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49 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der vergebliche Kampf um eine gute Ehe!
Die junge Anna, Tochter von Landadligen im zaristischen Russland, erfreut sich unbeschwerter Lebenslust. Sie liebt die Natur, ist wachen Geistes, liest Büchner und Feuerbach und malt gerne, als sie den Fürsten Prosorski im Hause ihrer Mutter trifft. Er ist sofort entflammt von der grazilen, natürlichen und heiteren Schönheit der jungen Frau. Schon...
Veröffentlicht am 29. November 2008 von cl.borries

versus
2.0 von 5 Sternen enttäuschend
Das Buch ist nur interessant, wenn man es als Gegenstück zu Lew Tolstois Kreuzersonate betrachtet. Ich frage mich, ob sich andernfalls ein Verlagshaus gefunden hätte. Es gibt diverse Widersprüchlichkeiten im Text (gab es damals keinen Lektor, um die Autorin darauf aufmerksam zu machen?) die Protagonisten erschienen mir nicht wirklich gut herausgearbeitet.
Vor 16 Monaten von Kindle Customer veröffentlicht


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49 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der vergebliche Kampf um eine gute Ehe!, 29. November 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die junge Anna, Tochter von Landadligen im zaristischen Russland, erfreut sich unbeschwerter Lebenslust. Sie liebt die Natur, ist wachen Geistes, liest Büchner und Feuerbach und malt gerne, als sie den Fürsten Prosorski im Hause ihrer Mutter trifft. Er ist sofort entflammt von der grazilen, natürlichen und heiteren Schönheit der jungen Frau. Schon bald hält er um ihre Hand an. Zunächst erschrocken von dem Drängen des um 17 Jahre älteren Fürsten gibt Anna doch bald nach und willigt in die Heirat ein. Untrügliche Zeichen seiner vulgären Sinnlichkeit, mit der er sie begehrt, übersieht sie, und erlebt die Zeit nach der Hochzeit als Alptraum.

Das ist die Geschichte der Sofja Tolstaja, der Frau von Leo Tolstoi. In der Kreuzersonate hat Tolstoi eine Ehetragödie abgehandelt, die unschwer als seine eigene zu erkennen ist. Als Antwort auf diese beschreibt Sofja Tolstaja ihre Sicht der Ehe, und da entsteht ein ganz anderes Bild.
Im Gegensatz zu ihm erscheint sie in der Figur der Anna als eine Frau, die sich nach seelisch- geistiger Gemeinschaft sehnt, die ihr der Mann verweigert. Seine Sinnenlust trieb ihn immer wieder zu anderen Weibern, und sie litt unter Eifersucht und Einsamkeit. Der Fürst wird als ansehnlicher Mann beschrieben, dem sie gerne eine gute Frau war. Er aber ließ sie im Stich.
In stillem Kampf um seine Liebe versucht sie ihn bei Laune zu halten, indem sie ihm jede Art von Abwechslung bietet. Sie verbringt den Winter über mit ihm und den Kindern in Moskau, wo sie gesellschaftliche Erfolge feiert, weil sie schön, unterhaltsam und zudem eine anregende Gesellschafterin ist. Zu Bechmetew, einem Freund ihres Mannes, entbrennt Anna in heimlicher Liebe, denn er ist sensibel und wie sie den schönen Künsten zugetan. Sie bleibt jedoch treu und bemüht sich immer weiter um die wahre Liebe in ihrer Ehe, wenn ihr diese Mühe auch erhebliche Kraftanstrengungen abverlangt.
Ihr Mann ist ein untreuer, launischer Liebaber, dem es nur um die körperliche Schönheit und sein unstillbares Begehren geht. In zynischen Ausbrüchen verdächtigt er sie der Untreue, deren Auswüchse sie mit Entsetzen von sich weist.

Sofja Tolstaja ist eine begabte Schriftstellerin, die ihren inneren Stimmungen, der äußeren Schönheit der Natur und ihren tiefen Gedanken beredt Ausdruck zu geben vermag.
Die Kinder sind das größte Lebensglück der Fürstin. Ihrer Erziehung und ihrer Bildung widmet sie sich mit Überlegenheit, Hingabe und kluger Einsicht und findet in dieser Aufgabe ihre seelische und geistige Zufriedenheit.

Das Buch ist von klugen, in poetische Worte gefassten Lebensweisheiten erfüllt, angereichert mit eigenen Überlebensstrategien in einer fast unerträglichen Lebensgemeinschaft mit Leo Tolstoi. Die Erzählung gerät auf diese Weise zu einer Abrechnung von Frau Tolstaja mit ihrem ungetreuen, rabiaten und zynischen Ehemann.

