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Kundenrezensionen

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am 19. September 2011
...hat mich dieses Buch zurückgelassen.

Ich bin ehrlich: Es gab Momente, in denen ich die Lektüre aufgeben wollte. Denn mithin ist die Handlung (wenn man das überhaupt so nennen darf) so dermaßen belanglos und das Dahinplätschern der Geschichte so ohne Ziel und Plan, dass man sich denkt: Warum das Ganze?

Dann wird man jedoch wieder zu einem Lächeln verführt, denn manche Beschreibung der IT/TK-Welt und eines Managers, der darin lebt, sind so wunderbar getroffen, daß man laut lachen muss und sich denkt, oh ja, das kenne ich nur zu gut. Von den Gesprächen mit Unbekannten beim Cappuccino in der Büro-Küche bis hin zu Feiern mit sogenannten Kollegen oder auch den Automatismen bei der Internet-Nutzung - zum Brüllen wahr.

Wenn es also das Ziel war, einer Branche den Spiegel vorzuhalten, dann ist das gelungen. Wenn es hingegen die Absicht war, eine gute Geschichte zu schreiben, dann ist das nicht gelungen.
Ich brauche für mich immer beides und habe mich nach dem Lesen der letzten Seite gefragt, was ich denn nun von diesem Buch mitnehme - ich habe noch keine Antwort gefunden.
Manchem Leser und manchem wichtigem Literaten ist diese Frage ja egal. Mir nicht.

Einfach beachten vor dem Kauf.
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TOP 500 REZENSENTam 3. September 2010
Terézia Moras Erstling "Alle Tage" war ein Überraschungserfolg, den die aus Ungarn stammende Autorin, die zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus ihrer Muttersprache ins Deutsch zählt, erzielte. Sie ist für ihre Erzählungen, Übersetzungen und auch ihren ersten Roman vielfach preisgekrönt. Fünf Jahre später veröffentlichte sie ihren zweiten Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent". Und damit platzierte sie sich immerhin auf der Long List zum Deutschen Buchpreis im vergangenen Jahr.

Darius Kopp, Anfang vierzig, ist der einzige Mann auf dem Kontinent eines amerikanischen Unternehmens für drahtlose Netzwerke in den DACH-Ländern (Deutschland - Österreich - Schweiz). Er hat ein Büro in einem Bürokomplex, in dem er sich aufhält, tagsüber und auch schon mal nachts, in dem er aber auch unter Beweis stellt, dass er die Arbeit nicht erfunden hat. Er tut nichts Nennenswertes und es gibt im Großen und Ganzen auch nichts zu tun. Dass man trotz Tatenlosigkeit gestresst sein kann, stellt der Protagonist eindrucksvoll unter Beweis. So füllt er seinen Tag mit Essen und Trinken, im Internet surfen und jeder Menge Belanglosigkeiten. Zu den wenigen Dingen, die er erledigen sollte, lässt er sich nicht kommen. Sein Job ist sinnfrei, von Verwirklichung keine Spur. Wichtig genug kommt sich Darius Kopp allerdings vor. Terézia Mora hält einer ganzen Branche einen Spiegel vor. Und das nicht ganz ohne Hintergrund, denn ihr Ehemann ist in der IT-Branche genauso tätig, wie viele gemeinsame Bekannte, wie die Autorin bei einer Lesung erzählte.

Neben seinem Job und dem Essen und Trinken (Kopp wiegt einhundertsechs Kilogramm) gehört die Ehefrau Flora zu den drei wichtigsten Dingen in Kopps Leben. Allerdings hat er auch kein glückliches Händchen im Führen einer Beziehung. Und so darf man sich fragen, in was genau ist Kopp denn gut? "In gar nichts!" bleibt als einzige Antwort. Doch, korrigiere ich mich, im Zeittotschlagen. Sein Leben, beispielhaft geschildert in einer Woche, zerrinnt einfach so.

