei zu sein, da dort eine Oligarchie herrsche, ja Tyrannei. Deren Symbol seinen die Folterkammern des Rates der Zehn." Man erfährt nicht, ob Ackroyd solche Darstellungen für verfälschend hält, was sie tatsächlich sind. Manchmal bemerkt er, daß Aussagen gewisser Autoren, "nicht frei von Übertreibung" (S. 131) sind, aber dazu wäre doch wohl ein wenig mehr zu sagen. Es bleibt auch unklar, ob das, was Ackroyd zu Venedig vorträgt als einzigartige Besonderheit Venedig charakterisieren soll oder ob nicht genau das Gegenteil gemeint ist, nämlich daß sich Venedig und die Markusrepublik in vielem von keiner anderen vergleichbaren Stadt und von keinem anderen vergleichbaren Regime seiner Zeit unterscheidet. Aber immerhin: "Einige sprechen von 'Niedergang' oder auch von 'Verfall', doch es gibt keine Beweise dafür, dass es sich tatsächlich darum handelt. In mehr als einer Hinsicht ist Venedig die erfolgreichste Stadt der Welt." (S. 367) Auch diese - durchaus zutreffende Aussage - muß natürlich begründet werden und an Begründungen mangelt es bei Ackroyd generell. Sehr berechtigt ist die Frage: "Wie kann man überhaupt in Bezug auf eine Stadt, die bis heute intakt geblieben ist und überlebt hat, von Versagen und Niedergang reden?" Beantwortet wird diese Frage bei Ackroyd nicht.
Er nutzt die - stets konkret verschwiegnen - Quellen wie einen Steinbruch. Er arbeitet nicht mit ihnen, hinterfragt sie nicht kritisch. Die naheliegender Frage, von wem welche Art von Darstellung stammt, welche Interessen darin zum Ausdruck kommen, kommt bei Ackroyd nicht vor. Dieses Versäumnis ist für einen, der in Cambridge das Clare College mit einem Literaturdiplom absolviert und in Yale studiert hat, schon sehr erstaunlich. Seinem Venedig-Buch fehlt eine grundlegende Idee. Er hat sich offensichtlich nicht gefragt, was er mit diesem Buch Neues in den schier unüberschaubaren Fundus der Venedig-Literatur einbringen will. Dabei ist er mitunter nahe dran an einer eigenständigen Idee, etwa: "Doch man kann sagen, dass Venedig alle Städte repräsentiert. Es verkörpert die Ängste, die Städte generell heimsuchen - die Angst vor Krankheiten, die Angst vor Ansteckungen, die Angst, für immer von der Welt der Natur abgetrennt zu sein. Sie repräsentiert auch die Ängste, die Städte selbst auslösen, die Angst vor den negativen Folgen eines Lebens in Luxus, vor ihrer Macht, ihrer Aggressivität. Die Stadt an sich ist ein furchteinflößender Ort." (S. 521) Solch eine Idee kann man wohl nur haben, wenn man etwa auf einem einsamen Hof im Dartmoor sitzt, wo lauschig die Nebel wabern, bei anheimelnd flackerndem Kerzenlicht, weil der ums Haus heulende Wind die Stromleitungen zerrissen hat, wo es also nichts Ängstigendes gibt.