Wie es in einem Nachwort von Ursula Keller heißt, ist Sofja Tolstaja durchaus als eigenständige Schriftstellerin aus dem Schatten ihres Mannes herausgetreten.
Man liest die Lektüre mit Freuden. Die bibliophile Aufmachung aus der Manesse Bibliothek ist handlich und ansprechend, die Übersetzung von Alfred Frank und Ursula Keller gelungen.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Frage des Geschlechts ..., 14. Mai 2009
Von 
Brigitte Laeufer (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Inhalt:

Sofia Tolstajas zu Lebzeiten verheimlichter und erst fünfundsiebzig Jahre nach ihrem Tod veröffentlichter Roman: Eine Frage der Schuld" , erzählt auf knapp dreihundert Seiten die Geschichte einer unglücklichen Ehe, die uns nicht zufällig den Weltberühmten Ersten Satz aus Krieg und Frieden ins Gedächtnis ruft: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Art."

Das Unglück einer aus der russischen Oberschicht stammenden jungen Frau, das uns nicht zufällig an das Schicksal von Sofja Tolstaja an der Seite von Leo Tolstoi erinnert, ist das Thema dieses Buches. Ein Leben lang stand die begabte Künstlerin im Schatten ihres weltberühmten Mannes, einem der gefeiertsten Schriftsteller aller Zeiten, wie es in der aktuellen Verfilmung dieser Traditionsehe:
"Ein russischer Sommer" heißt.
Dreizehn Schwangerschaften und drei Fehlgeburten prägten die Jugend und die mittleren Lebensjahre der Gräfin, die neben Haushaltsführung und Kindererziehung noch Zeit und Muse fand, dem schreibenden Gatten bei der Geburt seiner Meisterwerke beizustehen und deren Anteil an der Entstehung und Gestaltung von Anna Karenina" und Krieg und Frieden" nicht unterschätzt werden sollte.

Im handlichen Manesse-Format, das sich gut in winzigen Damenhandtäschchen neben Lippenstift und Wimperntusche verstauen lässt und in Reisekoffern oder Wanderrucksäcken lange nicht so schwer wiegt wie die Bände von Tolstoi in der ihm eigenen epischen Breite, erleben wir nun ihre vergleichweise kleine Prosa". Wir erleben Weltliteratur aus dem Blickwinkel eines weiblichen Menschen.

Was muss die arme Heldin, bezeichnenderweise Anna" genannt, nicht alles ertragen: Dieses Mädchen, zum Zeitpunkt der Heirat achtzehnjährig, ist auf die Ehe nicht eingestellt. Dem Kind wird Gewalt angetan. Die aus Eifersucht kurz erwachte weibliche Leidenschaft schläft, niedergedrückt von Scham und Abscheu vor den fleischlichen Gelüsten des Fürsten, wieder ein. Die Tagelöhnerin Arischa, eine Maitresse des Fürsten, begegnet ihr mit ungenierten Blick. Nach vielen Geburten und einer freundschaftlichen Neigung zu dem Grafen Bechmetew, in dem sich das Ideal reiner Herzensliebe für sie verwirklicht, löst eine harmlose und absichtslose Berührung durch den Hausarzt, der in den Augen des maßlos eifersüchtigen Ehemanns beim Behandeln eines verletzten Kindes angeblich ihren Busen streift, eine völlig unbegründete Gewaltreaktion aus.Der Gatte wirft Anna einen Briefbeschwerer an die Schläfe.
Tödlich getroffen (im Leben durch Tolstois Kreuzersonate), erteilt Anna alias Sofja im Roman ihres Herzens dem gewalttätigen Patriarchen unter Anstrengung die Absolution: Der letzte Satz bleibt unvollendet:
Dich trifft keine Schuld. Du konntest nicht begreifen, was wichtig in der Liebe ..."
Ist" kann, die Sterbende nicht mehr sagen.
Der Tod tritt ein.