Mora hält nicht nur der IT- und TK-Branche einen Spiegel vor, sondern einer ganzen Generation. Verglichen mit "Alle Tage" ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" leicht zu lesen, zumindest mir ging das so. Ist "Alle Tage" ein wirklich erstaunlicher und außergewöhnlicher, philosophischer Roman, so ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" gute bis sehr gute zeitgenössische Literatur mit einem doppelten Boden, über den nachzudenken lohnt, und viel Humor. Vielleicht schaut einem aus dem Spiegel, den Mora hält, ja das eigene Gesicht an.
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am 20. Februar 2014
Sehr gut nachvollziehbarer und gut zu lesender Perspektivwechsel der Erzählerstimmen, mehrmals innerhalb von Absätzen - das vollzieht aber meiner Meinung nach sehr gut unser Denken nach und ist nicht verwirrend. Die Story atmet Realität: IT-Vertriebs-Fachmann bleibt "als einziger Mann auf dem Kontinent" für seine Firma in Europa übrig. Darius Kopp ist ein Meister im Aufschieben, Verdrängen, Sich-Selbst-Belügen. Sein Büro: Vollgeräumt, schmutzig, dysfunktional (ein ebensolches Zimmer hat er zuhause, eines vor dem sich seine Frau fürchtet).Seine Karriere: Im Abwärtstrend, den freien Fall hält er nicht auf. Seine Partnerschaft: Vernachlässigte, seelisch-labile Frau, die eigentlich übersetzen will, aber in einer Strandbar bedient. Der Glaube, dass sein Verhalten oder Nicht-Verhalten keine Konsequenzen hat, erweist sich dieses Mal als trügerisch.

Dieses Buch steht voll im Zeitgeschehen, lässt sich einfach sehr gut weglesen und macht Lust auf den nächsten Roman: Das Ungeheuer.
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am 7. Juni 2010
Ein umfänglicher Roman ohne nennenswerte Handlung, der auch nicht durch gedankliche Höhenflüge glänzt. Das Fehlen der üblichen Hauptbestandteile irritiert zwar (sagen wir ein- bis zweihundert Seiten lang), muss aber irgendwann doch in Bewunderung umschlagen.

Denn die beachtliche Leistung der Autorin besteht darin, den auf wenige Tage begrenzten Ausschnitt aus dem stinknormalen Leben eines uninteressanten Protagonisten in Form literarischer Haute Cuisine aufzubereiten. Dabei spielt zwar Essen und Trinken eine quantitativ überragende Rolle, beschränkt sich indes vollständig auf die gierige Einnahme von Fertigkost.

Was macht also den Lesespaß aus. - Das Buch ist ein Wortfilm, wir bekommen die Brille des "Darius Kopp" aufgesetzt und erleben hautnah (in Echtzeit?) seine Eindrücke, Gefühle, Überlegungen. Wir fressen Hühnerschenkel und gefüllte Croissants, bekleckern uns ständig, schwitzen und stinken, die Füsse schmerzen beim Gehen ... der Verdauungsapparat spielt nicht immer mit, manches Ekelhafte ist dabei, Ersatzbefriedigung für Unangenehmes ständig verfügbar (schnelleres Laptop, neues Hemd, neue Schuhe, noch mehr Fressen und Saufen ...).
Was er beim Telefonieren denkt und statt dessen sagt, was er beim Eintreten in einen Raum erwartet und dann wirklich sieht, wie sein schlechtes Gewissen ihn peinigt und zu irrationalen Handlungen verleitet: alles spielt sich so unvermittelt auch im Kopf des Lesers ab. Kleine überraschende Wendungen, witzige (auch Slapstick-hafte) Reaktionen, ein laufender Wechsel von Innen- und Außensicht, ein ständiges Versagen mit eingebildeten Erfolgserlebnissen - wie zum Hohn wird alles chronologisch sauber in Reihe erzählt. Und das Ende ist (wider Erwarten) weder happy noch finales Scheitern, sondern: irgendwie weiter so - halt wie im richtigen Leben.