Dies ist mein Urteil, hier sind die Beweise:
S. 16 schreibt der Autor, die Besiedelungen der einzelnen Inseln von bestimmten Festlandorten aus "folgten einem bestimmten Muster", S. 19 wird dann aber ein ganz anderes "Muster" aufgelistet. S. 17 erwähnt Ackroyd - wie immer ohne Quellenangabe, daß im Jahre 466 "ein Treffen aller im Gebiet der der Lagune ansässigen Veneti abgehalten" worden sei, bemerkt aber auf der gleichen Seite völlig richtig, daß die erste Schilderung dieser Inselbewohner erst aus dem Jahre 523 überliefert ist. Dieser Widerspruch ist doch erklärungsbedürftig! Auch daß Ackroyd S. 18 meint, Schilderungen in diesem Dokument als "nicht mehr ganz zutreffend" bezeichnen zu müssen, bedarf wohl einer Erläuterung, da es ja kein älteres Dokument gibt, mit dem dies bewiesen werden kann. S. 24 wird erwähnt "976 brach ein Feuer aus,... (dem) mehr als dreihundert Häuser zum Opfer fielen". So beiläufig kann man eines der wichtigsten Ereignisse in der frühen Geschichte Venedigs nicht unterschlagen! Am 11. August 976 wurde der Doge Pietro Candiano IV., der allem Anschein nach dabei war, eine Herrscherdynastie zu errichten, mit einem Aufstand gestürzt und ermordet. Danach wurde die republikanische Verfassung der Serenissima etabliert, die rund 800 Jahre Bestand hatte. Das wohl zur Einleitung des Aufstandes gelegte Feuer war dabei im historischen Sinne nur ein Randereignis. S. 53 wird der englische Lyriker Thomas Gray zitiert, nach dem die Venezianer "geizig bis hin zur Garstigkeit" seien als "Beweis" für die Behauptung, es sei "absolut nicht üblich, Gäste ins eigene Haus einzuladen." Das ist ebenso Unsinn wie das Gerede vom "Verfall und Versagen der öffentlichen Politik" in Venedig (S. 54). Ein "Bericht in seiner Urform" (S. 66) über die Mission des heiligen Markus in der nördlichen Adria und die Überführung seiner Gebeine nach Venedig ist nicht überliefert. Diese Legenden wurden im Wesentlichen erst im 13. Jahrhundert ausgeformt. S. 68 wird der Aufstand 976 zwar wenigstens - aber auch hier nur beiläufig - erwähnt. Daß dabei "die Sankt-Markus-Kirche restlos zerstört" wurde, ist nicht belegbar. Wenn es dann vier Zeilen weiter heißt, daß "aufgrund eines kuriosen Zufalls ein Säulenstumpf um(stürzte)" - was so auch nicht stimmt - und infolgedessen die Gebeine des heiligen Markus wiederentdeckt wurden, bedeutet dies ja wohl auch, daß die alte Kirche nicht "restlos zerstört" (diese Säule war ja wohl ein verbliebener Rest) war. Nicht die Deutschen "durften" (S. 73) sich am Rialto "ihr eigenes Deutschland en miniature in einem großen Gebäude einrichten" (hier wird ohne nähere Erläuterung eine völlig falsche Vorstellung von den tatsächlichen Verhältnisse erweckt), sondern der deutsche Handelshof wurde auf Staatskosten gebaut und erhalten, blieb immer in Staatsbesitz und die Händler hatten dort zu wohnen und Miete zu zahlen. S. 77 heißt es, "der Hysterie der anderen Einwohner waren die Juden aber zu jeder Zeit mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt...", S. 83 steht das Gegenteil: "In Venedig wurden die Juden also auf eine Weise toleriert wie in keiner anderen europäischen Stadt. Es gibt keine Belege für öffentliche Missachtung oder gar Misshandlung." Nur wer nie in Venedig war, kann schreiben: "Doch heute macht sich nirgendwo in der Stadt mehr das Gefühl von Erneuerung und Wiedergeburt bemerkbar, das mit der Präsenz von Blumen und Pflanzen, mit frischem Grün, einhergeht." (S. 86)
S. 153: "Die venezianische war die denkbar konservativste aller Gesellschaften." Wie war es dann möglich, daß die Stadt "im Laufe ihrer Geschichte immer wieder eine andere Erscheinungsform an(nahm), um den Anforderungen einer bestimmten Zeit gerecht zu werden" (S. 157)? Wie war es möglich, wenn Venedig die denkbar (!) konservativste ALLER Gesellschaften ist (Als studierter Literaturwissenschaftler sollte man wissen, daß Aussagen im Superlativ immer riskant sind: Ackroyd behauptet nicht nur, daß es in der Geschichte der Menschheit keine konservativere gibt, sondern daß sogar keine konservativere DENKBAR sei! Oder hat da nur der Übersetzer übertrieben und der Lektor nicht auf die Gefahren eines so übersteigerten Superlativs hingewiesen?), daß in Venedig "der merkantilistische Kapitalismus seinen ersten Triumph in Europa (feierte)" und "die Stadt... damit das Paradigma für das Amsterdam des 17. Jahrhunderts und das London des 18. Jahrhunderts (lieferte)" und "Aktualität und Innovation... die entscheidenden Konzepte (wurden)" (S. 163)? Wie war es möglich, daß angesichts des angeblich höchstmöglich denkbaren Konservatismus "Venedig Schauplatz der ersten industriellen Revolution war und nicht England" (S. 218)? Richtig ist: "Die politischen Reformer des puritanischen Commonwealth richteten im 17. Jahrhundert auf der Suche nach einem geeigneten Modell für eine moderne Republik ihre Blicke auf Venedig. Und das taten auch die Gründerväter der vereinigten Staaten von Amerika." (S. 219) Aber wie paßt das mit der Behauptung zusammen, daß es der venezianischen Regierung "an Neuerungswillen und Risikobereitschaft fehlte" (S. 223)? "Man hat oft gemeint, Venedig könne nicht modernisiert werden. Zutreffender ist: Es wird nicht modernisiert werden, da es sich mit jedem Fieber seines Wesens gegen jeden Versuch dieser Art stemmt." (S. 316) Sich so - ohne wirkliche Begründung - als Prophet zu betätigen, ist riskant!