Leo Tolstoi hat sich im Laufe der Jahre immer mehr von der schöngeistigen Literatur abgewandt und der Welt in religiös gefärbten Schriften Askese" und sexuelle Enthaltsamkeit" gepredigt.
Diese Entwicklung fand ihre Zuspitzung in der 1891 erschienenen Kreuzersonate, in der sich der Schriftsteller durch das Sprachrohr des Fürsten Posdnyschew, radikal von den Werten des einmal mit großen Illusionen begonnenen Ehe- und Familienlebens löst.
Wie sehr die reale Person von diesen hehren sittlichen Idealen entfernt war, weiß man heute. Doch dieses ER weiß von keiner Schuld. Es ist SIE, die Mord und Totschlag auslöst. In der Kreuzersonate erschießt der Ehemann den vermeintlichen Rivalen, bei Tolstaja wird die Ehefrau erschlagen.
Sich gegenseitig als Menschen anzunehmen und sich im Anderen zu erkennen, ist in dieser christlichen Konventionsehe offensichtlich nicht möglich. Schließlich muss ein Dritter im Bunde, für Tolstaja ist es ein reiner Herzensfreund, für Tolstoj ein verderbter Nebenbuhler, das Drama heraufbeschwören, das den von Männer geschriebenen großen Frauenromanen des 19.J.h. ihre besondere Note gibt : Die Damen verenden, die Herren überleben, aber beiden ist die Lust am Leben genommen.
Eine Frage der Schuld" ist eine beeindruckende moderne Sichtweise zu diesem Thema.

Fazit:
Man fragt sich als Leser, was in jenen Tagen, da Tolstois Kreuzersonate" ein literarisches Erdbeben in der russischen Gesellschaft auslöste, wohl geschehen wäre, wenn Tolstaja es gewagt hätte, sich als die Schriftstellerin, die sie ja offensichtlich war, neben ihrem überragenden Gatten einen Namen in der Öffentlichkeit zu machen. Diese Frage lässt sich leider nicht beantworten.
Frappierend ist die Offenheit, mit der die Gräfin über das im 19. Jahrhundert noch stark tabuisierte Thema der Sexualität schreibt. Sie selbst wusste ja am besten, wie weit ihr Gatte im realen Leben von den Idealen entfernt war, die er der Menschheit predigte.
Soja Tolstaja hat das Schweigen und die Anonymität gewählt, um ihre andere Sichtweise heimlich zu gestalten. Unter der Maske der hysterischen Gattin, als die man sie zu Lebzeiten Tolstois gerne sah, behauptet sich ein eigenständig denkender Mensch. Dass dieser Roman nun doch seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, lässt uns staunen und erfahren: Das Leben hat eigene Gesetze und dieses von der Kunstkritik als autobiografischer Schlüsselroman" gewertete Werk ist in meinen Augen eine wirklich schöne Antwort auf die Frage: Was steht zwischen den Zeilen von Anna Karenina", was lesen wir da heute heraus?
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreutzersonate zum Dritten, 18. Februar 2009
Erst die Musik von Beethoven gehört, dann die Novelle von Tolstoi gelesen und nun die Gegennovelle seiner Frau. Ein Programm für viele Tage und starke Nerven, denn das Ergebnis ist immer wieder: die Unmöglichkeit der Ehe von Mann und Frau! Aber nach der deprimierenden Lektüre von "seiner" Kreutzersonate muss man das fanbelhafte Gegenstück seiner Frau lesen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer trägt Schuld an zerstörtem Vertrauen, Eifersüchteleien und Pessimismus in einer Ehe?, 9. November 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Eine Frage der Schuld: Roman - (Taschenbuch)
Die 18-jährige Anna lebt mit ihrer Mutter und Schwester Natascha fröhlich auf dem Land. Sie liebt die Malerei, Musik und allgemein alles, das der Kunst anzugehören vermag. Eines Tages interessiert sich jedoch der Fürst Prosorski für sie. Bald nimmt er sie zur Frau und auf sein Gut. Anna muss ihre Familie auf immer verlassen und nun ein neues Leben beginnen. Anfangs hilft sie mit auf den Feldern zu arbeiten, den Haushalt zu machen und muss sich zudem den immer schlimmer werdenden Launen ihres Gatten biegen. Der Fürst tobt vor Eifersucht, wenn sie sich auch nur ansatzweise mit einem anderen Mann unterhält. Vier Kinder resultieren aus dieser Ehe, die über mehr als zehn Jahre andauert. Anna wird krank und müde, magert ab und ist erschöpft, doch sie findet Trost in Prosorskis langjährigem Freund Bechmetew. Er liebt sie mehr, als ihr Ehemann sie jemals geliebt hat, doch ihre Seelenverwandschaft endet in einer Tragödie als Bechmetew erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat...

Als "Gegenroman" zu Tolstois frauen- und lustfeindlicher "Kreutzersonate" verfasste Sofja Tolstaja diesen Roman, veröffentlicht wurde er jedoch erst nach ihrem Tode. Mit diesem Buch möchte sie psychologisch als auch literarisch "Die Frage der Schuld" an eine zerrüttete Ehe aufklären, jedoch lässt sie den beiden Figuren Anna und Prosorski Gerechtigkeit widerfahren, jedoch sticht nichtsdestotrotz die Kälte Prosorskis stark beim Leser heraus, der sich kaum für die Geburten seiner Frau oder ihre Malerei etc. interessiert. Der Roman zieht durchaus eine große Parallele zu Sofjas wirklichem Leben, das sich mit dem viel älteren Schriftsteller und Gatten Leo Tolstoi ebenfalls nicht als einfach gestaltete.