Personen wie Darius Kopp stellen offenbar eine literarische Herausforderung dar. Auch D.Kehlmann hat sich in seinem Erzählungsband "Ruhm" auf ähnlich humorvolle Weise einer Figur angenommen, die in der Erlebniswelt der Computerbranche aufgeht und dem "wahren Leben" nicht gewachsen ist. Damit geraten Lebensentwürfe in den Blickpunkt, deren Sozialisation (sorgenfrei aufgewachsene Muttersöhnchen?) mit der dazu passenden bindungslosen beruflichen Existenz (Globalisierung, Verantwortungslosigkeit) Einiges über den Zustand unserer Gesellschaft aussagen. Obwohl (oder gerade weil) jeder Bezug zum politisch-weltanschaulichen deutlich ausgeklammert bleibt. Sogar das Zwischenmenschliche dient rein der Bedürfnisbefriedigung bzw. Stressminimierung.

Moras Konstruktion des Alltags und der auftretenden Charaktere erscheint in allen Details stimmig und erfrischt durch ihre moderne und kaum aufgesetzt wirkende Erzählweise. Kein Buch für die einsame Insel aber eine hochwertige Alternative zum liebgewordenen Fernsehabend.
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am 17. Februar 2010
Es gibt in der deutschen Gegenwartsliteratur nur wenige Romane, die sich so scharfsichtig und realistisch mit unserer Gegenwart und der Arbeitswelt auseinandersetzen, wie Terézia Mora dies hier tut. Aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist der Roman höchst aktuell, ohne dabei zeitgeistig zu sein. Ich konnte das Buch kaum weglegen, weil es mich so gut unterhalten hat. Obwohl die stilistischen Mittel ähnlich sind wie bei "Alle Tage" (dialogisch, schnelle Schnitte, ein sich häufig einmischender Erzähler) ist der Ton ein ganz anderer, denn mit ihrem "Einzigen Mann auf dem Kontinent" hat Mora den Humor für sich entdeckt und zeigt, dass sie nicht nur eine scharfe Beobachtungsgabe, sondern auch Witz hat. Darius Kopp ist eine Sancho Panza- Figur - fett, nicht allzu intelligent, vollständig hedonistisch, d.h. allerlei fleischlichen Genüssen ergeben. Einer der sich selbst in der neoliberalen Arbeitswelt irgendwie durchwurschtelt und seine Faulheit durch genuine Menschenfreundlichkeit wettzumachen sucht. Kopp macht einen mit seinem Verschleppen aller wichtigen Dinge als Leser fast wahnsinnig und gerade durch seine Planlosigkeit entlarvt Mora die Bilder vom rund um die Uhr arbeitenden IT worker, die in der New Economy der 90er kolportiert und von Neoliberalen zum Ideal stilisiert wurden. Ganz anders als "Alle Tage", aber ebenso empfehlenswert!
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am 2. Januar 2014
Sollte man sich Terézia Moras „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ mit der Erwartungshaltung nähern auf eine spannende Geschichte zu stoßen, dann wird man zweifelsohne enttäuscht. Der 2009 erschienene Roman bildet insgesamt eine Woche, von Freitag bis Freitag, aus dem Leben des Darius Kopp, „einziger Mann auf dem Kontinent“ seines Unternehmens, ab. Es entstehen Miniaturaufnahmen eines zerrütteten Bewusstseins, das sich zwischen den Polen der Ehe (mit Flora), einer verquasten