Die Gabel, war nicht "eine venezianische Erfindung" (S. 170), sondern es war eine byzantinische Prinzessin, die sie - mit einem Venezianer verheiratet - nach allem, was wir wissen, über Venedig nach Europa brachte. Die hölzerne Rialtobrücke wurde nicht nur "bei zwei Gelegenheiten erneuert" (S. 178), sondern öfter, denn über das Wasser hinausragende Holzbalken sind nach maximal 30 Jahren verrottet und müssen ersetzt werden. Die venezianischen Galeeren wurden nicht "mit Sklaven bemannt" (S. 182): "Die Besatzungen wurden zunächst aus freien Männern gebildet... Gegen Ende des 16. Jahrhunderts führte man Zwangsverpflichtungen ein." (S. 277)
Es ist nicht wahr, daß "das Amt des Dogen das einzig andere in Italien neben dem des Papstes (war), das auf Lebenszeit vergeben wurde." (S. 224) In Venedig wurden auch die Prokuratoren und der Großkanzler auf Lebenszeit gewählt.
Im 14. Kapitel keimt eine Idee auf, die, wäre sie z.B. zur grundlegenden des Buches gemacht worden, ihm einen Reiz eigenständiger Besonderheit verliehen hätte: Die Theatralik Venedigs. "Es ist ein abgegriffenes Klischee, dass die ganze Stadt etwas von einer Kulisse hat" (S. 193), "die Fassaden der Kirchen haben oft etwas ausgesprochen Theatralisches" (S. 194), "das Theaterhafte Venedigs" (Ebd.). "Theatralik umgibt einen überall. Die venezianischen Klöster blieben von der allgemeinen 'Theatralisierung' nicht verschont" (S. 194f), "die nichtöffentlichen Gerichtsverhandlungen wurden regelrecht inszeniert" (S. 195), "die verschiedenen Empfänge und Treffen, die im Dogenpalast stattfanden, waren Anlaß zu aufwendigen Inszenierungen" (S. 195 - Allerdings: Wo waren und sind Empfänge keine "aufwendigen Inszenierungen"?), "Aufführung im Stil des Living Theatre" (S. 252f), "das 'Theater Venedig'" (S. 283). "Waren die Venezianer selbst also anderes als Schauspieler, Figuren vor einer berühmten, gefeierten Kulisse?" (S. 199) Allerdings: "Es ist immer möglich, das städtische Leben als eine Form des Theaters zu betrachten." (S. 200) "Was privat, intim sein könnte, wird in Venedig öffentlich und theatralisch:" (S. 558)
"Venezianisches Recht war vor allem effizient" (S. 295) paßt irgendwie nicht zusammen mit der Aussage auf der gleichen Seite: "Die Inhalte dieser Gesetze sind manchmal verwirrend und in sich widersprüchlich. Sie wurden verabschiedet und dann nicht durchgesetzt." S. 320: "...in Zeiten der Unruhe stellte die Kirche auch einen Zufluchtsort dar." Aber: "Die Barrieren, die die Wasserstraßen darstellten, haben auch verhindert, dass sich die Einwohner rasch in umstürzlerischer oder aufrührerischer Absicht zusammenrotten konnten." (S. 322f) Es ist zwar "auch" richtig, daß es im historischen Venedig keine politischen Kämpfe gab. Das hat aber wesentlich andere, politische Ursachen. "Ruskin verachtete die venezianische Renaissancearchitektur" (S. 329), ist unzutreffend. Ruskin verachtete die eklektische Neorenaissance des 19. Jahrhunderts, die wesentlich an den englischen (!) Palladianismus anknüpfte. Es ist nicht wahr, daß "Venedig nicht an der italienischen Renaissance partizipierte" (S. 334) Auch hier widerlegt Ackroyd sich gleich selbst: Stehen etwa Sansovino und Palladio, die venezianischen Akademien und die venezianische Universität in Padua (S.336ff), die großartigen Maler des 15./16. Jahrhunderts (S. 332f, 351ff) nicht für eine "Partizipation" Venedigs an der Renaissance? Und Venedig war in dieser Zeit das Zentrum des Buchdrucks jenseits der Alpen (S. 338ff). Hier wurden die antiken Klassiker, deren Wiederentdeckung ja Renaissance bedeutet, zuerst gedruckt!
Etwas merkwürdig scheint es mir immer, wenn sich Briten über die Qualität des Essens in anderen Ländern mokieren ("Während die Qualität des Essens nicht die beste ist..." S. 433), wo doch die englische Küche wahrlich nicht als einfallsreich und schmackhaft gerühmt wird. Die Kirche S.Geminiano ließ Napoleon nicht "nach seinem Sieg 1797... schleifen, um einen dritten Block imposanter Wohnungen errichten zu lassen" (S. 455), sondern der Abriß der Kirche begann am 19. Mai 1806, weil Napoleon glaubte, dort einen Ballsaal zu brauchen.