~Bücher-Liebhaberin~
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen faszinierende Gegenrede, 27. Januar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch hat mich enorm in Bann genommen. Ich habe immer schon Probleme mit der Kreuzersonate gehabt, sie aber bislang nicht in dem entsprechenden Kontext gesehen. Das Buch voon Tolstaja schildert den selben Sachverhalt aus einer völlig anderen - weiblichen - Sicht. All mein Unverständnis, meine Fassungslosigkeit über den eifersüchtig egositischen Ehemann der Kreuzersonate, sein Frauenbild zwischen Gier und Verachtung, ist in diesem Bändchen manifestiert. Die Verzweiflung der so ganz und gar missverstandenen und als eigenständige Person von ihrem Mann überhaupt nicht wahrgenommenen Ehefrau wird eindringlich geschildert. Es ist ein gleichzeitig ein Zeitzeugnis über die Überheblichkeit, den Egoismus und das Frauenbild der zeit Tolstois - und zugleich ein biografischer Blick in das letztlich unkommunikative Verhältnis der Eheleute Tolstojs.
Absolut lesenswert!
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Autorin bleibt im Windschatten des berühmten Ehemanns, 22. November 2008
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Die bisher unbekannte, missachtete, hochbegabte jedoch verkannte Schriftstellerin Sofja Tolstaja (1844-1919), Ehefrau des legendären Tolstoi, hat immer im Schatten ihres berühmten Mannes gelebt, war ihm treue Lebensgefährtin und Ehefrau im klassischen Sinn, hat seine Werke gelesen, redigiert, kritisiert und gelobt. Dabei blieb verborgen, dass auch sie eine begnadete Erzählerin und Schriftstellerin war. Jetzt, 75 Jahre nach ihrem Tod wurde "Eine Frage der Schuld" in ihrem Nachlass entdeckt und nach einer Übersetzung von Ursula Keller und Alfred Frank auf den deutschen Büchermarkt gebracht. Es ist die Erwiderung der Ehefrau Tolstois auf dessen skandalöses Alterswerk "Die Kreutzersonate", in dem er seine sozialkritischen Positionen darlegte.

Sofja Tolstoi war, als sie damals mit 18 Jahren heiratete, eigentlich schon Schriftstellerin. Sie hatte eine kleine Erzählung geschrieben, die ihr zukünftiger Gatte gelobt haben soll. Sie trat in den Ehestand, nahm die Sache sehr ernst und hat Ihre erste Erzählung kurz vor der Hochzeit verbrannt, stellte sich ganz in die Dienste ihres Mannes. Sie hatte auch keine Zeit mehr Romane zu schreiben, denn sie hatten bekanntlich sechzehn gemeinsame Kinder, von denen dreizehn überlebt haben. Doch dann passiert etwas was sie dermaßen empörte, dass sie diesen kleinen Roman "Eine Frage der Zeit" geschrieben hat. Es war die 1889 erschienene Novelle "Die Kreutzersonate" ihres Mannes, die damals für Furore sorgte. Darin setzte er eine authentische Geschichte in Literatur um. Es war die Geschichte seiner Ehe, die er in einer Form gebracht hat, die ihr in jeder Hinsicht missfiel, sie beleidigte und beschmutzte.

Da sitzt der ehemalige Gutsbesitzer Posdnyschow auf einer nächtlichen Reise durch das winterliche Russland in einem Eisenbahncoupe und erzählt wechselnden Fahrgästen die Geschichte seiner Ehe und insbesondere seine Meinung über die Frauen.
Taillen, Locken und Tournüren haben ihn in die Falle der Ehe gelockt, die Jagd nach dem Mann war seiner Frau geglückt. Die Flitterwochen erfasste ihn Unbehaglichkeit, Scham, hässliche, trübe Stimmung und vor allem Langeweile. Heirat erwies sich nicht nur als kein Glück, sondern sie war etwas sehr Drückendes. Während des ganzen Ehelebens sah er sich und seine Frau als zwei Sträflinge, die einander hassten und an eine Kette geschmiedet waren. Ein geregeltes, geordnetes Familienleben gab es nicht. Die feinen Damen der Gesellschaft bezeichnete er als Kokotten, die sich eigentlich von den Insassen der Bordelle in nichts unterscheiden. Liebe taugt nichts, der Mann und das Weib sind so geschaffen wie das Tier, so dass auf die sinnliche Liebe die Schwangerschaft folgt. Der Mann muss unbedingt seine Triebe befriedigen, da kommen Ernährung und Geburt des Kindes dazwischen und verhindern die Befriedigung dieser Bedürfnisse, denn er sieht nichts als Sex und grenzenlose Wollust in der Ehe. Man braucht sie eigentlich nicht, Sex kann auch anders befriedigt werden. Es war eine unglaublich bösartige Abrechnung mit Liebe und Ehe, aber diese Bösartigkeit richtete er nicht gegen die Frauen, sondern im Prinzip gegen sich selbst, gegen Gott und die Welt, gegen das ganze Geschlechtliche. Die Frage ist dabei doch, wohin geht man mit seinen Trieben, mit seinen Sehnsüchten?