Aufgabe im Unternehmen und der Ursprungsfamilie (Krankheit der Mutter) bewegt. In erster Linie aber leidet Darius an existenzieller Müdigkeit, an der berühmten Neurasthenie des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder dem nicht minder populären „Burn-out-Syndrom“ des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Mora verfolgt den Strom dieses Bewusstseins, indem sie grundsätzlich aus der personalen Perspektive erzählt, manchmal ihren Protagonisten aber auch (ohne dass dies als direkte Rede markiert sein würde) als Ich sprechen lässt. Doch nicht immer liegt der Fokus auf Darius Kopp und seiner Erlebensperspektive, mitunter entsteht der Eindruck knapper auktorialer Kommentare, so etwa mit „Neben all dem anderen ist das hier nicht zuletzt eine Liebesgeschichte“ (S. 10) oder „Das war vielleicht etwas zu viel gesagt. Insofern, dass an den folgenden Ereignissen nichts Traumhaftes sein wird“ (S. 302). So ergibt sich insgesamt ein patchworkartiger Erzählteppich, der mit Kopps Erleben perfekt konform geht und Mora als besondere Stimme in der aktuellen Literaturlandschaft zu etablieren scheint.
In Deutschland mag diese Art des Erzählens neu sein, nicht jedoch in Frankreich. Mora erinnert intensivst an renommierte Vertreter des „nouveau nouveau roman“, so etwa Christian Gailly und Jean-Philippe Toussaint. Vielleicht hätte sie sich in puncto Länge ein Beispiel an den beiden nehmen können. Etwas kürzer hätte ihr Roman sein dürfen. Hinzuzufügen ist, dass Kopps existenzielle Müdigkeit nicht nur in dem oben erwähnten realen Kontext zu sehen ist, sondern sich in literarische Traditionen einordnet. Zu erwähnen sind etwa Alberto Moravias „La noia“ und insbesondere Jean-Paul Sartres „La nausée“. Ähnlich wie Roquentin die Existenz in ihrer ontologischen Grundqualität erlebt (Wurzel eines Baumes), so gelangt der Asthmatiker Kopp während eines Anfalls an seine Grenzen („Rolling on the floor laughing“, S. 362), bevor alles wieder von vorne beginnt.
Ans Herz zu legen ist der Roman all denen, die auf sprachlich hohem Niveau Momentaufnahmen gegenwärtiger Lebensformen suchen und nicht davor zurückschrecken auch dann weiterzulesen, wenn die Energie für eine aktive Rezeption zu versiegen scheint. Das gehört alles zum Spiel.
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Das Buch beschreibt eine Woche im Leben des robusten Elektronikhändlern Darius Kopp und seiner ungarisch stämmigen Frau Flora. Darius Kopp ist eine korpulente Frohnatur, der die Fünf gerade sein lässt, sie eine schöne, einfühlsame, mitunter auch hypersensible Frau, die die Demütigungen in ihrem Kellerjob so gut wie möglich erträgt. Die Handlung beginnt an einem Freitag, als ein armenischer Geschäftspartner eine Geldlieferung in Höhe von 40.000 Euro in Kopps Büro abgibt. Dann fahren die beiden noch spät am Abend in das vollkommen abgeschiedene Hausi ener Freundin.