Ackroyd wäre vielleicht zu raten, die Quantität seiner Produktion (lt. wikipedia seit 1971 bislang 19 Fictions, 32 Sachbücher, 6 TV-Sendungen, 12 Auszeichnungen - da kriege ich zwangsläufig Neidflecken) etwas zu reduzieren und dafür mehr Tiefgründigkeit und eigene Ideen aufzubringen. Was sein sonstiges Werk angeht, kann ich das nicht beurteilen, aber bei diesem Venedig-Buch mangelt es genau daran! Das Buch seines Landsmannes, des Historikers Philip Longworth "Aufstieg und Fall der Republik Venedig" (Wiesbaden 1970, 1976, Bergisch-Gladbach 1978, Leipzig 1994; Original London 1974) ist zwar im Literaturverzeichnis aufgeführt, gelesen hat es Ackroyd anscheinend aber nicht. Zumindest hat er nicht daraus gelernt, wie man eine Geschichtsdarstellung schreibt. Und noch eine Frage an den "Buch-Vorleser André Hanke" aus Sachsen: Wieso sind 47 schwarz/weiß Abbildungen zuzüglich 21 Farbabbildungen in sehr schlechter, farbverfälschender Druckqualität in einem Buch von 591 Seiten eigentlich "zahlreich"? Thorsten Wiedau meint dagegen, das Buch sei "spärlich illustriert".
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Seltsam, dass gerade dieses Venedig-Buch so kritisiert wurde...., 18. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Taschenbuch)
Es ist erstaunlich, worüber man sich bezüglich dieses Buches aufregen kann: "Die" - Biographie - und nicht "Eine" - daran sollte man sich nicht stossen - sondern, wie meist bei übersetzten Werken, den Original-Titel begutachten: Venice - pure city.