Man kann "Die Kreutzersonate" auch anders lesen und sagen, er hat zu seinem Entsetzten festgestellt, dass die Frau auch ein sexuelles Wesen ist, nicht in jeder Hinsicht nur die Empfangene sein möchte und die Sexualität nicht nur vom Mann ausgeht. Bei dieser Betrachtungsweise kann man sagen Tolstaja hat auf eine Art und Weise geantwortet, die auch wieder ganz altmodisch ist.

Wie dem auch sei, die Ansichten haben seine Ehefrau verständlicherweise tief getroffen und so hat sie dieselbe Geschichte nun aus der Sichtweise der Frau geschrieben. Und wen wundert es, da sieht alles plötzlich ganz herrlich und rosarot aus. Im Subtitel schreibt sie"anlässlich der Kreuzer Sonate", also dieses Buch ist eine Antwort auf das Buch ihres Gatten.

Sie schreibt von einem jungen kleinen Mädchen das noch an die reine Liebe glaubt, die malt, Bücher liest und Klavier spielt. Sie denkt nur an das Gute und Schöne, bewahrt ihre Unschuld und ihr reines Herz, das sie eines Tages dem einen Mann schenkend wird den sie ein Leben lang lieben will. Für sie gibt es nur eine Liebe im Leben und wenn die scheitert, wenn sie fehl gehen sollte, dann ist nicht die Frau, sondern dann ist immer der Mann daran Schuld, der sie enttäuscht hat. Es ist naiv geschrieben, zeigt die reine weibliche Sicht, nämlich die Frau, die eigentlich an die große Liebe glaubt und vom Mann beschmutzt wird. Die Geschichte, die sie schreibt, endet mit einem Mord, ähnlich wie in der Kreutzersonate.

Also, ich habe es nicht autobiografisch gelesen, obwohl es natürlich ganz offensichtliche Parallelen zwischen der Geschichte die sie beschreibt und ihrem Leben gibt. Sie übersetzt ihre Erfahrungen und ihr Leben. Es ist sprachlich kühn, traut sich etwas. Es hat schon eine beachtliche Tiefe, dass eine Frau sagt, ich will auch als ganzer Mensch Ernst genommen werden, als jemand der nach Gott sucht, der die Welt erkunden will, der malen will, der nicht nur Sex- und Gebärmaschine sein will. Und es ist erstaunlich, wie eine Frau zu jener Zeit so offen über Sexualität schreibt, auch über das Gebären, mit aller Brutalität, mit allen Schmerzen und wenn sie schließlich fragt, muss ich erst die Maschine sein, die die Kinder bekommt und säugt und dann wieder diejenige, die ihrem Mann zu Diensten ist?

Es ist naiv geschrieben aber mit einer wunderbaren, offenen Naivität die mich sehr angerührt hat. Man liest es wahnsinnig gern, auch wenn es sehr feministisch und hausbacken ist. Es hat fraglos eine Stärke zu sagen, ich bin rein und ich habe einen deutlichen und verstehenden Blick auf den Mann und die Welt.Sie hatte ein Lben lang das Bedürfnis, ihrem Mann einen grundlegenden Sensibilitätsunterschied zwischen ihnen klarzumachen. Sie wählte dazu auch den Weg der Literatur und jetzt können sich die Leser ein eigenes Bild von der Ehe machen - nicht nur jener der Tolstois bei der der Ehemann 1910 nach fast fünfzig gemeinsam verbrachten Jahren seine Frau verließ, umdie letzten Tage seines Lebens in Ruhe vor ihr verbringen zu können.