Dort verleben sie ein faules Wochenende, das für Darius Kopp doch von den Sorgen überschattet wird, die ihm die Firma macht – die rückläufigen Erträge des EDVD Dienstleisters, der rüde Chef, die ausstehenden Forderungen. Aber wie gesagt, Darius Kopp ist eine Frohnatur, isst und trinkt und lässt die fünf gerade sein, auch wenn er sich im Wald verfährt und schlecht träumt.
Der Montag beginnt mit einer Katastrophe, die jeder Mann kennt. Man will sich anziehen, aber alle Kleidungsstücke sind desolat, befleckt, angerissen, vergilbt oder unansehnlich. So köstlich diese Szene in dem Buch beschrieben ist, so deutlich ist sie eine Metapher für das Leben des Protagonisten, das langsam, ganz langsam aus der Bahn gerät. Es beginnt damit, dass der Papierkorb am Montag nicht geleert ist, dann ist auch in London, der europäischen Firmenzentrale niemand mehr zureichen. Wie ein Menetekel warten die 40.000 Euro auf ordnungsgerechte Verbuchung und jede Stunde, in der das unterbleibt, bringt Darios Kopp mehr in die Bredoile. Ein Spaziergang mit seinem Freund Stavrides durcb die heißen Frankfurter Römerstraßen informiert über die insgesamt abschüssige Bahn des Elektro und EDV Geschäftes, Namen fallen, Projekte werden gedeutet, aber nichts geht voran. Am Ende, nach einer ganzen Kette von Arbeitsblockaden, Hemdflecken, Absagen und Misserfolgen erfährt Darius Kopp, dass seine Firma fusioniert und er entlassen ist. Auch die Ehe von Darius und Flora gerät in eine Schieflage, sie verlässt das Haus, er reist ihr hinterher, ohne dass man am Ende wissen würde, wie die Ehekrise endet.
Das Buch ist im echten Mora-Speech verfasst, den die Leser der Autorin schon von „Alle Tage „ her kennen. Fast ganz ohne Anführungszeichen mit ständigem Perspektivenwechsel, aber im fetzigen Duktus fordert sie dem Leser einiges ab, belohnt ihn aber mit einem hohen Maß an Anschaulichkeit, die manchmal geradezu mitreißend ist. Außerdem haben wir hier Feuilletonroman vor uns, der sich wenigstens im Ansatz mit Wirtschaft beschäftigt, was ist selten genug und auch noch auf eine sehr ansprechende Art gelungen ist. Die reflexive Innenperspektive und die Außenbetrachtung auf die beruflichen Abläufe, Privates und Geschäftliches, Witziges und Bitteres halten sich eine unterhaltsame Wage. Auch die Gliederung des Buches in sieben Kapitel, die den Wochentagen von Freitag bis Donnerstag entsprechen finde ich gelungen. Man kann eben auch noch durchaus linear anspruchsvoll erzählen. Allerdings hat das Buch am Ende seine Längen, was aber auch an mir liegen kann, deswegen verzichte ich auf einen Punktabzug.
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am 11. August 2014
Ja so war Sie die New Economy in den dt. IT Kolonien angelsächsischer Player - und darüber hinaus in manchen Firmen bis dato. Ein schönes Geschenk für selbstironische IT Sales Manager und andere vermeintliche 'Global Player' in der Post Bulls*** Bingo Lebensphase;-)
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am 5. Januar 2010
Mit dem "einzigen Mann auf dem Kontinent" hat Therezia Moras einen wunderschönen, hochaktuellen Roman vorgelegt, der das Berufs- und Privatleben einer immer virtueller werdenen Welt thematisiert.