Wenn man sich dieses Buch nun mal wirklich "vornimmt" - wirklich durchliest - wird man auf einiges stossen, das einen zu einer ehrlichen Meinung kommen lässt.... Ich denke bereits auf S. 12 - nach einer "filmähnlichen" Erklärung über die ersten Ursprünge - schreibt er :

"Dies ist eine der Geschichten vom Ursprung ihrer Stadt, die Venezianer zu erzählen pflegen".

Es ist keine Biographie, wie sie einige verstehen mögen (Lebensbeschreibung mit Listen und Fussnoten) - eben aufgrund der etwas eigenwilligen Titelübersetzung...

(Nun - Ackroyds Einflechtung seiner persönlichen Ansicht....) Schliesslich umgaben Mauern von vier Kilometern Länge mit vierzehn Wehrtürmen...etc.etc.

So könnten hier unzählige Beispiele angeführt werden.

Nein!! Venedig "Die Biographie" ist keine Auflistung historischer Daten - es ist ein Denkanstoss, ein Versuch einer Begegnung von Venedig-Kennern, Venedig-Liebhabern, Venedig-Interessierten und Peter Ackroyd - und diese Begegnung ist - meiner Meinung nach - höchst interessant.

Kurzweilig sind die Randbemerkungen, Zitate, ob von Ritschel,Coryat,Dürer, Däubler oder Toddi, sie bringen Abwechslung in das Buch.

Es wäre jedem Leser zu empfehlen, dieses Buch beim ersten Mal als "Gedanken über eine Stadt" zu lesen, zu sehen. Dieses dürfte wohl auch die Intention des Autors sein. Denn - Siehe z.B. (eine von vielen) S. 279 - es geht um die Waffen, um das Arsenal. Und Ackroyd wirft einwandfrei seine eigenen Interpretationen ein: "Das Arsenal stellte da schon das Zentrum eines zweiten Reichs dar; es war der Motor des Handels, das Fundament für die Macht Venedigs auf den Meeren, ein Beweis für die Vorrangstellung industrieller Unternehmung in der allerdurchlauchtesten Stadt..... Er beschreibt aufs Klarste die damalige Situation im "Teatro" (ab S. 210) und geht dabei auch hervorragend auf Goldoni ein. Er beschreibt in "Der Körper und das Gebäude" auch unter Verwendung von Illustrationen von Ruskin den Aufbau und Änderung der Bauten,um dem Buch mit einem Blick auf Vivaldi ein gebührendes Finale zu bereiten - letztendlich mit den Worten:

Venezia deve vivere!
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8 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die von Peter Ackroyd stilistisch meisterhaft erzählte Geschichte Venedigs. Eine Offenbarung, ein Traum und ein Meisterwerk!, 8. Oktober 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Der britische Autor Peter Ackroyd hat neben einigen Romanen auch schon zwei wunderbare, groß angelegte Biographien über William Shakespeare und über London veröffentlicht und legt nun ein ganz hervorragend recherchiertes und spannend geschriebenes Buch über Venedig vor.

"Venedig - Die Biographie" ist ein schwer in der Hand liegendes überwältigendes Buch mit zahlreichen historischen Abbildungen und durch die unverkennbare Handschrift von Peter Ackroyd wird die Lektüre zum Abenteuer, zum Parforceritt durch die Zeiten und zum Sammelsurium von Anekdoten und Wissen zugleich.

Von den Anfängen der vorwiegend auf Wasser erbauten und durch Pfähle abgestützten Stadt vor etwa 1600 Jahren über deren Entwicklung im Laufe der Zeiten, den Wert des venezianischen Glases, den allseits geliebten Luxus, die politische Einordnung über die Jahrhunderte bis hin zu schwärmerischen Liebeserklärungen bekannter Persönlichkeiten und den Tourismusströmen der Gegenwart begleitet Peter Ackroyd den Leser und nimmt ihn bei seinem Ausflug in die Historie und die Gegenwart von Venedig an die Hand, erzählt, berichtet, plaudert und haucht dem Buch dabei ein eigenes Leben ein.

Stilistisch meisterhaft und mit profunder Kenntnis der venezianischen Entwicklungsgeschichte geschrieben ist "Venedig - Die Biographie" ebenso ein Stern am Bücherhimmel, wie die Stadt ein Stern am Himmel der Liebenden und der Träumer, der Romantiker und der Sehnsüchtigen aus aller Welt ist. Großartig und nicht nur für potentielle Venedig-Touristen interessant gehört dieses Buch in die Bibliothek eines jeden Lesers, der sich für geschichtliche Entwicklungen, die Stadt Venedig und Peter Ackroyd interessiert.
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1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bewertung der Biographie, 6. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Taschenbuch)
Das Taschenbuch ist sehr klein geschreiben und etwas unhandlich. ich hätte besser das festgebundene Buch bestellt. Es spricht mich nicht so sehr an.
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Venedig: Die Biographie
Venedig: Die Biographie von Peter Ackroyd (Taschenbuch - 12. November 2012)
EUR 17,99
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