Es ist nicht nur naiv, es hat auch eine Stärke zu sagen, ich bin rein und habe einen deutlichen Blick auf den Mann und einen verstehenden Blick auf die Welt. Ich habe die "Kreutzersonate" und insbesondere das umfangreiche Nachwort noch einmal gelesen und festgestellt, dass Tolstoi viel Selbstironie übt und sich auch über seine Ansichten zum Teil lustig macht. Das ist einfach genial und insofern geht "Die Kreutzersonate" doch weit über die Antwort der Ehefrau hinaus.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein großartiges, lesenswertes Buch, 8. Juni 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine Frage der Schuld: Roman - (Taschenbuch)
"Eine Frage der Schuld'

Der Roman, geschrieben 1892/93 und erst hundert Jahre nach seinem Entstehen in Russland publiziert, gelangt jetzt auch in unsere Hände.

Wer ihn umfassend verstehen möchte, dem sei empfohlen, zunächst die Erzählung "Die Kreutzersonate" von Leo Tolstoi zu lesen... Hier schildert der Autor seine Auffassung von der Liebe, nämlich: von der 'körperlichen Liebe, den geschlechtlichen Beziehungen zwischen den Ehegatten. '
Der "Held" der "Kreutzeronate schildert eine Ehe, die letztendlich mit dem Mord des Ehemannes an seiner vermeintlich untreuen Ehefrau endet.Tolstoi macht mit den Mitteln einer Erzählung seine Kritik an der damals herrschenden gesellschaftlichen Auffassung von Ehe und ehelicher Liebe deutlich. Die Untreue der Gatten in allen Schichten der Gesellschaft sei nach seiner Meinung eine ganz gewöhnliche Erscheinung geworden - ein Ergebnis der Betrachtung des Liebesverkehrs nicht nur als eine unentbehrliche 'Vorbedingung der Gesundheit,' sondern auch als ein poetisch erhabenes Lebensglück. Aus dieser verallgemeinernden Auffassung Tolstois entfachten "die Medien" (schon damals!) einen Skandal um diese Erzählung und damit auch um Tolstoi selber..

Dies soll nur in knappen Worten zum evtl. Lesen anregen; und man wird erkennen, dass Tolstois Erzählung aus Sicht seiner Frau Sofja Tolstaja einer Antwort bedurfte. Sie musste sehr wohl erkennen, dass die Erzählung gegen ihre Ehe, letztlich gegen sie persönlich
gerichtet war.

So entstand der Gegenroman von Sofja Tolstaja: 'Eine Frage der Schuld'.

Uns wurde hier ein Roman geschenkt, der - dank seiner einmaligen Erzählkunst sowie inhaltlichen und sittlichen Reife - für diese Frau, für Sofja Tolstaja spricht.

Während Leo Tolstoi die Ehe aus der Sicht eines Mannes beleuchtet, beschreibt Sofja Tolstaja sie mit den Augen einer Frau. Sie versucht darin Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Liebe aufzuzeigen. Ist dem Manne in erster Linie die körperliche Liebe wichtig, so sieht hingegen die Frau ihr Ehe-Ideal in der "Poesie der Liebe", in Zärtlichkeit, in Anerkennung und Wertschätzung und erst zuletzt in der geschlechtlichen Leidenschaft, die sie durchaus und sogar gerne bejaht - sobald sie ihr Ideal als erfüllt fühlt.

Anna, die weibliche Romanfigur, die ihren sehr viel älteren Mann aufrichtig liebt (es war von beiden Seiten eine Liebesheirat), ist glücklich, ihm in den ersten Ehejahren bei seinen literarischen Arbeiten zur Seite stehen zu können. Sie ist selbst eine musisch vielseitig begabte Frau, die für ihren Mann die eigenen Interessen ruhen läßt. Ihr späterer Kinderreichtum verstärkt ihren Rollenwechel zur "Nur-Hausfrau", die sich intensiv dem Wohle und der Erziehung ihrer Kinder widmet. Sie leidet unter dem Fehlen der Anteilnahme ihres Mannes an ihren häuslichen Pflichten und unter dem Mangel an zärtlicher Zuneigung in den für sie recht schweren Jahren, ganz besonders schmerzhaft aber verletzt Anna das absolute Desinteresse ihres Mannes an den Kindern.

Dabei lieben sie einander, aber eben jeder auf seine, für den anderen unakzeptablen Weise.

Um die Vervollkommnung der Liebesbeziehung in ihrem Sinne kämpft Anna in bewundernswürdiger Weise immer wieder aufs Neue mit geringem bis gar keinen Erfolg. So kommt es, dass sie schließlich dankbar das Verständnis für sich und die Kinder sowie die unausgesprochene Zuneigung eines Freundes ihres Mannes als belebenden Lebens-Quell für sich annimmt, ohne ihrem Manne dabei jemals untreu zu werden. Nie kommt es zwischen ihnen zu mehr als einem stummen Einvernehmen ihrer gleichgestimmten Seelen.
Der Freund ergänzt still und aus seinem innern Bedürfnis heraus, was sie bei ihrem Manne so sehr vermisst. Der unberechtigt notorisch eifersüchtige Ehemann macht sich schließlich auch hierin schuldig an seiner Frau. Damit findet die Frage, die Sofja Tolstaja im russischen Originaltitel ihres Buches stellt: "Wessen Schuld?", ihre unmißverständliche Antwort!