Darius Kopp, ein klassischer Antiheld, der aus der ehemaligen DDR stammt, ist der einzige Protagonist, der am Glauben an eine planbare, erfolgreichere Zukunft festhalten will, ohne sich der zweifelhaften Krücke des Zynismus zu bedienen.

Ist Darius Kopp fleissig? Nein, aber er möchte sich einbilden, dass er es ist.
Ist er erfolgreich? Nein, aber er bildet sich ein, dass seine "Bemühungen" und seine Loyalität letztendlich belohnt werden.
Ist er effizient und zielstrebig? Nein, er ist chaotisch und verliert sich als eingefleischter Netztwerktechniker (welche Ironie...) in einer zunehmend unpersönlichen, virtuellen Welt.
Setzt er seine Prioritäten richtig und ist er ein gebender Mensch? Nein, er verwechselt "die Bühne des Wirtschaftsleben" mit der Realität, betrachtet seine Beziehung zu seiner Frau Flora als gegeben an und sieht seine Familie als lästiges Relikt seiner Vergangenheit an. Sieht er die Zeichen der Zeit? Nein, erst ein körperlicher und geistiger Zusammenbruch bringt ihn dazu sein Leben neu zu überdenken.

"Der einzige Mann am Kontinent" ist ein Buch über das zwanghafte Festhalten an vergangenen Selbstverständlichkeiten und die Notwenigkeiten neue und wahre Werte in einer immer schneller werdenden Zeit zu suchen. Auch versteht es Mora meisterhaft die Sprachlosigkeit in unserer "Kommunikationsgesellschaft" darzustellen. Internet-Netzwerke, die lediglich der eigenen Profilierung dienen, auswenig gelernte Phrasen, die eine gestellte Lockerheit in Businessgespräche bringen sollen und doch augenblicklich als solche entlarvt werden, Freundschaften, die sich auf stereotype Floskeln und Oberflächlichkeiten beschränken,..

Zugegebenermaßen könnte man den Inhalt des Buches "straffen" doch würde dadurch die nachhaltige Wirkung verloren gehen. Als Entwicklungsroman konzipiert führt er den Leser behutsam in die "Realität", die Träume und die Illusionen eines durchschnittlichen Menschen ein, an dessen Ende ein wohl schmerzhaftes, aber heilvolles "Erkenne Dich selbst" steht. Klare Leseempfehlung.
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Die in Ungarn deutschsprachig aufgewachsene Autorin ist, nachdem sie den Ingeborg Bachmann Preis gewonnen hat, eine nicht mehr ganz unbekannte Autorin. Mit "Alle Tage" hat sie ein wunderbares Buch über die Liebe und die Liebe zur Sprache geschrieben. Sie legt jetzt einen Roman vor, mit dem sehr schönen Titel "Der einzige Mann auf dem Kontinent", der eine Woche aus dem Leben des Darius Kopp erzählt.

Darius Kopp kann man durchaus als Verwandten so berühmter Verlierer wie Tschechows "Onkel Wanja", Musils "Mann ohne Eigenschaften" oder Gontscharows "Oblomow" betrachten. Er ist Anfang vierzig, verheiratet, mit 106 Kilo bei 178 Körpergröße recht übergewichtig, ebenso überheblich wie liebenswürdig. Als Fachmann für drahtlose Internetzwerke verbringt der Anzugträger als einziger Vertreter einer US- amerikanischen Firma für drahtlose Datenkommunikation die Tage mit ziellosem Surfen im Internet. Als Diplom-Informatiker und echter Internet Performer kommuniziert er permanent auf allen Kanälen, ist immer online in der virtuellen Welt. Eigentlich ist er ein Opfe, da er einer Struktur gegenüber steht, die er nicht begreift und auf die er keinen Einfluss nehmen kann. Darius Kopp hat auch das Problem, dass es die ganze Zeit so aussehen muss, als würde er wahnsinnig viel für die Firma tun, obwohl es gar nichts mehr für ihn zu tun gibt. Dadurch entstehen zwar noch tausende von Handgriffe am Tag, am Abend ist man geschafft, aber man hat nichts von Wert hergestellt. Dieser Effiziensdruck nagt an ihm, auch wenn er es nicht zugeben würde. Es gibr viele Absurditäten in dieser angeblich golbalen Welt und die kommen Slapstick artig über viele Seiten verteilt. Es wäre für Darius möglich ein Global Player zu sein, wenn seine Chefs das wollten. Die wollen es aber nicht." Der einzige Mann auf dem Kontinent" kommt durchaus als realistischer Roman daher, aber er betont diese übespizte Situation, jemand versucht in seine eigene Firma hinein zu kommen und es gelingt ihm nicht.

