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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Urtalent, 13. September 2011
Dass so manches, ganz existentielles nicht erlernbar ist, dass sich ein innewohnendes Talent auch gegen alle umweltbedingten Schwierigkeiten unter ungünstigsten Voraussetzungen Bahn zu brechen versteht, davon kündet die Autobiographie von Helmut Oehring.

Den unausgeschmückten, nüchternen Fakten nach ist Oehring Künstler, Komponist und erfolgreich. Die Welt der Musik ist seine Welt. Und das als Kind gehörloser Eltern, der erst im 4. Lebensjahr in Kontakt mit der 'hörenden und sprechenden' Welt geriet. Ein Kontakt, der in den Anfangszeiten nicht besonders konstruktiv im Raume stand. Einer, der gegen alle Widerstände und Umstände seinen beachtenswerten Weg gefunden und beschritten hat.

Menschlich mutig beschritten hat, denn wer in der damaligen DDR offen den Militärdienst verweigert, der hat Rückrat. Die entsprechenden Seiten im Buch lassen diese unbeugsame Seite an Oehring, diese durchaus auch ihm innewohnende Härte, deutlich durchscheinen. Handzahm und Harmonisch, dass ist nicht sein naturell und das mag den ein oder anderen auf Ruhe bedachten Zeitgenossen durchaus zunächst unangenehm angehen. Aber im Verlauf dieser außerordentlichen Lebensgeschichte wird deutlich, dass zur Entfaltung eines Urtalents, wie es Oehring gegeben ist und zur Entfaltung des eigenen Weges bei all den Widerständen und ungünstigen Voraussetzungen, die im Raume stehen, eine starke Konsequenz und auch eine Härte braucht, um solche einen Weg gehen zu können. Da, wo sich für den damals 12jährigen das 'heilige Ritual', die tiefe Sucht, ausbreitete, damals noch aufnehmend und mitsingend vor Ilja Richters 'Disco'. Oder die erste 'Oper', Bohemian Rhapsody, an welcher der junge Oehring erlebte (und erlernte), die musikalische Kraft effektiv planmäßig einzusetzen (zu bändigen).. Wie hoch die Begabung des Künstlers vorlag, lässt sich allein schon daran ersehen, dass Oehring reine Autodidakt ist, zumindest in den prägenden und entscheidenden, musikalischen Entwicklungsjahren. ('Ich bin kein Freund von Theorie, ich komme vom Bau!'). So ist verständlich, wenn Oehring formuliert: 'Für mich sind alle großen Musiker wie die großen Boxer, sie reagieren instinktiv'. Und das heißt direkt, kraftvoll aus dem inneren Fundus schöpfen.

In klarer, direkter, durchaus in Teilen auch harter Sprache, ohne eigene Abstürze zu beschönigen ('Kotzen' hat durchaus seine Bedeutung in einer der Phasen Oehringers und er beschreibt dies durchaus plakativ), bietet das Buch ein pulsierenden, lebendiges Bild der Lebensgeschichte Oehrings. Ein Bild, dass nicht nur eine äußere Karriere nachzeichnet, sondern einen intensiven Blick auf die inneren Empfindungen, die innere Entfaltung des Talents gegen Widerstände vor Augen legt und ebenso den unbeugsamen, stur seinen Weg verfolgenden Mann portraitiert. Hinein in die 'hörende und sprechende Welt der Musik' und doch lange noch innerlich in Gebärdensprache denkend.

Einer, für den auch jetzt noch die Reime Rio Reisers gelten, die Oehring nicht ohne Grund zum Schluss des Buches hin zitiert: 'Zauberland ist abgebrannt und brennt noch irgendwo, Zauberland ist abgebrannt und brennt noch lichterloh'. Für das innere 'Zauberland' Oehrings gilt es durchaus noch, das lichterlohe Feuer.

Spannend, direkt, energiegeladen und manches mal nicht einfach zu nehmen legt Helmut Oering eine höchst lebendige und intensiv erzählte Biographie vor, die das Lesen lohnt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen bereichernd! nicht einfach, 1. Januar 2012
Ich habe mich durch die erste Hälfte des Buches gequält. Die Form der losen Wörter und Zusammenhänge konnte ich nicht verstehen. Ich habe weitergelesen, denn es war von Anfang an klar, dass dieses Buch etwas enthalten MUSS, zu spannend ist Oehrings Leben und Werk und alles was auf dem Klappentext zu lesen war.

Die zweite Hälfte habe ich verschlungen! Ich beginne zu verstehen, dass hier die Grammatik der Gebärdensprache den Text mitformt. Dann abrupt: Schluss. Buch aus. Ich recherchiere im Netz weiter, so viele Anregungen fand ich im Buch. Ich entdecke neues, schönes, faszinierendes und meine eigene Naivität. Wie wenig wusste ich von der Gebärdensprache! Wie hochmütig anzunehmen, sie sei eine "Untertitelung" der Lautsprache. Sprachlosigkeit vor dem Unbekannten, Sprachlosigkeit vor der Metamorphose Oehrings Charakters, den er schonungslos auch in seinen tiefsten Jugendtälern schildert.

Sprachlosigkeit vor der Trennung von Kunst- Musikgattungen, der Subventionspolitik, dem Musikgeschmack von Politikern... Oehring zeigte mir viele Themenfelder auf in denen ich noch eine Meinung zu bilden habe. Nicht immer teile ich seine. Ich bin sehr froh, dass ich mich weiter in das Buch "gequält" habe um reich beschenkt und reich verwirrt zu werden. :)

Ich wusste immer, dass Sprache mir viel bedeutet. Durch meine eigene Haltlosigkeit in diesem Text mit Wurzeln in einer anderen Sprache kann ich ansatzweise erahnen wie es andersherum sein mag. Nun müsste ich das Buch noch einmal von vorne lesen! Mit diesem Mehrverständnis, aber es ist bereits verliehen ;-)
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Wahnsinnstyp, 14. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Durch Zufall konnte ich ein Interview mit H. Oehring im WDR3 hören. Das hat mich von Anfang an fasziniert. Er ist in der Tat ein Mensch mit Tiefgang, Güte und grenzenloser Neugierde sowie unbezähmbarer Kreativität.

Ähnlich ist dieses Buch, das alles Andere tut, als eine konventionelle Biografie hinzulegen. Oehring lässt sich nicht in die Schachtel "Komponist" stecken. Er ist ein respektabler Erzähler, der es nicht mit der Chronologie belässt, damit der Leser schön ordentlich inhalieren kann, wie man Komponist wird. Nein, Oehring ist von explosiver Kreativität besessen, die ansteckend ist. Man ist bei der Lektüre des Buchs mitten in seinen musikalischen Projekten ebenso wie in seinem Leben als Schüler, das mich umgeworfen hat. Was Oehring als Kind erlitten hat, ist kaum zu glauben - trotzdem hat er seine Menschenfreundlichkeit und seinen Planungswillen nicht verloren. Und ist nicht verzweifelt.Wer so viel Kraft und Ausdauer und Erkenntniswillen mobilisieren kann, ist ein unglaublich interessanter Mensch. Oehring ist einer, der mit unendlicher Hartnäckigkeit neue Wege geht. (Wie er als Komponist ist, kann ich leider nicht beurteilen.)

Dieses Buch ist nicht konventionell, aber immer wieder fesselnd und faszinierend. Oehring ist ein sehr liebenswerter Verrückter!
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Mit anderen Augen: Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten
Mit anderen Augen: Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten von Helmut Oehring (Taschenbuch - 10. Dezember 2012)
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