Der Roman ist flüssig geschrieben und dank der guten Übersetzung spannend zu lesen.
.
Man erfährt gleichzeitig viel über die anfänglich gute Ehe des Paares Leo und Sofja Tolstoi, die später durch einen auffälligen Denkungswandel von Leo Tolstoi recht schwierig wurde und 1910 in der "Flucht" Leos aus seiner Ehe gipfelte, die erst vor kurzem 2009 in dem Film "Ein russischer Sommer" mit Christian Plummer und Hellen Mirren aufgegriffen wurde.

Ich kann das Buch nur sehr empfehlen, nicht zuletzt wegen seiner historisch-literarischen Bedeutung.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biographie Gräfin Tolstaja, 28. März 2010
Von 
M. Weber-Bauer (Babenhausen, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Ein wunderbares Buch. Der Roman von Frau Tolstaja beschreibt auf unterhaltsame Weise die gesellschaftlichen Verhältnisse Russlands Ende des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zur sonstigen russischen Literatur sind Namen und Handlungsorte recht übersichtlich. Die Gefühle einer intelligenten und gebildeten Frau gut dargestellt. Ein wunderbares Zeitzeugnis. Sehr informativ ist auch die im Buch mitaufgenommene Biographie über Frau Tolstaja.

Der Druck aus dem Manesse-Verlag ist sehr schön aufgemacht: ein kleines, handliches Werk - auch für die Damen-Handtasche -.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo bleibt denn mein Leben?, 19. Juli 2012
Als sie das Manuskript der 'Kreutzersonate' abschreibt beschliesst Sofia Tolstaja eine Entgegnung zu diesem literarischen Werk ihres Ehemannes zu verfassen. 'Sollte denn nur darin unsere weibliche Berufung bestehen, vom körperlichen Dienst für den Säugling zum körperlichen Dienst für den Mann überzugehen? Und das abwechselnd immerfort? .......Wo bleibe ich? Ich, die einmal nach Höherem gestrebt hat, dem Dienst an Gott und den Idealen?'" lässt sie die Protagonistin ihres Romans sagen. Es hätten ihre Worte sein können, auch sie war künstlerisch begabt; sie schrieb, übersetzte, musizierte, malte, fotografierte. Hatte 16 Kinder geboren, davon 3 Totgeburten. Daneben hatte sie die Güter zu verwalten und alle Geschäfte zu führen. Unerfahren auf dem Gebiet des Verlagsgeschäft begann sie es von Grund auf zu die bisher verbotene "Kreutzersonate"' gedruckt werden konnte. Im Gegensatz zum Leben der Protagonistin hat die Prosa des Lebens Sofia Tolstaja denn doch ermöglicht aus dem Schatten ihres übermächtigen Ehemannes heraus zu treten.

Die Erzählung "'Eine Frage der Schuld?" ist ein Roman aus der Perspektive der Frau. Reduziert L. Tolstoi die Frau auf ihren Körper so setzt seine Ehefrau dem in ihrem Roman ihr eigenes Leben entgegen. Heirat mit einem Mann und Ernüchterung im Alltag. Was bisher für sie wichtig und bereichernd war gibt Anna, die Protagonistin, zugunsten ihrer Rolle als Ehefrau auf, was zunächst gut zu gehen scheint. Im Laufe ihres Ehelebens entwickelt der Ehemann eine paranoide Eifersucht, die darin eskaliert, dass er seine Frau umbringt. Im Gegensatz zur 'Kreutzersonate' entwickelt der Schluss eine völlig andere Situation des Mannes, der sich seiner Tat bewusst realisiert, dass er seine Ehefrau nicht erst jetzt, sondern lange zuvor umgebracht hat. Er lernt ihre Seele erst da zu schätzen und ihre Persönlichkeit menschlich zu begreifen.
Sofia Tolstaja beschreibt das Unvermögen des Mannes Frauen als ebenbürtige Menschen wahrzunehmen und sie als solche in ihrem Fortkommen zu unterstützen. Sie schildert aber auch das Unvermögen resp. die Unmöglichkeit der Ehefrau dagegen aufzubegehren resp. ihrem eigenen Leben den ihm gebührenden Platz einzuräumen.