In der realen Welt lebt er ein ganz anderes Leben, denn da ist er ein Mensch der immer darauf achtet, dass es ihm gut geht, der immer Hunger hat und sein Hungergefühl befriedigen muss. Er ist ein Mann von Morgen, was seinen Beruf betrifft und ein Mann von Gestern was seine Ehe betrifft. Und dann hat er am Ende dieser Woche seinen Job und seine Ehefrau Flora verloren. Er, der stark transpirierende Faulenzer, der seine Zufriedenheit und seine Bequemlichkeit zu seinem Heiligsten gemacht hat, sieht sich zwar als Gewinner der neuen Zeit und so ist er zwar einigermaßen zuversichtlich, dass er sehr bald einen neuen Job finden wird und möglicherweise wird er sich auch wieder mit seiner Frau zusammen tun, wenn auch die Autorin, entgegen aller dramaturgischen Erwartungen, in ihm grenzenlose Einsamkeit im digitalen Zeitalter spiegelt.

Dieser "Held unserer Zeit", der Prototyp der heutigen Zeit, ist zum Glück nur eine literarische Figur, ein unreifes, larmoyantes, nerviges Kerlchen, dessen Kosmos sich zwischen Essen, Trinken, Sex und Arbeit bewegt und der sich für keine anderen Menschen interessiert und zu seiner Frau gerade mal so nett ist, wie er sein muss, damit sie seine sexuellen Wünsche auf Abruf befriedigt.
Diese Flora, die selber eine etwas prekäre Berufsgeschichte hat, ist als Speigelfigur zur Hauptfigur gedacht. Als Schichtarbeiter begegnen sich kaum,Žder Rückzug ins Privatleben kann für die im Berufsleben ausgehöhlte Figur auch nicht die Lösung sein.

Eine literarische Figur sollte ein Geheimnis haben und das hat dieser Darius nicht. Die Geschichte nimmt auch gar nicht richtig Fahrt auf. Eines Tages kommt ein säumiger Kunde, lässt in der Firma einen Pappkarton mit viel Geld liegen. Jetzt denkt man die Geschichte wird Fahrt aufnehmen, aber nein, in der Folge braucht dieser Darius 100 Seiten, um zu überlegen was er mit dem Geld anfangen soll, versucht vergeblich seine Chefs in London oder Los Angeles zu erreichen. Man hat das Gefühl, dass die Firma gar nicht existent ist. Mit realen Dingen kann er nichts anfangen, darum ist das Geld für ihn eine richtige Herausforderung.

Möglicherweise ist das eine von Terezia Mora gezielt gesetzte Metapher in dem Roman, die davon Zeugnis ablegen soll, wie unsere Arbeitswelt immer virtueller wird und kaum mehr zu greifen ist worin eigentlich die wahre Wertschöpfung besteht. Darius ist mit den anderen nur online oder per Telefon in Verbindung und er kann mit den realen Dingen gar nichts mehr anfangen.Er hat einen großen Kontrollverlust, denn er kommt aus diesem Intenet nicht mehr heraus. Ein Mann der nur online existiert und sein offline gar nicht mehr erträgt. Am Ende ist das Geld weg und wir erfahren eigentlich bis zum Schluss nicht was damit passiert ist.

Dieser Roman über die Kommunikationslosigkeit im Internetzeitalter ist kein Roman der großen tragischen Ereignisse, sondern der kleinen, alltäglichen Banalitäten und die angedeutete Katastrophe kommt dann eigentlich nicht wirklich, dabei hat diese Autorin eine Technik entwickelt, nämlich einen permanenten Wechsel von objektiver Betrachtungsweise und subjektiver Innensicht. Von Montag bis Freitag wird ein Witz an den anderen gehängt, aber es passiert eigentllich nichts. Und so bleibt es im Topos leider ein Buch voll mäandernder Redundanzen. Und da wir Leser eine biologische Verfallzeit haben ist die Lektüre aus dieser Sicht verschwendete Lebenszeit, wenn eventuell auch Menschen, die alltäglich in Partnerschaft mit der Schwäche, Trägheit und Feigheit gegenüber einem als nicht richtig erkannten Tun leben, in Darius ihre eigenen Schwächlichkeiten und Verdrucktheiten wieder erkennen und bei dieser Lektüre mit Sicherheit viel lernen können.
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