Ein Jahrhundertroman dessen Aktualität fortwährt. Das Buch einer mutigen Frau ergänzt durch "die kurze Autobiographie" und einem Nachwort von Ursula Keller, was dem Verständnis nicht nur für die eheliche Situation der Tolstoi's sehr zuträglich ist. Inwiefern ist die Moderne befähigt sinnvolle Alternativen aufzugreifen und umzusetzen? Hat das Thema Mann-Frau-Beziehung sich inzwischen reformieren lassen? Er lässt einen sehr nachdenklich zurück, entschlossen, sich dieser Lektüre wiederholt zu widmen.
Ein Buch, das vor allem auch von Männern gelesen werden sollte.
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5.0 von 5 Sternen Sofja Tolstaja, 19. Februar 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine Frage der Schuld: Roman - (Taschenbuch)
TOLSTAJA, Sofja: „Eine Frage der Schuld“, München 2010
Eine Freundin empfahl mir dieses Buch und es war eine sehr gute Empfehlung.
Die um vieles jüngere Frau von Tolstoi war ursprünglich auch Dichterin, musste sich nach der Heirat aber dem großen Dichter unterordnen. Umso erfreulicher ist es, dass einige Romane von ihr existieren, wie etwa dieser, der zeigt welch großes Talent sie war. Leider ist nicht viel von ihr erhalten, weil sie vor ihrer Hochzeit mit Tolstoi alles von ihr Geschriebene – auch ihre Tagebücher – verbrannte.
Ich glaube heute ist der Unterschrift von weiblichen und männlichen Schriftstellern nicht so groß als vor hundert und mehr Jahren. Man fühlt an der Art, wie die Texte geschrieben sind, dass das von einer Frau stammt.
Das Buch baut auch den Ablauf der Liebesbeziehung eines Ehepaares sehr schön auf. Von der großen ersten Liebe mit all den später kommenden Wellen der Enttäuschung und des Versuchs wieder zu beginnen. Der Verlauf der Beziehung zwischen Eheleuten wird bis zum Tod der Frau beschrieben.
Im Anhang des Buches findet sich eine Autobiografie der Frau Tolstois. Interessant das Leben einer Frau im Russland des 19. Jahrhunderts zu lesen. Die Vorgeschichte ihrer Eltern und Großeltern und wie sie selbst Zugang zur Universität bekam. Sie beschreibt wie sie durch Bücher von Feuerbach und Büchner zum Materialismus fand, den aber wieder verließ, weil ihr die orthodoxe Kirche und ihr Glaube fehlten. Auch in den späten Jahren ihrer Ehe, als ihr Mann von der Kirchenlehre abfiel und sogar exkommuniziert wurde, blieb sie dem orthodoxen Glauben treu.
Auch ihr Zugang zur Literatur wird angesprochen: „Ich lernte eher schlecht, beschäftigte mich immer ausschließlich mit dem, was ich liebte. So begeisterte ich mich besonders für die russische Literatur und las damals sehr viel …“ (Seite 223)
Sie war eigentlich eine Generation jünger als ihr Mann. Ihre Mutter war mit Tolstoi befreundet und er war nur 2 Jahre jünger als die Mutter. Sie hat ihre Arbeit ihrem Mann untergeordnet: „Von den ersten Tagen an war ich meinem Mann Helferin sowohl in Wirtschaftsdingen als auch bei der Abschrift seiner Werke.“ (Seite 227/228) In ihrem Tagebuch schrieb sie dazu: „Das Bewusstsein, einem Genie und großem Menschen zu dienen, gab mir Kraft zu allem“. (Seite 231) Neben der intensiven Arbeit mit ihrem Mann bekam sie 13 (lebende) Kinder, von denen sie 10 selbst stillte. Neben Hauslehrern unterrichtete das Ehepaar die Kinder selbst.
In diesem Buch werden zwei Aspekte geliefert:
• Man erfährt durch diese Biografie der Ehefrau sehr viel über ihren Mann Tolstoi.
• Der Roman „Eine Frage der Schuld“ ist ein Spiegelbild des eigenen Lebens und insofern auch eine Biografie.
Tolstoi wurde krank und die Familie übersiedelte für fast ein Jahr an die Krim. Es brachte aber keine Besserung und man ging aufs Landgut zurück. Tolstoi, der sich mehr und mehr von seiner Frau (geistig) entfernte, verließ sie letztendlich auch. Als er starb und sie nachfuhr, wurde sie nicht mehr zu ihm gelassen.
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Eine Frage der Schuld: Roman -
Eine Frage der Schuld: Roman - von Sofja Tolstaja (Taschenbuch - 3. Mai 2010)
EUR 9,99
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